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Zugspitz-Lauf: Wettersturz war vorhersehbar

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Es lief durch die Nachrichten: Bei einer alljährlichen Sportveranstaltung, einem Extremlauf auf die Zugspitze, sind zwei Menschen ums Leben gekommen. Sie starben an Erschöpfung und Unterkühlung (Gesamter Bericht in der Zeit).

Es ist unfassbar, wie fahrlässig der Veranstalter hier vorgegangen ist! Ich zeige heute, dass dieser Wetterumschwung sogar von einem Anfänger in Sachen Wettervorhersage leicht hätte vorhergesagt werden können, meiner Meinung nach müssen sich die Verantwortlichen hier fahrlässige Tötung vorwerfen lassen.

Um das zu beweisen, benutze ich ausschließlich Karten, die deutlich vor Start des Berglaufs um 9 Uhr bereits jedem zugänglich waren.

Wetterlage

Deutschland war am frühen Sonntagmorgen (um 2 Uhr) bereits zweigeteilt: kühlere Luft hatte sich von Nordwesten eingeschlichen, im Südosten lag warme und feuchte Meeresluft.

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Der Wind

Geht es um den Wind, so wurde gesagt, dass dieser überraschend stärker geworden sei. Dazu las ich ein sehr bizarres Interview bei Spiegel Online, woraus ich nur dieses Zitat wiedergeben möchte:

Natürlich habe ich wie alle Bergsportler die Tage davor immer das Wetter überprüft. Aber den Wind kann man nicht abschätzen.

Das ist bei dieser Wetterlage – gelinde gesagt – vollkommener Quatsch. Genügt hätte ein Blick in diese Karte, die ebenfalls bereits am frühen Morgen zur Verfügung stand:

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Windprognose für Sonntag, den 13.07.08 8 Uhr. Quelle: MeteoGroup

Angezeigt sind dort 40 bis 50 Knoten Wind, entsprechend ca. 75 bis 95 km/h. Dazu sinkt bei Durchzug der Kaltfront natürlich auch die Temperatur, was auch für jeden sichtbar war:

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Temperaturen in 850 hPa, entsprechend hier knapp 1,5 km Höhe. Quelle: MeteoGroup

Sprich: wir hatten es mit vorhergesagten Temperaturen von -2 bis -4°C in 3 km Höhe zu tun, die Windgeschwindigkeit lag zwischen 75 und 95 km/h, entspricht einem Windchill-Faktor, also gefühlten Temperaturen zwischen -20 und -26°C, für jeden in dieser Tabelle nachzuprüfen.

Noch einmal: alle diese Karten waren vor dem Start des Rennens für jeden frei zugänglich. Mir ist absolut unverständlich, wie ein Veranstalter dann die Sportler zum Teil mit kurzen Hosen und T-Shirts die Zugspitze hinaufjagen kann. Ich hoffe inständig, dass hier zumindest eine hohe Geldstrafe fällig ist, obwohl ich eher auf Haft plädieren würde. Denn mich wird niemand davon überzeugen können, dass es absolut überraschend ist, dass bei einem Windchill von -26°C einem Menschen in T-Shirt der Tod durch Erfrieren droht.

Kommentare

  1. #1 L. Carone
    Juli 15, 2008

    Wobei ich ehrlich gesagt auch die Sportler nicht verstehe. Wie kann man denn auf Deutschlands höchsten Berg in T-Shirts und Shorts raufkraxeln? Insbesondere da wirklich jedem bekannt sein sollte, dass das Wetter auch mal völlig unvermittelt umschlagen kann? Und was war mit den Rettungssanitätern?

    Klingt für mich wie einer dieser tragischen Fälle, wo die Menschen mal wieder vergessen haben, wie verdammt gefährlich “Natur” sein kann.

  2. #2 Horstibaer
    Juli 15, 2008

    Ich hab im Radio gehört, die Veranstalter hätten letztes Jahr den Lauf abgebrochen und währen daraufhin von mehreren “Sportlern” verklagt worden. Macht den Tod von zwei Menschen nicht weniger schlimm, zeigt aber was für Idioten da zu gange sind.

  3. #3 Tobias
    Juli 15, 2008

    Das sind wirklich interessante Daten, die du hier präsentierst. Bin mir sicher, die haben noch juristische Relevanz bei der Aufarbeitung der Todesfälle und Verletzungen. Wenn die Läufer vorher eine Erklärung unterzeichnet haben, dass sie auf eigenes Risiko da rauf rennen, wird der Veranstalter wahrscheinlich nicht zu belangen sein. Höchstens man kann ihm nachweisen, dass er fahrlässig das Rennen gestartet hat, also vorher von deinen Karten wusste. Das denke ich mir jetzt mal so aus, als nicht-Jurist.

  4. #4 Ferdinand
    Juli 16, 2008

    Bei so einem Rennen (extrem Berglauf !!) muss sich auch die einzelne Person Gedanken machen und nicht alles auf die Veranstalter und Bergwcht abwälzen. Ich habe letztes Jahr mitgemacht und da ging das ganze nur bis Sonnalpin – zum Glück denn es waren ähnliche Umstände wie dieses Jahr. Ich habe mit meiner Frau (Handy Internet) bis kurz vor Start gecheckt ob es möglich ist und mit was für einer Kleidung ich starten kann. Hab mich dann für das nötigste entschieden und es ging gut. Allerdings an Sonnalpin war ich durchgefroren und musste noch einige Zeit verbringen um ganz nach oben zu kommen um meine Klamotten zu bekommen. Decke etc… war nicht vorhanden. Nur dem Veranstalter die Schuld zu geben halte ich für unfair. Das ist schon hochalpin und entweder ich kann damit umgehen oder ich lasse es bleiben…. Das andere ist halt jetzt dass ich kein Vertrauen mehr in irgendwelche Veranstalter habe und ich weiss auch jetzt dass eine Bergwacht nicht proaktiv eingreift. => Bedeutet wir müssen als Läufer alles im Detail selber planen und auch einen eigenen Plan B haben. Helfer aus der Familie etc… Traurig aber scheint wohl so zu sein ..
    Klingt unverschämt aber ich glaube (=> heisst nicht Wissen) die Bergwacht wurde vom Veranstalter beeinflusst. Rein statistisch gesehen ist das Wetter an so einem Berg selbst im Sommer 50% schlecht und auch gut. Dann hätten doch auch 50% der vergangenen Läufe abgesagt werden müssen ?? Bitte seht das nicht als Vorwurf an den Veranstalter oder Bergwacht !! Jeder der rechnen kann weiß daß dieser Lauf nicht gerade der Business Case ist dem man hinterherrennt und die Bergwacht hat laut Berichten danach mehr als unmögliches unternommen um schlimmeres zu verhindern. Ansonsten wäre es schlimmer gewesen.
    Es schockt mich dass diese Tragödie passiert ist und ich möchte hier mein ehrliches Mitgefühl an die Angehörigen aussprechen. Wir haben alle unseren Denkzettel bekommen. Schuld zuweisen bringt nichts mehr … Lasst uns alle daraus lernen ….

  5. #5 Frank Abel
    Juli 16, 2008

    Natürlich hat jeder der Sportler auch Verantwortung für sein eigenes Leben. Die Teilnehmer waren aber “heiß” und sie haben wahrscheinlich auf die Leitung vertraut.

    Wenn ich Sportler sehe, die sich wie Kinder benehmen und im T-Shirt loslaufen, so muss ich mit dem Wissen auch sagen: So geht das nicht.

    Man soll ja auch einen Betrunkenen davon abhalten, Auto zu fahren…

  6. #6 Werner Paulus
    Juli 16, 2008

    Jetzt die Schuld auf den Veranstalter zu schieben ist Unrecht.
    Dieser hatte vor dem Start auf das Wetter und die dafür notwendige Ausrüstung
    deutlich higewiesen. Warum haben sich die meisten Startenden nicht an diese Hinweise gehalten?

  7. #7 L. Carone
    Juli 16, 2008

    @Paulus @Frank: Ja, das ist auch so ein Aspekt. Die Veranstalter haben wohl mehrfach auch am Wettkampftag drauf hingewiesen, dass man sich warm anziehen sollte. Manche Sportler haben sogar während des Wettkampfes die dünn angezogenen angesprochen und dafür fast Prügel kassiert. Dann heißt es auf einmal “Kümmer Dich um Deinen eigenen Dreck!”

    Es ist eine Abwägungssache: Freiheit des einzelnen< ->Einschränkung durch Regeln.

    Und es sind nun mal erwachsene Menschen am Start gewesen. Und die Leute waren ja wohl im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte, was ein Betrunkener nicht ist.

    Klar, wenn etwas passiert, dann ist das Geschrei laut nach Regelungen und der Staatsanwaltschaft. Aber wenn nichts passiert und man sich in seinem Spaß eingeschränkt sieht, dann wird wieder rumgemurrt, dass man in Deutschland gar nichts mehr darf, weil alles irgendwie geregelt wird, weil jeder geflissentlich vergisst, dass wir im Grunde diejenigen waren, welche diese Regelungen überhaupt erst gefordert haben. Weil irgendwo, irgendwann mal was passiert ist.

    Entweder leben wir mit totaler Überwachung und sind dafür sicherer als je oder aber wir lassen den Leuten Freiheiten und akzeptieren, dass einige damit nicht umgehen können und sich sogar damit umbringen.

    Das ist den Angehörigen natürlich kein Trost und ich kann auch das Bedürfnis verstehen, einen Schuldigen zu finden. Also einen anderen Schuldigen als der geliebte Sohn, Vater, Bruder. Wer hört schon gerne in seiner Trauer, dass es der geliebte Mensch seinen Tod durch Leichtsinn selbst verschuldet hat?

  8. #8 Klaus G.
    Juli 16, 2008

    Niemand hat die Läufer die Zugspitze “hinaufgejagt”!

  9. #9 Angelika
    Juli 16, 2008

    @ Werner Paulus: Waren Sie dabei, als der Veranstalter DEUTLICH auf den Schneesturm hingewiesen hat? Vermutlich habe ich diesen deutlichen Hinweis verschlafen. Simmt, der Veranstalter hat bei der Startnummernausgabe ein DIN A4 Blatt voll mit Kleingedrucktem ausgeteilt, in dem alle möglichen Verhaltensregeln standen. Er hat tatsächlich auch auf die kalten Temperaturen (ich weiss es nicht mehr genau, aber ich glaube 3 °) und auf passende Kleidung hingewiesen, aber das entscheidende war der Schneesturm und auf diesen wurde nicht hingewiesen, obwohl anscheinend bekannt war, dass dieser Wettersturz zwei Stunden nach dem Start eintreten würde. Das habe ich nachher erfahren. Im Gegenteil, ich kann mich noch genau daran erinnern, als der Veranstalter kurz vor dem Start sogar “Windstill” für oben durchgesagt hat. Für mich hat im nachhinein der entscheidende Hinweis auf den Wettersturz gefehlt. Dann hätte immer noch jeder für sich entscheiden können, ob er mit diesem Wissen läuft oder nicht. Wir sind aber unter anderen Voraussetzungen losgelaufen.
    Ausserdem ist es leider nicht so einfach, wenn man in einer Pension in Ehrwald sitzt, in der es gerade mal zu einem alten Fernseher mit acht Programmen gereicht hat, und weder ein Telefon geschweige denn ein Internetzugang vorhanden ist, an die Wetterdaten im Internet zu kommen.
    Ich finde, der Veranstalter hätte wenigstens Klartext reden müssen.

  10. #10 chris
    Juli 16, 2008

    Warum soll der Veranstalter schuld sein? Wer sich im Hochgebirge aufhält oder sich dort bewegt, muß passende Kleidung dabei haben, egal ob Bergsteiger, Wanderer oder Bergläufer. Ein rascher Wetterumschwung im alpinen Gelände ist immer und jeder Zeit möglich. Jeder ist doch für sich selbst verantwortlich und wenn einer meint, er muß mit kurzer Buchse und einem T-Shirt ( ohne Wechselkleidung) darauf, dann soll er das machen. Man darf/muß nicht alles regelmentieren und kontrollieren ( es sei denn, es sind Kinder dabei).Für mich trifft den Veranstalter keine Schuld.
    Wenn ich in einer Kurve geradeaus fahre, kann ich auch nicht die Stadt darauf verklagen das sie da eine Kurve hingebaut hat.
    Trotzdem ist es schlimm, das es Tote gegben hat.

  11. #11 Jürgen Schönstein
    Juli 16, 2008

    In den USA gibt es das Prinzip der “last clear chance” – derjenige Beteiligte ist haftbar, der als letzter die klarsten Informationen zum Geschehen und zur Vermeidung des Unglücks hatte. Das macht natürlich die Schadenersatzanwälte reich, weil nach diesem Prinzip konnte man McDonald’s für den zu heißen Kaffee verklagen oder die New Yorker Verkehrsbetriebe, wenn man betrunken vor die U-Bahn fiel und dabei einen Arm verlor. Beides authentische Fälle, übrigens. Aber so ganz aus der Luft gegriffen ist die Idee trotzdem nicht. Spieltheoretiker könnten dazu sicher eine Menge mehr sagen, aber wer an so einem Rennen teilnimmt, hat ein sehr eingegrenztes Ziel, für das er große persönliche Opfer in der Form von Training, Lebensumstellung, Reisekosten etc. auf sich genommen hat – sich selbst durch eine Absage, oder auch nur durch beschwerende Ausrüstung zu handicappen (vor allem, wenn er Mitbewerber sieht, die dies nicht tun) fällt da sicher schwer. Dass Sportler typischer Weise an und über ihre eigenen Grenzen gehen, sollte man als verantwortungsvoller Veranstalter immer mit berücksichtigen und entsprechend umsichtiger planen.

  12. #12 Frank Abel
    Juli 17, 2008

    Eine schöne Diskussion, die sich hier entwickelt hat.

    Zur Sache: Natürlich gibt es die Freiheit jedes Einzelnen. Die Frage ist nur, wie weit man diese zulassen darf? Wenn ich sehe, jemand rennt in die Kälte mit einem Windchill, der Erfrierungsgefahr bedeutet, dann habe ich die Pflicht, diesen aufzuhalten. Alles andere wäre unterlassene Hilfeleistung.

    Darum vergleiche ich auch die Situation mit dem des betrunkenen Autofahrers, denn, wie Jürgen schön beschrieben hat, haben diese Sportler so viel Energie in die Angelegenheit gesteckt, dass man Ihnen schon eine eingeschränkte Urteilsfreiheit zugestehen muss (das meine ich nicht einmal negativ, es ist nachvollziehbar).

    Angelikas Einwurf ist daher ebenso interessant. Sie war offenbar vor Ort, und bestätigt meine Einschätzung, dass hier verharmlosend ans Werk gegangen wurde.

    Der Vergleich mit der Kurve von chris hinkt. Denn die analoge Situation wäre ja anders: Sie wäre vergleichbar mit demjenigen, der von dem Autofahrer hört, der VORHAT, jetzt geradeaus in der Kurve zu fahren. Müsste man diesen Autofahrer nicht aufhalten?

  13. #13 Matthias
    Juli 17, 2008

    Hi Frank, wirklich interessante Fakten, die du hier veröffentlichst. Was mir bei den ganzen Diskussionen um diesen schlimm endenden Berglauf bisher zu kurz kam, ist die Versorgung und Verpflegung der Läufer seitens des Veranstalters. Ich mag nicht beurteilen, ob dieser das Rennen hätte absagen oder früher abbrechen müssen. Aber er bekommt von jedem Starter 70 Euro Gebühr und hat bei diesem anspruchsvollen Lauf für eine entsprechende Infrastruktur zu sorgen, z.B. dass alle auf knapp 3000m im Zielbereich noch ein warmes Getränk erhalten, sollte bei 70 Euro Standard sein. Außerdem wundere ich mich, dass sich nicht mehr darüber aufregen, auch die Teilnehmer in diesem Jahr, dass da nicht für jeden eine warme Decke zur Verfügung stand. Ich gehe hier von Aussagen im Internet aus. Das waren “nur” 600 Teilnehmer, da sollte in Sachen Versorgung mehr drin sein. Da ist sich der Veranstalter wohl doch nicht des Schwierigkeitsgrades (Streckenprofil, Höhe des Ziels) bewusst. Zum Vergleich: Der Jungfrau-Marathon in der ach so teuren Schweiz kostet nur 5 Euro mehr, aber da ist eine Struktur für ca. 4000 Läufer aufzuziehen. Nach mehreren Teilnahmen finde ich die 75 Euro inzwischen angemessen. Leider war ich beim Zugspitzlauf noch nicht dabei. Aber inwiefern sind da 70 Euro Startgeld gerechtfertigt???

  14. #14 Ferdinand
    Juli 17, 2008

    Frank hat Recht wenn er einen Betrunkenen vom Autofahren abhält. Genauso hätte doch da die Bergwacht Leute aufhalten müssen die nur mit kurzer Hose und Trikot bekleidet waren. Oder was würdet Ihr machen wenn Ihr im Winter bei 0 Grad und Schneetreiben einen in der Badehose rumlaufen seht ? Irgendwie verstehe ich nicht, dass nicht früher eingegriffen wurde. Die haben doch alle Funkquetschen etc… Erschreckend fand ich auch dass laut Internet und Medien Berichten von Zeugen wieder keine Decken und warme Getränke vorhanden waren. Bei jedem Provinzlauf kann ein Teilnehmer eine Decke im Ziel haben. Hmm bei Regen kurz gekleidet starten ?? Auf den höchsten Berg Deutschlands ?
    Ich befürchte sogar dass dieser Lauf wieder stattfinden wird und es einige Teilnehmer mehr sein werden => Ganz tolle Helden ………..
    Ich habe meine Packung letztes Jahr bekommen und einen Haken dahinter gemacht. Bin ein Flachlandläufer, trainiere im Flachland und bleibe dort mit Ausnahme von Hügel Rennen. (Schuster bleib bei Deinen Leisten) Jemand der in den Bergen lebt und auch mit den Gegebenheiten vertraut ist kann bestimmt anders agieren aber nicht die breite Masse die nun mal aus dem Flachland kommt.

  15. #15 Ulrich Hänel
    Juli 19, 2008

    Hallo Herr Abel,
    Sie scheinen ja ein ganz besonders schlauer Typ zu sein – ich würde vorschlagen, dass Sie bei Ihrem Wetter bleiben und sich in Ihrer Beurteilung bzw. Verurteilung des Veranstalters zurückhalten, denn davon haben Sie ja offensichtlich keinen blassen Schimmer. Ich selbst habe am Zugspitzlauf teilgenommen und bin bis zum Gipfel gelaufen. Dabei fällt es mir schwer, dem Veranstalter auch nur eine Teilschuld zuzuweisen. Auf der Internetseite des Veranstalters waren bereits am Vortag ungeschönte Informationen zum Wetter ersichtlich. Auch vor dem Start wurde durchgesagt, dass auf der Zugspitze momentan 2 bis 3°C herrschten. Jeder normale Mensch, der schon einmal im Gebirge war, weiß, dass ein Temperaturabfall von 3 bis 4 Grad dort absolut normal ist und überhaupt nicht als Wettersturz bezeichnet werden kann. Ich bedauere es sehr, dass hier 2 Läufer zu Tode gekommen sind, jedoch muss man klar sagen, dass einige Ihre Grenzen offenbar nicht kannten ebenso wenig die Strecke. Mir ist bereits am Brandjoch aufgefallen, wie unsicher und unbeholfen einige dort entlang eierten. Da muss man sich fragen, ob diese Leute jemals im Gebirge auf einem Steig gegangen sind – von Trittsicherheit war hier bei einigen nichts zu sehen. Desweiteren ist es für mich nicht nachvollziehbar, wie man lediglich im Laufshirt und ultra kurzer Laufhose auf einen knapp 3000m hohen Berg starten kann. Ich selbst hatte eine leichte Gore-Laufjacke und eine Fleece-Mütze dabei. Damit konnte ich der Abkühlung durch den Wind problemlos standhalten. Man hatte mehrfach die Möglichkeit das Rennen sicher zu beenden – die letzte Möglichkeit war am Sonnalpin. Danach gibt es keine Chance mehr auszusteigen. Das haben einige Läufer scheinbar völlig ignoriert und wollen nun die Schuld dem Veranstalter zuschieben. Total vom Ehrgeiz zerfressen, jedoch eindeutig nicht mehr ausreichend bei Kräften sind hier einige in die letzten 400hm eingestiegen, die man dann auch bis zum Schluss durchziehen muss. Dieser Lauf ist ein Extremberglauf und mit einem Stadtmarathon nicht vergleichbar. Man kann dann nicht einfach aufhören und stehen bleiben, man muss mit den Kräften haushalten. Hier zählen andere Dinge. Dabei haben sich einige in ihrem Übermut überschätzt und die alpinen Gefahren, die ja offenkundig waren, gänzlich verdrängt. Übrigens waren die Wetterinformationen nicht nur für den Veranstalter gedacht, sondern auch jeder Teilnehmer dieses Extremberlaufes sollte sich vorher diesbezüglich Gedanken machen und sich entsprechend auf die Gegebenheiten einstellen. Bereits bei der Anmeldung wird man mit einer Reihe Haftungsausschlüssen konfrontiert – das hat wohl so manchen völlig kalt gelassen…
    Herr Abel, bitte informieren Sie sich richtig über alle Randbedingungen, bevor Sie sich völlig unqualifiziert in der Öffentlichkeit äußern.
    Ulrich Hänel

  16. #16 Ulrich Hänel
    Juli 19, 2008

    Ach übrigens hat der Veranstalter die Läufer nicht in kurzen Hosen und T-Shirts die Zugspitze hinaufgejagt. Das haben die Läufer schon selbst getan. Und wie Sie schon richtig schreiben, waren alle Ihre Karten vor dem Rennen jedem frei zugänglich also auch jedem Läufer, der sich daraufhin mit Trägershirt und kurzer Hose am Start eingefunden hat. In den Startunterlagen und auch direkt vorm Start wurde geraten, sich ausreichend warm anzuziehen. Zwingen kann man jedoch niemanden dazu. Auch wurde niemand am Sonnalpin dazu gezwungen, trotz starker Erschöpfung und mangelhafter Bekleidung sich in das letzte und extreme Teilstück ohne Ausstiegsmöglichkeit zu begeben. Bei Ihnen würde ich eher auf mangelhaften Grips plädieren.

  17. #17 Marco Radke-Fretz
    Juli 19, 2008

    Hallo Herr Hänel, also Herrn Abel mangelnden Grips vorzuwerfen, halte ich für verwerflich. Jeder Veranstalter von Outdoor-Events ist verpflichtet, sich zu informieren und realistisch zu entscheiden, ob das Wetter für seine Veranstaltung geeignet ist. Hier wurde meiner Meinung nach grob fahrlässig gehandelt. Ich bin mir sicher, dass die Gerichte dies später auch so einschätzen werden.

  18. #18 Ulrich Hänel
    Juli 19, 2008

    Hallo Herr Radke-Fretz, bitte nehmen Sie mir meine Sprödigkeit nicht übel, jedoch bekomme ich einen Hals, wenn sich jemand wie Herr Abel solch tiefgreifende Urteile erlaubt und somit einer recht einseitigen Meinungsbildung bei den Lesern Vorschub leistet. Hier muss nur ein Sündenbock her – egal wer. Den Veranstalter am besten gleich steinigen.
    Dann möchte ich nochmal betonen, dass diese Veranstaltung ein Extremberglauf ist, bei dem logischerweise eben auch mit extremen Bedingungen umgegangen werden muss. Sonst könnte man den Lauf beim kleinsten Windhauch schon absagen. Im vergangenen Jahr war das letzte Teilstück von vorn herein gesperrt worden – das Resultat war, dass sich der Veranstalter mit Regressansprüchen konfrontiert sah.
    Es stellt sich eher die Frage, ob hier einige Läufer ohne Bergerfahrung, ohne Trittsicherheit, ohne die Strecke zu kennen, ohne ausreichend Kleidung mit Ignoranz dem Wetter gegenüber und ohne Vernunft, rechtzeitig aufzuhören, am Zugspitzlauf teilnahmen.

  19. #19 tartar
    Juli 21, 2008

    ???????
    “meiner Meinung nach müssen sich die Verantwortlichen hier fahrlässige Tötung vorwerfen lassen.”

    Wie steht es mit dem Begriff Eigenverantwortung, E I G E N V E R A N T W O R T U N G.
    Eine miese Zeiterscheinung immer andere schuldig zu sprechen.
    D A S gehört dikutiert.

  20. #20 Frank Abel
    Juli 23, 2008

    Herr Hänel,

    Ihre Argumentationsweise hat Sie für jeden weiteren Kommentar disqualifiziert.

  21. #21 Frank Abel
    Juli 23, 2008

    Hallo tartar,

    sicher hat jeder auch eine eigene Verantwortung für das, was er tut. Das möchte ich auch gar nicht absprechen. Aber wie Sie sicher auch gelegentlich erfahren müssen, gibt es Menschen, die sich unnötig in Gefahr begeben.

    Zum Beispiel wird auch ein Kneipenwirt mitverantwortlich gemacht, wenn er einen alkoholisierten Gast wissentlich Auto fahren lässt. Dieses rechtliche Gleichgewicht sollte gewahrt bleiben.

    Gruß,

    Frank Abel.

  22. #22 Ulrich Hänel
    Juli 24, 2008

    Hallo Herr Abel,
    scheinbar bin ich doch noch nicht disqualifiziert worden – mit Ihrem Beispiel vom besoffenen Autofahrer sind Sie aber nicht gerade sehr überzeugend. Die Läufer, welche am Zugspitzlauf teilnahmen, waren geistig voll zurechnungsfähig und das sollte man auch sein, wenn man an einem Extremberglauf teilnehmen will.
    Ich gehe davon aus, dass Sie hier keine tragfähige Argumentation mehr zustande bringen, weil Sie auf meine Kommentare nicht weiter eingehen.

  23. #23 Ferdiand
    Juli 26, 2008

    Das ganze wird jetzt ein wenig zu aggressiv !

    Ganz klar jemand der in Trikot und kurzer Laufhose im Regen am Start steht und auf den höchsten Berg Deutschlands anrennen will … hmm was erwartet der eigentlich ? Miami Beach oder was ??? Andererseits wenn ich einem Bergwachtler in die Augen sehe und der nix sagt dann gehe ich grundsätzlich davon aus dass alles passt. KEIN VORWURF !!
    Ist nur einfach so dass sich die ganzen Sachen dieses Jahr aufgeschaukelt haben. Mal ne ganze andere Frage an Ulrich: Gab es denn auf Sonnalpin dieses Jahr Decken und evtl. ein warmes Getränk ?

  24. #24 Ulrich Hänel
    Juli 29, 2008

    Hallo Ferdinand,
    selbst bin ich nicht im Sonnalpin gewesen, jedoch habe ich von anderen gehört, dass es schon Decken gab, auch wurden heiße Getränke und Fußbäder für die Unterkühlten gemacht. Aber möglicherweise konnten bei der Vielzahl von Läufern nicht alle so gut betreut werden, eben nur die schwereren Fälle. Insgesamt muss ich aber sagen, dass die Versorgung mit heißen Getränken etwas knapp ausgefallen ist.
    Die Bergwachtler werden sich auch ihren Teil gedacht haben, jedoch haben diese nicht das Recht, die Läufer vom Weiterlaufen abzuhalten. Ein Einreden auf die leicht bekleideten Läufer hätte sicher auch nichts gebracht, nachdem die Läufer die Hinweise des Veranstalters in den Startunterlagen, auf der Homepage und die Durchsagen direkt vorm Start ignoriert hatten. Ich glaube da liegt bei vielen ein Irrtum vor, dass die Bergwacht hier den Läufern die Entscheidung vorwegnehmen kann. Eine 54-jährige Frau, die den Gipfel erreichte, hatte auch leichtbekleidete Läufer weiter unten schon angesprochen, jedoch bekam sie dafür nur Beschimpfungen, wie sie dann erzählte. Dass der Veranstalter letztes Jahr von einigen Läufern mit Regressansprüchen belangt wurde, weil dieser die Entscheidung über’s Weiterlaufen vorweg nahm, wird die Bergwächtler ebenfalls veranlasst haben, sich mit keinem Läufer weiter anzulegen. Der Veranstalter selbst hat sich eben auch gesagt, dass er die Entscheidung den Läufern selbst überläßt, bevor er sich dann herumstreiten muss. Dieses Jahr gab es daher lediglich Empfehlungen. Und nochmal, dieser Extremlauf führt in hochalpines Gelände und kann daher auch nicht so abgesichert werden, wie beispielsweise der Berlin-Marathon. Es ist bis heute bei vielen noch nicht klar geworden, dass dieser Lauf mit Stadtläufen überhaupt nicht vergleichbar ist. Ich denke, dass einige Läufer die Bezeichnung Extremberglauf einfach nur toll fanden und sich nichts weiter dabei gedacht haben…

  25. #26 Jochen
    August 1, 2008

    Hallo,
    ich bin ein Läuferkollege des 45jährigen Verunglückten. Ich kenne ihn seit Jahren und weiß aus vielen gemeinsamen Wettkämpfen daß er sich auf alle Läufe akribisch vorbereitet hat und immer sehr umsichtig vorgegangen ist. Er war zweifellos sehr engagiert, Laufen bedeutete ihm sehr viel, aber es war für ihn nie ein Beinbruch einen Wettkampf abzubrechen wenn eine Gefahr für seine Gesundheit bestand.
    Ich war selbst beim Zugspitzlauf nicht dabei, leider, jedoch hat er mir vor dem Rennen gesagt daß er sich nach den Empfehlungen und Anweisungen des Veranstalters richten will. Er hat sich darauf verlassen daß der Veranstalter – wie im Vorjahr – den Lauf abbrechen wird sobald eine Gefahr für die Läufer besteht. Das war vielleicht sein Todesurteil.

  26. #27 Ulrich Hänel
    August 1, 2008

    Hallo Jochen,
    das ist sehr tragisch, was hier passiert ist – es tut mir auch sehr leid um die beiden Verunglückten. Ich verstehe aber nicht, warum die Läufer, die auf dem Gratweg durch Erschöpfung und dann Auskühlung kollabierten, nicht die Möglichkeit genutzt haben, das Rennen kurz vorher am Sonnalpin zu beenden. Ich muss doch merken, wenn ich fast nicht mehr kann!!! Und es war auch schon kalt genug am Sonnalpin – bereits davor wurden unterkühlte Läufer auf der Strecke aufgesammelt. Keinesfalls wäre ich weiter geganen, wenn ich nicht Goretex-Jacke und Mütze angehabt hätte. Die Empfehlung des Veranstalters lautete wegen des schlechten Wetters auch, das Rennen am Sonnalpin zu beenden. Dann verstehe ich überhaupt nicht, warum sich nicht ausreichend angezogen wurde, wenn man denn das letzte Teilstück unter diesen Voraussetzungen doch noch unbedingt gehen muss. Soweit ich weiß, kam der 45jährige Mann 200hm über dem Sonnalpin bereits zum Liegen. Da waren nur 100hm Klettersteig zurückgelegt worden. Ich weiß auch nicht, ob er den letzten Abschnitt zum Gipfel überhaupt kannte und den Weg vorher schonmal geganen ist… Die Ermahnung, sich ausreichend warm anzuziehen, wurde auch mehrfach an die Teilnehmer gerichtet. Der Zugspitzlauf ist immer gefährlich – neben dem Temperaturabfallrisiko kann man auf dem letzten Klettersteig-Stück auch ganz schnell abstürzen. Daher besteht immer eine Gefahr für die Läufer – dieses Risiko nimmt jeder in Kauf, der hier weiter macht. Der Tod der beiden Männer läßt sich nicht mehr rückgängig machen – auch wenn einige nach einem Generalschuldigen schreien, wurde dadurch nun ins Bewußtsein gerufen, dass es sich hierbei um keinen normalen Lauf handelt, da er in hochalpines Gelände führt und mit den dazugehörigen Risiken im Hochgebirge verbunden ist.

  27. #28 Jochen
    August 4, 2008

    Hallo Ulrich,
    ich kann nur vermuten was ihm am Sonnalpin durch den Kopf gegangen ist. Er hat hier nicht abgebrochen weil er sich sicher war den Gipfel aus eigener Kraft zu erreichen. Wäre er dort bereits zu erschöpft oder ausgekühlt gewesen wäre er niemals weiter gegangen. Und er war bestimmt überzeugt daß der Veranstalter die Situation soweit im Griff hatte und über den Stand der Wetterlage so weit informiert war daß er die Situation so einschätzte daß für einen durchtrainierten Sportler keine große Gefahr bestand weiter zu gehen bzw. im Fall eines Unfalles, egal ob durch Erschöpfung, Unterkühlung, verstauchtem Knöchel oder nur kaputt gegangenes Schuhmaterial entsprechende Hilfe bereit stand.
    Soweit ich informiert wurde war er am Sonnalpin an 10. Stelle und er hat diese vmtl. letzte Möglichkeit zum gefahrlosen Abbruch passiert weil der Wetterumschwung vmtl. erst anschliessend einsetzte. Wäre er er ein paar Minuten später hier vorbei so hätte man ihn evtl. ‘eindrücklicher gewarnt bzw. hätte ihn gar nicht erst passieren lassen.
    Aus seiner Sicht war er nicht ‘falsch gekleidet’. Am Start hieß es noch ‘am Gipfel 4°C und Windstille’. Selbst bei mäßigem Wind und Dauerregen wäre ‘oben und unten kurz’ die zweckmässige Bekleidung für einen Langstreckenlauf, zumindest hier im Flachland. Bei Temperaturen unter Null, Schneefall und Wind in Sturmstärke wäre er niemals so gelaufen. Daß aber am Gipfel solche Bedingungen herrschten hat er vmtl. am Sonnalpin noch nicht gewusst. Vmtl. hat das zu diesem Zeitpunkt nicht mal der Veranstalter gewusst bzw. ist das noch nicht bis zu den Posten am Sonnalpin vorgedrungen bzw. erging an die Posten noch nicht die entsprechende Order.
    Man müsste das Ganze zeitlich rekonstruieren um da endgültig Klarheit zu haben, leider hat der Veranstalter seine Daten aus der Ergebnisliste genommen so daß seine Durchgangszeit am Sonnalpin mir nicht mehr bekannt ist.

    Ich möchte daher weder ihm noch dem Veranstalter eine Schuld zuweisen. Beide haben vmtl. basierend aus ihrem aktuellen Kenntnissstand die richtigen Entschlüsse gefasst. Ob der Veranstalter genügende Sicherheitsvorkehrungen getroffen hatte die auch im Falle des ‘worst case’ ausreichend sind, obliegt nicht meiner Einschätzung. Damit wird sich vmtl. noch ein Gericht auseinandersetzen.

  28. #29 Ulrich Hänel
    August 4, 2008

    Hallo Jochen,
    danke erstmal für Deine Antwort – am Sonnalpin muss ziemlich genau 11:57 (+-1min) abgeriegelt worden sein. Ich selbst hatte es mit einer Laufzeit von 2:55:54 passiert. In der Ergebnisliste sind noch drei Läufer mit 2:56:… nach mir da durch. Mein Kumpel kam nur genau 1 Minute nach mir am Sonnalpin an – er wurde nicht mehr weiter gelassen. Wenn der 45jährige Verunglückte am Sonnalpin an 10. Stelle war, dann müsste er ca. kurz nach 11:00 da gewesen sein. Zu diesem Zeitpunkt müssen am Sonnalpin bereits nur noch knapp über 0°C geherrscht haben. Ich vermute, dass ich zu diesem Zeitpunkt irgenwo nach der Knorrhütte war. Auch dort war es nicht mehr sonderlich warm. Der Wind hatte zu dieser Zeit schon aufgefrischt. Unabhängig davon war am Start durchgegeben worden: 2 bis 3° auf dem Gipfel und momentan Winstille. Dass der Verunglückte am Sonnalpin niemals weitergegangen wäre, weil er zu erschöpft und vor allem zu ausgekühlt gewesen wäre, dem möchte ich aber widersprechen. Der Temperaturabfall geschah nicht in wenigen Minuten. Nach dem Sonnalpin kommen zunächst technisch leichte aber recht anstrengende 100hm auf Schutt. Hier wird man durch das Zurückrutschen nochmal richtig warm, wenn man nicht schon völlig am Ende ist. Dann kommt der Einstieg in den Klettersteig. Bereits nach 100hm Klettersteig, der nur wenige ganz leichte Kletterstellen enthält, kam der Mann zum Liegen. Das muss noch lang davor gewesen sein, bevor ich dort vorbei kam. Ich kann das nicht verstehen. Ich selbst bin kein Supersportler, habe den Lauf aus Respekt vor den 2200hm ziemlich ruhig angehen lassen und hatte dafür aber noch ausreichend Reserven am Sonnalpin und fühlte mich auch noch gut. Der Mann muss weitergegangen sein, obwohl er schon stark erschöpft war und daher nicht mehr genug Körperwärme erzeugen konnte. Es wurde ja erst ca. eine knappe Stunde später am Sonnalpin abgeriegelt, nachdem er da durch war. Also lediglich 200hm nach dem Sonnalpin ist er ja schon zusammengebrochen. Damit liegt eigentlich klar auf der Hand, dass er am Sonnalpin bereits nicht mehr ausreichend bei Kräften gewesen sein konnte und mit kurzen Sachen auch schon entsprechend ausgekühlt gewesen sein muss. Innerhalb von 200hm und viellicht 15 Minuten kann sich seine Verfassung nicht so rapide verschlechtern, wenn er ein trainierter Läufer ist. Eine leichte Laufjacke ist auch bei 4°C im Flachland sicher nicht ganz verkehrt. Wem die 100g dennoch zu schwer sind, der spart aber ganz klar an der falschen Stelle. Auch wenn im Flachland ein Lauf bei 4°C und strömendem Regen startet, werde ich nicht nur mit kurzen Sachen an den Start gehen, wenn ich dann mehrere Stunden unter diesen Bedingungen laufen will. Dann muss ich auch sagen, dass der Klettersteig recht schmal ist – wer ihn schonmal hinaufgewandert ist, weiß, dass hier nur wenige Stellen sind, wo man Streckenposten aufstellen kann. Wenn man auch noch an einen verstauchten Knöchel denkt, wo es schon mal eine viertel Stunde dauern kann, bis einen die Bergwacht erreicht hat, möchte ich auch im Flachland nicht ohne Jacke und Mütze bei 4°C im Regen sitzen. Also diesen Fall hat der Mann sicher gleich gar nicht bedacht. Wie schon gesagt, Sicherheitsvorkehrungen kann man auf dem letzten Abschnitt nur sehr wenige treffen, weil das ein Klettersteig ist. Es wird immer eine gewisse Zeit dauern, bis die Bergwacht einen Verunglückten dort sicher hat. Also bitte sei mir nicht böse aber die Läufer mit starken Unterkühlungen und auch die beiden tödlich Verunglückten waren hier schon selbst ausreichend fahrlässig mit ihrer Gesundheit.
    Gruß Ulrich

  29. #30 Jochen
    August 5, 2008

    Hallo Ulrich,
    vielen Dank für Deine Ausführungen. Ich habe nochmals ausführlich im Internet gestöbert und bin auf zwei interessante Artikel gestoßen (URLs weiter unten) :

    “Der erfahrene Bergläufer (Matzek) rechnet damit, dass im Sonnalpin wie im Vorjahr der Lauf wegen des schlechten Wetters abgebrochen würde, stattdessen stehen dort Leute vom Veranstalter und feuern die Läufer an. “Der Gipfelzugang ist offen. Ihr schafft das. Gebt noch mal Gas.”

    Vmtl. hat auch er damit gerechnet daß das Ziel aufgrund der sich rasch verschlechternden Bedingungen auf das Sonnalpin vorverlegt wird und sich seine Kräfte dementsprechend eingeteilt und sich am Start hierfür passend gekleidet. Da er die Strecke und die Wetterbedingungen im Gebirge nicht kannte hat er evtl. die ihm bevorstehenden Strapazen einfach unterschätzt bzw. war schon nicht mehr zurechnungsfähig, wie z.B. die erfahrene Bergläuferin Ellen Clemens:

    “Ellen Clemens liegt entgegen ihren eigenen Erwartungen in Führung und ist vollkommen unterkühlt. …. Sie sagt, sie wolle weiterlaufen. Gegen ihren Willen wird sie ins “Sonnalpin” gebracht, der letzten, weiter unten gelegenen Möglichkeit zur Rast. Noch Stunden später hat die Ärztin nicht mehr als 35 Grad Körpertemperatur. … Für zwei Läufer im Feld der 600 Starter kommt der Einsatz zu spät: ein 45-jähriger Mann aus dem württembergischen Ellwangen und ein 41-jähriger Läufer aus Witten in Nordrhein-Westfalen sterben kurz unterhalb der Zugspitze. Es ist ungefähr die Stelle, an der Ellen Clemens zur Aufgabe gezwungen worden ist.”

    Gruß,
    Jochen

  30. #32 Ulrich Hänel
    August 5, 2008

    Hallo Jochen,
    vielen Dank für Deine Recherchen – das sind qualifizierte und sinnvolle Beiträge. Zu den interessanten Artikeln: Das habe ich im Wesentlichen auch so erlebt, wie es der Peter Matzek schildert. Nur hat mich beim Sonnalpin niemand angefeuert. Das könnte aber daran gelegen haben, dass es zeitlich schon kurz vor der Sperrung des letzten Teilstücks war. Ich denke, dass das Rieser Läuferteam um Peter Matzek recht kontrolliert den Lauf absolviert hat – die Männer hatten sich auf jeden Fall ordentlich angezogen, was dann auf dem letzten Teilstück der ausschlaggebende Punkt war, weshalb von ihnen keiner kollabierte. Die kalten Hände waren tatsächlich sehr unangenehm, vor allem weil man sich im Klettersteig dann ständig an den eiskalten Stahlseilen festhalten musste, um auf dem glitschigen Fels sicher zu stehen. Beim nächsten mal würde ich mir auch noch leichte Fleece-Handschuhe mitnehmen, wenn es denn noch ein “Nächstes Mal” gibt. Die ultrakurze Bekleidung der “Spitzenläufer” hat genau diese Teilnehmer als sture und überehrgeizige Teilnehmer entlarvt, die hier ohne Sicherheitsreserven sowohl kräftemäßig als auch bekleidungsmäßig ihre Grenzen teilweise überschritten haben. Mich würde mal interessieren, wer an den Veranstalter im vergangenen Jahr Regreßansprüche gestellt hat. Möglicherweise werden wir da bei diesen Leuten fündig. Aber auch Peter Matzek spricht bei den Läufern mit Bewußtseinsstörungen von Entkräftung bei diesen. Als ich endlich oben ankam, war ich ebenfalls ganz schön ausgekühlt, jedoch mich umziehen und heißen Tee trinken konnte ich noch alleine. Zu Ellen Clemens denke ich, dass sie wegen ihrer Spitzenposition besonderen Ansporn verspürte, den Lauf bis nach ganz oben durchzuziehen um sich damit den Sieg zu sichern. Dabei wäre es aber ein wichtiges Signal an nachfolgende Teilnehmer gewesen, den Lauf am Sonnalpin zu beenden. Die Bergwacht hat sich hier auch schon recht weit aus dem Fenster gelehnt, als sie Ellen Clemens gegen ihren Willen aus dem Rennen nimmt, obwohl es ja zu Gunsten der Ärztin war. Aber ich nehme an, dass man nicht auf große Gegenwehr getroffen ist und dass Ellen Clemens sich schnell den Anweisungen der Bergwacht untergeordnet hat. Also in sofern setzte ja dann doch die Vernunft schnell wieder ein. Generell haben Notfallpatienten das Recht, den Abtransport in ein Krankenhaus zu verweigern – hier sichern sich die Retter mit einer Unterschrift ab, wenn der Betroffene absolut nicht einsichtig ist. Ich denke, das weiß Frau Clemens auch. Der Autor des Beitrages Mirko Weber schreibt im untern Teil, dass Sportler, zumal Extremsportler nur an ihren Tag X und die angestrebte Zeit denken und alle anderen Parameter wenig oder nichts zählen – das sind genau die Teilnehmer, die hier ihre Grenzen überschritten haben und keine Extremsportler. Das Lebensnotwendige und auch die Bewältigung der Herausforderung liegt bei einem Extremsportler gerade in der Beachtung und Abwägung sämtlicher Parameter.
    Gruß Uli

  31. #33 Harald Häse
    August 7, 2008

    Ich bin ebenfalls mitgelaufen und kam nach 2:50 h oben an.
    Gestartet bin ich mit halblangen Hosen und einem kurzen Laufshirt, hatte mir aber eine Windjacke umgebunden und eine Mütze dabei.
    Hier eine ganz wichtige Info für alle diejenigen, die noch nie einen Berlauf mitgemacht haben: Beim Hochrennen heizt sich der Körper so stark auf, dass ein Wetter wie Schneefall, Temperaturen um den Gefrierpunkt und Wind bis 30 km/h überhaupt kein Problem ist. Genau dieses Wetter hatten wir im Vorjahr beim Zugspitzlauf und niemand kam unterkühlt ins Ziel. Einen signifikanten Unterschied macht es aber, wenn der Wind nicht 30 km/h, sondern 60 km/h bläst! Dieser Unterschied führte dazu, dass ich mich auf der Sonnalpin noch gut gefühlt habe (nur leicht kalt) und nur 15 Minuten später auf dem Grat richtig geschlottert habe. Es war extrem kalt. Dank meiner Windjacke und Mütze kam ich relativ gut ins Ziel und konnte mich noch alleine umziehen aber viel länger hätte der Lauf nicht sein dürfen. Dass eine Verdoppelung der Windgeschwindikeit das System so leicht kippen kann, dies ist in der Tat für alle Teilnehmer und für den Veranstalter eine neue Erfahrung gewesen – eine tragische.

  32. #34 Mark Huber
    September 2, 2008

    Hallo zusammen,

    mit Interesse habe ich erst heute diese Diskussion gelesen. Ich bin auch schon privat (außerhalb des Zugspitzlaufs) auf die Alp- und Zugspitze gelaufen.
    Als Bergläufer habe ich die physische Übermacht der Naturkräfte anzuerkennen oder ich habe keine Ahnung von den Bergen. Das einzige was ich den Naturgewalten entgegenzusetzen habe ist mein Gehirn, mit dem ich den Zeitpunkt einschätzen muß, wann mich der Berg oben toleriert. Das heißt ich muß mich vorher um eine genaue Wetterprognose kümmern, eine Aufgabe die ich nicht einem Veranstalter überlassen darf. Ich selbst habe grundsätzlich bei jedem Berglauf – egal welches Wetter herrscht – einen Gürtel umgeschnallt, in dem sich 550ml Trinkgefäße, Karten, Handy, E-lyt-Pulver und 1 wasserdicht verpacktes Langarmfunktionsunterhemd und eine wasser- und winddichte Laufjacke befinden. Diese Mindestausrüstung habe ich immer dabei und bin damit immer gut gefahren.
    Niemals, und schon gleich dreimal nicht wenn es im Tal bereits regnet und eine Kaltfront vorhergesagt ist. würde ich nur im Laufhemdchen ohne wasser- und winddichte dichte Jacke auf die Zugspitze laufen.
    Zum Thema Falle, d.h. die Läufer mußten nach nach dem Sonnalpin “durch”: Das ist normal auf der Zugspitze, wir kamen mal als Bergsteiger auf dem Jubilämusgrat (zwichen Zugspitze und Alpspitze, ausgesetzter Grat, Gehdauer 8h, erster Notabstieg zur Knorrhütte nach etwa 5-6h) in ein Gewitter. Wir kamen gerade noch rechtzeitig 50m vom Grat runter, als die Blitze oben in der Grat einschlugen. Dennoch kassierten wir leichte Stromschläge durch Erdleitungen. Wenn man diese Naturgewalten einmal erlebt hat, kann man sich nur an`s Hirn fassen, wie man wie ein Lemming im T-shirt auf die Zugspitze rauflaufen kann.

  33. #35 Ulrich Hänel
    März 13, 2009

    Der 9. Zugspitzlauf findet am 19.07.2009 statt!

    Informationen und Anmeldung unter:

    http://www.getgoing.de/frameset.htm

  34. #36 Ferdinand
    März 13, 2009

    Hallo zusammen,

    erstmal danke an den Oragnisator dieses Forums.

    Wahnsinn es findet wieder statt und ich denke es werden viele, viele Helden kommen. So was brauchen manche auf Ihrer Lebens Checkliste der Heldentaten.

    Traurig aber wahr. Geht nicht hin boykottiert es ! Was für ein Zynismus !

    An den Veranstalter ein herzliches Beileid für diese Menschenverachtung. Nichts dazu gelernt aber wie das bei manchen Menschen so ist….. Das Geld ist wichtiger …

    Was ist das für ein Mensch ……..

  35. #37 Ulrich Hänel
    Mai 10, 2009

    32-jähriger Mann stirbt nach Halbmarathon:

    http://www.donaukurier.de/lokales/polizei/ingolstadt/32-jaehriger-Mann-stirbt-nach-Halbmarathon;art64745,2094883

    … also man müsste alle Lauf- bzw. Sportveranstaltungen absagen, um auszuschließen, dass dabei jemand umkommt… stimmt’s Ferdinand? Oder was sind das nur wieder für menschenverachtende Barbaren – die Organisatoren des Ingolstädter Halbmarathon! Ich gehe davon aus, dass Deine Worte nicht nur Schall und Rauch sind und Du entspechend Deiner Einstellung nächstes Jahr in Ingolstadt auch den Halbmarathon boykottierst! Übrigens sterben die meisten Menschen zu Hause in ihrem Bett – ich bin schon ganz gespannt, was Du dagegen unternehmen willst… ach und auch von meiner Seite ein ganz herzliches Dankeschön an den Organisator dieses Forums!

  36. #38 herr holle
    Juli 7, 2009

    lieber frank!

    ich hatte letztes jahr den wetterbericht für den veranstalter gemacht und es war, wie du sagst, keine schwierige prognose. zu mindest nicht 2 tage davor.
    der va wie die teilnehmer waren informiert, dass es um das gipfelniveau schneien wird.

    beim start hat es gepisst und es war schon in ehrwald kalt (10°).
    wieso du dem veranstlater vorwürfe machst, versteh ich nicht. es gehen ja auch leute freiwillig auf den mt. everest. was kann der va dafür, wenn die leute zu deppert zum sch…sind?
    der va (peter krinninger) ist ein super kerl und wegen pfeifen wie euch wird er zur sau gemacht. denkts ein bisschen nach, bevor ihr so einen obergscheiden mist im web verbreitet, danke!

  37. #39 S.S.T.
    Juli 15, 2009

    Es wird eine mündliche Verhandlung geben:
    http://www.sueddeutsche.de/bayern/943/480424/text/
    Vielleicht lassen sich die Urteilsgründe, egal wie die Verhandlung ausgeht, etwas ausführlicher in Erfahrung bringen, als es dann in der Presse steht.

  38. #40 Frank Abel
    Juli 16, 2009

    Hallo Herr Holle,

    ich kann diesen Kommentar jetzt teilen in einen sachlichen und einen emotionalen Teil. Im sachlichen Teil wird mir Recht gegeben. Bei der Anschuldigung der Anschuldigung (*g*) dagegen finde ich keine logischen Gründe mehr, stattdessen den Hinweis auf den guten Charakter.

    Das mag ja auch zutreffen, dennoch wird man sich derartige Fragen gefallen lassen müssen. Ich muss ja auch mit derartigen Kommentaren leben.

  39. #41 holle
    Juli 16, 2009

    herr abel,

    der zugspitzlauf fand ja nicht zum 1. mal statt. schon öfters gab es ungemütliche bedingungen und auf knapp 3000m höhe ist es halt auch im sommer hin und wieder winterlich. das wissen die teilneher und die veranstalter und es wird gestartet, fast egal wie das wetter ist. wenn permanent blitze einschlagen, dann wohl nicht. deshalb vielleicht auch der name extremberglauf. warum viele menschen so etwas machen, ist doch egal, sie wollen es einfach und man bietet ihnen gelegenheiten dazu, sich zu messen, zu beweisen od. was weiss ich was. ich persönlich finde es zt. übertrieben ehrgeizig aber ich kann und will niemanden davor abhalten. jeder soll rauf laufen wo und wann er will und beim lauf 2008 auf die zugspitze hat jeder gewusst, was ihn oben für ein wetter erwartet. es hätte auch ohne tote ausgehen können. aber leider hat es 2 erwischt. im nachhinein hergehen und alles kritisieren ist einfach, kann echt jeder. sich aufzuspielen und zeigen, das wetter war vorhersehbar, kann im nachhinein auch fast jeder. bringt aber keinem was. damit wird nur eine schuldfrage zugewiesen und zwar auf jemanden, der sich bemüht und sorgt, dass nichts passiert. per lautsprecher wurde beim start noch auf die widrigen verhältnisse hingewiesen. wer sich überfordert, kann auch bei schönstem wetter einen herzinfarkt usw. erliegen. kritik an der veranstaltung selbst od. am veranstalter ist haltlos und im nachhinein überflüssig. sie können heute kritisieren od. eine gute punktprognose zur verfügung stellen, für welche sie dann zu mindest moralisch haften. ich und sie wissen heute, dass es heuer am gipfel ca. 0 grad haben wird bei windböen bis ca. 70km/h. der teil der prognose ist recht sicher, die bewölkungsverhältnisse heute noch nicht so sehr. sollte es oben abschatten, haben wir wieder bedingungen, die einen enormen kräfteverbrauch fördern und wenn jemand der erschöpfung nahe ist, können tiefe temperaturen, wind und unpassende bekleidung, der magel an calorienreicher flüssigkeit etc. zu kritischen situationen führen. heuer dürfte aber das flugwetter passen…

  40. #42 Ulrich Hänel
    Dezember 5, 2009

    Hallo Herr Abel,
    so viel zu Ihrem “fundierten” Vorwurf der fahrlässigen Tötung – um einen Schlusspunkt zu setzen:
    http://www.sport1.de/de/mehrsport/newspage_180105.html
    Mit Ihrer Seriösität sollten Sie vielleicht lieber für die Boulevardpresse arbeiten – dort kann man Sie sicher besser brauchen…

  41. #43 Frank Abel
    Dezember 6, 2009

    Hallo Herr Hänel,

    nun beruhigen Sie sich. Lesen Sie noch einmal und überlesen Sie nicht das “meiner Meinung nach”. Es handelt sich hier mehr um einen Kommentar und offenbar nicht von mir alleine, sonst hätte es ja auch keine (zugelassene!) Gerichtsverhandlung gegeben.

    Wenn denn nun Recht gesprochen ist, dann sollte man auch so viel Seriosität ausstrahlen, die Sache ruhen zu lassen.

    “Ätschi”-Kommentare gehören meiner Ansicht nach eher in den Bereich der Boulevardpresse.

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