i-54a92ef607b5ef86d36dda893eacbdca-Frank_and_Phil-thumb-300x225.jpg

Es gibt gute Gründe, trotz immer neuer Verdachtsfälle von Schweinegrippe und bestätigter Erkrankungen auch hierzulande nicht in Panik zu verfallen: Die Grippesaison ist vorbei und wir sind gut vorbereitet. Die aktuelle Impfung gegen Grippe ist jedoch wahrscheinlich unwirksam, wie ein Sequenzvergleich zeigt.
Es geht weiter mit Schweinegrippe-News, die es nirgendwo sonst zu lesen gibt
.

Im ersten, derzeit meistgelesenen Artikel auf den ScienceBlogs, ging es um Hintergrundinformationen zur Schweinegrippe inclusive einer ständig aktualisierten Karte mit aktuellen Verdachtsfällen in Europa.

Im zweiten Artikel war das aktuelle Grippevirus Influenza A/H1N1 und sein Stammbaum Thema. Eine phylogenetische Einordnung der mittlerweile publizierten Sequenzdaten hat gezeigt, dass es sich, entgegen verbreiteter Spekulationen, genetisch eindeutig um ein Schweinevirus handelt.

Es kommt hin und wieder vor, dass Schweineinfluenzaviren Menschen befallen. Neu ist bei diesem Virus, dass es von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. Seit ein paar Tagen sind die ersten Fälle von Schweinegerippe auch in Europa aufgetreten, seit gestern gibt es auch bestätigte Fälle in Deutschland und in Österreich. Ich denke dennoch nicht, dass sich die Schweinegrippe hierzulande zur tödlichen Pandemie ausweitet.

Hier einige Gründe, die dagegen sprechen:

Die Grippesaison ist vorbei

Influenza tritt beim Menschen saisonal abhängig auf. Grippewellen finden in den allermeisten Fällen im Winter statt. Während die Grippesaison in Europa und Nordamerika vorbei ist, fängt sie in Südamerika und Australien gerade an. Dort ist demnach auch mit einer deutlich höheren Zahl an Infektionen zu rechenen.

Es ist noch nicht vollständig klar, warum Grippe saisonal auftritt. Es hat wohl mit drei Faktoren zu tun:

  • Erstens überlebt das Influenzavirus unter kalten, trockenen Bedingungen besser. Tierversuche haben zum Beispiel gezeigt, dass sich Meerschweinchen bei 5°C leicht mit Grippe anstecken, wohingegen bei 30°C keine Ansteckung zu beobachten war.
  • Zweitens sind die Atemwege im Winter durch kalte Außenluft und trockene Heizungsluft häufiger gereizt, und können dadurch leichter von Viren befallen werden.
  • Drittens verbringen wir im Winter mehr Zeit zusammen in geschlossenen Räumen, was zu einer leichteren Übertragung der Viren führt.
i-cafb9ccbecf1d1609d85f9cd1af289b2-Grippewellen-thumb-550x203.jpg

Hier in der Abbildung wird die saisonale Verteilung der Influenzafälle in Deutschland deutlich. Wir befinden uns momentan in Kalenderwoche 18. Eingezeichnet sind die Grippefälle der letzten drei Jahre in unterschiedlichen Farben.

Die Mortalität ist niedriger als gedacht

Während anfängliche Zahlen aus Mexiko eine erschreckend hohe Letalität (also die Anzahl der Toten pro Anzahl der Infizierten) der Schweinegrippe suggierten, zeigt sich momentan, dass es bei weitem nicht die vorerst errechneten 5.5% sind.

Zur Begriffsklärung: Morbidität bezeichnet die Wahrscheinlichkeit eines Individuums an der Grippe zu erkranken, Mortalität bezeichnet die Todesrate, also Tote pro Gesamtbevölkerung. Die Letalität der Grippe ist die Zahl der Todesfälle pro der Zahl der Infizierten.

Die geringe Morbidität und Mortalität haben mehrere Gründe:

Die Medien warnen

Dadurch, dass die Grippe nicht unentdeckt bliebt, sondern weltweit ein gewaltiges Medienecho hervorruft, sind die Menschen aufmerksamer. Wer Grippesymptome bei sich feststellt, wird eher zum Arzt gehen, und eher adäquat behandelt.

Außerdem achtet der einzelne eher auf Hygienemaßnahmen, die eine Ausbreitung des Virus verhindern. Also: Häufiges Händewaschen, und andererseits direkten Körperkontakt und Menschenmengen vermeiden. So ist Augenzeugenberichten zur Folge der U-Bahn Verkehr in Mexiko-Stadt deutlich zurück gegangen, Universitäten sind geschlossen, und zur Begrüßung wird sich nicht mehr die Hand gereicht.

Vorsorgeimpfungen und Grippemittel

Wer sich mit einem Influenza-Virus infiziert und an dessen Folgen stirbt, stirbt normalerweise nicht unmittelbar durch die Viren, sondern an einer Sekundärinfektion, beispielsweise einer von Pneumokokken hervorgerufen Lungenentzündung. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Pneumokokkenimpfung allen Kleinkindern zwischen 2 Monaten und 2 Jahren und allen Menschen über 60.

Wie im letzten Artikel erklärt, wirken gegen den aktuellen Schweinegrippestamm wahrscheinlich Neuraminidasehemmer wie Tamiflu und Relenza.

Weiter gibt es selbstverständlich die Grippeimpfung, die jedes Jahr im Herbst mit dem aktuellen Impfserum aufgefrischt werden muss. Zur Herstellung und Zusammensetzung des Impfstoffs hier ein Link zur Wikipedia. Die jährliche Auffrischung ist nötig, da Influenzaviren, wie in dem vorherigen Beitrag erklärt, schnell mutieren, und dadurch vorhandenen Antikörper die Viren nicht mehr erkennen. Eine Frage, die es zunächst zu klären gilt, ist:

Wirkt die aktuelle Grippeimpfung gegen Schweinegrippe?

Da es sich beim dem aktuellen Virus tatsächlich um ein Schweinevirus handelt, dass auf den Menschen übergesprungen ist, scheint es sehr unwahrscheinlich, dass aktuelle Impfseren die Viren-Antigene erkennen. Klarheit schafft nur ein genauer Sequenzvergleich der Viren-Antigene, Also des Hemagglutinins (HA) und der Neuraminidase (NA). Ich habe zuerst die Proteinsequenzen der Antigene in den Impfseren der letzten drei Jahre vergleichen. Benutzt habe ich das Programm T-Coffee.

Zur Erklärung: Je höher der Aligment-Score ist, desto ähnlicher sind sich die Proteine. Bei 100 Stimmen sie überein. Sternchen unter den Aminosäuren zeigen an, dass sie identisch sind bei den verglichenen Proteinen. Die Aligmentdateien sind als Textdateien hinter den jeweiligen Scores hinterlegt.

Die drei HA Proteine der Impfseren der letzten drei Jahre haben einen Alignment-Score von

94

. Trotz der Ähnlichkeit muss man sich jedes Jahr erneut impfen lassen. Der Vergleich zwischen HA Protein im aktuellen Impfserum und HA Protein aus dem Erreger der Schweinegrippe ergibt einen Score von

90

, also doch deutlich weniger.

i-d211e10deeb82cdfc1160e9164ac8df9-Alignemnt_NA_Swine_Brisbane-thumb-550x394.png

Der Vergleich der NA Proteine fällt noch deutlicher aus. Während der Vergleich der Proteine in den letzten drei Impfseren einen Aligment-Score von

87

ergibt, zeigt der direkte Vergleich zwischen der NA des Schweinegrippevirus und der des letztjährigen Impfserums nur einen Score von

78

(Siehe Abbildung oben).

Es erscheint also doch recht unwahrscheinlich, dass aktuelle Impfseren auch bei der Schweinegrippe wirken.

Zuletzt noch der Hinweis, dass dieser Artikel so nur für Mitteleuropa gilt. Auf der Südhalbkugel beginnt gerade die Grippesaison, die Impfung gegen Pneumokokken ist lange nicht so weit verbreitet, und die medizinische Betreuung bei einer Grippe lange nicht so gut. Es wird mit Sicherheit noch weitere Tote geben.

Ich hoffe dennoch, ich behalte mit meinen optimistischen Prognosen Recht, was die Ausbreitung und Gefährlichkeit der Grippe betrifft, und ich wünsche allen Lesern ein symptomfreies erstes Maiwochenende.

Bild oben via Arbeitsgemeinschaft Influenza
Zusammensetzung der Grippeimpfstoffe via Wikipedia
Sequenzen von ncbi

Kommentare (20)

  1. #1 Count Ruebe
    30. April 2009

    Ich will ja nicht kleinkariert sein, aber die Überschrift “Die Mortalität ist niedriger als gedacht” müsste doch eigentlich “Die Letalität ist niedriger als gedacht” heißen, oder nicht?

    Btw: was für ein Tag ist denn “T-Coffee”…? 🙂

  2. #2 wolfgang
    30. April 2009

    Kannst das bitte korrigieren. Die Influenza Impfviren sind nicht attenuiert. Das sind regelmäßig normale Wildtypviren die evtl auf besseres Wachstum auf Hühnereiern adaptiert sind. Also “scharfe”später inaktivierte Viren die von den Eiern geerntet und dann gereinigt werden und in Spalt bzw Subunit Impfstoffe formuliert werden.
    Ganzvirusimpfstoffe sind reaktogener und als saisonaler Impfstoff seit Jahren nicht gebräuchlich.

  3. #3 Tobias
    30. April 2009

    @Count Ruebe
    Beides, Mortalität und Letalität ist niedriger, wenn Gegenmassnahmen getroffen werden.

    @wolfgang
    Geändert. Ich ging davon aus, dass die auf Hühnereiern gezüchteten Impfviren vor Impfung abgeschwächt, also attenuiert werden.

  4. #4 Simon
    30. April 2009

    Ich will mal hoffen, dass man die Sache möglichst schnell in den Griff bekommt.

    Nicht dass noch eine Panik auf der ganzen Welt ausbricht.

    Die Wirtschaftskrise reicht schon voll und ganz.

  5. #5 Marie
    1. Mai 2009

    Wer weiß es:
    Wo kann ich zuverlässige Zahlen der jährlichen Welt-Grippetoten der letzten 10 Jahre erhalten?

  6. #6 wolfgang
    4. Mai 2009

    @Tobias

    Man sollte sich überlegen, was bedeutet wirkt die Impfung gegen saisonale Influenza auch gegen Schweinegrippe?
    Du hast die Sequenzunterschiede oben ja schön dargestellt, daraus könnte man schließen, dass die Impfung gegen Infektion unwirksam ist. Würde aber durch vorhandene saisonale impfinduzierte H1N1 Antikörper die Virusvermehrung verlangsamt, so wäre auch das bereits ein Effekt, der besonders bei massenhaften Infektionen einen nicht unerheblichen Effekt haben könnte (ist ja noch nicht belegt).
    Es wäre ja schon schön, wenn bei saisonal Influenza Geimpften eine Schweinegrippeinfektion mit weniger Komplikationen also leicvhter verläuft.

    @marie Solche Zahlen gibt es kaum. Der Grund liegt darin, dass wenn ein Influenza Toter direkt an der Infektion stirbt, könnte er (wird aber auch nicht) zuverlässig erfasst werden. Bekommt der Influenza Infizierte aber so etwas am Tag 7 nach Infektion noch eine bakterielle Pneumonie und stirbt daran, so gilt die Influenza Infektion nicht als Ursache, sondern die bakterielle Pneumonie.
    .

  7. #7 wolfgang
    5. Mai 2009
  8. #8 Ulf
    5. Mai 2009

    buhuuu…wann kommt ein neuer post? 😉

  9. #9 christian
    9. Mai 2009

    habe mich noch nie gegen grippe impfen lassen und war seit ca 10 jahren nur einmal beim arzt wegen eines eingeklemmten nervens im rücken, bei etwas fieber oder husten oder schnupfen helfen normalerweise die guten alten hausrezepte wie heisse zitrone essig strümpfe ect. aber ich fliege im juli nach el paso das direkt an der mexikanischen grenze liegt und auch einer von drei oder vier grenz übergängen in die staaten ist die es überhaupt gibt. jetzt wüßte ich gern soll ich mich gegen die normale grippe impfen lassen oder ist das auch egal oder was kann ich machen. bin für konstruktive ideen aufgeschlossen. aber nicht für ideen wie nicht hinfliegen, weil ich dies tun werde und das auch wenn ganz el paso erkrankt ist. mit freundlichen grüßen christian

  10. #10 fatmike182
    9. Mai 2009

    @christian
    Das Impfen gegen die normale Grippe wird vermutlich nicht viel nützen, da die Grippesaison in der diese verbreitet ist ja schon vorüber ist.
    Ich würde mich an deiner Stelle über die Situation betreffend Spitäler & Oseltamivir-Versorgung informieren, dieses soll ja im falle einer Infektion innerhalb der nächsten 48h eingenommen werden.

    Dass du bis jetzt noch nie Grippe hattest muss nicht zwingend an deinem Immunsystem ilegen sondern einfach, dass du noch nie wirklich in die Berührung mit dem Virus gekommen bist. Ein Rückschluss auf eine andere Virenvariante ist noch schwerer möglich.
    Wenn du Glück hast ist bis dahin die Situation schon beruhigt.
    (Wann wären die ersten Impfstoffe zu erwarten?)

  11. #11 AVO
    29. Mai 2009

    Hallo zusammen !

    Gibt es überhaupt krankmachende Viren, oder ist dies bloss ein guter Marketingbluff der Pharamfirmen ?

    http://www.gandhi-auftrag.de/Virenexistenz.pdf

    Gruss Andreas

  12. #12 Albert Wilfert
    7. Juni 2009

    @ AVO

    Ich bin mir sicher, eher das zweitere. Und es funktioniert auch. In Österreich gibt es 6 Fälle, alle weit entfernt von Lebensgefahr und der Staat hat 16 Millionen Einheiten des noch zu produzierenden Impfmittels bestellt. Das nenne ich einen Schnitt machen. Daneben ist es Tatsache dass der Erreger nur zusammen mit einem empfänglichen Immunsystem zur Erkrankung führt, weil sonst jeder jede aktuelle Krankheit kriegen würde, weil weder die Fahrscheine in der U-Bahn noch die Trinkgläser in Lokalen sterilisiert werden. Ist eine einfache Sache, es wundert mich, warum das nicht jeder weiss.

  13. #13 Tobias
    7. Juni 2009

    @AVO, Albert Wilfert
    ich empfehle den Herren sich mit aktuellen Fachbüchern aus Virologie und Immunologie zu beschäftigen. Es hilft zu verstehen, was in den Büchern drin steht.

  14. #14 Albert Wilfert
    11. Juni 2009

    @ Tobias

    Die fussen im wesentlich auf denn Erkenntnisse Luis Pasteurs, die dieser selbst noch zzu Lebzeiten widerrufen, b.z.w. entscheidend abgeschwächt hat.
    Nutzloses will ich weder lesen noch lernen. Das ganze ist eine Riesen-Hype, mit der viel Kohle gemacht wird, die Zukunft wird mich bestätigen.
    Homöopathisch wird diese Grippe behandelt wie jede Andere auch. Und zwar erfolgreich behandelt.

  15. #15 Albert Wilfert
    11. Juni 2009

    @ Tobias

    Die fussen im wesentlich auf denn Erkenntnissen Luis Pasteurs, die dieser selbst noch zzu Lebzeiten widerrufen, b.z.w. entscheidend abgeschwächt hat.
    Nutzloses will ich weder lesen noch lernen. Das ganze ist eine Riesen-Hype, mit der viel Kohle gemacht wird, die Zukunft wird mich bestätigen.
    Homöopathisch wird diese Grippe behandelt wie jede Andere auch. Und zwar erfolgreich behandelt. Schnell, schonend und billig.

  16. #16 Tobias
    11. Juni 2009

    @Albert Wilfert:
    Schon fertig gelesen?
    Verstanden was drin steht offenbar aber nicht.

  17. #17 Albert Wilfert
    11. Juni 2009

    @ Tobias

    Dazu habe ich zuwenig Zeit, jeden Müll zu lesen. Ich weiss was ich gegen Grippe machen kann, sei es normal, Schweine oder Pharma-Grippe und das reicht mir.

  18. #18 Tobias
    11. Juni 2009

    Das freut mich, Herr Wilfert.
    Ich wünsche Ihnen noch ein langes Leben bei bester Gesundheit!

  19. #19 Albert Wilfert
    11. Juni 2009

    @ Tobias

    Das gebe ich gerne zurück. Sie mögen lange gesund leben.

  20. #20 dagmar
    6. November 2009

    ich habe echt …groo?e angst vor der schweinegrippe.Ich habe auch schon überlegt ob ich mich impfen soll aber meine eltern haben gesagt ,dass die impfung gegen die schweinegrippe nicht zu ende erforscht ist. Also ob es noch weitere todesfälle nach der Impfung geben könnte?! (manche sind ja schon bekannt geworden)…deswegen habe ich beschlossen mich nicht zu impfen damit ich nicht nach 4 tagen sofort tod umfalle :-/…..um mich etwas selbst zu beruhigen und sicherer u fühlen nehme ich ein Densinfiktionsspray mit in die schule und sprühe mich nach jeder unterrichtsstunde ein.Viele machen das nun aus meiner klasse und wir fühöen uns echt besser(seelisch) 😉 probierts doch auch mal ..es klappt fg dagii