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Energie aus Sonne, Wind und Wasser decken aktuell nur zu 1,8% den Energiebedarf in Deutschland. Sind Atomkraftwerke eine Alternative um die CO2 Emissionen nachhaltig zu verringern? Und was sind vordringliche Probleme der Nutzung von Kernenergie?

Es ist politisch, ökologisch und ökonomisch geboten, die CO2 Emissionen zu veringern und die Kohle, Öl und Gasressourcen zu schonen. Eine Alternative zur Verheitzung fossiler Brennstoffe, Energie aus regenerativen Trägern, wird seit Jahren schon mit wachsender Begeisterung erforscht und implementiert. Trotzdem ist das Gros der Energie, die in Deutschland verbraucht wird aus fossilen Ursprungs. 81% der Primärenergie stammt aus Erdöl, Erdgas, Stein- und Braunkohle. Der Anteil der regenerativen Energien liegt bei 7,4 %. (Abbildung 1).

Energiemix Deutschland.png

Abbildung 1: Energieträger in Deutschland 2008. Zahlen zur Grafik aus dem Jahresbericht der AG Energiebilanzen.

Über die Hälfte der Energie die als regenerativ bezeichnet wird stammt übrigens aus Biomasse. Der Anteil der Energie aus Sonne, Wind und Wasser an den regenerativen Energien beträgt nur 24 %. Die Solarenergie, also Photovoltaik und Solarthermie, stellt gar nur rund 3 % der regenerativen Energie zur Verfügung (Abbildung 2).

Sonne, Wind und Wasser, die Lieblingskinder der ökologisch orientierten öffentlichen Meinung, decken also aktuell letztendlich nur 1,8 % des Energiebedarfs in Deutschland ab.

Regenerative Energien Deutschland.png

Abbildung 2: Verschiedene regenerative Energien und deren Anteile. Zahlen zur Grafik aus dem Jahresbericht der AG Energiebilanzen

Eine Alternativenergie zu fossilen Brennstoffen mit weniger gutem Ruf ist die Kernenergie. Die unvoreingenommene Beantwortung der Frage, ob der Ruf gerechtfertigt ist, könnte Einfluss auf energiepolitische Entscheidungen der nächsten Jahre haben. Die Überprüfung der Kernenergie aus ökologischen Gesichtspunkten ist allemal gerechtfertigt. Aktuell deckt sie zu rund 12 % den Energieverbrauch in Deutschland, in Frankreich sind es 80 %.

Hilft Kernenergie tatsächlich die CO2 Emissionen zu verringern?

Kernenergie ist prinzipiell CO2-neutral. Es wird ja zur Energiegewinnung kein Kohlenstoff verbrannt. Dennoch wird selbstverständlich CO2 beim Bau, dem Betrieb, und dem Schließen der Anlage und der Endlagerung von Brennstäben freigesetzt. Die Hauptposten ist der Energieverbrauch der Maschinen bei der Schürfung von uranhaltigem Erz und der Stromverbrauch bei der Aufbereitung zu spaltbarem Material. Die Zahlen in der Literatur gehen hier deutlich auseinander. Sie liegen zwischen 3 g/kWh und 120 g/kWh. Der wissenschaftliche Dienst des Bundestages gibt Zahlen zwischen 15 und 30 g/kWh an. Die Zahlen sind trotzdem deutlich niedriger als jene für Energie aus fossilen Trägern. Erdgas schneidet mit 410 g/kWh hier am besten ab, Braunkohle mit maximal 1230 g/kWh am schlechtesten.

Kernenergie hilft also, die CO2 Emissionen zu verringern. Es sind jedoch noch zwei andere Aspekte, die bei der Nutzung von Kernenergie eine Rolle spielen und die diskutiert werden sollten:

  • Wie sicher sind gängige Reaktortypen im Ausland und in Deutschland tatsächlich?
  • Ist es verantwortbar abgereichertes Material langfristig unterirdisch zu lagern?

Zudem ist der Ausgangsstoff für die meisten Kernkraftwerke, 235Uran, ebenfalls ein endlicher Rohstoff dessen Verfügbarkeit bei aktueller Nutzung in etwa der von fossilen Brennstoffen entspricht. Kernkraftwerke können also ebenfalls nur eine vorübergehende Lösung der Energie- und Emissionsproblematik sein.

Der Vater eines Freundes, ein pensionierter Physik-Professor, erklärte mir kürzlich im Gespräch, er habe seinen Ingenieursstudenten auf die Frage auf welches Gebiet sie sich spezialisieren sollten häufig zur Reaktortechnik geraten. Auch wenn in Deutschland keine neuen Reaktoren mehr gebaut werden, so ist das Know-How doch dringend notwendig. Denn irgend jemand muss die aktuellen Kraftwerke ja warten und irgendwann stillegen. Je länger sie laufen, desto günstiger ist übrigens deren CO2-Bilanz.

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Kommentare (37)

  1. #1 Jörg Friedrich
    4. August 2009

    Ein Aspekt, der bei der Atomkraft-Debatte allerdings nicht vergessen werden darf, ist die Versorgungssicherheit. In Deutschland sind momentan 7 der 17 Reaktoren aus technischen Gründen abgeschaltet. Ich habe ehrlich gesagt bei unseren hohen Sicherheits-Standards keine Angst vor Störfällen – aber die Sicherheitsanforderungen führen eben zu immer mehr Ausfallzeiten. Wenn wir einen größeren Anteil des Energiebedarfs aus Kernenergie decken würden, könnte das zum Problem werden.

    Werden die Anlagen in Frankreich eigentlich auch so oft abgeschaltet?

  2. #2 marco
    4. August 2009

    Das Problem an der Kernenergie-SDiskussion ist, dass sie furchtbar ideologiegeladen ist. Und das die Leute die am meisten schreien die wenigste Sachkenntnis haben. Zudem haben die Umweltgruppen natürlich den einfacheren Argumentationsweg: Gegen irgentwas zu sein ist ja nicht schwer. Mann säht einfach ein paar Gerüchte und etwas Angst und schon hat man die Mehrheiten hinter sich.
    Ich bin auch kein Freund der Atomkraft, aber Fakt ist nunmal, dass wir die Sauerei mit dem Atommüll schon angerichtet haben. Also müssen wir so oder so das Endlagerproblem lösen. Ob nun ein paar mehr Tonnen abgebrannte Brennstäbe beikommen oder nicht ändert die Sachlage technisch geshen gar nicht.
    Mein Vorschlag daher: Die sicheren Atomkraftwerke in D-Land solange weiterlaufen lassen, wie sie einwandfrei funktionieren und alternative Energien zur Verfügung stehen.

    Noch ein kurzer Satz zur Sicherheit, besonders weils ja einige Schnellabschaltungen in letzter Zeit gegeben hat. Das ist ja kein Störfall im Reaktor an sich. Wenn ein Trafo über die Wupper geht, dann kann man keine Leistung mehr einspeisen -> Reaktor abschalten. Tut man das nicht, beschleunigen die Turbosätze hoch und gehen auch zu Bruch. Also keine Panik…

    Gruß

    Marco

  3. #3 Torben
    4. August 2009

    Hi Tobias
    ” Ist es verantwortbar abgereichertes Material langfristig unterirdisch zu lagern? ”
    Nein!
    Ich frage mich ernsthaft ob es nicht bessser ist, das flüssige Atommüllendlager der russischen Nordmeerflotte zu nutzen – Die heilige Kraft einer Konzentrationsausgleichsbestrebung sämtlicher stofflichen Materie wird uns Menschen auch dieses Problem für einige Jahrzehnte vom Hals halten.
    Anschließend sind die potentiellen Auswirkungen schön gleichmäßig sozialisiert – dies dürfte einer internationalen Lösung der Energiefragen wesentlichen Vorschub leisten…

    Ansonsten: Lustige Anmerkung zum “Vater eines Freundes” – ältere Leute in der Klima und Energie-Diskussion….
    Hatte das Vergnügen mit einem DR. rer. nat. Dr. med. und Dipl. Chem. (und 70 Jahre alt) die Energieverfügbarkeit in der nahen Zukunft zu erörtern. Sein Rat: Um weiter Auto fahren zu können, sollten wir auf die alten Techniken der NAZIs zurückgreifen und aus den reichhaltigen Kohlevorkommen Benzin synthetisieren (!) – Die entstehende Energielücke in der Grundversorgung könnte man problemlos mit Atomkraft schließen…
    Clever – Bei gleichem CO2-Anstieg mit dem Auto bis kurz vor Moskau,
    grüsse :) , Torben

  4. #4 Tobias
    5. August 2009

    Jörg, ich habe keine Zahlen zu den tatsächlichen Lastzeiten der französischen Reaktoren. Und lieber einen Reaktor ein mal zu oft abschalten, als ein mal zu wenig.

    Marco, ich gebe dir Recht. Panik ist schnell geschürt, daher auch in meinem Eintrag die Bitte, das Thema unvoreingenommen zu diskutieren. Betriebsstörungen sind in Kraftwerken relativ häufig. Störfälle jedoch nicht. Auch Theater um Krümmel war eine Betriebsstörung. Zwischenfälle werden in Deutschland sehr gut dokumentiert, man kann eine Statistik hier abrufen.

    Man kann die Frage auch so zuspitzen: Ist das Risiko weiterhin hoher CO2 Emissionen grösser als das mehrere Atomkraftwerke zu betreiben? Sonne, Wind und Wasser sind aktuell einfach noch keine Lösung.

  5. #5 Tobias
    5. August 2009

    Nachtrag zur Frage im vorigen Kommentar: Wenn man das jetzt international betrachtet, wird vielleicht ein Problem der Spieltheorie draus.

  6. #6 Michael Hauss
    6. August 2009

    Wenn ich mich mit Bekannten über das Thema unterhalte, bringt fast jeder Atomkraft-Gegner die selben Argumente:”Unberechenbarkeit der Radioaktivität” und “Atom-Müll als tickende Zeitbombe”.

    Wird nicht seit einigen Jahren an einem Verfahren geforscht, welches die Halbwertzeit von radio-aktiven Stoffen drastisch um ein vielfaches Reduziert ?

  7. #7 Tobias
    6. August 2009

    Michael,
    zur “Veränderung der Halbwertszeiten kürzlich hier was bei ScienceBlogs.

    Berechenbar ist die Radioaktivität auf jeden Fall, man weiss genau welche Isotope in welchem Verhältnis entstehen und wie deren Halbwertszeiten sind. Prinzipiell sehe ich eine Endlagerung in stabilen geologischen Formationen auch als sicher an, das Hauptproblem ist wohl der Mensch. Sprich: Bleibt das Zeug auch da unten über Jahrhunderte und Jahrtausende, oder gräbt das irgendwann jemand wieder aus zur nicht-friedlichen Nutzung?

    Das ganze lässt sich auf die Frage reduzieren: Soll und darf ein hypothetisches Problem in ferner Zukunft aktuelle Entscheidugnen beeinflussen und wenn ja in wie weit? Anders ausgedrückt: Soll Angst vor oder Vertrauen in kommende Generationen solche Entscheidungen beeinflussen?

  8. #8 Jörg Friedrich
    6. August 2009

    @Tobias: “Und lieber einen Reaktor ein mal zu oft abschalten, als ein mal zu wenig.” Das sehe ich auch so, mir geht es nur um die Frage: Wenn der Anteil der Kernenergie an der Energieversorgung deutlich erhöht werden würde, wieviele Kapazitäten müssten tatsächlich aufgebaut werden damit selbst bei einer temporären Stillegung von 50% der Reaktoren in Deutschland die Versorgungssicherheit gewährleitet bleibt?

  9. #9 Tobias
    6. August 2009

    Keine Ahnung, Jörg.
    Um die Kosten zu kalkulieren müssen natürlich Ausfallzeiten berücksichtigt werden. 50% sind zu hoch gegriffen, im allgemeinen geht man wohl von 85% aus. In Deutschland liefern momentan 17 Reaktoren 12% der Gesamtenergie pro Jahr, in Frankreich sind es 59 Reaktoren, die rund 80% der Gesamtenergie pro Jahr liefern.

  10. #10 ckwon
    6. August 2009

    Die Atomkraft ist einfach zu teuer. Langfristig.

    Wenn in den Atomkraftpreis die gesamtgesellschaftlichen Kosten mit eingerechnet würden (Castortransport, Lagerung Atommüll, Rückbau der Atomkraftwerke, denn die Werte, die dafür die Betreiber zurücklegen müssen, sind wohl zu niedrig) und dazu noch die indirekten Subventionen (Steuerfreiheit Uran, minimale Haftpflichtversicherung der Betreiber) und die direkten Subventionen für die Forschung bzw. Steuerfreiheit für die Rückstellungen mit eingerechnet würden, dann kommt uns gesamtgesellschaftlich die Atomkraft einfach zu teuer im Vergleich zu anderen Energieträgern.

    Daher führt langfristig kein Weg daran vorbei, die Atomkraft aufzugeben.

  11. #11 Patric
    6. August 2009

    Noch einen Link von der Neuen Zürcher Zeitung zum Beitrag von Tobias vom 6.8.09 um 10:13:
    http://www.nzzfolio.ch/www/d80bd71b-b264-4db4-afd0-277884b93470/showarticle/9e8cb038-e3bd-4cba-938d-07aa80f29785.aspx
    Da versuchen Wissenschaftler ernsthaft eine ewigwährende Warnung zu entwickeln.

  12. #12 Reinhard Neese
    10. August 2009

    das US-amerikanische Nuclear Energy Institute (NEI) führt alle zwei Jahre eine Umfrage zur Kernergie bei Personen durch, die in der Nachbarschaft von Kernkraftwerken wohnen. Die aktuellen Ergebnisse der Umfrage von Juli 2009:

    zur Kernergie allgemein
    84 Prozent befürworten die Kernenergie – 58% sind sogar starke Befürworter
    79 Prozent stimmen der Ansicht zu, dass zukünftig mehr Kernkraftwerke gebaut werden sollten.

    92 Prozent glauben, dass die Kernenergie zukünftig eine wichtige Rolle spielen wird

    86 Prozent stimmen der Ansicht zu, dass die Option des Baus neuer Kernkraftwerke offen gehalten werden sollte.

    Detallierte Ergebnisse und eine Pressemitteilung unter:
    http://www.nei.org/newsandevents/newsreleases/nuclear-plant-neighbor-survey-shows-strong-support-for-current-and-new-power-plants/

  13. #13 Benni
    10. August 2009

    @tobias. Du schreibst:

    Soll und darf ein hypothetisches Problem in ferner Zukunft aktuelle Entscheidugnen beeinflussen und wenn ja in wie weit? Anders ausgedrückt: Soll Angst vor oder Vertrauen in kommende Generationen solche Entscheidungen beeinflussen?

    Von einem rein hypothetischen Problem kann doch keine Rede sein, wenn die Hypothese heute schon Realität, d.h. die Endlagerfrage ungeklärt ist, oder?

    Auch in eine sachliche Dikussion gehört m.E. der Hinweis darauf, dass durch eine Laufzeitverlängerung der AKW der Ausbau der Erneuerbaren blockiert wird. Der Sachverständigenrat für Umweltfragen spricht in einem kürzlich vorgestellten Thesenpapier daher von einer Systementscheidung. In dem Papier heißt es:

    In einer Versorgungsstrategie auf der Basis von Kohlekraftwerken (mit oder ohne CCS) und Kernkraftwerken müsste der Anteil der regenerativen Energiequellen deutlich begrenzt werden, wenn diese Grundlastkraftwerke ökonomisch sinnvoll betrieben werden sollen..

    Quelle: http://www.umweltrat.de/cae/servlet/contentblob/581556/publicationFile/34408/2009_Thesen_Weichenstellungen_Stromversorgung_Hohmeyer.pdf

    @Reinhard Neese
    Sie zitieren Umfrageergebnisse amerikanischer Atomlobbyisten. Worin genau besteht da für Sie der argumentative Mehrwert?

    Auch das Argument der befürchteten Stromlücke, das immer dann anklingt, wenn orakelt wird, dass die Regenerativen einfach “noch nicht so weit” seien, zieht nicht, wie ich hier darlege: http://blog.greenpeace.de/es_gibt_keine_stromluecke/

    Benni, Greenpeace

  14. #14 Tobias
    10. August 2009

    Benni,
    prinzipiell ist die Einlagerung von strahlendem Material in Schächten in geologisch stabilen gebieten kein Problem. Das Problem kommt, wenn wer auch immmer das Zeug wieder ausgräbt zur nicht-friedlichen Nutzung. Daher hypothetisch und in ferner Zukunft.
    Ich kann der Argumentation in dem von dir verlinkten Thesenpapier nicht folgen. Wieso soll die Verlängerung der Laufzeiten von existierenden Kernkraftwerken den Ausbau regenerativer Energien blockieren? Tatsache ist, Energie aus Wind, Sonne und Wasser decken aktuell nicht einmal 2% des Energiebedarfs in Deutschland. Die regenerativen Alternativen wachsen, weil sie politisch gehätschelt werden.
    Was hältst du davon, die Einsparungen aus den verlängerten Laufzeiten der Atomkraftwerke in Deutschland für die Investition in alternative Energien zu nutzen? Wir sprechen von 45 Mrd Euro in den nächsten 25 Jahren.

  15. #15 Benni
    10. August 2009

    Es gibt weltweit nicht ein sich in Betrieb befindliches Endlager. Punkt. Von einem sicheren Endlager ganz zu schweigen. Es ist schwer nachzuvollziehen wie man angesichts dessen davon sprechen kann, es sei “kein Problem”, strahlendes Material einzulagern. Nach den Debakeln in der Asse und in Morsleben ist die Glaubwürdigkeit von Salzstöcken als Endlager absolut diskreditiert. Deshalb ist auch Gorleben keine Alternative.

    Das SRU-Papier argumentiert, dass Grundlastkraftwerke wie AKW und Kohle einfach nicht mit den Erneuerbaren harmonieren, deshalb eine Systementscheidung unausweichlich ist:

    Beim Übergang in Richtung auf eine vollständig regenerative Stromversorgung muss auf schnell startende Kraftwerke mit gutem Regelverhalten, einen Ausbau der Stromspeicherkapazitäten und -technologien sowie den Ausbau der Stromnetze gesetzt werden. (…) Aufgrund des Systemgegensatzes zwischen Kraftwerken, die technisch-ökonomisch auf Grundlast angelegt sind, und stark fluktuierenden regenerativen Energiequellen ist der geplante Neubau von erheblichen Kapazitäten von Kohlekraftwerken mit einer Übergangsstrategie auf eine vollständig regenerative Energieversorgung unvereinbar.

    Deine Zahlen sind außerdem nicht aktuell. Das Bundesministerium hat Zahlen vorgelegt: Der Anteil der Erneuerbaren am Endenergieverbrauch beträgt demnach bereits 9,7 Prozent, der Anteil am gesamten Bruttostromverbrauch sogar 14,8 Prozent, der Anteil am Primärenergieverbrauch liegt je nach Messmethodik bei entweder 7,1 oder 9,7 Prozent. Kann man hier nachlesen: http://www.erneuerbare-energien.de/files/pdfs/allgemein/application/pdf/ee_in_deutschland_entwicklung_2008_bf.pdf

    Zu deinem letzten Punkt: Glaubst du tatsächlich, dass ausgerechnet die EVU derart selbstlos, entgegen all ihrer marktwirtschaftlichen Interessen, auf einen so großen Batzen Geld verzichten würden, um in die Erneuerbaren zu investieren? Bislang haben sie sich da – sehr vorsichtig formuliert – eher bedeckt gehalten: http://www.greenpeace.de/themen/energie/nachrichten/artikel/stromkonzerne_blockieren_ausbau_der_erneuerbaren_energien-1/
    Gesetze, die sie an größere Investitionen binden würden, sind niemals unumstößlich. Ein aktuelles Beispiel dafür liefert das Ringen um die Aufhebung des Atomkonsens.

    Du sprichst von “Investition in alternative Energien”, die EVUs sprechen in dem Zusammenhang oft genug von “Forschung”. Damit sind wohl auch Kernfusion und die CCS-Technologien gemeint – Technologien also, in der Erforschung die Industrie ohnehin investiert. Der Ausbau der Erneuerbaren benötigt indessen weniger (Er)Forschung als tatsächlich nur noch Kapital.

    Gruß,

    Benni, Greenpeace

  16. #16 Benni
    10. August 2009

    Es gibt weltweit nicht ein sich in Betrieb befindliches Endlager. Punkt. Von einem sicheren Endlager ganz zu schweigen. Es ist schwer nachzuvollziehen wie man angesichts dessen davon sprechen kann, es sei “kein Problem”, strahlendes Material einzulagern. Nach den Debakeln in der Asse und in Morsleben ist die Glaubwürdigkeit von Salzstöcken als Endlager absolut diskreditiert. Deshalb ist auch Gorleben keine Alternative.

    Das SRU-Papier argumentiert, dass Grundlastkraftwerke wie AKW und Kohle einfach nicht mit den Erneuerbaren harmonieren, deshalb eine Systementscheidung unausweichlich ist:

    Beim Übergang in Richtung auf eine vollständig regenerative Stromversorgung muss auf schnell startende Kraftwerke mit gutem Regelverhalten, einen Ausbau der Stromspeicherkapazitäten und -technologien sowie den Ausbau der Stromnetze gesetzt werden. (…) Aufgrund des Systemgegensatzes zwischen Kraftwerken, die technisch-ökonomisch auf Grundlast angelegt sind, und stark fluktuierenden regenerativen Energiequellen ist der geplante Neubau von erheblichen Kapazitäten von Kohlekraftwerken mit einer Übergangsstrategie auf eine vollständig regenerative Energieversorgung unvereinbar.

    Deine Zahlen sind außerdem nicht aktuell. Das Bundesministerium hat Zahlen vorgelegt: Der Anteil der Erneuerbaren am Endenergieverbrauch beträgt demnach bereits 9,7 Prozent, der Anteil am gesamten Bruttostromverbrauch sogar 14,8 Prozent, der Anteil am Primärenergieverbrauch liegt je nach Messmethodik bei entweder 7,1 oder 9,7 Prozent. Kann man hier nachlesen: http://www.erneuerbare-energien.de/files/pdfs/allgemein/application/pdf/ee_in_deutschland_entwicklung_2008_bf.pdf

    Zu deinem letzten Punkt: Glaubst du tatsächlich, dass ausgerechnet die EVU derart selbstlos, entgegen all ihrer marktwirtschaftlichen Interessen, auf einen so großen Batzen Geld verzichten würden, um in die Erneuerbaren zu investieren? Bislang haben sie sich da – sehr vorsichtig formuliert – eher bedeckt gehalten: http://www.greenpeace.de/themen/energie/nachrichten/artikel/stromkonzerne_blockieren_ausbau_der_erneuerbaren_energien-1/
    Gesetze, die sie an größere Investitionen binden würden, sind niemals unumstößlich. Ein aktuelles Beispiel dafür liefert das Ringen um die Aufhebung des Atomkonsens.

    Du sprichst von “Investition in alternative Energien”, die EVUs sprechen in dem Zusammenhang oft genug von “Forschung”. Damit sind wohl auch Kernfusion und die CCS-Technologien gemeint – Technologien also, in der Erforschung die Industrie ohnehin investiert. Der Ausbau der Erneuerbaren benötigt indessen weniger (Er)Forschung als tatsächlich nur noch Kapital.

    Gruß,

    Benni, Greenpeace

  17. #17 Tobias
    10. August 2009

    Das von dir verlinkte Dokument hat ähnliche Zahlen für 2008 wie ich: 7.4 % hier, 7.1% dort.
    “Der Anteil der erneuerbaren Energien am gesamten deutschen Primärenergieverbrauch
    (14.003 PJ) ist von 6,9 % (2007) auf ca. 7,1 % (2008) angestiegen (berechnet nach der sog. Wirkungsgradmethode).”
    Ich spreche oben vom Primärenergieverbrauch, das steht dort auch geschrieben.

    Ich glaube, dass erneuerbare Energien durch politische Entscheidungen gefördert wurden und werden. Ein Möglichkeit für weitere Förderung wäre die von mir oben beschriebene.

    Es geht nicht darum, ob AKWs und Kohlekraftwerke mit regenerativen Energiequellen “harmonieren”, sondern es geht darum den Energiebedarf zu decken. Auch Nachts und wenn kein Wind weht.

    Eine Investition in Forschung an Photovoltaik, Solarthermie, diverse Arten der Wind-und Wasserkraftnutzung ist genauso nötig wie die Investitionen in die Forschung für Speichertechnik, zur Erhöhung des Wirkungsgrads von Kohlekraftwerke und anderer herkömlicher Kraftwerke, sowie in diverse Arten der Nutzung von Kernenergie.

    Deine Behauptung, dass die erneuerbaren Energien weniger Forschung als vielmehr Kapital benötigen ist schlichtweg falsch, man schaue sich den Wirkungsgrad der Alternativen an.

  18. #18 Tobias
    10. August 2009

    Nachtrag zum Wirkungsgrad.
    Wikipedia schreibt:
    “Für eine Erzeugung der gesamten Primärenergie durch Photovoltaik ergibt sich nach Pfennig [11] bei einem derzeitigen Energieverbrauch pro Bundesbürger von 48.649 kWh pro Jahr für einen angenommenen Gesamtwirkungsgrad der Photovoltaikanlagen von 8 % ein Flächenbedarf von 578 m², bei 82,2 Mio. Deutschen also 47.512 km² (13 % der Gesamtfläche Deutschlands von 357.104,07 km² = 47.512 km² = 217,9 km × 217,9 km, ohne Versorgungswege für die erforderliche Infrastruktur).
    Zum Vergleich: bei Verwendung von Biomasse wären insgesamt rund 1.000.000 km² (280 % der Fläche Deutschlands) notwendig. Photovoltaikanlagen haben, sofern der Strom zum Autofahren verwendet wird, eine weit höhere Effizienz als der Anbau von Pflanzen für die Biospritherstellung.[12]
    Photovoltaik wird aufgrund seines Flächenbedarfs immer nur einen kleinen Teil des gesamten Primärenergiebedarfs abdecken können, naturgemäß einen Teil des Strombedarfs.”

  19. #19 Marco
    10. August 2009

    Hi Benni,
    die Forderung nach einem schnell startenden und gut regelbaren Kraftwerk läuft der Forderung nach einem hohen Gesamtwirkungsgrad entgegen, da die Machinen nunmal nur für einen optimalen Arbeitspunkt ausgelegt werden können.
    Ich sehe – so leid es mir tut – im Moment keinen wirklichen alternativen Energieträger der die Grundlast abdecken kann. Für jedes KW installierter Sonnen- bzw. Windenergie musst du auch immer Kapazitäten in Schattenkraftwerken einplanen die die Lücke bei Flaute und bei bedecktem Himmel füllen. Dazu kommt eine sehr hohe Netzauslastung. Das bereitet den EVUs im Moment schon Zahnschmerzen. Die Netzfrequenz muss sehr genau eingehalten werden, und wenn dann plötzlich ein paar tausend MW an der Nordseeküste fehlen weil die Anlagen bei einem Sturm abschalten dann geht nicht nur da oben das Licht aus.
    Ich sehe als wirkliche Alternative mittelfristig nur die Kernfusion und die konsequente Verbesserung der Energieeffizienz

    Um zurück zur ungeliebten Kernenergie zu kommen hier eine total unausgegorene Idee die mir gerade beim Lesen der Kommentare gekommen ist:
    Wie wärs wenn wir den Plunder einfach in einer Subduktionszone versenken?
    Wenn sich sicherstellen lässt, das die Gebinde den Eintritt in die Kruste halbwegs unbeschaded überstehen sind wir das Zeug für die nächsten paar Millionen Jahre los.
    Es muss ja lediglich sichergestellt werden, das das Material wasserunlöslich gebunden ist, den Rest sollte die Plattentektonik erledigen.
    Zudem ist es am Meeresgrund gut genug abgeschirmt um niemanden (mal abgesehen von ein paar Fischen in nächster Nähe ~ 50 – 100m) zu schaden.
    Einfach mal nen Vorschlag, allerdings ohne bisher großartig drüber nachgedacht zu haben.

    Gruß
    Marco

  20. #20 Benni
    12. August 2009

    @tobias

    Natürlich wird auch bei den Erneuerbaren weiterhin geforscht, gerade im Bereich der Photovoltaik mit durchschlagenden Erfolgen. Ich habe geschrieben, sie benötigen weniger Forschung als Investitionen, denn anders als CCS-Technologien und Kernfusion haben sie sich als Technologien bereits bewährt.

    Was der gepostete Wikipedia-Eintrag mir sagen soll, ist mir schleierhaft. Dass Photovoltaik nur einen Teil des gesamten Primärenergiebedarfs abdecken kann vielleicht? Das wäre zum einen kein Gegenargument – denn natürlich wird Photovoltaik nur einen Teil beisteuern – und zum anderen könnte das Jürgen Großmann persönlich eingestellt haben. Gerade im Bereich der Photovoltaik rechnen im Übrigen einige Beobachter in den nächsten fünf Jahren mit einem Boom: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,632644,00.html

    Dann schreibst du noch:

    Es geht nicht darum, ob AKWs und Kohlekraftwerke mit regenerativen Energiequellen “harmonieren”, sondern es geht darum den Energiebedarf zu decken. Auch Nachts und wenn kein Wind weht.

    Offenbar missfällt dir der Ausdruck “harmonieren”. Ich will es einmal anders formulieren: Die Weichen für die Energieversorgung der Zukunft müssen jetzt in Richtung Erneuerbare gestellt werden, denn sonst manövrieren wir uns langfristig auf ein Abstellgleis. Deshalb der Begriff “Systementscheidung”. Es gibt realistische Szenarien wie diese Energieversorgung der Zukunft aussehen kann – ohne Kernenergie und ohne sich um das momentane Ausbleiben von Wind und Sonne Sorgen machen zu müssen. Hier ist einer: http://www.greenpeace.de/fileadmin/gpd/user_upload/themen/klima/Klimaschutz_PlanB.pdf

    Gruß, Benni, GP

  21. #21 Hans Brandl
    19. August 2009

    Man sollte vielleicht gerade in diesem Blog und in der nachfolgenden Diskussion ein bisschen auf eine präzise Formulierung achten, wir sind hier ja nicht bei Politikers oder Greenpeace!
    Nämlich 80% der Stromerzeugung in Frankreich stammen aus Kernkraftwerken (20% der Stromerzeugung in Fr stammen übrigens aus Wasserkraft) und nicht etwa 80% der Gesamtenergie und das gilt im übertragenem Sinne auch für Deutschland.
    Ansonsten bin ich ein überzeugter Befürworter der Kernenergie zb. aus folgenden Gründen:

    1 . 1999 wurde das EEG in DE eingeführt und wir hatten 10.5t CO2 Emission pro Kopf und Jahr. 2009 haben wir 10 Jahre EEG-Jubiläum, wir haben insgesamt dafür ca. 30 Mrd. € EEG-Subventionen bezahlt und wir haben immer noch ca. 10.5 t CO2 Emissionen pro Kopf und Jahr. Wieviel werden wir in 10 Jahren emittieren? Und warum sollt sich das ändern?

    2.Warum sollte es ein Problem sein, ein nukleares Endlager zu bauen, wenn wir andererseits ohne Probleme Endlager bauen und betreiben (im Kalisalz! , zb. Erftrode) für chem. Stoffe die wesentlich gefährlicher als Atom-Müll sind und diese Stoffe in mehreren Millionen Jahren ihre Gefährlichkeit nicht verlieren.

    3. http://www.ier.uni-stuttgart.de/publikationen/pb_pdf/Voss_Stuttgart_2009_06.pdf

    Übrigens, ich arbeite nicht im Kernkraftwerk, wäre aber jederzeit bereit (wenn ich denn dürfte) in meinem Keller einen geladenen Castor aufzustellen und von der Restzerfallswärme mein Haus die nächsten 30 Jahre zu heizen!

    Viele Grüsse Hans

    2.

  22. #22 Georg Hoffmann
    19. August 2009

    @Benny von Greenpeace

    Es gibt weltweit nicht ein sich in Betrieb befindliches Endlager. Punkt. Von einem sicheren Endlager ganz zu schweigen. Es ist schwer nachzuvollziehen wie man angesichts dessen davon sprechen kann, es sei “kein Problem”, strahlendes Material einzulagern. Nach den Debakeln in der Asse und in Morsleben ist die Glaubwürdigkeit von Salzstöcken als Endlager absolut diskreditiert. Deshalb ist auch Gorleben keine Alternative.

    Punkt, nur ohne viel Sinn und Verstand. Es gibt kein in Betrieb befindliches Lager weil es politisch nicht durchsetzbar ist und niemand die Verantwortung fuer eine lange Zeitraeume uebernehmen will.
    “Sicher” ist ein relativer Begriff und die Mystifizierung von Radioaktivitaet und allem was damit zusammenhaengt ist einer rationalen Loesung nicht im Mindesten hilfreich (hilft aber natuerlich Greenpeace und aehnlichen Organisationen).
    Ein Endlager muss nicht fuer die Ewigkeit sicher sein. Einige hundert bis 1000 Jahre lassen einen Gutteil der Radioaktivitaet bereits verschwinden. Jede Energieproduktion ist mit Risiko verbunden und die Zahl der Krebstoten, die beispielsweise durch Rueckstaende bei der Kohleverbrennung und Foerderung anfallen, duerfte durchaus ueber der Zahl der Toten, die mit der Atomwirtschaft (inklusive Tchernobyl) verbunden sind, liegen. Und diese (Zahl der Opfer durch Kohleenergiegewinnung) duerfte weit unter der von offenen Holzfeuern in Indien liegen (chronische Atemwegserkrankungen). Die Haltung von Greenpeace zur nuklearen Energiegewinnung ist ein Traeuerspiel.

  23. #23 Georg Hoffmann
    20. August 2009

    Noch ein Wort zur boesen Radioaktivitaet und zur Energiegewinnung. Viele hoffen/glauen auf eine zukuenftige Energiegewinnung per Fusion. Lassen wir die Frage der Machbarkeit mal aussen vor, so scheint klar, dass es zumindest fuer Ressourcenfrage die finale Energieloesung darstellt. Ich bin mir aber nicht sicher, ob nicht auch diese Technik erzwingen wuerde, dass Gruene und Gruenpeace mal ihre Haltung zur Endlagerung ueberdenken sollten. Nach sagen wir 30-40 Jahren Betrieb eines hypothetischen Tokamak wird auch dieser verschrottet werden muessen (wie jede Energiegewinnungsanlage). Uebrig bleiben 1000 Tonnen Material, welches unter permanenten Neutronen-Bombardements stand. Ich weiss gar nicht, ob man da schonmal ausgerechnet hat, was da so an Elementen erbruetet werden. Vielleicht kein Plutonium, der Rest koennte aber immer noch spannend genug sein.

  24. #24 Ronny
    24. August 2009

    @Hoffmann
    Im Gegensatz zu einem Kernreaktor erzeugt das eigentliche ‘Brennmaterial’ keine Rückstände die man lagern muss, aber du hast insofern recht, dass am Ende der Karriere aber auch im Betrieb durch die hohe Gammastrahlenbelastung die Abschirmung radioaktiv wird und getauscht und gelagert werden muss. Neutronen spielen hier nicht so die Rolle wie bei der Fission.
    Die Frage der Entsorgung der Abschirmung wird sicher noch relevant, aber das entstandene Helium wird man vermutlich einfacher los :)

  25. #25 Neese
    25. August 2009

    Mir drängt sich immer wieder der Verdacht auf, dass die ungelöste Endlagerfrage“ als Argument für den Atomausstieg vorsätzlich am Leben erhalten wird, darüber freuen sich natürlich auch die Atomkraftgegner die sich nur zu gern darauf berufen, dass die Endlagerfrage „ungelöst“ ist, und die nichts mehr fürchten als den Tag, an dem diese Behauptung nicht mehr zutrifft.

  26. #26 Benni
    26. August 2009

    @hoffmann:

    Sie schreiben:

    Jede Energieproduktion ist mit Risiko verbunden und die Zahl der Krebstoten, die beispielsweise durch Rueckstaende bei der Kohleverbrennung und Foerderung anfallen, duerfte durchaus ueber der Zahl der Toten, die mit der Atomwirtschaft (inklusive Tchernobyl) verbunden sind, liegen.

    Ziemlich zynisch. Ich hoffe, Sie wollen in einer um Sachlichkeit bemühten Diskussion nicht allen Ernstes Opferzahlen gegeneinander hochrechnen? Der Anstand verbietet es, sich auf derartige Spekulationen einzulassen.

    Zur Endlagerfrage:

    Es gibt kein in Betrieb befindliches Lager weil es politisch nicht durchsetzbar ist und niemand die Verantwortung fuer eine lange Zeitraeume uebernehmen will.

    Das stimmt nicht. Die Behauptung, dass die Suche nach einem Endlager politisch nicht durchsetzbar sei (oder von Atomgegner böswillig torpediert werde), verdreht die historischen Tatsachen. Es gibt politische Kräfte, die eine schnelle Lösung der Endlagerfrage lieber gestern als heute erledigt sähen – und dabei Warnungen fahrlässig in den Wind schlagen. Beispiel Gorleben:

    Gorleben wurde bereits seit Mitte der Achtziger zum Endlager ausgebaut – ohne Eignungsaussage und ohne Planfeststellungsbeschluss. Unter dem Deckmantel des Bergrechts wurde mit der angeblichen “Erkundung” bereits schon der Ausbau zum Endlager begonnen – deswegen der Schachtdurchmesser von 2,70 Meter, der für eine Erkundung nicht notwendig gewesen wäre. Wie die Frankfurter Rundschau am Montag berichtete, hat die Regierung Kohl in den 80er Jahren den Endlagerstandort Gorleben durchgedrückt: „Gorleben wurde damit gegen den ausdrücklichen Rat der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) voreilig als einziger zu untersuchender Standort für hochradioaktiven Atommüll bestimmt.“ Bis heute ist vielen Politikern wenig an einer transparenten, vergleichenden und ergebnisoffenen Standortsuche gelegen. MdB Katherina Reiche hat gestern in einer Presseerklärung Folgendes verlautbaren lassen:

    Die Durchführung einer neuen Suche für weitere Standorte wäre mit zusätzlichen Kosten von mindestens 1 Mrd. Euro verbunden. Bei Aufgabe von Gorleben kämen weitere finanzielle Belastungen voraussichtlich in Milliardenhöhe auf die öffentliche Hand zu.

    Augen zu und durch also. Andere Beispiele für politische Schnellschüsse in Sachen Endlagerung:

    – Die damalige Umweltministerin Angela Merkel hat trotz erwiesener Risiken und den Warnungen des BFS 1998 die Betriebszeit von Morsleben per Atomgesetzänderung um fünf Jahre verlängern wollen: http://www.greenpeace.de/themen/atomkraft/presseerklaerungen/artikel/merkel_wusste_seit_1996_von_atommuell_risiken_der_asse/

    – Im Jahre 1975 hat die GSF auf Druck der Energiekonzerne im Jahr 1975 ihre Sicherheitsstandards für die Einlagerung von Atommüll gesenkt und erlaubte eine um das Fünffache höhere Radioaktivität der Atommüllfässer: http://www.greenpeace.de/themen/atomkraft/nachrichten/artikel/asse_skandal_profit_statt_sicherheit/

    Die Behauptung, die Endlagerfrage sei bislang nur politisch gescheitert, rein technisch aber unproblematisch, verzerrt daher die Realität. Es gilt vielmehr: Die Endlagerfrage soll politisch gelöst werden, noch bevor Gewissheit über das Wie ihrer technischen Lösbarkeit besteht. Und das ist einfach unverantwortlich.

  27. #27 Sven Türpe
    29. August 2009

    Ziemlich zynisch. Ich hoffe, Sie wollen in einer um Sachlichkeit bemühten Diskussion nicht allen Ernstes Opferzahlen gegeneinander hochrechnen? Der Anstand verbietet es, sich auf derartige Spekulationen einzulassen.

    Nice Try, aber doch zu offensichtlich Bullshit. Jegliche Risikoabwägung ist nichts weiter als ein Aufrechnen erwarteter Opferzahlen und Schadenshöhen. Kein Wunder also, dass Energieideologen daran kein Interesse haben: es ist eine nüchterne Betrachtung der ideologisierten Frage.

  28. #28 Benni
    31. August 2009

    Auch die Formulierung “Aufrechnen erwarteter Opferzahlen und Schadenshöhen” hört sich nach höchst problematischer collateral damage-Rhetorik an, die m.E. in einer Diskussion um die beste Energieversorgung nichts verloren hat.

    Es geht hier nicht um den Entwurf eines Schlachtplans, sondern darum, eine vernünftige Antwort auf die Energie-Anforderungen der Zukunft zu finden.

  29. #29 Sven Türpe
    2. September 2009

    Von mir aus können wir die Energieversorgung der Zukunft auch allein in technischen Parametern diskutieren. Heute kommt zuverlässig billiger Strom aus der Steckdose. Ich nehme an, das soll so bleiben?

  30. #30 H. Lamp
    12. November 2010

    Die Fakten hinsichtlich der Energieanteile in Deutschland sind grundsätzlich in Ordnung. Auch der angegebene Anteil der Kernenergie in Deutschland (12% der Primärenergie) entspricht in etwa den Realitäten. Der genannte Anteil der Kernenergie in Frankreich (80% der Primärenergie) kann nicht stimmen. Möglicherweise ist hiermit – anders als der genannte deutsche Beitrag – der Anteil der Kernenergie am französischen Strommarktes gemeint.

  31. #31 Eva
    10. Februar 2011

    Ich komme aus der Schweiz und bin erst vor Kurzem auf eine Liste gestossen, auf der alle Störfälle der Reaktoren des letzen jahres vermerkt sind (Ich glaube es waren 25 oder 27). Und dies bei 5 AKW’s…
    Ich finde es einfach nur traurig, dass es immer noch nicht alle begriffen haben:
    AKW’s sind einfach nur gefährlich.
    Es braucht wahrscheinlich noch ein zweites Tschernobyl bis es alle begriffen haben…

  32. #32 physiker
    11. Februar 2011

    Risikoanlysen belegen eindeutig, dass Greenpeace ausschliesslich Propaganda verbreitet:
    http://gabe.web.psi.ch/pdfs/Energiespiegel_13d.pdf
    Der Zynismus-Vorwurf (von Benni) ist ja geradezu stereotyp – wie sonst könnte man eine qualitative Auseinandersetzung mit dem Thema Sicherheit verhindern?
    Offensichtlich ist Greenpeace gar nicht an “Menschenleben-schonender” Energieerzeugung interessiert – oder soll ich wirklich glauben, dass eine solche Organisation die hauptsächlich die Sicherheit von Kernkraftwerken als (Pseudo-Angst-mach-)Argument missbraucht noch nie eine (wissenschaftliche) Risikoanlyse zu dem Thema gesehen hat?
    Hmm, Menschenverachtung oder Dummdreistigkeit – jeder entscheide selbst.

  33. #33 Thorsten
    15. März 2011

    > Hmm, Menschenverachtung oder Dummdreistigkeit – jeder entscheide selbst.

    Ein gutes Stichwort! Mein Lieblingsargument gegen AKWs ist die Unfähigkeit von Politikern, verantwortungsbewußt damit umzugehen.

  34. #34 dieter
    5. April 2011

    mich würd ja mal interessieren, was es damit aufsich hat, das RWE den hauptaktienanteil an der TÜV hat, die für die überprüfung der ach so sicheren Atomkraftwerke zuständig sind? Wenn das tatsächlich so ist, dann ist eine überprüfung und höhere sicherheitsmaßnahmen fürn a….
    Ich glaub da wird man nie was machen können, die Energie-lobby ist zu groß und zu mächtig als das die Politik eine Chance hätte. Regieren tun letztendlich immer die die die größte Macht haben… und sind das nicht die, mit dem meisten Geld? Wenn allerdings in einem so wichtigen Gebiet wie Deutschland was passiert… z.b. in Biblis… dann siehts düster für die Weltwirtschaft aus… da Frankfurt in der Nähe liegt… und das schon eine Erdbebenstufe von 6,9 errechnet wurde und auch wiederkommen kann, das wissen wir auch… aber… lieber sparn wir weiter an der sicherheit… kommt uns irgendwann zu gute wie unseren Freunden in Japan…

  35. #35 Markus
    4. Mai 2011

    Kernkraftwerke haben vieleicht eine günstige CO2 Bilanz, doch der Schaden an der Umwelt, unseren eigenen Lebensraum, der durch sie verursacht wird und das hohe Risiko das durch Unfälle von ihnen ausgeht, (die Frage ist nicht ob, sondern wann der nächste Unfall passiert) sind in CO2 gar nicht auszudrücken.

  36. #36 Lichtecho
    4. Mai 2011

    @Markus: “die Frage ist nicht ob, sondern wann der nächste Unfall passiert”
    Hab ich was verpasst? Wann ist denn schon mal in D ein AKW-Unfall passiert?

  37. #37 Dr. Webbaer
    5. Mai 2011

    Wenn einer mit dem Anti- oder Totschlagargument “die Frage ist nicht ob, sondern wann der nächste Unfall passiert” kommt, dann ist die richtige Antwort keinesfalls: “Wann ist denn schon was passiert?” – Das aber nur nebenbei…

    MFG
    Dr. Webbaer

    PS: Wenn die doitschen AKWs weg sind, dann wird D ein großes Problem mit der Lastverteilung bekommen, denn die regenerativen Energien, wenn man mal die Müllverbrennung außen vor lässt, skalieren schlecht. D.h. dann natürlich Import von Strom, auch von Atomstrom aus Nachbarländern. Die doitschtypische bigotte Lösung halt: “Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass.”