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In der englischsprachigen Wissenschaftsbloglandschaft gab es einiges an Verwerfungen in den letzten Wochen. ScienceBlogs ist dezimiert und plötzlich schießen neue Blognetzwerke wie Pilze aus dem Boden – mit zum Teil recht unterschiedlichen Profilen. Hier ein Überblick.


In der englischsprachigen Wissenschaftsbloglandschaft gab es einiges an Verwerfungen in den letzten Wochen. Angefangen hat es mit einer Massenabwanderung von Blogs bei ScienceBlogs.com. Wenn auch nicht der alleinige Grund aber doch der Auslöser war der Pepsigate Skandal, hier eine Zusammenfassung mit weiterführenden Links, auch in den Kommentaren.

Knapp ein Drittel aller Blogs bei ScienceBlogs.com hat sich innerhalb kurzer Zeit also dazu entschieden, dem Blognetzwerk den Rücken zu kehren. Bei den abtrünnigen Blogs waren fast alle dabei, die ich auf ScienceBlogs.com regelmäßig las, und so ist es nicht verwunderlich, dass ich verfolgt habe, wo die Blogger landen.

Fast keiner hat ganz aufgehört zu schreiben. Die meisten haben übergangsweise ihre eigenen WordPress-Blogs gepflegt, und nachdem das große Übernetzwerk ScienceBlogs etwas zurechtgestutzt war, kamen plötzlich einige andere Wissenschaftsblognetzwerke zum Vorschein:

Scientopia: Neugründung mit über 20 Bloggern, zur Hälfte genau die Ex-ScienceBlogger die ich regelmäßig gelesen habe.

Lab Spaces Wissenschafts-News Seite mit neuerdings gut 20 Blogs. Hoher Frauenanteil und im Schnitt wohl etwas jünger als Scientopia.

Genomes Unzipped Neun Blogger schreiben über Personal Genomics und die DNA-Sequenzierindustrie. Wohl das beste, was es derzeit im Netz zu diesen kontroversen Themen gibt.

Es fällt auf, dass bei diesen neuen Blognetzwerken – soweit ich das überblicke – kein einziger Journalist dabei ist. Alle Wissenschafter. Im Gegnesatz zum Beispiel zu den meist hervorragenden Discover Blogs.

Etwas länger schon gibt es das eher Meeres- und Umweltwissenschaftlich orientierte Southern Fried Science. Weiter gibt es das offene Wissenschaftsblognetzwerk Field of Science und seit kurzem erst ist das Science 3.0 Netzwerk online. Science 3.0 ist beides, ein Social Network für Wissenschaftler (sexier als ResearchGate) und ein Blognetzwerk. Viva la Evolution.

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Es gibt also einiges in den Blogrolls und RSS-Feedreadern zu aktualisieren und es bleibt abzuwarten, ob und wann eine Konsolidierungsphase einsetzt, ob alle Netzwerke parallel erfolgreich existieren, oder einige im Lauf der Zeit untergehen.

Soweit bei Twitter vertreten habe ich die Feeds der Netzwerke in dieser Liste zusammengefasst. So muss man die doch recht häufigen Updates der Blognetzwerke nicht in die eigene Timeline integrieren und hat doch mit einem Klick einen Überblick über das was die Science-Blogosphere im englischsprachigen Raum bewegt.

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Kommentare

  1. #1 Marc Scheloske
    9. August 2010

    Danke für Deinen Überblick. :-)

    Auch Bora Zivkovic hat sich am Wochenende mit den neuen Blogportalen beschäftigt, ich nehme an, daß Du Boras Text sowieso gelesen hattest, hier aber nochmal der Link: http://blog.coturnix.org/2010/08/08/links-n-thoughts-on-emerging-science-blogging-networks/

  2. #2 Jupp
    9. August 2010

    Warum rudeln sich den die Wissenschaftler überhaupt in Science-Netzwerken zusammen?

    Gibt es irgendwelche Vorteile z.B. technischer oder administrativer Natur?
    Gibt es ggf. doch Tendenzen zur Abschottung gegenüber der restlichen Blogosphäre?
    Bringt es etwas, wenn in der Domain irgendetwas mit “Science.bla” enthalten ist?
    Mehr Trust o.ä.?

    So ganz erschliesst sich mir das nämlich nicht.

  3. #3 Wb
    9. August 2010

    Warum rudeln sich den die Wissenschaftler überhaupt in Science-Netzwerken zusammen?

    Sischer gibt dat Vorteile. Du hast bspw. Zugriff auf eine grundsätzlich thematisch interessierte Rezipientengemeinde oder natürlich die vielen technischen Vorteile, so ein Blogverbundsystem kann schon was, wird ja auch ständig weiterentwickelt. Etliche Vorteile kommen dazu: Werbekohle (wenn auch eher wenig, aber besser als nüscht, dazu kein eigener Aufwand), zentrale Moderationsmöglichkeit, Redaktion und Zugriff auf diese…

    Dazu kommen noch die tatsächlichen oder vermuteten Gemeinsamkeiten, man hat ähnliche Ziele, ist ähnlich aufgestellt etc. – darum vermutlich auch das “Entrudeln” bei ScienceBlogs.com. BTW, die passende Analyse hierzu fehlt dem Webbaeren noch, höhö.

    MFG
    Wb

  4. #4 Tobias
    9. August 2010

    Jupp,

    die Gründe sind für jeden unterschiedlich. Generell gilt, dass der Traffic auf solchen Netzwerk-Seiten höher ist als bei Einzelblogs und abschotten möchte sich hier niemand. Ich schreibe gerade an einem Folgepost, der genau deine Frage thematisiert.

  5. #5 Jupp
    9. August 2010

    @Wb und @Tobias
    Danke für die Antworten.
    Ein wenig provokant sollte meine Frage schon sein ;-).
    Ich sehe natürlich auch den ein oder anderen Vorteil, so habe ich mir den Feed der alle Blogs beinhaltet, abonniert.

    Lese halt auch gerne Querbeet zu unterschiedlichen Themen.

    Aber das “Gefühl”, dass man eine “Über-Mama” *g* mit dem Netzwerk braucht, ist trotzdem nicht verschwunden.
    Vielleicht erwarte ich auch persönlich zuviel von “Science 2.0″ ;-).

    Das soll nicht die Arbeit der einzelnen Blogger schmälern, finde immer wieder interessante Beiträge.

  6. #6 rolak
    9. August 2010

    Schönen Dank für die Zusammenstellung der links!

  7. #7 SingSing
    15. August 2010

    Nicht zu vergessen Science 2.0 mit einer etwas idiosynkratischeren Auswahl von Bloggern als anderswo.

    Besonders gerne schaue ich bei Tommaso Dorrigo (Experimentalphysiker bei CERN) vorbei, wo auch Freundfeind Lubos Motl häufig zu finden ist und schon wird sich wie die Kesselflicker geprügelt ;)

    http://www.science20.com/quantum_diaries_survivor/garrett_lisis_new_e8_paper

    Die Funken, die dabei stieben, werfen erheblich mehr Licht als jede gepflegte Unterhaltung, bei der die Disputanten höflich-gelangweilt bald “agree to disagree”.

  8. #8 Tobias
    20. August 2010

    Der Aggregator aller Aggregatoren aller Blognetzwerke:

    http://scienceblogging.org/

  9. #9 Tobias
    14. September 2010

    http://www.wired.com/wiredscience/science-blogs/

    Qualitativ auf jeden Fall vorne mit dabei.