Ich bin von einer Journalistin angeschrieben worden. Sie recherchiert für einen Beitrag die “mitunter prekären Arbeitsverhältnisse” der Wissenschaftler. Hier ihre Anfrage im Wortlaut und meine doch recht düster ausgefallene Antwort. Ist es tatsächlich so schlimm wie es klingt oder ist das nur Jammern auf hohem Niveau? Ich wäre für relativierende oder bestätigende Kommentare unten dankbar und würde mich über Anekdoten aus dem eigenen Wissenschaftsalltag freuen.

Hallo lieber Autor des Blogs WeiterGen,
vielleicht eine etwas ungewöhnliche Art der Anfrage, aber besser als sie gar nicht zu kontaktieren. Wir recherchieren gerade zum Thema Wissenschaftliche Mitarbeiter und ihre mitunter prekären Arbeitsverhältnisse. Da Sie diese Themen auf Ihrem Blog auch streifen, würde ich mich freuen von Ihnen zu hören, denn aus meiner Sicht, herrscht eine erstaunliches Stillschweigen über dieses Thema. Niemand will so recht über die Abgründe dieses Systems mit uns sprechen -also zumindest niemand der “betroffen” ist. Vielleicht können Sie mir weiterhelfen und noch Hinweise geben.

Hallo liebe Journalistin,

Sie schreiben, Sie interessieren sich für wissenschaftliche Mitarbeiter. Ich weiß nicht genau, wen Sie damit meinen. Es gibt technische Angestellte, Doktoranden, Post-docs, Nachwuchsgruppenleiter, Privatdozenten und Professoren. Die Arbeitsverhältnisse sind aber eigentlich auf allen Ebenen prekär.

Außer den Professoren und einigen technischen Angestellten hat fast niemand einen unbefristeten Arbeitsvertrag. Ein Jobwechsel, zum Beispiel nach der Doktorarbeit oder dem Postdoc, ist fast immer mit einem Wohnortwechsel verbunden und nach neuen Stellen in der Wissenschaft wird selbstverständlich deutschlandweit, wenn nicht europa- oder weltweit gesucht. Die geforderte Flexibilität und die fehlenden langfristigen Perspektiven erschweren das Zwischenmenschliche. Viele meiner Kollegen sind entweder ohne festen Partner oder führen Fernbeziehungen. Fast alle sind kinderlos.

Bezahlt wird an Unis und an öffentlich finanzierten Instituten in Deutschland nach Bundesangestelltentarif (BAT), wobei Doktoranden gewöhnlich eine halbe Stelle besetzen und somit je nach Standort etwas mehr als 1000 Euro pro Monat Netto verdienen. Postdocs haben mit Glück ein Stipendium für zwei Jahre, sonst werden sie nach BAT2a bezahlt. Das Gehalt der Juniorprofessoren spottet dem eingebrachten Arbeitsaufwand, der Verantwortung, dem Risiko, der Zusatzbelastung durch Lehre und Praktikabetreuung und dem Grad der Ausbildung, also jeder Beschreibung. Die durchschnittliche Arbeitszeit, beim Doktoranden angefangen, beträgt konservativ geschätzt zwischen 45 und 50 Stunden pro Woche, inklusive Wochenenden. Überstunden werden weder notiert noch vergütet.

Die Arbeit in einem Labor ist langwierig und von Frustrationen geprägt. Experimente funktionieren nicht oder sind nicht reproduzierbar. Zum Teil fehlt Geld für notwendiges technisches Gerät und Verbrauchsmaterialien. Manuskripte für wissenschaftliche Publikationen werden in der Begutachtungsphase abgelehnt und müssen mit viel Aufwand erweitert und umgeschrieben werden, um zur Publikation akzeptiert zu werden – immer mit dem Risiko das jemand anderes schneller ist. Oft beeinflussen die Publikationen direkt den weiteren wissenschaftlichen Werdegang. Weiter müssen Anträge für Forschungsgelder geschrieben werden, die häufig ebenfalls abgelehnt werden.

Professoren sind meistens hervorragende Wissenschaftler. Wie Personal geführt wird, Konflikte gelöst werden oder ein Labor gemanagt wird ist nicht Teil der Ausbildung und das führt regelmäßig zu Problemen und Reibungsverlusten im Tagesgeschäft. Es gibt vereinzelt Bestrebungen hier zu helfen. Beispielsweise bietet hfp consulting Leadership-Kurse für Wissenschaftler an. Möglicherweise steht Ihnen einer der Coaches dort als Interviewpartner zur Verfügung.

Während es an Stellen für Doktoranden und Postdocs zumindest in meinem Forschungsbereich nicht mangelt, läuft die hierarchische Pyramide danach sehr spitz zu und viele verlassen die wissenschaftliche Laufbahn an dieser Stelle, um in angrenzenden Sektoren in der Wirtschaft unter zukommen. Für Biologen wie mich wäre das also beispielsweise die Pharma- und Biotechbranche. Vielleicht finden Sie dort ehemalige “Betroffene”, die Ihnen mit einiger Distanz Auskunft geben können.

Die Frage warum wir das alle mitmachen ist sicher nur individuell zu beantworten. Ich mache das, weil ich in der Wissenschaft die Möglichkeit sehe, meine eigenen Ideen umzusetzen und dafür nehme ich Frustrationen in Kauf. Bei vielen, mich eingeschlossen, fiel die Entscheidung in den Naturwissenschaften zu promovieren während des Studiums auch aus Mangel an adäquaten Berufsalternativen. Das im Lauf des Studiums Erlernte und die Fähigkeit wissenschaftlich zu denken und zu arbeiten qualifiziert offenbar nicht ausreichend für den Arbeitsmarkt außerhalb der akademischen Welt. Eine Promotion ist häufig die naheliegendste Lösung um nach abgeschlossenem Studium nicht direkt arbeitslos zu werden.

Ein weiterer Aspekt, der nicht unerwähnt bleiben soll: Während sich in der Biologie Studentinnen und Studenten, Doktorandinnen und Doktoranden noch weitgehend die Waage halten, gibt es auf der Ebene der Nachwuchsgruppenleiter und Professoren deutlich mehr Männer als Frauen. Hier ein aktueller Artikel, in dem die Gründe untersucht werden.

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Kommentare (42)

  1. #1 Dyrnberg
    10. Februar 2011

    Wenn die Frau noch weitere Auskünfte wünscht… vielleicht kann man hier eine Kontaktadresse veröffentlichen, dann schreiben ihr wohl zig wissenschaftliche Mitarbeiter die unter “prekären Arbeitsverhältnissen” leiden.

  2. #2 Florian Freistetter
    10. Februar 2011

    Ich vermute mal das war die gleiche Journalistin die sich auch bei mir gemeldet hat. Wir haben dann sogar telefoniert und ich habe ein paar Geschichten erzählt. Aber so wie es dann im Gespräch gewirkt hat, suchen sie eher Leute die “Illegales” tun – also z.B. arbeitslos gemeldet sind und trotzdem weiter für ihre Professoren arbeiten etc…
    Bin gespannt was da am Ende für ein Bericht rauskommt!

  3. #3 Sebastian R.
    10. Februar 2011

    Ich kann dir da nur zustimmen, dass die Arbeitsverhältnisse unter aller Sau sind. Man muss sie aber leider so hinnehmen, da es eben so ist. Traurig, dies so sagen zu müssen. Bin mal gespannt, was die myteriöse Journalistin daraus macht.

  4. #4 WeiterGen
    10. Februar 2011

    Florian,
    auf Arbeitslosengeld die Doktorarbeit zusammenschreiben ist ja nicht gerade selten.

  5. #5 Florian Freistetter
    10. Februar 2011

    @WeiterGen: Ja, davon hab ich auch erzählt – aber anscheinend war das noch nicht “illegal” genug 😉 An der Wiener Sternwarte war das aber eigentlich Standard. Ich habe erst in den letzten 2 Semestern meines Dr.Studiums Geld von der Uni bekommen; und andere haben die ganzen ~6-8 Semester ohne Finanzierung gemacht; eben nur von Sozialhilfe(HartzIV-Pendant) gelebt. Für den Staat ist das ja im Prinzip ne super Lösung. Er kriegt die gleiche Leistung – nur muss er halt anstatt einer Doktorandenstelle über die DFG nur Arbeitslosengeld zahlen… Hartz-IV geht ja in Deutschland gar nicht; als Hartz-IV Empfänger darf man ja nicht studieren (was ich auch für großen Unsinn halte).

    Das System fordert ja sowas geradezu heraus. Man bekommt einen befristeten Vertrag für 1 oder 2 Jahre und muss schauen dass man in der kurzen Zeit was halbwegs brauchbares schafft. Ein neues DFG-Projekt beurteilt zu bekommen dauert aber 8-10 Monate. D.h. entweder man nutzt die knappe Arbeitszeit auch noch um Projektanträge zu schreiben um einen nahtlosen Übergang zu haben – oder man hat danach immer längere Lücken die man dann halt mit Arbeitslosengeld überbrücken muss…

  6. #6 Till Westermayer
    10. Februar 2011

    Danke fürs Öffentlichmachen. Nicht, dass die Probleme unbekannt sind, aber gern darüber reden tut dann doch kaum jemand …

    (Ich könnte jetzt Wahlwerbung machen, und darauf hinweisen, dass im Landtagswahlprogramm der baden-württembergischen Grünen ein bißchen was zu den Arbeitsbedingungen von Promovierenden und wiss. MitarbeiterInnen steht – aber viel interessanter finde ich die Frage, wie das alles politisch “bearbeitbar” ist/wäre. Das Templiner Manifest der GEW hat ein paar Thesen dazu – gleichzeitig gehen viele “klassische” arbeitsrechtliche/gewerkschaftliche Vorgehensweisen dann doch wieder stark an der wissenschaftlichen Arbeitsrealität vorbei. Mehr (unbefristete) Stellen, weitere Karriereoptionen, bessere Bezahlungen – würde das helfen, oder bliebe unter dem Druck von Drittmittel-Projektlaufzeiten, eigenen Karrierewünschen und dem doch bei vielen immer noch starkem intrinsischen Interesse letztlich alles beim alten?)

  7. #7 Lars Fischer
    10. Februar 2011

    @Till:
    Wissenschaftler sind grob gesagt erst sehr naiv und dann sehr erpressbar, das ist der Kern des Problems. Die Leute gehen ja aus Idealismus in die Forschung rein, und dann sind die Optionen plötzlich so eingeschränkt, dass man entweder wirklich jeden Dreck fressen muss oder aussteigt.
    Das wird sich erst ändern, wenn es wieder in großem Maßstab gesicherte Karrieren im akademischen Mittelbau oder vergleichbares gibt, die da den Druck rausnehmen. Das ist der Punkt, an dem die Politik Einfluss nehmen kann.

  8. #8 Katja Husen
    10. Februar 2011

    Bin durch Till auf den Beitrag aufmerksam geworden. In dem Zentrum, in dem ich als Geschäftsführerin arbeite, gibt es unbefristete WissenschaftlerInnenstellen, allerdings wenige. TAs sind bei uns wirklich selten befristet.
    Ein Problem sehe ich darin, dass diejenigen, die den Aufstieg schaffen, selber bemüht sind, sich ausschließlich mit befristeten zu umgeben, damit sie schön flexibel bleiben. Da herrscht eine krasse “warum soll es denen besser gehen als mir”- und “Qualität setzt sich durch”-Denke. Die 12-Jahres-Regelung setzt dem dann die Krone auf.
    Ich könnte mir vorstellen, dass man tenure track-Modelle etabliert, die nicht erst mit GruppenleiterInnen, sondern eben auch guten wiss. MA die Aussicht auf Entfristung gibt. Dazu wären aber auch sichere staatliche Mittelzuweisungen nötig – und an denen mangelt es total.
    LOM führt natürlich dazu, dass nur wenige Leute unbefristet angestellt werden können, weil nur die Grundausstattung überhaupt dafür zur Verfügung steht.

    Ich kenne mehrere Wissenschaftlerinnen, die trotz nature-Publikationen froh und glücklich waren, als sie den Ausstieg aus der universitären Wissenschaft gemeistert haben. Endlich Sicherheit, finanziell und strukturell, endlich Arbeitgeber, die das Arbeitsrecht wenigstens in Grundzügen anerkennen, wo es den ArbeitnehmerInnen dient, endlich Respekt und Anerkennung.

  9. #9 Wastl
    10. Februar 2011

    Tja, so ist es, wenn man den Begriff “Das Land der Dichter und Denker” vergisst bzw. falsch interpretiert. Will man das als Ideal weiter hochhalten, dann sollte man wissen, dass mit den Dichtern und Denkern mitnichten Goethe, Schiller, Humboldt oder sonstwer Berühmtes gemeint war – sondern die Masse an Autoren, die Belletristik, Prosa, Poesie und v.a. praktische Bücher schrieben und verlegten.

    Würde man dieses Beispiel auf die Unis anwenden, müsste der Mittelbau deutlich zuungunsten der Professoren und “Exzellenz-Cluster” ausgebaut werden.

  10. #10 AndreasM
    10. Februar 2011

    Die Teile der Wissenschaft (Forschungsinstitut), die ich kennengelernt habe, sind ziemlich absurd.

    Einerseits kommt ein Grossteil der Gelder direkt oder indirekt aus dem Staatshaushalt, andererseits sehen sich die Vorgesetzten als Firma und in keiner sozialen Verantwortung.
    Wird jemand schwanger, wird halt der Vertrag nicht verlängert.
    Doktorandenstellen werden als billige Arbeitskräfte gesehen, um ein gewisses Projekt zu bearbeiten, unabhängig davon, ob es darin ein gutes Thema gibt oder nicht.
    Der Durchsatz an Leuten ist so hoch, dass kaum Knowhow aufgebaut wird und sich im nächsten Projekt ein Doktorand wieder von Null aus einarbeiten darf (ohne dass es jemanden in der Abteilung geben würde, der sich damit auskennt).

    Für viel Geld werden Geräte angeschafft, aber es ist kein Geld dazu da, die Leute zu bezahlen, die diese Geräte bedienen könnten. Da wird dann ein langjähriger Mitarbeiter, der in seinem Alter Schwierigkeiten haben wird, noch überhaupt etwas zu finden, nicht verlängert, um dann ein halbes Jahr später festzustellen, dass Leute fehlen, um die gefundete Arbeit zu erledigen und teure Geräte werden kaum noch genutzt.

  11. #11 silentjay
    10. Februar 2011

    @Till
    Prima Idee, wir wählen die Grünen und dann brauchen wir auch keine molekularbiologischen Doktorandenstellen mehr, weil die böse Gentechnik sollte man ja nicht proliferieren…

    Wenns um Bildungspolitik geht, hat sich bisher noch keine Partei mit Ruhm bekleckert.
    Auch wenn da immerhin noch 34% der Abgeordneten sich selbst einen großen Einfluss zugestehen.
    Sonst scheint man allgemein zu hoffen, das es der Einzelne schon richten wird.
    http://www.change-centre.org/media/2011/02/Parlamentarierstudie_PuK-Artikel_02.2011.pdf

  12. #12 Till Westermayer
    10. Februar 2011

    @silentjay: Klar fände ich das gut, wenn alle grün wählen würden, und auch über die inzwischen deutlich ausdifferenziertere Haltung zur Gentechnik ließe sich lange diskutieren. Aber ernsthaft: ich fände es schade, wenn mein Beitrag oben jetzt dazu führt, dass es hier zu einer langen Debatte über die angebliche Wissenschaftsfeindlichkeit der Grünen kommt. Die Debatte ist wichtig, ja, aber darum geht es hier nicht.

    Meine Frage oben war ernst gemeint: Ich sehe wenig Stellschrauben, an denen Politik realistisch drehen kann, um Arbeitsbedingungen in der Wissenschaft zu verbessern. Mehr langfristig angelegte Mittelbaustellen, tenure track auch für WiMis (wie Katja es oben angedeutet hat) – finde ich beides gut. Um das in großem Umfang hinzukriegen, müsste sich aber an der Geldverteilung im Wissenschaftssystem massiv etwas ändern, weil eine deutliche Zunahme des in die Wissenschaft fließenden Haushaltsanteils eher unwahrscheinlich ist. Egal, mit welchen Parteien.

  13. #13 CCS
    10. Februar 2011

    In meinem näheren Umfeld gibt es auch viele, die bereits auf Hartz IV sind und weiterarbeiten müssen, weil noch nicht genug Publikationen herumgekommen sind, damit der Prof das absegnet. Dank der relativen Narrenfreiheit von Professoren zumindest an dieser Uni scheint es da auch keine greifbaren Ansatzpunkte zu geben, das anzufechten oder zu ändern.
    Es fehlt wirklich so etwas wie eine Doktorandenlobby. Sei es nur auf Hochschulebene analog zu den Fachschaftsvertretungen.

  14. #14 WeiterGen
    10. Februar 2011

    Ein weiterer Aspekt: Obwohl im europäischen Vergleich Deutschland aktuell noch einigermassen gut dasteht (immerhin wurden die Forschungsausgaben des Bundes im Zuge der Krise nicht gekürzt, im Gegensatz zu anderen Staaten), ist der Standort ob der niedrigen Gehälter und der befristeten Stellen im internationalen Vergleich nicht attrativ genug. Wissenschaftler sind komplett internationalisiert und gehen da hin, wo die besten Rahmenbedingnungen vorherrschen.

  15. #15 AnnemarieM
    10. Februar 2011

    Leider ist die Frage “Ist es wirklich so schlimm?” mit einem eindeutigen “JA” zu beantworten. Doktoranden haben in den Naturwissenschaften meistens halbe Stellen. D.h. die offizielle Arbeitszeit pro Tag beträgt 4h. Um allerdings die entstehende Arbeit zu bewältigen werden diese Arbeitszeiten regelmäßig bis auf mehr als das Doppelte ausgedehnt. Würde man in dieser Zeit nur an der eigenen Forschung arbeiten und wissen, dass man etwas für seine eigene Promotion tut, wäre das zwar schlimm genug, jedoch mit viel Liebe zur Arbeit noch tragbar. Leider ist es so, dass bei mir einige Monate am Stück vergehen, in denen ich Studentenpraktika betreue und gar nicht dazu komme meine Forschung zu betreiben.
    Zu allem Unglück ist man ja dazu verdammt, seinen Professoren durch ganz Deutschland hinterher zu ziehen, falls diese eine neue Position erhalten. Das hat bei meinem Lebenspartner und mir zu einer sehr fernen Fernbeziehung geführt. Fazit: wenig Gehalt, viele Arbeitsstunden ohne Überstundenabrechnung und soziale Einsamkeit durch Fernbeziehung. Außerdem belibt immer die Ungewissheit: was wird danach? Finden ich und mein Lebenspartner spezialisierte Jobs in der gleichen Region?
    Jetzt zur zweiten Frage: “Warum machen wir das mit?” Also zur Zeit ist es purer Idealismus und die Hoffnung auf ein besseres Leben. Was sich schwierig gestaltet, wenn in der allgemeinen Gesellschaft die Meinung existiert: “Ach ihr faulen Studenten!”

  16. #16 Nashorn
    10. Februar 2011

    Ein wichtiges Thema.
    Ich habe (als Biologe) die Konsequenz gezogen, dass ich der Laborbank ade gesagt habe und in die sogenannte freie Wirtschaft gegangen bin. Da habe ich jetzt immerhin eine unbefristete Stelle (auch wenn die irgendwann womöglich der nächsten Umstrukturierung zum Opfer fallen wird).

  17. #17 CP
    10. Februar 2011

    ich arbeite seit anderthalb jahren an meiner doktorarbeit (biologie) und habe noch nichtmal ein thema und aus diesem grund auch noch keinen 2. betreuer. an meinem ungefährem projekt (welches ja noch nicht so richtig feststeht) arbeite ich, wenn ich glück habe 1x die woche. ansonsten erledige ich dinge für den chef, nicht für mich! und warum das alles? weil ich trotzallem meine arbeit liebe und hoffe, dass es irgendwann besser wird…naja…und an der uni bleib ich eh nicht, wenn ich fertig bin!

    entschuldigt die ganze kleinschreibung… :-)

  18. #18 AndreasM
    10. Februar 2011

    Passend zum Thema Doktorarbeit (wer es denn noch nicht gesehen hat; war auch mal hier auf den Scienceblogs verlinkt):

  19. #19 Biologe
    10. Februar 2011

    Erfahrungswerte bezüglich Arbeitszeit aus unserem Labor:
    Postdocs 55-65 die Woche (40 davon bezahlt)
    Doktoranden 50-55 (20 davon bezahlt)
    der Rest zwischen 45-50 (unbezahlt, bzw TAs)
    Natürlich alle auch am Wochenende im Labor.
    Ich selbst “schenke” dem Staat etwa 80h im Monat (unbezahlte Überstunden).
    Mein Tipp an alle die vorhaben Biologie zu studieren –> sucht euch einen richtigen Job 😉

  20. #20 Markus
    10. Februar 2011

    Der Job des Wissenschaftlers ist wie die eines Kuenstlers, wo man von Maezen oder Grants lebt. Teenager wuerde es als …”Next Top Model” Wettbewerb bezeichnen.

  21. #21 physiker
    10. Februar 2011

    Recht bezeichnend, dass noch niemand was zum Thema Urlaub gesagt hat.
    Ich habe jedenfalls waehrend meiner Doktorarbeit mehr als 90% des eh schon spaerlichen Urlaubs verfallen lassen – wenn ich mich richtig erinnere, waeren das 20 Tage im Jahr gewesen…

  22. #22 WeiterGen
    10. Februar 2011

    physiker,
    stimmt! Das sollte eigentlich auch noch oben in den Artikel. Ich habe es aber dann vergessen zu erwähnen. Ich kenne keine Doktorandin oder Postdoc, die je ihren Urlaub vollständig genommen hätte.

  23. #23 Shin
    10. Februar 2011

    Ich kann den Artikel zu 100% unterschreiben, bis auf die Zustände bei Juniorprofessoren, über die ich nichts weiß. Die Wochenarbeitszeit halte ich mit 45-50 Stunden auch für eine seeehr konservative Schätzung, die meisten die ich kenne kommen um 8-9, gehen gegen 7 und arbeiten auch am Wochenende. Was die Arbeitsmarktaussichten angeht, stimme ich leider zu, zumindest was Biologen angeht – Chemiker und Physiker kommen meines Wissens besser unter, da auch in der Industrie mehr nachfrage herrscht. Promotion aus Alternativmangel, auch das kommt mir bekannt vor.

    Alles in allem, die traurige Wahrheit, die völlig zu Recht bejammert wird. 1100 Euro im Monat für ~60 h Wochenarbeitszeit inklusive Wochenenden in einer Tätigkeit, die mit dem Studium eine mehrjährige Ausbildung erfordert, nicht nur geistig anspruchsvoll und oft frustrierend ist sondern durch viele toxische Substanzen (z.B. Ethidiumbromid, mit dem praktisch JEDER Biologe arbeitet) – das IST Ausbeutung, da gibt es gar keine Diskussion.

    Könnte ich noch einmal wählen, ich würde mich anders entscheiden. Definitiv gegen Biologie, und vermutlich auch gegen die Wissenschaft. Was schade ist, denn ich finde sie wirklich sehr, sehr interessant.

  24. #24 noch'n Flo
    10. Februar 2011

    @ Till:

    Ach ja, die hehren Grünen; die unerschrockenen Ritter, die den Menschen die Wahrheit™ näher bringen wollen. Die Partei, die trotz überwältigender gegenteiliger Datenlage immer noch die Homöopathie pusht. Und die Anthroposophische Medizin. Und die TCM. Und noch jede Menge weitere pseudomedizinische Verfahren.

    Kurz gesagt: die Eso-Partei. Und die sollen für einen vernünftig denkenden Menschen tatsächlich wählbar sein?!?

  25. #25 nichtmehrwissenschaftler
    11. Februar 2011

    … wer immer vorhat aus der wissenschaft auszusteigen, tut euch selbst den gefallen und kommt nicht auf die bekloppte idee, in der pädagogik, wissensvermittlung, bildung was auch immer anzufagen. is’ vom regen in die traufe. tarifvertrag? nie gesehen. vollzeitstelle? wass’n das. überstunden? na is’ doch für ‘ne gute sache, da macht man doch gern mal ‘nen bissl länger.
    ich glaube, die beschriebenen probleme, die alle evident sind, treffen in einigen anderen arbeitsbereichen ebenfalls zu. zunehmende mobilitätsforderungen, zunehmender konkurrenzdruck, mehr “prekäre” arbeitsverhältnisse… hier ging es jetzt speziell um wissenschaftler – und das es sich um ein gesamtgesellschaftliches problem handelt, macht die sache nicht besser – aber es braucht mE eine idee, wie man in die aufgelösten institutionen der tarifvertragswelt insgesamt ersetzt. sonst wird das nämich schnell zum verteilungskampf. wissenschaftler gegen, was weiß ich, polizei. polizei gegen kulturschaffende, kulturschaffende gegen baugewerbe…

  26. #26 Bjoern Brembs
    11. Februar 2011

    Klar, Tobias hat das genz genau so beschrieben, wie es ist. Nur vielleicht bei den Arbeitszeiten stimmen die von ‘Biologe’ vielleicht etwas besser. Wenn das der Journalistin nicht reicht, können wir ihr auch nicht helfen.

  27. #27 WeiterGen
    11. Februar 2011

    Björnome,
    gemeldet hat sie sich bislang nicht mehr. Sie weiß von diesem Blogpost hier.

  28. #28 Minerva
    11. Februar 2011

    Ich war TA in einer staatlichen Behörde mit einer sehr spannenden Stelle, befristetem Vertrag und ohne Aussicht auf eine unbefristete Stelle.

    Ich bin nach 3 Jahren in die Industrie gewechselt, auf eine mittelprächtig spannende, aber unbefristete Stelle und bekomme deutlich mehr Gehalt. Das, was im öfffentlichen Dienst für eine TA als Endsatz gezahlt wird, bekommen in der Industrie Laboranten mit wenig Berufserfahrung.

    Der staatlich geprüfte Techniker wird im öffentlichen Dienst nicht als Grund gesehen, um eine Gehaltsstufe draufzuschlagen (FH Ingenieurstitel übrigens auch nicht), in der Industrie gibt es entsprechende Stellen und Entlohnung.

    Letztlich sind wir alle käuflich…

  29. #30 Kasaba
    11. Februar 2011

    danke für das öffentlichmachen – sehr interessante, zwar allseits bekannte, aber viel zu wenig beachtete thematik.
    um zunächst auf die am anfang gestellte frage zu antworten: ja, es ist jammern auf hohem niveau. aber gerade die diskrepanz zwischen höchstem bildungsabschluß und niedrigster beschäftigungssicherheit gibt vielleicht nicht unbedingt anlaß zum jammern, aber doch zum lauten staunen darüber, was sich dieses land offenbar leisten kann.
    einen teilaspekt möchte ich gerne noch ergänzen: wenn ich mich in meinem umfeld unter nichtwissenschaftlerinnen umschaue, haben die zumeist dank jahrelanger fester arbeitsverträge nicht nur ein gesichertes einkommen, sondern auch eine einigermaßen gute perspektive für eine gesicherte rente. ich zumindest kenne genug nachwuchswissenschaftlerinnen (mich eingeschlossen), die in die gesetzliche rentenversicherung bislang nur äppel und eier einzahlen konnten und die riesterrente nur aus der tagesschau kennen.

  30. #31 BioTechnologin
    17. Februar 2011

    Hallo alle zusammen!
    Schön, dass mal über dieses Thema gesprochen wird, aber schade, dass es immer im verborgenen Kämmerlein passiert… Ich schreibe auch gerade meine Dissertation auf ALG1 zusammen und muß mit dem wenigen Geld irgendwie klarkommen. Immer ist die Rede von Fachkräftemangel, zu wenig Frauen in höheren Positionen, Akademiker kriegen zu wenig Nachwuchs… Wie denn bitteschön? Wenn man mit ca. 30 Jahren seine Promotion beendet, verheiratet ist, kein Studentenleben in WG-Bruchbuden mehr führt, sondern eigentlich normal-hohe Ausgaben im Monat hat, soll man plötzlich von wenig Geld mit noch weniger Geld auskommen. Und das wird als völlig selbstverständlich angesehen. In meinem Bekanntenkreis werde ich eher ausgelacht und bemitleidet, dass ich so etwas mitmache – kaum Geld trotz Uni-Diplom, schon während des Studiums am Hungertuch genagt, tschuldigung, aber jeder Friseur verdient mehr Netto im Monat, kein Urlaub, halbe Stelle aber mehr als die doppelte Arbeitszeit, keine Auszahlung von Überstunden oder Urlaub. Ich muß mich jedesmal rechtfertigen, dass das in diesem Bereich nun mal so ist. Nein – ich kann mein Gehalt nicht verhandeln. Das wäre in der Wirtschaft kein Problem. Nur muß man dort erst einmal die richtige Stelle finden. Denn dort sollte man ja schon mit 25 Jahren promoviert sein, 3 Jahre Auslandserfahrung haben und mindestens mehrere Jahre Berufserfhrung. Es ist zum Verzweifeln! Stünde ich wieder vor der Entscheidung – Jahre voller Streß, Entbehrungen, Frustration, Geldsorgen, Vernachlässigung von Freundeskreis, Familie, Familienplanung und dem Gedanken an ein Eigenheim – Nein, ich würde es nicht wieder machen, denke ich. Die Bedingungen sind einfach zu schlecht! Und um noch einen Vergleich anzustellen: Wie viele medizinische Doktoranden habe ich betreut, die während ihres Studiums in 6 Monaten ihre Doktorarbeit erledigen, dafür ihren Titel bekommen und auf gleicher Stufe stehen wie Wissenschaftler, die 3 oder oft noch länger an ihrer Promotion arbeiten müssen. Das was Mediziner Doktorarbeit nennen, war meine Diplomarbeit. Wie blöd sind wir Wissenschaftler eigentlich, dass wir das alles mit dem idealistischen Gedanken der Weltverbesserung mit uns machen lassen?!?

  31. #32 BC
    18. Februar 2011

    Es wird Zeit, dass wir uns als inhomogene Gruppe von Wissenschaftlern mal zusammenschließen und protestieren – für Perspektiven.
    Vllt. kann einfach jeder ne Mail an die Politik oder Presse schreiben. Aber wir müssen anfangen. JETZT!
    Gibts dazu eigentlich ne facebook gruppe?!

  32. #33 Elvin
    24. Februar 2011

    Schätze ich gehöre zu den technischen Angestellten als Medizintechniker (wenn auch nicht Forschung sondern in der Anwendung).
    Hier gibt es ein definitives Bestreben Gesetzeskonforme Prüfungen und Validierungen mit möglichst ungelernten oder unerfahrenen Technikern ohne grossartige Erfahrung oder Unterstützung zu erfüllen um die Gewinnspanne zu optimieren, Arbeitskräfte zu haben die sich nicht beschweren weil sie es “besser” wissen und diese Leute als Sündenböcke nutzen zu können wenn doch was schief läuft.
    Von den Herstellern und deren Mitarbeitern in den diversen Komissionen und Ausschüssen (Lobbyarbeiten) werden vorgaben zu Gesetzen erklärt die verlangen das jegliche Geräte vom Hersteller dem Techniker zertifieziert werden das man daran arbeiten kann (ohne dabei zu bedenken das keiner der Hersteller so wesentlich andere Produkte anbietet als seine Konkurenz.
    Diese Weiterbildungen kosten viel Geld, sind meist nicht leicht für “konkurenz” firmen zu bekommen und werden demzufolge eher selten an Techniker weitergegeben womit aussergewöhnlich viel Techniker in meinem Bereich eigentlich in einer ziehmlich düsteren Grauzone arbeiten.
    Die einzige Möglichkeit aus dieser Tretmühle auszubrechen ist einen Job in einem Krankenhaus zu bekommen wo bei einkauf der Geräte diese Lehrgänge mitvergeben werden, vorrausgesetzt das Krankenhaus hat eine starke Medizintechnik oder für einen der Hersteller zu arbeiten .
    Alle anderen und das sind eine ganze Menge werden somit aus wirtschaftlichen überlegungen immer mehr in eine Übereilte, nicht Herstellerkonforme und im zweifelsfalle auch nicht gesetzeskonforme Arbeitsweise gedränkt um Gewinne zu produzieren.
    Dies mal aus der Anwendung, teilsparte Medizintechnik.

  33. #34 Doktorand
    24. Februar 2011

    Stimme allen Vorrednern zu, dem ist nichts mehr hinzuzufügen! Zu erwähnen wäre auch noch ein Grund, warum viele Doktoranden ihre Dissertation auf Arbeitslosengeld zu Ende schreiben müssen. In vielen Instituten dürfen Doktoranden NICHT als Wissenschaftler eingestellt werden, selbst wenn die Zeit des Promotionsvertrags bereits abgelaufen ist und sie die Stellenbeschreibungen in vollstem Umfang erfüllen! D.h. dann daß geeigente Bewerber (die sich ja mindestens 2-3 Jahre mit dem Thema intensivst auseinandersetzen mussten und über das entsprechende Wissen verfügen), einfach nicht eingestellt werden. Statt dessen holt man sich fachfremde Wissenschaftler, die erst noch eingearbeitet werden müssen, was widerum Zeit und Geld kostet. Wieso können sich solche Institute, welche teilweise oder ganz aus Steuermitteln finanziert werden (oder was denkt ihr woher kommt z.B. das Geld der dfg), so etwas überhaupt erlauben? Was das soll erschließt sich mir nicht, will man damit verhindern, daß es sich die Doktoranden auf der Stelle gemütlich machen und sich die Zeit der Abgabe noch weiter verlängert? Das ist hart an der Realtität vorbei gedacht, denn viele arbeiten dann halt eben woanders bis zur Abgabe (nehmen natürlich das erworbene Wissen mit) oder bewerben sich gleich in Wirtschaft oder bei ausländischen Instituten. Oder will man damit nur “exzellente” Wissenschaftler züchten? Ein Hohn, bedenkt man die Inhomogenität der Dissertationsthemen und ebenso verteilten Methoden- und Arbeitsaufwand. Nur Daten auswerten ist etwas völlig anderes als diese Daten erst gewinnen zu müssen, am besten noch mit einer vorher zu entwickelnden Methode. Sieht man dann noch wie festangestellte Wissenschaftler auf einen herabsehen und dabei geflissentlich ihre selbst zur Dissertation verbrauchte Zeit vergessen (oft länger als 4-5 Jahre, heut kaum noch denkbar), dann zweifelt man nicht nur an sich selbst sondern am Wissenschaftsapparat im allgemeinen.

  34. #35 Jan von nebenan
    24. Februar 2011

    Also, ich studiere zur Zeit Physik und bin inzwischen in der Diplomarbeits-Phase angekommen. Und bislang dachte ich eigentlich: die Arbeit an der Uni macht doch sogar Spaß, nach dem Diplom machste vielleicht noch einen Doc, und dann siehste mal weiter was sich so ergibt…

    Aber nachdem ich die letzten Tage diese ganze Sache mit den Arbeitsbedigungen etwas verfolgt habe, bin ich mir mehr und mehr versucht, nach dem Studium direkt in die Wirtschaft abzuwandern. (Als Dipl.-Physiker habe ich dort ja hoffentlich nicht allzu schlechte Karten.) Denn nach dem Studium noch mal mehrere Jahre mit einer halben Stelle herumeiern, trotzdem keine Freizeit haben, mit einem Gehalt das kaum reicht um über die Runden zu kommen, und dazu auch noch verschuldet (BAföG & Co.)??! Dazu habe ich mich dann mehr als 5 Jahre mit dem Studium herumgeschlagen? Das tue ich mir nicht an, so weit reicht mein Idealismus leider nicht. Obwohl ich die physikalische Forschung, aber auch Wissenschaft im Allgemeinen, äußerst interessant finde. Es gibt noch so vieles für uns zu entdecken…

    In mir macht sich gerade irgendwie ein Gefühl der Resignation breit – und dabei bin ich noch nicht mal mit meinem Studium fertig. :-(

  35. #37 WeiterGen
    20. Juni 2011

    Den Beitrag gibts jetzt bei der ARD (Monitor): http://www.wdr.de/tv/monitor/sendungen/2011/0616/arbeitsamt.php5

  36. #38 CCS
    21. Juni 2011

    @WeiterGen:
    Trotz meiner spontanen Lust, mich zu übergeben: Danke für den Link zum Beitrag.

  37. #39 solidarität
    21. Oktober 2011

    http://www.tagesschau.de/inland/aerztestreik134.html

    äh wann machen wir das auch mal??

  38. #40 jule
    17. April 2012

    Hallo ihr lieben,

    ich finde das alles so ungerecht…wo ist denn hier der Arbeitnehmerschutz – ich kann nicht begreifen wie sowas überhaupt durchgehen kann !!! …Fassungslos…

    Bin jetzt bis zum Master (Biotechnologie) mit dehr gutem Durschnitt gekommen, bin eigentlich auch absoluter Idealist und gehe leider straff auf die 30 zu… Irgendwie bekomme ich bei diesen Zuständen echt Angst …

    Würde so gerne was Ändern!!!

  39. #41 Waldi
    20. Juli 2012

    Wobei man aber auch sagen muss, das man das so nicht hinnehmen muss. Also ich habe mit meinem Prof darueber gesprochen, da mein Post-Doc, der mich bei meiner Diss betreut, verlangt hat, dass ich am Wochenende arbeite. Habe das dann auch erst mitgemacht fuer drei Monate, aber festgestellt, dass zum einen meine Ehe dadurch kaputt gegangen waere und zum anderen ich einfach mein Wochenende frei haben moechte.

    Also mein Prof hat gesagt, dass ist ok. Er sagte mir, die Doktoranden, die in die Wissenschaft moechten, muessen am WoE arbeiten, um in drei Jahren fertig zu sein, weil laenger als drei Jahre nicht gut ankommt. Wer allerdings wie ich mit dem Doktor in die Industrie will, kann die WoE frei machen und brauch dann so vier Jahre.

    Man kann ja ueber alles reden mit seinem Chef, keiner verlangt von einem, am WoE zu arbeiten, auch als Doktorand! Viele, die ich kenne von den Doktoranden, WOLLEN am WoE arbeiten, weil das ihr Beruf das LEBEN ist.

  40. #42 Physiker7
    Greifswald
    12. Januar 2014

    Hallo,

    auch wenn hier schon lange keiner mehr etwas geschrieben hat, auch ich will hier noch meine Erfahrungen kund tun. Ich bin Dipl.-Physiker und schreibe gerade meine Doktorarbeit im Bereich Biophysik zusammen (habe aber mein Dipl. in Plasmaphysik gemacht). Alles was ihr hier geschrieben habt stimmt, und ist oftmals noch untertrieben. Ich kenne das Gefühl sehr gut zu wissen, dass man zu den 2% der gebildetsten Bürger dieses Landes gehört und dennoch bezahlt zu werden wie eine Putzfrau (Ich verdiene weniger als unsere TA und das für mehr als Vollzeitbeschäftigung und mit Physik-Diplom! … halbe Stelle, welche ich mir noch mit meiner Frau teilen muss…). So hatte ich mir mein Leben mit fast 30 nicht vorgestellt. Ein Freund von mir hat einfach nur 3 Jahre an einer 0815-Berufsakademie Maschinenbau studiert, der verdient in einem Stahlwerk knapp 60 000 Euro im Jahr fährt ein neues Auto und hat bereits 50 000 Euro in Gold angespart. Dieses Gehalt erreichen Post-Docs nicht mal wenn sie 15 Jahre angestellt wären. Alles in allem kann ich nur sagen: Idealismus hin oder her: in einer Leistungsgesellschaft finde ich es eben nicht leistungsgerecht (um nicht zu sagen skandalös) nach 10 Jahren Studium (inkl. Promotion) eine befristete Stelle für 43 000/Jahr (Haustarif, da wir aus dem Landestarif ausgegliedert wurden) als Post Doc angeboten zu bekommen. Ich sehe jeden Tag junge Ärzte, die wirklich keine Ahnung von Forschung haben, in 6 Monaten schnell 30 schlampige Seiten Doktorarbeit zusammentackern und danach direkt 800 Euro/Monat höher einsteigen als ein Post Doc. Eine solche Ungleichbehandlung von Abschlüssen…mich widert das nur noch an. Daher werde auch ich alles versuchen um in der freien Wirtschaft Fuß zu fassen.

    Mein Tip: wer sich noch für ein Studium entscheiden muss, macht statt reiner Naturwissenschaft (Bio, Physik, Chemie..) irgend etwas einfacheres…ein Dipl.-Ing. oder BWL …schwimmt mit dem Strom und genießt euer Leben.

    LG