Historischer Preis für Rohöl seit 1946. Schwarze Kurve: Markpreise. Rote Kurve: Inflationsbereinigt auf Januar 2014. Quelle: inflationdata.com
Historischer Preis für Rohöl seit 1946. Schwarze Kurve: Markpreise. Rote Kurve: Inflationsbereinigt auf Januar 2014. Quelle: inflationdata.com

Die Entscheidung, der OPEC, die maximale Fördermenge von 30 Millionen Barrels pro Tag vorerst unverändert zu lassen, ist kein Zeichen der Schwäche des Ölkartells. Es ist ein Test des längeren Atems und ein Versuch, konkurrierende Ölproduzenten trocken zu legen. Der Marktpreis pro Barrel liegt aktuell bei etwa 70 Dollar, die Kosten um rentabel zu fördern liegen für russisches Öl zum Beispiel bei 110 Dollar pro Barrel und für die Gewinnung kanadischen Öls aus Ölsand bei etwa 100 Dollar. Denkbar schlechte Marktbedingungen für diese Konkurrenten der OPEC.

Auch für die USA liegt der Preis denkbar knapp an der Rentabilitätsschwelle für die Ölförderung durch Fracking. Die Vergangenheit dient als Warnung. Der letzte Fracking-Boom in den USA in Folge der Ölkrise der 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts fand Anfang der 80er Jahre ein rapides Ende, ausgelöst durch fallende Ölpreise, damals vor allem verursacht durch die Verfügbarkeit billigeren Öls aus Alaska und der Nordsee.

Paradoxerweise kann selbst Saudi-Arabien, der größte Produzent und einflussreichstes Mitglied der OPEC, bei einem Preis von 70 Dollar pro Barrel nicht mehr rentabel fördern. Der eine Dreiviertel Billion Dollar umfassende Bargeldpuffer der Saudis erlaubt es ihnen jedoch abzuwarten und zu beobachten, wie weniger rentable und weniger liquide Konkurrenten der Reihe nach Probleme bekommen. Das selbst ärmere OPEC-Länder wie Venezuela, Nigeria und der Iran davon betroffen sind, wird offenbar in Kauf genommen.

Der aktuell relativ niedrige Ölpreise dürfte auch die Debatte um die Gewinnung von Schiefergas in Deutschland durch Fracking wenn nicht aufgehoben, so doch zumindest aufgeschoben haben. Denn abgesehen von der Frage der Rentabilität, scheint rein rational wenig gegen die Gasförderung durch Fracking auch in Deutschland zu sprechen.

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Kommentare (4)

  1. #1 Hobbes
    30. November 2014

    Was genau sind eigentlich die “Kosten um Rentabel zu fördern”
    Ist das wirklich der Preis damit man kein Verlust macht? Oder ist damit gemeint was die Staaten in ihrer Bilanz veranschlagt haben?
    Russland soll ja einen Preis von 110€ kalkuliert haben. Die werden ja wohl kaum so rechnen das der Laden sich gerade einmal selbst tragen kann.
    Habe gerade keine Lust mich auf der verlinkten Seite an zu melden.

  2. #2 Tobias Maier
    1. Dezember 2014

    Hobbes,
    für Russland und Saudi-Arabien ist der Preis gemeint, bei dem die jeweiligen Staatsbilanzen ausgeglichen sind. “Kosten um rentabel zu fördern” stimmt also nur bei kanadischem Ölsand.

    Hier noch ein paar weitere Länder und Zahlen aus dem Artikel (Dollarbeträge sind Preise pro Barrel für jeweils ausgeglichene Bilanzen der Staaten):
    160$ Venezuela
    130$ Iran
    110$ Russland
    90$ Saudiarabien
    50$ Kuweit

  3. #3 Hobbes
    1. Dezember 2014

    Ah, danke für die Info.
    Es ist ja schon erstaunlich das alle mit einem so hohen Ölpreis gerechnet haben. Wenn man sich die Langzeitentwicklung des Preises anschaut sieht diese ja nach einer ziemlich linearen Steigung aus. Bis 2008 hätte man eventuell auch exponentielles Wachstum annehmen können aber das ist ja durchaus schon eine ganze weile her.

  4. #4 Tobias Maier
    1. Dezember 2014

    Da sich die Basis des Ölpreises, nämlich die erschließbaren Ölreserven verändern (Erschließung des Nordsee und Alaska Öls in den 80ern, Ölsand in Kanada, Fracking in den USA), und da Kartelle wie die OPEC aktiv auf die Preisgestaltung durch Drosselung der Fördermenge Einfluss nehmen, ist der Preis nicht mit einer einfachen Funktion basierend auf der Nachfrage zu fitten. Vorhersagen gehen aktuell davon aus, dass der Preis jetzt auf Jahre nicht stark steigt.