career is a marathon

Vor einiger Zeit habe ich folgenden Satz gelesen: “Eine Karriere in der Wissenschaft ist kein Sprint, sondern ein Marathon”. Klingt oberflächlich richtig. Wer in der Wissenschaft erfolg haben will, muss Scheuklappen anlegen, Gas geben, und vor allem ausdauernd sein.

Bei einem Volksmarathon kommen im Durchschnitt rund 80% der Starter im Ziel an, und wer ausreichend trainiert, ist wahrscheinlich bei den Finishern dabei. Der Anteil der promovieren Wissenschaftler, die irgendwann mit unbefristetem Arbeitsvertrag ausgestattet in einem akademischen Umfeld arbeiten, ist hingegen lächerlich gering.  8% der Doktoranden haben aktuellen Zahlen aus den USA zur Folge später tatsächlich eine (immer noch befristete) “Tenure-Track” Stelle inne.

Ungeachtet der miserablen Aussichten auf eine erfolgreiche wissenschaftliche Karriere wertet die Mehrzahl der Doktoranden und Doktorandinnen Forschung oder Lehre innerhalb des akademischen Umfelds dennoch als attraktivsten Karriereweg. Kein Wunder, werden doch laut einer Studie 85% aller Doktoranden in den Biowissenschaften innerhalb ihres beruflichen Umfelds ermutigt, eine wissenschaftliche Karriere anzustreben, anstatt sie realistisch und adäquat auf den Arbeitsmarkt vorzubereiten.

Das Missverhältnis zwischen den akademischen Karriereplänen vieler Nachwuchswissenschaftler und der den tatsächlichen Beschäftigungsmöglichkeiten im System, zusammen mit fehlender oder nur rudimentärer Karriereberatung an den Unis und Instituten führt regelmäßig zu großen Frustrationen. Wenn die Erkenntnis reift, dass man trotz harter Arbeit, trotz guter Ideen, trotz jahrelanger Entbehrungen und trotz vieler Publikationen, den Marathonlauf nicht zu Ende bringen wird, stellt sich nicht selten das Gefühl ein, beruflich gescheitert zu sein.

Es wird Zeit, dass sich die Kultur ändert. Eine Doktorarbeit ist keine Etappe in einem Wettlauf und eine wissenschaftliche Karriere ist kein Marathon mit einem Ziel, das mit großer Wahrscheinlichkeit nie erreicht wird. Wenn nicht einmal jeder zehnte Doktorand langfristig Platz im akademischen System findet, ist die Promotion vielmehr eine qualifizierende Zusatzausbildung für den Arbeitsmarkt außerhalb, als ein Baustein einer wissenschaftlichen Karriere.

Das muss nicht nur so kommuniziert werden, ich denke, die Institute und Fakultäten haben ob dieser Zahlen dem wissenschaftlichen Nachwuchs gegenüber sogar die Verantwortung, sie aktiv bei der Berufswahl zu unterstützen. Ich weiß, dass es an britischen Universitäten sogenannte “Career Offices” gibt. Wie steht damit in Deutschland? Gibt es unterstützende Maßnahmen für die Karriere außerhalb? Wie sehen diese aus und werden sie angenommen?

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Kommentare (4)

  1. #1 BerndB
    17. November 2014

    Also ich hab damals 2007 von meiner Gruppe, bei der ich meine Diplomarbeit gemacht habe, geraten bekommen, mich nicht auf einen Doktoranden-Platz zu bewerben, da die Physiker mit den Chemikern zusammengelegt wurden und es die Chemiker eher nötig haben einen Doktor zu machen.

    Ich hatte von einem der damaligen Kollegen auch meine jetztige Firma (bei der ich seit damals bin) als möglichen Arbeitgeber genannt bekommen. Und was soll ich sagen: Ich hab insgesamt nur zwei Bewerbungen verschicken brauchen (plus eine fürs Arbeitsamt, wo nie eine Rückmeldung kam, weils gar nicht gepasst hat).

    Also ich denke in Deutschland kommt es sehr auf die jeweilige Forschungsgruppe an, was die einem empfielt. Aber so richtig auf das Berufsleben kann einem die Uni eh nicht vorbereiten, da jeder Arbeitgeber und auch Arbeitsplatz andere Bedingungen bietet.

  2. #2 Georg Hoffmann
    17. November 2014

    Es gibt ja viele Berufe, die eine extrem elitaere und steil angelegt Pyramidenstruktur haben. Seit Freakonomics wissen wir, dass da die Drogenhaendler ebenso dazugehoeren wie Profisportler, Schauspieler etc. Das Ziel scheint eben derart verlockend, dass die miserablen Chancen einfach verdraengt werden.
    http://freakonomics.com/books/freakonomics/chapter-excerpts/chapter-3/

    Bei Crackdealern arbeiten sogar nur weniger als 1% am Ende in relativ gesicherter Stellung mit akzeptabler Bezahlung.

  3. #3 Tobias Maier
    18. November 2014

    Wie heißt denn das Syndrom, sehenden Auges Entscheidung zu treffen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht positiv für einen sind?

  4. #4 Georg Hoffmann
    18. November 2014

    @Tobias Maier
    “Wie heißt denn das Syndrom, sehenden Auges Entscheidung zu treffen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht positiv für einen sind?”

    Hochzeit?