Hans Modrow Architekt der Wiedervereinigung

Ein geschätzter Freund hat folgendes auf Facebook gepostet: Helmut Kohl habe die Anerkennung für die Rolle des Architekten der Wiedervereinigung von Hans Modrow gestohlen.

Für mich, der die Wende als dreizehn und vierzehn Jahre alter Junge in Westdeutschland verfolgt hat, klingt das wie Geschichtsklitterei.

Mein Freund ist in Ostdeutschland aufgewachsen. Teilt jemand hier seine Meinung? Wie wird die Wiedervereinigung und die Rollen von Kohl, Modrow, Gorbatschow, Genscher und Schäuble eigentlich in Schulen gelehrt? Gibt es da Unterschiede zwischen Ost und West?

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Kommentare (73)

  1. #1 Dr. Webbaer
    17. Juni 2017

    Hans Modrow mag ein anständiger Sozialist gewesen sein, ja, es gab anständige Sozialisten im ehemaligen “Ostblock”, Dr. Webbaer kennt einige davon, es gab ja auch anständige Nationalsozialisten, also viele wohl nicht, aber es kann mal geschaut werden, wer alles in der NSDAP war und sich anständig verhalten hat, aber er war eben Kollektivist und als solcher nicht kompatibel (“mitleidend”) mit aufklärerischen Gesellschaftssystemen.
    Von besonderem Widerstand Hans Modrows gegen die Wiedervereinigung ist dem Schreiber dieser Zeilen nichts bekannt, vielleicht hat Hans Modrow hier den Verdienst die Genossen ruhig gehalten zu haben.
    Wer weiß mehr?

    Ansonsten gebührt zentral Herrn Dr. Helmut Kohl der Verdienst der deutschen Wiedervereinigung, er kam recht früh aus dem Busch mit seinem X-Punkte-Programm, das vielen politisch Linken in der BRD streng missfiel, Moment, …, gleich wieder da, …, …, …, aja, hier :
    -> https://de.wikipedia.org/wiki/Zehn-Punkte-Programm

    Dies müsste Helmut Kohls Meisterleistung gewesen sein, nicht schlecht war auch sein Ausspruch oder sein Gerede (je nach politischer Sicht) von den “blühenden Landschaften”, oder? Kann doch jetzt bestätigt werden?!

    Auch Willy Brandt hat sich seinerzeit sehr ordentlich verhalten, hatte auch mit internem politisch linken Widerstand zu kämpfen bei seinem “Es wächst zusammen, was zusammen gehört!“, Willy hat jedenfalls nicht im FAZ-Sinne korrigiert.


    Ansonsten ist mit Nachrichten der sogenannten Sozialen Medien, Dr. Webbaer meidet sie, vorsichtig umzugehen, bei der hier zitierten fehlte offensichtlich die Begründung, in gewissem Sinne fehlte alles.

    MFG + schönes Wochenende noch,
    Dr. Webbaer

  2. #2 tomtoo
    17. Juni 2017

    In Anbetracht der Tatsache das Herr Kohl gerade verstorben ist möchte ich da jetzt nicht’s zu sagen.

  3. #3 Hobbes
    17. Juni 2017

    Ich kenne mich mit Details zu Modrow nicht aus. Aber die leseart passt zu der Post Sowjet Propaganda aus dem Osten. Nach Leseart des untrgegangenen Regimes war die Wiedervereinigung ein Geschenk der SU an Deutschland den der Westen dann genutzt hat um sich den gutgläubigen Osten dann einzuverleiben und auszuplündern. Je nachdem wie weit diese Leute in ihrer Ansicht gehen wird die Wiedervereinigung auch als eine der ersten “Farbenrevolutionen” gesehen (Also aus deren Sicht CIA-Finanziert)
    Ich habe mich dahingehend mal recht genau informiert nachdem ich mich darüber gewundert habe, dass so viele Freunde Russlands immer die mangelnde Dankbarkeit der Deutschen gegenüber den Russen beklagen. (Solange die SU nicht gemordet hat waren es immer Russen. Bei Themen wie dem Holodomor oder dem Gulak hat die SU natürlich nichts mit Russland zu tun)
    Der Grundfehler liegt in der Annahme es wäre ein freiwilliger Zusammenschluss unter Gleichen gewesen.

  4. #4 Alisier
    17. Juni 2017

    Entschuldigung, wenn ich das jetzt sage, aber es gibt gute und umfassende Literatur zu dem Thema.
    Dass Menschen eine persönliche Sicht auf Ereignisse pflegen, ist klar. Klar ist auch, dass viele sich ihre Sicht nur sehr ungern durch Fakten miesmachen lassen.
    Zum Schulunterricht: mag sein, dass es Lehrer gibt, die gerne Legenden pflegen. Offiziell vorgesehen ist das aber nicht.
    Und es ist zu erwarten, dass auch hier ein paar DDR-Nostalgiker auftauchen und ein paar Alternative Fakten-Fanatiker, die uns erklären, wie das alles wirklich war und ist……was solls.
    Kohl ist tot, und heute ein bisschen Schmutz hinterherzuwerfen nicht angebracht.

  5. #5 Thilo
    17. Juni 2017

    Modrow lebt noch und man kann ihn ja einfach fragen, ob er sich als Architekten der Wiedervereinigung sieht.

  6. #6 Dr. Webbaer
    17. Juni 2017

    Eine mit ‘he stole the credit for enabling german reunification’ beginnende Web-Recherche ergab zumindest hier keine Treffer, es ist womöglich auch gut so, dass abwegige Meinung im von Suchmaschinen und damit auch von der Allgemeinheit unerschlossenem Bereich bleibt, im Darknet sozusagen.

    Es sind in der Regel individuelle Aversionen, die dazu anleiten politischen Gegnern nichts zu gönnen, keine Erfolge und insofern kann über das Wesen des hier Zitierten nur spekuliert werden.
    Das Alter des hier Publizierenden und so spekulativ auf das Alter des Zitierten schließend tippt der Schreiber dieser Zeilen mal auf “politisch schwer desorientiert” und “Antifa”, lol.


    Ansonsten, Dr. Webbaer kennt sich im “Ostblock” schon ein wenig aus, also den ehemaligen meinend, war im “Ostblock” seinerzeit häufig zu Gast, äußern sich auch ehemalige “alte” Kommunisten nicht derart.

    Es gibt also dort, unter alten Kommunisten, keine Legendenbildung der Art, dass Hans Modrow irgendwie besonders geleistet hätte. (Die deutsche Wiedervereinigung war und ist auch kein sozialistisches Ziel, ganz und gar nicht, der hier gemeinte Sozialist ist ja nicht dem nationalistischen, sondern dem internationalistischen, globalistischen Sozialismus verpflichtet – vielleicht erlaubt dieser Hinweise dem hiesigen werten Inhaltegeber besondere Rückschlüsse auf seinen ‘geschätzten Freund’.)

    Eigentlich gelten Leutz wie Modrow und Gorbatschow dort, also unter Kommunisten, als Schwächlinge und gar als Verräter, wobei sie insofern ein wenig aus der Schuld genommen werden, weil der Sozialismus eben unzureichend implementiert worden wäre, nicht zur Ausfaltung seiner eigentlichen Potenz gekommen sei, lol.

    MFG
    Dr. Webbaer

  7. #7 zance
    17. Juni 2017

    Hans Modrow war SED Chef in Dresden, also Angehöriger der staatstragenden Partei mit der Funktion die führende Rolle der SED in der DDR zu erhalten. Das er kein Hardliner war als man über chinesische Lösungen fabulierte als der Druck auf dem Kessel zu groß wurde, dass er als Reformer im Sinne Gorbatschows galt, als Hoffnungsträger, ist alles richtig. Das er in Dresden nicht auf die Menschen schießen ließ die den Hauptbahnhof stürmen wollte weil Honecker die Besetzer der Prager Botschaft der Bundesrepublik unbedingt über das Territorium der DDR in den Westen fahren lassen musste ist ein Verdienst der ihm mit anzuheften ist. Aber er war sich ganz sicher auch bewusst, schon wegen der Menschenmassen die sich dort sammelten, was ein gewaltsamer Polizeieinsatz für ein Signal in der DDR und auch für die Weltöffentlichkeit gewesen wäre. Trotzdem wurden mehr als tausend Leute unter seiner Verantwortung verhaftet.
    Diese DDR stand auf tönernen Füßen und auch die bewaffneten Organe hatten Skrupel auf die eigene Bevölkerung zu schießen. Man höre sich die Augenzeugenberichte der Offiziersanwärter etc. an die in Bereitschaft standen um die Leipziger Montagsdemo “aufzuräumen”. Diese Hemmschwelle wollten die untern bis mittleren Entscheidungsträger nicht überschreiten und von ganz oben kam nichts, weil man sich nicht auf die Russen verlassen konnte wie 1953.

    Modrow war das Gesicht der Zwei-Staatenlösung. Die SED wollte die Macht nicht abgegeben, ja nicht einmal teilen. Man hoffte mit dem Wechsel von Honecker zu Krenz die alleinige Macht noch zu retten. Was aber viele Jahre zu spät war, weshalb man Modrow, der ja als Hoffnungsträger für Reformen galt, als Regierungschef berief. Was auch der Versuch bei den ersten freien Wahlen in der DDR die Mehrheit zu holen war, was nur zeigte das die SED noch immer nicht verstanden hatte das sie das Problem war und als solches wahrgenommen wurde.
    Als Regierungschef versuchte er bis zu dieser Wahl im März 1990 alles um bei Gorbatschow und Mitterand die Zwei-Staatenlösung zu erreichen. Womit er klar gegen Kohl und seinen Zehn Punkte Plan positioniert war. Da rollte der Zug schon lange in Richtung Einheit, denn nach der Grenzöffnung wurden die Rufe nach dieser auf den Montagdemos immer lauter und wer Kohls Auftritt kurz vor Weihnachten 1989 in Dresden gesehen hat und die Begeisterung der Leute sah, dem war klar das es eine Zwei-Staatenlösung nicht geben wird. Denn mit dieser wären Millionen aus der DDR in die BRD übergesiedelt und ein nicht überlebensfähiger Staat übrig geblieben.

    Kohl mag einer der meist belachtesten Politiker der Bundesrepublik gewesen sein, aber als sich die Chance bot die deutsche Vereinigung zu erreichen, die zwar immer Progamm war, aber an die man nicht wirklich glaubte, nutzte er diese Chance und warf sein ganzes politisches Gewicht in die Waagschale um diese zu erreichen, koste es was es wolle. Das ist sein großer Verdienst und den kann man ihm auch lassen. Modrow hat ihn da eher nur behindert.
    Kohl war sicher nicht der Architekt der Wiedervereinigung, das waren eher die Macher des Einigungsvertrages, der genügend Fehler hat und den man heute sicher anders gestalten wurde, man war sich aber bewusst das es nur ein kleines Zeitfenster gibt in dem diese Vereinigung möglich war und nutzte das dann. Kohl war der Motor, der Antreiber, mit Genscher zusammen der Partner der Vertrauen bei den Siegermächten aufgebaut hat und einer Maggie Thatcher und Mitterand überzeugte das wir nicht wieder unserem “Volkssport Weltkrieg” nachgehen werden. Gorbatschow hatte genügend eigene Sorgen und mit einem seiner Vorgänger oder Putin wären die Verhandlungen über eine Wiedervereingung deutlich schwieriger bis unmöglich gewesen.
    Lass mal dem Kohl seinen Verdienst, der Modrow hat auch welche, aber nicht unbedingt um die Einheit.
    Ich bin zwei Tage nach der ersten freien Wahl in der DDR 18 geworden, ich habe das damals sehr genau verfolgt, es war eine verdammt spannende Zeit vom Frühjahr 89 bis zum 3.10.1990, und komme aus dem Osten.
    Ich habe keine Ahnung was dazu heute in der Schule lernt, aber die Zeit hat geprägt, weil jeden Tag was neues passiert ist, sich Dinge veränderten deren Änderung man nie erwartet hätte und sich Möglichkeiten eröffneten die man nie erwartet hätte. Ich kenne genügend Leute die durch den Rost gefallen sind und mit der Wende nicht klargekommen sind, trotzdem sind da sehr wenige dabei die sich die DDR zurück wünschen.

    Schönes Wochenende
    zance

  8. #8 rolak
    17. Juni 2017

    wer war der Architekt?

    Unter Bundeskanzler Kohl wurde die Übernahme abgewickelt, jedoch kein Stück weit die Wiedervereinigung vorangetrieben, es sei denn, die Aufnahme von Flüchtlingen würde als solches überbewertet.
    Modrow hat auch in seiner kurzen Zeit als Vorsitzender des Ministerrates der DDR noch massiv gegen die Auflösung (letztlich auch seiner eigenen Position) angearbeitet.

    Nee, die eigene Mißwirtschaft, der UnterstützungsEntzug Moskaus und vor allem die grandiose -äh- ÖffentlichkeitsArbeit der Bevölkerung trotz aller bekannter, damit verbundener Risiken haben das System zu Fall gebracht.
    Alle anderen Zuschanzungen sehe ich als unverschämte Herabwürdigung dieser Leistung.

  9. #9 Dr. Webbaer
    17. Juni 2017

    Der hier geschätzte Herr Dr. Thilo Kuessner rät natürlich das Entscheidende an, Grüße nach SK, viel Erfolg dort :
    -> https://www.google.com/search?q=hans+modrow+wiedervereinigung

    K-Probe :
    -> http://www.tagesspiegel.de/politik/mit-einem-stufenplan-zur-deutschen-einheit-wollte-hans-modrow-am-1-februar-1990-die-ddr-retten-noch-heute-trauert-der-ex-regierungschef-der-initiative-nach/120058.html

    MFG + schönes Wochenende noch,
    Dr. Webbaer

  10. #10 Dr. Webbaer
    17. Juni 2017

    @ zance :

    Danke für Ihre Schilderung, ist hier bemerkt worden.

    MFG + schönes Wochenende noch,
    Dr. Webbaer

  11. #11 Dichter
    17. Juni 2017

    zance,
    klare Worte.
    Mir gefällt diese Art von Diskussion nicht, weil das wichtigste dabei in den Hintergrund gerät. Das Volk hat die Wende herbeigeführt. Zum ersten Mal in der Deutschen Geschichte hat eine friedliche Revolution stattgefunden.
    Dem Volk, den Bürgern der DDR, sollte man ein Denkmal bauen.
    Bei der französischen Revolution wird doch auch nicht Robespierre geehrt. Es ist das Volk gewesen.

  12. #12 Sebastian
    17. Juni 2017

    Für mich gebührt vielen Personen ein Anteil an der Wiedervereinigung in dieser Form. Der Name “Modrow” fällt mir dabei aber nicht unbedingt ein (ich komme allerdings auch aus dem Westen und war damals ebenfalls 14).

    Erst einmal gebührt ein großer Anteil den Menschen, die damals – z.T. unter großen Gefahren – demonstriert haben und die SED-Herrschaft zu Fall gebracht haben – und die später dann bei der ersten und einzigen freien Wahl in der DDR im März 1990 zu über 50% CDU gewählt haben, weil die die Einheit schnellstmöglich und quasi ohne Kosten (“Es wird keine Steuererhöhungen geben”) versprochen hat.

    Ansonsten haben in der Zeit viele Politiker vieles richtig gemacht und Helmut Kohl hat die sich ihm bietende Chance in seiner typisch “zupackenden” Manier genutzt. Daher gebührt ihm sicherlich ein großer Anteil daran, dass die Wiedervereinigung schon 1990 kam.

    Es gibt sehr viel zu kritisieren an Kohls Machtpolitik, aber hier hat er – rückblickend betrachtet – richtig gehandelt, trotz aller Probleme, die es durch die schnelle Wiedervereinigung gab (aber die hätte es so oder so gegeben).

  13. #13 Dichter
    17. Juni 2017

    rolak,
    volle Zustimmung,
    Diese Diskussion ist entweder von der CDU oder von den Linken lanciert worden. Das ist doch so durchsichtig, kurz vor einer Bundestagswahl.

  14. #14 tomtoo
    17. Juni 2017

    Ich empfinde es als schräg an einem solchen Tag so ein Thema aufzupoppen. Dabei bleibe ich. Kritik an Herr Kohl ,würde als Pietätslos empfunden werden.

  15. #15 Dr. Webbaer
    17. Juni 2017

    @ Dichter :

    Dem Volk, den Bürgern der DDR, sollte man ein Denkmal bauen.

    Janz jenau, Dr. Webbaer war seinerzeit in der verreckenden DDR als Gast vorrätig wie auch in der verreckenden ČSSR, die Leutz waren gut drauf und zwar in der Regel noch sozialistisch / kollektivistisch ein wenig gebunden, auch verklemmt, aber doch letztlich freiheitlich gesinnt.

    Es ist schade, dass dies heutzutage als freudiges Ereignis verkannt wird und gar eine Tröte wie Hans Modrow bemüht wird, um die Entwicklung seinerzeit, die von Dr. Helmut Kohl befördert worden ist, aber auch von anderen, der Name Václav Havel hat hier zu fallen, irgendwie in den Rückraum zu stellen.

    Helmut Kohl war ein Großer! [1]

    MFG
    Dr. Webbaer

    [1]
    Abgesehen von dem Mist, den er sonst noch so gemacht hat, bspw. konnte er weder die neumarxistische Linke in die Schranken weisen, die “Geistig-moralische Wende” hat nicht geklappt, und die bundesdeutsche Staatsquote erreichte sozialistische Ausmaße.
    Er war ein Kind seiner Zeit.

  16. #16 tomtoo
    17. Juni 2017

    @WB
    Naja zumindest das mit dem Gürtel enger schnallen hat für einige geklappt.

    So gut ist für heute.

  17. #17 Omnivor
    Am 'Nordpol' von NRW
    17. Juni 2017

    Einen Tag länger und er hätte es bis zum alten (westdeutschen) Feiertag für die deutsche Einheit geschafft.

  18. #18 Laie
    17. Juni 2017

    Ich kann mich erinnern, als Kohl mir rohen Eiern beworfen wurde, weil die blühenden Landschaften nicht so schnell eintraten, wie erhofft.

    Das mit den rohen Eiern fand ich entwürdigend. Sicherlich liegt das Problem bei manchen Managern aber auch Politikern reale Zeitabschätzungen durchzuführen, obwohl das immer Prognosen in die Zukunft sind, also schwierig.

    Die Frage, ob man die Übernahme nicht noch besser umsetzen hätte können, mit mehr Zufriedenheit hinterher, das kann ich nicht beantworten. Es gab wohl Gewinner und Verlierer. Es soll angeblich aufgekaufte Firmen im Osten geben, die nur zum Zwecke der Stilllegung gekauft wurden, um Konkurrenz zu beseitigen, obwohl sie wirtschaftlich überlebt hätten – das liegt einigen schon im Magen. Da hätte man mehr aufpassen müssen bei der Übernahme bzw. Wiedervereinigung.

  19. #19 Dichter
    17. Juni 2017

    tomtoo,
    …..Kritik an Herrn Kohl,
    Für Kritik besteht kein Anlass und das wäre heute auch der falsche Zeitpunkt. Was ich meinte, ist der Hang der Deutschen zum Personenkult. Wenn man Kohl feiern will, dann ist das gut, vergessen wir aber das Volk dabei nicht.

  20. #20 zance
    17. Juni 2017

    Es gibt sicher viel an Kohl zu kritisieren, das war aber nicht das Thema, Sebastian trifft es in #12 sehr gut. Ich kann mir nicht vorstellen das Lafontaine diesen Anschluß nach Artikel 23 des Grundgesetzes so bei den Siegermächten durchbekommen hätte, aber das ist Spekulation. Lafo war ehrlich im Wahlkampf, sprach von Steuererhöhungen und verlor deutlich, auch weil es halt gesamtdeutsche Wahlen war und im Osten dankbar CDU gewählt wurde, nicht von mir.
    Ja, Kohl hätte zu den Lasten ehrlicher sein können oder sogar müssen. Es war Wahlkampf und sind wir ehrlich, auch heute wird vor der Wahl viel versprochen woran sich Parteien und Politiker danach ungern erinnern.

    An die Eier erinnere ich mich sehr gut die in Halle auf Kohl flogen. Seine Reaktion fand ich übrigens beeindruckend. Er maschierte wutentbrannt auf die Werfer zu und versuchte sich einen von denen zu greifen. Ohne Absperrgitter hätte er da sicher noch Schaden angerichtet. So schnell, dass seine Sicherheitsleute nicht hinterher kamen.
    Sein Parteifreund Frank Steffel versteckte sich ein paar Jahre später lieber hinter Edmund Stoiber als er im Wahlkampf zur Abgeordnetenhauswahl dem Unmut der Leute ausgesetzt war.

    tomtoo, Lemmy hat mal gesagt, ein Arschloch bleibt ein Arschloch und wenn es tot ist, ist es halt ein totes Arschloch.
    Kohl hatte seine Verdienste und die kann man ihm auch zustehen wenn man ihn sonst in allem für eine Fehlbesetzung hält. Darüber kann man aber ein anderes Mal reden.

  21. #21 Roland B.
    17. Juni 2017

    Gab’s einen “Architekten der Wiedervereinigung”? Ich hatte eher den Eindruck, daß da viele Bauhandwerker auf eigene Faust und mehr schlecht als recht abgestimmt vor sich hingewerkelt haben, und die Bauherren haben ab und zu mal ein paar eigene Wünsche reingebracht. Die direkten Nachbarn haben auch noch für mehr Unordnung gesorgt. Und ‘der Dicke’ hat – nach persönlichem Einsatz in vorbereitenden Gesprächen, um die Unterschriften der Grundstücksnachbarn zu bekommen – mehr oder weniger dagesessen und alles passieren lassen.

  22. #22 tomtoo
    17. Juni 2017

    @Dichter

    …..Kritik an Herrn Kohl,
    Für Kritik besteht kein Anlass(doch) und das wäre heute auch der falsche Zeitpunkt(stimmt).

    (tomtoo’s Meinung)

  23. #23 Dr. Webbaer
    17. Juni 2017

    Was ich meinte, ist der Hang der Deutschen zum Personenkult. Wenn man Kohl feiern will, dann ist das gut, vergessen wir aber das Volk dabei nicht.

    Kohl war das Volk – und das Volk war Kohl!

    Stimmt zwar zeitweilig irgendwie, aber Spaß beiseite.
    Bereits bei der eigentlich notwendig gewordenen Volksabstimmung hierzu :
    -> https://dejure.org/gesetze/GG/146.html
    …hat es der Dicke bereits wieder versaut.

    Der Dicke fiel dem Schreiber dieser Zeilen auch negativ auf, als er Anfang der Neunziger stolz gegenüber einigen (politisch linken) Journalisten (aber nicht vom “Spiegel” >:-> ) gegenüber in Interviews betont hat über einige Sachen nicht das Volk abstimmen lassen zu wollen.

    Der Dicke hatte noch in einigen Interviews Anfang der Nullerjahre einige helle Momente, dort gerne mal reinschauen.

    MFG
    Dr. Webbaer

  24. #24 Dr. Webbaer
    17. Juni 2017

    tomtoo, Lemmy hat mal gesagt, ein Arschloch bleibt ein Arschloch und wenn es tot ist, ist es halt ein totes Arschloch.

    Lemmy hat(te) natürlich immer recht.
    Ansonsten war Herr Dr. Helmut Kohl, vermutlich unwidersprechlich, ein Großer, wenn auf die Kleinen geguckt wird, die Frau Dr. Angela Dorothea Merkel darstellt wie beherbergt.

    Größe ist immer relativ.

    MFG
    Dr. Webbaer

  25. #25 Laie
    17. Juni 2017

    Tragisch ist/war das persönliche Schicksal, das Verhältnis zu seinen Söhnen, bzw. der Einfluss seiner jetzigen Frau/nun Witwe auf die Situation – das leider nicht mehr zu Lebzeiten normalisiert wurde.

  26. #26 Dr. Webbaer
    17. Juni 2017

    @ Laie :

    Dr. Webbaer, der qua Alter und qua Zufall noch die Möglichkeit hatte auf Zeitzeugen zurückzugreifen, die bei des “Führers” Machtergreifung 55 Jahre alt waren, betont hier gerne, dass Nebenumstände nichts an der Größe eines Politikers ändern.

    (Vielleicht war Herr Dr. Kohl ja zoophil, ist am Wolfgangsee seinerzeit bspw. auch dem Rind nachgestiegen, so what?, wo verbringt bspw. Peter Altmaier seine Freizeit, im Spiel-Casino (oder als Panzerknacker-Double im Comic-Bereich)?)

    MFG
    Dr. Webbaer (der natürlich mit seinen kleinen Nachrichten, trotz gewisser Ernsthaftigkeit, Helmut Kohl stirbt nicht aller Tage, auch ein wenig unterhalten will)

  27. #27 Laie
    17. Juni 2017

    @Dr. Webbaer
    Sehe ich auch so. Mein Hinweis war gemeint, dass ich es Herrn Kohl, wie auch seinen Söhnen vergönnt hätte, sich zu wieder versöhnen. Das ändert natürlich nichts, bzw. soll auch nichts an dem ändern, was er Positives geleistet hat.

    (Den 1. Absatz bezüglich des “Führers” hab ich nicht ganz verstanden. Ich denke/hoffe/vermute den hätte ich damals auch abgelehnt und durchschaut, bzw. wäre rechtzeitig ausgewandert, weit weg. – interessant wäre es sicher mit Zeitzeugen sprechen zu können, da es dann authentisch ist.)

  28. #28 Dr. Webbaer
    18. Juni 2017

    Haha, da wollte sich Dr. Webbaer ein wenig aufplustern, was sozusagen maximal schief ging.
    Ja, schade, Herr Dr. Helmut Kohl hätte man auch mehr privates Glück gewünscht,
    MFG
    Wb

  29. #29 Dr. Webbaer
    18. Juni 2017

    Oder noch klarer :
    Der “Führer” war seinem Wesen nach, natürlich (“geboren”), ein ganz böser und auch schlechter Politiker, er hat nichts in der Nähe von Dr. Helmut Kohl zu suchen und ihm sollte keine Größe außer Niedrigkeit zugesprochen werden.
    (Er war allerdings auch kein ‘kleines Würstchen, das keine Pizza Margarita von einem Kuhfladen unterscheiden konnte’ (Henryk M. Broder), auf den Deutsche ‘hineingefallen’ (dito) sind, sondern ein rational denkender Mensch mit beträchtlicher Überzeugungskraft, hier gerne mal reinhören, der “Führer” war keineswegs nur Schreihals.)

    MFG
    Dr. Webbaer (der nun hofft mögliche Missverständnisse auf Grund seiner flapsigen Nachricht weiter oben ausgeräumt zu haben)

  30. #30 Dr. Webbaer
    18. Juni 2017

    *
    Pizza Margherita

  31. #31 Tobias Maier
    18. Juni 2017

    Schönen Dank für die vielen tollen Kommentare.

    Der Autor des Facebook-Eintrags hat das mit dem “Architekten” auch noch mal klar gestellt. Mit seiner Zustimmung kopiere ich hier seinen Kommentar:

    “Architekt” ist tatsächlich unpassend, eigentlich waren sowohl Modrow und Kohl von den Ereignissen getrieben. Aber Modrow hat den Startschuss gegeben: Er hat Anfang Februar 1990 Gorbatschows Einwilligung zur deutschen Wiedervereinigung erwirkt und in Moskau den “Modrow Plan” (oder vier Stufen Plan) vorgestellt. Erst daraufhin hat sich Kohl (selbst auf dem Weg nach Moskau) entschieden, die Einheit zu seinem eigenen Hauptthema zu machen, und damit die damals sicher scheinende Wahlniederlage abzuwenden. Erster Schritt war die Inszenierung nach der Kohl es war, der mit Gorbatschow die Einheit ausgehandelt hätte. Das ist aber tatsächlich eine Form von Geschichtsklitterei. Fakt ist aber auch, dass Kohl danach tatsächlich die Initiative an sich gerissen hat, massiv in den ostdeutschen Wahlkampf eingriff und sich dann mit der ostdeutschen Blockpartei CDU eine Marionettenregierung schuf. Damit war Modrows Hauptanliegen, nämlich eine Wiedervereinigung zwischen zwei souveränen deutschen Staaten auszuhandeln, komplett ins Gegenteil verkehrt.

  32. #32 Dichter
    18. Juni 2017

    Tobias Maier,
    So war es.

    Und wenn man die Troika wiederbeleben würde, würde auf der linken Seite Michael Gorbatschow stehen, in der Mitte das Volk der DDR, und auf der rechten Seite Helmut Kohl.

  33. #33 Dichter
    18. Juni 2017

    Dr. Webbaer,
    …..Der Führer und seine Stimme,
    es gibt nur eine einzige Sprachaufzeichnung vom Führer privat. Da hört er sich ganz zivil und sympathische an.
    Man würde nie glauben, dass dies der gleiche Mensch ist, der auf dem Reichsparteitag zu Nürnberg seine Reden gehalten hat.
    Daraus schließe ich, dass H. nicht nur größenwahnsinnig war, sondern auch noch schizophren. Vielleicht hat auch noch das Giftgas aus dem 1. Weltkrieg einen noch nicht untersuchten Schaden hinterlassen.

  34. #34 rolak
    18. Juni 2017

    Er [Modrow] hat Anfang Februar 1990 Gorbatschows Einwilligung zur deutschen Wiedervereinigung erwirkt

    Versucht sich da jemand in Geschichtsklitterung? Da besteht doch ein winziger Widerspruch zu den dokumentierten Abläufen

  35. #35 Dr. Webbaer
    18. Juni 2017

    Diesen Modrow-Plan mag es gegeben haben, er spielte allerdings in der Öffentlichkeit, die medial-politische Wahrnehmung seinerzeit bleibt gemeint, keine Rolle, (der dbzgl. erfahrene) Dr. Webbaer kennt niemanden, der um ihn gewusst hat, und es dürfte sich um etwas gehandelt haben, das dem Abgeigen auf der Titanic geähnelt hat, vgl. :

    -> https://www.bundesregierung.de/Content/DE/Artikel/2014_Deutsche_Einheit/1990-02-01-modrows-plan.html

    MFG
    Dr. Webbaer

  36. #36 Alisier
    18. Juni 2017

    Wie gesagt, rolak: eigene Wahrheiten werden auch bei diesem Thema selten in Frage gestellt, und wenn Modrow das anders sieht, dann liegt er halt falsch.
    Auch wenn er dabei war: er muss sich irren, wenn jemandes Welbild zu verrutschen droht.
    Da fragt man sich doch, wozu es überhaupt Forschung und Publikationen gibt, wenn sich dann doch im eigenen Wahrheitsbunker verschanzt wird.

  37. #37 Dr. Webbaer
    18. Juni 2017

    Zu diesem Gegackel noch kurz :

    Aber Modrow hat den Startschuss gegeben: Er hat Anfang Februar 1990 Gorbatschows Einwilligung zur deutschen Wiedervereinigung erwirkt und in Moskau den “Modrow Plan” (oder vier Stufen Plan) vorgestellt. Erst daraufhin hat sich Kohl (selbst auf dem Weg nach Moskau) entschieden, die Einheit zu seinem eigenen Hauptthema zu machen, und damit die damals sicher scheinende Wahlniederlage abzuwenden.

    Ehemalige kommunistische Machthaber, Hans Modrow, wie gemäßigt und nett seinerzeit auch immer, hatten seinerzeit nichts mehr zu sagen, sie hatten sich erkennbar dem Volkswillen entzogen und Leutz wie bspw, Václav Havel hatten das “Szepter” in der Hand.
    Es ist um die Jahrzehntenwende 1989/1990 [1] zu einem Bruch gekommen, der entscheidend war, Herr Dr. Kohl hat hier, wie gemeint, wohl auch taktisch agiert, eine ‘sicher scheinende Wahlniederlage’ womöglich NICHT befürchtend, sondern “sein Ding” gemacht.

    Was hier ganz anscheinend verwechselt wird, ist Ursache und Wirkung.
    Klar, einige verlierende Kommunisten haben versucht noch ein wenig “mitzugeigen”.
    Mehr ist nicht passiert.

    MFG
    Dr. Webbaer

    [1]
    Dr. W war in der ČSSR seinerzeit vor Ort und freut sich auch heute noch darüber.

  38. #38 Dr. Webbaer
    18. Juni 2017

    *
    Den Szepter

    >:->

  39. #39 rolak
    18. Juni 2017

    Da fragt man sich doch..

    ..warum schaffen es die einschlägigen Trötenköppe in Punkto Eleganz & Raffinesse nicht einmal in die Liga der schlichteren Verschwörungstheorien, Alisier? Das ist doch unausweichlich oft vorexerziert, da geht doch noch mehr…

  40. #40 Logiker
    18. Juni 2017

    Modrow war der Architekt, Kohl nur ein krimineller Adjudant.

    Das sage ich als “Wessi”

    Kohl war nur eine Null und ist eine Null, selbst sein Tod ist widerlich und verschandelt die Erde. Solch ein Strolch, der besticht und sich bestechen lässt, ist asozial und gehört verscharrt, nicht begraben.

    Der Typ klebt sich die Woiedervereinigung an, die Willy Brandt gehört, dieser NAZI!!!!!!!!

  41. #41 Laie
    18. Juni 2017

    @Dr. Webbaer,
    alles klar!

    Stimmt Kohl und Havel hatten das Szepter in der Hand, aber ohne Gorbatschow wärs wohl auch nicht so leicht gegangen, den bewerte ich ebenfalls positiv.

    (Wobei der bildhafte Vergleich Modrows mit seinem geschichtlichen Stellenwert =’Abgeigen auf der Titanic’, nicht nur sehr gut treffend und schön, sondern sehr komisch ist! :)

    Die Leut’ waren damals sehr glücklich, in einer euphorischen Aufbruchsstimmung. Heute ist es anders, schade.

  42. #42 Laie
    18. Juni 2017

    @Logiker
    Ich hab mal gehört, die DDR war damals schon sehr pleite – daher war die Wiedervereinigung aus wirtschaftlicher Sicht damals nicht der schlechteste Weg – ob die Umsetzung in allen Punkten perfekt war, darüber muss man von Fall zu Fall bewerten, hierzu gibt es weit auseinandergehende Meinungen.

  43. #43 anderer Michael
    18. Juni 2017

    Grundsätzlich intetessant. Den Modrowplan hatte ich nicht vor meinem geistigen Auge. Ichdenke, dass man in der DDR-Führung sehr schnell gesehen hat, dass die DDR erledigt ist,sie hatte sich überlebt. Zu halten wäre sie nur mit stalinistischem Terror und Neuauflage kalter Krieg. Die Machthaber um Modrow konnten sich die paar Monate in der DDR nur halten wegen der Aussicht auf Wahlen , der D-Mark und weil sie sehr zurückhaltend agierten. Der Modrowplan war einer der Versuche des SED-Establishments noch was zu retten und möglichst viel für Ihre Kader rauszuschlagen. Zum Teil ist ihnen dieses bemerkenswert gelungen , SED wurde zur SED-PDS ,dann PDS. Inclusive des geretteten Psrteivermögens.Es gab ein paar Bauernopfer für den Volkszorn (Schalk-Golokowski als Beispiel, die Stasi, ). Es mag sein, dass Modrow als erster offizielle Aktivitäten für die Presse zeigte. Eigentlich war es allen klar, spätestens im Dezember, die DDR ist tot, und die CCCP wird nicht gegen eine Wiedervereinigung sein.Es ging nur um den Preis und die Bedingungen. Modrow war nur bis 4/90 mit politischer Macht.Sein politisches Gewicht tendierte vorher schon gegen Null.Kohl war das Schwergewicht . Er verhandelte und mit ihm wurde geredet . Er schaffte es mit Rückendeckung von Reagan bei Frankreich, England und Polen Widerstände aufzulösen. Die CCCP war ein zahnloser Tiger, sie wurde mit verhältnismäßig wenig Geld ruhiggestellt.Es ist für mich nicht richtig, Modrow oder Kohl als Architekten zu sehen. Sie waren Getriebene .Kohl würde ich eher als geschickten Bauleiter sehen . Modrow hatte dazu keine Möglichkeit.

    Hätte der Facebookfreund Belege, dass ès eine Inszenierung gegeben habe, mit dem Ziel Kohl anstatt Modrow als Hauptakteur zu zeigen.

  44. #44 anderer Michael
    18. Juni 2017

    Logiker
    Du bist ein durchgeknallter Troll. Bei Cornelius Courts warst du schon komplett niveaulos, hier bist du auch nicht besser.

  45. #45 tomtoo
    18. Juni 2017

    @aM

    “”..
    durchgeknallter Troll
    ..”

    HeHe das war schön gesagt.

  46. #46 Dr. Webbaer
    18. Juni 2017

    @ anderer Michael :

    Es ist für mich nicht richtig, Modrow oder Kohl als Architekten zu sehen. Sie waren Getriebene .Kohl würde ich eher als geschickten Bauleiter sehen . Modrow hatte dazu keine Möglichkeit.

    Dr. Helmut Kohl hat sehr frühzeitig (siehe in diesem Kommentariat weiter oben) erkannt, dass die DDR und mit ihr der real existierende Sozialismus abzudanken hat.

    Diese Feststellung scheint post festum trivial zu sein, war sie so seinerzeit aber nicht.
    Ein gewisser Oskar Lafontaine hat insofern, auf ein totes Pferd aufspringend, in einer demokratisch gehaltenen Wahl, so um 1991 herum. keinen Blumentopf gewinnen können mit seiner antisozialen sozialistischen Denkart.

    Es ging ja seinerzeit auch nicht nur um die BRD und DDR, Miloš Jakeš hat es bspw. in der ČSSR versaut und großartige Kräfte kamen auch dort zum Vorschein, bspw. Václav Havel und der heute noch “nickelige” Václav Klaus.

    Dr. Helmut Kohl war der Bauherr der deutschen Einheit.

    MFG
    Dr. Webbaer (selbst allerdings kein Deutscher, nicht einmal umfänglich Tscheche)

  47. #47 DH
    18. Juni 2017

    @zance#7

    Gut beschrieben, der Verdienst der SED und auch der Russen/SU wird meist nicht gesehen (Verbrechen werden dadurch nicht relativiert). Immerhin ging es um die komplette Abwicklung eines historischen Imperiums, die auch sehr blutig hätte ablaufen können.
    Heute wissen wir es besser, aber seinerzeit bestand die reale Gefahr eines Putsches in der SU, was ja dann auch geschah, daß er so dilettantisch vorgetragen wurde, war nicht vorherzusehen, genauso wenig wie die möglichen Folgen eines gelungenen Putsches, immerhin standen noch bis 1994 russische Truppen in den neuen Bundesländern.

    Kohl hatte schnell erkannt, daß es ein gar nicht so großes Zeitfenster gab, um die Einheit schnell und möglichst gefahrenarm durchzuziehen, das ist sein historisches Verdienst.

  48. #48 anderer Michael
    18. Juni 2017

    DH
    Verdienste der SED sehe ich nicht, auch nicht im Kommentar von Zance. Den meisten Kadern war es klar, sie stehen auf verlorenem Boden. Dass der eine oder andere Skrupel hatte, vielleicht auch sehr viele, ein Blutbad anzurichten, ist nett, aber kein Verdienst. Die CCCP war zu dieser Zeit innenpolitisch gelähmt und zerrissen, außenpolitisch keine Supermacht ( militärisch schon).

    Dr Webbaer
    Ich gebe Ihnen Recht. Es gab tatsächlich einige linke Politiker, die ideologisch voreingenommen, die Entwicklung nicht verstehen wollten.Ich will mich nicht schlauer machen , als ich bin. Diese Nacht im November 1989 habe ich verschlafen. Morgens bekam ich einen Anruf meiner Mutter sichtlich bewegt, die Mauer sei gefallen und einige Ostberliner Verwandte hätten in der Nacht Westberliner Verwandte besucht. Ein Cousin (Westberlin)hatte damals alle möglichen Sektvorräte organisiert und mit wildfremden Ostberlinern auf der Straße Sekt getrunken. Ich ging zur Arbeit und im Kolleg(innen)kreis zu Mittag wurde darüber diskutiert und man war sich einig: “Die DDR ist erledigt, keine Überlebenschance”.Ich hatte mir dazu noch keine Gedanken gemacht. Die DDR war für mich ein unauflösbares Bollwerk seit Kindheit. Am Abend war eine sehr lange Sondersitzung von Spiegel TV, danach schloss ich mich dieser DDR-Agonie an. Ich erzähle es deswegen so langatmig , weil Tobias Maler uns aufforderte, über unser Erleben zu berichten. Aber auch deswegen, die bundesdeutsche Öffentlichkeit die durchschnittlichen Bundesbürgerinnen, waren sich schnell einig: Das war’ s DDR, Ruhe sanft. Nur ein paar linke Politiker wollten es nicht einsehen, zum Spott des Volkes.

    Trotzalledem: Helmut Kohl ist für mich der Bauleiter, diese Arbeit hat er insgesamt gut gemacht.Das ist ein Verdienst und das ist sein Verdienst. Die nie für möglich gehaltene Chance und nur bei Sonntagsreden ritualisierte Forderung nach Wiedervereinigung hat er wie fast alle auch gesehen. Aber er hat zugegriffen und dabei gestaltet.Die treibende Kraft war das deutsche Volk der DDR , das mutig demonstriert hat. RolaK hat das oben , wie üblich etwas verklausuliert, ( Haben Sie und Rolak einen kleinen Wettbewerb: Wer redet sybillinischer?), sehr schön und korrekt ausgeführt.Hätte ich fast nicht besser formulieren können, glaube ich zumindestens, das mit Übernahme und Wiedervereinigung so konträr gegenübergestellt ist für mich jedoch nicht ganz einsichtig.

  49. #49 Dr. Webbaer
    19. Juni 2017

    @ anderer Michael :

    Dr. Webbaer war seinerzeit mehrfach in (West-)Berlin und ihm fiel schon auf, dass sich im Osten etwas tat.
    Bei einem Konzert, es könnte von Michael Jackson gewesen sein, Dr. Webbaer war nicht drin, wurde bereits im Sommer 1989 auf Ostseite gegrölt und dieses Grölen klang widerständig und schön.
    Dr. Helmut Kohl hat insofern nur etwas aufgefangen, das in der Luft lag, er war mit seinem Zehn-Punkte-Plan aber progressiv, er hatte womöglich nicht einmal die umfängliche Unterstützung seiner Fraktion und die politisch Linke wollte halt in beträchtlichen Teilen die DDR erhalten sehen; das war schon ein “Move” (‘A term used to describe someones skills in a situation’) von Helmut Kohl.

    MFG
    Dr. Webbaer

  50. #50 Dr. Webbaer
    19. Juni 2017

    Kohl hatte schnell erkannt, daß es ein gar nicht so großes Zeitfenster gab, um die Einheit schnell und möglichst gefahrenarm durchzuziehen, das ist sein historisches Verdienst.

    Das ‘Zeitfenster’ war schon recht groß, denn der real existierende Sozialismus mit internationalistischem Anspruch lag zerstört am Boden, hat sich selbst ruiniert.
    Der eigentlich für derartige Gesellschaftssysteme, damit sie (halbwegs) funktionieren können, notwendige “Élan” eines Lenin und eines Stalin war weg.
    Honecker, Miloš Jakeš und wie sie alle hießen, waren Sachverwalter eines sterbenden Gesellschaftssystems, eines bösen zudem.
    Dr. Helmut Kohl hat sich aber nicht zur Jagd tragen lassen, sondern für viele verblüffend früh die Wiedervereinigung angestrebt.
    Er war hier gedanklich vielen voraus, selbst wenn die Wiedervereinigung bundesdeutsche Staatsräson war, er war nicht zaghaft.

  51. #51 Dichter
    19. Juni 2017

    Dr. Webbaer, anderer Michael,
    …….Dr. Helmut Kohl,
    an dieser Stelle möchte ich auch Hans Dietrich Genscher genannt wissen. Herr Kohl hat nicht alles allein gemacht !
    Wir haben jetzt die einmalige Gelegenheit an der eigenen Mythenbildung zu schaffen. Deutschland braucht positive Leitbilder. Wir haben nicht viele. Was sollen denn die Kinder in der Schule lernen?
    Als negatives Gegenstück würde ich Erich Mielke hervorheben.

  52. #52 Dichter
    19. Juni 2017

    DH
    ……Rolle der Russen,
    ohne Michail Gorbatschow hätte es die Wende nicht gegeben. Es ist eine Schande, dass wir die anfänglich freundschaftlichen Beziehungen zu Russland nicht vertieft haben. Wer ist daran schuld?

  53. #53 Struppi
    19. Juni 2017

    Man merkt der Diskussion an, dass viele sich überwiegend von dem leiten lassen, was in den Medien über 20 Jahre an erzählt wird. Da dann ein “Modrow-Plan” nicht in das Weltbild paßt, wird aggressiv die eigene eingebleute Wahrheit verteidigt.

    Natürlich wurde 1990 bei uns im Westen die Kohlperspektive verbreitet. Der Standpunkt, das ganze gelassener anzugehen und durch zu planen war nicht populär.

    Auch das der Ostblock kein “freiwilliger Zusammenschluss unter Gleichen gewesen” ist, ist so eine Sichtweise. Denn natürlich war es das nicht. Die Sowjetunion ist von Deutschland überfallen worden. Beteiligt waren auch andere Osteuropäische Staaten. Bei allen Fehler die das System hat, rechtfertigt das keinen Vernichtungskrieg den wir Deutschen angeführt haben.
    Das nach dieser Erfahrung die SU rigoros ihre Machtsphäre verteidigt hat, dürfte kaum verwundern. Die Schuld am kalten Krieg liegt an der deutschen Politik, nicht der sowjetischen.

    Das Ende des kalten Kriegs ist aber auch ein Verdienst der SU – natürlich auch unter dem wirtschaftlichen Druck des Westens – aber weitestgehend friedlich ein Verteidigungsbündnis aufzulösen und einen grossen Teil des Staatsgebiets aufzugeben … – wie macht so was der Kapitalismus?
    Der geneigte Leser möge sich das Ende des Kolonialismus anschauen – er wirkt noch heute in weiten Teilen Afrikas nach und Frankreich hat z.b. noch massiven Einfluss auf seine ehemaligen Kolonien.

    Insofern ist die Geschichte der SU verbunden mit vielen negativen Ereignissen, aber das Ende war überwiegend friedlich und für die betroffenen Völker mit weitestgehend freien Entscheidungen der weiteren Entwicklung verbunden.

    Das heute Russland wieder als Feind dargestellt wird, von einer NATO bei der es nie eine Diskussion über die eigentlich logische Auflösung gegegebn hat, erscheint als eine neue Politik die einen Gegner sucht, um ihr dasein zu rechtfertigen.

    Und das diese Diskussion eine Marginalisierung der DDR Führung bei den Entwicklungen 1989 und ff darstellt ist auch klar. Was nicht sein darf, kann nicht sein. Wir haben die DDR befreit und damit ist die Geschichte fertig geschrieben.

  54. #54 Dichter
    19. Juni 2017

    Struppi,
    volle Zustimmung!

  55. #55 Dr. Webbaer
    19. Juni 2017

    @ Dichter :

    Wir haben jetzt die einmalige Gelegenheit an der eigenen Mythenbildung zu schaffen.

    In etwa so.

    Dr. Helmut Kohl hat es natürlich auch in vielerlei Hinsicht versaut, er war in gewisser Hinsicht und in späteren Jahren sozusagen anti-deutsch, was sich auch darin ausdrückt, dass er explizit zu seiner Beerdigung auf einen bundesdeutschen Staatsakt verzichtet hat.

    Helmut Kohl war ein zwiespältiger Mensch, er hat einerseits die Sache mit der Wiedervereinigung [1] sehr ordentlich durchgezogen, andererseits ein internationalistisches Euro-System aufgesetzt, das unzureichend skaliert (das Fachwort), das nicht wirtschaftlichen Notwendigkeiten genügt.

    Auch dies passt zu Helmut Kohl :
    -> http://www.focus.de/politik/deutschland/hintenrum-schimpfen-das-wollte-er-nicht-haben-kohl-freund-erinnert-sich-wie-der-kanzler-verraeter-aus-der-sauna-runde-verbannte_id_7255980.html

    (Das kann man sich mal auf der Zunge zergehen lassen, da sitzt einer mit einem knappen Dutzend Getreuen halbnackt in der Sauna – und macht dann ‘entsprechende Andeutungen’, wer weg muss.)

    MFG
    Dr. Webbaer

    [1]
    Hier wird es auch staatstheoretisch, dem Schreiber dieser Zeilen ist die BRD und Dr. Helmut Kohl eigentlich ziemlich (“wie es sich gehört”) egal, aber Kohl hat eine Sache nicht begriffen, nämlich dass Nationalstaaten funktionieren und Vielvölkerstaaten nicht.
    Opi W. hatte selbst die Auflösung eines Zweivölkerstaats zu beobachten.
    Imperien, genau diese sind das Antonym zu Nationalstaaten, funktionieren nicht.

  56. #56 Dr. Webbaer
    19. Juni 2017

    @ Struppi :
    Uijuijui.

    Bei allen Fehler die das System hat, rechtfertigt das keinen Vernichtungskrieg den wir Deutschen angeführt haben.

    Streng rechtes Denken detectet.
    Denken Sie nicht “völkisch”.

    Das nach dieser Erfahrung die SU rigoros ihre Machtsphäre verteidigt hat, dürfte kaum verwundern. Die Schuld am kalten Krieg liegt an der deutschen Politik, nicht der sowjetischen.

    Der real existierende Sozialismus mit internationalistischem Anspruch war ein Kollektivismus, der sittlich nicht besser dasteht als der Nationalsozialismus.

    Der politischen Linken ist insofern lange Jahre in aufklärerischen Gesellschaftssystemen angemessenerweise mit den Konzepten des Containments oder der Eindämmung begegnet worden.
    (Übrigens etwas, das bei der Einfuhr des bekannten theozentrischen Kollektivismus’ fehlt; vermutlich werden Teile Europas, auch der BRD, daran verrecken.)

    MFG + schöne Woche noch,
    Dr. Webbaer

  57. #57 roel
    19. Juni 2017

    @Tobias Maier es ist schön hier wieder etwas neues zu lesen.

    Helmut Kohl ist der Architekt der Wiedervereinigung. Die kleinere DDR wurde mit der größeren BRD wiedervereinigt. Sprechen wir heute von dem Gebiet der DDR sind es die neuen Bundesländer. Es gilt das Grundgesetz der BRD, es wurde die D-Mark eingeführt und vieles mehr. Aber was wurde von der DDR übernommen? Spontan (ohne Web-Recherche) fällt mir nur der grüne Pfeil ein.

  58. #58 Dr. Webbaer
    19. Juni 2017

    @ Komentatorenkollege ‘roel’ :

    Anderen fällt der Rotkäppchen-Sekt ein, der Nationalsozialismus hat mehr geleistet, er konnte deutsche Staatsbürgerschaft, Volkswagen und Führerschein (was also “nicht ganz” korrekt formuliert ist) einführen.

    Die DDR war halt, vgl. mit Ihrem ‘Aber was wurde von der DDR übernommen?’, ein Schweinesystem (wie auch der NS), ein kollektivistisches und der individuellen Daseinform ungut gegenüber aufgestellt.

    MFG + schönes Woche noch,
    Dr. Webbaer (der gerne im Abgang noch erklärt, dass Freiheit, persönliche Freiheit alles andere als selbstverständlich ist; die Menschheitsgeschichte hat mit ca. 99 % Unfreien stattgefunden)

  59. #59 Dr. Webbaer
    19. Juni 2017

    *
    Dasein[s]form

  60. #61 Dichter
    19. Juni 2017

    rolak,
    ……das wird langsam unheimlich, hat schon tomtoo kürzlich bemerkt, wir laufen alle zur Höchstform auf.
    Du besonders.
    Wenn du mit dem Rennrad fährst, so meine erfahrung, waren die besten Zeiten bei + 30 grad oder bei 0 Grad.

  61. #62 DH
    19. Juni 2017

    @anderer Michael

    Auslegungssache. Es stimmt, daß die SED unter starkem Druck der über sie hinwegrollenden Verhältnisse stand und vor allem keine Unterstützung aus der SU mehr hatte. Dennoch finde ich es o.k., positiv zu benennen, daß sich diejenigen durchsetzten, die kein Blutbad riskieren wollten, so nebenher läuft das nicht immer mit der Selbstabwicklung.
    Ob die Amerikaner die Abwicklung ihres eigenen, gerade untergehenden Imperiums auch so reibungslos hinkriegen, steht z.B. noch in den Sternen.

    @Dichter

    “Eine Schande”
    Sehe ich auch so, der Westen hat nach seinem Sieg triumphiert, statt die Hand zu reichen.
    Heute fällt uns das auf die Füße, genau dieses An-die-Wand-drücken des Verlierers ist es, was Putin stark legitimiert, obwohl er alles andere als skrupellos ist, was die eigenen Interessen angeht.
    Das dürfte viel mit der Machtübernahme neoliberaler Zuträger in der Politik und noch mehr in den Medien zu tun haben, wie sollen solche Speichellecker eine pragmatische und vernünftige Außenpolitik machen?
    Das können die ganz einfach nicht.
    Außerdem erfüllt Putin eine wichtige Funktion, er ist der äußere Feind, der von inneren Problemen ablenken soll. Uralte Machtstrategie, wenns innen zu sehr rumort, suche dir einen Feind und brich einen (heute kalten) Krieg vom Zaun. Gilt für Putin genauso, der betreibt das gleiche Spielchen mit dem Westen als bösem Feind.

  62. #63 anderer Michael
    19. Juni 2017

    Struppi
    Das meinst du doch nicht ernst. Das ist DKP -Sprech alter Schule. Die Komiker gibt es noch. Für die Partei “Die Linke” lästige Clowns.
    Die CCCP war am Ende, politisch handlungsunfähig und zerbrach.Wir hatten Glück, dass die Militärs genauso handlungsunfähig waren und dass es Leute wie Gorbatschow gab, die unter allen Umständen Krieg vermeiden wollten. Modrow und Co wollten sich in die neue Zeit rüberretten.Es ging um Geld , Einfluss, Pfründe und Macht. Das will ich ihnen nicht verübeln und zum Teil ist es bemerkenswert gelungen.Eine Zweistaatenlösung wollten sie.
    Im übrigen: ich finde es nicht gut, dass das Lagerdenken wieder entsteht und die Nato Kriegsrhetorik verbreitet.Wohl ist mir nicht dabei.
    Und ehrlich: Die US Außenpolitik war schlecht. Das möchte niemand als primitiven Antiamerikanismus oder plumpe Putinlobhudelei a la RT verstehen.

    Persönliches: 12/89 war in in Berlin. Am Brandenburger Tor stand ich auf der Mauer und bin in die DDR gehüpft. Ganz brav aber sofort wieder zurückgeklettert und den offiziellen neuen Grenzübergang benutzt.Ich wollte ein Stück der Mauer haben. Schon von weitem hörte man die “Mauerspechte” , es war ein Hämmern wie in einem Steinbruch früherer Tage.Meine Großmutter hatte mir einen kleinen Hammer mitgegeben.Der taugte zu nichts.Ein amerikanischer Tourist mit riesigem Vorschlaghammer erbarmt sich meiner grinsend, schlug mit kräftigen Schlägen winzige Stück für mich aus der Mauer.

  63. #64 Dr. Webbaer
    20. Juni 2017

    Es liegt jedenfalls die teilweise Rechtfertigung des (verbrecherischen) marxistisch-leninistischen Sozialismus (Lenin war der, der den Roten Terror eingeführt hat, ohne dem gar nichts ging) durch Kommentatorenkollege ‘DH’ vor, das den härteren Stalinismus abgelöst hat.
    Das kann er eigentlich nicht ernst meinen.
    Auch das nicht mit dem bevorstehenden Untergang der USA, die er als Imperium bezeichnet (dann aber auch die SU als imperialistisch bezeichnen!).
    Immerhin kann Dr. Webbaer zustimmen, wenn behauptet wird, dass die “real existierenden” Soziallisten ihr System ordentlich abgeschafft haben, dabei zumindest nicht allzu störten, Sting hatte recht, dass die Russen ihre Kinder ebenfalls lieben.
    Auch machte die US-Außenpolitik nicht immer eine gute Figur, gerade wenn “neoliberal” (der Schreiber dieser Zeilen ist selbst liberal oder ordoliberal, vielleicht auch neoliberal, aber im Sinne des Begriffs, “neoliberal” soll ja abwerten (und niemand weiß genau, was es bedeuten soll, dies kann nur geahnt werden)) merkwürdige und wenig günstige Interessen vertreten worden sind, gerade auch wirtschaftliche.
    Hoffentlich betreibt Donald J. Trump die von ihm angekündigte Realpolitik.

    Es ist wohl diese merkwürdige Ausgewogenheit politischer Meinung, die hier kritisierte Meinung möglich werden lässt, also die von ‘DH’, Dr. Webbaer, selbst Hardliner, nennt sie relativistisch nis nihilistisch motiviert, auch spaßeshalber ganz gelegentlich : gutmenschlich.
    Manchmal auch nur : dumm.
    Sicherlich aber auch : gut gemeint.

    MFG + schöne Woche noch.
    Dr. Webbaer

  64. #65 anderer Michael
    20. Juni 2017

    D.H.
    Zweifellos richtig. Dass es kein Blutvergießen in der DDR gab ,ist kein Verdienst des Westens. Ursache ist die Einsicht der DDR Kader, dass ihre Sachen verloren war und letzlich im Strom mitschwimmen für sie die beste Lösung ist. Ob man diese Einsicht als Verdienst bezeichnet oder nicht, ist evtl. Geschmacksfrage. Aber kleinliche Wortklauberei möchte ich nicht betreiben.

    Ich könnte mir vorstellen, dass man im Westen bei den großen Montagsdeminstrationen in Leipzig nicht glücklich war, weil man Destabilisierung fürchtete. Und das ist vielleicht auch ein Verdienst von Helmut Kohl , als er entschlossen zupackte und mit der Wiedervereinigung( und der D-Mark)Stabilität und Ruhe produzierte. Trotzdem ist er für mich nicht der Architekt , sondern der Bauleiter der Einheit. Modrow ist der schlechte Verlierer im Konkurrenzkampf, er bekam nicht den Auftrag zur Bauleitung, weil seine Konzepte dem Bauherrn (das Volk) nicht passten, um das Bild des Baugewerbes weiterzuführen.

  65. #66 anderer Michael
    20. Juni 2017

    Und nun fällt mir auf ( habe eine lange Leitung zugegeben) und zance hat es in seinem hervorragenden Kommentar auch erwähnt.

    Die Frage ,wer ist der Architekt ,ist nicht richtig.

    Bauherr : das Volk , etwas weniger theatralisch ausgedrückt die Bevölkerung, die vehement die Baugenehmigung sich selber gab
    Architekt: eigentlich die Macher des Einigungsvertrages
    Bauleiter: Helmut Kohl, je nach Bauvorhaben hat die Bauleitung unterschiedliche Wichtigkeit.
    Bei der Einheit war die Verantwortung groß und trotz aller Mängel ist Helmut Kohl in diesem Punkt der Verantwortung gerecht geworden.

  66. #67 Dr. Webbaer
    20. Juni 2017

    Trotzdem ist er für mich nicht der Architekt , sondern der Bauleiter der Einheit.

    Klingt gut, Dr. Helmut Kohl war weder Architekt, noch Bauherr, sondern Bauleiter der deutschen Widervereinigung.
    Denn das (Staats-)Volk (hier soll nicht auf die Herkunft geschaut werden, die Zugehörigkeit bleibt relevant) war der Bauherr und die Architekten diesbezüglich waren in der Exekutive zu finden.

    MFG
    Dr. Webbaer

  67. #68 Dr. Webbaer
    20. Juni 2017

    *
    Wiedervereinigung

  68. #69 Laie
    20. Juni 2017

    Warum nicht:
    Der Architekt: die geschichtliche Entwicklung davor
    Der Bauleiter: Dr. Helmut Kohl (nach Dr. Webbaer)
    Der Bauherr: Das Volk (nach anderer Michael)

  69. #70 DH
    20. Juni 2017

    @anderer Michael

    Die D-Mark, eins zu eins, wurde Kohl oft als Fehler angeheftet, bis hin zu Versuchen, damit die unvermeidlichen ökonomischen Schwierigkeiten im Nachgang der Einheit zu begründen und Kohl (und Waigel) quasi in die Schuhe zu schieben.
    Sehe das genauso, Kohl hat an diesem Punkt genau richtig gehandelt.
    Gerade reine Ökonomisten haben bis heute nicht verstanden, daß die übergangslose Einführung der D-Mark eine überwiegend politische Entscheidung war und nicht anders getroffen werden konnte. An dieser Stelle zeigte sich auch, daß Kohl noch ein Vertreter des Primats der Politik war, unabhängig davon, ob man seine Politik gut fand oder nicht. Ein wesentlicher Unterschied nicht zu allen, aber vielen nachfolgenden und heutigen Politikern.

  70. […] Weitergen wird diskutiert, ob Hans Modrow der oder ein Architekt der Einheit war (und ob er wichtiger war als Helmut […]

  71. #72 RPGNo1
    23. Juni 2017

    @DH
    Es gab doch den berühmten Spruch auf den Demos: “Kommt die D-Mark, bleiben wir, kommt sie nicht, geh’n wir zu ihr!”
    http://www.n-tv.de/wirtschaft/Osten-verdaut-die-D-Mark-noch-heute-article15363621.html

    Helmut Kohl hat im Wiedervereinigungsprozess richtig gehandelt und die korrekten Weichenstellungen in die Wege geleitet, sagt ein geborener Wessi (moi).

  72. #73 tomtoo
    23. Juni 2017

    Ich mag ihn nicht. Werde ihn nie mögen. Aber auch unsymphaten treffen von Zeit zu Zeit richtige Entscheidungen. 1 zu 1 war eine richtige Entscheidung imho.