Heute geht es mal um Fakten, die das eine oder andere Gerücht, Missverständnis oder gar Internetkampagnen zurechtrücken.

Bei Gesundheits-Check geht es um die Frage, wie böse die Zuckerindustrie ist, wer welche Studien pusht, was die Lügenpresse damit zu tun hat und warum wir unseren Schweinebraten essen können (ich hatte so lange keinen mehr, aber eher aus regionalen Gründen).

Florian Aigner hat Mut bewiesen und einen hervorragenden Artikel über Monsanto, beziehungsweise die Gerüchte über und die Vorwürfe gegen den Konzern geschrieben. Faktengetrieben und vor allem sehr emotionslos. Auch wenn ich nicht in allen Punkten der gleichen Meinung bin (vor allem was die soziale Verantwortung von Konzernen betrifft), so denke ich doch auch, dass ein Großteil der Vorwürfe eigentlich an den Gesetzgeber gehen muss, der letztlich den legalen Rahmen vorgibt.

downloadpodcast

flattr this!

Kommentare (6)

  1. #1 Ludger
    September 30, 2016

    Hallo Herr Wanhoff!
    Irgendwie fehlt heute ein Button zum Abrufen oder Herunterladen des Podcast.
    LG. Ludger

  2. #2 Thomas Wanhoff
    September 30, 2016

    Upps, sorry, und danke für den Hinweis. Ich hatte im HTML etwas geschlampt. Jetzt ist er da!

  3. #3 Roberta
    Oktober 18, 2016

    Da sie meinen ersten sachlichen und kritischen Kommentar leider nicht freigeschaltet haben, würde ich mich freuen, wenn sie dies der Fairness halber und im Sinne eines wissenschaftlichen Diskures, nun, einer Woche später, nachholen würden. Vielen Dank:

    Was ist daran mutig oder hervorragend, wenn ein ‘Wissenschaftsjournalist’ 50% seiner ‘Fakten’ von der Seite des Glyphosatherstellers bezieht?

    Dazu einfach mal bei Monsanto Deutschland auf die Seite „News und Standpunkte“ und dort dann auf „Fragen und Antworten“ klicken, wo es auch ein schönes Bildchen mit den „Mythen und Fakten” über Monsanto, Gentechnik und RoundUp gibt.

    
Und in den dortigen Kapiteln:
    „Warum prozessiert Monsanto gegen Landwirte”,
    „Der Fall Percy Schmeiser”,
    „Selbstmorde bei Landwirten in Indien”,
    „Entwickelt Monsanto „Terminator“ Saatgut”…

    stehen genau die ‘emotionslosen Fakten’, die Dr. Florian Aigner unkritisch für seinen eigenen „Mythen“ Artikel übernommen hat.

    Andere Aussagen in dem Artikel von Herrn Florian Aigner sind vielleicht nicht abgeschrieben aber schlichtweg falsch, denn ein Tribunal ist keineswegs ein PR Gag von ein paar Umweltaktivisten, sondern ein wichtiges völkerrechtliches Mittel mit einer langen Geschichte, und institutionalisiert, damit Menschen Konzerne oder Regierungen anklagen können, mit strafrechtlichen Folgen, wie man in diesem kürzlich erschienen und sehr gut recherchierten Artikel der Südtirolnews über das Monsanto Tribunal in DenHaag nachlesen kann.

    https://www.suedtirolnews.it/wirtschaft/monsanto-auf-der-anklagebank

    Und wenn sich ein guter Wissenschaftsjournalist dann noch auf der Monsanto Seite in dem PDF über die „Informationen zur Sicherheitsbewertung von Glyphosat“ informiert, sollte er auch sehen, dass sich der Chemiekonzern vor allem auf das BfR beruft, wenn der Chemiekonzern behauptet, dass Glyphosat harmlos sei.

    Dies ist wichtiges Detail, denn das BfR Gremium für die Glyphosatbewertung besteht aus 3 Wissenschaftlern, die direkt für die Glyphosathersteller arbeiten, und die anderen 10 Wissenschaftler werden ebenfalls indirekt von Monsanto, BAYER, BASF, Syngenta und Co finanziert:

    
http://www.bfr.bund.de/de/mitglieder_der_bfr_kommission_fuer_pflanzenschutzmittel_und_ihre_rueckstaende-189320.html

    Im Detail sind das unter anderem:


    Dr. Monika Bross von BASF, Dr Ivana Fegert von BASF, und Dr Frank Pierre Laporte von BAYER Cropscience.

    Das ist ungefähr so wissenschaftlich, wie wenn die Ingenieure von AUDI und PORSCHE die Abgaswerte von VW prüfen würden.

    Dr. Martin Hommes und Dirk Rautmann arbeiten für das deutsche Julius Kühn-Institut (JKI), das mit Bayer CropScience, Syngenta, Monsanto, BASF und Co in Projekten kooperiert, die die Glyphosatproduzenten finanzieren:

    http://www.jki.bund.de/index.php?id=1075&q=Monsanto

    
Dr. Michael Klein arbeitet für das deutsche Fraunhofer-Institut, das vom wissenschaftlichen Beirat beraten wird in dem führende Mitarbeiter der Glyphosathersteller, wie Dr. Gerhard Görlitz von Bayer CropScience, Dr. Harald Seulberger von BASF und Dr. Terry Clark von Syngenta sitzen.

    http://www.ime.fraunhofer.de/content/dam/ime/de/documents/Publikationen/Fraunhofer_IME_Jahresbericht_2013_2014.pdf

    Eine anderen Quelle die Monsanto auf seiner Webseite mehrfach zur Verharmlosung von Glyphosat nennt, ist das AGES in Österreich, dessen Mitarbeiter, Dr. Albert Bergmann, ebenfalls in der BfR Kommission sitzt.

    Und auch das AGES wurde mehrfach wegen Industrielobbyismus angeklagt, da sich die AGES von den Glyphosatproduzenten BAYER, BASF und Syngenta finanzieren lässt.

    http://www.neopresse.com/umwelt/bienensterben-syngenta-zahlt-unbedenklichkeits-studien-selbst/

    Und wenn man dann noch weiß, dass die BfR Kommission einfach die Zusammenfassung der 850 Studienergebnisse der Glyphosathersteller für ihren eigenen Abschlussbericht übernommen haben, wird das ganze zu einer wissenschaftlichen Farce:


    
http://de.euronews.com/2016/06/30/mdb-ebner-zu-glyphosat-risiko-der-krebsgefahr


    Vor allem wenn man erfährt, dass die Namen der Wissenschaftler und Labore in den Glyphosat Studienberichten auch noch geschwärzt wurden.

    Hier nachzusehen im „Final addendum to the Renewal Assessment Report” des BfR für Glyphosat, ab Seite 37:

    https://corporateeurope.org/sites/default/files/attachments/4302add_public.pdf

    
Das heißt, Monsanto belegt die Harmlosigkeit von Glyphosat mit einer Behörde in der 13 Glyphosatprofiteure arbeiten, die zudem auch noch ungeprüft die geheimen Studien von Monsanto durchwinken, denn:

    „Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat in seinen Bericht reingeschrieben, dass es 1200 Studien auswerten musste – aber zugegeben, dass 850 davon übernommen wurden einschließlich Bewertungstext, so wie von den Antragstellern (den Glyphosatproduzenten) vorgelegt“ (Harald Ebner, MdB Die Grünen),

    Und wer als Wissenschaftler behauptet, dass der Gesetzgeber den legalen Rahmen vorgibt, der weiß leider nicht wie Industrielobbyismus funktioniert und Giftstoffhöchstrückstände festgelegt werden:

    Denn nicht umsonst sitzen zahlreiche Monsanto Mitarbeiter, wie z.B. Michael R. Taylor, der bei Mosanto Vizepräsident war, nun als stellvertretender Kommissar in der US Behörde FDA, die für die Zulassung von Pestiziden und GMOs zuständig ist.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Michael_R._Taylor

    Denn auch schon 1985 wurde Glyphosat in den USA als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft, bis die Monsanto Mitarbeiter bei der FDA und EPA, dem US Pendant zum BfR, als Berater eingestellt wurden, und 1991 Glyphosat auf einmal nicht mehr krebserregend war.

    
http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/62249

    Und warum wurden z.B. die maximalen Rückstandswerte (MRI) von Glyphosat in Soja 1996 in der EU von 0,2mg/Kg um das Hundertfache auf 20mg/Kg angehoben?

    Weil die EPA dem BfR 1996 mitgeteilt hatte, dass die US Soja Exporteure die Glyphosatrückstände mit Monsantos neuer Gensaat nicht mehr unter 17mg/kg drücken können und es dann zu riesigen Exporteinbrüchen kommen würde, wenn die EU Behörden die Höchstwerte nicht auch erhöhen würden.

    https://www.ugb.de/lebensmittel-im-test/glyphosat/

    Aber auch das ist nichts Neues, denn seit Ulrich Beck’s Klassiker, Die Risikogesellschaft (1986), oder den zahlreichen Reportagen in den öffentlich-rechtlichen Medien sollte jeder, der sich nur ein bisschen für Politik oder Wissenschaft interessiert, wissen, dass die Giftrückstandshöchstwerte der Industrie, egal ob Stickoxide (Autolobby), Quecksilber (Kohlekraftlobby wie RWE, Eon, Vattenfall), PCBs (Chemiekonzerne und RAG), Atommüll im Meer (Kernenergielobby) oder Glyphosate (Monsanto, BAYER und Co) den Politiker und Behörden auch von der Industrie über ‘beratende Lobbygruppen’ aufgedrückt werden, immer mit der Verharmlosung der Mengen oder der Drohung von Arbeitsplatzabbau, Steuereinbruch und Innovationsfeindlichkeit, wenn z.B. die Höchstwerte gesenkt werden, wie man hier nachlesen kann:

    http://www.spiegel.de/auto/aktuell/grenzwerte-fuer-dieselfahrzeuge-eu-abgeordnete-unter-druck-a-1073862.html

    Wenn der Artikel von Herrn Dr. Florian Aigner daher faktenbasiert und mutig genannt wird, ist das ein Armutszeugnis für den Wissenschaftsjournalismus – nicht nur hier auf Scienceblogs.

    • #4 Thomas Wanhoff
      Oktober 18, 2016

      Nur soviel: Ein Diskurs ist nicht, wenn man sich Links raussucht, die einem genehm sind. Aber darum geht es Ihnen wohl gar nicht.

  4. #5 Roberta
    Oktober 19, 2016

    Danke für das Veröffentlichen meines kritischen Feedbacks.

    Da das hier ja kein Stammtischgespräch ist, sondern ein wissenschaftlicher Diskurs, der online geführt wird, belege ich meine Aussagen gerne mit öffentlich zugänglichen und wissensbasierten Quellen.

    Ich kann diese Quellen, die jeder sofort online überprüfen kann, auch gerne entfernen, wenn Meinungen wichtiger sind als Belege.

    Und wenn ich etwas Falsches behaupte, freue ich mich auch über eine gegenteilige Aufklärung, denn zum Wissensaustausch wurde das WWW ja ursprünglich erfunden.

    Danke

    • #6 Thomas Wanhoff
      Oktober 20, 2016

      Es geht nicht um falsche Behauptungen, sondern darum dass ein wissenschaftlicher Prozess nicht darin besteht, Belege für die Richtigkeit einer Aussage zu bekommen, sondern zu belegen, dass sie nicht falsch ist. Die Südtirolnews sind jetzt nicht wirklich ein politisches Magazin, und Pan Italia bezeichnet sich selbst als Pesticide Action Network und ist eben keine unabhängige Institution.