Wissenschaftsfeuilleton

Archives for Februar, 2009

Gene im Gespräch

In der jüngsten Ausgabe von NEW SCIENTIST (21.2.09) meditiert Stephen Strauss (S. 22) über unsere Unfähigkeit, Gene richtig zu erfassen. Es geht ihm um die Frage, ob unsere Metaphern stimmen – Blaupause? Blueprint? Alphabet des Lebens? Buch des Lebens? Strauss zeigt sich begeistert von dem Vorschlag seines Kollegen Trevor S. Rines, der das DNA Molekül…

Wegweiser ohne Würde

Mein Philosophielehrer hat einige Intellektuelle einmal durch den Hinweis charakterisiert, daß sie nur Wegweiser seien, was konkret heißt, daß sie den gewiesenen Weg (meist der Tugend) nur weisen, aber nicht gehen. Sie schicken dauernd Leute in die Richtung, die sie selbst nur predigen, ohne jemals loszugehen. In diesen Tagen lesen wir viel über den beklagenswerten…

Kultur im Keller

Es ist die dritte oder vierte Absage bzw. das fünfte oder sechste Bedauern. Man könne das leider nicht machen, nämlich klassische Texte der Naturwissenschaften edieren. Und so müssen bzw. sollen wir ohne Einstein, ohne Planck, ohne Born, ohne Heisenberg und ohne all die vielen anderen großen Stilisten der Naturforschung auskommen. Eine Ausnahme macht bestenfalls Darwin,…

Darwins Weisheit

Ich bin für das Studium der Originale. Das geht bei den Naturwissenschaften furchtbar schlecht. Wo, bitte schön, ist eine gute Ausgabe von Texten von Max Born? Zur Zeit gibt es eine Ausnahme – Darwin. Und kaum liest man in seinen Briefen, wird man belohnt, wie es sich bei Kassikern gehört. Hier ein Zitat aus einem…

Immer noch zwei Kulturen

1995 ist das schöne und nach wie vor empfehlenswerte Buch von Elisabeth Emter erschienen, in dem es um “Literatur und Quantentheorie” ging, womit genauer “die Rezeption der modernen Physik in Schriften zur Literatur und Philosophie deutschsprachiger Autoren” zwischen 1925 und 1970 gemeint war. Das Verständnis der Atome im literarischen Zugriff – das ist deshalb wichtig,…

Herz über Kopf

Ich habe mir eigentlich vorgenommen, keine Anmerkung zu aktuellen Debatten zu machen. Das bekommt bei Ungeübten rasch Stammtischniveau. Ich möchte aber eine Ausnahme für das Hin-und-Her über die antisemitischen Äußerungen aus der katholischen Kirche machen. Wir hören bis zum Überdruss, daß der Antisemitismus keinen Platz in den katholischen Reihen habe, während wir zugleich sehen, daß…

Noch ein Jubiläum

Bei den vielen Jubiläen, die wir der Endziffer 9 verdanken – 1609 das Fernrohr, 1809 Darwins Geburt, 1909 die Einfhrung des “Gens” -, könnte es sein, daß wir übersehen, daß 1959 zum ersten Mal der Begriff der zwei Kulturen geprägt worden ist. Der britische Physiker und Poet Charles P. Snow ärgerte sich über die eingebildeten…

Eine kleine Aufgabe für Philosophen

In der Schule lernen wir, daß Erkenntnis gelingt, wenn wir Begriff und Anschauung haben. Begriffe ohne Anschauung sind leer, und Anschauung ohne Begriffe ist blind, wie es der Königsberger Philosoph Immanuel Kant in seiner “Kritik der reinen Vernunft” notiert hat. So weit, so gut. Für Kant, der sein Leben lang bekanntlich nicht aus Königsberg hinausgekommen…

Nicht im Jahr der Anpassung

Wir sind im Darwin-Jahr, und das Interesse der Medien ist erstaunlich, soweit es mich angeht. So viele Anfragen zu Interviews, Stellungnahmen und Beiträgen hat es selbst im Jahr der Doppelhelix (2003) nicht gegeben, als ich so stolz auf meine Biographie von James Watson war, die dann kaum jemand gekauft hat. Den 200sten Geburtstag des britischen…