Wissenschaftsfeuilleton

Noch ein Jubiläum

Bei den vielen Jubiläen, die wir der Endziffer 9 verdanken – 1609 das Fernrohr, 1809 Darwins Geburt, 1909 die Einfhrung des “Gens” -, könnte es sein, daß wir übersehen, daß 1959 zum ersten Mal der Begriff der zwei Kulturen geprägt worden ist. Der britische Physiker und Poet Charles P. Snow ärgerte sich über die eingebildeten intellektuellen Literaten, die jeden auslachten, der Shakespeares Sonette nicht kannte, während sie es für überflüssig hielten, den 2. Hauptsatz der Thermodynamik zu kennen. Ich denke, daß es diese hochnäsigen Vertreter der Geisteswissenschaften immer noch gibt, daß ihnen aber längst ebenso überhebliche Repräsentanten der Naturwissenschaften gegenüber stehen. Die zwei Kulturen stehen sich fremder denn je gegenüber. Im Darwin-Jahr wird man das merken, denn Evolution lässt sich nur über die Kulturgrenzen verstehen. Wer über die Evolution des Menschen spricht, sollte den Mechanismus der Evolution ebenso verstehen wie die Schwierigkeit kennen, genau zu sagen, was Menschen sind. Die Zahl der Chromosomen reich da ebensowenig wie ein philosophierendes Gemurmel.