Eine Professorin für Kommunikationsmanagement – was für ein Titel! – will uns Menschen die Freiheit bewahren, und sie schlägt deshalb vor, dem Zufall eine Chance zu geben (FAZ, 15.Mai 2010, S. 40). Nun sollte man zum einen wissen, daß es den Zufall in verschiedenen Formen gibt – es ist in der Evolution anders als in der Physik -, und man sollte zum zweiten wissen, daß es dabei trotzdem niemals um Freiheit geht. Es geht der Professorin auch mehr um Freizeit, also etwa darum, durch Zufall in ein Restaurant zu gehen und dort die Liebe ihres Lebens zu treffen. Diesem schönen Zufall setzt sie die öde Regelmäßigkeit von Computern entgegen, in denen alles berechenbar abläuft, wie sie zu wissen meint. Das – so sagt sie – ist anders als in der Zeitung, wo man zufällig etwas lesen kann, was man nicht erwartet hat. Wer jetzt verwirrt den Kopf schüttelt und fragt, was das eine mit dem anderen zu tun hat, dem gehört meine Sympathie. Da wird um jeden Preis gegen die elektronischen Medien gewettert, weil das jemand in den Chefetagen so will. Und weder das Blatt noch die Professorin merken, daß die ganze Geschichte damit anfängt, daß sie zufällig im Facebook eine Geburtstagstorte findet. Ein schöner Zufall, der auch für Kommunikationsmanagerinnen nicht vom Medium abhängt.

Kommentare (19)

  1. #1 Thilo Kuessner
    Mai 15, 2010

    Also im Internet öfter mal zufällig irgendwelchen Links folgen!

  2. #2 Jörg Friedrich
    Mai 15, 2010

    Kein Zufall ist, dass ich heute morgen beim Zeitunglesen schon wusste, dass ich heute Nachmittag im Wissenschaftsfeuilleton diesen Eintrag finden würde. Dieses Blog entwickelt sich allmählich zum FAZ-Watchblog. Allerdings mit sehr selektiver Wahrnehmung, sowohl der Inhalte der zitierten Artikel als auch des Inhaltsspektrums der Zeitung insgesamt.

  3. #3 Thomas J
    Mai 15, 2010

    @Jörg Friedrich

    “Kein Zufall ist, dass ich heute morgen beim Zeitunglesen schon wusste, dass ich heute Nachmittag im Wissenschaftsfeuilleton diesen Eintrag finden würde.”

    Das ist positiv oder negativ?

  4. #4 Wb
    Mai 15, 2010

    Hmm, Meckel, gell?, to give chance a chance, muss nicht so schlecht sein, unscharfes Handeln, im Sinne von nicht immer zielgerichtet, hmm, leider ist der Artikel anscheinend (noch) nicht im Web verfügbar, …, MFG, Wb

  5. #5 michael
    Mai 16, 2010

    @Jörg Friedrich
    > Dieses Blog entwickelt sich allmählich zum FAZ-Watchblog.

    Wieviele Artikel hier befassen sich denn mit FAZ-Watching ? Mehr als zwei?

  6. #6 Wb
    Mai 16, 2010

    So, da, schwubbeldiwupp:
    http://www.faz.net/s/RubCEB3712D41B64C3094E31BDC1446D18E/Doc~E9BDE288B742E43EEBDDE56A53AE79E24~ATpl~Ecommon~Scontent.html
    Das man mit so etwas Geld verdienen kann, höhö.

    MFG
    Wb

  7. #7 Thomas J
    Mai 16, 2010

    @michael

    “Wieviele Artikel hier befassen sich denn mit FAZ-Watching ? Mehr als zwei?”

    Die Unterstellung war, dass die Artikel FAZ-Watching SIND und nicht, dass sie sich damit befassen. Und das noch mit einem “allmählich” relativiert.

  8. #8 Thilo Kuessner
    Mai 16, 2010

    Der Artikel ist u.a. eine Kritik an (zukünftigen) Monopolstellungen im Netz (Apple). Das ist doch durchaus diskussionswürdig.

    Gut finde ich auch, daß sie der naheliegenden Versuchung widersteht, auf die aktuellen Debatten über Willensfreiheit einzugehen.

  9. #9 Wb
    Mai 16, 2010

    Hier noch ein wenig meckelsche” Apple-Kritik”:
    http://www.tagesspiegel.de/medien/konzentriere-mich/1821362.html

    Einem Meckelvorgeschädigten ist die Sympathie zu Artikeln wie diesem mit Sätzen wie diesen:

    – “Seit langem beschäftigt sich die Wissenschaft mit der Frage, ob sich mit dem Computer auch Zufall erzeugen lässt, ob es also auch nichtdeterministische Computer geben kann. Das ist eine spannende Frage für die Kryptographie, für ein Computer-Lottospiel, aber auch für Überraschungseffekte in Empfehlungssystemen, wie wir sie heute zunehmend nutzen.”

    – “Die Kompilation eines Generalmediums macht es möglich, dass der Zufall greift und wir etwas finden, von dem wir nicht wussten, dass es uns interessieren könnte.”

    aber ohnehin schwierig zu entlocken.

    Webphilosophie sollte aus Sicht des Webbaeren nicht den Schirrmachern und Meckeln anvertraut werden.

    MFG
    Wb

  10. #10 D. Roel
    Mai 17, 2010

    Man könnte Miriam Meckels Kritik in wenigen Sätzen zusammenfassen:

    Apple und Facebook ist alles doof, weil zu unspontan und zu unpersönlich.

    Verhaltet EUCH in Zukunft spontaner!

    Ich habe ein Buch über MICH geschrieben.

  11. #11 Thilo Kuessner
    Mai 17, 2010

    Noch eine Facette desselben Problems: manche Probleme des Finanzmarktes (z.B. der Dow Jones- Absturz neulich um 1000 Punkte) sollen ja (vielleicht) damit zu tun haben, daß Kaufentscheidungen nicht mehr von personen, sondern von Computerprogrammen getroffen werden.

    Die Entscheidungen sind vielleicht noch genauso zufällig wie früher aber jetzt folgen alle Käufer/verkäufer denselben Algorithmen, wodurch alle dieselbe zufällige Entscheidungen fällen und Probleme sich potenzieren.

    Man sollte also ein paar Zufallszahlen in die Algorithmen einbauen, damit sich nicht alle so einheitlich verhalten.

  12. #12 Wb
    Mai 17, 2010

    Die Verkaufsentscheidungen, die meinen Sie wohl, Herr Kuessner, sind entweder fix oder als Regelmenge per SW erfasst und werden dann von dieser in der Folge bearbeitet.
    Bedenken Sie aber auch, dass es beim Verkaufswunsch immer auch einen Käufer geben muss (der ähnlich, also SW-basiert, funktioniert, also mit Kaufentscheidungen).

    Was beim Dow-Absturz genau passiert ist, ist wohl noch unverstanden, möglicherweise lag ein Ungleichgewicht bei den Aufträgen vor, möglicherweise eine ungünstige, also ungewollte, Erfassung bei den Verkaufsentscheidungen, das weiß man noch nicht.

    Der Hinzubau “meckelschen” Zufalls dürfte hier eher die Volatilität erhöhen – auch wenn das auf den ersten Blick vielleicht nicht einleuchten wird -, interessant wäre der Hinzubau von automatischen Handelspausen, aber den gibt es ganz vermutlich bereits; müsste man mal nachschauen, hmm, …, …

    MFG
    Wb

  13. #13 Thilo Kuessner
    Mai 17, 2010

    Bedenken Sie aber auch, dass es beim Verkaufswunsch immer auch einen Käufer geben muss

    Ich würd mal davon ausgehen, daß die Kaufentscheidungen auf ähnlichen Algorithmen basieren wie die Verkaufentscheidungen. Oder?

    Ob der Zufall die Volatilität erhöht, wäre eben die Frage. Anscheinend führen ja die (einheitlichen) deterministischen Algorithmen gerade zu starken Schwankungen.

  14. #14 Wb
    Mai 17, 2010

    Erst mal geht es um die Verkaufsorder, denn sonst entsteht kein Geschäft, diese Order werden gepipt (“gewartelistet”) und werden von Bots in Abhängigkeit der Kurse ausgeführt.

    Man kann sich das ganz bildlich vorstellen, da das humane Agieren auf dem “Parkett” nachgebaut wird, also sagen wir mal bei 43,-EUR werden x Verkaufsorder getriggert, dann gehen vielleicht 10 weg und x-10 bleiben, dann wird gewartet, der Kurs geht um 10 Basispunkte runter, dann gehen wieder 10 weg, und so weiter.

    Wenn aber gar nicht genug weg geht, wenn sich die Bots bei verschiedenen Werten abarbeiten und die Sache erregt schon Aufsehen, weil der Index (ein Bracnchenindex, ein einzelner Wert, ein Derivat etc.) den Bach runter geht bspw., dann eskaliert die Sache, Alerts werden ausgelöst, Fachpersonal bis zu den Chefs haben auf einmal die Nase drin.

    Wenn hier also ein Nachfrageengpass besteht, der nicht weggeht, man kann sich das wie ein “Luftloch” in der Fliegerei vorstellen, dann passiert das, was passiert ist. [1]

    Alles natürlich unter Vorbehalt, bald wird das sicherlich öffentlich und ordentlich aufgearbeitet.

    MFG
    Wb

    [1] Nach Kenntnis des Wb “sitzen” auf wichtigen Werten auch noch Personen, höhö. vielleicht lief hier was schief, keine Ahnung, es ging ja ca. 9% runter mit dem Gesamtindex.

    PS: Es mag schon Sinn machen, den Zufall irgendwie (aber wie? 🙂 einzuarbeiten, bspw. zufällige Handelspausen (x Sekunden mehrfach in der Stunde, nur so als Idee) oder so, Wb drüber nachdenken werden…
    PPS: Ihre Fragen: 1.) ja 2.) Volatiliät müsste eigentlich anwachsen, wenn neue Faktoren im Spiel, wäre erstmal des Wb Arbeitshypothese, also möglichst wenig “Meckel”, erstmal…

  15. #15 michael
    Mai 18, 2010

    @Thomas J
    >Die Unterstellung war, dass die Artikel FAZ-Watching SIND und nicht, dass sie sich damit befassen. Und das noch mit einem “allmählich” relativiert.

    Gut, akzeptiert. Das “allmählich” relativiert allerdings nicht, es soll ja wohl bedeuten, dass FAZ-Artikel in Zukunft verstärkt für weitere Blog-einträge herhalten müssen.

  16. #16 Wb
    Mai 18, 2010

    Das meckelsche Essay ist aus mindestens drei Gründen “falsch und dumm”.

    1.) Komplexe IT-basierte Systeme, bspw. Netzwerke oder Dienste, die auch soziale Netzwerke genannt werden, sind zwar aus einer strengen theoretische Sicht heraus “determiniert” und “frei von Zufall”, aber in der Praxis wirkt die erzeugte Komplexität auf eine Art und Weise zufällig, die nicht von “echtem” (was immer das auch genau sein mag) Zufall zu unterscheiden ist.
    Störungen in IT-Systemen werden dann auch in aller Regel ingenieursmässig (vs. “primitives Fallunterscheidungsdenken”) bearbeitet, die vielen möglichen HW- und SW-Fehler (die wiederum auf so genannten Gebrauchsfällen der SW basieren, die auf jede erdenkliche Art und Weise scheitern können) lassen oft keine andere Wahl.

    2.) Computer sind sehr wohl Geräte, die Zufall erzeugen können, bspw. indem sie eine Schnittstelle zur physikalischen Welt haben und Parameter wie die Aussenparameter oder die Prozessortemperatur nutzen um damit Zufallsgeneratoren zu initialisieren, was auch regelmäßig der Fall ist.
    Die Grundthese Meckels stimmt also gar nicht.

    3.) SW der genannten Art, also komplexe Dienste und Netzwerke, baut – um einen gesellschaftlichen Nutzen zu haben, Mehrwert zu erzeugen – immer reale Sachverhalte nach und unterstützt diese.
    In anderen Worten: Realer Zufall wird in der hier erörterten SW erfasst und wirkt sich dann auch -so zu sagen- real zufällig, im sozialen Netzwerk, im “Apple-Verbund” aus.

    MFG
    Wb

  17. #17 Wb
    Mai 18, 2010

    Upps, das oben verlinkte war ein Sekundärtext, hier das oder der Essay.

  18. #18 Wb
    Mai 18, 2010

    Letzter Versuch:
    Upps, das oben verlinkte war ein Sekundärtext, hier das oder der Essay.

    MFG, Wb

  19. #19 Wb
    Mai 24, 2010

    Dilbert über Zufall:
    http://www.dilbert.com/2001-10-25/