“Wohlstand für alle”. So heißt das 1957 (!) erschienene Buch, in dem der damalige Wirtschaftsminister und spätere Bundeskanzler Ludwid Erhard unter anderem folgendes schreibt:
“Das mir vorschwebende Ideal beruht auf der Stärke, dass der Einzelne sagen kann: `Ich will mich aus eigener Kraft bewähren. Ich will das Risiko meines Lebens selbst tragen. Ich will für mein Schicksal verantwortlich sein. Sorge Du, Staat, dafür, daß ich dazu in der Lage bin.`”
Wahrlich Sätze aus einem vergangenen Jahrhundert und einer untergegangenen Lebensform. Wo sind wir heute gelandet?

Kommentare (34)

  1. #1 YeRainbow
    Februar 9, 2011

    Beschißkultur.
    Ist tatsächlcih ein kulturelles Problem. Alles andere baut darauf auf.

  2. #2 Kurt
    Februar 9, 2011

    Ein Staat der die Geldschöpfung an Private abgibt, gibt damit auch seine Politische Handlungshoheit an sie ab ….. er hoppelt nur mehr den Systemimmanenten Sachzwängen hinterher – Alternativlos ….

    Tatsächliche Demokratie ist nur mit einem anderen Geldsystem möglich …… 100% Geld monetative …… usw. (hier wohnt die Revolution – alles andere ist “Neuanstrich von Fassaden” der Nutzmenschenfarm)

    gut aber auch kleine Schritte sind ein Fortschritt – von der Käfighaltung – zur Bodenhaltung – zur Freilandhaltung

  3. #3 Sven Türpe
    Februar 9, 2011

    Ich will mich aus eigener Kraft bewähren. Ich will das Risiko meines Lebens selbst tragen. Ich will für mein Schicksal verantwortlich sein.

    Wenn Du das aber tust, mobben Dich die Schwätzer und die Versager und die Knalltüten und die Banausen immer wieder auf ihr Mittelmaß zurück, oder versuchen es jedenfalls.

  4. #4 Sven Türpe
    Februar 9, 2011

    Tatsächliche Demokratie ist nur mit einem anderen Geldsystem möglich

    Was verstehst Du unter tatsächlicher Demokratie?

  5. #5 klaus
    Februar 9, 2011

    Demokratie – Herrschaft des Volkes.

  6. #6 Dr. Webbaer
    Februar 9, 2011

    Das mir vorschwebende Ideal beruht auf der Stärke, dass der Einzelne sagen kann: `Ich will mich aus eigener Kraft bewähren. Ich will das Risiko meines Lebens selbst tragen. Ich will für mein Schicksal verantwortlich sein. Sorge Du, Staat, dafür, daß ich dazu in der Lage bin.` (L.Erhard)

    Wobei der letzte Satz bereits verdruckst [1] klingt. Besser vielleicht: “Nichts, auch der Staat nicht, darf mich in diesem Streben aufhalten.”

    [1] nicht untypisch für das deutschen Bürgertum und dessen Krise

  7. #7 2abacus
    Februar 9, 2011

    Jeder Politiker der heute die Worte “selbstbestimmt” und “aus eigener Kraft” mehr als ein mal pro Stunde Redezeit verwendet wird automatisch als “Neoliberaler-Heuschrecken-Kapitalist” abgestempelt.

  8. #8 kurt
    Februar 9, 2011

    Die gegenwärtige Neoliberale Politik ( dieser Begriff stand mal für etwas anderes) entmündigt den Bürger. Der Begriff Selbstbestimmt ist längst durch den Begriff Fremdbestimmt ersetzt worden. Hier haben Milton Friedman und seine Chikago Boys ganze Arbeit geleistet.
    Der Neoliberalismus ist die neue Religion!Sink positiv!
    Das ganze System besteht aus einem Haufen verkommener korrupter Politclowns.

    http://www.flassbeck.de/pdf/2010/mai2010/transkriptDradio.pdf

  9. #9 Bernd
    Februar 9, 2011

    Ich glaube früher hat man auch nicht alles richtig gemacht, aber vielleicht weniger falsch. Gerade bei der aktuellen Diskussion um Hartz IV wird der Regierung fehlende Ernsthaftigkeit vorgeworfen. Politik wird ja auch mehr und mehr vom Taktieren und Spekulieren bestimmt, insbesondere dann, wenn es darum geht seinen Posten in Partei und Regierung nicht zu gefährden.

    Leute wie Westerwelle, von der Leyen oder Merkel (u.v.m.) dürften diese Worte von Ludwig Erhard nicht aussprechen. Das verbietet schon der Anstand.

  10. #10 Kurt
    Februar 9, 2011

    .. jede Produktion lässt lediglich eine neue Ordnung von Werten relativ zur Masse der Reichtümer entstehen; die ersten Gegenstände des Bedürfnisses werden an Wert verlieren, um in der Masse dem neuen Wert der der Bequemlichkeit und der Annehmlichkeit dienenden Gegenständen Platz zu machen. Der Warentausch erhöht also die Werte (indem er neue Nützlichkeiten erscheinen lässt, die, wenigstens indirekt, Bedürfnisse befriedigen); aber er vermindert ebenfalls die Werte (die einen im Verhältnis zu den anderen in der Wertschätzung, die man einem jeden zukommen lässt). Durch den Warentausch wird das Nicht-Nützliche nützlich, und im gleichen Verhältnis wird das Nützlichere nutzloser. Die konstitutive Rolle des Warentauschs im Spiel der Werte ist, dass er jedem Ding einen Preis gibt und den Preis jeden Dinges senkt.
    Man sieht, dass die theoretischen Elemente bei den Physiokraten und ihren Gegner die gleichen sind. Das Korpus der fundamentalen Sätze ist ihnen gemeinsam. Aller Reichtum entsteht aus dem Boden; der Wert der Dinge ist an den Warentausch gebunden; das Geld gilt als Repräsentation der in Zirkulation befindlichen Reichtümer. (Foucault, Ordnung der Dinge)Seit geraumer Zeit ist Geld jetzt zum Selbstzweck geworden. Und das wird nicht funktonieren!

  11. #11 Christoph Moder
    Februar 10, 2011

    @Webbaer, @2abacus: Ich denke, dieser letzte Satz ist anders gemeint. Nicht primär, dass der Staat dem Bürger die Freiheiten verschafft und den Bürger selbstbestimmt handeln lässt, sondern dass der Staat dem Bürger Hilfe zur Selbsthilfe gibt. Dass der Bürger in eine Ausgangsposition kommt, von der aus er selbständig handeln kann, statt, wie heute, für Arbeitslosigkeit bestraft zu werden und entwürdigende 1-Euro-Jobs machen zu müssen.

  12. #12 Dr. Webbaer
    Februar 10, 2011

    Lieber Herr Moder, sicher!, Sie haben recht, Wb absichtlich ein wenig gepruckelt haben – auch um auf das allgemeine Verständnis der Sozialen Marktwirtschaft hinzuweisen, das unzureichend ist – auch unzureichend vermittelt wird von bürgerlicher Seite. Die Geschichte der Sozialen Marktwirtschaft ist eine Geschichte voller Missverständnisse. – Herausgekommen ist dann der ausgeuferte Sozialstaat, eine unglaublich hohe Staatsquote und ein Schuldenverlauf und Schuldendienst, der im EURO-Land in absehbarer Ferne den systemischen Exitus bedeuten wird. Also Währungsreform und Gesamtumbau in bisher nicht vorherzusagender Form.
    Solide Vorbilder BTW!

    MFG
    Dr. Webbaer

  13. #13 Sven Türpe
    Februar 10, 2011

    Das ganze System besteht aus einem Haufen verkommener korrupter Politclowns.

    Na ja, Wahltag ist Zahltag, nicht wahr?

  14. #14 Dr. Webbaer
    Februar 10, 2011

    @Sven
    Ohne zum Kommentar, auf den Du Dich beziehst, Stellung zu nehmen: “Wahltag ist Zahltag.” war einmal. In den heutigen Zeiten mit ihrer EUROKratisierung und dem Bürokratismus, die das pol. Leben kennzeichnen, hat sich ein Politikertypus entwickelt, der etatistisch und am politischen Mandat bzw. an denjenigen, die dieses zV stellen, immer weniger interessiert ist und stattdessen lieber in Machtstrukturen navigiert. – Ein kurzer Blick auf die demokratisch unzureichend legitimierte EU bzw. dessen Parlament wirkt hier bestens und belegend.

    Zudem arbeiten Standardmedien und o.g. Politikertypus mittlerweile Hand in Hand, Regulative, auch in personifizierter Form, Du hast weiter oben das Mittelmaß beklagt, das wie geschildert gerne reguliert, sind gesellschaftlich gut verteilt und sitzen soz. an den Schalthebeln.
    Sogar hier auf den sb.de könnte man den Eindruck gewinnen, dass bestimmte (höchst demokratisch-aufklärerische 🙂 Sichten unterdrückt werden sollen…

    Gähn, ja, Herr Fischer hat mal wieder recht, früher war alles besser!
    MFG + GN8
    Dr. Webbaer

  15. #15 YeRainbow
    Februar 10, 2011

    Innerhalb eines Systems kann man wohl kaum von außen drauf gucken…

    Das problem liegt tiefer.
    So lange Beschiß, machtmißbrauch ohne Verantwortungsübernahme, Vorteilsnahme etc dieGRUNDLAGE unserer Kultur bilden, wird auch kein neues Geldsystem wirklich was ändern.

    Logisch ist das sowieso nur alles innerhalb des Suchtsystems (prozeßgebundene süchte sind weitaus tiefer verankert und schwerer zu erkennen – und natülrich auch schwerer abzulegen).
    Und wird uns ja auch als was Positives verkauft.
    Workaholismus – “guter Mitarbeiter”
    Beziehungssucht – “wahre Liebe”
    hunger-Kotzsucht – wahre Schönheit

    Gier – ERfolgsstreben

    etc pp.

    Das löst man nicht mit einem Regierungswechsel.
    Auch nicht mit ner Währungsunion. Und ebenso nicht mit neuen Banken.
    Das neue ist immer nur das Alte in neuer Verkleidung.

    Beschiß bleibt Beschiß, in jeder Verkleidung.

  16. #16 Dr. Webbaer
    Februar 10, 2011

    Werte Mitkommentatorin oder Mitkommentator, hierzu ergänzend:

    So lange Beschiß, machtmißbrauch ohne Verantwortungsübernahme, Vorteilsnahme etc dieGRUNDLAGE unserer Kultur bilden

    Ganz falsch ist diese Beobachtung nicht, aber es verhält sich schon ein wenig anders: Die Aufklärung und mit ihr die Philosophen und Politiker der frühen modernen demokratischen Systeme haben bei der Implementation dieser darauf geachtet, dass sichergestellt wird, dass es keine guten (oder: altruistisch angelegte) Menschen geben muss, damit diese funktionsfähig sind und bleiben.

    D.h. die Subsysteme “mod. Wissenschaftlichkeit”, Rechtssysteme, pol. Systeme und kulturellen Systeme sind, sogar ziemlich komplex und mehrschichtig, darauf hin optimiert egoistisches Individualverhalten zu antizipieren und dieses -Stichwort: pers. und unternehmerische Freiheit- zu bündeln und so erstmals Werte zu schaffen, die zuvor, also ohne Freiheit für das gemeine Volk, nicht zu schaffen waren. Jedenfalls in der Summe.

    So gesehen ist der ritualisierte “Beschiss” Grundlage unserer Kultur und auch deren Erfolgsgrundlage.

    Was Herr Fischer (vermutlich 🙂 anmängelt ist dagegen der schleichende Abbau der Zivilisation des Enlightment, also die Durchregulierung und Befütterung von Individuen, also letztlich die Neutralisierung derjenigen Kräfte, die den Erfolg mod. aufgeklärter Systeme einstmals ausgemacht haben.

    Anders formuliert: Überschichtet man zwiebel- oder mantelförmig die oben beschriebenen Systeme mehr und mehr und mehr, dann kann man sie eben doch kaputt kriegen!

    MFG
    Dr. Webbaer

  17. #17 Kurt
    Februar 10, 2011

    „Man kann den Staat auffassen als eine ökonomische Kollektivperson der herrschenden Klasse, die sich die Arbeitskraft der Untertanen als »Wertding« beschafft hat.“ (Franz Oppenheimer)

    Demokratie – eine Java-Applikation für das Volk, ohne Zugriff auf das Betriebssystem der Welt. (F. A)

  18. #18 YeRainbow
    Februar 11, 2011

    insofern stimme ich Dir zu, Dr. Webbär, daß das Rechtssystem geschaffen wurde, um wenigstens einigermaßen Sicherheiten geben zu können.

    Das problem dabei – es ist die Betrachtung genau innerhalb der Schüssel. Über den Schüsselrand kommt man damit nicht hinaus.

    kultur, das ist weitaus mehr als nur Rechtsorganisation oder Verschönerung von Städten.

    Kultur, das sind die basalen, unmittelbaren Überzeugungen, die man schon als Kind als richtig erlernt, die man nicht hinterfragt.

    Daher ist es nur schwer mögllich, daß Suchtsystem überhaupt zu erkennen.
    Eine Suchtkultur haben wir auch nicht erst seit paar Jahrzehnten.

    Ich sehe die immer wieder erwähnten kulturellen unterschiede zwischen den vorherrschenden Kulturen nicht.
    Das sind alles nur Varianten desselben. In verschiedenen Farben. Aber die Mechanismen, die da greifen, sind sich immer gleich…

    Sollte zu denken geben, hm?

    Natürlich sind Reformen innerhalb des kulturellen Konstruktes sinnvoll.
    Ich negiere das nicht.

    Aber das Problem selbst läßt sich damit nicht erfassen.

  19. #19 YeRainbow
    Februar 11, 2011

    Stimmt, Kurt.

    Nur – wie kommt das?
    Wer vergibt die Lose? Wer gibt Rechte? Wer gibt das Recht auf Machtergreifung?
    Auf welcher Grundlage?

  20. #20 Dr. Webbaer
    Februar 12, 2011

    Werte Vorkommentatorin oder Vorkommentator,

    Dr. W nicht alles verstanden haben, was Sie schrieben und was Sie mit “Sucht” genau meinen, aber lesen tut sich’s ein wenig wie “Nichts ist gut in Afghanistan”, also absolutistisch und richtend.

    Zu den kulturellen Unterschieden: Es gibt neben den sog. Sozialwirtschaften auch dem. Wirtschaften mit weniger Umverteilung und Befütterung, dazu gibt und gab es rechts- und linkssozialistische Staaten, islamisch geprägte Staaten, Meritokratien, Mischsysteme und Staaten, die Dr. W so wenig begreift, dass er sie nicht kategorisieren kann.

    Und hier empfiehlt Dr. W die pers. Erfahrung: Wenn Sie zufällig nicht das Franco-Spanien kennen oder das Obristen-Griechenland oder den netten sozialistischen Osten oder islamische Staaten, die die Scharia als Rechtssystem pflegen, dann versuchen Sie vielleicht diese Länder kennenzulernen?!, Achtung: Standardspruch, Feel the DIfference!

    MFG
    Dr. Webbaer

  21. #21 Kurt
    Februar 12, 2011

    @YeRainbow

    -Ich lese keine Zeitungen. Was wirklich wichtig ist, erfahre ich an der Börse-. Zitat von Amschel Meyer Rothschild.
    Ich füge hinzu: Gestern, Heute, Morgen…
    Wenn überhaupt etwas klappt so ist es der Appell an die niederen Instinkte.
    Oder ganz praktisch:
    Die Politik hat bei uns nichts zu bestimmen. Null wirklich Zero! Für die Verblödung sorgt dann die abhängige Presse!
    Günter Gaus,u.a. ehemaliger Chefredakteur des Spiegel, ist seinerzeit nach eigenem Bekunden, aus der SPD und aus der Demokratie ausgetreten.
    Zu einer Demokratie brauchts einen intelligenten Souverän. Dieser ist aber nicht auszumachen.
    So Gaus.

  22. #22 YeRainbow
    Februar 12, 2011

    hm, bin nicht sicher, ob ich richtig verstehe…

    Politik ist doch nur die tünche… besser als nix, wenn Ihr mich fragt. und nötig, da das Stimmvieh eben durchaus Radaufähig wäre.
    Wie war das mit dem Bauernaufstand? Schon eine Weile her, und aus gewissen Gründen auch schiefgegangen. Aber der Drang war schon immer da, sich nicht alles gefallen zu lassen.

    Zu den verschiedenen Wirtschaftsformen kann ich nur sagen, es sind alles Varianten derselben Grundidee.
    haste was, biste was (vielleicht).
    Hungerleider haben Pech.
    Selbst schuld, nicht wahr?

    Sucht…
    Sucht ist https://secure.wikimedia.org/wikipedia/de/wiki/Sucht
    Der Artikel ist mit Einschränkung zu befürworten….

    Sucht ist Ausdruck von Verhaltensstörungen. Diese sind erworben, und zwar schon frühzeitig im Leben (man wächst hinein und hält dann so einiges für richtig… das es vermutlich so nicht ist).

    Auffällig ist, daß die Fähigkeit zu kooperativem Verhalten weitaus früher in der menschlichen entwicklung gezeigt wird als die fähigkeit zu unfairem und übervorteilendem Verhalten.
    Wie diese fähigkeiten dann allerdings ausgeprägt werden, ist eine Frage der Verstärkung bzw des Mißerfolgs mit dem jeweiligen Verhalten…

    (bin vom Fach, daher darf man das so hinnehmen).

    Literaturtip: Hassenstein, Haug-Schnabel, Brisch-Hellbrügge

    (gäbe noch mehr…)
    allerdings, keiner davon ein VWLler.
    Zur Ökonomie ist vermutlich noch immer Marx nicht zu toppen (Wertschöpfungskreislauf)

  23. #23 klaus
    Februar 12, 2011

    @Ernst Peter Fischer
    tja, das war der Rheinische Kapitalismus. Da wurde auf gut Kölsch geklüngelt und geklungelt. Motto: Leben und leben lassen. Die Ehrhardsche Philosophie entsprang einem Christlichen Weltbild, geprägt durch die Fehler der Weimarer Republik, die es nicht zu wiederholen galt. Alles in allem wahrscheinlich die beste Zeit in der Geschichte der alten BRD und auch Deutschlands.
    Derjenige der dann die geistig moralische Wende eingefordert hatte, legte den Grundstein für das, was heute ist! Hin zur Plutokratie!

  24. #24 YeRainbow
    Februar 13, 2011

    Naja, Klaus, weil “Änderungen” innerhalb der gültigen kulturellen spielregeln gar keine Änderungen sind. Sondern nur Variationen, die halt mal etwas leichter, mal etwas schwerer zu ertragen sind…

    hatte vergessen, den Hinweis zu geben, innerhalb des Wikipedia-Beitrags Sucht ist der Hinweis zu “Verhaltenssucht”. Den Artikel sollte man dann auch lesen, da dieser die prozeßgebundenen Süchte beschreibt.

    Auch “moralische” Wenden sind so ne Sache.
    Die Moralen ändern sich doch dauernd…

  25. #25 Jabroni
    Februar 14, 2011

    Manche machen es sich zu einfach, wenn sie Ursachen für (gefühlte) Probleme bei den Politikern suchen.
    Das verhalten ist paradox: Stammtischparolen über die Unfähigkeit der Politiker auf der einen Seite. Und Bestätigung des Verhaltens der Politiker alle 4 Jahre auf der anderen Seite.

    “Ich will für mein Schicksal verantwortlich sein. Sorge Du, Staat, dafür, daß ich dazu in der Lage bin.”

    Der Staat sorgt zu wenig dafür, aber gleichzeitig mehr, als die meisten Bürger überhaupt nutzen wollen. In der Demokratie trägt jeder Bürger eine gewisse Verantwortung. Aber vor lauter Konsum wurde diese Verantwortung vergessen.

    Die demokratische Beteiligung ist bei vielen doch nur eine Laune. Wir bekommen die tägliche Portion von Skandalen, Phantomdiskussionen, Populismus, und gewählt wird (wenn überhaupt) nach Bauchgefühl und Sympathie, jedoch nur im üblichen Rahmen.

    Wieso verlangen wir “mehr” Demokratie, wenn die heutige Demokratie kaum sinnvoll und ernsthaft genutzt wird.

    Demokratie, Rechtsstaat, Freiheit, somit “Wohlstand für alle”: Hat man das verdient, wenn man sich nicht mal dafür interessiert?

    Ich gehe diesen Mechanismus hier etwas satirisch an (man verzeihe mir die Werbung): http://wp.me/p1jDhy-U

  26. #26 hagvtr
    Februar 14, 2011

    @webbaer “Die Geschichte der Sozialen Marktwirtschaft ist eine Geschichte voller Missverständnisse. – Herausgekommen ist dann der ausgeuferte Sozialstaat, eine unglaublich hohe Staatsquote und ein Schuldenverlauf und Schuldendienst, der im EURO-Land in absehbarer Ferne den systemischen Exitus bedeuten wird. Also Währungsreform und Gesamtumbau in bisher nicht vorherzusagender Form.”

    Ja auch der Sozialstaat mag für die eine oder andere Mark unserer Staatsverschuldung verantwortlich sein und ja, er mag auch in den 70er Jahren in Antizipation einer Wachstumsgesellschaft wie gehabt, über die Stränge geschlagen haben, zumindest in einigen Staaten dieser Welt.

    Aber weder war oder ist die Staatsquote unablässig gewachsen, in Deutschland fiel sie bereits in den 80er Jahren und ab Ende der 90er und die Steigerung der Staatsquote plus der Verschuldung der öffentlichen Haushalte und der Belastung der Sozialkassen während den 90er Jahren hat weder demographische noch sozialpolitische Ursachen…wenn ich mich recht erinnere gabs da eine Wiedervereinigung, deren Finanzierung nach dem Motto ‘nach mir die Sintflut’ verlief, natürlich möglichst verdeckt.

    Auch die Verschuldung heutzutage oder die Schuldensprünge der 70er haben weltweit zum Großteil andere Ursachen als den Sozialstaat…

    Das Werk Erhards von 1957 ist im Kontext seiner Zeit eingeordnet ein Spätstarter, Beveridge etc.pp waren früher dran, wenn man den WWII als Wasserscheide nimmt.
    Die Ideen und ihre Umsetzung natürlich noch viel Älter, das englsiche ‘Poor Law’ etc.

    Der wichtige Teil des Erhardzitats ist mMn der Anspruch des Bürgers an seinen Staat, das der ihm die Möglichkeiten zur Selbstverantwortung zu geben (oder wenigstens nicht zu behindern).
    Zwangsarbeit und Niedriglohn gehören in die Mottenkiste, nicht in die BA oder wie auch immer sich diese Behörde gerade nennt.

  27. #27 YeRainbow
    Februar 14, 2011

    ich zitiere: In der Demokratie trägt jeder Bürger eine gewisse Verantwortung. Aber vor lauter Konsum wurde diese Verantwortung vergessen.

    Klingt in meinen Ohren wie blanker Hohn. Da stell ich mir jetzt ne hartz-4erin mit mindestens einem Kind vor. gibt viele von denen…
    Die haben zu tun, um irgendwie um die Runden zu kommen. Für VErantwortung außerhalb des eigenen Überlebens ist da nicht viel Platz.
    (hab seinerzeit mit Sozialhilfe überlebt, weiß also, wovon ich spreche – mit Kindern, alleinerziehend).

    zitiere: Demokratie, Rechtsstaat, Freiheit, somit “Wohlstand für alle”: Hat man das verdient, wenn man sich nicht mal dafür interessiert?

    War mir neu, daß man sich das persönlich und privat verdienen muß.
    Da stell ich mir jetzt mal ein paar junge Schwerbehinderte vor… die für ihre Berufsausbildung am Arbeitslosenverwaltungsamt immer wieder formulare ausfüllen müssen, zu deren Ausfüllen sie einige Unterstützung brauchen…

    zu dem ich übrigens auch so eine Weile brauch, bis ich dahinter komme, was der “demokratische Amtsschimmel” da von mir wissen will…

  28. #28 Jabroni
    Februar 14, 2011

    @YeRainbow, musste auch von HartzIV leben und mich mit der AA rumschlagen.

    Ich habe bewusst überspitzt und provokativ formuliert. Ich will nicht alle in eine Schublade stecken. Mir fällt aber schon auf, dass die demokratische Beteiligung vieler Mitmenschen eine reine Stimmungs- und Gefühlsfrage ist. Und dass diese Mitmenschen vielleicht wenige Minuten pro Tag in die Demokratie stecken, sich kurz empören und sich dann stundenlang Doku-Soaps reinziehen.

    Es ist nur eine Frage: Verdient jemand Demokratie, wenn ihm Demokratie völlig egal ist?

    Wie war das in den Anfangstagen der Ägypten-Revolution? Selbst auf ntv oder n24 zeigte man einen Beitrag, der den gleichen Umfang hatte, wie die Berichterstattung über irgendein schielendes Tier, das zu den Oscars darf. (Dazu gabs sogar ein Interview).
    Interessiert uns Demokratie, Freiheit, Rechtsstaat wirklich so wenig?

  29. #29 Dr. Webbaer
    Februar 14, 2011

    Dir Staatsquote stieg von 20-30% nach dem Krieg auf bis zu 50% und pendelt jetzt um die 45%.

    Diese Staatsquote ist natürlich abartig und einer mod. Demokratie unwürdig. Es gibt keine nachvollziehbaren Gründe hierfür, die Sache ist ineffizient und werktätige Steuerzahler in D sind zu bemitleiden. Zudem besteht der Verdacht, dass heutzutage im EU(RO)-Kontext massiv geschönt wird. Statistiken ist ohnehin nur zu trauen, wenn man sie versteht.

    Es gibt nur eine Chance aus dem Befütterungskreislauf herauszukommen und dieser Weg ist gewiesen: die Umstellung

    Klar, die Ideen (Erhards) sind älter, man muss nur in den Staaten schauen, als ein “New Deal” fast alles kaputtgemacht hätte.

    Die Befütterung ist natürlich auch Hauptursache der Staatsverschuldung – aber das System wehrt sich aus sich heraus! Wird nicht mehr lange dauern…

    MFG
    Dr. Webbaer

  30. #30 Dr. Webbaer
    Februar 14, 2011

    Ja auch der Sozialstaat mag für die eine oder andere Mark unserer Staatsverschuldung verantwortlich sein und ja, er mag auch in den 70er Jahren in Antizipation einer Wachstumsgesellschaft wie gehabt, über die Stränge geschlagen haben, zumindest in einigen Staaten dieser Welt.

    Und wer seinerzeit dabei war, kann über Aussagen wie diese nur den Kopf schütteln. Willy und der heutzutage distanziert auftretende Helmut Schmidt waren seinerzeit natürlich Freunde des sog. Club of Rome und extrem scharf darauf die Grenzen des Wachstums als gegeben zu “antizipieren” und eine “neue Gesellschaft” zu formen.

    Diese haben wir jetzt. Old Webbaer noch das Gesülze H.Schmidts in den Ohren haben, Regierungserklärung: “Ja, wir stehen heute (1977) nicht besser da als 1975, aber da war ja auch was, ist das denn nichts? (Applaus von den Regierungsbänken inkl. Parteiliberalismus) ist das denn nichts? (Ausblende – so kam das im GEZ-Fernsehen seinerzeit auf allen Kanälen – so isses im Prinzip auch heute noch)”

    MFG
    Dr. Webbaer

  31. #31 YeRainbow
    Februar 15, 2011

    Weils erwähnt wurde… unterschichten-TV und Bild-Niveau sind doch gewollt.

    Ich denke ja, man kann das den Dummköpfen nur schwer vorwerfen, auch wenns wirklich nervt…

    Das ist beabsichtigt – sonst würde es geändert.
    Dummes Stimmvieh läßt sich halt besser lenken.

    Wer den Schaden hat, muß für Spott nicht mehr sorgen…

    Ich komme zurück zu meiner Behauptung: GENAU DAS ist Kultur.
    macht euch mal nix vor.
    GEboren wird man so nicht.

  32. #32 Kevin
    Februar 15, 2011

    Der größte Verbrecher war wohl Helmut Kohl. Der gehört vor ein ordentliches Gericht!

  33. #33 Klaus
    Februar 15, 2011

    @YeRainbow
    Wachstum heißt das Zauberwort. Und, Wachstum ist nur zu erreichen wenn an die niederen Instinkte appelliert wird. Das wäre aber eine ganz andere Diskussion in einem anderen Rahmen, nicht hier! Das ist eher ein Thema für Geisteswissenschaftler, Verhaltensforscher und Psychologen.
    Dennoch, die Frage ob das mit dem ständig geforderten Wachstum auf Dauer gut gehen kann, ist schlicht und einfach mit Nein zu beantworten!
    Das wäre dann allerdings eine Diskussion mit VWLern.