Goethe – so sagt es nach einem Bericht in der FAZ (vom 2.3.2011) der Berliner Literaturwissenschaftler Michael Jaeger in seiner Studie “Fausts Kolonie” – Goethe fühlte sich “durch das Aufkommen eines relativ neuen, zunächst bedrohlich wirkenden Mediums” “heillos überfordert”. Das heißt, Goethe reagierte wie Frank Schirrmacher, der ja mit seinem Kopf nicht mehr mitkommt, wie er in einem Buch selbst geschrieben und vor etwa einem Jahr in zahlreichen Artikeln von anderen hat schreiben lassen (ohne den Mut zu zeigen, eingeladene Gegenstimmen zu Wort kommen zu lassen). Goethe und Schirrmacher also, zwei Frankfurter voller Angst vor dem jeweils neuen Medium, was bei Goethe übrigens die Zeitung meinte. Der Dichter des Faust musste die Lektüre der Blätter aufgeben, um weiter poetisch zu funktionieren. Was hat Schirrmacher wohl aufgegeben? Das Internet und sein iPhone sicher nicht. Vielleicht besteht doch ein Unterschied zwischen den beiden Herren. Einer meinte ernst, was er geschrieben hat. Der Andere meinte etwas anderes.

Kommentare (10)

  1. #1 Dr. Webbaer
    März 3, 2011

    Mal ganz abgesehen davon, lieber Herr Fischer, dass Ihnen Dr. Webbaer inhaltlich umfänglich recht gibt: Was soll das denn hier heißen –

    Das heißt, Goethe reagierte wie Frank Schirrmacher, der ja mit seinem Kopf nicht mehr mitkommt, wie er in einem Buch selbst geschrieben und vor etwa einem Jahr in zahlreichen Artikeln von anderen hat schreiben lassen (ohne den Mut zu zeigen, eingeladene Gegenstimmen zu Wort kommen zu lassen).

    – Schirrmacher lässt schreiben, dass er “mit seinem Kopf nicht mehr mitkommt”, gibt aber “Gegenstimmen” nicht (bei “sich” bzw. bei der FAZ?) das Wort?!?

    MFG
    Dr. Webbaer (die eingeladene sonore Gegenstimme schlechthin)

  2. #2 blau
    März 3, 2011

    @palomino

    von “eingeladen” kann wohl keine rede sein…

  3. #3 Radicchio
    März 3, 2011

    schirrmacher ist altersstarrsinnig. hhrrrhhrrrr.

  4. #4 Ariane Greiner
    März 4, 2011

    Ich habe nur mal in die ersten paar Seiten reingelesen, als ich besagtes Buch von Herrn Schirrmacher bei einem Freund herumliegen sah, kann also eigentlich nicht wirklich mitreden – was ich aber trotzdem gerne mache, weil ich glaube, ETWAS DAVON verstanden zu haben, was die Schirrmacher’sche Überforderung meint, und das wäre schlichtweg:
    1. die Ungefiltertheit des Mediums Internet und 2. seine im Millisekundentakt sich aktualisierende Echtzeitgetriebenheit, so dass manch einer den Eindruck gewinnen kann, “nicht mehr mitzukommen”. (Ich zum Glück nicht. Ich vertraue auf Qualität, egal ob im Internet oder wo auch immer. Was natürlich nicht ausschließt, dass sich hin und wieder doch der ein oder andere Bär auf dem eigenen Rücken niederlässt, aber das ist wohl das Lebensrisiko.)

  5. #5 Dr. Webbaer
    März 4, 2011

    1. die Ungefiltertheit des Mediums Internet und 2. seine im Millisekundentakt sich aktualisierende Echtzeitgetriebenheit, so dass manch einer den Eindruck gewinnen kann, “nicht mehr mitzukommen”

    Wobei der Zugriff selbst gefiltert [1] erfolgt, der Lesende oder Schreibende oder sonstwie Teilnehmende filtert ja zuverlässig. IdT konnte der Eindruck entstehen, dass das im Zwischennetz vorab nicht erfolgte Filtern durch andere Herrn Schirrmacher unruhig hat werden lassen.
    Das Web erfordert eben neue Kommunikationskompetenzen, die erst gewonnen werden müssen. – Schön der im Artikel vorgenommene Vergleich mit dem Aufkommen der Journale seinerzeit…

    HTH
    Dr. Webbaer

    [1] das bewusste Filtern ist das erste, was der Webteilnehmer lernen sollte 🙂

  6. #6 Dr. Webbaer
    März 4, 2011

    Vielleicht von Interesse:

    Hätte Goethe einen Facebook-Account?
    Die Antwort ist: vermutlich.

    FYI
    Dr. Webbaer

  7. #8 Jörg Friedrich
    März 5, 2011

    Mir hat der FAZ-Artikel “Hätte Goethe einen Facebook-Account” http://www.faz.net/-01paf sehr gut gefallen und nachdenklich gemacht. Goethe hatte keine Angst vor den Zeitungen und hätte auch vor dem Internet keine Angst gehabt – er hatte seine Methoden, mit der Überforderungsgefahr umzugehen. Die Gefahr zu ignorieren oder lächerlich zu machen, bannt diese nicht.

  8. #9 Stefan W.
    März 6, 2011

    Auch wenn Schirrmacher übertreibt, zuspitzt, und aus beruflicher Gewohnheit aus Gedanken Feuilleton macht – er hat vom Internet mehr verstanden als viele andere, und eine bedeutend besser ausgeprägte Fähigkeit seine Gedanken sprachlich darzustellen als große Teile des Restwebs.

    Und jetzt bitte alle die Köpfe senken und wie bisher weitermachen. Danke.

  9. #10 radicchio
    März 7, 2011

    schirrmacher ist ein gestriger kulturpessimist. kein grund, beschämt auf die schuhe zu schauen.