Wissenschaftsfeuilleton

Modisches

Als ich ein kleiner Junge war, galt Wissenschaft noch als etwas, das keiner Mode unterliegt und festen Werten gehorcht. Das heißt, ich dachte so, als ich noch jung war. Inzwischen ist mir klar geworden, daß gerade in der Wissenschaft viel Modisches auf der Tagesordnung steht und wahrscheinlich beim Einwerben von Geldern hilft. Modisch waren zum Beispiel all die Bemühungen um eine Quantenpharmakologie oder Quantenbiologie, die sich im Anschluss an die Quantenphysik präsentieren und Tiefsinn suggerieren wollten. Als in den Nachkriegsjahren die heute fast vergessene Wissenschaft von der Kybernetik Furore machte, gründete man zum einen Institute für Biologische Kybernetik und deutete zum anderen das Psychologische in kybernetischen Modellen mit Schaltkreisen. Das hat nicht sehr gut geklappt, hindert aber Psychiater unserer Tage nicht daran, eine neue Disziplin namens Computerpsychiatrie einzuführen und das Seelische durch Computermodelle zu erkunden. Das klingt chic, das erweckt Aufmerksamkeit, dafür werden sich Fördermittel bereit gestellt, da werden kluge Leute kluge Sätze sagen – und zuletzt nur merken, daß sie viel Aktivismus und wenig Aktivität gezeigt haben. Das Computermodell des Geistes als der Weisheit letzten Schrei anzubieten, ist lächerlich. Bitte mehr Grips und weniger Chips.

Kommentare

  1. #1 Dr. Webbaer
    April 22, 2012

    Als ich ein kleiner Junge war, galt Wissenschaft noch als etwas, das keiner Mode unterliegt und festen Werten gehorcht. Das heißt, ich dachte so, als ich noch jung war.

    Dito, heute ist erwiesen, dass diese “rechte Bildung” auf Dummheit hinweist.

    MFG
    Dr. Webbaer (der trotz eines gewissen Alters nicht rechts ist)

  2. #2 michael
    April 22, 2012

    @wb
    > der trotz eines gewissen Alters nicht rechts ist

    Ersetze er ‘rechts’ durch ‘recht gescheit’, dann stimm ich voll zu.

  3. #3 Dr. Webbaer
    April 22, 2012

    Gute Idee, dann kann man auch das ‘nicht’ weglassen, effizient!

    Ja, das ist kein Gejammer alter Leute – Herr Fischer hat ja noch einige der seriöseren Bemühungen genannt, es gibt ja noch ga-anz anderes, das in den letzten 40 Jahren hochgekommen ist…

  4. #4 michael
    April 23, 2012

    > Gute Idee, dann kann man auch das ‘nicht’ weglassen, effizient!

    Sicher kann man, nur schade, dass der Satz dann ein ganz klein bißchen falsch wird.

    Und ja: das ist das Gejammer alter Leute .