Wissenschaftsfeuilleton

Kommunikation ohne Publikum

In dem Blog “Wissenschaft kommuniziert”, den Reiner Korbmann betreibt, hat sich der stellvertretende Generalsekretär des Stifterverbandes, Dr. Volker Meyer-Guckel, zum Thema der Wissenschaftskommunikation geäußert und nach mehr als 12 Jahren festgestellt, daß die vor der Jahrtausendwende in Angriff genommene PUSH-Initiative – weiß noch jemand, was die Abkürzung bedeutet? – mehr Marketing und weniger Wissenschaftskommunikation war. Der Artikel wendet sich zwar endlich amtlich gegen den teuren Schwachsinn, den die PUSH Initiative ins Leben gerufen hat, ohne auch nur das Geringste zu bewirken, aber er übersieht die einfachsten Fakten. Herr Meyer-Guckel spricht tatsächlich von einem Big Bang der Wissenschaftskommunikation, so als ob es weder Bild der Wissenschaft noch Heinz Haber in der ARD oder Hoimar von Ditfurth im ZDF gegeben hat, um nur einige Formen der Vermittlung von Wissenschaft zu nennen. Was bei der Gründung der PUSH-Initiative klar war und was unter anderem von mir geäußert wurde, lässt sich so ausdrücken, daß sie von Anfang zum Scheitern verurteilt war, weil die Leute, dieden Karren der Kommunikation vor 1999 in den Dreck gezogen hatten,  nun die Chance bekamen, dasselbe noch einmal zu tun, nur diesmal mit mehr Schwung (Geld) und besser organisiert. Herr Meyer-Guckel weist noch auf den Communicator-Preis hin, den die DFG und der Stifterverband seit dieser Zeit vergeben. Hat er einmal geprüft oder sich erkundigt, wie viel die Öffentlichkeit davon weiß? Ich beginne meine Vorträge über naturwissenschaftliche Bildung immer mit der Frage an das Publikum, wer schon einmal von PUSH oder dem Communicator-Preis gehört hat. Die Antwort ist stets gleich und so, daß man sich nicht verzählen kann, nämlich NIEMAND. NULL. Dafür hat der Stifterverband sehr viel Geld ausgegeben. Er hätte es billiger haben können.

Kommentare

  1. #2 Tobias Maier
    September 24, 2012

    Public Understanding of Science and Humanities (PUSH). Ich habe auch erst auf Wissenschaftskommunikationskonferenzen davon gehört.

  2. #3 Hans
    https://www.taz.de/was-fehlt-/!102291/
    September 25, 2012

    da past das hier ganz gut:

    taz.de/was-fehlt-/!102291/

    was fehlt …
    … Die Zielgruppe

    Siebeneinhalb Millionen deutsche Erwachsene können laut einer Studie nicht richtig lesen und schreiben. Schlimm, dachte man sich offensichtlich im Bundesbildungsministerium – und zauberte eine Werbekampagne aus dem Hut, die Erwachsene dazu motivieren soll, richtig lesen und schreiben zu lernen.

    Zielgruppe: sogenannte funktionale Analphabeten – also Leute, die einzelne Wörter lesen und schreiben, jedoch keine Texte zusammensetzen können. Ein Makel, der vielen Betroffenen so peinlich ist, dass sie sich zahlreiche Strategien zurechtgelegt haben, um dies zu verbergen. Lesebrille vergessen und so.

    Was wäre zur Motivation dieser Menschen besser geeignet als eine richtig schöne Info-Plakatkampagne? Gesagt – getan: „Endlich hab ich es gelernt“ steht auf den aktuellen Plakaten des Bildungsministeriums. Neben den Fotos angeblicher ehemaliger Analphabeten, die riesige Schlüssel in der Hand halten. Ihr „Schlüssel zur Welt“, erklärt die Beschriftung. Grandios: Auch für jeden, der nicht lesen kann, funktionieren diese Plakate sicherlich wunderbar. Als Bausparkassenwerbung. (JUM/MLA)

  3. #4 threepoints...
    September 25, 2012

    Manchmal (sic).. werden solche Kampangen auch nur angestiftet, damit dadurch sich ein beruhigendes hoffnungsvolles Gefühl ausbreiten kann. Dieses Gefühl ist dann den meisten auch viel genug, weil es sich damit doch auch gut leben lässt.
    Ansonsten ist es mit Politik, Öffentlichkeitsarbeit und Marketing ja auch immer so, das dem nchts folgen muß, weil allein das dadurch antfachte Bewusstsein und Interesse eine verbesserung darstellt. Dabei wird auf sich evolutionär aufsummierende Faktoren gehoft/spekuliert.
    Mit solchen maßnahmen könnte es auch dazu verholfen haben, das sich eben die einschlägigen Portale wie Wissenschaft.de, Scienceblogs und scilogs haben etablieren und verbreiten können…und nicht zuletzt deren Betreiber und Blogger motiviert zu haben…zu betreiben und zu bloggen. es geht dabei scheinbar mehr um eine anzustoßende Massendynamik, als um Detailstrukturen.

    Gerade in der Politik ist es grundsätzlich nicht anders.