Wissenschaftsfeuilleton

Keine Kreativität

Der britische Genetiker Enrico Coen hat 1999 ein wunderbares Buch über “The Art of Genes” vorgelegt, das bislang nicht in Deutsche übersetzt worden ist. In dem Buch geht es darum, das Agieren von Genen im Modus der Kunst zu erfassen und die Bildung von lebendiger Gestalt als kreativen Vorgang zu verstehen – und nicht etwa als Ablauf eines wie immer auch gearteten Programms. Nun hat Coen ein neues Buch vorgelegt, in dem er den großen Sprung von den Zellen zur Zivilisation – “Cells to Civilizations” – ins Auge fasst und versucht, die dazugehörigen Transformationen durch sieben Prinzipien zu verstehen. Dieses Buch ist sehr rasch ins Deutsche übersetzt worden, gerade erschienen, und zwar unter dem unglaublich blöden Titel “Die Formel des Lebens”.  Die sieben Prinzipien, die Coen anführt, stellen für ihn “life´s creative mix”, also so etwas wie den kreativen Werkzeugkasten des Lebens dar, aber das ist den Übersetzern nicht geheuer. Sie wissen es besser und verwandeln das Kreative in etwas Formales und nennen “life´s creative mix” die “Formel des Lebens”. Es ist zum Heulen.