Wie Spiegel Online in diesen Tagen in eigener Sache meldet, wird die erst kürzlich aus England kommende und für den deutschen Markt etwas veränderte Zeitschrift NEW SCIENTIST eingestellt. In Großbritannien floriert NEW SCIÈNTIST seit den 1950er Jahren, genauer seit dem Sputnik-Schock, als der Westen erkennen musste, dass im Osten auch originelle Köpfe leben, die nicht nur kopieren, sondern auch kreativ sein können. In den späten 1950er Jahren nahm man den Kalten Krieg noch ernst, und so wollte man in England die Briten über die naturwissenschaftliche Bildung aufrüsten, was dort – den Auflagenzahlen zufolge – gelungen ist. In Deutschland war man damals und ist man heute der Meinung, dass die Naturwissenschaften wenig mit Kultur und kaum etwas mit Bildung zu tun haben, und so macht es zwar traurig, dass der Versuch, NEW SCIENTIST in Deutschland anzubieten, misslungen ist, aber zu wundern braucht man sich über den Fehlschlag nicht. Die deutschen Dichter und Denker – Soziologen und Philosophen – haben weniger die Wissenschaft und mehr das Ethische im Sinn. Sie interessiert es einen Dreck, dass es einen Unterschied zwischen einem Atomkern und einem Reaktorkern gibt, sie halten beide für schmelzbar und denken, dass man beide so wenig manipulieren sollte wie einen Zellkern. Das frühe Ende von New Scientist zeigt, dass etwas faul im Kopf der Deutschen ist, nämlich die Stelle, an der die Wissenschaft ihren Platz haben sollte. Bei Erich Kästner gibt es ein Gedicht, da wird über eine Frau gesagt, dass sie dort ein Loch hat, wo andere moralisch sind. Für die deutschen Dichter und Denker gilt das auch. Sie haben dort ein Loch, wo andere beginnen, sich moralisch zu bemühen – die englischen Macher und Leser von New Scientist zum Beispiel.

Kommentare (10)

  1. #1 Marcus Anhäuser
    April 12, 2013

    Vielleicht lag es aber auch einfach daran, dass die älteren Leser eh das englische Original lesen und die jüngeren kein Printmagazin mehr wollen

  2. #2 ali
    April 12, 2013

    Oder der Markt schon von anderen besetzt wird?

    Muss ja nicht immer gleich alles ein Zeichen des Untergangs sein.

  3. #3 CM
    April 12, 2013

    Das frühe Ende von New Scientist zeigt, dass etwas faul im Kopf der Deutschen ist, nämlich die Stelle, an der die Wissenschaft ihren Platz haben sollte.
    Oder es lag an der Qualität des New Scientist (de)? (disclaimer: die 1. Ausgabe war in meinen Augen mies – danach habe ich nicht mehr reingeschaut, kann also keine ehrliche Einschätzung geben)

  4. #4 G.J.
    April 12, 2013

    Ich schließe mich Ali an, der Markt war bereits durch andere Zeitschriften besetzt. Ich habe die “new scientist” mal durchgeblättert, mir hat sie nicht sonderlich gefallen. Sie war besser als die P.M. aber schlechter als “Bild der Wissenschaft”.

    PS: Das dissen gegen die angeblich únwissenschaftlichen Geisteswissenschaften nervt. Bitte zu berücksichtigen, dass die Naturwissenschaften aus der Philosophie stammen. Zum anderen sei poststrukturalistisch und etwas ketzerisch angemerkt, auch die modernen Naturwissenschaften sind nichts weiter als historisch und gesellschaftliches produziertes Wissen.

  5. #5 Hanno
    April 12, 2013

    Ich glaube es ist eine viel trivialere Erklärung: Es ist der maximal schlechteste Zeitpunkt, ein Printmagazin zu gründen.

    Machen wir uns nix vor: Die Zeit der Printpresse geht zu Ende. Langsam, aber stetig. Die bestehenden Printprodukte leben überwiegend davon, dass sie eine treue Leserschaft haben. Aber ein *neues* Printmedium zu gründen – das ist eher Harakiri.

  6. #6 Markus Termin
    April 12, 2013

    “haben weniger die Wissenschaft und mehr das Ethische im Sinn”

    Hätten die Affenquäler mehr Ethik, würde vielleicht auch die Wissenschaft mehr geliebt. Vor allem aber gilt es, die Logik gegen euch Naturwissenschaftler zu verteidigen. Der Instinkt des einfachen Philosophen wehrt sich gegen metaphysische Schlussfolgerungen – Creatio ex Nihilo – vor allem, wenn man in dreister Unverschämtheit davon plaudert, man wisse ganz genau, wie das Universum ein paar Millionstel Sekunden nach der “Erschaffung” der Zeit ausgesehen habe – während doch das ganze eine Hypothese auf tönernen Füßen ist.

    Wohin fließen denn die Milliarden? Hat man nicht jüngst in Brüssel eine ganze davon freigegeben zur Simulation des menschlichen Hirns?

    Würde vom echten mehr benutzt – man begutachte das neue Evolutions-Potpourri von Dr. Axel Mayer auf Zeit-online – auch die Dichter und Denker wären dann voll auf Ihrer Seite. So aber nicht. Aufklärung muß heute gegen die Wissenschaft betrieben werden.

  7. #7 Dumaine
    April 12, 2013

    Was dieses kleine Retourkutsche bzgl. Soziologen und Philosophen zur Erklärung des Scheiterns der Zeitschrift beitragen soll, ist mir schleierhaft.

    Ich habe einige Ausgaben der New Scientist (NSc), also der deutschen Ausgabe, gelesen. Ich sehe die Gründe für ein Scheitern bei folgenden Punkten:
    1. Printmedien in der Krise. Ja, NSc bot auch eine PDF-Version an, aber dass allein macht es nicht. Neue Konzepte von Zeitungen, Zeitschriften und Magazinen sehen anders aus.
    2. Keine Zielgruppe? NSc ist irgendwo zwischen Welt der Wunder Magazin und Spektrum der Wissenschaft (SdW) einzuordnen. Dem Akademiker (Geisteswissenschaftler eingeschlossen) war die NSc vielleicht etwas zu oberflächlich(?) oder er liest schon die englische Ausgabe, dem Laien schon zu anspruchsvoll(?) – nur eine Vermutung. Mir ist jedenfalls nicht klar, auf welche Gruppe die NSc zielte.
    3. Die in Punkt 2 benannten Enden des Spektrums der Wissenschaftsmagazine sind schon von anderen starken Vertretern besetzt.
    4. Das Preis-Leistungs-Verhältnis der NSc war schlecht. Zuletzt wollten sie glaube ich 4,50 Euro für etwa 50 Seiten Inhalt. SdW kostet am Kiosk 7,90 Euro und hat 100 Seiten Inhalt (von meiner Meinung nach höherer Qualität). Die SdW bietet darüberhinaus auch eine digitale wöchentliche Ausgabe an, DIE WOCHE. 50 Seiten PDF (vielleicht 20-25 Seiten in einer NSc) kosten einen Euro. Die digitale Ausgabe der NSc kostet 4 Euro.

    Ich bedauer es auch, dass die deutsche Ausgabe der New Scientist eingestellt wird. Aber es wundert mich auch nicht. Aktuell ist es generell schwer, ein Printmedium am Markt neu zu platzieren. Wenn es dann, wie ich vermute, keine klare Zielgruppe gibt, ist es um so schwerer.

  8. #8 Sepp
    April 12, 2013

    Ich habe es so wie CM gehalten: die erste Ausgabe fand ich schlecht und dann habe ich die Zeitschrift nie wieder angerührt. Ich sehe den Verlust auch nicht so tragisch, mit der Bild der Wissenschaft und Spektrum ist der deutssprachige Markt ganz gut bedient.

  9. #9 CM
    April 12, 2013

    So aber nicht. Aufklärung muß heute gegen die Wissenschaft betrieben werden.
    Z. B. von Ihnen, der Sie gerne mal unfreundlich, aggressiv und entstellend Argumentieren und dabei auch gerne mal Fakten ignorieren. Das ergibt dann eine besondere, überlegene Logik.

    Und da Sie schon wieder in diesem Stil beginnen, werde ich hier keine Diskussion führen – gerne aber meine Sicht klarstellen und etwaige Ignoranzvorwürfe annehmen.

  10. #10 stephan
    April 15, 2013

    ich habe mir den new scientist auch ein paar mal angeschaut und muss sagen, dass zum einen das gebotene nicht so besonders war und zum anderen der verlangte preis zu hoch. es gibt hierzulande bessere popularwissenschaftliche zeitschriften.