Am Montag (22.09.2014) erscheint mein Buch mit dem Titel “Die Verzauberung der Welt”, das die These vertritt und ausführt, dass die Naturwissenschaften die Geheimnisse der Welt nicht vertreiben, sondern vertiefen. Die Welt wird durch ihre Erklärung nicht ent-, sondern verzaubert. Das Geheimnis wird tiefer, und das lässt Menschen immer wieder und weiter staunen.

Passend dazu finde ich in der jüngsten Ausgabe von NATURE (mit dem ominösen Datum des 11. September) dreimal das Wort mysteriös. In einer Beilage über den Lungenkrebs wird erwähnt, dass auch Menschen, die niemals geraucht haben – sie heißen never-smokers – unter Mutationen leiden können, die zum Lungenkrebs führen. Mit anderen Worten: “The cause of the disease is still a mystery” (S. S12). Als Titelgeschichte berichtet NATURE von der Genomsequenz von Gibbons, deren Vergleich mit anderen Genomsequenzen ein “reshuffling”, eine Umbildung von ausgewählten DNA Abschnitten erkennen lässt, was neue Karyotypen (Chromosomenmuster) hervorbringt. Wie dieses Umbilden vor sich geht und wie dabei neue und lebensfähige Muster entstehen, “is an abiding mystery”, also ein bleibendes Geheimnis (S. 174). Und eine Seite weiter geht es um virale Infektionen und deren Abwehr durch das, was man in Fachkreisen adaptive Immunität nennt.  Sie kommt unter anderem durch einen Abschnitt der DNA zustande, der CRISPR heißt, was “clustered regulatory interspaced short palindromic repeats” abkürzt, was wiederum DNA Sequenzen meint, die vor- und rückwärts gelesen werden können, die kurz sind, die in Haufen auftreten, dabei Abstände voneinander halten und der Regulation dienen. Die Deutschen hätten daraus ein Bandwurmwort gemacht, was die amerikanische Sprache durch schlichtes Aneinanderreihen vermeidet, was ihr nicht vorgeworfen wird. Wie auch immer – obwohl die Biochemiker schon länger mit CRISPR vertraut sind, bleibt der ganze Vorgang “largely mysterious”.

Mit anderen Worten, was immer im und am Leben genauer untersucht wird, hebt sein Geheimnis nicht auf, sondern vertieft es. Es ist erlaubt, sein Gefühl für das Geheimnisvolle ansprechen zu lassen. Die Welt wird dadurch verzaubert und schöner. Mehr – viel mehr – dazu in meinem oben erwähnten Buch, das ursprünglich “Das tiefere Geheimnis” heißen und davon berichten sollte, wie platter Wissenschaftsjournalismus mit grinsenden Moderatoren, die vom Teleprompter ablesen, den Menschen das Gefühl für das Geheimnisvolle raubt.

Kommentare (12)

  1. #1 wahrheitsliebender
    September 20, 2014

    Ja, bereits die sichtbare Schöpfung Gottes führt uns in ihren Größen und Tiefen, ihrer Vielfalt, ihrer Komplexität, den unüberschaubaren Wirkungszusammenhängen die Genialität, Größe und Unergründlichkeit = das tiefe Geheimnis ihres dahinterstehenden Schöpfers = Gott vor Augen.

    Deshalb schreibt Paulus im Römerbrief:

    “O Tiefe des Reichtums, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes! Wie unergründlich sind seine Entscheidungen, wie unerforschlich seine Wege!1
    34 Denn wer hat die Gedanken des Herrn erkannt? Oder wer ist sein Ratgeber gewesen?
    35 Wer hat ihm etwas gegeben, sodass Gott ihm etwas zurückgeben müsste?
    36 Denn aus ihm und durch ihn und auf ihn hin ist die ganze Schöpfung. Ihm sei Ehre in Ewigkeit! Amen.”

    Und an anderer Stelle lüftet Paulus ein weiteres Geheimnis:

    Nein, wir verkündigen, wie es in der Schrift heißt, was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, was keinem Menschen in den Sinn gekommen ist: das Große, das Gott denen bereitet hat, die ihn lieben.3
    10 Denn uns hat es Gott enthüllt durch den Geist. Der Geist ergründet nämlich alles, auch die Tiefen Gottes.
    11 Wer von den Menschen kennt den Menschen, wenn nicht der Geist des Menschen, der in ihm ist? So erkennt auch keiner Gott – nur der Geist Gottes.
    12 Wir aber haben nicht den Geist der Welt empfangen, sondern den Geist, der aus Gott stammt, damit wir das erkennen, was uns von Gott geschenkt worden ist.
    13 Davon reden wir auch, nicht mit Worten, wie menschliche Weisheit sie lehrt, sondern wie der Geist sie lehrt, indem wir den Geisterfüllten das Wirken des Geistes deuten.4
    14 Der irdisch gesinnte Mensch aber lässt sich nicht auf das ein, was vom Geist Gottes kommt. Torheit ist es für ihn, und er kann es nicht verstehen, weil es nur mit Hilfe des Geistes beurteilt werden kann.5
    15 Der geisterfüllte Mensch urteilt über alles, ihn aber vermag niemand zu beurteilen.6
    16 Denn wer begreift den Geist des Herrn? Wer kann ihn belehren? Wir aber haben den Geist Christi.”

  2. #2 volki
    September 21, 2014

    durch die angeblichen erklärungen der angeblichen welterklärer wird die welt weder ent- noch ver-zaubert.

    sondern durch wirre hypothesen und theorien nehmen die rätsel naturgemäss immer mehr zu.

    es werden aber nicht bis in alle ewigkeit die anderen auf krank blöde aussagen von weniger begabten hören.

    siehe z.b. unter :
    https://scienceblogs.de/chevoja/2014/09/16/
    ende-der-sommerpause-oder-auch-die-gefahren
    -des-fortschritts/#comments

    mfg.

  3. #3 Dr. Webbaer
    September 21, 2014

    Die Welt wird durch ihre Erklärung nicht ent-, sondern verzaubert.

    Mag sein, aber derartige Aussage fordert denn doch den Linguisten oder Etymologen heraus, um zu ergründen, was sprachlich gemeint gewesen sein könnte.

    Die Zauberei, die d-sprachig nicht begrifflich eindeutig hergeleitet werden kann, könnte vielleicht bedeutungsähnlich durch die Magie ersetzt werden.

    Und bei der Magie wissen zumindest einige Etymologen Näheres und diese hat etwas mit Macht zu tun, womöglich auch mit besonderer Macht, im esoterischen nicht allgemein zugänglichen Sinne und der oder das Magh- (altpersisch) oder Mager meint halt (esoterisch) Mächtige oder die Maschine.

    Womit man fast schon beim Pantheismus wäre,
    MFG + einen schönen Tag des Herrn noch,
    Dr. W

  4. #4 Angelika Wittig
    Berlin
    September 22, 2014

    Ich finde es äußerst gefährlich, Geheimnisse wie Produkte zu betrachten.
    Wenn ein Mensch das große Glück hat, Geheimnisse wahrzunehmen, so sollte er dieses Glück als Aufforderung zum Handeln verstehen.
    Geheimnisse sind Türen, Verbindungselemente zwischen Räumen.
    Das Öffnen dieser Türen führt dazu, dass wir neue Erkenntnisse gewinnen und weitersuchen können, eben die Anzahl der Räume, die wir nutzen können, erhöhen.
    Diese aktrive Suche lässt uns als Menschheit vorankommen.
    Nicht der Genuss eines Leckerlis in Form eines Geheimnisses,dieser hat den bitteren Nachgeschmack und die Wirkung einer Schlaftablette.
    Geheimnisse nur passiv zu bestaunen ist zu wenig.
    Sie als Herausforderung zu betrachten zeichnet den echten Wissenschaftler aus.

  5. #5 Dr. Webbaer
    September 22, 2014

    Ich finde es äußerst gefährlich, Geheimnisse wie Produkte zu betrachten.
    Wenn ein Mensch das große Glück hat, Geheimnisse wahrzunehmen, so sollte er dieses Glück als Aufforderung zum Handeln verstehen.
    Geheimnisse sind Türen, Verbindungselemente zwischen Räumen.

    Geheimnisse sind das, was zu Hause, im Heim, gehalten wird, so ähnlich wie ‘celare’, vgl. ‘klandestin’ die Bedeckung oder Beinhaltung meint, keineswegs die Veröffentlichung.

    Wenn ‘Geheimnisse’ also verlautbart, gar im Web herausgehauen werden, sind es keine mehr und es könnte Ironie im Spiel sein.

    MFG
    Dr. W

  6. #6 Intelligenzbestie
    September 24, 2014

    @ #1 :
    Selig die Armen, denn ihrer ist das Himmelsreich.
    Das gilt auch für die armen Teufel mit weniger Gehirnwindungen.
    z.B. Paulusbriefe-Rezitierer.

    # 5 #:
    Mit Geheimnissen sind hier nur wissenschaftliche Rätsel gemeint.
    Wie Angelika Wittig richtig erklärte.

    Und an Mumpitz-Definitionen fehlt hier das Interesse.

  7. #7 Intelligenzbestie
    September 24, 2014

    Über Stellenwert der theoretischen Physiker, und über die Rätsel, die diese in deren Dummheit in die Welt setzen, ist hier nachzulesen :
    https://scienceblogs.de/chevoja/2014/06/16/der-sinn-im-eiswuerfel/#comments

  8. #8 Name auf Verlangen entfernt
    Prag/Nürnberg/Hartkirchen
    September 25, 2014

    Wunderbar. Ich freue mich auf das Buch! Denn das ist ja eben das Wach-haltende, daß Rätsel ungelöst sind.

    cool runnin´s

    M.T.

  9. #9 Gerhard
    Oktober 17, 2014

    Ich lese es bereits.
    Bisher bin ich sehr angetan, vom Inhalt und vor allem der Sprache.
    So jeden Tag 10 Seiten sind max. bei mir drin.

  10. #10 Palitzsch250@Wikipedia
    Dezember 28, 2014

    Dort: https://www.scilogs.de/uhura-uraniae/die-verzauberung-der-welt/ gibt es Kritiken, die zur Lektüre anregen sollen. Der geplante Titel “Das tiefere Geheimnis” wäre besser gewesen, oder vielleicht “Das Wundernetz”, passend zum Autor. Der Titel “Verzauberung der Welt” ist sicherlich eine Anspielung auf “Die Vermessung der Welt” und kommt zu spät. Aber das Thema, wie auch in der Rezension beschrieben, müßte viel stärker in den Fokus genommen werden. “Studium generale” nicht als Alibi-Veranstaltung sondern als Beginn und Roter Faden jedes Studiums. Früher sollte das Abitur die Basis schaffen. Heute wird dort schon “auf niedrigem Niveau spezialisiert.”

  11. #11 Palitzsch250@Wikipedia
    Januar 3, 2015

    Das dort: https://de.wikipedia.org/wiki/Leibniz_Kolleg ist einfach so beispielhaft, daß ich es hinterher schieben muß.

  12. #12 Fenchel
    Radolfzell
    März 22, 2015

    In Ihrem Buch ” Die Verzauberung der Welt” liest man auf Seite 132, daß das Verbot des Kopernikus Buches “de Revolutionibus Orbium Coelestium” nicht wegen des der Kirche widersprechenden Weltbildes, sondern wegen den vielen Fehlern ausgesprochen wurde. Woher wissen Sie das (als scheinbar Einziger) – können Sie mir da eine Quelle nennen?