In diesem noch sehr kurzen Jahr sind zwei Gelehrte gestorben, deren Tod unterschiedlich gemeldet wurde. Erst erlag der Soziologe Ulrich Beck einem Herzinfarkt. Dann verstarb der Evolutionsbiologe und Wissenschaftsmanager Hubert Markl seinen Krankheiten. Während Beck ausführlich in der Tagesschau gewürdigt wurde und er sogar in einem vor Jahren aufgezeichneten Interview selbst zu sehen und zu hören war, und während die FAZ ihm in ihrem Feuilleton die Aufmacherseite und mehr zubilligte, kommt Markl nur auf einer der hinteren Spalten vor, und die Redaktion der Tagesschau hat sicher gar nicht gewusst, wer Markl ist. Wenn in Deutschland ein Soziologe oder ein Schauspieler stirbt, widmet das Fernsehen ihm wertvolle Sendeminuten, um die Personen publikumsnah zu ehren. Naturwissenschaftler spielen an dieser Stelle keine Rolle und fallen unter den Tisch, selbst wenn sie jahrzehntelang Forschungsorganisationen geleitet haben, die zu den größten der Welt zählen und mehr für das Wohlergehen und die Sicherheit der Menschen getan haben, als Soziologen in Abrede stellen können.  Ein Qualitätsmerkmal für Kultur sieht anders aus. Naturwissenschaftler haben mehr öffentliche Aufmerksamkeit verdient, als sie bekommen.

 

Kommentare (7)

  1. #1 inge schuster
    Wien
    Januar 10, 2015

    Bereits gestern haben eine Reihe von Zeitungen Hubert Markl gewürdigt (Spiegel, FAZ, Welt, Spektrum….), sogar – was fast ein Wunder ist – im österreichischen ORF wurde er erwähnt (naturgemäss sehr kurz).

    Ich nehme an, dass Markl seinem Ende mit der Gelassenheit und Würde entgegengegangen ist, die er in seinem großartigen Essay: “Menschenleben heißt Sterbenlernen” beschreibt.

    Die Lektüre ist nicht nur den Personen zu empfehlen, die Markl gekannt und geschätzt haben:

    http://www.eurozine.com/pdf/2007-04-10-markl-de.pdf

  2. #2 MartinB
    Januar 10, 2015

    Es könnte natürlich auch daran liegen, dass am 1.1. wenig in der Welt los war, während die Tagesschau gestern eventuell anderes zu berichten hatte.
    Aber man soll sich seine Empörung ja nicht durch Fakten ruinieren lassen….

  3. #3 rolak
    Januar 11, 2015

    Empörung ja nicht durch Fakten ruinieren lassen

    Nee, bloß nicht, MartinB, sonst würden uns zwei Dinge fehlen: Die threads fürs Outen dero Merkwürden und solche Blüten:

    Dann verstarb der Evolutionsbiologe und Wissenschaftsmanager Hubert Markl seinen Krankheiten.

    “Trotz größter Bemühungen verstarb der Patient den behandelnden Ärzten” Ok, es lag wohl am verschlimmbesserten ‘erlag’, doch so klingt ein schräges ‘wurde von den Krankheiten zu experimentellen Zwecken am Leben erhalten’ durch…

  4. #4 rolak
    Januar 11, 2015

    Empörung ja nicht durch Fakten ruinieren lassen

    Nee, bloß nicht, MartinB, sonst würden uns zwei Dinge fehlen: Die threads fürs Outen dero Merkwürden und solche Blüten:

    Dann verstarb der Evolutionsbiologe und Wissenschaftsmanager Hubert Markl seinen Krankheiten.

    “Trotz größter Bemühungen verstarb der Patient den behandelnden Ärzten” Ok, es lag wohl am verschlimmbesserten ‘erlag’, doch so klingt ein schräges ‘wurde von den Krankheiten zu experimentellen Zwecken am Leben erhalten’ durch…

    (zweiter Versuch, da Moderation unwahrscheinlich scheint)

  5. #5 Markus Termin
    Januar 11, 2015

    @ rolak: Nur, weil Du – wie immer zu blöd – den Satz nicht verstehen kannst, mobst Du hier (peinlich verdoppelt) mit Bäker rum. Denn: ja – er “verstarb” auch “seinen Krankheiten … “

  6. #6 Angelika Wittig
    Berlin
    Januar 13, 2015

    “Naturwissenschaftler haben mehr öffentliche Aufmerksamkeit verdient, als sie bekommen”
    Tatsächlich?
    Vielleicht sollte an Stelle des Schubladendenkens endlich versucht werden, Brücken zwischen den verschiedenen Disziplinen zu bauen.
    Es geht nicht darum, wer mehr Aufmerksamkeit verdient.
    Alles, auch das winzigste Detail, trägt zur Weiterentwicklung der Menschheit bei, wenn ein ganzheitliches Denken die oberste Priorität hat.
    Öffentliche Aufmerksamkeit ist ein sehr vergänglicher Genuss.
    Letztendlich ist die höchste Anerkennung für einen Forscher, dass seine Ergebnisse von vielen Menschen genutzt werden – hierdurch wird er unsterblich.

  7. #7 Dr. Webbaer
    Januar 22, 2015

    Naturwissenschaftler haben mehr öffentliche Aufmerksamkeit verdient, als sie bekommen.

    Müsste so sein, Naturwissenschaftler, die auf besonderem Weg geleistet haben, wenn womöglich auch eher zufällig, die Theoretisierung bedingt bekanntlich nicht die Anwendung, könnten generell besondere Achtung erfahren.

    Der Schreiber dieser Zeilen sieht hier keinen Gegenwert oder gegensätzlichen Anspruch Anderer.

    MFG
    Dr. W