In diesem Monat (Juli 2017) hat eine der reichsten Forschungsorganisationen der Welt – die DFG – einen der am höchsten dotierten Preise für die Vermittlung von Wissenschaft – den DFG-Communicator Preis – vergeben, und niemand hat es gemerkt. Stell dir vor, die Wissenschaft kommuniziert, und keiner hört hin oder zu. Aber so ist es. Wenn sich die Wissenschaft feiert, sitzen im Publikum ein paar Wissenschaftler, während die televisionär berieselte Öffentlichkeit auf Bambi- oder Oskar-Verleihungen wartet und selbst Nobelpreisfeiern schwänzt. Also nochmal – eine der reichsten Forschungsorganisationen der Welt vergibt einen hochdotierten Preis für Kommunikation, und der siegreiche Kommunikator wird von den Medien ignoriert und bleibt dem Publikum unbekannt. Den Wissenschaftsvermittlern geht es wie den Forschern selbst. Sie bleiben unerhört und namenlos, wobei das “namenlos” sich auch auf den Preis selbst bezieht. In der literarischen oder feuilletonistischen Welt erhält man den Bachmann-Preis, den Börne-Preis, den Freud-Preis, den Schirrmacher-Preis und so weiter, und nur die Wissenschaftskommunikatoren lieben es namenlos. DFG-Communicator Preis – wie einfallslos und dann noch mit C, als ob man besser Wissenschaftscommunication betreibt. Man hat den Eindruck, die DFG will den Preis verstecken, und das ist ihr glänzend gelungen. Man bleibt unter sich und klopft sich verschämt auf die Schultern, auch wenn niemand hinsieht. Eine Möglichkeit, das Interesse des Publikums an dem DFG-Gedöns um die Kommunikation zu erhöhen, besteht darin, dem Preis einen attraktiven Namen zu geben, und der soll hier vorgeschlagen werden.  Der Chemiker Fritz Haber (Nobelpreisträger) war mit einer Chemikerin namens Clara Immerwahr verheiratet, die sich auch Verdienste um die Vermittlung ihrer Wissenschaft erworben hat. Die DFG sollte den Clara-Immerwahr-Preis für Wissenschaftskommunikation ausloben und vergeben! Dieser Name lockt die Aufmerksamkeit und stellt den Vermittlern zugleich eine große Aufgabe, nämlich klar und wahr zu agieren. Wem soll solch ein Name nicht gefallen?

Kommentare (15)

  1. #1 RPGNo1
    Juli 25, 2017

    Der Chemiker Fritz Haber (Nobelpreisträger) war mit einer Chemikerin namens Clara Immerwahr verheiratet, die sich auch Verdienste um die Vermittlung ihrer Wissenschaft erworben hat. Die DFG sollte den Clara-Immerwahr-Preis für Wissenschaftskommunikation ausloben und vergeben!

    Ein guter Vorschlag. Das einzige Problem, das ich sehe, ist, dass Clara Immerwahr in der breiten Öffentlichkeit nahezu unbekannt ist. Zuerst müsste also diesbezüglich eine verstärkte Aufklärung stattfinden.

  2. #2 M.a.buser
    Ch plz 8810
    Juli 25, 2017

    Zu deutsch niemand

  3. #3 Joseph Kuhn
    Zuhause
    Juli 25, 2017

    Ein sehr guter Vorschlag, weil Clara Immerwahr sowohl für Forschung als auch für die Verantwortung der Forschenden steht. Herr Fischer, wollen Sie der DFG nicht vorschlagen, den Preis so zu benennen?

  4. #4 uwe hauptschueler
    Juli 25, 2017

    Die GFG ist eine Institution deren Vorsitzender Bischöfe auffordert zusätzliche Professorenstellen auf Steuerzahlers Kosten zu fordern. An was für Gestalten werden da wohl Preise vergeben?
    “Er strebt allerdings fünf Professuren an, um neben den klassischen Fächern Exegese, Kirchengeschichte, Systematische Theologie und Religionspädagogik noch ein weiteres Fach aufbauen zu können, das dem Standort Berlin ein eigenes Profil verleihen soll. „Fünf Professuren sind das Minimum“, findet auch DFG-Präsident Strohschneider und ermutigte das Erzbistum, mit dem Land weiter zu verhandeln.”
    Q.:http://m.tagesspiegel.de/wissen/religion-die-katholische-theologie-wechselt-an-die-humboldt-universitaet/20081704.html?utm_referrer=

  5. #5 ThoSou
    Juli 25, 2017

    Wer hat denn den namenlosen Preis bekommen?

  6. #6 michael
    Juli 25, 2017

    >Wer hat denn den namenlosen Preis bekommen?

    Der.

  7. #7 Joseph Kuhn
    Am PC
    Juli 25, 2017

    @ ThoSou:

    Wer hat denn den namenlosen Preis bekommen?

    Google hätte längst geantwortet.

  8. #8 Robert
    Juli 26, 2017

    uwe hauptschueler,
    Die Idee, eine multi-religiöse wissenschaftliche Disziplin zu schaffen, die die christliche Religion, den Islam und die jüdische Relgion zum Gegenstand hat, ist überfällig.
    In Berlin ist Multikulti Realität und braucht ein Sprachrohr.
    Dieses Sprachrohr an die HU zu verlegen ist auch sinnvoll.
    „während die televisionär berieselte Öffentlichkeit auf Bambi- oder Oskar-Verleihungen wartet „ tut sich im religiösen Miteinander wenig.
    Um die PR darüber in den Focus zu rücken, ist der Name des Preises „Klara Immerwahr“ ein Geschenk von oben.
    Der Preis sollte ein Ehrenpreis sein, damit der Steuerzahler nicht belastet wird.

  9. #9 Schmidts Katze
    Juli 26, 2017

    Fritz Haber seine Frau ihr Preis?
    Sorry, aber ich kenne sie nicht, und wenn sie als erstes schon als Ehefrau von Haber vorgestellt wird anstatt mit ihrer eigenen Arbeit, war sie wohl auch nicht so wichtig.

  10. #10 RPGNo1
    Juli 26, 2017

    @Schmidts Katze
    siehe meinen Kommentar #1

  11. #11 Beobachter
    Juli 26, 2017

    @ Schmidts Katze, # 9:.

    Du liebe Güte – wieder einer der Kommentatoren, der alles auf dem Silbertablett serviert bekommen will und zu faul ist, mal selber etwas nachzusehen.

    Und obendrein sind Sie noch Frauen verachtend.
    Fähige, begabte Frauen standen oft im Schatten ihrer berühmten Männer – und ihre Leistungen standen oft denen ihrer Männer in nichts nach, sie wurden nur nicht beachtet.

    Ich verlinke mit Absicht nichts zu Clara Immerwahr und auch nichts zu (berühmte) Frauen berühmter Männer – googeln Sie selbst.

  12. #12 michael
    Juli 26, 2017

    Link zu einem etwas neueren Artikel über Clara Immerwahr.

  13. #13 Schmidts Katze
    Juli 26, 2017

    Fähige, begabte Frauen standen oft im Schatten ihrer berühmten Männer

    Fähige, begabte Frauen, @Beobachter, würden sich wohl bedanken, mit den Worten “Der Wissenschaftler x (Nobelpreisträger) war mit einer Wissenschaftlerin namens y verheiratet” vorgestellt zu werden; und wenn Herrn Fischer daneben nur noch einfällt, daß sie “auch Verdienste um die Vermittlung ihrer Wissenschaft erworben hat”, und ihr Name zu Wortspielen einlädt, finde ich das durchaus kritisierenswert.

  14. #14 Beobachter
    Juli 27, 2017

    @ Schmidts Katze, # 13:

    Es wird wie gesagt niemand daran gehindert, sich bei Interesse selbst schlau zu machen.

    @ all:

    Um den lapidaren, verkürzten Erklärungen und einem englischsprachigen Link hier zum Leben und zur Arbeit der Clara Immerwahr – und zu “Forschung als auch (für) die Verantwortung der Forschenden” – etwas hinzuzufügen:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Clara_Immerwahr

    Zitate, Auszüge:

    ” … Sie war eine der ersten deutschen Frauen mit einem Doktorgrad, arbeitete als naturwissenschaftliche Pionierin im Bereich der Katalyseforschung und war engagierte Menschen- und Frauenrechtlerin. …”

    ” … 1914 ließ sich Fritz Haber zur Armee einberufen, um an seinem Institut Rüstungsprojekte voranzutreiben, im Herbst begannen die Forschungen zum Einsatz von Giftgas. Als er im Verlauf des Ersten Weltkriegs als Abteilungsleiter der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft die wissenschaftliche Verantwortung für das gesamte Kampfgaswesen übernahm, missbilligte seine Frau in aller Öffentlichkeit seine Unternehmungen als „Perversion der Wissenschaft“.

    Nach dem ersten großen tödlichen Giftgaseinsatz an der Westfront vom 22. April 1915 in der Zweiten Flandernschlacht bei Ypern mit 150 Tonnen Chlorgas, das nach dem so genannten Haberschen Blasverfahren aus Flaschen entwich (bei dem 1500 Soldaten sofort starben und wofür ihr Mann zum Hauptmann der Reserve befördert wurde), erschoss sie sich am Morgen nach der Siegesfeier mit Habers Dienstwaffe im Garten ihrer Villa, …”

    http://www.zeit.de/campus/2015/06/chemie-clara-immerwahr-giftgas

    http://www.daserste.de/unterhaltung/film/themenabend-erster-weltkrieg/der-film/index.html

    Anm.:

    Im 1. Weltkrieg benutzte man tödliches Chlor-Giftgas, das NS-Regime benutzte vor und während des 2. Weltkrieges das tödliche Zyklon B-Gas –
    welche Giftgase werden denn heutzutage in Kriegen bzw. “Krisenherden” verwendet, und wer sind die Hersteller, Vertreiber, Anbieter ?!

    Hat man etwas dazugelernt ?!

  15. #15 Josef König
    Oktober 14, 2017

    E.P. Fischer irrt gewaltig! Der Communicator-Preis und seine Preisträger sind nicht etwa deshalb unbekannt, weil sie nüchterne Namen tragen, sondern weil Wissenschaft und ihre Ergebnisse leider noch nicht so sexy sind wie Literatur der Bachmann, die revolutionäre Sprache Büchners, die Essays von Freud oder die öffentliche Wirkung von DSDS etc. Selbst die Nobelpreisträger in Physik, Chemie oder Medizin merkt sich kaum jemand, aber der fur Literatur an Bob Dylan ist weltweit wahrgenommen worden, weil er eine Person der Zeitgeschichte ist!
    Übrigens ist der DFG-Communicatorpreis in diesem Jahr sn Stefan Kröpelin (Köln) vergeben worden, dessen Vortrag in Halle sehr spannend war. Er ist Wüstenforscher und treibt sich in noch blinden Fecken der Erde herum!