“Herr und Hund” – so heißt ein kurzes Buch von Thomas Mann, das ich einmal vor langer Zeit – eher gelangweilt – gelesen habe. Die Alliteration im Titel gefällt mir immer noch, und während ich spazierengehend am Neckar entlanglaufe – ohne Hund und nicht als Herr -, kommt mir unentwegt eine andere Kombination in den Sinn, die ähnlich gut klingt, nämlich Hund und Handy. Gemeint ist damit zu einen, dass viele Leute, die ihre Hunde an der Leine halten und spazieren führen, mit ihrer zweiten Hand ein Handy bedienen und während sie damit sprechen, ein fröhliches Gesicht machen und glücklich grinsen. Und das bringt mich zu dem zweiten Grund für die Kombination Hund und Handy. Bekanntlich strahlen Menschen vor allem dann, wenn ihnen ein Hund entgegen kommt. Kinder haben es da schwieriger, solche Freude auszulösen. Und Menschen strahlen auch ihre Handys an, vor allem, wenn zwei oder drei von ihnen um ein solches Gerät versammelt sind und irgendwelche Bilder betrachten, wahrscheinlich von Hunden oder anderen Haustieren. Hund und Handy – die beiden machen die Menschen glücklich. In den Tagebüchern von Albert Camus steht der Satz: “Der Mensch von 1950: Er fickte und las Zeitungen.” In einem künftigen Tagebuch könnte man entsprechend eintragen: “Der Mensch von 2018: Er befummelte sein Handy und liebte seinen Hund .”

Kommentare (14)

  1. #1 schlappohr
    Februar 7, 2018

    Mich bringt es zum Strahlen, wenn Herrchen mit Handy über den Hund fällt, der plötzlich stehen bleibt, weil der Weg über eine Straße führt und der Hund die Menschenregeln zum Überqueren selbiger offenbar kennt. Der spontane Übergang von der virtuellen in die reale Realität erinnert mich an den Kollaps einer Wellenfunktion und ist oft verbunden mit aufgeschlagenen Ellenbogen, einer zerkratzen Displayschutzfolie und umherfliegenden weißen Ohrhöhrern. Das entschuldigende Schwanzwedeln des Hundes und der verwirrte Blick des Herrchens (“hoffentlich hat das niemand gesehen”) verstärken meine Strahlung zusätzlich.

  2. #2 RPGNo1
    Februar 7, 2018

    “Der Mensch von 2018: Er befummelte sein Handy und liebte seinen Hund .”

    Diesen Satz würde ich etwas gemeiner formulieren: “Der Mensch von 2018: Er liebte sein Handy und befummelte(*) seinen Hund.”

    (*) befummeln im Sinne von Halsband anlegen, Leine anlegen, Leine lösen, den Kackbeutel an den Allerwertesten halten…

  3. #3 Mars
    Februar 7, 2018

    wozu braucht man da noch einen hund (ausser an der ampel zum aufpassen) oder gar ein kind, wenn man weder für das eine noch das andere genügend aufmerksamkeit hat und lieber das wischtelefon anhimmelt, sanft streichelt, mit ihm spricht …..???

    sicher gibt es heute schon eine app, wo ein winselnder hund oder ein nuckelndes baby dargestellt werden kann.

  4. #4 RPGNo1
    Februar 7, 2018

    @Mars
    Oder ein niedliches Katzenfoto :)
    https://i.ytimg.com/vi/nwYnlk1Tg44/maxresdefault.jpg

  5. #5 Mars
    Februar 7, 2018

    niedlich???
    da explodiert einem der kopf

  6. #6 Dr. Webbaer
    Februar 7, 2018

    Alles richtig, vermutlich, so genau kennt sich der Schreiber dieser Zeilen bspw. i.p. Albert Camus nicht aus, hat ihn auch gemieden, im Output und post mortem, deshalb nur ganz am Rande angemerkt :

    Das “Handy”, das nur d-sprachig so heißt, anderswo wird es auch Mobiltelefon genannt oder kurz Mobile, steht ja mittlerweile für das Web, das sozusagen alle mit allen verbindet.
    Also die sozusagen globale Gesellschaft und insofern liebt (idealtypisierte und insbesondere bundesdeutsche) ‘Der Mensch von 2018’ womöglich nicht einmal seinen Hund.

    MFG
    Dr. Webbaer

  7. #7 Markus Termin
    Praha
    Februar 7, 2018

    Lieber Herr Professor, nun nehmen Sie mir bitte nicht die Illusion, es mit einem feinfühligen Sprachstilisten zu tun zu haben, der zu Recht den Fußstapfen Thomas Manns folgt – des möglicherweise grössten Schatzmeister deutscher Sprache – ever! – versuchen Sie “Joseph und seine Brüder”, wenn Sie das erleben möchten oder bisher keinen Sinn dafür hatten. Oder “Doctor Faustus”. Bei wenig Zeit tut´s auch die CD während der Fahrt. Das andere; – mit den Obszönitäten – haben Sie doch nicht nötig – und Thomas Mann hat dafür sehr überzeugende, feinfühlige Argumente. Sein “Menschenbild” geht so tief, dass die Eigenart eines jeden Menschen aufs respektvollste in den Vordergrund rückt, ohne seinem Wesen zu nahe zu treten, eigentlich sogar von der Scheu getrieben, zwar die Geschichte zu erzählen, aber keinesfalls sich einzumischen, weil man damit sehr vorsichtig sein muss.

  8. #8 RPGNo1
    Februar 8, 2018

    Der Terminator: Wie immer zielsicher am Thema vorbei und gegen die Wand gefahren.

  9. #9 schlappohr
    Februar 8, 2018

    Ich hätte nie gedacht, dass ich das mal sagen werde, aber damit

    “Das andere; – mit den Obszönitäten – haben Sie doch nicht nötig – […]”

    muss ich ihm mal Recht geben.

  10. #10 Chris
    Stuttgart
    Februar 8, 2018

    Also wenn ich am Neckar spazieren gehe, dann sehe ich vor allem die ganzen Opfer der sogenannten Freisprecheinrichtungen…

    Früher brauchte man eine Hand um das Handy ans Ohr zu halten. Nutzer der neuen “Freisprecheinrichtungen” brauchen eine Hand um das Handy festzuhalten und die zweite Hand um das Mikrofon an den Mund zu halten.

    In Verbindung mit den Ohrstöpseln wirken diese Leute auf mich wie Zombies die von Ihrer Umgebung so gut wie gar nichts mehr mitbekommen… aber wer bin ich schon, darüber zu urteilen 😀

  11. […] Im Wissenschaftsfeuilleton habe ich einen nachdenklichen Text gefunden. Was kleines für zwischendurch. […]

  12. #12 yerainbow
    yerainbow.wordpress.com
    Februar 9, 2018

    Hund kann noch viel, viel mehr…
    zB hier gucken sunflop.wordpress.com

  13. #13 yerainbow
    yerainbow.wordpress.com
    Februar 9, 2018

    entschuldigung, hier korrekter Link
    https://sunflop.wordpress.com/2015/11/05/neuerwerb/

  14. #14 gedankenknick
    Februar 9, 2018

    @mars #3 sicher gibt es heute schon eine app, wo ein winselnder hund oder ein nuckelndes baby dargestellt werden kann.
    Gibt es schon seit 1996 (in D seit 1997). Nennt sich “Tamagotchi”. 😉