Ich weiß, es kommt bald der Sommer, aber die Universität von Amsterdam wollte nicht bis zum kommenden Winter warten und hat im Mai 2018 eine Pressemitteilung herausgegeben, in dem erklärt wird, warum man auf Eis zu Schnellläufen (Wettrennen) antreten oder  böse ausrutschen kann. Zwar hat unsereiner gedacht, dass hätte die klassische Physik längst erklärt – die Kufen oder die Schuhsohlen üben Druck auf das Eis aus, das dadurch schmilzt, und auf dem entstehende Flüssigkeitsfilm bewegt man sich schnell dahin -, aber die Verhältnisse, sie sind nicht so. Teams aus Amsterdam und Mainz konnten einen anderen Mechanismus ermitteln, als sie der Frage nachgingen, warum das Olympische Eis gerade eine Temperatur von -7° hat und ob man nicht besser darauf laufen kann, wenn es wärmer oder kälter ist. Wie sich herausstellte – mit einigen spektroskopischen Tricks -, kommt die Schlüpfrigkeit des Eises durch verschiedene Verhaltensweisen von Wassermolekülen zustande. Die Moleküle hängen bei sehr tiefen Temperaturen noch an der Oberfläche des Eises fest, bevor sie anfangen, sich davon zu lösen und mit sich selbst zu verbinden. Dabei entstehen so etwas wie Ringe, die als Räder wirken und das Gleiten auf dem Eis ermöglichen. Wenn es kälter als -7° ist, kleben die Moleküle zu fest an der Oberfläche, wenn es wärmer als -7° wird, wird das Eis zu weich und die Beweglichkeit der Schnellläufer und die Eleganz der Eiskunstläufer nehmen beide ab. Sie versinken mehr oder weniger in dem Eis, auf dem sie laufen wollen. Im Eis versinken, danach gelüstet einen bei den steigenden Temperaturen. Schön, dass die Wissenschaft einen dabei in Laune hält und staunen lässt. Man lernt nie aus. Gut zu wissen.

Kommentare (2)

  1. #1 foobar407
    Mai 30, 2018

    Passend dazu. :-)

  2. #2 Angelika Wittig
    Berlin
    Juni 2, 2018

    Was für ein wunderbarer Artikel!
    Hier werden das “Wie” und das “Warum” äußerst elegant miteinander verbunden und siehe da: Lernen und Bildung erwachen zur Lebendigkeit und machen Freude.
    Es erinnert mich an einen kleinen bayrischen Jungen, der mich mit seinen vielen “Warum-Fragen” zum Nachdenken anregte.
    Ich habe versucht, ihm vieles zu erklären und er war äußerst wissbegierig.
    Eines Tages sagte er nach einer Antwort von mir in perfektem Urberlinisch:
    “Ick staune.”
    Dem ist nicht mehr viel hinzuzufügen, außer vielleicht, ein Zitat von Goethe, der auch ein großer Verknüpfer von Naturwissenschaft und Literatur war:
    “Wenn die Menschen ein “warum” erhalten, werden sie dass “wie” schon finden.”
    Staunen ist der Schlusspunkt jeder gewonnenen Erkenntnis und gleichzeitig der Startpunkt für weitere Fragen und Antworten.