“Dialektik der Aufklärung” – so lautet natürlich der berühmte Titel des berühmte Werks der berühmten Sozialphilosophen Max Horkheimer und Theodor W. Adorno, in dem sie sich 1944 darüber wunderten, wie eine aufgeklärt scheinende Menschheit sich so viel Leid antun konnte, wie es das 20. Jahrhundert bis zum Zweiten Weltkrieg erleben musste. Horkheimer und Adorno meinten zu Beginn ihrer “Philosophischen Fragmente”, das Programm der Aufklärung sei die Entzauberung der Welt gewesen, und in solch einer Welt ohne Geheimnisse habe der gefühllos gewordene Mensch zu wüten angefangen.  Ihm war schließlich nichts mehr heilig.

Nun gehört zu den Irrtümern von Sozialwissenschaftlern, von den Naturwissenschaften anzunehmen, dass sie die Geheimnisse der Dinge wegerklären, und sie nehmen bis heute nicht zur Kenntnis, dass das Gegenteil der Fall ist und wissenschaftliche Erklärungen jedes Geheimnis der Welt vertiefen. Da wird nichts ent-, dafür aber fast alles verzaubert, und tatsächlich nimmt mit dem Wissen der Menschen das Dunkel um sie herum und vor ihnen zu. Je mehr das Leben von Menschen von dem Wissen abhängt, das sie haben, desto weniger wissen sie, wie sie in Zukunft leben werden, wie Karl Popper erläutert hat. Mit anderen Worten, die schwarze Wand der Zukunft kommt näher, und wer aufmerksam die Zeitung liest, wird merken, dass uns immer mehr Dunkelheit umgibt. Der Himmel ist voller Dunkelenergie und Dunkelmaterie, das menschliche Genom steckt voller Dunkelbereiche, also voller Abschnitte, die den Genetikern völlig rätselhaft sind, das britische Fachblatt Nature weist in einer seiner letzten Ausgaben (vom 7. Februar 2019) auf eine “Dark Chemistry” hin, die paradoxerweise durch die Datenbanken zustande kommt, mit  denen versucht wird, einen Überblick über die Moleküle im “Chemischen Universum” zu finden, und einer Menschheit, deren Historiker die Gegenwart ohne die Entwicklung der Naturwissenschaften beschreiben, muss die eigene Geschichte wie ein Schwarzes Loch erscheinen.

Insgesamt kann man ein “New Dark Age” feiern, ein neuer Zeitalter der Dunkelheit, wie der Brite James Bridle in seinem Buch mit diesem Titel schreibt (London 2018), in dem klipp und klar zu lesen ist, dass das, was gedacht war, die Welt aufzuklären (zu erhellen), sie tatsächlich dunkler gemacht hat. Wie soll es auch anders sein? Mit dem Licht sieht man schließlich besser, was im Dunkel ist. Dort ist ja nicht nichts, sondern etwas, das sich zeigt, auch wenn es voller Geheimnis bleibt. Als die Aufklärung vor zweihundert Jahren zu Ende ging, kam die Romantik. Mit ihr geriet die alte Welt in Bewegung. Der neuen passiert das heute wieder. “Die Zukunft ist dunkel”, meinte Virginia Woolf bereits im Januar 1915, als in einer dunklen politischen Gegenwart, “und das ist das beste, was ihr passieren kann”, wie die Schriftstellerin hinzufügte.  Die Welt ist offen, wie damals. Die Freiheit des Menschen bleibt unbegrenzt. Der Dialektik der Aufklärung sei dank. Gehen wir auf die Dunkelheit zu und werfen unser Netz aus. Wir werden schon etwas fangen und damit anfangen.

Kommentare (28)

  1. #1 Laie
    Februar 18, 2019

    Wenn Trash-TV + Mistradio durch staatliche Förderungen und durch die Zwangsabgabe (GEZ) für alle subventioniert wird, dann werden deren Inhalte im Verhältnis zu Intelligenterem überproportional konsumiert mit der Folge einer gewissen verfinsternden geistigen Umnachtung. Warum tut sich die Leute das an? Weil sie dafür ja auch bezahlt haben? Oder es so gewollt ist?

    Ob es ohne dieser staatlichen marktverzerrenden Förderung der Verblödungsindustrie besser wäre?

  2. #2 Markus Termin
    Februar 19, 2019

    “Da wird nichts ent-, dafür aber fast alles verzaubert, und tatsächlich nimmt mit dem Wissen der Menschen das Dunkel um sie herum und vor ihnen zu.” – Seit wann ist “verzaubern” etwas Gutes? Aufgeklärte Menschen sprechen von Täuschung. Das Missverständnis: es handelt sich nicht um “Wissen” – die Aufklärung geht durchaus weiter – im aktuellen weltgeschichtlichen Moment aber ohne die “Dunkelwissenschaften”, die ihre eigene Dunkelheit zum Maßstab aller Dinge machen ziwschen “Dunkler Materie” und “Graviationswellen”.

    Aufklärung ist heute ein Projekt gegen den “positiven Materialismus”, der am Ende ist und bedauerlicherweise im Zuge seiner Verwicklung das Werkzeug, seine eigene Lage zu beurteilen, über Bord geworfen hat und dazu gespenstisch das Fest seiner Beschränktheit feiert.

  3. #3 Dr. Webbaer
    Februar 19, 2019

    Der Mensch ist heute leider in Anbetracht vieler Neuerungen überfordert, daraus ist allerdings nicht abzuleiten, dass seine, auch naturwissenschaftlichen, Vorhaben grundsätzlich in Frage gestellt werden können.
    Die Aufklärung funktioniert und ist, wie einige meinen, auch schön, die neuen Herausforderungen sind es nicht unbedingt.

    MFG
    Dr. Webbaer (der für den Aufsatz dankt und nicht gegenrednerisch war, nur ein wenig pessimistisch, die Betonung liegt auf ‘ein wenig’)

  4. #4 Dr. Webbaer
    Februar 19, 2019

    Da wird nichts ent-, dafür aber fast alles verzaubert, und tatsächlich nimmt mit dem Wissen der Menschen das Dunkel um sie herum und vor ihnen zu. [Artikeltext]

    Die Aufklärung war anfänglich dafür da zu “entzaubern”, sie hat dann im Naturwissenschaftlichen später “verzaubert”, weil die Welt sich als nicht einfach, vgl. mit der “Newtonschen Physiklehre”, herausgestellt hat.
    Es geht schon diesbezüglich alles seinen rechten Weg, ‘Materialismus’ (Herr Termin) und ‘Wissen’ (vs. Erkenntnis) werden im aufklärerischen Sinne nicht (mehr) angestrebt bzw. vertreten.

  5. #5 foobar407
    Februar 19, 2019

    Da hängt die Wissenschaft wohl etwas der Theologie hinterher. 😉

  6. #6 Dr. Webbaer
    Februar 19, 2019

    Die “moderne” Naturwissenschaft falsifiziert, sie lehnt empirisch (nicht mehr) adäquate Theoretisierung ab, auch wenn diese einen sozusagen intrinsischen Wert beibehalten könnte und dies gemerkt bleibt, sie ist skeptizistisch, falsifiziert (vs. verifiziert) und betrachtet Theoretisierung immer potentiell sozusagen mit einem (unbekannten) Verfallsdatum versehen, vgl. auch mit der szientifischen Methode, die Naturwissenschaft ist eine Methode :

    -> https://en.wikipedia.org/wiki/Scientific_method (aus irgendwelchen Gründen, über die der Schreiber dieser Zeilen an dieser Stelle nicht spekulieren möchte, gibt es in der bekannten Online-Enzyklopädie hierzu keinen d-sprachigen Inhalt, schade eigentlich)

    Festgestellt werden kann idT nur naturwissenschaftlich die empirische Inadäquatheit, mit der Theologie würde Dr. W hier nicht vergleichen wollen.


    Übrigens, vgl. mit der Newtonschen Physiklehre, ist dieser Ansatz sehr geheimnisvoll.
    Was die Naturwissenschaftlichkeit dann doch wieder sozusagen deutlich weniger geheimnisvoll macht, sind die Anwendungen, die eben naturwissenschaftlich angeleitet möglich werden.
    Die moderne skeptízistische Naturwissenschaft beweist sich so sozusagen täglich selbst.

    SCNR
    Dr. Webbaer

  7. #7 uwe hauptschueler
    Februar 19, 2019

    ““Dialektik der Aufklärung” – so lautet natürlich der berühmte Titel des
    berühmte Werks der berühmten Sozialphilosophen Max Horkheimer
    und Theodor W. Adorno, “

    Habe ich noch nichts von gehört. Mit der Berühmtheit ist es nicht so weit her. Der Fred selber erinnert mich an Reinhard Meys Lied “Zwei Hühner auf den Weg nach Vorgestern”.

  8. #8 hto
    Februar 19, 2019

    Die “Aufklärung” hat das Dunkel des zeitgeistlichen Kreislaufes des imperialistischen Faschismus deutlich gemacht / entzaubert, aber Mensch hat sich an seine Bewusstseinsschwäche in Angst, Gewalt und “Individualbewusstsein” auf stets systemrationaler Sündenbocksuche so sehr gewöhnt, dass er stets offenen Auges KAPITULIERT, vor den zauberhaften Versuchungen und den “Treuhändern” der leichtfertigen “Verantwortungslosigkeit” – so ist nichts ein Wunder oder Phänomen!?

  9. #9 Spritkopf
    Februar 20, 2019

    die ihre eigene Dunkelheit zum Maßstab aller Dinge machen ziwschen “Dunkler Materie” und “Graviationswellen”.

    Ach wie nett. Der Hausfrauenbescheißer von der Questico-Hotline hat immer noch nicht gelernt, wie man Gravitationswellen richtig schreibt, maßt sich aber dennoch an, sie vom breiten Fundament seiner naturwissenschaftlichen Unbildung herunter zu kritisieren.

    Wenn man wissen will, um was für Leute es sich handelte, die im 18. Jahrhundert mit Mistgabeln auf die ersten Ballonfahrer losgingen, muss man sich nur die verbalen Blähungen des Markus Termin anschauen.

  10. #10 tomtoo
    Februar 20, 2019

    @spritkopf
    Da bitten sich so viele Angriffspositionen, warum wählst du ausgerechnet die niedere der Rechtschreibung?

  11. #11 Spritkopf
    Februar 20, 2019

    @tomtoo
    Weil’s symptomatisch für Termins Stand der Bildung (oder vielmehr: Unbildung) ist. Er scheitert schon auf der untersten Ebene, nämlich wie die Dinger überhaupt heißen. Mehr braucht es nicht, um festzumachen, wie ignorant der Mann ist.

  12. #12 tomtoo
    Februar 20, 2019

    @spritkopf
    Du setzt also Rechtschreibung mit Bildung gleich?

  13. #13 Spritkopf
    Februar 20, 2019

    @tomtoo

    Du setzt also Rechtschreibung mit Bildung gleich?

    Nö. In diesem Fall müsste ich Legastheniker für ungebildet halten, was ich nicht tue und was sie nicht sind.

    Termins “Graviationswellen” sind ja kein Rechtschreibfehler. Er weiß einfach nicht, dass es Gravitation heißt und nicht Graviation. Diesen Fehler begeht er trotz seines sonstigen Bemühens, korrektes Deutsch zu schreiben, am laufenden Band (und so häufig, dass man daran seine Sockenpuppen erkennen kann, mit denen er auf Blogs auftritt, auf denen er nicht mehr willkommen ist).

    Vielleicht ist ihm sogar egal, ob es Gravitation, Graviation oder Gravititration heißt. Termin ist eh nur hier, um mitzuteilen, dass er Wissenschaft scheiße findet und stattdessen voll auf mittelalterlichen Aberglauben abfährt.

  14. #14 tomtoo
    Februar 20, 2019

    “… Termin ist eh nur hier, um mitzuteilen, dass er Wissenschaft scheiße findet und stattdessen voll auf mittelalterlichen Aberglauben abfährt…”
    Genau! Deswegen brauch man die Rechtschreibung da imo auch garnicht erwähnen. Die war 1215 eh anders.

  15. #15 Frank Wappler
    Februar 20, 2019

    Dr. Webbaer schrieb (#6, Februar 19, 2019):
    > Die “moderne” Naturwissenschaft falsifiziert […]

    Die Naturwissenschaft erschafft nachvollziehbare Messgrößen (in Form von Messoperatoren bzw. -verfahren);
    und deren Anwendungen (auf Versuch für Versuch gegebene Beobachtungsdaten) verschaffen ggf. Messwerte.

    Durch Vergleich mit Messwerten lassen sich Erwartungen experimentell überprüfen;
    und somit ggf. falsifizieren (oder, sofern die Erwartung nur einen bestimmten Versuch betraf, ggf. auch bestätigen).

    Dass bestimmte Erwartungen bzw. Modelle überhaupt erst aus dem (sprichwörtlichen) Ärmel gezogen werden müssen, um anschließend deren experimentelle Prüfung und eventuelle Falsifizierung bejubeln zu können, nennt man wohl “dialektisch” …

  16. #16 Laie
    Februar 21, 2019

    @Frank Wappler
    Die Methode, falsche oder fehlerhafte Modelle wieder wegzuschmeissen im schlechtesten Falle, (oder gar so zu erweitern, so dass sie “richtiger” sind,) wie in #6 beschrieben, ist ja gar nicht so schlecht – sie ist sogar gut.

    Es hilft auch den Beschäftigungsgrad in den Wissenschaften nicht zu stark absinken zu lassen.

    Vorteilhaft sind wissenschaftliche Erkenntnisse, die nicht der mühseeligen langdauernden “Trial and Error”-Versuchen unterliegen. Aber dazu bräuchte man einfach mehr Genies, die rein aus Überlegungen zu neuen und richtigen wissenschaftlichen Erkenntnissen gelangen. Wie kann das gehen in Zeiten der Aufklärung “4.0” (2.0 war gestern!)

  17. #17 Laie
    Februar 21, 2019

    @Dr. Webbaer #6 und Frank Wappler #15
    Der Schreiber dieser Zeilen ist auch ein Suchender nach wissenschaftlicher Aufklärung und scheitert daran,
    seine Fragen richtig zu stellen – um auch eine wissenschaftliche Aufklärung – auch in Zeiten “4.0” (3.0 wurde übersehen)
    wie an dieser Stelle:

    http://scienceblogs.de/sociokommunikativ/2019/02/14/sozialwissenschaften-im-gespraech-maria-schreiber/
    zu erhalten.

    Hätten die dort gestellten Fragen im aufklärerischen Sinne anders lauten sollen?

  18. #18 Frank Wappler
    Februar 22, 2019

    Laie schrieb (#16, Februar 21, 2019):
    > Die Methode, falsche oder fehlerhafte Modelle wieder wegzuschmeissen im schlechtesten Falle, (oder gar so zu erweitern, so dass sie “richtiger” sind,)

    … find ich gut!

    (Wobei sich das eventuelle “Erweitern” allerdings “Wegschmeißen des Unterkomplexen” auffassen lässt.)

    > wie in #6 beschrieben

    In Kommentar #6 finde ich allerdings keine (wortliche) Erwähnung des Begriffs “Modell“.
    (Übrigens habe ich insbesondere deshalb oben auf diesen Kommentar #6 geantwortet.)
    Dort ist stattdessen offenbar von (eventueller) “Ablehnung bzw. dem Verfall einer Theoretisierung” die Rede.

    Bärigster Anfängerfehler ??
    Oder meint der Schreiber jener Zeilen
    Theoretisierung” etwa ernsthaft im Sinne von “Modell” und ausdrücklich im Unterschied zu “Theorie” ??

  19. #19 Laie
    Februar 23, 2019

    @Frank Wappler
    Kann man ja als Synonyme sehen: Theorie = Modell und Theoretisierung = Modellenbildungen *

    Ob nun eine Theorie auch mehre Modelle beinhalten kann, und umgekehrt, ein Modell zu mehreren Theorien passt, ja auch möglich – wird aber unübersichtlich – im Extremfall ein vollständiger bipartiter Graph!

    * kleine Anspielung auf Karl Valentin mit Semmelknödel und die Mehrzahl davon: Semmelnknödeln 🙂


    Falsifizieren ist immer schön, geht fast bei jeder der sog. Wirtschaftswissenschaften, wenn Preis und Angebot irgendwo sind, sich aber trotzdem nicht treffen – oder die Nachfrage auch nicht so das Angebot formt, ich frage nach, aber es kommt kein Angebot zustande: qed.

  20. #20 Frank Wappler
    Februar 26, 2019

    Laie schrieb (#19, Februar 23, 2019):
    > Kann man ja als Synonyme sehen: Theorie = Modell und Theoretisierung = Modellenbildungen

    ???
    Man sieht doch einen “leeren Lotto-Tippschein” auch nicht als Synonym eines “ausgefüllten Lotto-Tippscheins” an;
    und wiederum nicht als Synonym eines “Lotto-Tippscheins mit angekreuztem `Sechser´-Tipp” …

    p.s.
    Nochmals zur mathematisch-systematischen Darstellung (des einfachsten Falles) des Zusammenhanges zwischen

    – “Theorie” (d.h. im einfachsten Fall: eines einzigen bestimmten, definierten und festgesetzten Messoperators \hat A) und

    – “Modell” (d.h. im einfachsten Fall: einem einzigen Vorhersagewert, \mu_{\! \hat A} \! [ \, S \, ], für ein bestimmtes/identifizierbares “Systems S" in  einem bestimmten Versuch, hinsichtlich des festgesetzten Messoperators):    Falls der Vorhersagewert des Modells <b>nicht</b> zum Wertebereich (Spektrum) des Messoperators gehört,  d.h. falls sich <b>kein</b> Satz latex \psi$ von (ggf. nur hypothetischen) Beobachtungsdaten angeben (also finden, oder zumindest denken bzw. konstruieren) lässt, für den sowohl

    \langle \psi \, | \, \psi \rangle > 0 und

    \langle \psi \, | \, (\hat A)^2 \, | \, \psi \rangle \, * \, \langle \psi \, | \, \psi \rangle = \langle \psi \, | \, \hat A \, | \, \psi \rangle \, * \, \langle \psi \, | \, \hat A \, | \, \psi \rangle

    sowie

    \langle \psi \, | \, \hat A \, | \, \psi \rangle = \mu_{\! \hat A} \! [ \, S \, ] \, * \, \langle \psi \, | \, \psi \rangle

    gilt, dann ist dieses Modell nicht falsifizierbar (gewesen).

    Ansonsten lassen sich die folgenden Fälle unterscheiden:

    Falls keine Beobachtungsdaten vorliegen, d.h. formal falls

    \langle \psi \, | \, \psi \rangle = 0,

    dann war der Versuch nicht auswertbar (sofern er überhaupt stattfand bzw. sofern das “Systems S", auf das sich das Modell bezieht, überhaupt bestimmbar/identifizierbar war) und ein Test des Modells deshalb nicht durchführbar.    Andernfalls waren die gegebenen/gesammelten Beobachtungsdaten spezifisch für das in Betracht stehende System im betreffenden Versuch; d.h.    latex \psi := \psi_S$ und

    \langle \psi_S \, | \, \psi_S \rangle > 0.

    Hinsichtlich dieser gegebenen Beobachtungsdaten lässt sich die “Gültigkeit” des betreffenden Versuchs beurteilen:

    Falls sich aus diesen Beobachtungsdaten \psi_S kein (reell-wertiger) Messwert hinsichtlich des festgesetzten Messoperators \hat A ermitteln lässt, d.h. falls insbesondere

    \langle \psi_S \, | \, (\hat A)^2 \, | \, \psi_S \rangle \, * \, \langle \psi_S \, | \, \psi_S \rangle \ne \langle \psi_S \, | \, \hat A \, | \, \psi_S \rangle \, * \, \langle \psi_S \, | \, \hat A \, | \, \psi_S \rangle,

    dann war dieser Versuch nicht “gültig” bzw. System S nicht “geeignet präpariert” und ein Test des Modells deshalb nicht durchführbar.

    Andernfalls ließ sich aus den gegebenen Beobachtungsdaten ein Messwert ermitteln, formal:

    a_j := \langle \psi_S \, | \, \hat A \, | \, \psi_S \rangle \, / \, \langle \psi_S \, | \, \psi_S \rangle.

    Hinsichtlich dieses Messwerts lässt sich das Modell testen:

    Falls Messwert und Vorhersagewert ungleich waren, dann war (und bleibt) das beschriebene Modell falsch.

    Andernfalls war (und bleibt) das beschriebene Modell richtig.
    (In anderen, typischeren, komplizierteren Fällen beinhalten Modelle jedoch auch Vorhersagewerte für viele oder sogar alle eventuell noch folgende gültige Versuche;
    Schlussfolgerungen bzw. Aussagen hinsichtlich der eventuellen “Richtigkeit” solcher Modelle verstehen sich dann als lediglich vorläufig bzw. unter Vorbehalt.)

  21. #21 Frank Wappler
    Februar 26, 2019

    Laie schrieb (#19, Februar 23, 2019):
    > Kann man ja als Synonyme sehen: Theorie = Modell und Theoretisierung = Modellenbildungen

    ???
    Man sieht doch einen “leeren Lotto-Tippschein
    auch nicht als Synonym eines “ausgefüllten Lotto-Tippscheins” an; und wiederum
    nicht als Synonym eines “Lotto-Tippscheins mit angekreuztem `Sechser´-Tipp” …

    p.s.
    Nochmals zur mathematisch-systematischen Darstellung (des einfachsten Falles) des Zusammenhanges zwischen

    – “Theorie” (d.h. im einfachsten Fall: eines einzigen bestimmten, definierten und festgesetzten Messoperators \hat A) und

    – “Modell” (d.h. im einfachsten Fall: einem einzigen Vorhersagewert, \mu_{\! \hat A} \! [ \, S \, ], für ein bestimmtes/identifizierbares “System S” in einem bestimmten Versuch, hinsichtlich des festgesetzten Messoperators):

    Falls der Vorhersagewert des Modells nicht zum Wertebereich (Spektrum) des Messoperators gehört,
    d.h. falls sich kein Satz \psi von (ggf. nur hypothetischen) Beobachtungsdaten angeben (also finden, oder zumindest denken bzw. konstruieren) lässt, für den sowohl

    \langle \psi \, | \, \psi \rangle > 0

    und

    \langle \psi \, | \, (\hat A)^2 \, | \, \psi \rangle \, * \, \langle \psi \, | \, \psi \rangle = \langle \psi \, | \, \hat A \, | \, \psi \rangle \, * \, \langle \psi \, | \, \hat A \, | \, \psi \rangle

    als auch

    \langle \psi \, | \, \hat A \, | \, \psi \rangle = \mu_{\hat A}[ \, S \, ] \, * \, (\langle \psi \, | \, \psi \rangle)

    gilt, dann ist dieses Modell nicht falsifizierbar (gewesen).

    Ansonsten lassen sich die folgenden Fälle unterscheiden:

    Falls keine Beobachtungsdaten vorliegen, d.h. formal falls

    \langle \psi \, | \, \psi \rangle = 0,

    dann war der Versuch nicht auswertbar (sofern er überhaupt stattfand bzw. sofern das “System S“, auf das sich das Modell bezieht, überhaupt bestimmbar/identifizierbar war) und ein Test des Modells deshalb nicht durchführbar.

    Andernfalls waren die gegebenen/gesammelten Beobachtungsdaten spezifisch für das in Betracht stehende System im betreffenden Versuch; d.h.

    \psi := \psi_S und

    \langle \psi_S \, | \, \psi_S \rangle > 0.

    Hinsichtlich dieser gegebenen Beobachtungsdaten lässt sich die “Gültigkeit” des betreffenden Versuchs beurteilen:

    Falls sich aus diesen Beobachtungsdaten \psi_S kein (reell-wertiger) Messwert hinsichtlich des festgesetzten Messoperators \hat A ermitteln lässt, d.h. falls insbesondere

    \langle \psi_S \, | \, (\hat A)^2 \, | \, \psi_S \rangle \, * \, \langle \psi_S \, | \, \psi_S \rangle \ne \langle \psi_S \, | \, \hat A \, | \, \psi_S \rangle \, * \, \langle \psi_S \, | \, \hat A \, | \, \psi_S \rangle,

    dann war dieser Versuch nicht “gültig” bzw. System S nicht “geeignet präpariert” und ein Test des Modells deshalb nicht durchführbar.

    Andernfalls ließ sich aus den gegebenen Beobachtungsdaten ein Messwert ermitteln, formal:

    a_j := \langle \psi_S \, | \, \hat A \, | \, \psi_S \rangle \, / \, \langle \psi_S \, | \, \psi_S \rangle.

    Hinsichtlich dieses Messwerts lässt sich das Modell testen:

    Falls Messwert und Vorhersagewert ungleich waren, dann war (und bleibt) das beschriebene Modell falsch.

    Andernfalls war (und bleibt) das beschriebene Modell richtig.
    (In anderen, typischeren, komplizierteren Fällen beinhalten Modelle jedoch auch Vorhersagewerte für viele oder sogar alle eventuell noch folgende gültige Versuche;
    Schlussfolgerungen bzw. Aussagen hinsichtlich der eventuellen “Richtigkeit” solcher Modelle verstehen sich dann als lediglich vorläufig bzw. unter Vorbehalt.)

  22. #22 Laie
    Februar 26, 2019

    Frank Wappler

    Es ist die Frage, ob man nun im metaphorischen Sinne einen Begriff meint,
    oder direkt im jeweiligen Fachbereich, oder eine Form, die sowohl den einen, als auch den anderen Charakter in Form einer Kompostion.

    Übertragen auf die Realität ist die Angabe von Beispielen, mit denen ein allgemeines theoretischen Modell anwendet, hilfreich.
    So wie ihr Beispiel des Lottoscheines.

    z.B. = Lottoschein als Modell (1)
    Ausgefüllter Lottoschein = Belegung des Lottoscheins mit konkreter Zuweisung der Variablen (2)
    Gewonnener Lottsochein = Ausgefüllter Lottoschein mit der Zusatzbedingung, die Werte der Ziehung zu besitzen. (3a)

    Wir sehen, hier drei Hierarchiestufen (1,2,3a)

    Bei mathematisch Eindeutigem ist da ja alles sehr einfach zu finden und formalisieren – da sind Sie immer im sicheren/abgesicherten Bereich.

    Doch es geht um höhere Erkenntnis, abseits der gewohnten und vertrauten Messwerte, mit vertrauten Messverfahren – es geht um Aufklärung 2.0 oder
    höherer Ordnung. (Die Industrie hat es ja viel leichter, ist schon bei 4.0 angelangt – Technik = easy)

    Also: Wie steht es um die sog. “Geisteswissenschaften”, die ja meinen die Welt besser zu verstehen (zu können, wollen, dürfen, sollen)?

    Beispiel: “Warum gewinne ich nicht im Lotto, ‘es stünde mir zu’?”. (Ab dem Zusatz nach dem Beistrich fangen in diesem Modell die Geisteswissenschaften an.
    (Die Antwort ist hier keine Wahrscheinlichkeit, sondern irgendwas mit soziökonomisch irgendwas, Wohlstand oder so, k.a.)

    Es gibt jedenfalls viel schwierigere Beispiele, um die sich die sog. Geisterwissenschaften, zu der auch wohl die Sozialwissenschaften gehören,
    bemühen. Es geht ja um Aufklärung! Aufklärung durch den Geist.

    Z.B. in
    http://scienceblogs.de/sociokommunikativ/2019/02/14/sozialwissenschaften-im-gespraech-maria-schreiber/#comment-2595

    Könnten Sie was dort so steht denn in ein schönes Modell bringen?
    (Mir scheint noch die dazu nötige Kapazität zu fehlen, und suche händeringed um fachkräftige Unterstützung).

    Konkrete Frage: “Was bedeutet medial inkompetent” ?
    Mit den Folgefragen, welche Konsequenzen hat mediale Inkompetenz, wie kann man das therapieren und messen?

    Und wie sieht ein Modell dazu aus?

  23. #23 Laie
    Februar 26, 2019

    Haha, medial inkompetent, wurde gerade selbst getätigt … bitte den obigen Link durch den folgenden austauschen.

    (Es geht ja nicht um meinen Post, sondern um den Blogbeitrag selbst)

    http://scienceblogs.de/sociokommunikativ/2019/02/14/sozialwissenschaften-im-gespraech-maria-schreiber/

  24. #24 Frank Wappler
    Februar 28, 2019

    Laie schrieb (#22/#23, Februar 26, 2019):
    > […] Hierarchiestufen […]

    Die kann und will ich nicht bestreiten.
    Mir geht es darum zu systematisieren, wie die (im Treppenbau fachsprachlich so genannte) “Steigung” jeweils von einer Stufe zur “nächsten” überhaupt überwunden werden kann; insbesondere zum allerersten Mal, und dann wahlweise auch wiederholt/iterativ. Und dazu empfehle ich das folgende “Schema”:

    Zunächst:

    (A) Theorie — definieren und festsetzen einer Messgröße als Messoperator;

    Danach:

    (B.M) Modell — auswählen eines einzelnen Vorhersagewertes aus dem Wertebereich des festgesetzten Messoperators;

    sowie (unabhängig von (B.M))

    (B.D) Versuch — sammeln/sichten von hinreichenden Beobachtungsdaten (die geeignet sind, um den Messoperator darauf anzuwenden und dadurch einen bestimmten Messwert zu ermitteln).

    Anschließend bzw. “in Tateinheit” mit dem Abschluss von (B.D):

    (D) Messung — anwenden des festgesetzten Messoperators auf (hinreichende, geeignete) Beobachtungsdaten, so dass ein bestimmter Messwert resultiert.

    Schließlich:

    (E) Test des Modells — vergleichen des Vorhersagewertes aus (B.M) mit dem Messwert aus (D).

    Außerdem (optional):

    (F) Standard-Iteration — wiederholen von (B.M), wahlweise unter Berücksichtigung schon vorhandener Messwerte aus vorausgegangenen Iterationen von (D), sowie wiederholen von (B.D)/(D). Zusammenfassung aller bisherigen Messwerte (einschl. der Erwartung, dass “es so weitergeht”) als “Standard-Modell”;

    bzw.

    (G) revolutionäre Iteration — wiederholen von (A), wahlweise unter Berücksichtigung bzw. Zugrundelegung von Theorien aus vorausgegangenen Iterationen von (A), usw.

    > Bei mathematisch Eindeutigem ist da ja alles sehr einfach zu finden und formalisieren – da sind Sie immer im sicheren/abgesicherten Bereich. Doch es geht um höhere Erkenntnis, abseits der gewohnten und vertrauten Messwerte, mit vertrauten Messverfahren – es geht um Aufklärung 2.0 […]

    Das ist (für mich) ein klarer Fall von: (… Fortsetzung folgt.)

  25. #25 Frank Wappler
    Februar 28, 2019

    Laie schrieb (#22/#23, Februar 26, 2019):
    > […] Bei mathematisch Eindeutigem ist da ja alles sehr einfach zu finden und formalisieren – da sind Sie immer im sicheren/abgesicherten Bereich. Doch es geht um höhere Erkenntnis, abseits der gewohnten und vertrauten Messwerte, mit vertrauten Messverfahren – es geht um Aufklärung 2.0 […]

    Das ist (für mich) ein klarer Fall von:

    §1 Der Chef hat immer recht.
    §2 Falls der Chef mal nicht recht hat, dann siehe §1.

    In anderen Worten: Ich versuche jedenfalls, mathematisch Eindeutiges bzw. operativ Nachvollziehbares zu finden und hervorzuheben. (Eine entsprechende Schublade findet sich vermutlich unter Stichwort “Reduktionismus”.) Zum Beispiel:

    > […]sociokommunikativ/2019/02/14/sozialwissenschaften-im-gespraech-maria-schreiber/
    > Könnten Sie was dort so steht denn in ein schönes Modell bringen?

    Um überhaupt irgendein Modell präsentieren zu können, also mindestens einen bestimmten Vorhersagewert einer bestimmten Messgröße (und nicht “einfach nur” einen bestimmten Reelle-Zahlen-Wert, oder “einfach nur” einen Booleschen Wert),
    muss (“natürlich”, vgl. “§1”) zunächst eine bestimmte Theorie, also mindestens eine bestimmte Messgröße als Messoperator definiert und festgesetzt sein.

    Aus dem oben (#23) verlinkten ScienceBlogs-Beitrag möchte ich (dafür, beispielhaft) die folgende Thematik und Fragestellung auswählen und mathematisch/physikalisch/nachvollziehbar konkretisieren:

    […] So kam ich zu meinem Thema „Digitale Bildpraktiken. Handlungsdimensionen visueller, vernetzter Kommunikation.“ […] Im Kontext von Bildern geht es vor allem um die Fragestellungen: Welche Bilder sind manipuliert oder gephotoshopped. […] Und wem glauben wir oder wem glauben wir nicht?

    Gegeben sei ein Aufnehmer A und ein Betrachter B von “digitalen Bildern“, die jedes (aufgenommenen und in Betracht stehende) “digitale Bild” (P_k, k = 1 … n \in \mathbb N) folgendermaßen beurteilen:

    A beurteilt (anhand der eigenen Wahrnehmungen “vom Aufnehmen” bis zum “Bereitstellen für B“), ob P_k durch “photoshopping derart manipuliert” wurde, dass es deswegen “(für A) unglaubhaft” ist, oder nicht, und erstellt die entsprechenden Beobachtungsdaten

    a_k = \begin{cases} -1, & \text{ falls } \mathsf{ unglaubhaft}_A[ \, P_k \, ] \cr +1 & \text{ falls } \mathsf{ nicht unglaubhaft}_A[ \, P_k \, ] \cr 0 & \text{ ansonsten (unbestimmt) } \end{cases} .

    Und A beurteilt (anhand der eigenen Wahrnehmungen jedes von A bereitgestellten “digitalen Bildes“), ob P_k “(für A) unglaubhaft” ist, oder nicht, und erstellt die entsprechenden Beobachtungsdaten

    b_k = \begin{cases} -1, & \text{ falls } \mathsf{ unglaubhaft}_B[ \, P_k \, ] \cr +1 & \text{ falls } \mathsf{ nicht unglaubhaft}_B[ \, P_k \, ] \cr 0 & \text{ ansonsten (unbestimmt) } \end{cases} .

    Als Messgröße/Messoperator zur Anwendung auf solche Sätze von Beobachtungsdaten sei z.B. “die Gutgläubigkeit von B bzgl. n von A aufgenommenen und bereitgestellten digitalen Bildern” definiert als

    \mathfrak G^{(n)}_B[ \, A \, ] := \left( \sum_{k = 1}^n[ \, (1 - a_k) \, * \, (1 + b_k) - (1 + a_k) \, * \, (1 - b_k) \, ] \right) \, / \, (4 \, n).

    Ein (konkretes, falsifizerbares, recht einfaches) Modell auf dieser Grundlage wäre dann z.B.:
    “Meine Gutgläubigkeit hinsichtlich der nächsten 10 von Dir aufgenommenen und mir bereitgestellten digitalen Bilder wird \mathfrak G^{(10)}_{\text{(Frank Wappler)}}[ \, \text{Laie} \, ] = 0.2 sein.”

    p.s.
    > […] Konkrete Frage: “Was bedeutet medial inkompetent” ?

    Offenbar sollen Messungen von “Kompetenz” auf Bewertungen von “Fähigkeit” bzw. “Fertigkeit” und von “Bereitschaft” hinauslaufen.
    Sicherlich lassen sich auch diese wiederum zunächst als Messgrößen definieren …

  26. #26 Frank Wappler
    März 1, 2019

    Laie schrieb (#22/#23, Februar 26, 2019):
    > […] Bei mathematisch Eindeutigem ist da ja alles sehr einfach zu finden und formalisieren – da sind Sie immer im sicheren/abgesicherten Bereich. Doch es geht um höhere Erkenntnis, abseits der gewohnten und vertrauten Messwerte, mit vertrauten Messverfahren – es geht um Aufklärung 2.0 […]

    Das ist (für mich) ein klarer Fall von:

    §1 Der Chef hat immer recht.
    §2 Falls der Chef mal nicht recht hat, dann siehe §1.

    In anderen Worten: Ich versuche jedenfalls, mathematisch Eindeutiges bzw. operativ Nachvollziehbares zu finden und hervorzuheben. (Eine entsprechende Schublade findet sich vermutlich unter Stichwort “Reduktionismus”.) Zum Beispiel:

    > […]sociokommunikativ/2019/02/14/sozialwissenschaften-im-gespraech-maria-schreiber/
    > Könnten Sie was dort so steht denn in ein schönes Modell bringen?

    Um überhaupt irgendein Modell präsentieren zu können, also mindestens einen bestimmten Vorhersagewert einer bestimmten Messgröße (und nicht “einfach nur” einen bestimmten Reelle-Zahlen-Wert, oder “einfach nur” einen Booleschen Wert),
    muss (“natürlich”, vgl. “§1”) zunächst eine bestimmte Theorie, also mindestens eine bestimmte Messgröße als Messoperator definiert und festgesetzt sein.

    Aus dem oben (#23) verlinkten ScienceBlogs-Beitrag möchte ich (dafür, beispielhaft) die folgende Thematik und Fragestellung auswählen und mathematisch/physikalisch/nachvollziehbar konkretisieren:

    […] So kam ich zu meinem Thema „Digitale Bildpraktiken. Handlungsdimensionen visueller, vernetzter Kommunikation.“ […] Im Kontext von Bildern geht es vor allem um die Fragestellungen: Welche Bilder sind manipuliert oder gephotoshopped. […] Und wem glauben wir oder wem glauben wir nicht?

    Gegeben sei ein Aufnehmer A und ein Betrachter B von “digitalen Bildern“, die jedes (aufgenommenen und in Betracht stehende) “digitale Bild” (P_k, \, k \, = 1 ... n \, \in \, \mathbb N) folgendermaßen beurteilen:

    A beurteilt (anhand der eigenen Wahrnehmungen “vom Aufnehmen” bis zum “Bereitstellen für B“), ob P_k durch “photoshopping derart manipuliert” wurde, dass es deswegen “(für A) unglaubhaft” ist, oder nicht, und erstellt die entsprechenden Beobachtungsdaten

    a_k = \begin{cases} -1, & \text{ falls } \mathsf{ unglaubhaft}_A[ \, P_k \, ] \cr +1 & \text{ falls } \mathsf{ nicht \, unglaubhaft}_A[ \, P_k \, ] \cr 0 & \text{ ansonsten (unbestimmt) } \end{cases} .

    Und B beurteilt (anhand der eigenen Wahrnehmungen jedes von A bereitgestellten “digitalen Bildes“), ob P_k “(für B) unglaubhaft” ist, oder nicht, und erstellt die entsprechenden Beobachtungsdaten

    b_k = \begin{cases} -1, & \text{ falls } \mathsf{ unglaubhaft}_B[ \, P_k \, ] \cr +1 & \text{ falls } \mathsf{ nicht \, unglaubhaft}_B[ \, P_k \, ] \cr 0 & \text{ ansonsten (unbestimmt) } \end{cases} .

    Als Messgröße/Messoperator zur Anwendung auf solche Sätze von Beobachtungsdaten sei z.B. “die Gutgläubigkeit von B bzgl. n von A aufgenommenen und bereitgestellten digitalen Bildern” definiert als

    \mathfrak G^{(n)}_B[ \, A \, ] := \left( \sum_{k = 1}^n[ \, (1 - a_k) \, * \, (1 + b_k) - (1 + a_k) \, * \, (1 - b_k) \, ] \right) \, / \, (4 \, n).

    Ein (konkretes, falsifizerbares, recht einfaches) Modell auf dieser Grundlage wäre dann z.B.:
    “Meine Gutgläubigkeit hinsichtlich der nächsten 10 von Dir aufgenommenen und mir bereitgestellten digitalen Bilder wird \mathfrak G^{(10)}_{\text{(Frank Wappler)}}[ \, \text{Laie} \, ] = 0.2 sein.”

    p.s.
    > […] Konkrete Frage: “Was bedeutet medial inkompetent” ?

    Offenbar sollen Messungen von “Kompetenz” auf Bewertungen von “Fähigkeit” bzw. “Fertigkeit” und von “Bereitschaft” hinauslaufen.
    Sicherlich lassen sich auch diese wiederum zunächst als Messgrößen definieren …

  27. #27 Dr. Webbaer
    dr.w@mail.com
    März 1, 2019

    Kommentatorenfreund “Frank Wappler”, Dr. W notiert gerne Ihre kommentarischen kleinen Nachrichten, Dr. W ergänzt hierzu gerne :

    Dass bestimmte Erwartungen bzw. Modelle überhaupt erst aus dem (sprichwörtlichen) Ärmel gezogen werden müssen, um anschließend deren experimentelle Prüfung und eventuelle Falsifizierung bejubeln zu können, nennt man wohl “dialektisch” …

    Kausalität zu bilden obliegt dem dazu, erst einmal rein sprachlich befugten Erkenntnissubjekt, dem zur Erkenntnis befugten Subjekt; dem hier, dem viele gleichen oder zumindest ähneln, ist es wohl nicht, wie Dr. W findet.

    Sie müssen sich hier nicht i.p. Notation gänzlich enthemmt austoben, Dr. W hat sich längst notiert, dass Sie “speziell” sind.

    Wie auch nicht un-blöde.

    Dr. W nagt insofern zuvörderst, wenn auch eher randseitg am hiesigen werten Inhaltegeber herum, den er schätzt, Dr. W auch schon ein wenig älter sein.

    Das Web meint die Menge, an Randseitigkeiten muss sich nicht festgehalten werden, auch Dr. W ist sicherlich irgendwie “speziell”.

    MFG
    Dr. Webbaer

  28. #28 Laie
    März 1, 2019

    @Frank Wappler,
    danke für die aus führlichen Antworten in #24, #25, 26#
    es ist ja wichtig vorher die Begriffe zu klären, um so zu sagen eine gemeinsame Ausgangsbasis zu haben.

    Es geht also doch, das Geistes Wissenschaftliche in einen verständlichen Formalen Rahmen zu bringen.
    Mir scheint Ihr Modell noch Ausbau fähig, es fehlen noch die zeitliche Modellierung oder Berücksichtigung der Betrachtungsdauer der Photo geschoppten Bilder, die wohl einen Mass geblichen Ein Fluss auf die Bewertung der ak’s bk’s etc ergibt.

    Fuzzi Logik wäre ev. auch gut, um so etwas an Über Gangs Bereichs Bewertungen rein zu bringen.

    Wahrscheinlich können wir das eh alles in der Arbeit von Frau Dr. Schreiber nachlesen – man müsste in das zu gehörige PDF ein sehen.

    P.S.:
    Da nach §1 der Chef immer recht hat, kann §2 nicht zutreffen, oder §1 wäre falsch.

    @Dr. Webbaer
    Es ist schwer, die verschiedenen Fachkompetenzen zusammen zu bringen.
    Ein Versuch war es wert – weil die Geisteswissenschaften von mir selbst wie von Odie die Welt gesehen wird – unabsichtlich.
    Der Gedanke über eine ordentliche Formalisierung, die Frank Wappler ja kann, einen Zugang zu finden – ja das könnte gehen.
    Sonst besteht ja die Gefahr, dass die einen nicht mehr verstehen, was die anderen so erfroscht haben.

    Als Team Coach wäre ich gerne bereit in einer Diskussionsrunde die beteiligten Fachbereiche zusammen zu bringen, um dann zu sehen, in wie weit sie sich er gänzen. 🙂

    Abseits von diesem spassigem Versuch … schliesse ich mich dem an, was in Ihrem Beitrag #6 steht, das entspricht auch meiner Auffassung.