Vor 100 Jahren wurde in London Rosalind Franklin geboren, und falls jemand sich an den Namen dieser Frau erinnert, wird ihr oder ihm wahrscheinlich zuerst einmal einfallen, woran sie gescheitert ist und was sie nicht bekommen hat. Nicht bekommen hat die den Nobelpreis für Medizin, der 1962 unter anderem an James Watson und Francis Crick für ihren Vorschlag ging, die Struktur der Erbmaterials, also des Stoffs, aus dem die Gene sind, als Doppelhelix aufzufassen. Rosalind Franklins Name taucht in diesem Zusammenhang auf, weil ihr und einem ihrer Mitarbeiter die Röntgenaufnahme der chemischen Substanz DNA gelungen ist, aus deren Formen Watson und Crick die Struktur ableiten konnten. Vielleicht hätte Franklin doch den Nobelpreis bekommen und mit dem Duo teilen können, wenn sie nicht bereits 1957 einer Krebserkrankung zum Opfer gefallen wäre, aber wenn man darüber aus Gelegenheit ihres 100sten Geburtstag nachgedacht hat, kann man endlich anfangen, ihre Leistungen aufzuzählen. Sie hat in sehr jungen Jahren die Porosität von Kohle untersucht, um das schwarze Öl besser verbrennen zu können und um damit Filter für Gasmasken zu verbessern. Sie hat danach sich Viren zugewandt, um deren Strukturen zu erfassen und um mit dieser Kenntnis therapeutische Gegenmaßnahmen zu entwickeln. Im Jahre nach ihrem Tod haben zwei Biochemiker zeigen können, wie das Polio Virus aussieht, was einem von ihnen 1982 den Nobelpreis für Chemie eingebracht hat. Rosalind Franklin hat ein mutiges Leben für die Wissenschaft geführt und ihren Mitmenschen ein großes Vermächtnis hinterlassen. Sie wollte ihre Wissenschaft für die Gesellschaft umsetzen, die die Gelegenheit verpasst hat, sich zu ihren Lebzeiten zu bedanken. Jetzt ist Gelegenheit, dies nachzuholen.

Kommentare (3)

  1. #1 Beobachter
    Juli 31, 2020

    Danke für den Beitrag – für mich eine gute Anregung, genauer hin-/nachzusehen bzgl. der Person Rosalind Franklins und auch bzgl. “Frauen in der Wissenschaft”.

    Dazu gibt es einen (wörtlich zu nehmend) ausgezeichneten und ausführlichen Wikipedia-Artikel:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Rosalind_Franklin

    In gewisser Weise ist darin auch besonders der “Die “dark lady” der DNA” – Abschnitt lesenswert.

    Es ist zu vermuten, dass es auch heute noch Frauen in den (Natur)Wissenschaften bedeutend schwerer haben als ihre männlichen Kollegen …

  2. #2 Beobachter
    Juli 31, 2020

    Nachtrag:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Rosalind_Franklin#Die_%E2%80%9Edark_lady%E2%80%9C_der_DNA

    ” … Trotzdem beschrieb er (Anm.: Watson) Franklin, die er in seinem Buch stets herablassend mit dem Namen „Rosy“ bezeichnete – einem Kosenamen, den sie zeitlebens strikt abgelehnt hatte –, mit folgenden Worten:

    „Sie tat nichts, um ihre weiblichen Eigenschaften zu unterstreichen. Trotz ihrer scharfen Züge war sie nicht unattraktiv, und sie wäre sogar hinreißend gewesen, hätte sie auch nur das geringste Interesse für ihre Kleidung gezeigt. Das tat sie nicht. Nicht einmal einen Lippenstift, dessen Farbe vielleicht mit ihrem glatten schwarzen Haar kontrastiert hätte, benutzte sie, und mit ihren einunddreißig Jahren trug sie so phantasielose Kleider wie nur irgendein blaustrümpfiger englischer Teenager. Insofern konnte man sich Rosy gut als das Produkt einer unbefriedigten Mutter vorstellen, die es für überaus wünschenswert hielt, dass intelligente Mädchen Berufe erlernten, die sie vor der Heirat mit langweiligen Männern bewahrten.“
    … “