Gerade habe ich live auf Phoenix die Rücktritts-Pressekonferenz der hannoveranischen Landesbischöfin und EKD-Ratsvorsitzenden Dr. Margot Käßmann gesehen…

Die ganze Erklärung von Margot Käßmann

Vorschaubild für Margot Käßmann.jpeg
Foto: Wikipedia GNU-Lizenz 2010.


…In der deutschen Geschichte ist der Rücktritt eines kirchlichen Würdenträgers wegen einer Autofahrt unter Alkoholeinfluss (Verkehrsdelikt mit 1,54 Promille) vom vergangenen Samstag einmalig. Margot Käßmann hat trotzdem mit ihrer Begründung Maßstäbe gesetzt, da sie wegen des „schweren Fehlers, den ich zutiefst bereue” ihre Ämter als Bischöfin und Ratsvorsitzende der EKD, ihre Autorität und besonders ihre persönliche Überzeugungskraft beschädigt sah. Nun will sie wieder als einfache Pastorin arbeiten und geht mit dem Bibelspruch „Du kannst nicht tiefer fallen, als in Gottes Hand.” Damit hat sie ihre persönliche Würde und Freiheit gewahrt. Ich bin gespannt, welche Folgen dieser unerwartete und besondere Rücktritt für die politische Kultur in Deutschland haben wird. Ich hatte diesen nicht erwartet, zumal aus ethisch-moralischen Gründen ganz andere „Personen der Zeitgeschichte” sofort ihren Hut nehmen müssten.

Kommentare (49)

  1. #1 Claus Bunks
    Februar 24, 2010

    Frau Margot Käßmann ist eine Lichtgestalt im Nebel der evang. Kirche. Nobody is perfect. Eine aufrichtige Person. Ich würde mir wünschen, wenn der eine oder andere Poliker so konsequent mit seinen Fehlern umgehen würde, aber da können wir wohl lange warten. Schade wir werden sie in diesem Amt vermissen vermissen und hoffen, dass sie in Gottes Hand fällt.

  2. #2 Yasin Kollmer
    Februar 24, 2010

    Vor der Frau, der Person Margot Käßmann habe ich nun wirklich Hochachtung. Ich hätte einen so entschlossenen Rücktritt nicht erwartet, und insgeheim hatte ich gehofft das ein Rücktritt ausgeschlossen ist. Denn gerade die Frau Käßmann brachte wirklich frischen Wind in eine teilweis verstaubte Kirche. Und Sie wird wohl den meisten Gläubigen fehlen.
    Es stimmt schon auch das viele in Deutschland bei teilweise größeren Ungereimtheiten zurücktreten sollten z.B. Dienstwagenaffäre und zig andere Sachen. Aber in der Politik wird nicht soviel Rückgrat bewiesen. Gerade aus diesem Grund habe ich höchsten Respekt vor Frau Margot Käßmann, und ich finde es Schade das Sie nicht mehr in Ihren Ämtern tätig ist.

  3. #3 Deppe, Walter
    Februar 24, 2010

    Ich schließe mich den Vorkommentaren an. Frau Margot Käßmann soll per Volksentscheid in ihren Ämtern bleiben. Sie hat Martin Luther gelebt, wir haben nichts Besseres ! Eine Unterschriftenliste wäre einzurichten !

  4. #4 Gottfried Burkhardt
    Februar 24, 2010

    Frau Käßmann hat ihren Rücktritt erklärt. Auch als einfache Pfarrerin wird sie sich
    einem kirchrechtlichen Verfahren stellen müssen, wie alle anderen Bediensteten auch. Hier ist der genaue Ablauf des Abends zur klären.
    Sollte es sich um eine „halbamtliche“ feucht-fröhliche Geburtstagsrunde oder gar um einen Leichenschmaus gehandelt haben, wird man die Sache einigermaßen milde beurteilen können. In diesem Falle stellt sich allerdings die Frage, warum niemand die Fahrt verhindert hat, denn es ist eher unwahrscheinlich, dass alle Personen zuviel getrunken haben.
    Was wirklich an jenem Abend geschehen ist (Trinkbeginn / Mitzecher / „Tatort“ ) wird die Öffentlichkeit wohl nie erfahren. Das ist auch gut so, denn die Würfel sind gefallen. Der Vorgang betrifft offensichtlich die Privatsphäre der Ex-Bischöfin. Man kann nur spekulieren. Das bringt aber nichts.

  5. #5 Detlef Köcher
    Februar 24, 2010

    ich kann mich den Vorkommentatoren nur anschließen.

    Eine tolle, charakterstarke Frau, von denen wir in Politik und (katholischer) Kirche mehr brauchen, um das Land nach vorne zu bringen.

    Aber leider bleiben uns die, die etwas verändern könnten, nicht erhalten und übrig bleibt, wie überall, der Schrott, der sich opportunistisch durchlaviert.

  6. #6 pogobi
    Februar 24, 2010

    Die Dienstwagenaffäre soll schlimmer sein als total betrunken Auto zu fahren!? Alkohol am Steuer, da hört für mich der Spaß auf. Und wir reden hier nicht von einem Bier zuviel, wir reden hier von ca. einem Lieter Wein zuviel.

  7. #7 Alexander Falke
    Februar 24, 2010

    Die Kretins in der deutschen Politik sollten sich ein Beispiel nehmen an dieser aufrichtigen Frau!!! Eine Margot Käßmann ist mehr wert als 100 Politiker ALLER Parteien die lügen, betrügen und das Volk “verar…..” und wenn sie erwischt werden leugnen, abstreiten und erst nach vielen Ausschüssen etc. das zugeben was letztlich bewiesen wurde. Jüngstes Beispiel: ein Ministerpräsident der “natürlich” nicht davon wußte, das er als Gesprächspartner “verkauft” wurde. Statt Rücktritt, der Sturz des Generalsekretärs, wohl abgefedert, also ein Bauernopfer und wieder mal eine LÜGE eines deutschen Politikers.
    Liebe Frau Käßmann, sollten Sie diese Zeilen lesen, ich bezeuge Ihnen meinen größten Respekt und hoffe und wünsche von ganzem Herzen das Sie weiter machen!
    “Eine” Verfehlung, verurteilendswert sicherlich, aber gemessen an dem Augiasstall der sich Bundestag nennt, ein nichts!!!
    Hochachtungsvoll (im Sinne des Wortes)
    Alexander Falke

  8. #8 Webbaer
    Februar 24, 2010

    Die Moralinsäuerlichkeit hat eben auch Wirkungen auf die eigene Karriere, das wird oft vergessen, das Überfahren einer roten Ampel bei Rot und einem Alkoholspiegel von 1,54o/oo hat nun einmal Belegcharakter. Heuchlerei also, nicht einmal ein aus kässmännerischer Sicht ethisch zweifelhaft aufgestellter Webbaer würde besoffen Autofahren und andere Menschenleben riskieren.

  9. #9 finker
    Februar 24, 2010

    wie viele trunkenheitsfahrten muss jemand fahren bis er erwischt wird? keiner glaubt doch ernsthaft, dass es ihre erste fahrt nach allzu üppigem rotwein-genuss war…das erste mal mit alkohol am steuer und direkt erwischt? da hatte aber dann wohl gott seine hand im spiel…wie oft ist sie wohl morgens mit ‘nem dicken kopp augewacht und wusste sie is’ gestern abend mit zuviel intus noch nach hause gefahren? und??? keine gewissensbisse?! kein hinterfragen der eigenen moral(-predigten)? kein rücktritt?
    sie ist nun geschockt über sich selbst? ja, dumm…sonst hat’s immer geklappt…da standen die bullen inner anderen straße…
    und dann noch zwischen aschermittwoch und ostern…tststs
    wer sich aufspielt mit der hand auf der bibel den leuten “geistige führung” zu geben fällt sehr tief…
    die frau hätte nicht zurücktreten müssen…sie hätte die öffentlichkeit dran teilhaben lassen sollen: an der mpu

  10. #10 pogobi
    Februar 24, 2010

    Ist denn hier für keinen ein Unterschied zwischen “Dienstwagen privat verwenden” (und mal ernsthaft, ich kenne auch genug Leute, die keine Politiker sind und ihren Dienstwagen privat benutzen, sich kutschieren lassen etc.) und “Mit extrem hohem Alkoholpegel Auto fahren, eventuell Leute dabei verletzen” gegeben? Vor allem solll die Polizei ihr schon längere Zeit nachgefahren sein, weil sie auffällig gefahren sei….

    Seien wir ehrlich: Was hätte sie jetzt sonst tun können? Abstreiten? Die Polizei hat die Daten. Herunterspielen? Ganz gefährlich. Ungeachtet dessen, ob sie jetzt ein guter Mensch ist oder nicht, auch der verwerflichste Konservative hätte gleich reagiert.

  11. #11 Hannelore Stippel
    Februar 24, 2010

    Schade, schade, dass dies passiert ist! Aber es ist menschlich, sicher kennen die meisten von uns derartige Erlebnisse . . . Ich schätze Margot Kässmann sehr, ihre Aussagen zur Situation in Afghanistan, ihre Position zur Hartz-4-Politik. Eine charakterstarke und sehr kluge Frau, die es in dieser von Männern dominierenden Welt in ihrer Position sicher nicht einfach hatte. Von ihrer Geradlinigkeit kann sich mancher Politiker eine große Scheibe abschneiden.

  12. #12 Wacker
    Februar 24, 2010

    In Anbetracht der Tatsache, daß die meisten Verfehlungen Prominenter in aller Regel gar nicht erst publik gemacht werden, stellt sich hier selbstverständlich nur eine Frage: Wer hat ein Interesse daran, daß Käßmann und damit die Kirche(n) ramponiert werden ?
    Frau Käßmann hat sich zuletzt gegen den unsäglichen Afghanistankrieg ausgesprochen und damit den meisten Menschen aus dem Herzen gesprochen, auch solchen, die den Kirchen fernstehen. – Ein zwar etwas heftiges, aber trotzdem alltägliches Verkehrsvergehen, wie es hier vorliegt, hätte man ohne weiteres auch unter Ausschluß der ganz breiten Öffentlichkeit ahnden können, was sicherlich hier angemessen gewesen wäre.
    Man möchte Frau Käßmann wünschen, daß sie sich nicht einschüchtern lässt und sich auch in Zukunft nach einem stressigen Arbeitstag einige Gläschen genehmigt, dann aber nicht vergißt, das Taxi zu rufen.
    Man wünscht sich auch, sie hätte die Kraft gehabt, eben nicht zurückzutreten !

  13. #13 radicchio
    Februar 24, 2010

    sie hat souverän die konsequenzen ihres handelns getragen. respekt.

  14. #14 Webbaer
    Februar 24, 2010

    Ein zwar etwas heftiges, aber trotzdem alltägliches Verkehrsvergehen, wie es hier vorliegt, hätte man ohne weiteres auch unter Ausschluß der ganz breiten Öffentlichkeit ahnden können, was sicherlich hier angemessen gewesen wäre.

    Zum Cui Bono kommt nichts, das sprach schon für sich. Allerdings hierzu etwas:
    Es war eine Straftat, § 316 StGB, zudem ist die Dame Person des öffentlichen Lebens, es bestand also ein Informationsbedürfnis der Öffentlichkeit.

    Wäre sie nicht zurückgetreten, wäre sie zur Witzfigur geworden. Dieser Aspekt scheint auch dem Blogautoren entgangen zu sein. Fr.Kässmann war kein Rock’n’Roller der Gruppe X, sondern der personifizierte und gescheiterte Versuch ein evangelisches Gewissen in der Öffentlichkeit zu implementieren. Zum Vergleich: Huber war verständig und glaubwürdig. Der Webbaer wagt an dieser Stelle die Rückkehrprognose.

    Übrigens verdienen sowohl die Berichte zur Tat (Polizeibericht und entsprechende Verlautbarungen) als auch die Entschuldigungs-Statements der Dame nähere Beleuchtung. Es gibt Grund zur Annahme, dass Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit nicht im bisher anzunehmenden Umfang vorhanden sind.

    MFG
    WB

  15. #15 Michael Franke
    Februar 24, 2010

    Selbst ich als römisch katholisch erzogener Mensch finde es sehr schade das sie sich selbst gegangen hat.
    Wenn es nur um moralische Verfehlungen geht währen die Bänke unserer Kirchenoberhäute wohl ziemlich leer.
    Ich wünschte für meine Kirche wir hätten jemanden wie Sie.

  16. #16 S.S.T.
    Februar 24, 2010

    @Webbaer

    In Anbetracht der Tatsache, daß die meisten Verfehlungen Prominenter in aller Regel gar nicht erst publik gemacht werden, stellt sich hier selbstverständlich nur eine Frage: Wer hat ein Interesse daran, daß Käßmann und damit die Kirche(n) ramponiert werden ?

    Blödsinn. So etwas sickert schneller durch, als Sie mit Ihren Ohren wackeln können. Es sind ja nicht nur die Streifenbeamten, es sind ihre Vorgesetzten, es ist die Rechtsmed., die den BAK misst, es ist die Justiz, es sind Anwälte mit ihrem Personal, es ist die öfentliche Verhandlung u.s.w. Blöde VT.

    Was Frau Käßmann angeht, so befürchte ich vielmehr, dass sie ein Problem hat, ob mit oder ohne Ethanol, das ist Spekulation. Aber bei einer halbwegs sicheren Fahrt mit gut 1,5 Promille kommt man schon ins Grübeln.

    Davon unabhängig: Ihre schnelle pers. Konsequenz (ohne Laberei) hat meinen Respekt.

  17. #17 Jürgen
    Februar 24, 2010

    Auch wenn wir es vermutlich niemals wirklich wissen werden – der Verdacht liegt nahe dass Frau Käßmann schlicht an der Unvereinbarkeit Ihrer Ansprüche und deren Durchsetzbarkeit gescheitert ist. Sehr schade weil erneut eine Helding entzaubert ist, aber ein Hoffnungschimmer weil sie versucht sich ohne fragwürdige Winkelzüge der Verantwortung zu stellen wie es die Gesellschaft von jedem Menschen erwarten kann.

  18. #18 Webbaer
    Februar 24, 2010

    …der Verdacht liegt nahe dass Frau Käßmann schlicht an der Unvereinbarkeit Ihrer Ansprüche und deren Durchsetzbarkeit gescheitert ist. Sehr schade weil erneut eine Helding entzaubert ist…

    Richtig, die Ansprüche sind unvereinbar mit der Realität, solche Helden braucht man nicht. Gut, dass es rechtzeitig rauskam, Fr.Kässmann hat sicherlich ein Problem.
    Vielleicht kommt sie ja nach einer Karenzzeit wieder zurück.
    @SST: Cui Bono-Fragestellung nicht von WB.

  19. #19 Rainer Grauer
    Februar 24, 2010

    Rainer Grauer
    78052 Villingen-Schwenningen
    r.grauer@email.de

    Die Bischöfin, Frau Käßmann hat einen Fehler gemacht den Sie zu tiefst bereut. Was sie veranlasst hat ihre Rolle als Vorbildfunktion kurzfristig zu verlassen, kann nur sie selbst wissen. Ihr ist hoch anzurechnen, dass sie die Konsequenzen zieht und zurücktritt.

    Frau Käßmann ist keine Heilige, will keine sein und hat gegen von Menschen gemachte Gesetze, die für alle Menschen gleich gelten, verstoßen. Dafür muß sie die srafrechtliche Konsequenz tragen.

    Ein vorbildhaftes Verhalten der Kirchen-Menschen, die was zu sagen haben, wäre, wenn Sie Jesus folgen würden und Sie bitten würden, zu bleiben “Geh hin und sündige nicht mehr!”….Wir sind noch nicht im Paradies, wir sind immer noch Menschen… und Menschen machen Fehler… menschliche Größe wäre, diese Fehler zu verzeihen…. Vergebung der Sünden.. nicht nur von Gott, sondern auch von Menschen untereinander… Die Chance des Bereuens und des Neubeginns geben….
    und offen und ehrlich zu sein….
    wir haben keine bessere… bitte bleiben Sie und setzen ihre christlich geprägten Vorstellungen um…wir stehn hinter Ihnen und begleiten Sie auf ihrem Weg… seien Sie weiterhin authentischer Mensch mit Ecken und Kanten und seien Sie Nachfolgerin von Jesus, in dem Sie seine (r)evolutionären Gedanken (ich denke dabei hauptsächliche an die Bergpredigt) in die heutige Sprache und heutige notwendige Verhaltensmuster übersetzen… Jesus ist aktueller denn je… Die Zeit ist entfernter von seinen rettenden Konzepten als je zuvor… Frau Käßmann kann diesen Teufelskreis durchbrechen, in dem sie möglichst viele Menschen (Christen und Nicht-Christen) durch glaubhafte Überzeugungsarbeit aktiviert.
    ich bin dabei.

    Rainer Grauer

  20. #20 A,Jörg
    Februar 24, 2010

    Ich habe sehr gr.Respekt vor Fr.M.Käßmann und Ihrer geleisteten Arbeit-wer kann denn von sich behaupten er wäre noch nie alkoholisiert Auto gefahren???Erstmal an die eigene Nase fassen-und nicht immer von sich selber ablenken.Mit dem Finger auf andere zeigen das geht immer schnell-aber gerade die ,die am lautesten schimpfen haben doch den größten Misthaufen vor Ihrer eigenen Haustür.
    Wieviele prominente Personen sind denn erwischt worden und haben sich freigekauft?
    Ich glaube das wäre sehr interessant……
    die Kirche hat wichtigere Dinge aufzuklären…..Ich wünsche Fr.Käßmann persönlich alles Gute….und viel Kraft-wir machen alle Fehler…
    Gruß A:Jörg

  21. #21 Voltaire
    Februar 24, 2010

    Voltaire (18. Jh.): “Ecrasez l’infame!”

    Also: schafft endlich alle Kirchen ab, also:
    all diese schönen Vorbilder wie Kässmann, Zollitsch, die Berliner Jesuiten, die irischen Bischöfe, die vielen Militärpriester, etc.

    Eine zivilisierte Gesellschaft hat genug Stabilisierungsmöglichkeiten (inkl. Facebook = soziale Stabilität, Technik, Medizin, etc.) — da braucht es keine Religion mehr!

  22. #22 Wacker
    Februar 24, 2010

    “Heuchlerei also, nicht einmal ein aus kässmännerischer Sicht ethisch zweifelhaft aufgestellter Webbaer würde besoffen Autofahren und andere Menschenleben riskieren.”

    Wer versucht, mit den Augen von Käßmann auf sich selber zu schauen und sich darin als ethisch zweifelhaft aufgestellt sieht, muß ein schwieriger Fall sein; vor allem, wenn man voraussetzt, daß Käßmann persönlich gar nicht gekannt wird.Die Frage muß erlaubt sein: Hat sich hier jemand geoutet mit allen seinen Vorurteilen und Ahnungslosigkeiten ?

    “Übrigens verdienen sowohl die Berichte zur Tat (Polizeibericht und entsprechende Verlautbarungen) als auch die Entschuldigungs-Statements der Dame nähere Beleuchtung. Es gibt Grund zur Annahme, dass Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit nicht im bisher anzunehmenden Umfang vorhanden sind.
    MFG
    WB”

    Belegen Sie bitte Ihre Behauptungen und beleuchten Sie – ich lasse mich gerne schlau machen !

    Gruß

    F.K.W.

  23. #23 Ch. Müller
    Februar 24, 2010

    Liebe Pharisäer, die ihr jetzt so genau wisst, was gesetzlich, gut und moralisch korrekt ist und welchen Ansprüchen ein vorbildlicher Mensch gerecht werden muss, vergesst es nie, denn auch ihr seid noch nicht am Ziel! Ihr solltet wissen, dass MENSCHEN zu Bischöfen oder Bischöfinnen gewählt werden. Eine göttliche Unfehlbarkeit kann niemand für sich reklamieren, aber auch von keinem anderen Menschen erwarten. Hoffen kann man jedoch, dass Menschen sich zu ihren Verfehlungen bekennen, sie bereuen und dafür büßen. Das hat Frau Käßmann in aufrichtigster Weise getan und damit wahrhaft menschliche Größe bewiesen. Sie ist diesbezüglich ein leider äußerst seltenes Vorbild. Frau Käßmann hat mit ihrer Menschlichkeit, ihrer Aufrichtigkeit und ihrem Mut Maßstäbe gesetzt. Dafür danke ich ihr aus ganzem Herzen. Ich bin überzeugt, dass ihr Wirken für eine bessere und gerechtere Welt nicht mit dem Rücktritt von ihrem Amt als Bischöfin und Ratsvorsitzende der EKD endet und wünsche ihr allezeit Gottes Segen.
    Christian Müller

  24. #24 chinaqueen2004
    Februar 24, 2010

    Frau Käßmann hat etwas bewiesen, was ich bei “öffentlichen Personen” seit Jahren vermisse: Rückrat. Die Meisten haben nur eine Wirbelsäule, damit sie gerade gehen. Frau Käßmann hat Rückrat und kann erhobenen Hauptes ihre Ämter velassen. Respekt vor dieser Frau.

  25. #25 Florian Freistetter
    Februar 24, 2010

    Ich versteh ehrlich gesagt nicht wirklich, warum man Frau Käßmann jetzt auf einmal so toll finden soll. Die Frau ist stockbesoffen Auto gefahren und kann von Glück reden, dass sie keine Menschen umgebracht hat! Trunkenheit am Steuer ist kein Kavaliersdelikt und wird leider viel zu wenig stark geahndet. Wer besoffen fährt, nimmt den Tod anderer Verkehrsteilnehmer in Kauf! Wer sowas hat tut, hat nicht einfach “nur einen Fehler” gemacht. Für Alkolenker hab ich keinen Respekt übrig und das jemand in einer öffentlichen und Vorbildfunktion jetzt deswegen zurücktritt ist ja wohl das mindeste das man erwarten kann! Was man daran bewundersfinden soll, kann ich nicht verstehen.

  26. #26 chinaqueen2004
    Februar 24, 2010

    Ich habe auch kein Verständnis dafür, daß Frau Käßmann betrunken Auto gefahren ist. Dafür gehört sie, genau wie Otto Normalsterblich, bestraft. Ich finde es nur konsequent, daß sie die Überzeugung hat: ich habe meinen Ämtern geschadet, also trete ich zurück. Aber viele männliche Alkosünder hätten diese Konsequenz nicht ergriffen. Die hätten sich gedreht und gewendet und Ausreden erfunden. Von “ach so viel hab ich doch gar nicht getrunken” über “Beruf und Privatleben sind so stressig” bis “daß mache ich normalerweise nicht, daß war das erste Mal. Ich weiß gar nicht, wie daß passieren konnte”. Da lob ich mir die klare gerade Haltung von Frau Käßmann: ich hab Mist gebaut und halt den Kopf dafür hin. Mann/Frau sollte immer so handeln, daß man morgens noch in den Spiegel schauen kann, ohne sich zu übergeben.

  27. #27 Stefan
    Februar 24, 2010

    @Florian: Deine Einschätzung, was das besoffen Auto fahren anbelangt teile ich natürlich. Ich denke auch, dass es ein kluger Schachzug war, dass die EKD erst so tut, als wollte man sie halten und sie dann von sich aus zurücktritt. Das ist natürlich ein Spiel für die Medien. Allerdings finde ich nicht, dass sie hätte zurücktreten müssen. Die Frau hat eine Straftat begannen, dafür wird sie ganz weltlich bestraft. Außerdem hat sie offensichtlich ein Alkoholproblem, das sollte sie therapieren lassen. So traurig das auch ist, so wenig ungewöhnlich ist das leider. Ich erwarte von Promis nicht, dass sie irgendwie anders sind als andere Menschen. Kurios ist natürlich, dass sie als Kirchenfürstin eine Institution vorsteht, die glaubt, die Moral in unserer Gesellschaft zu repräsentieren und nun scheitert sie an der Moral. Ich finde das tragisch und typisch für den Umgang der Kirche mit ihren Angestellten: Moralische Hürden aufbauen und ihre Schäflein dann daran abarbeiten lassen, unter Inkaufnahme, dass es auch mal schief geht. Macht ja nichts, das macht die Leute nur noch demütiger. Das ist wie mit den Priestern, die mit dem Zölibat nicht klarkommen. Das hat schon System und das finde ich echt schlimm! Eine geschiedene, krebskranke Frau und Mutter mit Alkoholproblem an der Spitze der EKD hätte mir diese Kirche fast schon wieder sympathisch und menschlich gemacht. Jetzt kommt wahrscheinlich irgend so ein aalglatter Saubermann ohne Charakter und eigene Meinung an die Spitze. Aber was rege ich mich auf, ich mache da eh nicht mehr mit.

  28. #28 Webbaer
    Februar 24, 2010

    Mit 1,54o/oo muss man erst einmal so einen Phaeton fahren können.
    Aber genug des Spotts, den typischerweise immer am stärksten diejenigen trifft, die besonders gut ethisch aufgestellt scheinen und andere beraten, dabei politisch werden, selbst dann, wenn der Rat nicht erbeten ist.

    @Wacker:
    Lesen Sie bitte genau, es wurde spekuliert, wie wer wen bewertet und die Spekulation wurde gekennzeichnet. Spekulatius geht doch, oder?
    Schauen Sie mal auf die Analyse (deren Inhalt sich der WB nicht zu eigen macht :), und beleuchten Sie zudem die ersten Einlassungen Fr.Kässmanns bei der Polizei. Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit schaun anders aus, gell.

    Beste Grüße!
    Webbaer

  29. #29 Stargazer
    Februar 24, 2010

    Ich verstehe dieses ganze Gesabbel von “Lichtgestalt” und “Hoffnungsschimmer” absolut nicht. In ihren Ämtern hat diese Frau soviel gequirlte rhetorische Schaumschlägerei veranstaltet, daß es selbst für ihre Zunft an der absoluten Obergrenze lag. Und daß sie jetzt nicht nur hier, sondern auch quer durch alle Medien praktisch zur Märtyrerin, zum Opfer des weltlichen Pusteröhrchens verklärt wird, da kann ich echt nur noch den Kopf schütteln.
    Das einzige, was an ihrem Rücktritt Vorbildfunktion haben sollte (wie Florian Freistetter schon sagte, das mindeste, was in diesem Fall angebracht war), ist dies: Daß es eigentlich ebenso selbstverständlich sein müßte, daß Frau Käßmanns katholische Kollegen, die sich durch jahrelanges Wegsehen am Kindesmißbrauch ihrer Brüder in Christo mitschuldig gemacht haben, dieselben Konsequenzen ziehen.

    PS: Das Modell Phaeton fängt an mir zu gefallen. Es scheint alkoholisierte Fahrer nicht zu mögen …

  30. #30 Gondlir
    Februar 25, 2010

    @Florian
    Frau Käßmann wird doch nicht dafür bewundert, daß sie besoffen Auto gefahren ist. Aber in einer Zeit, in der kirchliche Amtsträger wegen ihrer pädophilen Neigungen von Diözese zu Diözese weiterversetzt werden, wo die katholische Kirche Homosexualität in den eigenen Reihen vertuscht, und wo kindesmißhandelnde Priester als Einzelfälle entschuldigt werden, bezeuge auch ich Frau Käßmann meinen Respekt, weil sie wegen ihrer Straftat, bei der letztlich niemand außer ihr selbst geschädigt wurde, die Konsequenzen zog, sich nicht einmal ansatzweise versuchte herauszureden, und zurücktrat. Und dieses bedauere ich auch als Atheist, denn eigentlich brauchen wir mehr solche Menschen, die, anstatt am Sessel zu kleben, bereit sind abzutreten, wenn sie Mist gebaut haben.

  31. #31 eule70
    Februar 25, 2010

    Bei allen diesen Kommentaren wundert mich, dass niemandem auffällt, wann diese Meldung so groß herausgekommen ist (hätte doch auch weniger groß aufgebauscht zu werden brauchen), nämlich nach der Aufregung über ihre Kritik am Afghanistan-Einsatz und kurz vor dem Bundestagsbeschluss darüber. Ich kann einfach nicht umhin, da einen Zusammenhang zu sehen – die Frau ist zu unbequem. Ich bin sehr traurig über ihren Rücktritt und wünsche mir jedenfalls, dass sie auch weiterhin in irgendeiner Weise politisch zu Wort kommt.

  32. #32 ebook
    Februar 25, 2010

    Ich finde den Schritt von Margot Käßmann ganz richtig. Wer so ein öffentliches Amt innehat, der muss auch Vorbild sein. Und in der Fastenzeit mit 1,5 Promille erwischt zu werden ist ein guter Grund von allen Ämtern zurückzutreten. Man kann nicht den moralischen Zeigefinger heben und dann selbst so handeln. Also ein ganz normaler Vorgang. Gehen wir zur Tagesordnung über.

  33. #33 Bernhard
    Februar 25, 2010

    Ich finde es sehr schade, dass Bischöfin Käßmann nach ihrer Sause nicht mit einem Taxi nach Hause gefahren ist. Ihren Rücktritt als Bischöfin und Ratsvorsitzende verstehe und respektiere ich. Dennoch bedauere ich ihn sehr.

    Mich stört, wie anmaßend und pharisäerhaft sich hier einige wenige geäußert haben. Frau Käßmanns Fahren unter Alkoholeinfluss war zweifellos kein Kavaliersdelikt und muss geahndet werden. Aber deshalb gleich zu behaupten, Frau Käßmann habe ein Alkoholproblem, finde ich schon sehr unverschämt.

    Ihr Pharisäer, vergesst bitte nicht: Jeder Mensch ist fehlbar, auch Ihr. Nur wer ohne Schuld ist, mag sich über Frau Käßmann erheben.

    Bernhard

  34. #34 Webbaer
    Februar 25, 2010

    @Bernhard:
    Fr.Kässmann hat sich mit ihren politischen Kommentaren selbst anmaßend [1] über andere erhoben, insofern ist der Spott einiger hier nachzuvollziehen.
    Wenn dann noch rauskommt, dass Fr.Kässmann mit 1,54(!) Promille ihren Phaeton lenkt, dann erheben sich nicht nur die, die ohne Schuld sind, sondern ganz normale Bürger, denen Heuchelei widerlich ist.

  35. #35 Webbaer
    Februar 25, 2010

    Nachtrag:
    [1] Fußnote 1 wurde redigiert. :)
    Denke mal, dass jeder dieses morlainsauere Gerede aus evangelischen Kreisen kennt.

  36. #36 M. Roth
    Februar 25, 2010

    Ich persönlich bedauere, dass Margot Käßmann die Konsequenz gezogen hat und zurücktrat, auch wenn ich ihre Entscheidung und ihr Rückgrat respektiere. Sie ist eine sehr gute, glaubwürdige Pastorin, von denen es mehr geben sollte – sowohl in der evangelischen, als auch der katholischen Kirche.

    Wir alle sollten daran denken, dass die Gremien unserer Kirchen von MENSCHEN geleitet werden, nicht von überirdischen Wesen. Menschen, die Schwächen haben und Fehler machen, wie Du und ich.

    Was das “Öffentliche Interesse” angeht, so wird hier – wie auch im privaten und beruflichen Bereich nach wie vor mit zweierlei Maß gemessen. Leistet sich eine Frau einen Lapsus wird das stets härter bewertet und verurteilt, als wenn ein Mann der Verursacher war.

    Allein in unserem Bundestag müssten ein nicht unerheblicher Teil der Abgeordneten, die nach wie vor über unser aller Geschick entscheiden und sehr gut bezahlt werden, wegen ihrer Betrügereien, ihrer Verurteilung wegen bedeutungsvoller Straftaten und ihrer eigenen Alkoholfahrten den Hut nehmen.

    Doch das sind ja Männer …. die haben einen Sonderbonus für ihre Verfehlungen.
    Eine Krähe hakt der anderen bekanntlich kein Auge aus, Seilschaften in allen Bereichen sind unter den Herren gang und gebe. Bedauerlich, verwerflich – aber so ist die Realität.

    Eine Margot Käßmann, die mit 1,54 Promille angehalten wird (auch wenn ich persönlich es besser gefunden hätte, sie wäre nicht gefahren) hat danach mit Häme und üblen Unterstellungen zu rechnen. Wenn ich die Schlagzeilen lese, wird mir schlecht, wie da der Mensch Margot Käßmann demontiert wird, als habe er einen Mord begangen. Sehr menschenverachtend in meinen Augen, unterhalb der Gürtellinie meist und deutlich niveulos.

    Bei einem Herren Politiker wäre die mediale Reaktion bedeutend vorsichtiger ausgefallen, man(n) will es sich mit ihm ja nicht verscherzen. Möglicherweise könnte er einem ja beruflich noch mal nützlich sein.

    “Wenn zwei das Gleiche tun ist es nicht dasselbe”.

    Ich frage mich, wie viele der Blogschreiber, die die alkoholisierte Fahrt von Frau Käßmann dramatisch aufbauen, schon selbst mit mindestens ebenso viel wenn nicht gar mehr Promille noch Auto gefahren sind. Ohne dass etwas passierte und ohne dass sie angehalten wurden.

    Wie heisst es schon in der Bibel und gilt bis heute:

    Wer von uns ohne Schuld ist, der werfe den ersten Stein !

    Ich wünsche Frau Käßmann jedenfalls alles Gute und werde ihren Weg weiter verfolgen. Für mich ist sie eine wirklich beachtenswerte, mutige, gute Vertreterin unseres Geschlechts, vor der ich nach wie vor den Hut ziehe.

  37. #37 Alexander
    Februar 25, 2010

    M. Roth schreibt

    Ich frage mich, wie viele der Blogschreiber, die die alkoholisierte Fahrt von Frau Käßmann dramatisch aufbauen, schon selbst mit mindestens ebenso viel wenn nicht gar mehr Promille noch Auto gefahren sind.

    Hallo M. Roth, was sie hier betreiben ist Verniedlichung des Problems Alkoholismus. Wissen Sie was 1,5 Promille bedeutet? Das ist nicht mal eben so ein Glas Wein oder Bier zum Abendessen. Mit 1,5 Promille könnte ich nicht mehr gerade stehen (Mann, Mitte 40), geschweige denn Autofahren. Wenn Frau Käßmann dazu in der Lage war, bedeutet das, dass sie geübte Trinkerin ist, und dass das sicher nicht ihre erste Trunkenheitsfahrt war. Die Dame hat also, wie viele in Deutschland, ein erhebliches Alkoholproblem, daher ist der Rücktritt auch nur konsequent. Wenn sie jetzt auch noch eine Entziehungskur macht, dann wirklich Hochachtung vor ihr, denn die meisten Menschen sehen ihr Alkoholproblem (oder das ihrer Angehörigen) nur als Lappalie an. Für Ihre Behauptungen, dass es bei einem Mann die Reaktion anders gewesen wäre, bleiben Sie übrigens jeden Beleg schuldig. Wir sind nicht mehr in den 50er-Jahren oder im Bayern des FJS, wo so was möglich war.
    Was das Werfen des ersten Steins angeht, noch eine Anmerkung: darin sind normalerweise gerade evangelische Theologen und -innen einschließlich Frau Käßmanns immer ziemlich gut gewesen.

  38. #38 Webbaer
    Februar 25, 2010

    Was das Werfen des ersten Steins angeht, noch eine Anmerkung: darin sind normalerweise gerade evangelische Theologen und -innen einschließlich Frau Käßmanns immer ziemlich gut gewesen.

    Es spricht nichts dagegen den ersten Stein zu werfen. Wenn es sich lohnt. :)

    Aber Sie haben natürlich völlig Recht, von evangelischer Seite gab es oft den ersten Stein, oft verbunden mit dem Hinweis diesen nicht werfen zu wollen oder (nach der Tat) geworfen zu haben.

    Kennen Sie den Gustav Heinemann-Vorhalt “Wer mit dem Zeigefinger auf andere Leute zeigt, sollte nie vergessen, dass drei Finger seiner Hand auf ihn selbst zeigen.”? Ja? – Exakt, das ist typisch für die Zitierenden bzw. Zitierten bzw. Gemeinten.

    Beste Grüße!
    Webbaer

  39. #39 ArsVitaea
    Februar 25, 2010

    Es ist sehr bedauerlich, dass Frau Kässmann solche Konsequenzen aus ihrem Fehlverhalten gezogen hat. Natürlich, eine Fahrt unter Alkohol und das Überfahren einer roten Ampel ist kein Kavaliersdelikt. Aber auch wenn es in D gerne tabuisiert wird: es gibt schätzungsweise knapp 5 Mio. alkoholkranke Menschen in Deutschland und ebenso viele, die hart an der Grenze vor dieser (anerkannten) Krankheit stehen. Gehen wir vom Schlimmsten aus und Frau Kässmann gehört zu der einen oder anderen Gruppe, dann hoffe ich sehr, dass ihre Familie, ihre 4 Kinder sie dazu ermutigen werden, eine Therapie zu beginnen. Was ich aber nicht verstehe ist, dass man eine Frau, die offen zugibt, eine Straftat begangen zu haben, so durch den Wolf dreht. Frau Kässmann hat sich vorher noch nie etwas zu Schulden kommen lassen, ist eine sympathische, kompetente, herzliche Frau und Bischöfin (gewesen). Ein Herr Jelzin wurde auch nicht seines Amtes enthoben, obwohl er nachweislich fast ständig alkoholisiert war, und zwar in der Öffentlichkeit, bei Auftritten, Empfängen etc. und so dem Ansehen eines Landes weitaus größeren Schaden zugefügt haben dürfte. Moralisch gesehen mag der Schritt Frau Kässmann der richtige gewesen sein, auch, um die Glaubhaftigkeit ihrer Persönlichkeit zu untermauern. Menschlich gesehen tut sie mir unsagbar leid und ich wünsche ihr aufrichtig alles Gute!

  40. #40 Hum
    Februar 25, 2010

    Der Innenminister von Niedersachsen Herr Schünemann wird die klammheimlichste Schadenfreude haben. Hat er doch alles richtig gemacht, dass seine größte Widersacherin bei ihrem Fehltritt erwischt worden ist. Ein Schelm, der Böses dabei denkt.

  41. #41 Gottfried Burkhardt
    Februar 25, 2010

    Die Sache hat zweit Seiten: eine strafrechtliche und eine kirchenrechtliche.
    1. Die Justiz interessiert nicht wie es zu den 1,54 % Pomille gekommen ist. Der Fall ist eindeutig. Jedes Leugnen wäre sinnlos.
    2. Mit einiger Sicherheit wird es ein kirchliches Dienststrafverfahren geben – wie bei anderen Pfarrern/Pfarrerinnen auch. Hier wird es darauf ankommen wie der Abend gelaufen ist (u.a.Trinkbeginn, “Tatort”, Mitzecher; Trinkgewohneiten).
    Sollte es sich um eine „halbamtliche“ feucht-fröhliche Geburtstagsrunde beim Gemeindepfarrer von St. XY, um eine Taufe oder um einen Leichenschmaus gehandelt haben, wird man die Sache einigermaßen milde beurteilen können. So scheint es nicht gewesen zu sein. In diesem Falle würde sich auch die Frage stellen, warum niemand die Fahrt verhindert hat, denn es ist eher unwahrscheinlich, dass alle Personen zuviel getrunken haben.
    Das Schweigen der Beteiligtenzu diesem Thema gibt Anlaß zu der Annahme, dass ein nicht publizierungsfähiger Sachverhalt vorliegt. Mit Geheimniskrämerei hat das nichts zu tun. Hier geht es offensichtlich um den Schutz der Persönlichkeit. Die Freiwilligkeit des Rücktritts muß bezweifelt werden. Die Solidaritätserklärungen der zuständigen Kirchenoberen sind nicht mehr als Lippenbekenntnisse. In Wirklichkeit dürften sie ziemlich sauer auf ihre Ex-Bischöfin sein, die ihnen nach kurzer Dienstzeit – bei ministerähnlichen Einkünften – viel Ungemach bereitet hat.

  42. #42 Irene Pohl
    Februar 25, 2010

    Es ist völlig gleichgültig, warum und weshalb sie betrunken Auto gefahren ist. Sie wird ihre Strafe dafür annehmen und hat ihre Konsequenzen gezogen. Dafür gebührt ihr unser höchster Respekt. Ihr Rücktritt ist ein schwerer Verlust für die evangelische Kirche. Ich hoffe sehr, dass wir ihren Mut und ihr Engagement auf anderer Ebene wiederfinden.

  43. #43 Angelika Förster
    Februar 25, 2010

    Ich bin Katholikin und 60 Jahr alt. Ich wäre froh, wenn in der katholischen Kirche solche “Probleme” die einzigen wären. Sicher ist es eine Straftat, betrunken zu fahren, aber welcher Autofahrer ist noch nie mit Alkohol im Blut gafahren. Die Art, wie Frau Käßmann in der Öffentlichkeit behandelt wird war und ist eine Unverschämtheit. Die Sache erinnert mich sehr an einen bayerischen Politiker, der in den 80 iger Jahren auf der Autobahn besoffen einen Kleinwagen gerammt hat und die Insassen dann tot waren. Er ist noch heute in der Politik tätig. Aber es handelt sich bei Frau Käßmann ja auch um eine FRAU. Ich hoffe sehr, daß Frau Käßmann wirklich als Pastorin tätig wird und somit allen Leuten zeigen kann, was Verantwortung und Charakter ist. Ich wünsche ihr alles Gute.

  44. #44 Alexander
    Februar 25, 2010

    Frau Förster, sie spielen hier auf Otto Wiesheu an. Das ist erstens 26 Jahre her (heute kaum mehr in der Form vorstellbar), außerdem damals auch von seinem Amt zurückgetreten und strafrechtlich (meiner Meinung nach zu milde) verurteilt worden. Dass er immer noch in der Politik eine Rolle spielt, ist ein anderes Thema. Aber auch Frau Käßmann wird sicher nicht auf Dauer in der Versenkung verschwinden. Sie wird bald wieder in Talkshows zu sehen sein und sicher auch in öffentlichen Positionen.

  45. #45 Wacker
    Februar 25, 2010

    @ webbear
    Ich glaube,Sie verstanden zu haben: Sie prangern im Grunde zurecht die Heuchelei und das Doppeldenken der Kirche(n) und das ihrer Repräsentanten an. – Aber warum hauen Sie denn immer so scheußlich auf die arme Käßmann ein ? Schließlich ist jeder, der in irgendeiner Position berufstätig sein muß irgendwie Teil des Systems und spielt seine Rolle so gut er kann.
    Gehen wir der Sache doch lieber ans Fundamentum: nämlich den irrealen, das normale Empfinden und Denken korrumpierenden Inhalt des Christentums: Hier wird z.B. – wie allgemein bekannt ist- tatsächlich seit Jahrhunderten geglaubt, daß der Kreuzestod eines Menschen vor 2000 Jahren und das dabei auf die Erde heruntergetropfte Blut, die Menschen heute von ihren vermeintlichen Sünden befreie. Dies und noch vieles andere ist sicherlich dunkelster lebensfeindlicher Okkultismus. Hier müsste man ansetzen.
    Wie ich hier im Thread erfahre, ist Käßmann eine trinkgewohnte lebenslustige Frau. Kaum anzunehmen, daß sie sich die dunklen Seiten der Kirche zu eigen gemacht hat. Also wäre es gut gewesen, wenn sie an der Spitze geblieben wäre.

  46. #46 Wacker
    Februar 25, 2010

    @ Webbear
    Ich glaube,Sie verstanden zu haben: Sie prangern im Grunde zurecht die Heuchelei und das Doppeldenken der Kirche(n) und das ihrer Repräsentanten an. – Aber warum hauen Sie denn immer so scheußlich auf die arme Käßmann ein ? Schließlich ist jeder, der in irgendeiner Position berufstätig sein muß irgendwie Teil des Systems und spielt seine Rolle so gut er kann.
    Gehen wir der Sache doch lieber ans Fundamentum: nämlich den irrealen, das normale Empfinden und Denken korrumpierenden Inhalt des Christentums: Hier wird z.B. – wie allgemein bekannt ist- tatsächlich seit Jahrhunderten geglaubt, daß der Kreuzestod eines Menschen vor 2000 Jahren und das dabei auf die Erde heruntergetropfte Blut, die Menschen heute von ihren vermeintlichen Sünden befreie. Dies und noch vieles andere ist sicherlich dunkelster lebensfeindlicher Okkultismus. Hier müsste man ansetzen.
    Wie ich hier im Thread erfahre, ist Käßmann eine trinkgewohnte lebenslustige Frau. Kaum anzunehmen, daß sie sich die dunklen Seiten der Kirche zu eigen gemacht hat. Also wäre es gut gewesen, wenn sie an der Spitze geblieben wäre.

  47. #47 Webbaer
    Februar 25, 2010

    @Wacker:
    Nun, lieber Herr Wacker, in der Tat hat sich der Webbaer hier dem Amusement und dem Zynismus verschrieben. Fr.Kässmann ist vermutlich aufrichtig, aber sie steht für Positionen, die (wie bspw. der Pazifismus, Altruismus und das Verbiegen des Christentums) zusammen mit ihrem Anspruch von einigen als inkosistent, nicht praktikabel und heuchlerisch empfunden werden.

    Selbstverständlich kann auch Fr.Kässmann für sich das Recht beanspruchen nicht ohne Sünde (“Fehler” wie sie schreibt, Fehler unterlaufen halt, gell) zu sein. Aber sie hat dann feststellen müssen, dass es nicht zusammenpasst andere ungewollt zu beraten und selbst im Strassenverkehr Gefährder zu sein.

    Was übrigens auch wieder heuchlerisch zu sein scheint, aber nicht ist.

    Beste Grüße!
    Webbaer (der sich vorgenommen hat zu diesem Thema zukünftig bestmöglich zu schweigen :)

  48. #48 Carl-Christian Sumpf
    März 5, 2010

    Zum Rücktritt von Margot Käßmann

    Margot Käßmann ist mit Ihren Ämtern als Landesbischöfin von Hannover und Ratsvorsitzende der EKD Verpflichtungen eingegangen, die man nicht aufgrund einer menschlichen Verfehlung so einfach aufgeben kann, zumal damit große Erwartungen verknüpft waren.
    Es ist so gut, wie sicher, dass die Autofahrt unter Alkoholeinfluss ohne Folgen geblieben wäre, wenn die Nichtbeachtung der Ampel niemandem aufgefallen wäre.
    Der Grund für Käßmanns Rücktritt von Ihren Ämtern erfolgte also einzig aus dem Grunde, weil ihr Fehlverhalten öffentlich geworden war.
    Meiner Meinung nach hätte die Inhaberin höchster Ämter der Kirche mehr gedient, wenn sie nicht zurückgetreten wäre.
    Bei uns einfachen Christen macht die menschliche Verfehlung die Person Käßmann in gar keiner Weise unsympathischer, sondern ganz im Gegenteil: sie erscheint uns noch mehr als mit Schwächen behaftet, wie du und ich. –
    Außerdem bietet den Kritikern und Medien ein solches Ereignis meist nur für kurze Zeit Stoff, da laufend neue Sensationen behandelt werden wollen. –
    Sowohl die Landeskirche Hannover als auch die EKD würden Rückrat zeigen, wenn sie den Rücktritt Käßmanns nicht akzeptierten.
    Wir Christen sind jedenfalls maßlos enttäuscht, dass diese herausragende Hoffnungsträgerin nicht in den ihr zugewachsenen Ämtern verbleibt. –

    Carl-Christian Sumpf
    Hann. Münden

  49. #49 Benutzername
    Januar 12, 2012

    Christian Müller:
    “Liebe Pharisäer, die ihr jetzt so genau wisst, was gesetzlich, gut und moralisch korrekt ist…”

    Das solltest du lieber Fr. Käsmann sagen oder fragen
    Der Spruch “kein Respekt für Alkolenker ”
    bzw “keine Macht den Alkolenkern” kommt von ihr.

    Zudem wäre sie doch niemals zurückgetreten wenn es nicht herausgekommen wäre –
    ihr eiliger Rücktritt lässt zudem vermuten das sie weitere Recherche von seitens Presse/Öffentlichkeit usw. verhindern wollte neben der Eitelkeit weiterhin als moralische Person wahrgenommen zuwerden die ihren ‘Schäfchen’ mit moralapostolischem Codex terrorisiert den sie selbst nicht erfüllt.