Zeittaucher

In den kommenden Tagen können bis zum Vollmond am 14. Juni in Deutschland verstärkt Hirschkäfer (Lucanus cervus) beobachtet werden.

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Hirschkäfer. (Foto: © Maria Fremlin 2005)

Denn die Männchen der streng geschützten und vom Aussterben bedrohten größten deutschen Käferart veranstalten dann in der Dämmerung und bei Mondlicht ihre Hochzeitsflüge. Dabei brummen die Männchen fliegend für wenige Sekunden von Ästen und Baumkronen an Waldrändern. „Denn beim Fliegen gilt es, die Sexuallockstoffe der viel selteneren Weibchen zu riechen und dann eine Bruchlandung in Richtung der auf dem Boden laufenden Angebeteten zu vollziehen, um sich krabbelnd mit dieser zu treffen und dann auf ihrem Rücken sitzend zu vereinigen”, sagt der Insektenforscher Detlef Mader im Gespräch mit dem Internetblog „Zeittaucher”.

Nach Liebesspiel haben die Männchen ihre Schuldigkeit getan

Der promovierte Geograph aus Walldorf ist seit vielen Jahren zwischen Heidelberg und Bruchsal (Baden-Württemberg) nachts in den Wäldern im Mai und Juni unterwegs, um die dort in den Eichenwäldern mit Totholz vorkommenden Käfer zu beobachten. „Nach dem Schwärmen und eventuellen Liebesspiel haben die Männchen dann ihre Schuldigkeit getan. Sie sterben innerhalb von wenigen Tagen”, erläutert Mader die Rolle des starken Geschlechts im Käferreich. Die charakteristischen Geweihe (Mandibeln) der bis zu 75 Millimeter großen Tiere sind für die mehrere Stunden andauernden Kämpfe der Männchen um ein bestimmtes Weibchen bestimmt. Nur der Gewinner darf sich dann paaren und die Futterstelle des Weibchens mitbenutzen, wo an die Oberfläche getretene Baumsäfte gemeinsam geschlürft werden.

Seltene Käfer haben viele Feinde

„Es kommt allerdings häufig vor, dass dieser absolute Höhepunkt im Leben eines Hirschkäfermännchens jäh unterbrochen wird. Denn Vögel wie Spechte, Eichelhäher, Raben und Eulen fressen nicht nur gerne die schmackhaften Männchen, sondern klauen diese auch direkt vom Weibchen weg, bevor der Hirschkäfer seine Schuldigkeit getan hat”, erklärt der Insektenforscher. Aus diesem Grund seien die bis zu 30 Eier legenden Weibchen besonders wertvoll, da eine Dezimierung ihres Bestandes durch Zertreten von Spaziergängern, Mountainbiker oder das Mähen von Wiesen „doppelt schwer” wiege. Auch durch die chemische Maikäfer-Bekämpfung kämen viele Hirschkäfer um.