In einer Spiegel-Titelgeschichte „Vor 70 Jahren. Allein gegen Hitler. Wie Winston Churchill die Nazis stoppte” stellte Autor Klaus Wiegrefe am vergangenen Montag (Der Spiegel, 16.8.2010, S. 56-67) das Wirken des berühmten britischen Premierministers vor allem im Zweiten Weltkrieg in einem Doppelporträt Churchill-Hitler heraus.

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(Foto aus: http://www.winstonchurchill.org/ 18. August 2010)

In der komprimierten Darstellung wird pointiert herausgearbeitet, dass vor allem die Briten und Churchill durch ihren unbedingten Durchhaltewillen eine unkontrollierte Expansion Nazis-Deutschlands und Invasion der britischen Insel verhinderten und dadurch in Kauf nahmen, selbst unterzugehen und Macht, Herrschaft und wirtschaftlichen Einfluss einzubüßen, was mit dem Britischen Empire durch die Dekolonisation zwischen 1945 und 1997 auch geschah.

Die Darstellung ist mit lesenswerten Anekdoten gespickt. So wären im Frühjahr 1932 Churchill und Hitler fast in einem Münchner Hotel zusammengekommen. Wiegrefe fragt in diesem Zusammenhang:

„Hätte der spätere Massenmörder sonst begriffen, dass ihm hier jemand gegenüberstand, der es an Härte mit ihm aufnehmen konnte? Der den Krieg sogar genoss? Der Hitler am Ende in die Knie zwingen könnte?”

Nun ist es durchaus fragwürdig, Geschichte mit „Was-wäre-wenn-Fragen” aufzuarbeiten. Das Verdienst Churchills im Kampf gegen Hitler ist aus nachträglicher Perspektive gesehen, dass dieser Nazi-Deutschland als „größte Gefahr für das Empire” und Europa durch seine ichbezogene Beharrlichkeit nach 1945 eine zumindest für Deutschland bis heute andauernde Friedensperiode bescherte.

Bei aller medialen Bewunderung stellt sich aber trotzdem die Frage, weshalb die Engländer und ebenso die Amerikaner und Sowjets nicht massiv gegen den Holocaust vorgingen, zumal die Briten schon seit 1941 verschlüsselte Berichte über Judenerschießungen in der Sowjetunion kannten. Auch die Bombardierung Dresdens im Februar 1945, die Churchill selbst als „Akt sinnloser Zerstörung” bezeichnete und seine Rolle zur Vertreibung der Deutschen aus den Ostgebieten bedürfen einer weiteren kritischen Aufarbeitung.