Mein Blogpause dauert zwar an, ich habe aber gerade von den Ereignissen in Georgien erfahren und möchte kurz kommentieren.


Aufgeschreckt durch eine SMS von einem Freund konnte ich nur kurz die News überfliegen. Alles scheint schlimmer als zuerst erwartet. Ich kann keine tiefgreifende Analyse liefern, da ich die Nachrichten nicht mitverfolgt habe. Hier der Versuch meine ersten Eindrücke wiederzugeben.

Es erstaunt, dass der Konflikt um Südossetien ausgebrochen ist, da man in den letzten Monaten fieberhaft versucht hat, einen Konflikt um Abchasien zu verhindern. Ebenfalls erstaunt mich, dass sehr viel Initiative von den Georgiern ausgegangen zu sein scheint. Selbst wenn die Russen militärisch provozierten, mit einer sich verabschiedenden US Administration konnte die georgische Seite kaum Interesse an einer Eskalation haben. Jetzt liegt der Ball eigentlich vollständig bei den Russen. Ob und wie weit sie nach Südossetien vorstossen werden um die von ihnen grosszügig mit russischen Pässen ausgestattete Bevölkerung zu “schützen”, ist ausschliesslich ein russischer Zug auf dem kaukasischen Schachbrett.

Ich hoffe, dass die internationale Gemeinschaft und allen voran die EU und die USA sich dafür stark machen, dass die Kriegshandlungen so rasch wie möglich eingestellt werden. Ich hoffe dies nicht nur wegen dem Pulverfass Kaukasus, sondern auch für die Bevölkerung auf beiden Seiten.

Mein Gedanken sind in der Zwischenzeit bei meinen Freunden in Georgien. Ich hoffe dieser Irrsinn hat ein schnelles und unblutiges Ende.

P.S.: Wer mehr zur Situation wissen will, der Artikel beim Economist gibt einen guten Überblick.

Kommentare (4)

  1. #1 Netzklempnerin
    August 8, 2008

    Hallo Ali,

    ich musste an Dich denken als heute die ersten Meldungen reinkamen. Es ist aus Deinem Blog ja klar ersichtlich, dass Du Verbindungen nach Georgien hast. Jetzt kann man wohl nur noch hoffen, dass dieser Albtraum möglichst schnell vorbei geht und möglichst wenige Menschen zu Schaden kommen.

    Grüße,
    Die Netzklempnerin

  2. #2 Thilo
    August 28, 2008

    Was mich mal interessieren würde: Südossetien hat 75000 Einwohner, also weniger als Andorra (immerhin mehr als Monaco oder Vatikanstadt). Wie realistisch ist eine Selbstständigkeit eigentlich unter praktischen Gesichtspunkten, was Verwaltung, Wirtschaft, Bildungswesen etc. angeht?

  3. #3 Ingo
    August 31, 2008

    Ja, Thilo, das ist die ganze Zeit auch meine Frage hier:

    http://www.scienceblogs.de/zoonpolitikon/2008/08/georgische-wahlhilfe-an-mccain.php

  4. #4 ali
    August 31, 2008

    Also in Südossetien gibt es ausser florierendem Schmuggel gar nüscht. Abchasien hat ein touristisches Potenzial, aber ich bezweifle dass die Steinstrände mittelfristig sehr viele Tourtisten (und schon gar nicht mit Geld) anlocken werden. Die meisten werden aus dem vormaligen Sowjetraum kommen. Ansonsten gibt es in Abchasien ein wenig Landwirtschaft (Früchte, Nüsse). Kaum genug um einen ganzen Staat darauf aufbauen zu können.

    Es gibt Beispiele von Mikrostaaten die überleben, weil sie eine Nische besetzen. Viele haben aber trotzdem ihre Schwierigkeiten wegen offensichtlichen Ineffizienzen (das mach sich teils schon bei ‘nur’ kleinen Staaten wie der Schweiz bemerkbar). Ich persönlich glaube, dass es längerfristig eine formelle oder mindestens de facto Integration in die Russische Föderation gibt. Ohne Russland können diese Länder kaum überleben.