Damit ihr über das Wochenende etwas zu grübeln habt, zur Abwechslung mal wieder etwas literarisches. Ein von mir geschätzter Autor (und auch noch Schweizer!) ist Max Frisch. Hier sind 25 Fragen aus Frischs Tagebuch 1966-1971 (Suhrkamp 1972). Ich mag an den Fragen, dass ein Versuch sie zu beantworten meist mehr Fragen aufwirft, als Dinge klärt und dies immer wieder aufs neue. Ihr dürft euch gerne selbst versuchen, vielleicht fühlt sich gar jemand zu einem eigenen Beitrag inspiriert. Viel Spass und ein erholsames Wochenende wünsche ich.

FRAGEBOGEN

1. Sind Sie sicher, daß Sie die Erhaltung des Menschengeschlechts, wenn Sie und alle Ihre Bekannten nicht mehr sind, wirklich interessiert?

2. Warum? Stichworte genügen.

3. Wieviele Kinder von Ihnen sind nicht zur Welt gekommen durch Ihren Willen?

4. Wem wären Sie lieber nie begegnet?

5. Wissen Sie sich einer Person gegenüber, die nicht davon zu wissen braucht, Ihrerseits im Unrecht und hassen Sie eher sich selbst oder die Person dafür?

6. Möchten Sie das absolute Gedächtnis?

7. Wie heißt der Politiker, dessen Tod durch Krankheit, Verkehrsunfall usw. Sie mit Hoffnung erfüllen könnte? Oder halten Sie keinen für unersetzbar?

8. Wen, der tot ist, möchten Sie wiedersehen?

9. Wen hingegen nicht?

10. Hätten Sie lieber einer anderen Nation (Kultur) angehört und welcher?

11. Wie alt möchten Sie werden?

12. Wenn Sie Macht hätten zu befehlen, was Ihnen heute richtig scheint, würden Sie es befehlen, gegen den Widerspruch der Mehrheit? Ja oder Nein.

13. Warum nicht, wenn es Ihnen richtig scheint?

14. Hassen Sie leichter ein Kollektiv oder eine bestimmte Person und hassen Sie lieber allein oder im Kollektiv?

15. Wann haben Sie aufgehört zu meinen, daß Sie klüger werden oder meinen Sie’s noch? Angabe des Alters.

16. Überzeugt Sie Ihre Selbstkritik?

17. Was, meinen Sie, nimmt man Ihnen übel und was nehmen Sie selbst übel, und wenn es nicht dieselbe Sache ist: wofür bitten Sie eher um Verzeihung?

18. Wenn Sie sich beiläufig vorstellen, Sie wären nicht geboren worden: beunruhigt Sie diese Vorstellung?

19. Wenn Sie an Verstorbene denken: wünschten Sie, daß der Verstorbenen zu Ihnen spricht, oder möchten Sie lieber dem Verstorbenen noch etwas sagen?

20. Lieben Sie jemand?

21. Und woraus schließen Sie das?

22. Gesetzt den Fall, Sie haben nie einen Menschen umgebracht, wir erklären Sie es sich, daß es dazu nie gekommen ist?

23. Was fehlt Ihnen zum Glück?

24. Wofür sind Sie dankbar?

25. Möchten Sie lieber gestorben sein oder noch eine Zeit leben als ein gesundes Tier? Und als welches?

Kommentare (9)

  1. #1 Münze
    Mai 30, 2009

    Ich versuche mal die Fragen nach bestem Wissen und Gewissen zu beantworten.
    1. Nein.
    2. Weil ich wenn ich tot bin ich keine Interessen mehr habe. Oder missverstehe ich Frage eins?
    3. Das ist leicht, denn ich habe noch keine.
    4. Einem inkompetenten Mathematiklehrer während der Schulzeit. Ansonsten hatte ich bis jetzt Glück mit meinen Bekanntschafften.
    5. Ja, eher – wenn auch nicht nur – die andere Person.
    6. Mhhh, ja.
    7. Kim Jong Il
    8. Heißt wiedersehen, dass ich ihn gekannt haben muss? Ich antworte mal so als ob.
    Meinen Großvater.
    9. Niemanden.
    10. Aus Interesse gerne. USA oder Großbritannien.
    11. Ohne körperlichen und geistigen Verfall gerne auch 1000 Jahre, aber realistisch 80-85.
    12. Ich fürchte ja.
    13. entfällt
    14. Eine Person und lieber alleine.
    15. Ich meine noch immer. 23.
    16. Wenn sie berechtigt ist meistens schon.
    17. Überheblichkeit. Perfektionismus. Weder noch.
    18. Beunruhigt? Nein, aber es stellen sich viele Fragen.
    19. Ersteres.
    20. In der Tat.
    21. Das ist eine sehr schwere Frage. Woraus schließe ich, dass ich ein beliebiges Gefühl habe? Auch wenn es mich selbst nicht zufriedenstellt: Ich habe keine Ahnung.
    22. Anscheinend war ich nie in einer Situation, die es erforderte einen Menschen zu töten um mich oder andere zu schützen.
    23. Glück ist ein weiter Begriff und ich selbst halte mich für relativ glücklich. Natürlich geht es immer noch besser aber zum Glück an Sich fehlt mir nichts.
    24. Am meisten für meine Geburt.
    25. Hmm noch ne Runde Homo sapiens 😉 Ansonsten vielleicht mal als Hauskatze oder Wolf.

    Viele Interessante Fragen dabei, aber irgendwie lässt mich 21 nicht wirklich los.

  2. #2 Christian A.
    Mai 30, 2009

    Ich liebe cherry-picking, deshalb werde ich mich bemühen nicht alle Fragen zu beantworten 😉

    1. Ja
    2. Der Gedanke, dass es keine Menschen mehr geben sollte, erfüllt mich mit einem unbestimmten Gefühl der Trauer.

    zu 3.: Münze, ich glaube du hast die Frage falsch verstanden 😉 Ich glaube, da fragt er, wieviele Kinder verhindert wurden, die empfangen (oder geboren) werden hätten können.

    5. Gehört verheimlichen auch dazu? Wenn ja, dann ja und mich selber
    6. Ja
    10. Finnland
    11. unendlich alt.
    15. Ich werde noch klüger (Alter: alt genuch 😉
    16. Komische Frage. Wenn ich nicht von meiner Selbstkritik überzeugt würde, würde ich sie nicht üben.
    18. Unbeantwortbar für mich, da unvorstellbar
    19. ersteres.
    25. Hauskatze klingt gut. Zumindest so als (Bauern-)Hofkatze. Die können ihre Triebe und Bedürfnisse ausleben (Jagd und so) und haben trotzdem ihren Fressnapf als Sicherheit.

    Ich weiß nicht, ob man die Fragen hier so beantworten sollte, kann doch einen ordentlichen Seelenstriptease darstellen 😉 Ich finde aber, sie sind ein hervorragender Anstoß, mal eine Pause einzulegen und zu reflektieren.

  3. #3 Odysseus
    Mai 31, 2009

    Interessante Liste! Lustig auch: Die meisten Fragen hätte ich genauso beantwortet wie @Münze, insbesondere bei #1, 7 und 11 waren das auch ziemlich genau meine ersten Gedanken — Zufall, Seelenverwandschaft oder einfach Mitglied derselben Generation? Ausnahme wäre #14: Ich hasse wohl lieber ein Kollektiv: Einen einzelnen Menschen zu hassen, fällt mir schwer, bin ich vielleicht doch heimlich ein Philanthrop? Ansonsten stimme ich in fast allem überein.
    Deswegen lasse ich die Liste meiner Antworten jetzt aus und gehe ebenfalls direkt auf Frage 21 ein, die mich schon öfter beschäftigt hat: Wenn ich alleine bin, fällt es mir auch schwer, darauf eine Antwort zu finden, aber in Gegenwart der bezeichneten Person stellt sich immer ein Glücksgefühl bei mir ein, das niemand sonst mir geben kann. Ist das Liebe? Für mich persönlich definiere ich es jedenfalls so.

  4. #4 Andreas Kyriacou
    Mai 31, 2009

    Wem das noch nicht genügt, kann mit den 66 Fragen von Franz Hohler weitermachen. (Auch er ein Schweizer Schriftsteller). Veröffentlicht wurden sie erstmals im Buch Ein eigenartiger Tag (1979).

  5. #5 Münze
    Mai 31, 2009

    @Christian
    Also wenn ich mir die Frage jetzt nochmal durchlese frage ich mich wie auf soetwas kommen konnte. DIe Frage passte auch irgendwie kaum zu den anderen.
    In dem Fall:3. Viele.

  6. #6 Alexander Müller
    Juni 1, 2009

    Versuch die Fragen zu beantworten oder wenigstens mit Gegenfragen zu erwidern:

    1. Nein, bin nicht sicher.

    2. Was kümmert einen Toten schon den Fortbestand der Menschheit? Er hat es hinter sich. Hauptsache, dass die Evolution weiter geht.

    3. Diese Frage ist ungerecht. Frauen sind bei der Beantwortung dieser Frage klar im Vorteil.

    Zum Rest kein Kommentar.

  7. #7 Ronny
    Juni 2, 2009

    Erstmal danke für die Fragen, sie haben eine interessante Diskussion ausgelöst.

    Es stellte sich aber heraus, dass es viel interessanter war die gegebenen Antworten zu analysieren als die Fragen selbst zu beantworten.

    Beispiele:
    1) Warum antworte ich so ?
    2) Was sagt das über mich aus ?
    3) Ist das wirklich meine wahre Antwort oder nur eine Maske die ich aufsetze ‘weil ich so sein will’.
    4) Finde ich ‘bedenkliche’ Antworten wirklich bedenklich oder beuge ich mich einem sozialen Druck der mir solche Gedanken verbietet.
    5) Gebe ich ‘nicht gefragte, abweichende’ Antworten, z.B. bei der Frage nach der Person die ich nach dem Tod sehen will: Ist da mein Antwort: Es gibt kein Leben nach dem Tod.
    6) Warum sehen mich die anderen Menschen oft ganz anders als ich mich selbst ?

  8. #8 X-tof
    Juni 12, 2009

    oha – da scheint jemand gerne Fragen zu lesen und auch zu beantworten. Da mache ich doch gleich mal etwas Werbung: http://www.coverd.mega-stoffel.de
    Dort gibt es jede Woche neue Fragen – wenn die Leute, die vorbeisurfen welche niederschreiben. Vielleicht gefällt dieses Projekt ja?
    Viele Grüße aus Stuttgart
    vom X-tof

  9. #9 nidan777
    Mai 2, 2011

    ja.