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Inzwischen gibt es hier in den USA unzählige Sportarten als Fantasy Variante. Fantasy Football, Baseball, Basektball und viele mehr. Man stellt sich ein hypothetisches Team zusammen und spielt gegen andere Teams auf der Basis der Statistiken der echten Liga. Von vielen unbemerkt hat sich eine andere Fantasie Disziplin eingeschlichen: Fantasy Politics.

Eine vor kurzem veröffentlichte Umfrage des Pew Forum on Religion and Public Life zeigt, dass ein wachsender Anteil der US Bevölkerung der Meinung ist, Obama sei ein Muslim. Es scheint als ob je konservativer republikanisch jemand ist, desto eher hält er dieses in der Wahlkampagne schon aufgetauchte Gerücht für wahr. 31% aller Republikaner und gar 34% der sich als konservativ bezeichnenden Mitglieder der Grand Old Party sind der Meinung Obama sei muslimischen Glaubens. Obwohl die gleichen Kreise ihn während dem Wahlkampf wegen seines Pfarrers angegriffen haben (aber wer erinnert sich noch an Jeremiah Wright).

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Dies sollte vielen Amerikanern zu denken geben. Marktschreierisches und Emotionen verkaufen sich meistens besser und der politische Diskurs hatte wohl schon immer eine Tendenz Realitäten zu verzerren. Wenn aber in einer Demokratie und freiem Informationsfluss Fakten einfach erfunden werden können und trotz offensichtlicher Inkorrektheit dermassen grosse Gruppen sich von diesen Falschinformationen überzeugen lassen (wollen) dann steht dieses System vor einem Problem. Wie soll in einer politischen Diskussion ein Konsens gefunden werden und wie soll man überzeugen, wenn eine oder beide Seiten auf der Basis von frei erfundenen Fakten operiert? Das wäre wie jemand der über die Leistung der Yankees im letztem Spiel diskutieren möchte feststellen muss, dass sein Diskussionpartner von seiner Fantasy Baseball Liga spricht.

Dazu kommt, dass gerade die von der republikanischen Rechten so oft als unter Beschuss wahrgenommenen US Verfassung (Artikel VI Absatz 3) vorsieht, dass kein religiöse Vorbedingung (“no religious test“) für ein gewähltes oder nicht gewähltes Amt im öffentlichen Dienst gestellt werden darf. Aber auch die Verfassung scheint oft Teil der Fantasy Politics zu sein.

Kommentare (18)

  1. #1 Naria
    September 2, 2010

    Hm, ich hatte nicht gedacht, das tatsächlich so viele das glauben. Es tauchte immer einmal wieder bei fstdt auf, aber 30% der Republikaner? o_O

    Das ganze ist gefühlt sogar noch schlimmer: Wenn man schon auf Basis von erfundenen Fakten arbeitet und darauf hingewiesen wird (so eindeutig wie die Probleme mit dem Pfarrer z.B.) aber sich gegen jedes Argument wehrt. Was tun, wenn das Gegenüber gar nicht an der Wahrheit interessiert ist? …schlimm

  2. #2 rolak
    September 2, 2010

    Die einen kaum, die anderen drastisch – aber alle in dieselbe Richtung^^

    Gab es eigentlich noch eine vierte Antwort (~leave me alone) oder wo sind die Prozentpunkte hin, die in der Summe der Totalen fehlen?

  3. #3 Webbaer
    September 2, 2010

    Wichtiger als was er jetzt ist, wird vielleicht sein, was er sein wird. 🙂

  4. #4 kommentarabo
    September 3, 2010

  5. #5 Gluecypher
    September 3, 2010

    Marktschreierisches und Emotionen verkaufen sich meistens besser und der politische Diskurs hatte wohl schon immer eine Tendenz Realitäten zu verzerren. Wenn aber in einer Demokratie und freiem Informationsfluss Fakten einfach erfunden werden können und trotz offensichtlicher Inkorrektheit dermassen grosse Gruppen sich von diesen Falschinformationen überzeugen lassen (wollen) dann steht dieses System vor einem Problem.

    Ein Schelm, wer irgendwelche geltungssüchtigen, triefäugigen Ex-Politiker damit in Verbindung bringt.

  6. #6 ali
    September 3, 2010

    @rolak

    Gemäss Fragebogen gab es folgende Antworten:
    Christ, Jude, Buddhist, Hindu, Atheist, Agnostiker, Anderes, Ich weiss es nicht, Aussage verweigert. Das alles zusammen ergab dann schön 100.

    Witzigerweise antwortete einer Obama sei Buddhist, aber keiner optierte für die wohl plausibelste alternative Antwort Atheist oder Agnostiker.

  7. #7 rolak
    September 3, 2010

    Vielen Dank (und sorry: hatte ich im von Dir verlinkten Artikel glatt übersehen). Bei der Auswahl finde ich es eher interessant 1) eine welch große Mehrheit sich auf die hier zu sehenden 3 Punkte konzentriert und 2) daß es meinen nicht ganz ernst gemeinten Punkt zumindest in der Auswertung gibt ;-).
    Erstaunlich ist für mich der winzig kleine Gesamtanteil des inets an der Meinungsbildung ‘Moslem’; entweder ist die Quasselmacht von TV/Radio alleine wesentlich größer als ich dachte oder sich im durchs www stark vergrößerten Kreis der Gleichgesinnten {bestätigt} findende RealLife-Aktivisten tragen so eine Kampagne durch diese althergebrachten Medien weiter.

  8. #8 ali
    September 3, 2010

    @rolak

    In Bezug auf TV/Radio erkläre ich mir das mit zwei Gründen. Erstens, wenn man sich nicht so sicher ist wo man etwas gehört hat, erwähnt man wohl einfach was man am meisten konsumiert (wenn ich mich nicht erinnere ist meine default Antwort als fernsehloser Mensche meistens “habe ich irgendwo gelesen, glaube ich”). Zweitens, Fox-News und konservatives Talk Radio sind wohl auch die Medien wo solche Gerüchte zwar nicht explizit bestätigt werden aber doch zumindest gepflegt.

    “Antwort verweigert” gehört in einen halbwegs anständigen Fragebogen, gerade wenn man Fragen zu Politik stellen möchte.

  9. #9 rolak
    September 3, 2010

    Da kann man mal sehen, wie wenig anständig gemachte Polit-Umfragen mich bisher erreicht haben. Zugegebenermaßen ist allerdings ‘keine Ahnung’ bei weitem nicht dasselbe wie ‘keine Aussage’, hätte ich eher drauf kommen können.

    Ja, die falsche Zuordnung der Quelle kommt mir auch recht wahrscheinlich vor. Und so etwas wie crank magnetism dürfte tatsächlich auch im Politischen vorkommen – und schon wird ein Gerücht gepflegt und einer Meinung eine scheinbar breite Basis gegeben. Und genau die hat sie dann später auch tatsächlich.

    Mit dem Denkmodell (die Richtigen anfüttern) könnten auch einige einsA-VTn generiert werden 🙂

  10. #10 Redfox
    September 3, 2010

    Wobei man nicht vergessen sollte das auch Hillary Clinton in der Vorwahlzeit, als Obama noch ihr Konkurrent im innerparteilichen Kampf um die Präsidentenkandidatur war, wenig getan hat diese Gerüchte zu zertreuen. Eher im Gegenteil.

    Wie soll in einer politischen Diskussion ein Konsens gefunden werden und wie soll man überzeugen, wenn eine oder beide Seiten auf der Basis von frei erfundenen Fakten operiert?

    Genau diese Frage warf Tom Tomorrow in einer seiner letzten Comicstrips auf:

    Without the most fundamental Consensus Reality–How can Society function?

    Nicht vergessen sollte man auch die Birthers die Obamas Geburtsort anzweifeln und damit sein Recht Präsident zu werden( weil der 61. Verfassungszusatz noch nicht verabschiedet wurde).

    Inzwischen gibt es hier in den USA unzählige Sportarten als Fantasy Variante. Fantasy Football, Baseball, Basektball und viele mehr. Man stellt sich ein hypothetisches Team zusammen und spielt gegen andere Teams auf der Basis der Statistiken der echten Liga.

    Fantasy War gibts mittlerweile auch: Deadliest Warrior.

  11. #11 Redfox
    September 3, 2010

    (ich hasse diesen Spamfilter) (1/4)

    Wobei man nicht vergessen sollte das auch Hillary Clinton in der Vorwahlzeit, als Obama noch ihr Konkurrent im innerparteilichen Kampf um die Präsidentenkandidatur war, wenig getan hat diese Gerüchte zu zertreuen. Eher im Gegenteil.

  12. #12 Redfox
    September 3, 2010

    (ich hasse diesen Spamfilter) (2/4)

    Wie soll in einer politischen Diskussion ein Konsens gefunden werden und wie soll man überzeugen, wenn eine oder beide Seiten auf der Basis von frei erfundenen Fakten operiert?

    Genau diese Frage warf Tom Tomorrow in einer seiner letzten Comicstrips auf:

    Without the most fundamental Consensus Reality–How can Society function?

  13. #13 Redfox
    September 3, 2010

    (ich hasse diesen Spamfilter) (3/4)

    Nicht vergessen sollte man auch die Birthers die Obamas Geburtsort anzweifeln und damit sein Recht Präsident zu werden( weil der 61. Verfassungszusatz noch nicht verabschiedet wurde).

  14. #14 Redfox
    September 3, 2010

    (ich hasse diesen Spamfilter) (4/4)

    Inzwischen gibt es hier in den USA unzählige Sportarten als Fantasy Variante. Fantasy Football, Baseball, Basektball und viele mehr. Man stellt sich ein hypothetisches Team zusammen und spielt gegen andere Teams auf der Basis der Statistiken der echten Liga.

    Fantasy War gibts mittlerweile auch: Deadliest Warrior.

  15. #15 Redfox
    September 3, 2010

    Oh, fast vergessen; noch ein Beispiel für wahnwitzige Auswüchse in der US-Politik:

    http://globalklima.blogspot.com/2010/09/das-kann-man-nicht-erfinden.html

  16. #16 Randifan
    September 4, 2010

    Wenn Obamas Gegner behaupten Obama sei Moslem, könnte es auch bedeuten, er mache seinen Job hervorragend, da es keine konstruktivere Kritik gegen ihn gibt.

  17. #17 Andreas P.
    September 9, 2010

    @Randifan seit wann wird der politische Gegner mit konstruktiver Kritik bekämpft?! Polemik, Desinformation und die ganzen kleinen Psychotricks die man heutzutage drauf hat funktionieren doch so viel besser …

    Darüber hinaus sollte man Obama nicht idealisieren … die Absichten, Methoden und Ergebnisse unterscheiden sich nur graduell von seinen Vorgängern, nur die Rethorik ist besser geworden.

  18. #18 Redfox
    September 12, 2010

    Vor einer Idealisierung Obamas sollte man sich wirklich hüten. Ganz interessant finde ich dieses Interview mit Bruce Schneier aus der taz:

    http://www.taz.de/1/netz/netzpolitik/artikel/1/obama-enttaeuscht-mich/

    Barack Obama hat auch deshalb die Wahl gewonnen, weil er versprach, mehr Informationen zu veröffentlichen und weniger Geheimnisse um Sicherheitsmaßnahmen oder Überwachungen zu machen als sein Vorgänger. Sind Sie enttäuscht darüber, was da jetzt passiert?

    Ich bin sehr enttäuscht. Obama macht einfach mit den gleichen Regierungsprogrammen weiter und erweitert sogar einige – und zwar mit den gleichen Vollmachten des Präsidenten, gegen die er in den Wahlkampf zog.

    Ist Obama schlimmer als Bush oder genauso schlimm?

    Ich bin von Obama enttäuschter, weil ich besseres von ihm erwartet habe – und das geht vielen Amerikanern so. Sobald etwas sowohl von einem Republikaner als auch von einem Demokraten im Weißen Haus getan wird, wird es institutionalisiert – und lässt sich später um so schwerer wieder aufheben.