Ein kurzer Gedanke zu den Revolutionen im Nahen Osten: In Tunesien hat es begonnen, dann kam Ägypten. Wie Dominosteine schien ein arabischer autoritärer Herrscher nach dem anderen zu fallen. Die Aufmerksamkeit in den westlichen Medien hat nachgelassen, trotzdem protestieren viele ihr Leben riskierend weiter. Ich bin überzeugt im sogenannten arabischen Frühling steckt die Chance auf ein “Rebranding” für die arabische Welt.

Es gibt Klischees die sich in westlichen Gesellschaften hartnäckig halten, regelmässig neu aufgelegt werden und nahtlos in leicht abgeänderter Form neue Projektionen zulassen. Ein sehr diverser Kulturraum wird in einen grossen Topf geworfen und ein paar liebgewordene Vorurteile werden beigegeben. Gut umrühren und schon kann man damit Überheblichkeit und Kriege rechtfertigen. Eine romantisierte Karikatur existierte schon im 18 Jahrhundert. Der Orient galt als ein Ort der Leidenschaft (und die Faszination mit dem Harem war ein nicht unwichtiger Teil davon), welche gleichzeitig ein Gegenstück zur europäischen Vernunft darstellte. Repräsentiert wird dies zum Beispiel durch die Geschichten von Tausend und einer Nacht, einige davon, eigentlich von einem Franzosen erfunden (und ironischerweise mittlerweile re-importiert). Das Bild vom von Leidenschaft getriebenen Araber konnte immer wieder neu verwendet werden: Die Attribute der fehlenden Selbstbeherrschung, ein in Traditionen verhafteter Konservativismus, autoritär, grausam, oft von Rachedurst und Blutrünstigkeit getriebenen und gleichzeitig kindlich unterwürfigen Arabers, waren nicht nur nützlich um einen Sultan zu denunzieren, sondern konnten auch herangezogen werden um Kolonialreiche zu rechtfertigen, den palästinensischen (und wie oft vergessen wird, säkularen) Terrorismus der 70er Jahre einzuordnen oder jetzt den religiösen Fanatismus der Islamisten mit Leichtigkeit zu “erklären”. Die Behauptung, dass der Islam an und für sich nicht kompatibel mit Demokratie sei oder dass das die arabische Welt an und für sich wissenschaftlich Rückständig sei und in mittelalterlicher Dunkelheit verharre, basieren auf diesen alten Klischees.1

Durch die Proteste die wir seit Anfangs Jahr in Nordafrika und dem Nahen Osten beobachten konnten, scheint sich nun kurzfristig ein Fenster zu öffnen, welches eine fundamentale Verschiebung dieser Wahrnehmung mit sich bringen könnte. Es sind sehr viele junge Menschen, die auf die Strasse gingen. Moderne Kommunikationsmittel haben die Proteste, wenn vielleicht auch nicht ausgelöst, dann verstärkt: Man sprach von “Twitter” und “Facebook Revolutionen”. Die Aufstände schienen von unten zu kommen und nicht vom Westen orchestriert zu sein, richteten sie sich doch gegen jene autoritären Herrscher, die oft vom Westen unterstützt wurden. Die Menschen auf der Strasse verlangten demokratische Reformen und die säkular organisierten Proteste waren über weite Strecken friedlich (Gewalt wird und wurde typischerweise von den Machthabern ausgeübt).

Die Aufmerksamkeit scheint jedoch leider nach zu lassen und das Fenster sich zu schliessen, die Revolutionen in Gewalt und Repression zu ersticken. Der beste Weg für eine nachhaltige Veränderung wäre wahrscheinlich, wenn zumindest Tunesien und Ägypten erfolgreich stabile demokratische Reformen durchführen könnten (im ersten Fall habe ich immer noch viel Hoffnung, der zweite macht mir mehr und mehr Sorgen diesbezüglich). Dies würde nicht nur eine Aussenwirkung in Richtung Westen haben, sondern auch wichtig für die arabische Selbstwahrnehmung sein. Demokratie tritt als Basisbewegung auf und nicht als westlicher Import, ein Aufstand gegen die autoritären Vaterfiguren. Reformen würden so ein wichtiges Signal für andere arabische Staaten sein. Vielleicht wäre eine solche Entwicklung auch die beste Chance auf eine Lösung für den Konflikt um die Palästinenser. Darum müssen wir die Revolutionen im Auge behalten und dürfen nicht vergessen, wie wir vor den Bildschirmen klebten als Ben Ali vertrieben wurde und als Mubarak seine Reden hielt. Diese Revolutionen gehen weiter und täglich protestieren nach wie vor viele Menschen mutig gegen dies Unterdrückung. Sie dürfen nicht wegen unseren Aufmerksamkeitsdefizit in Vergessenheit geraten.

1Ich mache in diesem Zusammenhang bewusst keine klare Trennung zwischen Islam und Arabischer Kultur weil die sich im Klischee eben auch vermischt. Es ist mir bewusst, dass es sich um zwei unterschiedliche Konzepte handelt.

Kommentare (26)

  1. #1 Jürgen Schönstein
    Juli 4, 2011

    A propos “mittelalterliche Dunkelheit”: Ich bin mir zwar nicht ganz sicher, ob dies bis ins Letzte historisch verbürgt ist, aber ich erinnere mich (und finde dazu auch Quellen im Web), dass wir vor allem der jungen islamischen und arabischem Kultur und ihrer deutlich größeren Aufgeschlossenheit für Naturwissenschaften (!) – im Vergleich zur verdunkelten mittelalterlichen Kultur Europas – verdanken, dass die grundlegenden Werke griechischer Wissenschaftler und Philosophen überlebt haben und dass sie dann, in Rückübersetzung, die Renaissance und alle folgenden erleuchteten und aufgeklärten Zeitalter inspirieren konnten. Dies nur mal vorsorglich an die Adresse all jener, die eine grundsätzliche Überlegenheit des “Westens” (wie immer man den definieren mag) über den arabisch-islamischen Kulturraum fordern. Fragt Euch mal, warum so viele Begriffe in unseren Naturwissenschaften (von “Algebra” bis “Zenit”) aus dem Arabischen stammen …

  2. #2 ali
    Juli 4, 2011

    @Jürgen

    Es gab halt immer einen Austausch. Die Griechen lernten in Ägypten, die Araber bei den Griechen und dann die Europäer bei den Arabern usw. Die Menschheit ist in der Regel gar nicht so borniert wie man manchmal glauben könnte (obwohl der Austausch häufig auch einfach ein Nebeneffekt von Eroberungen war). Erwähnenswert in diesem spezifischen Zusammenhang sicher auch die von dir angesprochene Übersetzungsbewegung (hier ein hörenswertes In Our Time welches dem Thema gewidmet war).

  3. #3 Launo
    Juli 4, 2011

    Das ist jetzt vielleicht etwas off topic, aber interessiert mich gerade. Man spricht ja gemeinhin von der islamischen Blütezeit. Wie kam es dann zu einem Rückschlag? Waren es wirklich die Kreuzzüge? Oder doch die Mongolen? Was ist da passiert?

  4. #4 maxfoxim
    Juli 4, 2011

    interessante Frage, die auch in die Richtung von Launo geht. Warum ist es heute nicht mehr so, dass die arabischen Länder wissenschaftlich “fortgeschritten” sind??

  5. #5 KommentarAbo
    Juli 4, 2011

  6. #6 ali
    Juli 4, 2011

    Da bin ich überfragt. Ich vermute, dass viele Faktoren Einfluss haben. Hier trotzdem ein paar allgemeine Anmerkungen dazu.

    Ich weiss nicht ob diese Frage so einfach beantwortet werden kann. Zuerst einmal gab es wohl verschiedene Blütezeiten, in verschiedenen Regionen. Man müsste also klären was man genau meint (geographisch, Zeitspanne und spezifische Bereiche). Dann ist die Frage warum ein Hochkultur verschwindet in der Regel schwer bis unmöglich zu beantworten, da immer unzählige Variablen einen sehr langsamen Prozess beeinflussen. Fest steht nur, das Zivilisationen und Grossreiche kommen und gehen.

    Häufig wird gesagt, dass das 21. Jahrhundert das Jahrhundert Asiens sein wird. Falls dem so ist, wie würde man die Frage beantworten, warum dieser Umbruch stattgefunden hat, wir stecken ja theoretisch mittendrin? Solche Umbrüche passieren vermutlich nicht mit einem Knall, sondern schleichend und das ein Teil des Problems, wenn man sie an etwas festnageln möchte.

    Stellt man die Frage nun spezifisch in Bezug auf die Wissenschaftsgeschichte, würde ich sehr viel an ökonomischen Bedingungen festmachen (und vielleicht im Schlepptau von dem auch von politischen Entwicklungen).

    Aber vielleicht taucht hier jemand auf, der sich historisch genauer auskennt.

  7. #7 Christian A.
    Juli 4, 2011

    Ich kenne mich historisch nicht genauer aus, aber diese Frage ist eine, die mich auch schon länger umtreibt. Ich weiß über die Wissenschaftsgeschichte in den islamischen Ländern so gut wie gar nichts.
    Ich hab mal gegoogelt und das hier gefunden: Islam und Wissenschaft. Ein Gegensatz? Gründe für den Niedergang der Blütezeit des Islams. Scheint ein guter Blog zu sein, der verlinkte Artikel ist eine Collage aus verschiedenen anderen (verlinkten) Artikeln, enthält sich aber eines abschließenden Urteils :)
    Scheint’s, als ob der Niedergang in die Zeit des osmanischen Reiches fällt.

  8. #8 lynxxx
    Juli 5, 2011

    Hi. Ich freue mich, dass offenbar inzwischen mein Blog auch in google auffindbar ist. :) Ja, die Frage des Niedergangs ist sehr komplex. Im Nahen Osten werden sehr gerne exogene (also von außen kommende) Faktoren betont, also z.B. der “Mongolensturm” mit seinen katastrophalen Folgen für die Wissenschaften, oder die Völkerwanderung der Turkvölker, wo viel Ackerland in Weideland umgewandelt wurde, daher die wirtschaftlichen Möglichkeiten des Mäzenatentums sank (welches immer wichtig für die Wissenschaftler war), etc. Im Westen wurden oft vereinfachend dazu noch endogene Faktoren genannt, z.B. Al-Ghazali’s intellektuelle Auseinandersetzung mit der Philosophie, etc. Insgesamt lässt sich feststellen, dass der Niedergang nicht so früh einsetzte, wie man noch vor einigen Dekaden dachte, sondern der Schwung der Innovationen sich eher verlangsamte, dann stagnierte bis er im Zeitalter der Osmanen langsam eher rückläufig wurde, da die Hochschulen konservativer in ihren Lehrplänen wurden. So zumindest eine der Thesen, die ich in meinem Blog zitierte. Es ist vor allem der Aufstieg des Abendlandes gewesen, das sozusagen irgendwann das Morgenland überholte, und im Rückspiegel mag es so aussehen, als würde das Morgenland bremsen, dabei machte es durchaus noch Entdeckungen, schritt weiter voran, nur eben nicht so schnell wie der Okzident. Ich habe im Blog noch andere Artikel die die Wissenschaft des Nahen Ostens thematisiert, zudem kannste mal nach meinem Nick lynxxx im geschichtsforum.de suchen, dort habe ich im Thread “Was wir den Arabern verdanken” einige längere Postings verfasst, die ich vielleicht auch noch mal irgendwann in meinem Blog einpflegen werde.
    Ja, ich enthalte mich öfters eines abschließenden Urteils, weil ich in dem Blog eher wissenschaftlich deskriptiv schreiben wollte, also beschreiben, wie die Dinge (z.B. aus akademischer Sicht) gesehen werden. Oder ich hab schlicht auch kein vereinfachendes Gesamturteil. :) Es geistern schon so viele subjektiven Meinungen zum Islam, zum Orient, zur Türkei, usw. im Netz herum, oft getragen von nur einem Halbwissen, so dass ich vor allem die akademische Sicht mal in dem Blog abdecken wollte.
    Ansonsten, bei konkreten Fragen, gerne auch den dortigen Kommentarbereich nutzen, falls ich diesen Post hier aus den Augen verlieren sollte.
    Ciao und Gruß.

  9. #9 Lars
    Juli 5, 2011

    ist das mit dem dritten weltkrieg eigentlich immer noch unwahrscheinlich ?obwohl sich die lage in syrien immer weiter verschlechtert ?

  10. #10 michael
    Juli 5, 2011

    @lars

    gääääääääääääääääääääääääääääääääääähn

  11. #11 Ritinardo
    Juli 5, 2011

    Von kurzfristigem Fenster würde ich nicht reden. Das entscheidende vor allem in Tunesien und Ägypten fand ich die massiven Streikbewegungen, die es im übrigen auch weltweit, z.B. in China gibt. Sowohl in Nordafrika als auch in Asien haben sich Streiks als Widerstand gegen die Verhältnisse in den letzten 10 Jahren massiv verstärkt. und hier existiert auch der wirtschatliche Druck, der die Mächtigen zum Handeln oder Abgang zwingt. M.E. sind die großen Demonstrationen mehr Solidaritätsbewegungen dazu gewesen, die aber keinen Herrscher wirklich bedrängt haben. Allenfalls haben sie klar gemacht, dass die Stadtbevölkerung und die ArbeiterInnen sich nicht auseinanderdividieren lassen. Diese Streiks finden auch imer noch massiv statt, ohne das darüber breit berichtet wird. (http://bikyamasr.com/wordpress/?p=35242 , http://english.ahram.org.eg/NewsContent/3/12/14605/Business/Economy/Armys-warning-shots-fail-to-end-Suez-Canal-strike.aspx,… )

  12. #12 Klaus
    Juli 5, 2011

    Ich empfehle einfach mal Jeremy Rifkin lesen!

  13. #13 Ritinardo
    Juli 5, 2011

    @Klaus Rifkin ist ein Spinner. Von egen das Ende der Arbeit. Für so eine Behauptung hat er keine Belege. Zum Teil wanderten Produktionen in andere Länder ab. Aber die Produktion selbst steigt immer weiter. Und der Mensch ist dabei auch unersetzlich, da die Automatisierung sich nicht durchsetzt. Zum Teil ist die Entwicklung da schon rückläufig (z.B. Auto- und Handyindustrie). Die Produktivität nimmt zwar zu, aber nicht ewig.

  14. #14 Stefan
    Juli 5, 2011

    Islam und Wissenschaft ist sicher ein interessantes und auch komplexes Thema. Interessant aber auch, dass offenbar viele Akademiker in der islamischen Welt denken, dass sie nur deswegen zurückgefallen sind, weil sich die Machthaber vom wahren Islam entfernt haben, steht doch alles, was man über wissenschaftliches Denken und Arbeiten wissen muss, bereits im Koran. Die Antwort wäre also ein zurück zu den Wurzeln, zurück ins goldene Mittelalter, und alles wird wieder gut.

    Andererseits hat in manchen islamischen Ländern die wissenschaftliche Tätigkeit in den vergangenen Jahren stark zugenommen, vor allem in der Türkei und Iran, welche den größten Output liefern. Dazu ein Themenschwerpunkt von Nature aus dem Jahr 2006:

    http://www.nature.com/news/specials/islamandscience/index.html

  15. #15 Lars
    Juli 5, 2011

    @michael was gääääääähhhhhhhnnnn? ich wollte nur wissen ob ihr das it dem dritten weltkrieg immer noch für unwahrscheinlich hält ,obwohl sich die lage in syrien immer weiter verschlechtert. ich will hier in diesem thread aber jetzt nix mehr schreiben snst gibts ärger

  16. #16 Georgios Chatzoudis
    Juli 5, 2011

    Sehr geehrter Herr Arbia,

    ein sehr interessanter Blogbeitrag, der mich wiederum auf die Idee gebracht hat, Sie zu fragen, ob Sie für ein Interview für unser Wissenschaftsportal L.I.S.A. zur Verfügung stünden? Wir befassen uns seit längerer Zeit mit den aktuellen Ereignisse in der Arabischen Welt und interviewen Wissenschaftler dazu: http://www.lisa.gerda-henkel-stiftung.de/content.php?nav_id=1483.

    Sollten Sie Interesse an einem Interview haben, würde ich mich sehr über eine Nachricht freuen.

    Viele Grüße
    Georgios Chatzoudis, Leiter der Online-Redaktion der Gerda Henkel Stiftung

  17. #17 Martin Schmidt
    Juli 5, 2011

    @Jürgen Schönstein
    Um die Sache ein wenig zu komplettieren:
    Das Sexagesimalsystem stammt ursprünglich von den Sumerern und Babylonier, Dezimalsystem sowie die Idee des Stellenwertsystemes von den Indern. Die Griechen selbst kannten kein Stellenwertsystem, was wohl daran liegen könnte, dass sie weniger im Handel tätig waren und ihnen ein Stellenwertsystem insgesamt eher verhasst erschien. Gleiches gilt für die Römer. Die Motive und Ursprünge für die Ausbreitung und Weitergabe dieses Wissens kann man getrost im Handeln suchen, den die Araber mit dem Fernen Osten und zuletzt Europa führten. So gesehen hatte der damalige “globalisierte” Handel weitreichende Konsequenzen für die Entwicklung der westlichen Welt. Die erste Idee des westlichen Monothesmus findet man bei Echnaton während es in Mesopotamien lediglich eine Mischform gab und somit – obgleich als Wiege der Zivilisation gelten kann – kein Vorläufer unsereres Monotheismus’ darstellt.

    @Ali
    Es ist bedauerlich, dass diese Zusammenhänge und das Wissen ob unserer Ursprünge,
    gerade im Rahmen einer europäischen Vereinigung und trotz der fantastischen, neuen Möglichkeiten, nicht in dem Maße gelehrt werden, dass eine vorurteils- und spannungsfreie Begegnung zwischen Abend- und Morgenland möglich ist. Andererseits steht der Neugier
    die ebenso menschliche Argwohn gegenüber, die durch Subjektivitäten oder einfach nur
    durch Dummheiten richtungsweisend genährt wird. Intellekt bringt einen eine fundamentale
    Kenntis der arabischen Sprache und Schrift wesentlich weiter als das Erlernen einer
    weiteren indogermanischen Sprache. Doch durch puren Intellekt wie etwa die sieben freie
    Künste lässt sich keine Familie ernähren. Eine altbekannte Weisheit aus dem Mittelalter.

    Meine persönlichen Erfahrungen mit Arabern, Persern oder Indern – oder aber Moslems – waren stets bereichernd und von sonderbarer Einfachheit und Herzichkeit im Umgang sowie gegenseitigem Respekt sowie Achtung geprägt. Ich
    habe allerdings grosse Zweifel, dass sich die Ressentiments, Klischees und Vorurteile
    gänzlich abbauen lassen. Selbst dann, wenn eines Tages im Iran oder Saudi Arabien demokratisch eine Regierung gewählt würde. Dann wäre der Iran nicht mehr der Iran und Saudi Arabien nicht mehr Saudi Arabien, sondern das, was man hier im Westen gerne sehen würde.
    Die Frage wäre folglich: Würden sich durch eine Systemänderung die Menschen ändern
    oder aber unsere Meinung über diese Menschen? Vergleichbar ist dies etwa mit jener Zeit,
    in der die Welt in Nato-Staaten und Staaten des Warschauer Paktes aufgeteilt und der Eiserne Vorhang mehr als eine blosse Allegorie war. Nach Glasnost und Perestroika haben wir unsere Angst verloren. Die darauffolgende Einwanderung von russischen Spätaussiedlern als Folge der “Liberlalisierung” erforderte eine überaus gute Verdauung. Insbesondere die Schweiz ist Sinnbild dafür, dass Demokratie kein Garant gegen kognitionsirrlaufende Beschlüsse sein kann. Ganz im Gegenteil. So zeigte bspw. die Annahme des Minarettverbotes das Fehlen selbst rudimentärer, grundlegender Prinzipien auf, für die die Internationale Staatengemeinschaft
    einsteht und wie sie sich in den Menschenrechten widerspiegeln. Mit etwas mehr Aufklärung und etwas weniger politischer Propaganda, einer Selbstreflexion bzgl. der eigenen Werte, für die man in der heutigen Zeit, als Zugehöriger der westlichen Welt, einstehen sollte, hätte es nur einen Ausgang geben können.

    Ich möchte abschliesend ein Beispiel dafür anführen, warum uns nur die Andersartigkeit
    weiterbringen kann. Als der österreichische UN-Generalsekretär Waldheim vorschlug, dass sich die UN stärker und aktiver im Kampf gegen den Terrorismus einsetzten sollte waren es ausgerechnet die nichtwestlichen Länder – allen voran arabische und afrikanische -, die gegen diesen Vorschlag protestierten. Aus ihrer Sicht könnte man nicht objektiv darüber
    entscheiden, wer Freiheitskämpfer und wer Terrorist ist. Bestes Beispiel hierfür ist
    Nelson Mandela. Obwohl er bereits Friedensnobelpreisträger war stand er noch auf der FBI-Liste der meistgesuchten Terroristen ganz weit oben. Als Terroristen bezeichnete ebenfalls die britische Regierung Mandela. Das Problem der Apartheid entstand durch den Westen. Es hätte niemals durch ihn gelöst werden können. Das gleiche gilt für den “Konflikt um die “Palästinenser”. Nur weil die Staatengemeinschaft einen Beschluss fasste kann nicht gewährleistet werden, dass dieser Beschluss rechtschaffend ist oder keine Spannungen verursacht. In der Politik wurden schon immer und werden auch weiterhin, trotz Mangel
    an Informationen, durch die die Auswirkungen des Handelns unabsehbarer werden, Entschlüsse und Beschlüsse gefasst, die das Schicksal einer oder mehreren Gruppen determiniert.
    Der ehemalige US-Verteidigungsminister McNamara gestand sich und den USA diese Weisheit im Hinblick auf das eigene Versagens im Vienamkrieg zu und ein. Wir lernen zwar. Doch wir werden auch immer menschlich bleiben.

    Ich wünsche jedem Staat, gleich ob Ägypten, Südafrika, Iran, Saudi Arabien oder China, die Möglichkeit einer selbstkonformen Entwicklung. Selbst dann, wenn sie nicht nach unseren Massstäben erfolgt. Evolution in diesem Sinne bedeutet Annäherung und nicht etwa Gleichheit.

  18. #18 Klaus
    Juli 5, 2011

    @Ritinardo

    @Klaus Rifkin ist ein Spinner

    Iss er nicht. Aber egal!

  19. #19 Martin Schmidt
    Juli 5, 2011

    @Jürgen Schönstein
    Die Darstellung in Ihrer Quelle erscheint mir unvollständig. Mittlerweile ist bekannt,
    dass selbst im alten Mesopotamien, d. h. zu Zeiten der Sumerer, bereits beträchtliches
    Wissen über astronomische Gegebenheiten vorhanden war: Man verknüpfte astronomische Gegenbenheiten mit gewissen Ereignissen, man kannte die Einteilung in Monate und Tagen und Jahreszeiten.

    Ich bin mir allerdings gerade nicht ganz sicher, ob dieses Wissen möglicherweise über die Semiten, die damals nach Mesopotamien einwanderten weitergegeben wurde und somit Verbreitung fand. Es ist hingegen unzweifelhaft, dass Teile der Geometrie nicht griechischen Ursprungs sind, sondern bereits von den Sumerer oder Babyloniern “entdeckt” wurde (z.B. Kreisberechnung).

  20. #20 Lars
    Juli 5, 2011

    @michael was gääääääähhhhhhhnnnn? ich wollte nur wissen ob ihr das it dem dritten weltkrieg immer noch für unwahrscheinlich hält ,obwohl sich die lage in syrien immer weiter verschlechtert. ich will hier in diesem thread aber jetzt nix mehr schreiben snst gibts ärger

  21. #21 Hannes Bongard
    Juli 5, 2011

    TV-Tipp:
    Morgenrot am Mittelmeer
    Das Leben nach der Revolution

    Der Nahe Osten befindet sich in einem radikalen Veränderungsprozess. Am Anfang stand die Turborevolution in Tunesien: Spontane Aufstände weiteten sich dank moderner Kommunikationstechnik und -medien zu einer Massenbewegung aus. Was ist der derzeitige Stand dort in der Zivilgesellschaft und der Demokratie? Die Menschen in Ägypten folgten dem Beispiel und protestierten bis der ägyptische Präsident Hasni Mubarak nach zähem Ringen aufgab. Hat sich das Leben am Nil für die Bevölkerung seitdem verbessert? Wie finden sich die Menschen nach Jahrzehnten der Diktatur in einem unkontrollierten Alltag zurecht? Und was hat sich für die Touristen im nachrevolutionären Land Ägypten verändert? Den Nordafrikern dient die Türkei als Vorbild: Dort scheint die Gesellschaft Islam und Demokratie verbinden zu wollen.
    In “Morgenrot am Mittelmeer” suchen vier Reporter nach Spuren und Möglichkeiten der Veränderung nach der Revolution – vor allem bei jungen Menschen.
    (ARD/WDR)

    Sendetermin:
    Samstag, 9. Juli 2011, 15:15 Uhr, 3sat

    Quelle: 3sat.de

  22. #22 michael
    September 10, 2011

    Sieh an: Der Knaller kommt nach dem SommerUrlaub wieder hier zum Blödeln vorbei.

  23. #23 michael
    September 23, 2011

    Dschungelbuch Vorderasien:

    ich möchte es aber wissen
    es war so abgemacht
    sei nicht gemein
    vom weltkrieg träum ich die ganze nacht
    nun sag mir schon das geheimnis
    komm schon, und dann lass ich dich in ruh
    der weltuntergang
    gibt mir die macht
    genau zu sein wie du

    von hier

  24. #24 clatam
    Februar 11, 2012

    Hallo,
    meine frage ist, woher der Begriff des “Arabischen Frühling” überhaupt kommt.
    Denn der Frühling ist in den westlichen Länder Europas oft als Metapher des kulturellen und politischen zu sehen. Es sind auch wahrscheinlich die Europäer die die Arabischen Revolutionen “Arabischen Frühling” genannt haben.
    Unsere Wahrnehmung in Europa über die gesellschaftlichen Veränderungen in den arabischen Länder ist nun mit dem Label “Frühling” tituliert, welchen wir mit Neugeburt, blühen, Aufbruch des Sommers kennen.
    Sehen die arabischen Länder ihre Revolutionen auch als Frühling?
    Welche Symbole gibt es zu diesen Frühling?
    Welche Medien haben den Begriff des “Arabischen Frühling” als erste gebraucht, und wann genau?

    Auf Antworten, würde ich mich sehr freuen! Danke!

  25. #25 Sana
    März 17, 2017

    Will man als Firma gewerblich fliegen, so benötigt man im Übrigen eine Aufstiegsgenehmigung oder Aufstiegserlaubnis (AE) vom jeweiligen Bundesland (Luftfahrt-Bundesamt / Luftfahrtbehörde). Voraussetzung für die Erteilung einer gewerblichen Aufstiegserlaubnis ist immer eine gültige und gewerbliche Haftpflichtversicherung. Aus diesem Grund sollte die Beantragung einer Drohnen-Haftpflichtversicherung oder Quadrocopter-Haftpflichtversicherung insbesondere für Unternehmer, Kleinunternehmer, Selbstständige und Co. immer der erste Schritt sein.

    yahoo.com

  26. #26 Cem
    Leipzig
    Juli 26, 2017

    Schaut man auf die Umfrageergebnisse der zweiten und dritten Wellen des Arab Barometers an, scheint mir das weniger ein Kampf für die Demokratie gewesen zu sein, sondern eher einer für Arbeit und ordentliche Lebensverhältnisse.

    Westlicher Bias, ick hör dir trapsen.

    Nur das Beste,
    Cem