Er tobt wieder, der Streit um was Satire darf und was nicht. Die Politik ist empört, der Karikaturist verschanzt sich hinter der Meinungsfreiheit und die diversen Interessengruppierung veurteilen die Veröffentlichung aufs schärfste. Nur dieses Mal geht es um eine Karikatur des israelischen Ministerpräsidenten Netanyahu.

Die Karikatur zeigt ihn beim Bau einer Mauer, mit blutrotem Mörtel, beim vermauern von Palästinenserinnen und Palästinenser. Die Kritik liess nicht auf sich warten. Dies sei ein bedienen klassischer antisemtischer Klischees und dass es am Holocaust Gedenktag veröffentlicht wurde belege den kompletten Mangel an Respekt. Rupert Murdoch hat sich inzwischen als Besitzer der Zeitung entschuldigt. Der Karikaturist Gerald Scarfe hat sich damit verteidigt, dass es sein Stil sei (und führt eine wahrhaft garstige Karikatur von Assad als Beleg dafür an).

Nun bin ich bereit ihm zu glauben, dass er keine antisemtischen Absichten hegte. Es gibt ja auch gute Gründe, die dagegen sprechen (wie zum Beispiel ein Kommentar in der Haaretz erklärt). Gleichzeitig halte ich es auch für etwas naiv, so zu tun als ob diese Assoziationen völlig aus der Luft gegriffen wären. Ich habe auch bei der verlinkten Karikatur von Assad sofort an die Ritualmordlegende denken müssen (wohl auch weil er vormals angedeutet hat, tatsächlich an diesen Hetzmythos zu glauben). Nur wenn es um Assad geht, verläuft sich diese Assoziation aufgrund fehlendem historischem Kontext im Sand. Wenn hingegen eine ähnliche Assoziation mit dem Premierminister von Israel auftaucht, liegt es nahe die Karikatur in einem historischen Kontext zu sehen. Das hätte sich der Karikaturist halt auch überlegen müssen, er scheint aber davon eher überrascht worden zu sein.

Aber völlig unabhängig wo man sich nun positioniert, ich schreibe diesen Eintrag weil mir etwas anderes aufgefallen ist (und hier muss ich Kenan Malik für seinen Blogpost danken, der wie so oft, den Finger auf einen wunden Punkt legt): Beim Streit um die Mohammed-Karikaturen in Dänemark und auch später, haben sich viele hinter die Veröffentlichung gestellt. Es dürfe nicht angehen, dass die Meinungsfreiheit beschränkt wird. Ob nun komisch oder nicht, ob gerechtfertigte Kritik oder nicht, Satire müsse unbedingt von der Meinungsfreiheit geschützt werden. Präsidenten und Premiers, Bloggerinnen und Gute Achsen warfen sich mit Vehemenz in die Schlacht zur Verteidigung der Meinungsfreiheit. Ich stimme all jenen in dem Fall auch gerne zu, fühlte mich aber immer etwas unwohl in ihrer Gesellschaft, da ich den Verdacht hegte, dass viele mehr aus Ablehnung gegen den Islam und weniger aus Freiheitsliebe, diesen Standpunkt vertraten.

Heute herrscht aber seltsamerweise Schweigen. Der wahre Test für Meinungsfreiheit kommt dann, wenn die Freiheit jener verteidigt werden muss, die einen Standpunkt vertreten, den wir für wirklich falsch halten und der gegen unsere eigenen Prinzipien geht. Es ist nicht der Doppelstandard der erschreckt. So ist Politik nun mal. Mich erschreckt, wie sehr Meinungsfreiheit ein Gefälligkeitsargument ist. Eigentlich würde ich hoffen, dass sie tiefer verwurzelt ist, als nur ein nützliches Argument, wenn man unterschwellige Ressentiments bedienen möchte.

P.S.: Ich möchte hier betonen, dass mir die historische sensible Natur des Problems hier sehr bewusst ist und ich denke, dass Scarfe sich besser ein anderes Motiv hätte ausdenken sollen. Aber gerade deswegen muss man sich, wie auch bei den Mohammedkarikaturen auf die Seite der Meinungsfreiheit stellen.

 

Kommentare (29)

  1. #1 Stefan W.
    demystifikation.wordpress.com
    Januar 30, 2013

    Dein Disclaimer straft den Text darüber Lügen. Wenn man eine Meinung hat, dann sollte man sie ohne Disclaimer vertreten. Wenn ich gegen Atomkraftwerke polemisiere entschuldige ich mich auch nicht 3x, dass ich Strom selbst nicht schlecht finde oder Wissenschaft oder Industrie.

    Außerdem gibt es nichts, außer Deiner Phantasie, was eine Verbindung zu Ritualmorden herstellt. Weder gibt es Hinweise auf ein Ritual, noch auf Mord, denn – vielleicht täuscht mich ja auch meine Bildinterpretation, aber – bei mir leben die verbauten Palästinenser noch und schreien, rudern mit den Armen. Sie werden eingemauert, nicht ermordet, oder? Außer Zeile 2, links, der sieht nicht mehr ganz fit aus. Würde ich aber eher, wenn die Mauer nicht wär, als besoffen oder high interpretieren, das Gesicht. Aber die Männer haben alle den Mund aufgerissen, nur die zwei Frauen vielleicht – man müßte das Bild in besserer Auflösung sehen.

    Ich stimme aber zu, dass die Meinungsfreiheit oft Montags von Partei A hochgehalten wird, wenn ihre Meinung bedroht wird, und Dienstags von Partei B, und selten von jemandem parteiübergreifend.

    Eklatant hat man das bemerkt an der Zunahme des Überwachungsstaates, seit man keine DDR mehr hat, der man ständig Stasiaktivitäten vorhält. Kaum ist die DDR untergegangen wird bei uns die Überwachung vorangetrieben.

  2. #2 rolak
    Januar 30, 2013

    Heute .. Schweigen

    Generell dubios, meiner einer hat erst hier davon gelesen..

    Ja, die Grenzen für Satire sind klar definiert (in Kurz- und Langform kombiniert): Satire darf alles {was das Gesetz nicht verbietet}. Gilt halt (emotional: leider) auch für mir eher bis gräßlich unangenehme Exponate bzw Aktionen, genau wie bei Redefreiheit, Demonstrationsrecht etc. Um mal nicht Rosa Luxemburg zu zitieren: Freiheit ist keine Wellness-Oase.

  3. #3 Andreas74
    Januar 31, 2013

    Auch ich kann hier beim besten Willen keine Verbindung zum Ritualmord-Mythos sehen. Die Karikatur ist auch nicht überspitzt, schließlich wird die Mauer ja tatsächlich gebaut.
    Ich finde die Karikatur auch nicht antisemitisch, da sie sich ausschließlich gegen Netanjahu richtet und nicht gegen Juden im allgemeinen.
    Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass Satire alles dürfen sollte, solange die Grenze zu Rassismus / Sexismus etc. nicht überschritten wird.
    Gar nicht mehr witzig finde ich beispielsweise “Pardon, wir haben gewonnen” des hochgelobten, mit internationalen Preisen überschütteten Satirikers und Karikaturisten Ephraim Kishon, das eindeutig belegt, unter welchem menschenverachtendem Zynismus die Palästinenser schon vor einem halben Jahrhundert leiden mussten. Dagegen wirkt Scarfes Karikatur wie ein von Kinderhand gezeichnetes Bild einer Blumenwiese.

    Andreas

  4. #4 Dr. Webbaer
    Januar 31, 2013

    Dass ausgerechnet Sie sich um die Meinungsfreiheit so besorgt geben…

    Zum durchgehenden Aushalten kritischer Kommentare hat es im Blog jedenfalls nicht gereicht.

  5. #5 Spoing
    Januar 31, 2013

    an den Bären:
    Ein Blog ist kein öffentlicher Raum. Was man da in den Kommentaren stehen lässt in einem selbst überlassen und hat nichts mit Meinungsfreiheit zu tun.

    Auch hier wird ja nur die Geschmacklosigkeit der Bilder von den Betroffenen Kritisiert und kein Verbot gefordert oder mit Gewalt gedroht. Somit läuft die Kritik an der Karikatur ja noch im Rahmen der Meinungsfreiheit.

    Bei Karikaturen sehe ich auch weniger ein Problem, da sie ja allgemein als Kunst aufgefasst werden. In der Comedy finde ich die Grenze schon schwieriger zu ziehen.
    Viele derbe Witze sind satirischer Natur, aber dennoch würde ich mich hüten all diese unter Meinungsfreiheit laufen zu lassen. Somit würde ich sie auch nicht unbedingt in größeren Zeitungen abdrucken lassen.

  6. #6 Buck Rogers
    Januar 31, 2013

    Danke!
    Das hat mich glatt mal auf die Idee gebracht zu schauen, was denn der coole Zeichner von Pink Floyd – The Wall sonst so gemacht hat…

  7. #7 DH
    Januar 31, 2013

    Das Unglückliche an der Karikatur ist , daß das Gesicht Netanyahus ein wenig erinnert an die üblen Zeichnungen aus der Nazizeit.
    Wahrscheinlich unbeabsichtigt , zumindest muß davon ausgegangen werden , solange nicht das Gegenteil bestätigt ist.
    Der Zeichner hätte sich manches ersparen können , hätte er das anders gemacht , denn natürlich ist es möglich , Israelis und deren Politiker mal deftig auf die Schippe zu nehmen, nur wer wirklich akzeptiert ist , kann auch Ziel einer Satire werden.

    In Dänemark waren die etablierten Parteien zu feige , um die Meinungsfreiheit zu verteidigen , Nutznießer war die rechtspopulistische Dänische Volkspartei , und die Motivationen waren in der Tat fragwürdig.

    Ein Lehrbeispiel , wohin es führen kann , wenn sich die Demokraten einer völlig falsch verstandenen politischen Korrektheit verschreiben.

  8. #8 Stefan W.
    demystifikation.wordpress.com
    Februar 1, 2013

    @DH: Ich habe viel gehört von Karrikaturen der Stürmerzeit, alleine gesehen habe ich sie nie. Was am gezeichneten Gesicht Netanyahus erinnert denn ein wenig an die üblen Zeichnungen? Ich habe auch viel von der jüdischen Nasenform gehört, ohne je eine zu sehen, und auch nur zu ahnen, was nun konkret gemeint sei, bis im Zuge der Beschneidungsdebatte jemand auf eine spezielle Karrikatur hinwies – da war die Nase, deshalb meine Frage, ganz anders geformt als hier, kein Vergleich!

    Und wieso muss davon ausgegangen werden, etwas sei unbeabsichtigt, bei einem professionellen Zeichner, dessen Metier die gezielte Übertreibung und Verarbeitung von Clichees ist?

    Glaubst Du auch, dass bei Mozart manche Noten nur zufällig da sind?

  9. #9 Anonym
    Februar 1, 2013

    “Nur wenn es um Assad geht, verläuft sich diese Assoziation aufgrund fehlendem historischem Kontext im Sand.”

    Bitte die beiden Fehler korrigieren. Oder ist der Blogbeitrag selbst eine Karikatur?

  10. #10 ali
    Februar 1, 2013

    @Alle

    Ich muss etwas klären, da ich mich unklar ausgedrückt habe. Ich habe keine Assoziation mit Ritualmord-Hetze bei der Netanyahu-Karikatur (die habe ich nur bei der Assad-Karikatur, die Verbindung ist aber vermutlich vom Karikaturisten dort sogar bewusst gewählt worden). Ich habe mich hingegen an weniger spezifische antisemitische-Karikaturen erinnert gesehen. Dies hat aber vermutlich auch mit dem Zeichenstil zu tun. Wie gesagt, ich glaube nicht, dass es bewusst oder unbewusst von Scarfe so gezeichnet wurde, ich sage nur, dass es diese Assoziationen geschaffen hat (zu recht oder zu unrecht).

    @Stefan W.

    Mein Disclaimer reflektiert was ich denke. Dass ich dies so betone ist nur, weil man erstaunlich schnell Motive für Aussagen unterstellt kriegt und ich in diesem Fall einen guten Grund habe, dass sich die Diskussion tatsächlich um den Inhalt und nicht um Verdächtigungen mir gegenüber dreht.

    @Anonym
    Ich verstehe nicht was das Problem ist. Ich befürchte da liegt ein Missverständnis vor.

    Ausser es geht darum, dass Assad angeblich selber an die Ritualmordlegende glaubt (oder sie zumindest schon kolportiert hat).

    Was ich sage ist, dass mich der Stil und das Explizite an gewisse antisemitische Hetzkarikaturen erinnert hat, dass dies aber 3 Sekunden später wieder vergessen war, weil es kontextbedingt nichts zu bedeuten hatte.

  11. #11 DH
    Februar 1, 2013

    @ Stefan W.

    Ich habe selber erst vor kurzem das erstemal Zeichnungen aus dem Stürmer gesehen ,es gibt da schon so eine typische Art von Darstellung , besser Du schaust es Dir bei Gelegenheit mal an , mit Worten schwer zu beschreiben.

    Mich hat die Zeichnung eben spontan – ein wenig , wie ich es ja schließlich auch geschrieben habe – an diese Zeichnungen erinnert, das kannst Du natürlich auch völlig anders sehen.

    “Und wieso muss davon ausgegangen werden, etwas sei unbeabsichtigt, bei einem professionellen Zeichner, dessen Metier die gezielte Übertreibung und Verarbeitung von Clichees ist? ”

    Ganz einfach , weil das ein heftiger Vorwurf ist , der schon sehr stichhaltig begründet werden muß und erst dann wirklich in die Welt gesetzt werden kann.

    Im Übrigen machen auch Profis Fehler.

  12. #12 Stefan W.
    demystifikation.wordpress.com
    Februar 1, 2013

    @DH: Vom Zeichenstil, vom Humor, von Farbe, Licht, Raumaufteilung, Strich? Das kann doch nicht so schwer sein die Gemeinsamkeiten zweier Gegenstände zu verbalisieren?

    Und wenn ich diese ansehe, wer sagt denn, dass ich das gleiche sehe wie sie? Sind die Stürmerkarrikaturen auch koloriert? Das ist Aquarell, hier, oder? Tusche und Aquarell.

    Wo kommt man denn an solches Material – Bibliothek?

    Das Problem ist ja auch, dass jemand, der sich nicht mit Karikaturen beschäftigt, für den sieht leicht eine Karikatur wie die andere aus. Aber jemand, der das Metier nicht kennt, auf dessen Aussage würde man nicht viel geben, so wie man wenig auf das Urteil eines Menschen, der kein Weinkenner ist, bezüglich Weinen gibt. Das ist nicht böse gemeint, aber wer keinen Überblick hat, der … – umgekehrt erwarte ich aber von jemand, der diesen hat, dass er dann auch sagen kann, worin eine Ähnlichkeit besteht. Was soll denn eine Diskussion, wenn man nichts aussagen kann, außer dass man sein Bauchgefühl der Welt mitteilt.

    Das Problem an dem Bauchgefühl ist, dass seine Konsequenz das ist, was dieser Blogeintrag zeigt: Es werden aus Angst vor Missverständnissen nur noch Karikaturen mit Stützrädern veröffentlicht. Es kann doch 100 Merkmale geben, die eine rechte Stürmerkarikatur mit einer linken oder einer israelkritischen gemein hat, erstens etwa, dass es überhaupt eine Karikatur ist, zweitens Stil und Farbe, drittens Größe, viertens Schärfe usw. Ist das ein Grund auf solche zu verzichten?

    Zu sagen “es gibt Gemeinsamkeiten” sagt garnichts. Daraus kann nur folgen überhaupt keine Karikaturen mehr zu machen. Aber auch überhaupt keine Bilder mehr – Nazis hatten auch Bilder. Auch keine Texte mehr. Das ist doch keine Argumentationsbasis!

    “Ich fühle mich erinnert” – dieses Herumfühlen im Ungefähren verblödet uns zusehends.

  13. #13 Dr. Webbaer
    Februar 2, 2013

    @Spoing
    Sie machen mit einer Kommentarmöglichkeit rein technisch gesehen einen Kommunikationskanal des Internets auf, der in der Regel so beschaffen ist, dass einfache Gegenrede nicht moderativ bearbeitet wird; zumindest darf das dementsprechend auf Kommentatorenseite erwartet werden.

    Der Eigentumsgedanke, auf den Sie anzuspielen scheinen, ist im Web nicht der üblicherweise gepflegte Gedanke.
    Aus einem wohltemperierten, wohlzensierten Webbiotop heraus empfiehlt es sich zumindest nicht allgemeine “antizionistische” oder antisemitische Gegenrede zu rechtfertigen.

    HTH
    Dr. W

  14. #14 Künstler
    Februar 2, 2013

    Also ich sehe die Gemeinsamkeiten weitgehend nicht. Beim Stürmer wurde der Schwerpunkt auf eine übergroße Hakennase, deren Spitze nach unten geht, gelegt. Zudem dieser stets verbissen zornige Blick – das könnte eine Gemeinsamkeit zu scarfe sein. Ach so, für eine eigene Meinungsbildung bei einer Suchmaschine in der Bildersuche “jude stürmer” eingeben.

  15. #15 DH
    Februar 2, 2013

    @ Stefan W.

    So ein Quatsch.
    Natürlich kann sich auch jeder Laie ein Bild dazu machen , ganz ohne Vorkenntnisse.
    Haben Sie Politik studiert? Nein? Warum äußern Sie sich dann dazu?
    Hanebüchene Argumentation….

    Schauen Sie halt selber , daß Sie irgendwo was finden im Netz , warum soll ich Ihnen das jetzt groß beschreiben, bin ich Ihr Kindermädchen?

  16. #16 Stefan W.
    Februar 3, 2013

    warum soll ich Ihnen das jetzt groß beschreiben, bin ich Ihr Kindermädchen?

    Wenn Du’s, wie Du geschrieben hast, nicht mit Worten (und ich vermute auch sonst nicht) beschreiben kannst, dann lässt Du es besser, ja. Und wenn Du nicht sagen willst, wo man sowas sehen kann, ist auch recht.
    Für eine Diskussion ist es aber immer schlecht, wenn man inhaltlich nichts beitragen kann, außer Polemik. Das würde ein gutes Kindermädchen nicht machen.

  17. #17 Statistiker
    Februar 3, 2013

    Ali, ich gebe Dir voll und gabz recht. Und solche Störer wie den imaginären Dr. Braunbär und seiner Partei sowei dem Stefan W,. sollte man nicht ernst nehmen. Diese personen hetzen nur und wollen polemisieren.

    daher schreibe ich “personen” auch klein, mir fiel grad kein besseres Wort… jetzt doch “Amöbenuntervölkler” ein…..

  18. #18 Stefan W.
    Februar 3, 2013

    @Statistiker: Hm – ad hominem – ist das guter Stil?

    Wenn ich einfordere, dass man einen Vergleich mit dem Stürmer konkretisiert ist es Polemik, und ich hetze nur? Wogegen – gegen die Ignoranz? Von mir aus.

  19. #19 BreitSide
    Februar 3, 2013

    Also ehrlich gesagt finde ich keine besonderen Ähnlichkeiten zwischen dem “Stürmer” und Scarfes Netanyahu-Karikatur. Es ist verständlich, dass nach der Geschichte des Holocausts die Nerven auch nach 70 Jahren die Nerven blank liegen.

    Aber – wie der Autor sagt – ein zweites Nachdenken ist trotzdem notwendig.

    Dass der braune Titelgeile www und Blogs nach all den Jahren immer noch nicht verstanden hat, verwundert nun nicht wirklich.

    Aber dass StefanW nicht zwischen Assad und Netanjahu unterscheiden kann? Das kommt davon, wenn man den Text vor lauter Schaum vor dem Mund nicht richtig liest…

  20. #20 DH
    Februar 3, 2013

    @ Stefan W.

    Sie haben – wie könnte es anders sein ? – Recht – und ich meine Ruhe.

  21. #21 Stefan W.
    Februar 3, 2013

    @BreitSide: Dann helfen Sie mir bitte bei meiner Textinterpretation:

    Ich habe auch bei der verlinkten Karikatur von Assad sofort an die Ritualmordlegende denken müssen (wohl auch weil er vormals angedeutet hat, tatsächlich an diesen Hetzmythos zu glauben). Nur wenn es um Assad geht, verläuft sich diese Assoziation aufgrund fehlendem historischem Kontext im Sand. Wenn hingegen eine ähnliche Assoziation mit dem Premierminister von Israel auftaucht, liegt es nahe die Karikatur in einem historischen Kontext zu sehen.

    Sie haben vielleicht eine neue Bedeutung des Wortes “auch” im Köcher, die sie mir hier in Bezug auf den ersten Satz erklären können.
    Ich habe das so verstanden, dass “diese Assoziation” die des Ritualmordes sei. Sind Sie da schon nicht mehr bei mir? “Eine ähnliche Assoziation” ist, wenn ja, dann bitte was?

    Ich habe mir jetzt wirklich den Schaum vom Mund gewischt.

    Ali Arbia selbst hat geschrieben, dass die Darstellung missverständlich sei, aber ich glaube nicht, dass die Sätze mehrdeutig sind, sondern dass sie umformuliert werden müssten, wenn man das von mir verstandene nicht aufrechterhalten will.

    Für mich liegt der Verdacht nahe, dass der Autor sich bezüglich des Zeichners an dessen Aussagen zu Ritualmorden, die letzterer für einen Fakt hält, gedacht hat, und deshalb etwas zu entdecken glaubte, was gar nicht da ist. Kein Problem für mich.

    Das heißt ja auch nicht, dass Gerald Scarfe kein Antisemit ist. Nur wenn jemand dieses Blatt hervorholt um daran Antisemitismus in der Karikatur zu erklären, dann geht es meiner Meinung nach schief.

    Es geht auch schief wenn man erst 20 Ausgaben des Stürmer anschauen muss in einer Zeit und einem Umfeld, in dem das quasi niemand getan hat.

    Eine Insiderkarikatur für einen kl. Zirkel ist zwar nichts, was grundsätzlich ausgeschlossen ist, aber wenn man die Massen beeinflussen will, dann muss man diese erreichen, dann müssen diese die Zeichen auch erkennen und verstehen.

    Wenn man vorher wissen muss, dass der Zeichner Antisemit ist, um den Antisemitismus i.d. Zeichnung zu erkennen, dann ist er nicht in der Zeichnung, sondern im Kontextwissen des aufgeklärten Betrachters.

  22. #22 yoram hartmann
    Februar 3, 2013

    Ich verstehe nicht so ganz wo eigentlich die Parallelen zwischen dieser Kontroverse und dem Konflikt um die Mohammed-Karikaturen liegen soll. Dass Karikaturen wie andere Meinungsäußerungen kritisiert werden, auch polemisch kritisiert werden, ist normal. Auch dass sich ein Verleger wie Murdoch von einer in einer von ihm herausgegeben Zeitung erschienen Karikatur distanziert, ist nicht verwerflich, sondern sein gutes Recht,.
    Im Gegensatz dazu gab es im Fall der Mohammedkarikaturen Forderungen nach staatlicher Repression gegen Zeitung und Zeichner, Demos mit gewalttätigen Ausschreitungen, Mordaufrufe, mindestens einen tatsächlichen Mordversuch, niedergebrannte oder gestürmte dänische Botschaften …
    Also nochmal: Ich sehe da überhaupt keine Parallelle zwischen dem Fall der dänischen Mohammed-Karikaturen und der aktuellen Debatte. Oder habe ich da irgendwas übersehe, und irgendjemand hat zur Inhaftierung oder Ermordung von Herrn Scarfe aufgefordert ?

  23. #23 Stefan W.
    http://demystifikation.wordpress.com
    Februar 4, 2013

    Ich habe jetzt mehrere Stürmerkarikaturen, allerdings in erbärmlicher Qualität, hier http://www.calvin.edu/academic/cas/gpa/sturm28.htm und hier http://www.calvin.edu/academic/cas/gpa/sturmer.htm angeschaut und frage mich erneut, wo die Gemeinsamkeit ist. Ist es vielleicht “politische Karikatur”, was die Gemeinsamkeit ausmacht?

    Der Wikipediaartikel zum Karikaturisten des Stürmers, Philipp Rupprecht, listet auch eine verbale Beschreibung der von diesem benutzten Klischees auf:

    Er visualisierte das Stereotyp vom kollektiven Juden zu einer Gestalt mit abstoßenden körperlichen Eigenschaften, die als Ausdruck einer in jeder Hinsicht abstoßenden Persönlichkeit zu sehen waren: fettleibig, unrasiert, aufgedunsenes Gesicht, vor sexueller Gier geifernde wulstige Lippen, gekrümmte Großnase, hervorstehende Augen.

    Von diesen Merkmalen finden wir allenfalls “fettleibig” und “aufgedunsenes Gesicht”, aber vergleicht man die Karikatur mit Photos https://www.google.de/search?q=Netanjahu&hl=de&client=ubuntu&hs=yjV&tbo=d&channel=fs&source=lnms&tbm=isch&sa=X&ei=Xv0OUeCDCojYtAa7hIGADw&ved=0CAoQ_AUoAA&biw=1057&bih=678&sei=aP0OUbinKoHWtAay54CABg dann ist er kein schlanker, hagerer Mensch, und die Übertreibung nicht bemerkenswert. Der halbnackte Oberkörper ist ganz durch das Bild des Bauarbeiters entschuldigt.

    Dann habe ich den gelobten Blogartikel gelesen und wundere mich, weil er mit genau der Dekonstruktion des Ritualmordvorwurfs beginnt. Nicht nur das – er besagt auch, dass die Kritik jener Karikatur die Ritualmordtradition anlastet, und nicht der Assadkarikatur.

    Hier passt also manches nicht ganz zusammen. Muss ich auch dies bezweifeln:

    wohl auch weil er vormals angedeutet hat, tatsächlich an diesen Hetzmythos zu glauben

    ?

    @yoram hartmann:
    Ja, diese Unterschiede sind m.E. nicht unerheblich. Man hat schon Verleger gesehen, die sich vorbehaltlos vor ihre Mitarbeiter gestellt haben, nicht, aber natürlich hat ein Verleger das Recht andere Gesichtspunkte höher zu gewichten.

  24. #24 ali
    Februar 4, 2013

    Ich muss mich jetzt doch nochmals melden.

    Erstens, wie ich schon geschrieben habe, aber anscheinend selbst in meiner Richtigstellung nicht klar genug, ich hatte keine Ritualmord-Assoziation bei der Netanjahu Karikatur. Ich habe den Post relativ schnell geschrieben und dachte an antisemitische Karikaturen aber nicht spezifisch an Ritualmord (bei Assad drängt sich die Referenz hingegen auf). Ich hoffe das war jetzt klar genug. Ich kann sonst auch den Text entsprechend ändern, wenn dies die einzige Möglichkeit ist, meine missverständliche (oder meinetwegen falsche) Formulierung richtig zu stellen.

    Zweitens, nur weil es eine Assoziation ist, sagt das nichts darüber aus, wie gut sie begründet ist. Wenn sich jemand hinsetzt und den israelischen Premier in einem blutigen Kontext karikiert, weiss sie/er dass diese Karikatur auch unter dem Gesichtspunkt des Antisemitismus diskutierte werden wird. Das ist nunmal einfach so, ganz egal ob man das nun gerechtfertigt findet oder nicht. Für jeden Eintrag den ich zum Israelisch-Palästinensischen Konflikt schreibe, überlege ich mir jede Formulierung in der Regel genau. Nicht weil man Dinge “nicht sagen darf” sondern schlicht weil es ein Minenfeld ist (und das gilt für alle Seiten) und eine unklar formulierter Satz schnell dazu führen kann, dass man nicht mehr über die Sache sondern über eine vermutetet Ideologien des Autors diskutiere.

    Drittens, was den Zusammenhang mit dem Mohamed Karikaturen betrifft: Die Verbindung ist, dass die Reaktionen sehr unterschiedlich ausfielen. Man kann genau mit den gleichen Argumenten Scarfe verteidigen, mit denen man die Mohammed-Karikaturen verteidigt hat. Man scheint in diesem Fall aber wenig Lust zu haben, dies zu tun (vermutlich weil es politisch weniger opportun ist). Und das ist m.E. ein Hinweis darauf, dass eben auch als “fundamental” wahrgenommene Rechte in den Köpfen von vielen nur “fundamental” sind, wenn sie der eigenen Agenda dienen.

  25. #25 Stefan W.
    http://demystifikation.wordpress.com
    Februar 4, 2013

    Was überhaupt fehlt, ist die Pointe der Karikatur, die ich hiermit unters Volk bringe, für die, die den Links nicht gefolgt sind:

    The cartoon was captioned: “Israeli elections. Will cementing peace continue?”

    @Ali: Ich habe da 2 Probleme: Wenn mir jemand sagt, dass es einen neuen Wettskandal im Fußball gibt, dann würde ich nicht sagen, dass meine unmittelbare Reaktion darauf ist, dass ich Fußball mit Wettskandal assoziiere. Nur eine Verbindung, die noch nicht explizit im Raum ist, würde ich als “Assoziation” bezeichnen. “Da muss ich an Radsport denken” wäre eine Assoziation.

    Im von Dir verlinkten Artikel zu Murdoch/BBC http://www.bbc.co.uk/news/uk-21239917 steht

    The Board of Deputies of British Jews said the cartoon was “shockingly reminiscent of the blood libel imagery more usually found in parts of the virulently anti-Semitic Arab press”.

    und eine Spalte fasst die Ritualmordlegende zusammen.

    Im Link zu Kenan Malik http://kenanmalik.wordpress.com/2013/01/30/gerald-scarfe-anti-semitism-and-the-danish-cartoons/

    The cartoon instantly created international outrage. The Board of Deputies of British Jews, which has complained to the Press Complaints Commission, denounced the cartoon as ‘shockingly reminiscent of the blood libel imagery more usually found in parts of the virulently anti-semitic Arab press’.

    Auch da wird also direkt dieser Zusammenhang, wenn auch aus der gleichen Urquelle, thematisiert.

    Deine Erklärung, Du hättest die Assoziation nicht gehabt, verbunden mit der Aussage einer Ähnlichkeit, erscheint in der Tat nicht plausibel. Ich weiß nicht ob Du erst die Karikatur im Original gesehen hast, bevor Du die Reaktionen darauf begegnet bist, und mit Deinen Reaktionen vergleichen konntest, oder ob Du überhaupt nur auf einen bereits am köcheln befindlichen Konflikt hin die Karikatur quasi zeitgleich mit ihrer Rezeptionsgeschichte bemerkt hast.

    Jetzt kann man sagen “was ist das denn für ein Streit um Kaisers Bart!”, aber für die Frage, ob die Karikatur die Grenze zur Hetze überschreaitet oder nicht ist, meine ich, genau die Frage der Lackmustest: Ob sie an diese Legende anschließt, oder nicht; ob vielen, unvoreingenommenen Betrachtern diese Assoziation kommt oder nicht kommt.

    Und mit einem zufälligen Assoziieren kann man hier natürlich nicht argumentieren. Wenn man sich gerade intensiv mit der Blutrituallegende und Stürmerkarikaturen beschäftigt hat, dann mag einem die Assoziation kommen, aber doch nur, um große Gemeinsamkeiten dann zu verneinen. Die Frage ist ja, wie zwingend die Assoziation ist.

    Ich lese jetzt das “auch” im ersten Satz anders:

    Ich habe auch bei der verlinkten Karikatur von Assad sofort an die Ritualmordlegende denken müssen

    Auch heißt hier also nicht “bei Netanjahu und auch Assad” sondern “andere und auch Du haben an Ritualmorde denken müssen”?

    Dadurch, dass das Thema “Ritualmorde” in die Diskussion eingeführt wurde besteht jetzt natürlich auch in meinem Hirn eine Verbindung. Aber das kann ja nicht im Ernst der Punkt der Diskussion sein. Deswegen reagiere ich auch so allergisch auf Leute, die einfach ihr Bauchgefühl als Argument präsentieren – sie fühlen sich an den Stürmer erinnert, und haben keine weiteren Argumente, können es auf Nachfrage nicht verbalisieren. Für eine politische Diskussion ist das natürlich untauglich.

  26. #26 BreitSide
    Februar 6, 2013

    @StefanW: In der Tat, das Wörtchen “auch” kann man schnell falsch verstehen.

    Das “auch” in Alis Text heißt eben NICHT, dass er auch bei Netanjahu an Ritualmorde dachte. Sondern dass er auch bei der Assad-Karikatur eine reflexhafte Assoziation hatte. Aber eben eine andere.

    Das wird klar, wenn man im richtigen Zusammenhang zitiert:

    “Gleichzeitig halte ich es auch für etwas naiv, so zu tun als ob diese Assoziationen (es ging dabei um “bedienen klassischer antisemtischer Klischees”) völlig aus der Luft gegriffen wären. Ich habe auch bei der verlinkten Karikatur von Assad sofort an die Ritualmordlegende denken müssen (wohl auch weil er vormals angedeutet hat, tatsächlich an diesen Hetzmythos zu glauben).”

    Die Sage von den Ritualmorden in SYRIEN war vor relativ kurzer Zeit hochgekocht und hat nichts mit denen der “Weisen von Zion” zu tun, die Du vielleicht assoziiertest.

    Du solltest vielleicht wissen, dass Ritualmorde speziell an Säuglingen schon immer dem Gegner unterstellt wurden. Das taten schon die Römer mit den Karthagern, und auch die USA hatten erst dann die UN-“Genehmigung” der UN für den Kuwait-Krieg, als eine tränenüberströmte Schauspielerin von Babys fantasierte, die die Iraker angeblich aus kuwaitischen Brutkästen gerissen hätten.

    In diesem Sinne siehst Du also wirklich Gespenster. Bei genauerem Durchlesen hättest Du auch selbst drauf kommen können.

  27. #27 BreitSide
    Februar 6, 2013

    “Auch heißt hier also nicht “bei Netanjahu und auch Assad” sondern “andere und auch Du haben an Ritualmorde denken müssen”?”

    Nein, ich lese das so: “Sowohl bei Netanjahu als auch bei Assad hatte ich eine spontane Assoziation. Die ich dann nochmal überdenkan musste (oder so).”

    Ali sagte ja nicht, dass das “der Punkt sei”, sondern dass es halt so passiert ist. Er führt ja weiter aus, wie er die Sache weiter dachte. Und es eben nicht bei der einfachen Assoziation bleiben ließ.

    Wenn ich das richtig verstanden habe…

  28. #28 Stefan W.
    http://demystifikation.wordpress.com
    Februar 7, 2013

    @Breitside:

    Das “auch” in Alis Text heißt eben NICHT, dass er auch bei Netanjahu an Ritualmorde dachte. Sondern dass er auch bei der Assad-Karikatur eine reflexhafte Assoziation hatte. Aber eben eine andere.

    Das steht da aber nicht. Richtig ist, dass meine zweite Lesart nicht gut begründet ist. Man würde, wenn man sich in die Reihe derer einordnen wollte, die bei der Assadkarrikatur an Ritualmorde denken, schreiben “Auch ich habe …” und nicht “Ich habe auch”. Der Satz geht aber nicht weiter, mit “Assoziationen gehabt” (Ich habe auch Assoziationen gehabt) sondern “Ich habe auch bei der verlinkten Karikatur von Assad sofort an die Ritualmordlegende denken müssen”.

    Und dann kommt “Nur wenn es um Assad geht, verläuft sich diese Assoziation aufgrund fehlendem historischem Kontext im Sand.” – das stellt indirekt ganz klar den Zusammenhang Netanjahu – Rufmordlegende her. “Dort verläuft es im Sande – hier nicht.”

    Wo ich da Gespenster sehen soll erschließt sich mir nicht.

    Übrigens ist nicht jeder Kindermord ein Ritualmord.

    Die Sage von den Ritualmorden in SYRIEN war vor relativ kurzer Zeit hochgekocht und hat nichts mit denen der “Weisen von Zion” zu tun, die Du vielleicht assoziiertest.

    Aha. Woher weißt Du, oder woraus ergibt sich, dass die Ritualmordsage in Syrien nichts mit der christlichen zu tun hat, oder meinst Du etwas anderes mit den Weisen von Zion? Die Ritualmordlegende ist doch Äonen älter als die Protokolllegende.

    P.S.: Dass die Beiträge etwas springen liegt, glaube ich, an der verzögerten Freischaltung – ich hatte 26 geschrieben ohne 25 gelesen zu haben.

  29. #29 mackage sale
    http://www.mackagesale.com/mackage-women-c-2/
    März 23, 2017

    Noch ein Karikaturenstreit – zoon politikon
    mackage sale http://www.mackagesale.com/mackage-women-c-2/