Wichtiges Update: Nach einer Nachfrage von CMSA in den Kommentaren, habe ich die Zahlen nochmals angeschaut. Leider ist bei meiner Verarbeitung der Zahlen der World Value Survey ist irgendetwas schief gelaufen und es hat mir alles verschoben. Die ursprüngliche Grafik  ist darum nicht korrekt. Ich habe die korrekten Zahlen zum gleichen Balkendiagramm verarbeitet und tatsächlich stellt sich heraus, dass die Schweiz (Schwarzer Balken) unter dem Durchschnitt bleibt (grauer Balken). Ich habe die WVS angesteuert, weil ich Zahlen zu MuslimInnen als Nachbarn gesehen habe (dieses Papier, Seite 9), die klare den OECD Zahlen widersprochen haben. Stellt sich heraus, das stimmt für andere Variablen nicht. Hier also die für die Schweiz schmeichelhafteren Zahlen. Grosse Teile der folgenden Analyse in diesem Blogpost verfallen damit natürlich. Ich möchte mich für den Fehler entschuldigen. Die Lektion ist wohl, dass man Fehler weniger schnell sieht, wenn man die Resultate erhält, die man erwartet. Ich kann nicht mehr anbieten, als zum Fehler zu stehen und darauf hinzuweisen, dass ich bevor ich die neue Zahlen gesehen habe, schon auch auf deren Grenzen hingewiesen habe.

xenophobia2

Die Schweiz macht gerade mal wieder unschöne Schlagzeilen und hinterlässt den Eindruck, nicht nur Käse und Schokolade zu exportieren, sondern auch Xenophobie. Da wäre einerseits die Einschränkung der Benutzung eines Schwimmbades durch Asylbewerberinnen und Asylbewrber in Bremgarten und anderseits die Geschichte mit dem 30’000 Dollar Handtäschchen von Oprah. Im Tages Anzeiger argumentiert nun der Schweizer Politgeograf Michael Hermann (@mhermann_, auch schon Themengeber hier), dass das Bild einer fremdenfeindlichen Schweiz eigentlich ein Zerrbild sei.

Die These, dass die Schweiz im internationalen Vergleich eigentlich eher tolerant ist, belegt er mit einer OECD Statistik, die zeigt, dass sich im Ausland geborene und in der Schweiz lebende Migrantinnen und Migranten sich im internationalen Vergleich wenig diskriminiert fühlen. Er führt das gegenteilige Image der Schweiz auf das direkt demokratisches System zurück: “Die direkte Demokratie bringt Unbehagen auf den Tisch, das andernorts unter dem Deckel bleibt.” Die Schweiz wird also mit einem schlechten Image gestraft, weil die Politik hier näher an der Bevölkerung gemacht wird.

Als ich auf Twitter auf diesen Artikel hingewiesen wurde, war ich skeptisch. Die OECD ist aber eine seriöse Quelle und offeriert methodisch ziemlich sicher sorgfältig erstellte Statistiken. Das Bild ändert sich ein wenig, betrachtet man nur die Ausländerinnen und Ausländer aus Schwellen- und Entwicklungsländern, aber wie der Artikel korrekt erwähnt, ist die Schweiz immer noch am besseren Ende zu finden im europäischen Vergleich.

Was mich am meisten störte in Bezug auf die angeführten Zahlen war, dass sie sich auf die Eigenwahrnehmung von Diskriminierung stützte. Sie ist somit nur ein indirektes Mass für Diskriminierung. In den Sozialwissenschaften muss man oft mit solchen indirekten Messlatten arbeiten. Aber die Statistik besagt strenggenommen zuerst einmal nur, dass sich Migrantinnen und Migranten in der Schweiz weniger diskriminiert fühlen, als dies anderswo der Fall ist. Aussagen zur effektiven Haltung der Schweizer Bevölkerung können davon nur indirekt abgeleitet werden. Wenn man keine anderen Zahlen zur Verfügung hat, könnte man damit auch leben. Doch in diesem Fall gibt es bestimmt Umfragen, die die “Täter” Perspektive zu ermitteln versuchen.

Das ist mit diversen Problemen verbunden. Wenn es ein  gesellschaftliches Tabu gibt, kann es sein, dass die Befragten nicht ehrlich antworten. Dieses Problem ist noch viel grösser stellt man die Frage direkt. Kaum jemand würde sich geradeaus aus “rassistisch” bezeichnen. Auch werden die Begriffe in verschieden Ländern unterschiedliche Bedeutung haben. Während man in den USA für fast jede Treuekarte auf Formularen ein Kreuz für “Rasse” anbringen kann, ist der Begriff auf Deutsch ein absolutes no go. Daher sind entsprechende Umfrageresultate im internationalen Vergleich mit Vorsicht zu geniessen.

Aber es gibt sie. Ich bin zum Beispiel bei der World Value Survey auf eine entsprechende Frage gestossen. Zwischen 2005 und 2008 wurde Menschen in mehreren Ländern unter anderem die folgende Frage gestellt:

On this list are various groups of people. Could you please sort out any that you would not like to have as neighbors?

1 / 2 / Auf einer Seite lesen

Kommentare (49)

  1. #1 michael
    August 14, 2013

    > Die Logik ist, wir können nicht gegen die Menschenrechte verstossen … solange es die Mehrheit will.

    Muss das ‘nicht’ da nicht weg?

  2. #2 ali
    August 14, 2013

    @michael

    Das war nur sehr schlecht formuliert und vermutlich mehrmals umgestellt. Ich habe es ersetzt mit

    “Die Logik ist, wir können per Definition nicht gegen die Menschenrechte verstossen oder moralisch verwerfliches tun, wenn die Mehrheit der Stimmenden dahinter steht.”

    Danke für den Hinweis. Ich hoffe jetzt ist es klarer.

  3. #3 Hobbes
    August 14, 2013

    In Deutschland war gerade eine Studie in den Schlagzeilen, nach der sich 25% der Schüler und Studenten mit Migrationshintergrund schon einmal gemobbt fühlten.

    Was mich etwas überrascht hat war, dass diese geringe Prozentzahl so ein Aufsehen erregt hat. Wenn man von 24 Kindern pro Schulklasse ausgeht dann sind das 6 Kinder. Wenn ich mich an meine Schulzeit erinnere, dann gab es da durchaus 3 bis 4 Kinder die es “verdient” hatten sich von dem Lehrer oder dem Mitschüler gemobbt zu fühlen (Damit meine ich jene die nur Blödsinn, die Mädels, den eigenen Vorteil etc. im Kopf haben und sich immer unfair behandelt fühlen wenn es mal Gegenwind gibt). Dann gab es noch jene Kinder die dem unverdient ausgesetzt wurden, hier muss natürlich etwas gegen getan werden. Aber das führt auch am Thema vorbei. Mir geht es darum, dass ich im Laufe meiner Schuljahre (größe von 24 passte über die meiste Zeit) mindestens 6 Leute kennen gelernt hatte die gemobbt wurden. (eine Zeit lang waren in meiner Klasse zwei verfeindete Mädchenfronten und die haben sich nichts geschenkt) Diese 25% kommen also auch komplett ohne Rassismus zu Stande. (Es ging in der Frage auch nur um gemobbt generell und nicht mit rassistischen Hintergrund)

    Bei den 25% hätte ich deshalb weit mehr erwartet. Denn durch die ganzen Berichte über den latenten Rassismus in der Gesellschaft und die “immer schlimmer werdende Jugend” war ich auf weit mehr eingestellt.
    Ich sehe da auch durchaus ein Problem drin. Analog zu der Geschichte vom “Jungen der immer Wölfe schreit”. Dies hat der NSU in der Bewegungsfreiheit bestimmt geholfen. Auch tritt dadurch ein Solidarisierungseffekt von vermeintlich rechten Bürgertum mit wirklich rechten auf (Der soll rechts sein? Ach egal das wurde mir auch schon so oft von Idioten an den Kopf geworfen, wird schon nicht so schlimm sein.)
    Auch die beiden Beispiele aus dem Artikel machen das deutlich. Während es sich bei dem Freibad um einen wirklichen rassistischen Skandal handelt sehe ich bei Oprah da lediglich eine unfreundliche versnobbte Verkäuferin.

    Auf jeden Fall freue ich mich immer wenn versucht wird dieses Thema sachlich und unpolitisch an zu gehen. Das Thema ist einfach zu wichtig um es den Populisten zu überlassen. (Ps kleine Kritik an der Aussagekraft der Statistik. Der gute Wert der USA zeigt eindeutig das Rassismen nicht lediglich alles Fremde ablehnen, sondern sehr häufig konkrete Feindbilder haben. Denn die angaben passen zu der Weltoffenen Gesellschaft der USA, die Schlussfolgerung die USA habe weit geringere Rassismusprobleme als bsw. Schweden oder Finnland halte ich aber für sehr gewagt.)

  4. #4 ali
    August 14, 2013

    Habe gerade gemerkt, dass ich den eigentlichen Artikel im Tagesanzeiger vergessen habe zu verlinken. Habe dies im Text nachgeholt (den Artikel findet man hier).

  5. #5 MartinB
    August 14, 2013

    @Hobbes
    Sotrry, aber niemand verdient es, gemobbt zu werden. Man kann Leute vielleicht schneiden oder ignorieren, aber echtes Mobbing geht weit darüber hinaus.

  6. #6 Hobbes
    August 14, 2013

    @MartinB:
    Das stimmt natürlich. Ich hatte es auch erst etwas anders Formuliert und dann wieder geändert, da mir mein Text so schon zu lang wurde. Als ich den gerade noch einmal durch gelesen habe ist mir auch aufgefallen, dass das ursprünglich gemeinte nicht mehr durch kommt. Bei denen die es “verdient” haben lag mir die Betonung eher darauf, dass dies Querulanten sind, welche sich bei dem geringsten Gegenwind gemobbt fühlen. Da die Studie ja auf gefühltes und kein richtiges Mobbing eingeht.
    Die Originalaussage in unserer Tageszeitung war “…sich schon einmal benachteiligt gefühlt haben”

    Dabei ist es mir sonst besonders wichtig zwischen Mobbing und den normalen unsozialen Verhalten streng zu unterscheiden um das Mobbing, welches kein Kavaliersdelikt ist, nicht zu verwässern. (Oh man genau das also was ich vorher beim Rassismus kritisiert habe *schäm*. Ja ja wer im Glashaus sitzt…)

  7. #7 MartinB
    August 14, 2013

    @Hobbes
    O.k., damit bin ich einverstanden – es gibt wahrscheinlich auch Leute, die sich gemobbt fühlen, wenn man sie mal nicht grüßt…

  8. #8 Serapio
    August 14, 2013

    Ali, hier wird ein Fall bemüht,

    erstens) der, würde er in Ihrem Kulturkreis stattfinden, als “bedauerlicher Einzelfall” durchgehen würde,

    zweitens) bei dem die “Täterin” eine Seconda ist, das bedeutet sie ist Tochter italienischer Einwanderer, womit der Rassismusvorwurf, naja, denken Sie mal nach, vor allem nach erstens)

    und drittens) wo Verkäuferin inzwischen dem blick.ch ihre eigene Darstellung geschildert hat (blick.ch hat das Interview aus welchen Gründen auch immer inzwischen vom Netz genommen, Zusammenfassung bei http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/rassismusvorwuerfe-von-winfrey-zuercher-verkaeuferin-aeussert-sich-a-915925.html), welche sagen wir mal den Rechtsgrundsatz “Aussage gegen Aussage” nahe legt, oder aber das ganze auch als sprachliches Missverständnis darstellen könnte. Rassistische Motive hat die Chefin der Verkäuferin definitiv ausgeschlossen, diese habe sich – so die Chefin – verhalten wie sie instruiert worden sei. (Interview Video auf Schweizerdeutsch: http://www.blick.ch/people-tv/ich-sehe-keinen-grund-die-verkaeuferin-zu-entlassen-id2401683.html)

    Man muss für Drittens auch noch mit einbeziehen, dass die erste Fremdsprache in der Schweiz nicht Englisch ist sondern eine Landessprache, was eben genau die Sprachgrenzen abbauen sollte (was in der Praxis aus mehreren Gründen aber nur bedingt funktioniert). Auf der anderen Seite neigen die Amerikaner dazu zu erwarten, dass jeder auf der Welt gutes (oder besser: perfektes) Englisch kann. Eine entsprechende Sensibilität für Missverständnisse ist dort ziemlich unbekannt.

    Weiters: In der Schweiz zählt man inzwischen mehr als 20 Prozent Ausländeranteil, Tendenz steigend. Wie hoch ist er nochmals in Deutschland oder der Türkei? Eben.

    Sie kennen die Schweiz nicht wirklich, richtig?

    Aber in einem Punkt haben Sie Recht, der Schweizer nimmt immer weniger ein Blatt vor den Mund, wenn es um heikle Themen geht. Zu diesen Schweizern gehören aber auch gut integrierte Menschen mit Migrationshintergrund (darunter viele Alaviten, deren Glaubensbrüder bekanntlich in der Türkei unterdrückt werden), die mehr und mehr unbequeme Fragen stellen zum Themenkomplex Integrationsunwilligkeit/-unfähigkeit. Obige Statistik schliesst sie übrigens auch mit ein.

    Und zu guter Letzt, OW hat gem. blick.ch verlauten lassen, Sie habe erst später herausgefunden, wie viel diese Tasche koste. «38’000 Dollar! Ich wäre in Ohnmacht gefallen, wenn ich das Preisschild gesehen hätte.»

    Damit hat die Verkäuferin doch hervorragende Menschenkenntnis bewiesen, oder nicht? 😉

  9. #9 Thomas Schumacher
    Berlin
    August 14, 2013

    Interessante Grafik. Leider auf die OECD beschränkt, obwohl umfangreiches Datenmaterial für andere Länder offen im Internet verfügbar ist. Zufall? Schön wären Vergleichszahlen aus beispielsweise Saudi-Arabien, Ägypten oder Indien.

  10. #10 ali
    August 14, 2013

    @Serapio

    1. Ich vermute mal du bist jemand, der bei seinen Nachbarn in der obigen Umfrage eher wählerisch wäre. Hast du irgendwas zum eigentlichen Inhalt meines Eintrages beizutragen.

    2. Wenn du Blogposts auch lesen würdest und nicht nur reflexartig kommentieren, wäre dir vielleicht aufgefallen, dass ich wie du auch Zweifel an der Handtaschengeschichte habe (und dass ich nicht über Luxushandtaschen diskutieren möchte).

    3. Zu einem Post, der Xenophobie in der Schweiz thematisiert, diesen Satz zu schreiben, ist rührend in Anbetracht des Mangels an Selbstreflexion (oder vielleicht einfach unverschämt):

    Sie kennen die Schweiz nicht wirklich, richtig?

    Vermutlich kenne ich die Schweiz besser als du, Serapio. Aber ich spekuliere natürlich auch nur.

  11. #11 Michael Blume
    August 14, 2013

    Feiner Artikel, auch mit den grafischen Auswertungen. Und Zustimmung zur anthropologischen Annahme: Xenophobie hat eine angeborene Komponente (die bei Menschen viel schwächer ist als bei anderen Primaten) – das heisst aber nicht, dass wir ihr hilflos ausgeliefert sind. Entscheidend ist wohl einerseits der öffentliche Diskurs, aber auch das idealerweise positiv besetzte Eingewöhnen von Vielfalt schon im Kindesalter. Hier schneiden “Ständegesellschaften” häufig eher schlechter ab.

    Nochmal danke und beste Grüße

  12. #12 Hobbes
    August 14, 2013

    @Ali:
    Serapio geht bestimmt nur davon aus, das man während seiner Promotion so viel Arbeit hat, dass man nichts von dem Land mitbekommt.

    @Serapio
    Zu dem Schweizer Ausländeranteil:
    50% Davon Sind Deutsche, Portugiesen, Italiener oder Franzosen. Alles samt in sämtlichen anderen Europäischen Ländern als Integrationsunwille verschrien!

    Wobei mir als Norddeutscher da mal jemand auf die Sprünge helfen kann. Mir ist bekannt das es auch Vorbehalte gegenüber Deutsche in der Schweiz gibt. Aber andererseits streben die Schweizer Rechten doch ein “Bund aller Deutschen Gebiete”(Bzw auch ein Bund mit Norditalien) an. Sind die Rechten da so Heterogen oder sind die Großmachtsfantasien bei denen erloschen?

  13. #13 Stefan W.
    http://demystifikation.wordpress.com
    August 14, 2013

    Das jemand wie Oprah arm sein müsste wegen ihrer Hautfarbe, passt eher in US amerikanische Vorurteile, als in einen Zürcher Luxusgeschäft (in der Schweiz hat man andere Vorurteile gegenüber Schwarzen).

    Ach so? Darf ich fragen, wieso es besser in US-amerikanische Vorurteile passt? Und was bedeutet es, wenn es in der Schweiz passiert, obwohl es besser in die USA passen würde?

    Wieso würde es denn besser in die USA passen? Ist das eine belastbare Tatsache oder selbst ein Vorurteil?

    Ich würde auch bestreiten dass man arm ist, oder sein muss, um in einem Laden mit 30.000 Dollar-Täschchen falsch zu sein.

    Eine meiner Freundinnen hat als in einem Amtsgericht in Berlin gearbeitet und ist dort auf der Personaltoilette von einer Frau mit hellerer Hautfarbe belehrt worden, dass die Toilette nicht für sie sei. Ich würde jetzt nicht in die USA, die Schweiz oder nach Kamerun schauen, um zu sehen, ob da solche Vorurteile besser hinpassen – es ist ja zweifellos hier passiert.

    Oder willst Du Frau Winfreys Glaubwürdigkeit bezweifeln?

  14. #14 Porzellan
    August 14, 2013

    Möglich, das OW gelogen hat, sie promotet gerade ihren neuen Film “The Butler” in dem es auch um Rassismus geht.

    http://www.breitbart.com/Big-Journalism/2013/08/14/Oprah-backpedals-race-charge-doesnt-apologize-to-shopgirl

    (mit vielen links, die man lesen sollte)

  15. #15 ali
    August 14, 2013

    @Stefan W.

    Ich habe mich vielleicht etwas unglücklich ausgedrückt. Es geht um die “klassischen” Klischees die gepflegt werden. Diese können von Land zu Land auf Grund historischer oder sozialer Bedingungen variieren. In den USA überlappen sich Hautfarbe und sozio-ökonomischer Status stark (oft in spezifischen geografischen Gebieten). Viele Klischees, die im “Weissen Amerika” gegenüber Schwarzen gepflegt werden, hängen damit zusammen (arm, kriminell, Gewalt etc). In der Schweiz ist hingegen Armut kein “typisches” Klischee (typisch wäre zum Beispiel “Kokaindealer” [Chügelidealer] oder AsylbewerberIn [was für viele schon negativ ist]). Diese funktionieren in einem solchen Luxusgeschäft natürlich nicht wirklich. Darum schrieb ich, es scheint mir mehr eine US amerikanische Perspektive zu reflektieren. Nicht als mein Vorurteil, sondern in dem Sinne, dass es mir einleuchtet wenn Oprah z.B. ein sprachliches Missverständnis so interpretiert. Es geht also weder um eine Rechtfertigung noch um ein Abstreiten. Es ging mir nur darum, dass ich in diesem spezifischen Fall, die Möglichkeit eines Missverständnisses für durchaus plausibel halte.

    Ich bezweifle also nicht Frau Winfreys Glaubwürdigkeit. Auch liegt mir kaum etwas ferner zu behaupten in der Schweiz gäbe es keinen Rassismus auf der Basis von Hautfarbe. Da ich den US Diskurs diesbezüglich kenne (ich habe eine kurze Zeit in DC gelebt, einer sehr nach Hautfarbe segregierter Stadt) Ort und Umstände, fand ich die Missverständnis These eben fast plausibler. Ein Missverständnis heisst ja nicht, das jemand Recht und jemand Unrecht hat. Auch schrieb ich ja, dass wir die Intention der Verkäuferin nie kennen werden und darum ein abschliessendes Urteil unmöglich ist.

  16. #16 ali
    August 14, 2013

    @Porzellan

    breitbart.com muss man definitiv nicht lesen. Ausser man will sich davon überzeugen, dass “Fair and Balanced” von FOX News keine so schlimme Lüge ist.

  17. #17 Stefan W.
    http://demystifikation.wordpress.com
    August 15, 2013

    Wie Breitbart einzuordnen ist – da habe ich keine Ahnung. Auch nicht was ein Donna Karan skirt ist und wer es von wie weit erkennt, sowie nach welcher Preisklasse es riecht.

    Der Argumentation kann ich mich dennoch nicht öffnen: Schwarze steckt man in der Schweiz gerne in die Schubladen Drogenhandel und Asylbewerber? Das ist in Deutschland nicht besser und hängt damit zusammen, dass Asylbewerbern das Arbeiten verboten ist, und eine Möglichkeit der illegalen Arbeit eben Drogenhandel ist.

    Beides sind aber starke Indikatoren für Armut, nicht? Also damit die Assoziation zu Armut zu bezweifeln ist schon seltsam.

    Aber einen Einzelfall aufgrund stochastischer Spekulationen zu beurteilen und zu vermuten, dass Frau Winfrey schlecht geflunkert hat – sie hätte in die unterstellte Diskriminierung die Drogen und die Asylproblematik einfließen lassen müssen um ihr Buch geschickter zu promoten…

    Ich weiß nicht wie es in der Schweiz ist, aber in Deutschland wird schwarzen Männern der Drogendealer unterstellt – für Frauen ist es ein anderer Beruf, bei dem man allerdings auch keine 35 000 Dollar Täschchen kauft.

    Mir fehlt noch die Information was für ein Missverständnis es war. Was wollte die Verkäuferin denn vermitteln, dass es die Kundin so missverstanden hat?

    Dabei fällt mir ein, dass Leute, die ihre Vorurteile verbergen wollen, oft inhaltlich das eine sagen, aber Gestik und Mimik sagen etwas anderes. Zum Beispiel man sagt “Herzlich Willkommen” und schaut die Person gar nicht an. Da kommt es natürlich leicht zu Missverständnissen, wenn es für einen eine Fremdsprache ist.

  18. #18 ali
    August 15, 2013

    @Stefan W

    Um es gleich vorwegzunehmen: Ich möchte nach diesem Kommentar wirklich nicht länger über die Handtaschen-Geschichte diskutieren. Ich denke es lenkt von viel grösseren und systematischeren Formen von (rassistischer) Diskrimination in der Schweiz ab. Damit tappen wir in die Celebrity-Falle und ich finde das Thema zu wichtig dafür. Da ich aber ungern möchte, dass es so wirkt, als ob ich (vielleicht gar aus helvetischer Solidarität), den allfälligen Rassismus Kleinreden möchte, antworte ich nochmals zum Thema.

    Beides sind aber starke Indikatoren für Armut, nicht?

    Ja. Die trifft man dann aber nicht in einem High End Geschäft in Zürich. Im Moment wo Oprah (als Frau) das Geschäft betritt und die Verkäuferin, davon ausgeht, dass sie dort etwas kaufen will und kann, sind diese Kategorisierungen kaum mehr anwendbar. In den USA hingegen stünde das Klischee “sie sind die ärmeren” trotzdem noch.

    Mir fehlt noch die Information was für ein Missverständnis es war. Was wollte die Verkäuferin denn vermitteln, dass es die Kundin so missverstanden hat?

    Vielleicht meinte sie schlicht, dass sie sie gut Beratung betreibt (Kennen wir: Wenn Sie mich fragen, haben Sie mit X ein besseres Preis-Leistungverhältnis…). Dazu kommt, dass auch eine andere “Verkaufskultur” in Europa als den USA (aber ich weiss nicht inwiefern das auch auf solche High End Shops zutrifft).

    Aber einen Einzelfall aufgrund stochastischer Spekulationen zu beurteilen und zu vermuten, dass Frau Winfrey schlecht geflunkert hat – sie hätte in die unterstellte Diskriminierung die Drogen und die Asylproblematik einfließen lassen müssen um ihr Buch geschickter zu promoten…

    Das habe ich nun wirklich nicht gesagt. Ich schrieb, dass es unmöglich ist zu wissen, was passierte und was im Hirn der Verkäuferin vorging. Was weiss ich. Vielleicht ist sie Mitglied in einem Schweizer Ku-Klux-Klan. Ich sagte nur, dass mir auffiel wie Oprahs Geschichte besser in einen US Kontext passt. Ich habe auch geschrieben, dass ich dies für eine durchaus nachvollziehbare Interpretation von OW halte und ihr nicht unterstelle, wissentlich die Unwahrheit zu sagen.

    breitbart.com ist ein Portal wo rechtspopulistische Meinungsmache betrieben wird. Gute Analysen und intelligente Beiträge sucht man dort vergebens. Wie gesagt, FOX News ist tatsächlich fast “Fair and Balanced” im Vergleich.

    P.S.: Warum ich nicht über Handtaschen sprechen möchte, illustriert gut, dass nun unsere Politik sich eingeschaltet hat und Entschuldigungen für Entschuldigungen fordert. Genau jene Leute, die seit Jahren Asylsuchende kriminalisieren und Diskriminerung durch das Bearbeiten von latenter Fremdenfeindlichkeit fördern. Dieser Eintrag ist ein Versuch, die Diskussion auf diese Fragen zu lenken.

  19. #19 MJ
    August 15, 2013

    Aus irgendeinem Grund kann ich auf die Daten des Survey nicht zugreifen. Ist im Survey irgendwo spezifiziert oder gar kontrolliert, was Leute unter “different race” verstehen? Ich verwette etwa meinen Hintern, dass es genugend Weisse gibt, die ein Problem mit schwarzen Nachbarn haetten, aber nicht mit “asiatischen”. Steht “Rasse”, wenn nicht anders spezifiziert, implizit fuer die Dichotomie schwarz/weiss bzw. generell fuer Menschen mit jeweils duenklerer/hellerer Hautfarbe? Werden “Araber” von Nicht-Arabern (bzw auch sich selbst) als Rasse wahrgenommen (was legen etwa gaengige Ausdruecke wie “black-blanc-beur” ueber die Wahrnehmung von Rassen nahe?)? Bzw. wie wurde kontrolliert, das die Bedeutung des Begriffs nicht ueber die Sprachen (und Laender) empfindlich variiert? Wie ja angemerkt, ist der Begriff “race” etwa in den USA nicht per se negativ behaftet, waehrend “Rasse” im Deutschen ein extrem empfindliches Konzept ist, Frankreich untersagt den Begriff in der Gesetzgebung, etc. In welche Richtung wuerde ein solcher Unterschied in der Akzeptanz/Definition des Konzepts “Rasse” die Umfrage beeinflussen? (Und noch weiter: misst der Begriff etwa, gefragt in Zimbabwe, auch Spannungen ziwschen Shona und Ndebele, oder worunter faellt das? Oder waere es gerade in Zimbabwe ein starker Indikator fuer eine schwarz/weiss-Dichotomie?)

    Ich haette auch gedacht, dass die Antworten fuer “race” und “immigrants/foreign workers” deutlicher korrespondieren. Vor allem Frankreich und Spanien unterscheiden sich da sehr. Und das Frankreich bei “different language” keinen hoeheren Balken hat, geht zumindest gegen impressionistisches Eindruecke ueber Empfindlichkeiten in Frankreich. Aber im Ernst: wie sehr ist die Sprachkategorie unabhaengig von anderen? Wild drauf los spekuliert kann ich mir vorstellen, dass ein Land mit hoher Einwanderung und verpatzter Integrationspolitik Fremdsprachen ipso facto als Problem wahrnehmen (man denke an Schulen in Ballunsraeumen, die in der Folge segregativer Tendenzen sehr hohe Anteile and Nicht-Muttersprachlern mit schlechten Sprachkenntnissen haben – ein Theme, das stark mediatisiert wird, ob jetzt zurecht oder nicht). In dem Fall waere die Sprachkategorie ein Proxy fuer etwas anderes. Hingegen ein Land mit niedriger Einwandererquote, das eher auf hochqualifizierte Einwanderer abzielt, koennte eine Fremdsprache eher als Proxy fuer besonders hohe Bildung ansehen. Wie ist das etwa mit Norwegen? Bzw laesst sich da ein aehnliches Problem wie bei der Frage nach “Rasse” ausmachen: gut vorstellbar, dass Deutsche mit tuerkisch eher negative Gefuehle verbinden als mit franzoesisch, etc. Woran denkt der durchschnittliche Deutsche, wenn man ihn nach seiner Akzeptanz einer anderen Sprache fragt?

    Kurz: ich verstehe nicht ganz, was da eigentlich gemessen wird, bzw ob effektiv ueberall das gleiche gemessen wird. Gibt es da irgendwo eine ausfuehrliche Diskussion?

  20. #20 MJ
    August 15, 2013

    Der Tweet passt vielleicht ganz gut zum Rasse/Immigrations-Doppelzug (oder eben nicht):

    https://twitter.com/tejucole/status/367754766979325952

  21. #21 5yF0Rc3
    August 15, 2013

    Also, als erstes finde ich lustig wie andere über die Schweiz denken. Und zweitens, ist es ebenfalls lustig das die meissten hier geschriebene Kommentare über eine Blöde Handtasche handeln, von mir aus gesehen ist das recht egal, es gibt immer “diese Menschen” die glauben sie müssen Rassistisch sein usw..
    Aber das eigentliche Thema ist die Geschichte mit Bremgarten, weil hier der Staat gehandelt hat, und der sollte besonders als Schweiz Neutral bleiben.
    Ich habe den dazu verlinkten Artikel jezt nicht gelesen, aber ich stehe leider hinter der Schweiz..
    Auch bei uns in der Schule ist es gerade Thema (auch von dem Lehrer aus).
    Ein Asylant ist halt eben eine Person die keinen Pass bzw sonst was hat, und man nicht zurück schicken kann (man weis ja nicht wohin), und da unsere Schweiz ja so nett ist “müssen” wir sie aufnehmen, also Bauen wir halt Häuser für viel geld in Bewohnbare Zimmer um, die sogar noch mehr Luxus haben als andere. Da sie kein Geld haben wird Ihnen alles Bezahlt selbst die Badi, möglicherweise hat sich da einfach jmd gedacht das nicht alles drinn liegt, und wir können unsere Steuergelder auch nicht nur dafür raus hauen. Dass es keine lokale abstimmung deswegen gab verstehe ich auch nicht ( Ich finde das Vid zwar nicht, aber bei umfragen hatten Einwohner kein Problem damit das die Asylanten in die badis dürfen.).
    Das beste ist: die Asylanten sind am Bhf auf den Boden gessesn und haben eine Demo veranstaltet das “alles Scheisse ist”, Ich glaubes wen das echt Flüchtlinge bzw. “arme” wären, würden sie Glücklich sein für alles das man macht für sie. Ich will damit nicht sagen dass wir keine aufnehmen sollten aber ein bisschen Respekt oder Anstand wäre schon geil. Auch verstehe ich Jetzt nicht wie man aus SOWAS die Schweiz als Rassistisch bezeichnen kann…

  22. #22 ali
    August 15, 2013

    @MJ

    Völlig einverstanden. Gerade beim Begriff “Rassismus” ist das sehr schwierig. Ich habe im Eintrag deshalb auch einen ganzen Abschnitt bezüglich genau dieser Vorbehalte.

    Da die WVS einen sehr grossen Katalog von Fragen beinhaltet, zu einer viel grösseren Zahl an Themen, nehme ich an, dass diese spezifische Frage nicht angepasst wird, um sie vergleichbarer zu machen.

    Um so rätselhafter ist es mir, warum Menschen gerade in der Schweiz, so bereitwillig zugeben, Menschen “einer anderen Rasse” als Nachbarn zu haben. Ich empfinde schon die Formulierung der Frage auf Deutsch als unangenehm.

    @5yF0Rc3

    Dein Blick auf das Flüchtingswesen ist sehr holzschnittartig.

    1. Du findest du im Artikel Zahlen zum Thema Fremdenfeindlichkeit und der Schweiz. Das ist auch das Haupthema. Es geht ja gerade darum inwiefern die Sicht (die auch du vertrittst) auf das Flüchtlingswesen von dieser Xenophobie informiert ist. Den Flüchtlingen einfach Undankbarkeit und vorgeschobene Fluchtgründe zu unterstellen ist Teil von diesen Vorurteilen.

    2. In diesem Abschnitt stimmt so viel nicht, dass ich nicht weiss wo ich anfangen soll:

    Ein Asylant ist halt eben eine Person die keinen Pass bzw sonst was hat, und man nicht zurück schicken kann (man weis ja nicht wohin), und da unsere Schweiz ja so nett ist “müssen” wir sie aufnehmen, also Bauen wir halt Häuser für viel geld in Bewohnbare Zimmer um, die sogar noch mehr Luxus haben als andere. Da sie kein Geld haben wird Ihnen alles Bezahlt selbst die Badi, möglicherweise hat sich da einfach jmd gedacht das nicht alles drinn liegt, und wir können unsere Steuergelder auch nicht nur dafür raus hauen

    Vielleicht solltet ihr das in der Schule etwas genauer unter die Lupe nehmen. Ein Flüchtling ist ein juristischer Begriff. Es gibt internationale Verträge die fast alle Länder unterzeichnet haben, die Menschen auf der Flucht Schutz bieten sollen. Diese Abkommen enstanden aus den unzähligen schlimmen Fluchtschicksalen im zweiten Weltkrieg. Es ist also nicht einfach die Schweiz die ein bisschen grosszügig ist.

    Gerade in der Schweiz werden diese Menschen oft in Luftschutzkellern untergebracht mit Auflagen, die die Bewegungsfreiheit einschränken. Zudem dürfen sie nicht arbeiten und kriegen darum nur ein kleines Taschengeld. Von “Luxus” kann keine Rede sein. Die Einschränkungen für das Schwimmbad haben auch nichts mit Steuergeldern zu tun sondern sind offiziell im Gesetz bestenfalls aus Sicherheitsgründen vorgesehen (soviel zum Thema Kriminalisierung).

    3. Vielleicht solltest du über deine eigenen Vorurteile etwas reflektieren:

    Ich glaubes wen das echt Flüchtlinge bzw. “arme” wären, würden sie Glücklich sein für alles das man macht für sie. Ich will damit nicht sagen dass wir keine aufnehmen sollten aber ein bisschen Respekt oder Anstand wäre schon geil.

    Du unterstellst den Flüchtlingen (die übrigens bewusst schlecht behandelt werden um die Schweiz nicht “attraktiv” erscheinen zu lassen) pauschal einen Mangel an Respekt und Anstand. Etwas das in einem rechtlichen Verfahren abgeklärt werden sollte (die Zulässigkeit ihrer Fluchtgründe), kannst du aus der Tatsache ableiten, dass sie einen Sitzstreik machten, den du ihnen nicht zugestehen willst. Das sind genau solche Vorurteile.

    4. Mein Post ist ein Versuch die Diskussion ein wenig objektiver zu machen. Du behauptest viele Dinge aus dem Bauch heraus. Versuche mal die verschiedenen Behauptungen die du aufstellst überprüfbar zu belegen (und damit meine ich gute Quellen) und die Quellen kritisch zu studieren. Vielleicht kannst du ja deinen Lehrer davon überzeugen, dass ihr das in der Schule als Übung macht.

  23. #23 G.K.
    August 15, 2013

    Zum Titel: Fremdfeindlichkeit oder Xenophobie wäre für mich die stimmigere Bezeichnung für die Situation in der Schweiz. Beim Begriff Rassismus assoziiere ich Apartheid (Südafrika) oder Rassendiskriminierung (USA). Einige wenige Rassisten in diesem Sinne gibt es sicher auch in der Schweiz, ich vermute aber nur am äussersten rechten Rand.

    Ansonsten finde ich den Artikel sehr gut. Vor allem die Unterscheidung von Fremd- und Eigenwahrnehmung.

    Es ist ja bekannt, dass unser Land stolz auf seine humanitäre Tradition ist, und dies bei jeder Gelegenheit herausstreicht. Vorfälle wie jene in Bremgarten zeigen jedoch nur auf, wie schwer sich der Staat bei der Umsetzung einer menschenwürdigen Asylpolitik tut, deren erste Massnahmen doch darin bestehen sollten, dem Flüchtling in jeder Hinsicht so schnell wie möglich wieder auf die Beine zu helfen, – nicht damit er möglichst schnell unser Land wieder verlässt, sondern damit er befähigt wird, in seinem neuen Umfeld mehr und mehr selbstständig zu seinem Lebensunterhalt beizutragen, – sprich, arbeiten darf.

    Wenn man die “Gesetzgebungsbemühungen” in Sachen Asylpolitik und Einbürgerung der rechten Parteien betrachtet, scheint es deren einziges Anliegen zu sein, zu verhindern, dass die Fremden, die Asylbewerber nicht auf Kosten der “rechtschaffenen” Mehrheit leben können. Einbürgerung soll nur gewährt werden, wenn keine Sozialhilfekosten zu befürchten sind. In jedem Asylbewerber sieht der rechte Schweizer nur und zuerst jemandem, der im auf dem Portemonnaie liegen wird.

    Es wäre vielleicht interessant, diese fremdenfeindliche Stimmung in unserem Land historisch zu erklären und als hässliches Nebenprodukt einer auf den ersten Blick verständlichen und vernünftigen oder schlauen Neutralitätspolitik zu begreifen, – einer Neutralität, die in einer zunehmend global beeinflussten Zeit, keine Legitimation mehr beanspruchen kann, oder zumindest grundsätzlich aus völkerrechtlicher Perspektive (eben von aussen her) neu definiert werden sollte.

  24. #24 CMSA
    August 15, 2013

    @ali:
    Nur aus Interesse: Gibt es die die Studiendaten oben auch für Deutschland? (Ich hab es jetzt auf die schnelle nicht gefunden O.o ).

  25. #25 ali
    August 15, 2013

    @CMSA

    Siehe update

  26. #26 ali
    August 15, 2013

    Ich musste die Zahlen wegen eines dummen Copy-Paste Fehler revidieren. Die Analyse stellt sich nun als falsch heraus. ich bitte um Entschuldigung dafür. Ein entsprechendes Update habe ich hinzugefügt.

  27. #27 Felix
    August 15, 2013

    Guter Post, danke!

    Sehr interessanter Artikel kürzlich in der APSR zum Thema:

    http://journals.cambridge.org/action/displayAbstract?fromPage=online&aid=8842894

  28. #28 ali
    August 15, 2013

    @Felix

    Ja, das Paper hatte ich auch gesehen und fand es sehr interessant. Es liefert tatsächlich einen starken Hinweis auf eine Diskriminierung nach Nationalität/Herkunft. Ich habe ihn aber nicht verwendet für diesen Post, weil die gestellt Frage ist, was die relative Position der Schweiz im internationalen Vergleich ist. Der Artikel bezieht sich halt auschliesslich auf die Schweiz. Da es um Einbürgerungen an der Urne geht, wird ein internationaler Vergleich dieser Messung auch nicht möglich sein.

  29. #29 MX
    August 16, 2013

    Etwas OT: Wie erklären die WVS-Autoren die extrem hohen Werte für Frankreich? Vom Bild her würde man ja zuerst an ein Methodenproblem denken.

  30. #30 MJ
    August 16, 2013

    Ja, Frankreich wundert mich auch ein wenig. Nicht so sehr die Position, aber das ist ja teilweise doppelt so hoch wie der naechste. Donnerwetter!

  31. #31 ali
    August 16, 2013

    @MX @MJ

    Frankreich ist mir auch aufgefallen. Der Verdacht kommt tatsächlich auf, dass da nicht das gleiche gemessen wurde. Habe aber keine Ahnung was es sein könnte. Eine kurze Literatursuche via googls scholar hat viele vergleichende Studien zu Frankreich zu Tage gefördert, aber ich habe auf die Schnelle keine gesehen, die sich dazu äussert.

    Vielleicht hat es etwas mit dem Verständnis von Nationaler Identität zu tun und die Einteilung in eine andere Kategorie impliziert für viele, dass diese Franzose/Französin zu sein explizit ablehnen? Aber auch das scheint mir weder ausreichend noch wirklich eine gute Erklärung für diese extreme Werte. Vielleicht haben sie schlecht gesampelt. Oder vielleicht haben sie ähnliche Copy-Paste Talente wie ich…

  32. #32 Stefan W.
    http://demystifikation.wordpress.com/2013/08/17/franz-christanell-das-denken-der-dinge-im-westpark/
    August 17, 2013

    Ich weiß, ich kann nervend sein, aber bei mir sind noch ein paar Enden nicht verknotet, wenn ich auch durch das Interview mit der Verkäuferin einen ganz neuen Eindruck gewonnen habe; weil es authentisch wirkt. Das kannte ich zuvor noch nicht, sondern nur ein kurzes Videointerview mit der Ladenbesitzerin.

    Aber ich sehe erstens keine Celebrityfalle. Nicht für mich. Es gibt wohl Rassisten die einzelne Künstler, Sportler oder Nachbarn von ihrem Rassismus ausnehmen, aber ich bin kein Fan von Oprah Winfrey und weiß nahezu nichts von dem was sie tut. Eigentlich ist mir egal ob sie in der Schweiz oder Italien oder Deutschland schlecht behandelt wird. Interessant für mich ist nur der exemplarische Fall, und davon sind Prominente ja nicht gefeit. Der Vorteil der Prominenz ist, dass sie hier mal für etwas sinnvolles ausgebeutet werden kann: Für eine Diskussion über Vorurteile.

    Allerdings ist Frau Winfrey wohl nur einer kleinen Clique hierzulande bekannt, die gut genug Englisch spricht um sich amerikanische Talkshows im Netz anzuschauen, und dennoch für sowas empfänglich und die Zeit dazu hat und es dann wirklich macht.

    Lange Rede kurzer Sinn: Ein armer Mensch würde in eine Edelboutique gehen, sofern er weder Drogendealer, noch asylsuchend ist, sonst aber nicht? Das verstehe ich immer noch nicht.

    Wieso sollte ein reicher Drogendealer oder reicher Asylsuchender sich nicht eine XY-Tasche für 35 oder 38 k€ kaufen wollen?

    Ich glaube nicht dass in den USA die dunkle Hautfarbe stärker als bei uns mit Armut assoziiert wird. Einerseits haben sie dort mehr schwarze Spitzensportler, Musiker und Film-/Fernsehstars. Zweitens eine etablierte afroamerikanische Mittelschicht mit Ärzten, Anwälten, Richtern usw. was sich auch im Fernsehprogramm widerspiegelt.

    Aber ich stimme Dir zu dass wir jetzt 2 Aussagen haben und wenig Anhaltspunkte der einen oder der anderen mehr zu glauben, noch haben wir eine Theorie die alles erklärt, außer das recht vage “Missverständnis”.

  33. #33 Otto Graf
    Leipzig
    August 20, 2013

    “Copy-Paste Talente” sind noch schöner ohne Deppenleerzeichen. Danke.

  34. #34 Randifan
    August 20, 2013

    Vor einigen Jahren täuschte eine Brasilianerin in der Schweiz einen fremdfeindlich motivierten Überfall vor, es kam zu diplomatischen Verwicklungen zwischen der Schweiz und Brasilien, bis die Frau zugab, alles erfunden zu haben. Sie nutzte symthematisch alle Aspekte der “rassitischen” Schweiz aus.
    http://www.nzz.ch/aktuell/startseite/staatsanwaltschaft-eroeffnet-verfahren-gegen-brasilianerin–1.2034894

  35. #35 ali
    August 20, 2013

    @randifan

    und daraus schliesst du?

  36. #36 Randifan
    August 20, 2013

    @ali
    Der Rassismus wurde im besagten Fall gezielt instrumentalisiert. Diese ganze Debatte um den Vorfall in der Boutique wirkt übertrieben, meiner Meinung nach betreibt Oprah eine gezielte PR-Aktion, die den Rassismus am Ende nur stärken wird.

  37. #37 ali
    August 20, 2013

    @randifan

    Wie ich oben schon geschrieben habe: Es steht Aussage gegen Aussage und es scheint mir so, dass es unmöglich ist, zu rekonstruieren was vorgefallen ist. Eine “PR-Aktion” zu vermuten ohne plausible Anhaltspunkte dient daher wohl auch primär Vorurteile zu bedienen. Oder hast du irgendwas solideres als deinen Verdacht?

    Menschen die Rassismus anprangern (und potentielle Opfer sind) zu TäterInnen zu machen finde ich unappetitlich. Es schwingt stark die müde Behauptung von eben jenen Xenophoben mit, die die Schuld abschieben indem sie behaupten, dass die Diskriminierten (mit)verantwortlich sind (“Wenn sie sich anpassen würden…” “Wenn sie nicht X oder Y tun würden…”). Solche meines Erachtens gravierende Behauptungen sind inakzeptabel ausser du hast etwas wirklich gutes Vorzuweisen, dass es mehr ist, als nur Verdächtigungen deinerseits.

    Und bevor du nun wieder mit der Brasilianerin aus dem ersten Kommentar kommst: Das mit den Einzelfällen und Anekdoten argumentieren kennst du ja sehr gut aus den Diskussionen um “alternative” Medizin. So tief wollen wir nicht sinken oder?

  38. #38 Randifan
    August 20, 2013

    @Ali
    “Wie ich oben schon geschrieben habe: Es steht Aussage gegen Aussage und es scheint mir so, dass es unmöglich ist, zu rekonstruieren was vorgefallen ist. Eine “PR-Aktion” zu vermuten ohne plausible Anhaltspunkte dient daher wohl auch primär Vorurteile zu bedienen. Oder hast du irgendwas solideres als deinen Verdacht?”
    Diese Frau hat in ihren Sendung ein flexibles Verhältnis was Wahrheit angeht. Sie bot Leuten wie Mehmet Oz, einem Herzchirugen und Vertreiber zweifelhafter Produkte eine Bühne. Außerdem verbreitet sie gerne zweifelhafte Geschichten wie die von den Regenbogenpartys.
    http://en.wikipedia.org/wiki/Rainbow_party_%28sexuality%29#On_The_Oprah_Winfrey_Show
    “Das mit den Einzelfällen und Anekdoten argumentieren kennst du ja sehr gut aus den Diskussionen um “alternative” Medizin.”
    Wenn eine Frau eine so schwere Straftat vortäuscht, dann mag es ein Einzelfall sein, aber es ist dies keine Anekdote. Leider ist es nicht genug in Errinnerung geblieben. Rassismus wird Instrumentalisiert, dies ist eine Tatsache.

  39. #39 ali
    August 20, 2013

    @randifan

    Diese Frau hat in ihren Sendung ein flexibles Verhältnis was Wahrheit angeht. Sie bot Leuten wie Mehmet Oz, einem Herzchirugen und Vertreiber zweifelhafter Produkte eine Bühne. Außerdem verbreitet sie gerne zweifelhafte Geschichten wie die von den Regenbogenpartys.

    Im Zusammenhang, in dem sie die Zürcher Episode erwähnte passt aber nicht gut in eine geplante PR Aktion (sie wurde nach einem Beispiel gefragt). Auch, dass dies ein solches Aufsehen machen würde, war wohl schwer abzusehen. Ich bin definitiv auch kein Fan von OW. Das reicht aber nicht um deinen Vorwurf zu belegen. Die Indizien für eine effektive PR Aktion sind in diesem Fall schlicht nicht vorhanden. Was du anbringst sind vielleicht allgemeine Vorwürfe an OW aber helfen uns in besagtem Fall nicht weiter.

    Wenn eine Frau eine so schwere Straftat vortäuscht, dann mag es ein Einzelfall sein, aber es ist dies keine Anekdote.

    Achso. Nun ist alles klar. /sarkasmus off

    Rassismus wird Instrumentalisiert, dies ist eine Tatsache.

    Ja. Und Leute nehmen homöpathische Mittelchen und anschliessend geht es ihnen besser. Auch eine Tatsache.

  40. #40 Michael S.
    August 22, 2013

    Interessant wäre es, einmal zu erfahren, ob diejenigen, die sich so vehement xenophob zeigen, tatsächlich Ausländer kennen oder Erfahrungen mit Ausländern gemacht haben. Meiner (natürlich nicht repräsentativen) Erfahrung nach, hatten nämlich die vehementesten Gegner nie Kontakte zu Ausländern.

  41. #41 Stefan W.
    http://demystifikation.wordpress.com/2013/08/19/blasphemic-lolcat-i-ii/
    August 22, 2013

    @Michael S.: Die Frage ist geklärt, und zwar widersprüchlich. Zumindest in Deutschland hat sich gezeigt, dass die Ausländerfeindlichkeit in Wahlbezirken mit wenig Ausländern höher ist, aber ein Lackmustest ist das Kennen oder der Umgang mit Minderheiten nicht.

    In der NS-Zeit hatten viele Nazis Bekannte oder gar Freunde, die sie ausgenommen wissen wollten von den in Prinzip für richtig gehaltenen Vorurteilen. Der Vorsitzende einer rechtsradikalen Partei, ich glaube der Republikaner, hatte eine farbige Ehefrau und viele Rechtsextreme kennen auch ein, zwei Leute persönlich, die sie von ihrem Hass ausnehmen – die dienen dann auch schön als Beweis dass sie nicht dogmatisch sind, sondern differenzieren, und sollen so untermauern, dass die verhassten Leute es aber echt verdient haben.

    Dass jeder in der Clique seine 2 Ausnahmen hat, im Falle des Furors aber niemand mehr fragt ob ein Parteigenosse denn etwas dagegen hat, wenn man jetzt diesen Menschen angreift oder jenen überreissen sie nicht – oder erst später.

  42. #42 Wilhelm Leonhard Schuster
    August 22, 2013

    Zu Extremistenfragen und dem Aufeinandertreffen dieser Lager im Persönlichen folgendes Erlebnis:

    Ich stehe, mit mir völlig unbekannten Leuten, am Söller der Nürnberger Burg, die Stadt betrachtend.
    Mir fällt auf, daß die Sicht zur Kongresshalle,
    von der Burg aus gesehen, unschön, teilweise von einem Hochhaus verdeckt ist.
    Zu meinem Nachbarn bemerke ich :Man hätte die Sicht zu Führers Kongresshalle nicht so verstellen sollen, das sei ein architektonisch nicht schön und unharmonisch.
    Der Nachbar,englisch sprechend, fragt nach, wo das sei.
    Ich zeige ihm die Kongresshalle und frage nach, ob er Amerikaner sei,was er verneinte, er sei Engländer.

    Wie sie wissen, sagte ich, lag Nürnberg und unser Land in Schutt und Asche.
    Er fragt ob ich Nürnberger sei.Ich: No ei live 50 miles in west.

    Nun sagte ich bewußt einen provokativen Satz,nämlich:
    Churchill sei der dümmste der damaligen Führer der kriegführenden Staaten gewesen, denn er habe durch sein
    unnachgiebiges Verhalten(Hess) und der Machtanleihe bei den USA und der UDSSR(ich gehe selbst mit dem Teufel ein Bündnis ein so es mir nütze ist) das Englische Empire aufgegeben und Europa vernichtet.

    Meinem Gegenüber gibt diese, meine Aussage, einen Riß der entsetzlichen Abwehr mir gegenüber, die zunächst ohne Antwort blieb.
    Dann, nach innerem Verarbeiten meiner Aussage,
    kam die nachdenkliche Frage, wie alt ich sei.
    Ich:81!
    Darauf er: Da bin ich wahrscheinlich noch ein wenig zu
    jung .
    Wir betrachten weiter, ruhig, beide die Stadt Nürnberg.
    Dann, das für mich überraschende und völlig unerwartete,
    der Mann reicht mir zum Abschied freundlich die Hand
    (der Versöhnung und teils Abbitte, wie ich deutlich spüren konnte).
    Beide” Extremisten” sind sich also nicht an die Gurgel gefahren oder haben den Kadi bemüht .

    .

  43. #43 Hobbes
    August 23, 2013

    Da es gerade in den Medien recht hohe Wellen Schlägt:

    Da Bramsche nicht all zu weit weg von meinem Wohnort ist, gab es in unserer Regionalzeitung einen relativ differenzierten Bericht zu dem Vorfall um das Schild “EU Bürger willkommen!”
    Es ist wohl so, dass in dem Laden sehr viele Diebstähle durch einzelne Asylbewerber stattgefunden haben und die den Parkplatz auch als Aufenthaltsort zum Zeit totschlagen auserkoren haben. (Damit verbunden wohl genug Einbußen damit es sich lohnt 2 Securityleute zu beschäftigen) Darauf hin kam also diese sehr dämliche Idee des Ladenbesitzers zu stande. Eine solche Vorverurteilung von Gruppen ist natürlich strikt ab zu lehnen. Worauf der Lokalreporter dann allerdings eingeht ist die Rolle der Medien. Ein Reporter der Bildzeitung wurde mit den Worten zitiert: “Schade, hier lässt sich wohl kein Öl mehr ins Feuer gießen” und ein (Ich glaube NDR) Reporter war wohl enttäuscht das keiner der Anwohner sich zu Aussagen verleiten ließ mit denen man einen schönen Übergang auf die Proteste in Hellersdorf hin bekommen kann. Und wenn man dann auf Tagesschau.de Sätze wie “Möglicherweise handelt es sich sogar um klare Gesetzesverstöße” hört (Video-Datei) dann muss man sich die Frage stellen wie genau der Journalismus in Deutschland noch hin schaut. “Möglicherweise” und “klar”. Oh Mann! Wenn irgendwo Rassismus drauf steht scheint es bei vielen immer nur Schwarz/Weiß (Verzeihung) geben zu dürfen. Es muss auf Teufel komm raus ein Skandal sein.

    Mich nervt es immer wenn Themen so emotionalisiert wurden dass eine vernünftige Diskussion darüber nicht mehr geführt werden kann.
    Grün verpasst einen hier einen Maulkorb und Schwarz will die Probleme nur nicht vor der eigenen Haustür (Parteifarben eher stellvertretend gemeint). So werden Probleme nur schlimmer und Leidtragende sind davon dann alle (insbesondere die Asylbewerber und deren Nachbarschaft).

  44. #44 Hobbes
    August 23, 2013

    Ach für die an denen es vorbei gegangen ist:
    http://www.tagesschau.de/inland/diskriminierung108.html

  45. #45 Porzellan
    August 23, 2013

    #40

    das ist nur ein scheinbarer Widerspruch: Wenige Einwanderer sind überhaupt kein Problem, durchaus sogar willkommen, viele hingegen schaffen das Gefühl der Überfremdung. D.h. der Vorwurf der Ausländerfeindlichkeit trifft eben nicht zu. Ist der Zustand der Überfremdung erreicht, endet die Assimilation und es findet sofort – auf allen Seiten – eine Separierung statt. Das ist den Einheimischen nicht zuzumuten. Hier wird aber nun der Rassismusvorwurf eingesetzt, und damit wird eine Lüge in die Welt gesetzt.

  46. #46 ali
    August 23, 2013

    @Porzellan

    Wann ist “Über”fremdung? Wann ist gerade richtig? Was ist “fremd” (gilt das z.B. auch für Deutsche)? Hast du auch nur den Ansatz eines Beleges für deine “Assimilierungsthese” (z.B. die USA wiederlegen klar deine Behauptung).

    Du versuchst hier nur die Schuld für den Rassismus auf die Opfer zu verschieben und durch die Verwendung unscharfer Begriffe vorzugaukeln, dass Xenophobie eigentlich eine ganz rationale und automatische Reaktion wäre (obwohl die Statistik im Post schon zeigt, dass es sehr unterschiedliche Reaktionen geben kann). Das Volksgefühl kann nicht Richtlinie sein (z.B. auch Antisemitismus in 30ern basierte nicht selten auf einem solchen “Gefühl”).

    Eine solche Pseudorechtfertigung kann ich hier nicht einfach durchgehen lassen.

  47. #47 Hobbes
    August 23, 2013

    Eine Überfremdung tritt ein sobald es keine Integration gibt. Der Begriff ist dahingehend schwierig da er suggeriert die Anzahl der Fremden würde dabei eine Rolle spielen. Dabei ist Integrationsverweigerung ein extrem komplexes Phänomen.
    Manchmal sind wirklich die “Fremden” Schuld. Zum Beispiel wenn, wie es bei einigen Türken der Fall ist, die Heimatkultur als der hiesigen Überlegen angesehen wird und daraus keine Traditionswahrung sondern eine Verweigerung der Anpassung wird. Dies verhalten ist bei manchen türkisch-stämmigen Mitbürgern leider deshalb so ausgeprägt da der Ministerpräsident Erdogan dies ausdrücklich befürwortet.
    Solche von sich aus Integrationsunwilligen sind aber immer nur ein kleiner Teil.
    Meistens liegt es an der Gesellschaft wie Leute Integriert werden. Da spielt erst einmal der Grund eine Rolle warum die Einwanderer überhaupt hier sind.
    Dann spielt die konservative Haltung vieler eine Rolle (nur nicht in Meiner Nachbarschaft) die zur Ghettobildung führt. Dabei ist das sogar ein Automatismus, da viele Migranten den Immobilienpreis drücken wollen viele keine Migranten bei sich in der nähe, was dann wirklich zu fallenden Immobilienpreisen führt wenn dort welche hin ziehen. Bescheuert, ist aber leider so.
    Zu guter Letzt ist das Gegenteil davon dann auch nicht Hilfreich. Falsch verstandener Liberalismus oder Antifaschismus führen dazu das es Tabu ist die Probleme an zu sprechen. (Frankreich mit den Starken Sozialisten plus den starken Nationalgefühl und extremer Ghettobildung ist hier ein Musterbeispiel. England ebenfalls. Wobei diese nie starke Sozialisten hatten, weshalb sie einen der Hauptfehler vermieden haben (die anderen dafür um so ausgeprägter))
    Dazu kommen noch unzählige individuelle oder lokale Gründe.
    Ein unglaublich komplexes und wichtiges Thema.
    2 Sachen kann man jedoch als gesetzt betrachten:
    Die Anzahl der Migranten spielt keine wesentliche Rolle. Vielfalt ist Stärke und keine Schwäche sofern sie harmonieren kann.

  48. #48 Stefan W.
    http://demystifikation.wordpress.com/2013/08/19/blasphemic-lolcat-i-ii/
    August 23, 2013

    @Hoobbes: Das größte Überfremdungsproblem bereitet demzufolge seit Generationen die Jugend. Dann gefällt ihnen die Marschmusik nicht und sie wollen unbedingt Rockmusik hören. Die nächste Generation will Hippiemusik, Disko, Funk, dann Techno und Hiphop und all das.

    Und nichts davon wird im Musikantenstadl integriert, ebensowenig wie dort türiksche Volksweisen willkommen sind, oder sind sie?

    Ach, die türkischen Jugendlichen machen türkischen Hiphop? Machen sie? Wird das irgendwo integriert?

  49. #49 S
    Januar 8, 2014

    Ich kaufe ein S: World Values Survey