In einer Folge von West Wing versucht die fikitve Organization of Cartographers for Social Equality das Weisse Haus davon zu überzeugen, andere Projektionen für Weltkarten im öffentlichen Schulsystem zu verwenden. Ich fühlte mich an diese Episode erinnert, als vor ein paar Tagen eine Infografik über “die wahre Grösse Afrikas” durch das Internet geisterte. Hier der West Wing Clip für jene, die diese Folge verpasst haben (für alle anderen wird es nicht überraschen, dass ich damit als Schweizer den Big Block of Cheese Day zelebriere):

Die betreffende Afrikakarte spielt mit einem Aspekt der Argumente der Organization of Cartographers for Social Equality: Verschiedene (und gefühlt sehr grosse Länder) werden auf den Afrikanischen Kontinent gelegt. Das Ergebnis ist erstaunlich, selbst wenn man sich bewusst ist, dass Afrika grösser ist, als viele zu glauben meinen.

true-size-of-africa

Das gleiche kann man auch mit anderen, vielleicht dafür besser geeigneten Kartenprojektionen wiederholen, das Resultat bleibt: Afrika ist viel grösser, als der Kontinent auf den meisten Karten erscheint.

Man kann sich nun fragen, was das alles soll. Die Organization of Cartographers for Social Equality im Clip erklären es eigentlich ziemlich gut. Konkrete Beispiele, die unter anderem auch auf diese Verzerrung zurückgeführt werden können, gibt es genug. Ich ärgere mich zum Beispiel regelmässig, dass der Schweizer öffentlich-rechtliche “Nachrichten-“Radiosender (SRF 1) meist ihren “Afrikakorrespondenten” von Ereignissen in Kapstadt, Lagos und Nairobi als “Experte” berichten lässt. Man stelle sich vor, wie man sich über die “ignoranten Amis” lustig machen würde, hätte FOX News nur eine Person, die Europa und halb Asien abdeckte. Wenn dann noch über “Afrika” gesprochen wird, als handle es sich um ein einzelnes Land und ständig Bilder von “Frauen in farbigen Tüchern, die Wasser holen” und auf “lebendigen Märkten einkaufen”, dann setzt sich dies auch in den Köpfen fest.

Dies ist natürlich nicht der einzige Faktor. Ethnozentrismus, Kolonialgeschichte und manchmal einfach blanker Rassismus tun den Rest. Dass dann am deutschen Fernsehen Shows wie Wild Girls – Auf High Heels durch Afrika  oder Reality Queens auf Safari  gezeigt werden können, ist in gewissen Sinne fast schon eine logische Folge davon. Ich kann mich nur noch wundern, ob ich den Sexismus oder den Rassismus daran schlimmer finde. Dass Wild Girls noch dazu bei den Himba in Namibia gedreht wurde, ist der Gipfel der fehlenden historischen Sensibilität. Ein fiktive solche Sendung, wäre eine gelungene bissig-böse Satire. Die zelebrierte Afrika-Romantik (und Projektionen) um die vorletzte Jahrhundertwende und ihre Auswüchse (damals noch lange gepflegte “Völkerschauen”, nicht selten in Zoos) ist eine Sache. Dass man mit Namibia ausgerechnet ein Land ausgesucht hat, welches zum Deutschen Kolonialreich gehörte und wo deutsche Soldaten in einem genozidären Krieg rund 80% der heimischen Herero (zu denen die Himba oft gezählt werden) dahingeschlachtet wurden, ist für mich unfassbar. Das es nicht zu einem gewaltigen Skandal geführt hat, ist wohl ein klares Symptom für das Problem. Als TV-loser Mensch habe ich via einen englischen Blogeintrag von diesen beiden Sendungen erfahren. Sein Titel: “What’s Wrong with the Germans?

Kommentare (62)

  1. #1 Thomas
    Hamburg
    September 28, 2013

    Ich vermute, dass FOX News nur wenige Korrespondenten in Europa hat. Und genau das gleiche gilt fürs den SRF für Afrika. Die haben eine fürs TV und einen fürs Radio.[1] Die deutsche ARD hat vier Korrespondenten in Afrika, zum Vergleich in den USA hat die ARD gleich drei und in Südamerika sind es zwei.

    Das Problem, dass der Kontinent als eine große, homogene Region wahrgenommen wird, ist wirklich ein Problem.

    [1] http://unternehmen.srf.ch/Nachrichten/Archiv/2010/12/13/Standorte/Ausland-Korrespondenten

  2. #2 MJ
    September 29, 2013

    Ich habe mich schon ein paar Mal gefragt, wo diese Siche auf Afrika als etwas Einheitliches herkommt. Fruehere Kontakte (Nordafrika ausgenommen) sind offensichtlich als Kontakte mit spezifischen Kulturen – nicht generisch “afrikanischen” Kulturen – wahrgenommen worden (etwa die ausgedehnten Kontakte Portugals mit dem Koenigreich Kongo, siehe dazu die etlichen Arbeiten John Thorntons zur geschichte des Koenigreichs Kongo). Kann es sein, dass dies Vereinheitlichung Afrikas in westlicher Sicht mit der Intensivierung eines biologisch begruendeten Rassismus einhergeht? Amavilah hat ein Arbeitspaper, bei dem klar wird, dass all die generischen Auffassungen, denen man bis heute begegnet (ueber Conrad bis Scholl-Latour), bei Adam Smith schon praesent waren (d.h. Afrika wird nur dort differenziert, wo entweder eine europaeische Macht praesent wird oder wo es geographisch relevant ist, etwa das Cap oder Aegypten, und ist ansonsten eine Masse von Primitiven):

    http://ideas.repec.org/p/pra/mprapa/22923.html

    Ich denke, afrikanische Intellektuelle (sic! ich denke, in dem spezifischen Fall ist die Verallgemeinerung aber angebracht) zur Zeit der Unabhaengigkeit und danach haben dazu vielleicht einen Beitrag geleistet. Man denke etwa an Césaires Négritude, die mit Senghor Einfluss bis in die hoechsten politischen Kreise gefunden hat – und so zynisch Mobutus Authenticité auch gewesen sein mag, er hat dabei sicherlich reichlich Anleihe an der Idee von Négritude genommen. Am Deutlichsten kommt es bei Cheikh Anta Diop zum Vorschein, der dem Gedanken eines einheitlichen Afrikas eine wissenschaftliche Grundlage geben wollte. Etwa mit seinen Versuchen, die Hautfarbe der Pharaonen (und per Implikation die Alten Aegypter) als schwarz auszuweisen, d.h. das Alte Aegypten als genuin afrikanische Kultur zu identifizieren, die sich aus dem Kontinent heraus konstituiert hat und mit ihr generisch verbunden ist. Ganz deutlich wird es in seinem Versuch, das Aegyptische als dem Wolof verwandte Sprache darzustellen, wie er ihn im zweiten Band der UNESCO-Reihe “General History of Africa” (Kapitel: Origins of the Ancient Egyptians”) getan hat (nach damaliger wie heutiger Auffassung, gehoeren die beiden noch nicht einmal in dieselbe Sprachfamilie!). Er schreibt ganz klar:

    “Walaf [= Wolof, Anm.] a Senegalese language spoken in the extreme west of Africa on the Atlantic Ocean, is perhaps as close to ancient Egyptian as Coptic. An exhaustive study of this question has recently been carried out. In this chapter enough is presented to show that the kinship between ancient Egyptian and the languages of Africa is not hypothetical but a demonstrable fact which it is impossible for modern scholarship to thrust aside.”

    Die “exhaustive study” ist von ihm selbst. Kritiken seiner Position finden sich bereits im Annex zum Kapitel. In der Conclusion zu seinem Beitrag schreibt Diop:

    “The rediscovery of the true past of the African peoples should not be a divisive factor but should contribute to uniting them, each and all, binding them together from the north to the south of the continent so as to enable them to carry out together a n ew historical mission for the greater good of mankind; and that is in keeping with the ideal of Unesco.”

    Worum es hier geht ist ganz offensichtlich nicht eine politische Einheit (obwohl das auch), sondern ganz klar eine historisch gewachsene, kulturelle Einheit Afrikas als Tatsache (die bestenfall unterbrochen ist). Ich will Diops Arbeit gar nicht kleinreden (obwohl sie in weiten Teilen schlecht gealtert ist): man muss sich vor Augen halten, dass, als er all das geschrieben hat, noch die Hamiten-Semiten-Dichotomie verbreitet war und derlei Kram, und Afrika derartig als primitv wahrgenommen, dass man ihm das Alte Aegypten schlicht abgesprochen hat. Ausserdem hat er der Diskussion um die kulturelle Zugehoerigkeit des Alten Aegypten sicherlich einen wichtigen Schub gegeben (etwa seine Insistenz, ueber die nubische Pharaonen zu reden). Wenn also Barry Kemp in “Ancient Egypt: Anatomy of a Civilisation” (Kapitel “Who were the Ancient Egyptians?”, p. 58, Ausgabe 2003) folgendes schreibt (Fehler meine):

    “If one is obliged to reconstruct an ancient Egyptian scene, even to engage modern people to act parts in it, the most honest course is to use the modern population of Egypt as a guide. It will not be exactly right, for the processes responsible for change and variation in the population had another two thousand years to run before today, much more if one’s drama is set when the pyramids were being built. But any other course is likely to be more wrong. The exact mix of characteristics, at its simplest the range of facial types and skin shades, is a piece of micro-genetic history that is now beyond recovery. This does not make the ancient Egyptians any less a people of Africa, for ‘black’ Africans – by which term is generally meant the descendents of the Bantu – represent only a part of the population of African continent. The Negroid/Caucasoid dividing line is a textbook abstraction, justified perhaps for the broadest generalizations but for little more.”

    dann ist das ein Fortschritt gegenueber der frueheren Europaeisierung des Alten Aegyptens, zu dem Diop sicherlich beigetragen hat. Aber speziell in Hinblick auf das Einheitliche Afrikas, auf das Diop so hohen Wert legt (man vergleiche dahingegen die Betonung der Diversitaet in Kemps Zitat), frage ich mich, ob er da nicht auch zu dem heutigen Bild ueber Afrika beigetragen hat.

    Das alles findet sich auch in der aktuellen Literatur wieder. Vor mir liegen “Explaining African Economic Performance” von Collier/Gunning (JEL XXXVII (1999), 64-111) und “The Economic Tragedy of the XXth Century: Growth in Africa” von Artadi/Sala-i-Martin (NBER Working Paper No. 9865). Warum diese Aggregierung des ganzen Kontinents gerechtfertigt ist, wird nicht argumentiert: aber ganz offensichtlich ist die Behandlung Afrikas als ganzes eine verbreitete Arbeitshypothese auch im akademischen Bereich (wenn auch sicherlich unterscheidlich ausgepraegt in verschiedenen Disziplinen).

    Zum Voelkermord and den Herero: man sollte dabei nicht den Voelkermord an den Nama vergessen, der zeitgleich und im Zuge derselben (oder sehr aehnlichen) Operation stattgefunden hat. Die Strategie von Trothas war zudem nicht so sehr das “Dahinschlachten” der Herero/Nama, sondern sie buchstabelich in die Wueste zu schicken und dort verdursten zulassen (einen Schussbefehl gab es “nur” fuer die, die aus der abgesperrten Wueste fluechten wollten, Kapitulation ausgeschlossen, Kinder nicht ausgenommen:”Das Volk der Herero muß jedoch das Land verlassen. Wenn das Volk dies nicht tut, so werde ich es mit dem Groot Rohr dazu zwingen. Innerhalb der Deutschen Grenze wird jeder Herero mit und ohne Gewehr, mit oder ohne Vieh erschossen, ich nehme keine Weiber und Kinder mehr auf, treibe sie zu ihrem Volke zurück oder lasse auf sie schießen.”, so von Trotha). Einerseits kann gesagt werden, dass das alles damals noch als so pervers wahrgenommen wurde, dass es beim Ruecktritt des Gouverneurs Leutwein eine gewichtige Rolle gespielt haben soll, und das von Trotha schliesslich auch auf Druck des deutschen Parlaments (und oeffentlicher Entruestung) abgezogen wurde. Auf der anderen Seite wurde zwar der buchstaebliche Voelkermord unter Leutweins Nachfolger eingestellt, dafuer gab’s dann Gefangenenlager und als Politik die gezielte Zerstreuung der Ueberlebenden in alle Himmelsrichtungen mit dem Ziel die Kulturen auch wirklich zum Erloeschen zu bringen. Das hat eine generelle Signifikanz: wir reden hier von ethnischen Gruppen, die Leute wie Henrik Witbooi und (davor) Jonker Afrikaner (teilweise also schon nach Verbindung mit den Buren, die so genannten Orlam), oder Samuel Maharero hervorgebracht haben, denen man die Faehigkeit zu “moderner” politischer Organisation (so unvollkommen auch immer) nicht absprechen kann (weswegen Gouverneur Leutwein auch bemueht war, sehr gute Kontakte mit ihnen zu pflegen – was nicht heissen soll, dass er ein Engel war). (Speziell Jonker Afrikaner ist bekannt durch den Aufbau weitlaeufiger Handelswege und einer fruehen Bluehte an der Stelle des heutigen Windhoeks, mit dem die damalign Siedlerkolonisten Handel in grossen Masse betrieben haben). Der Voelkermord geht also ueber die Ausloeschung ethnischer Gruppen “allein” hinaus, und zerstoerte Teile einer Basis, auf der sich ein Staat haette konstituieren koennen (was vermutlich auch mit die Absicht gewesen ist). Ueber die modernen Bundesregierungen kann man angesichts der deutschen Geschichte nur den Kopf schutteln, nachdem sie sich beharrlich weigern volle Verantwortung fuer einen von der UNO als solchen identifizierten Voelkermord zu uebernehmen. (Die Formulierungen deutscher Politiker, die sich zwar entschuldigen, aber permanent um die Verwendung des Begriffes “Voelkermord” herumtanzen, sind in diesem Zusammenhang erbaermlich.) Wie sollte man also ausgerchnet von RTL etwas besseres erwarten als voellige Absenz auch nur des geringsten Anstands? Btw, meine Infos hierzu sind zu einem grossen Teil aus Ingolfs “Namibie, une histoire, un devenir.”

  3. #3 Hanno
    September 29, 2013

    Kleiner Tippfehler: “Afrikaorrespondenten”.
    Das sollen vermutlich die Afrikakorrespondenten sein. Ein k zu wenig.

    [Edit: Danke. Habe es korrigiert. -ali]

  4. #4 Rabbi
    September 29, 2013

    Naja,
    man sollte es auch nicht übertreiben mit der Wichtigkeit von Afrika. Die Zusammenstellung der Länder auf dieser Karte ist rein willkürlich. So fehlen z.B. Kanada, Russland, oder Mexiko mit mehr als 1mia Ew.
    So hat Afrika nur 1/7 der Weltbevölkerung. Das ist wenig, verglichen mit einigen der auf Afrika abgebildeten Staaten. Allein Indien hat schon 1/5 mehr Ew.

    Andererseits haben mich die angesprochenen Fernsehsendungen und eine letztlich ausgestrahlte Werbung für irgendwelchen Sport auch an die Ausstellungen im Zoo vor 100 Jahren erinnert und ich finde das abscheulich ignorant. (Dschungelcamp läuft ja auch auf einer ähnlichen Schiene)

  5. #5 MJ
    September 29, 2013

    @ MJ

    Namen muss man richtig schreiben: Hendrik Witbooi, nicht Henrik, Sie Flasche, ist ja unglaublich mit Ihnen, ist Ihnen eigentlich irgendetwas peinlich?!?!?

    Ich erlaube mir hier einen kleinen Exkurs, weil ich die Nama ins Spiel gebracht habe (wie praktisch von mir!). Hier ist ein Instant-Lernvideo fuer Khoekhoegowab (mit “instant” meine ich, dass man die Sprache so sicher nicht wirklich lernen kann, wie mit den unzaehligen Pons/Hachette ‘XY in drei Wochen’ Lernkursen):

    https://www.youtube.com/watch?v=OWS_33tTWXk

    Es gibt eine Reihe solcher Videos auf Youtube: davon drei weitere im selben Stil mit den beiden, die hier zu sehen sind (Thusnelda Dausas and Gabriel |Khoeseb), eines mit Gabriel “Gabes” |Khoeseb allein (ein ethnischer Damara, uebrigens; er ist leider vor ca. vier Jahren tragisch verstorben), und drei weitere mit einem gewissen Ernst |Nanub (ueber diese Schlagworte sollten die Videos leicht auffindbar sein, Playlist gibt es offenbar keine). (Die Transkriptionen orientieren sich leider nicht nach der modernen Rechtschreib-Konvention). So. Die genannten Videos sind durch eine eine deutsche Organisation namens “The Global Experience” in Kooperation mit einer Schule in Baumgartsbrunn (Namibia) zustandegekommen (ob das auch auf die mit Ernst |Nanub zutrifft, bin ich mir nicht sicher), an der die beiden im verlinkten Video unterrichteten. Neben diesen “Lern”-Videos haben sie mit Schuelern der Partnerschule in Baumgartsbrunn sogar einen (Amateur-)Film in Khoekhoegowab (und Afrikaans) gedreht (“About those two”, ebenfalls auf youtube, mit englischen Untertiteln). Davor war die Netz-Praesenz der Sprache mehr oder weniger Null (es gab irgendwelche religioesen Lehrtexte von den Zeugen Jehowas oder so, mittlerweile gibt es auch ein paar andere Videos, aber nicht viel). Wer also Lust hat, die Organisation zu unterstuetzen (und sich naeher ueber ihre Taetigkeiten zu informieren), kann dies hier tun:

    http://www.theglobalexperience.org/about/show/25

    Wer dies nicht will, sich aber dennoch ein bisschen ueber diese zwar nicht moribunde, aber auch nicht sehr verbreitete Sprache zu informieren (und vielleicht ein paar grundsaetzliche Dinge zu lernen), kann etwa auf Facebook der Gruppe “Khoekhoegowab Lexicon and Culture” beitreten und die dortigen Aktivitaeten verfolgen und bei groesserem Interesse vielleicht sogar aktiv teilnehmen. Ist alles ein Gegengewicht, schaetze ich, gegen “Reality Queens auf Safari”, “Die Goetter muessen verrueckt sein” (95 % “fresh” auf rottentomatoes!!!), und was weiss ich.

  6. #6 G.K.
    September 30, 2013

    Mit solchen Kartenprojektionen kann man nicht nur Kinder beeindrucken. Man denke aber auch an den ganzen Zivilisationsmüll, mit dem Afrika realiter “gefüllt” wird.

    Im Übrigen trägt der Westen sehr viel für den Unterhalt dieses Kontinentes bei, da sollte doch auch Platz für ei wenig moderne Unterhaltung sein.

    Zugegeben, stilvoller ging es in Blixens Roman, Out of Africa, schon noch zu und her, und wer war nicht gebannt von dem Schicksal der (vielen) weissen Massai.

    Afrika steht anscheinend immer noch für “ultimatives Abenteuer”, Europäer wissen und schätzen dies seit fünfhundert Jahren, die orientalischen Völker seit paar tausend Jahren.

    Aber der letzte Satz darf ruhig “What’s Wrong with Us?” lauten.

    (Zu einer Erkenntnis kommt man aber nur als regelmässiger Scienceblogs-Leser … 🙂 )

  7. #7 MJ
    September 30, 2013

    @ G.K.

    Haben Sie die weisse Massai gelesen? Um vorzubeugen: Das ist eine ganz arglose Frage, keine Fangfrage im Zuge eines Versuches Sie auflaufen zu lassen (ich habe das Buch nicht gelesen, nur den Film gesehen).

    Ich kann mich an zahlreiche Foren-Diskussion erinnern, in denen sich Leute ueber Eurozentrismus und fehlende kulturelle Einsichten von Seiten der Autorin empoert haben. Aber mir war nie so ganz klar, warum eine schweizer Urlauberin, die sich in Urlaub in einen Massai verknallt (und umgekehrt) zu der Zeit oder auch im Nachhinein einen modernen anthropologischen Blickwinkel anbieten haette sollen. Das sollte ja, so weit ich es verstanden habe, keine Feldstudie sein, sondern die Erzaehlung eines persoenlichen Liebesdramas, und eben genau die Grenzen zeigen, die so stark unterschiedliche Hintergruende in einer so persoenlichen Beziehung spielen (koennen). Mir ist bisweilen sogar der Gedanke gekommen, dass die Forderung nach tieferer Einsicht von Seiten der Autorin etwas seltsam Herabminderndes gegenueber der “unverstandenen” Massai-Kultur hatte: die selbstverstaendliche Annahme naemlich, dass von ihrem Partner eher keine Annaeherung in dem kulturellen Spannungsfeld zu erwarten sei, wohl aber von ihr. Liegt dem nicht die implizite Annahme zugrunde, dass “der Massai” (der er eh nicht war) eben in einem rigiden Weltbild gefangen ist (ohne viel Spielraum bezueglich persoenlicher Entwicklung im Zuge einer Beziehung mit einer Schweizerin) – dass eher die aufgeklaerte Europaaerin faehig sein sollte vollumfassen zu verstehen (weiter Implikation: und zu akzeptieren)? Die Kritik fand ich vor allem auch deswegen seltsam, da ihr Partner ja ganz offensichtlich betraechtliche Teile seiner Ansichten aufgegeben hat, was ja auch dargestellt wird – und warum auch nicht (wie gesagt: wir reden von einer Beziehung, nicht von kulturdeterministischen Forderungen)? Am Ende fand ich, war ihr Partner Akteur, und nicht zierender Hintergrund, wohl aber in einer Geschichte, in der es klar um die Erzaehlerin geht. Ich hatte kaum Probleme zu identifizieren, wessen Ansichten der Film wiedergibt (naemlich die der Erzaehlerin).

    Nun will ich auch nicht behaupten, dass die Autorin (oder der Film) alles richtig gemacht hat: aber insofern klar ist, dass dies sehr persoenliche Erfahrungen (ich fand die vieldiskutierte Sexszene genial!*) aus einem persoenlichen Blickwinkel schildert, waren mir die Kritiken nicht ganz klar. Was Landschaftsaufnahmen und so betrifft, fand ich das nicht extremer als im typischen Pilcher-Schmarrn (sagt ja auch keiner, dass man sie verstecken soll). Aber wie gesagt, das Buch kenne ich nicht, vielleicht koennen Sie mich aufklaeren.

    Bei Out of Africa bin ich da schon ganz bei Ihnen (wenn wir vom Film reden): die persoenliche Ebene (Blixens) verschmilzt dort mehrfach mit einer distanzierteren Erzaehlweise, die permanent Clichés (ueber Kikuyu, Massai, “Afrika” etc.) bedient. Wenn dies die Auffassungen Blixens selbst waren, habe ich kein Problem, wenn diese in einem Film dargestellt werden, solange diese als Ansichten erkennbar sind, die zur Biographie einer bestimmten Person aus einer gewissen Zeit gehoeren. Aber der Film vermittelt diese Clichés nicht als solche, sondern als ein romantisches Setting fuer ein im Grunde rein europoaeisches Drama – es ist hoechstens formell autobiographisch, tatsaechlich (und ich wuerde meinen ziemlich offensichtlich) eine generische (wenn auch sehr gut umgesetzte) Romanze, “inspiriert” von einer Autobiographie.

    * Die ganze Kritik an der (auch im Film offensichtlichen) Sexualisierung ihres Partners kam mir ein wenig hilflos vor. Nun ist mir schon klar, dass es da diverse Sex-Clichés ueber Schwarze gibt. Aber das uebersieht mE wiederum die autobiographische Natur der Geschichte. Und da scheint mir dann, dass sich viel Empoerung ueber eine Frau, die es wagt einen grossen, muskuloesen, schwarzen Mann (mit entsprechender Betonung seiner Maennlichkeit schon von sich selbst aus) geil findet (so ein altes Angstszenraio vornehmlich weisser Maenner), hinter einem vorgeschobenen Rassismus-Vorwurf verbirgt.

    @ Ali

    Ich missbrauche wieder einmal einen Fred, bitte sagen wann Schluss sein soll!

  8. #8 Mike Macke
    Oktober 1, 2013

    Ich wurde vor kurzem auf Folgendes aufmerksam gemacht und halte es hier für passend:
    Radi-Aid – Helft Norwegen!
    href=”http://www.africafornorway.no”
    Einfach eine hübsche Idee, zu zeigen, was das “einheitliche” Afrika von Norwegen unterscheidet…

  9. #9 Ralph
    Oktober 2, 2013

    Es ist sehr lange her, aber ab der fünften Klasse bekam ich einen Dierke Weltatlas. Unter anderem gab es darin auch grössen-proportionale Projektionen der Weltkarte. Dass Europa winzig ist gegenüber Afrika war offensichtlich. Ich merkte ich mir damals, dass Grönland in Wirklichkeit kleiner ist als Saudiarabien. Ich weiss nicht wie es meinen Mitschülern ging, aber seitdem betrachte ich die Merkatorprojektion unbewusst mit einem Filter.

    …Shows wie Wild Girls – Auf High Heels durch Afrika oder Reality Queens auf Safari gezeigt werden können, ist in gewissen Sinne fast schon eine logische Folge davon.

    An einen solchen Zusammenhang glaube ich nicht. Ignoranz und undifferenziertes Denken sind generell schwer zu bekämpfen. Schon eher lassen sich Geschäftsmodelle darauf aufbauen, was man bei Privatsendern eher noch versteht als bei öffentlklich rechtlichen, wo das ebenso geschieht. Oft sehr subtil in “Dokumentationen”.
    Afrika ist nicht nur geographisch riesig, sondern es gibt auch eine riesige genetische Diversität, verglichen mit dem Rest der Welt. (Die “Out of Afrika” Theorie fusst u.A. darauf)
    Länder wie der Senegal kommen übrigends mit dem Nebeneinander sehr unterschiedlicher Ethnien hervorragend klar.
    Ich hatte das Glück eine längere Zeit im Senegal verbringen zu dürfen, zu Gast bei einer befreundeten Familie der Wolof Ethnie. In Gesprächen und Diskusionen wurde weniger auf die eigene Ethnie oder auf den Senegal Bezug genommen. Mir gegenüber verstanden Sie sich zuallererst als Afrikaner. Natürlich war ihnen leider klar, dass der Durchschnittseuropäer ein undifferenziertes eher herabsetzendes Bild von Afrika mit sich herumträgt.

  10. #10 Ralph
    Korrekturen
    Oktober 2, 2013

    Grönland ist in Wirklichkeit kleiner als die Arabische Halbinsel.

    Afrika ist nicht nur geographisch riesig, sondern es gibt auch eine riesige ethnische und genetische Diversität unter den Afrikanern, verglichen mit dem Rest der Welt. (Siehe Out of Afrika Theorie)

  11. #11 Ludger
    Oktober 2, 2013

    Zur Navigation und für die Landvermessung braucht man winkeltreue Karten.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Fl%C3%A4chentreu :
    “Ein Kartennetzentwurf wird als flächentreu (äquivalent) bezeichnet, wenn er die Größe einer Fläche (z. B. eines Landes oder Kontinents) um einen bestimmten Maßstab verkleinert wiedergibt und dieser Maßstab über die gesamte Karte der gleiche ist. Dies ist oft nur mit starken Verzerrungen, insbesondere am Kartenrand, möglich. Somit ist eine flächentreue Karte niemals winkeltreu.”

    siehe auch: http://de.wikipedia.org/wiki/Winkeltreu
    Die Wertschätzung eines Landes sollte nicht von seiner Grundfläche abhängig gemacht werden. Insofern halte ich die zu geringe Flächendarstellung der äquatornahen Länder in der Mercator-Projektion nicht für eine Geringschätzung durch die ehemaligen Kolonialmächte.

  12. #12 MJ
    Oktober 2, 2013

    So. Da schneie ich einmal ungefragt mit einem offensichtlichen Schrei nach Aufmerksamkeit inf Form ueberlanger “Kommentare” herein, und keiner redet mit mir. Macht nichts, ICH KANN DAS AUCH ALLEINE.

    Vorgestern habe ich den englischen Artikel “Damara people” (weil MJ es eingebracht hat DANKE MJ!!!) gelesen (hahaha! als ob ich lesen koennte! Englisch!!). Und da tauchen ein paar Raetsel auf, die a) auf echte Widersprueche (und damit Falschinformationen) hinweisen, oder b) zustandekommen, weil nicht genuegend Hintergrund geboten wird (und auch keine Quellen).

    Worum geht’s: da steht gleich in der Einleitung, dass die Damara in “Khoekhoegowab: ǂNū-khoë, literally Black people, German: Berg Damara” genannt werden. Einen Absatz weiter finden wir die Info:”Their name in their own language is the “Daman” (where the “-n” is just the Khoekhoe plural ending)”. Erstes Raetsel: Obwohl sie laut Artikel auf Deutsch “Berg Damara” heissen, verlinkt Wikipedia auf den entsprechenden Aritkel mit Titel “Damara”. Dafuer erfahren wir dort, dass die Damara auf “Nama: ǃuinida” genannt werden, und (auf Deutsch) auch Berdama, aber nicht Berg Damara. Hu.

    Wir haben jetzt also drei (nicht-europaeische)Namen fuer die Damara: ǂNū-khoë (auf Khoekhoegowab), Daman (auf Damara), ǃuinida (auf Nama). Das ganze wird insofern ein bisschen eigenartig, als Nama, Damara, und Khoekhoegowab dieselbe Sprache sind, bzw. Nama und Damara Dialekte des Khoekhoegowab. Jetzt koennte man noch annehmen, dass ǃuinida und Daman eben aus den entsprechenden Dialekten kommen. Aber was ist dann ǂNū-khoë (wie gesagt, Khoekhoegowab bezeichnet das Dialektkontinuum, es ist keine separate Sprache, oder ein “Standard”)? Und warum sollten sich Damara – die, im Gegensatz zu den Nama, “schwarz” sind – in ihrer Sprache als “Black people” bezeichnen?

    Die Antwort weiss ich nicht, aber bis zur Aufloesung stelle ich einmal wild folgende Behauptungen auf: 1) ǂNū-khoë heisst erste einmal gar nichts, es ist ein Wortstamm. Im Gegensatz etwa zum Deutschen, wo der Wortstamm zuweilen mit einem Nomen (zumindest im Nominativ) ident ist (Frau, Mann, Baum), muss ein Khoekhoegowab-Stamm nach Zahl und Geschlecht markiert werden (ansonsten kann es nur ein Verb sein), und zwar durch ein Enklitikon. D.h. die korrekte Form in dem Fall waere ǂNūkhoen (gleichzeitig schmeisse ich den Bindestrich und vor allem das Umlaut-e raus, weil ich vermute, dass die Rechtschreibung nicht vom New Yorker uebernommen ist?). Der deutsche Eintrag kriegt die Endung hin, macht aber ansonsten komische Sachen: “Nu-khoin”. 2) “-n” ist nicht einfach ein Pluralmarker, sondern, wie gesagt, ein Plural- und Genusmarker (ein Portmanteau-Morphem). Das Genus hier waere “indefinit common”, d.h. dass die Bezeichneten nicht als Maenner oder Frauen spezifiziert sind (ein “generisches” Maskulinum oder Femininum, ueber dass man streiten koennte, gibt es nicht im Khoekhoegowab). 3) Daman ist keine Bezeichnung fuer die Damara, sondern eine derogative Bezeichnung fuer Schwarze. Damara hingegen koennen als Damaran bezeichnet werden (das waere jetzt die vierte Bezeichnung). 4) Keine Ahnung mit dem ǃuinida, und Quelle ist ja keine angegeben.

    Das wissen wir dann hoffentlich alles in ein paar Tagen. Jetzt die deutschen Bezeichnungen: abgesehen von der im englischen (und franzoesischen) Artikel zu findenenden Bezeichnung “Berg Damara” steht da im deutschen Wiki kryptisch “Sie werden auch Dama oder Bergdama genannt[1], da Damara eigentlich eine weibliche Dualform ist”. Haeh? Erstens: das Damara ein Pseudo-Stamm ist, der ident ist mit dem Dual von Damas (die weibliche Singularform), ist zwar richtig – aber warum ist das ein Grund, sie beim Wortstamm zu nennen? (‘”Schweizerinnen” ist eigentlich weiblich Plural, man nennt die die Bewohner der Schweiz daher “Schweiz”.’ Theoretisch vielleicht moeglich, dass sich das irgendwann einbuergert, aber die Begruendung?) Zweitens: von WEM werden sie so genannt? Der Satz liest sich, als ob in Deutschland uber Damara geredet wird wie ueber Franzosen, und ein paar sagen Damara, ein paar sagen Damaqua, andere Dama, dann wieder Bergdama, oder auch Berg Damara. Was hier wohl gemeint ist, ist dass sich irgendwelche Quellen finden, in der Autoren (Missionare, Linguisten, Anthropologen) in den letzten 200 Jahren sie bei all diesen Namen zumindest einmal genannt haben. Der offensichtlich gaengige Begriff heute ist Damara, das andere antiquierte Namen – aber wenn schon da steht, dass sie auch so “genannt werden”, sollte wenigstens gesagt werden (sic!) von wem, oder? (Die angegebene Quelle, eine Paper in “Annals of Human Biology” ist deutlich keine, die man fuer diese Art von Info hernaziehen sollte.)

    Oder DER Satz:”Die Damara sind vermutlich überwiegend schwarzafrikanischen Ursprungs, sprechen jedoch eine Sprache, die der der Nama und San ähnelt und als Teil von Khoekhoegowab verstanden wird”. Haeh? Man stelle sich vor, Wikipedia will folgende Info vermitteln:’Brasilianer sprechen ueberwiegend portugiesisch.’ Und formulieren dies so:’Brasilianer stammen von Voelkern aus allen Ecken und Enden der Welt ab, sprechen jedoch eine Sprache, die der der Capverdier und Russen sehr aehnelt und als Teil von Portugiesisch verstanden wird; von wem, sagen wir nicht.” Was macht das “jedoch” in dem Satz? Warum sollten sie NICHT eine Sprache sprechen, die der der “Nama und San” aehnelt? Aaaah, sie meinen dass ethnische Gruppen “überwiegend schwarzafrikanischen Ursprungs” im suedlichen Teil Afrikas normalerweise Bantu-Sprachen sprechen, sagen das aber nicht dazu, weswegen das “jedoch” genau gar keinen Sinn macht? Und inwiefern aehnelt die Sprache der Damara der der “Nama und San”, und was ist Khoekhoegowab in diesem Zusammenhang? Aehnelt Khoekhoegowab auch den Sprachen der Nama und San? Ooooh, Nama, die Sprache, die die Damara sprechen, und Khoekhoegowab ist alles das gleiche? Und San jetzt wirklich etwas ganz anderes? Das mit aehnlich der Sprache der San geht auf eine alte Einteilung zurueck, die mehr vernebelt als klaert. Die Idee, dass alles, was Klicks hat, eine Sprachfamilie ist, naemlich (ausser bei offensichtlichen Bantu-Sprachen mit Klicks, isiZulu und so). Aber das missversteht, wie die Einteilung (Greenbergs Einteilung afrikanischer Sprachen) zustande gekommen ist: ein typolisches Merkmal (Klicks vorhanden) gemeinsam mit der Tatsache, dass die Sprachen einander geographisch nahe sind (Hadza und Sandawe ausgenommen) fuehrte zur Zusammenfassung zu einer angeblichen Sprachfamilie (Massenvergleiche im Vokabular, wie fuer Bantu-Sprachen waren schlecht moeglich, weil die Daten fuer Khoisansprachen so duenn waren) – keine “sprachliche” Aehnlichkeit (also strukturell, auf welcher Ebene auch immer). Und waehrend der dadurch entstandene Begriff Khoisansprachen nicht mehr tot zu kriegen ist, gibt es keine Ausrede, eine Khoe-Sprache (in dem Fall Khoekhoegowab) explizit als den San-Sprachen aehnlich zu bezeichnen – dafuer gibt es keine Evidenz. (Ja, Afrika ist wohl wirklich ein grosses Land.)

    Das kriegt wiederum der englische Wiki-Eintrag zu “Khoisan languages” hin, er beginnt den Artikel allerdings mit diesem denkwuerdigen Satz:”The Khoisan languages (also Khoesan or Khoesaan [wie sie beim Kaffeekraenzchen bei meiner Oma auch “genannt werden”, Anm.]) are the languages of Africa that have click consonants but do not belong to other language families.” Genau! Und meine Geschwister haben zwar aehnliche Augen, sind aber ansonsten ein und dieselbe Person!

    “They [die Damara] have no known cultural relationship with any of the other tribes anywhere else in Africa” HAEH?!? Nein, jetzt reicht’s dann aber. Besser mit Sachen beschaeftigen, die halbwegs Sinn ergeben:

  13. #13 Ludmila
    http://www.scienceblogs.de/planeten
    Oktober 3, 2013

    Awesome! Nicht nur, weil ich in der Stadt lebe, in der Mercator gewirkt hat. (BTW der Mann war Flame, kein Deutscher, ne 😉 ) Aber auch diese Idee, wie eingefahren wir mit dieser Karte sind. Warum den Globus nicht andersherum aufstellen? Vom Weltall aus ist das Jacke wie Hose. Macht physikalisch doch keinen Unterschied. Ich denke aber auch, dass die wenigsten Menschen nicht wissen, dass alle Karten einer Kugel, die zusammenhängend ist, falsch sein muss. Wenn wir von 3D zu 2D gehen, ist immer was Verlust.

    Da ist sowas hier besser: http://en.wikipedia.org/wiki/Goode_homolosine_projection

    Am besten Leuten eine Orange mit eingestanzten Kontinenten geben und sie bitten die zu schälen und die Schale irgendwie auf 2D zu kriegen.

    Oder wir nehmen die Ekliptik des Sonnensystems als Bezugspunkt und kippen alles um 23° 😉 Sähe bestimmt auch lustig aus. Oder wir nehmen ne Großkreiskarte: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Great_circle_Switzerland.jpg Hier mit der Schweiz im “Mittelpunkt” 😉

  14. #14 Liebenswuerdiges Scheusal
    Oktober 3, 2013

    @MJ
    Wer soll denn das lesen?
    😉

  15. #15 MJ
    Oktober 3, 2013

    @ Liebenswuerdiges Scheusal

    Leute, die den Mann ohne Eigenschaften kurzweilig gefunden haben, d.h. niemand, bin nur gerade mitteilungsbeduerftig, offensichtlich.

  16. #16 MJ
    Oktober 3, 2013

    OK, war ein hektischer Tag, und nun zur Aufloesung.

    a) Die Selbstreferenz waere tatsaechlich Damara, und nicht Dama(n), wie Wikipedia behauptet (das mit der Endung kommt auf den Kontext an). “Dama(n)” ist pfui.
    b) ǂNūkhoe ist tatsaechlich eine Selbstreferenz (meine Vermutung daher unzutreffend – ein Zeichen, wie Plausibilisierungsversuche versagen, wenn es um Indiosynkrasien geht! Jaja, MJ, das koenntest Du eigentlich wissen, Loser.), aber archaisch (wenn auch noch angetroffen). Aber das ë, weg damit, und den Bindestrich braucht auch keiner.
    c) ǃuinida ist ein Geheimnis von Wikipedia.
    d) Selbst nach langen Diskussionen konnten wir uns nicht einigen, welche Version von Vogue die beste ist, und ich will das jetzt auch nicht breittreten (MTIV VMAs 1990!!!). Daher, leider, an dieser Stelle kein Madonna-Video. Stattdessen, zum Thema “passend”, den Damara Pantsie (gedeht, offenbar, in den Hallen der Windhoek Fire & Rescue Services, und warum nicht):

    http://www.youtube.com/watch?v=jNHB1ClEZYU

    P.S.: Das berught alles auf persoenlicher Kommunikation. Eine Referenz an dieser Stelle waere Haackes “A Khoekhoegowab Dictionary with an English-Khoekhoegowab Index”, die inetwa dieselbe Info gibt.

  17. #17 MJ
    Oktober 8, 2013

    Hat der Westen selbst die Voraussetzungen geschaffen, derentwegen er Afrika als Einheitssuppe sieht?

    Wie oben angemerkt, ist die Behandlung Afrikas als Block selbst in der akademischen Literatur ueblich (d.h. in bestimmten Bereichen). D.h. mit einer Ausnahme, wie sie auch bei Artadi/Sala-i-Martin (s.o.) schlagend wird: ein augenfaelliger Unterschied zwischen “Nordafrika” und “Afrika suedlich der Sahara” existiert (und ich wuerde sagen, auch in der europaeischen Wahrnehmung von Afrika: niemand wuerde Aegypten und Togo zusammenschmeissen. Aber Togo und Mozambique? Das ist wohl eher im selben Wahrnehmungsfeld). Das interessante ist hier, dass diese Wahrnehmung nicht nur entlang einer alten schwarz/weiss-Unterscheidung faellt, sondern sich ganz offenbar wirklich politische und wirtschaftliche Gemeinsamkeiten in Afrika suedlich der Sahara (gegenueber was auch immer) herausarbeiten lassen. Das ist angesichts des riesigen Gebietes erstaunlich – die Frage ist wieso es so ist. Und weil der oeffentliche Diskurs nun einmal stark von teils schwer festzumachenden historischen Anschauungen gepraegt ist, ist “Kultur” als Erklaerung schnell zur Hand.

    Lang, lang ist’s her, da haben Acemoglu/Robinson “The Colonial Origins of Comparative Development: An Empirical Investigation” (AER 91(5), 2001, 1369-1404) publiziert. Zugrunde liegt die Feststellung, dass Institutionen (gemessen an bestimmten Indices) schwer mit dem BIP/Kopf korrelieren (generell; in dem Fall geht es aber um ehemalige Kolonien). Allerdings sind Institutionen endogen, eine direkte Regression des BIPs auf Institutionen ist also nicht (oder nur unbefriedigend) moeglich. Sie haben daher ein Instrument (als exogene Groesse in der Regressionsanalyse) fuer Institutionen gesucht, und sie in der Siedlersterblichkeit europaeischer Siedler in den Kolonien gefunden, die mit Massen frueherer Instutitionen korrelieren. Zweitens, Institutionen (gemessen an Indices wie ‘Constraint on Executive’), wie sie von den Kolonialmaechten/Siedlern installiert wurden, halten sich relativ gut (d.h. schlechte Institutionen damals implizieren schlechte Institutionen heute), Gruende im Paper (und Quellen dort). Sobald dieser institutionelle Effekt auf ‘comparative development’ einbezogen ist, sind andere Erklaerungen (darunter viele populaere) nicht mehr (oder nur mehr sehr schwach) signifikant.

    Nur ein paar Beispiele fuer solche demnach obsoleten Erklaerungen (bezogen auf Unterschiede unter ehemaligen Kolonien!): a) der ewige “Dummy” fuer Afrika (der dann mit “Kultur”, “IQ” etc.gefuellt), der immer uebrig bleibt, selbst nachdem man sich (demnach ebensowenig signifikante) Einfluesse von ethnolinguistischer Zergliederung, Geographie, Breitengrad, etc. auf die Wirtschaftsleistung angesehen hat, ist ploetzlich nicht mehr da. b) Die Betonung des Kolonisators: sei es nun einfach der Kolonisator selbst oder ein bestimmter rechtlicher Rahmen (angelsaechsisches vs franzoesisches Recht), beide haben keinerlei signifikanten Einfluss, wenn fuer Institutionen kontrolliert wird (im Gegensatz zu einer weitverbreiteten Auffassung, die ich auch noch in der Schule gelernt habe, wonach das ueberlegene angelsaechsische Modell – indirect rule, common law und so – den relativen Erfolg ehemaliger britischer Kolonien erklaert; im Gegenteil hat in der Darstellung das britische Modell sogar einen leicht negativen Einfluss auf Institutionen).

    Grundlage der Idee mit der Siedlersterblichkeit als Instrument fuer fruehere Institutionen ist, vereinfacht gesagt, der Gedanke dass einerseits bei hoher Sterblichkeit sich einfach keine grossen Siedlergemeinschaften bildeten (in einem weiteren Paper der beiden spielt daher auch die Moeglichkeit zum Siedlertum abhaengig von der indigenen Bevoelkerungsdichte eine Rolle als Instrument). Wohingegen europaesische Siedler es im Normalfall schafften, einen politischen Rahmen in der Kolonie durchzusetzen, der Grundlage fuer “inklusive” politische/oekonomische Institutionen war, war eine solche Stimme in Kolonien ohne hohen Siedleranteil absent (bzw. interessierte sie den Kolonisator nicht) – das Resultat “extraktive” Institutionen, ueber die Wohlstand abgezogen wurde, aber nicht der Kolonie zugutekam. Beispiel fuer ersteres waere Australien, fuer letzteres Belgisch-Congo (bzw. der Leopolds). Relevant ist in dem Zusammenhang, dass dieses institutionelle Erbe nicht von indigenen Bevoelkerungen geschaffen wurde, sondern vom Kolonisator, sofern die Moeglihkeit effektiver Besiedlung auf Grund hoher Sterblichkeit fehlte.

    In punkto Sterblichkeits-Daten (siehe Anhang Paper) zeigt sich fuer Sub-Sahara-Afrika eine deutlich hoehere durchschnittliche Siedler-Sterblichkeit pro 1000 Siedler (genaua Definition im Paper), naemlich 556 (692), gegenueber dem “Rest” (72 (44)), bzw. Nordafrika (72 (7.6)). (Das habe ich schnell und schlampig eingetippt, Fehler garantiert!). Zu der Sterblichkeit in Sub-Sahara-Afrika ist zu sagen, dass der Mittelwert von 556 wohl durch die sehr hohen Werte fuer Nigeria (2004), Gambia (1470), und Mali (2940) nach oben gedrueckt ist. (Will heissen, nach einer kurzen, schmutzigen Kerndichteschaetzung kriege ich als Modalwert etwa die Haelfte des Mittelwerts, was also sehr viel niedriger ist, in den beiden anderen Faellen sind sie wesentlich naeher beieinander – aber die prinzipielle Feststellung bleibt, dass Siedler-Sterblichkeiten in afrikanischen Kolonien suedlich der Sahara im grossen und ganzen sehr viel hoeher waren als sonst wo).

    Sofern man das also unter einem politischen/wirtschaftlichen Gesichtspunkt betrachtet, scheint eine gewisse Uniformitaet Afrikas nicht unbedingt Vorurteil, sondern Feststellung: es ist ein Block, in dem die meisten Laender ein BIP/Kopf (Kaufkraftparitaet) unter oder knapp ueber 2000 Dollar haben (einzige wirkliche Ausreisser nach oben sind Suedafrika und Gabun, eventuell Botswana). Sofern, unter ehemaligen Kolonien, dieser Unterschied durch Institutionen bedingt ist, die dementsprechend gewisse Regelmaessigkeiten quer durch Sued-Sahara-Afrika aufweisen (schlecht definierte/exekutierte Eigentumsrechte, Korruption), ist es in Anbetracht von Acemoglu/Robinson fair zu sagen, dass diese Gemeinsamkeiten nicht so sehr eine Wahrnehmungsstoerung des Westens ist, aber andererseits von ihm verursacht? Sprich: die Sterblichkeitsrate ist etwas, das hauptsaechlich die nicht-indigene Bevoelkerung traf (die indigene Bevoelkerung hatte, etwa gegen Malaria oder Gelbfieber eine “apparente” oder tatsaechliche Immunitaet). Der Aufbau extraktiver Institutionen ist somit etwas, das einem (historischen) Problem von Europaeern in Afrika geschuldet ist, nicht einem Charakteristikum „afrikanischer“ Bevoelkerungen. Das Einheitliche Afrikas (suedlich der Sahara), in diesem Sinne, liegt darin begruendet, das frueher europaeische Siedler dort quer durch die Bank verreckt sind.

    Offensichtlicher Hinweis: Als Instrument fuer fruehe Institutionen muss Siedlersterblichkeit nicht direkte Ursache dieser Instutitionen sein. Die diesbezuegliche Voraussetzung ist (streng genommen), dass die Kovarianz zwischen Siedlersterblichkeit und dem Index fuer Instutionen ungleich null ist. Ich denke aber, es geht deutlich aus dem Paper hervor, dass die Autoren hier einen direkten Link sehen, indem sie eine Verbindung zwischen dem Vorhandensein europaeischer Siedler und der Durchsetzung inklusiver Institutionen eben durch diese Siedler herstellen.

  18. #18 MJ
    Oktober 16, 2013

    Acemoglu/Chaves/Osafo-Kwaako/Robinson haben ein neues NBER-Arbeitspaper mit Thema “indirect rule” bezogen auf Sierra Leone (und im Vergleich mit Ghana und Uganda), Titel “Indirect Rule and State Weakness in Africa: Sierra Leone in Comparative Perspective”. Link (hoffentlich ungated) hier:

    http://economics.mit.edu/files/9110

    Wem das zu heavy ist (obwohl: enthaelt keine oekonometrischen Verrenkungen, trotz der NBER-Veroeffentlichung!), Acemoglu/Robinson haben auch einen Weblog-Eintrag dazu geschrieben (auch schon eine Woche alt):

    http://whynationsfail.com/blog/2013/10/11/indirect-rule-and-weak-states.html

  19. #19 Theres
    November 7, 2013

    @MJ
    Ich hab alles von dir gelesen und bitte, füge mehr Absätze ein, damit es auch Spaß macht.
    Du machst das prima 🙂
    Afrika kam bei mir in der Schule so gut wie nicht vor, hab ich auch später nur sporadisch Zeit gefunden, mich zu informieren und ich lerne sehr gern.

  20. #20 Wilhelm Leonhard Schuster
    November 8, 2013

    Ich habe” Den Mann ohne Eigenschaften” auch nicht geschafft!
    MJ wäre gut beraten, seine,
    mit Sicherheit guten und richtigen Informationen,
    “mir”,
    mit etwas mehr Honig ums Maul zu schmieren.

  21. #21 Wilhelm Leonhard Schuster
    November 8, 2013

    Ich kenne Afrika nur aus den Erzählungen meines Bruders, der vor dem Kriege, in Kamerun als “Pflanzer” tätig gewesen ist.
    Er hatte unmittelbaren Kontakt (als Vorgesetzter?)zu “einheimischen” Pflanzern (einfachen Leuten) und hat berichtet, daß er mit diesen sehr gut zusammenarbeiten konnte.

    Auf eins aber mußte man besonders achten ,
    hat er berichtet:
    Man hat kein Techtelmechtel mit einheimischen (ihren) Mädchen beginnen dürfen.

    Aus heutiger Sicht also auch eine Art :Rassismus.
    Ich hasse die Verwendung dieses Begriffes ,so wie er allerorten “genutzt ” wird. (Ich habe nicht “benutzt” gesagt.)

    Im übrigen, hat sich seine Begeisterung für dieses
    wunderschöne weite Land “Afrika”, auf mich übertragen.

    1945 habe ich dann die ersten “Neger”(das war sehr gewöhnungsbedürftig) leibhaftig zu Gesicht bekommen.

  22. #22 MJ
    November 11, 2013

    Heute war ich in Kehl in der Fussgaengerzone in einer Buchhandlung, die glaube ich hervorragende Voraussetzungen bietet, mit ihrem Buchangebot jeden potentiellen Kunden zu enttaeuschen. Was fuer ein trostloser Laden. Aber wichtiger, mit ist da sofort ein Buch ein Augen gesprungen, das hier hervorragend zum Thema passt, finde ich:”Bulu: Der afrikanische Wunderhund”. Die amazon-Kurzbeschreibung (Satzzeichen teilweise absent, von mir hinzugefuegt mit viel Liebe und Phantasie):

    “Guru auf vier Pfoten: ein kleiner afrikanischer Wunderhund lehrt Liebe, Mut, Mitgefühl, Respekt und Würde. Er ist nur ein kleiner Jack-Russell-Mischling, doch in seiner Brust schlägt ein riesengroßes Herz: Als ihn das Ehepaar Tolan in die Wildnis von Sambia mitnimmt, entwickelt sich Bulu zu einem wahren Wunderhund: Tapfer riskiert er sein Leben für seine Besitzer, nimmt sich verwaister Tierbabys an und scheut auch nicht vor Kämpfen mit gefährlichen Dschungelbewohnern zurück. Die wahre Geschichte dieses seelenvollen Hundes steckt voller Lebensweisheit; wer Bulu kennenlernt, wird ihn sofort ins Herz schließen. Auf einer Krokodilfarm in Sambia geboren, ist Bulu von Anfang an anders als andere Hunde: ungewöhnlich ruhig für seine Rasse. Scheinbar verschlossen. Niemand will ihn. Doch für Anna und Steve Tolan, die aus England in den afrikanischen Busch gezogen sind, ist es Liebe auf den ersten Blick. Sie taufen den Welpen Bulu, “der wilde Hund”. Als Bulu im Busch aufwächst, blüht er auf. Er entdeckt seine Berufung als Beschützer von verwaisten Tierbabys. Unerschrocken verteidigt er sie gegen ungleiche Angreifer wie Löwen, Giftschlangen und Krokodile … Bulus Geschichte beweist, dass Hunde einzigartige Wesen und zu Liebe und Mitgefühl fähig sind. Sie zeigt, wie alle Lebewesen miteinander verbunden sind, wie viel wir Menschen von Tieren lernen können und dass die Welt ein bisschen besser wäre, wenn wir alle wie der kleine Wunderhund füreinander einstehen würden.”

    Ich bin versucht das Buch zu lesen und meine Fortschritte hier im Kommentarteil so lange mitzuteilen, bis mich Ali sperrt oder mir einen Auftragskiller schickt.

  23. #23 MJ
    November 11, 2013

    @ Theres

    Fehlende Absaetze (und Fehler) sind absichtlicher künstlerischer Ausdruck, mit dem ich meine Praeferenz fuer Wurst (= keine Absaetze) mit Fettaugen (=Fehler) zum Ausdruck bringe. Also eher Salami als dieses zu Brei gechlagene, wieder verfestigte, und rosa eingefaerbte Zeugs. Zugegen, ich muss noch daran arbeiten diese Botschaft klarer zu transportieren.

  24. #24 Theres
    November 12, 2013

    @MJ
    Also dieses Mal war es sehr lesbar.
    Die von dir bevorzugte Wurst ist auch mein Favorit, allerdings nicht sprachlich, aber bei einer so dermaßen anrührenden Geschichte … Geht es dir noch gut?

    Ich lach Tränen gerade … und Kehl! Na, die dortige Jugendherberge war mal gut, aber das ist noch mehr OT als dieser mutige Hund – der einem garantiert das passende Afrikabild vermitteln kann. Und das von Hunden erst, … autsch …

  25. #25 MJ
    November 12, 2013

    @ Theres

    Mir gefaellt Kehl. Ich bin teilweise in einer Stadt inetwa dieser Groessenordnung zur Schule gegangen, von daher ist mir dieses Kleinstadt-Flair etwas vertraut. Mir ist auch klar, dass es mit der relativ kleinen Kundschaft schwieriger wird eine Buchhandlung zu fuehren (im Gegensatz zu einem fetten Hugendubel wie in der Frankfurter Zeil, inetwa), und dass die Ratgeber-, Esoterik- und Kitschliteratur da etwas ueberhand nehmen muss; waehrend grosse Abteilungen mit serioesaer (Sach- oder nicht) Literatur wohl eher nur bei einer grossen Kundschaft zu erwarten sind. Es gibt eine etwas groessere Buchhandlung direkt ueber der Strasse an einem Ender der Fussgaengerzone, die ist ganz nett (aber natuerlich auch limitiert durch dieselben Faktoren). Aber insgesamt ist Kehl, denke ich, ein nettes Examplar der Marke “deutsche Kreisstadt”, kulturelles Epizentrum darf man sich natuerlich keines erwarten (obwohl gestern war ie Hoelle los: Feiertag in Fankreich, aber Arbeitstag in Deutschland hat zu einer kurzfristigen Invasion in die ungewohnte Richtung gefuhert).

    Der afrikanische Wunderhund: Ich will jetzt nicht allzu voreingenommen sein, aber die Kurzbeschreibung klingt etwas vertraut. Wie Teju Cole irgendwann einmal angemerkt hat, dient ein idealisiertes Afrika samt Einwohnern in Europa schon immer als Hintergrund fuer Traeumereien, real oder in der Literatur (Blixen hat es geschafft, beide Aspekte zu vereinen). Insofern stellt Bulu, der Hund, einen Fortschritt dar: wenn mich nicht alles tauescht, waere er vor nicht so langer Zeit Bulu, mit all seinen Eigenschaften und Taten, ein edler Afrikaner gewesen, vornehmlich aus irgendeinem Stamm und in traditioneller Kleidung, asexuell aber faszinierend anzusehen, und ohne jeden rationalen Antrieb abseits dessen, was sein Herz ihm sagt.

  26. #26 Theres
    November 12, 2013

    @MJ
    Das Problem mit den Buchhandlungen ist aber ein allgemeines, und meiner Erfahrung nach haben die kleinen eher mehr vernünftige Bücher und sind nicht voll auf den Esotrend aufgesprungen. Das hängt natürlich von der Stadt und den Kunden ab … Thalia und so weiter ignoriere ich seit Jahren. Na, ich hab ja das Kulturkaufhaus in Berlin …
    Du meinst, der Traum von der Ferne würde mittels Afrika vermarktet? Ja, und es begann nicht mit der Serengeti, nur im TV, aber so wie in weiter entfernt liegenden Jahrhunderten das Morgenland herhalten musste … genau so daneben.
    Irgendwann werden wir hier rausgeschmissen, wegen OT … aber bis dahin …
    Wieso weißt du so viel über Afrikas Länder und Ethnien?

  27. #27 Wilhelm Leonhard Schuster
    November 13, 2013

    @Theres, irgend wie, war ich schon verblüfft, als ich vor langer Zeit in Siegen ein Buch nachfragte und die Antwort bekam:
    (sogar ziemlich aggressiv) Derartigen Kram (Eso?) führen wir nicht.
    Es hängt also tatsächlich anscheinend von Stadt, Land,
    vorherrschender Religion, Partei und auch Kunden ab , was man bevorzugt angeboten bekommt oder nicht!

    Ich weiß nicht mehr, welches Buch ich habe kaufen
    wollen.
    Der Bulu hätte mich mit Sicherheit ins Bein gebissen
    (oder nicht?)hätte ich magische afrikanische Einweihungs- Riten studieren wollen?

  28. #28 theres
    November 13, 2013

    @ Herr Schuster

    Eine sehr löbliche Reaktion dieser Buchhandlung. Ich wär begeistert gewesen … und ich meine mal gehört zu haben, dass es Hochburgen gibt. Sie hätten was mit Wissenschaft dort kaufen sollen oder aber früher studieren sollen – und ehrlich, es ist nie zu spät. 😉 Aber wenn Sie hier ebenfalls plaudern, wird Ali noch sauer, fürchte ich.

  29. #29 Wilhelm Leonhard Schuster
    November 14, 2013

    @Theres Ich könnte mir vorstellen, daß der Bulu da gegenteiliger Meinung ist.
    Der wird zwar möglicherweise auch kein Vodoo oder ähnliche Dingens mögen (ich auch nicht)-
    aber um “gewisse” Realitäten wird er auch nicht herumkommen –
    fürchte ich!

    Und der Ali setzt ja auch sofort seine magische allbekannte Entvokalisierungskeule ein um” lieb Theres” vor Ungemach zu schützen.
    Das ist lieb vom Ali und zeigt, daß er ein allgemeines Verantwortungsbewußtsein hat,

    Und der Bulu macht Wau und läßt alles “gut”sein!

    MJ könnte ,da er guter Afrika Kenner zu sein scheint,
    diese Problematik- von den Muslimbrüdern bis zum finstersten alt-afrikanischem Kultus, vielleicht ,
    (er mag wahrscheinlich nicht) beleuchten.

  30. #30 MJ
    November 15, 2013

    Auch die Euozone ist ein groesseres Land als manche glauben:

    https://twitter.com/WSJ/status/401030784020398080/photo/1/large

  31. #31 MJ
    November 15, 2013

    Mein Lieblingsdetail im Link zu meinem letzten Kommentar ist uebrigens wie zwar England, Schottland und Wales total in der Eurozone sind, nicht aber Nordirland. Griechenland rausschmeissen und Rumaenien reinnehmen, dass kann ja jeder dahergelaufener Blogger. Aber die Subtilitaet, das Vereinigte Koenigreich sozusagen von Nordirland abzutrennen, dass kriegt man nur beim WSJ.

  32. #32 Wilhelm Leonhard Schuster
    November 16, 2013

    @MJ Wie wärs denn, in diesem Falle, ähnlich Bulu, hier den Rantanplan, fürs Schnüffeln nach unumstößlichen Tatsachen, anzusetzen ,wo doch offensichtlich, selbst Lucky Luk scheitert?

  33. #33 Wilhelm Leonhard Schuster
    November 16, 2013

    Und Jolly blubbert und blubbert nur so und scharrt unruhig mit dem linken Vorderhuf,- weil ein Flo, den Rantanplan am Schnüffeln hindern will-, Sand gegen Rantantans struppiges Fell.
    Luk aber kümmern kleine Flöhe wenig, der will stoisch weiter auf Jolly durch die Wüste Reiten;
    und frei nach Immanuel Kant s kleinem Schrieb:

    “Zum ewigen Frieden ”

    diesen zu erreichen suchen.

  34. #34 Georg Hoffmann
    November 21, 2013

    Wie koennte man das aendern. Ich denke so:
    http://www.youtube.com/watch?v=UdGi2YCPrzk

    EInfach anthropologisch-ethnologisch zuerueckschauen. Das Fest des Huhns ist ein absolutes Muss.

  35. #35 Wilhelm Leonhard Schuster
    November 21, 2013

    @Georg Hoffmann- Man kann daraus erkennen, daß Rantanplan die Spur aufgenommen hat und begierig nach Hühnern schnüffelt,(köstlich,ein absolutes Muß)!

  36. #36 MJ
    November 22, 2013

    Vor ein paar Tagen hat William Easterly sein (und Ross Levines) Arbeitspaper “The European Origins of Economic Development”, das er angesichts eines Workshops besprochen hatte, ueber Twitter velinkt:

    http://www.nber.org/papers/w18162

    Das ist natuerlich schon vom Titel (und erst recht vom Inhalt) her ein wenig kaschierter Angriff auh das oben angefuerte “Colonial Origins of Comparative Development” von Acemoglu/Robinson. Ganz kurz gesagt besteht der Unterschied darin, dass Aceomglu/Robinson Insitutionen am Werk sehen, Easterly/Levine dagegen Humankapital.

    Da musste ich mich so furchtbar aufregen, dass ich Acemoglu sofort ein Email geschrieben habe mit dem Befehl, das Easterly-Paper unmittelbar fuer mich zu kommentieren. Das hat er dann aus irgendwelchen Gruenden doch nicht getan, aber mit mitgeilt, dass er nichts von dem Paper haelt, “not surprisingly”. Tja. Weiters, dass diese Humankapital vs. Institutionen-Geschichte eine furchtbar konfuse Sache ist, und sie da ein Paper geschrieben haben, dass demnaechst die Runden machen sollte. Wenn’s was interessantes bezueglich Afrika hergibt, werde ich mich hier lang und breit darueber auslassen.

  37. #37 ali
    November 22, 2013

    Da musste ich mich so furchtbar aufregen […] Wenn’s was interessantes bezueglich Afrika hergibt, werde ich mich hier lang und breit darueber auslassen.

    Das Angebot zu einem Gastbeitrag möchte ich da gerne wiederholen. Es würde sicher auch die Debatte fokussieren (und noch mehr LeserInnen finden als lange Kommentare).

    Just sayin’…

  38. #38 Ulrich Berger
    http://scienceblogs.de/kritisch-gedacht/
    November 25, 2013

    Hmmm… Zugegeben, ich war damals auch überrascht und schockiert. So groß ist Afrika? So klein ist Grönland? So winzig ist Mitteleuropa? Aber da war ich 15 oder so, und hatte zum Geburtstag einen Globus bekommen. Ich dachte, seit jeder einen Globus rumstehen hat, ist das kein großes Aha-Erlebnis mehr…

  39. #39 Wilhelm Leonhard Schuster
    November 30, 2013

    Hmhh- ich habe als Bub Kühe auf heimischer Wiese gehütet -.
    Wenn ich mir vorstelle, ich hätte damals einen Speer haben müssen um meine Laura, Dotte und Krude gegen einen Löwen zu verteidigen-au weiha,die blose Vorstellung.

    Und in der Altmühl, beim Baden, war mir ein Fischotter oder auch manchmal ein Pferd auch lieber, denn ein Nilpferd oder gar ein Krokodil.

    Das kleine enge Europa hat also auch seine Vorteile.
    Da sind Ungeheuer schon lange ausgerottet worden.

    (Oder treten deren Vertreter doch sporatisch immer wieder auf?)

  40. #40 MJ
    Dezember 14, 2013

    Oben habe ich geschrieben:

    “man muss sich vor Augen halten, dass, als er [Cheihk Anta Diop] all das geschrieben hat, noch die Hamiten-Semiten-Dichotomie verbreitet war und derlei Kram, und Afrika derartig als primitv wahrgenommen, dass man ihm das Alte Aegypten schlicht abgesprochen hat.”

    Da habe ich mich etwas weit aus dem Fenster gelehnt. Nicht, weil mir der Gedanke sonderlich spektakulaer vorkommt, sondern eben genau, weil er nur allzu gut ins moderne Bild alter Verfehlungen passt. Klar hat es dumme Theorien gegeben; klar hat die Ueberzeugung von der Ueberlegegnheit Europas auf einige intellektuelle (und ganz konkrete) Abwege gefuehrt. Aber hat man Afrika das Alte Aegypten wirklich jemals abgesprochen, oder ist es mir da ergangen wie Reich-Ranicki mit den Schamhaaren im Gegenlicht des Kaminfeuers (wer die Refernez verstehen will, muss seine Autobiographie lesen!)?

    Dann ist mir heute das Buch “Die Aegyptologie” von Heinrich Brugsch von 1889 in die Haende gefallen. Im Kapitel “Der ägyptische Volksstamm”, Unterkapitel “Die ägyptische Rasse” (Seite 20ff. siehe Link ganz unten), wird nicht nur die Hamiten-Semiten-Theorie in bezug auf Aegypten beprochen. Es findet sich da folgende Asueinandersetzung (Seite 29 f., Fehler meine, ausser wo es alte Rechtschreibung ist):

    “Afrika ist die Heimat einer schwarzen Urbevoelkerung und wenn man auch Einwanderungen hellfarbiger Rassen (der rothen, gelben und weissen) nach den Ost- und Nordländern des grossen Erdtheils bereits in den ältesten Zeiten der Geschichte die ansässige Negerbevölkerung nach dem Innern zurückdrängt oder sich mit dem Negerblut vermischt hatten, so ist das allgemeine Heimatsrecht der Schwarzen dadurch in keiner Weise verkuemmert worden [Anm.: Was soll der letzte Teil heissen?]. Trotzdem der Versuch vorliegt, die Aegypter als degenerierte Neger anzusehen, so fehlt jeder historische Beweis, welcher diese Descendenz als Stütze zu dienen vermöchte. Die von den Alten verbreitete und früher gewöhnliche Ansicht, dass die Aegypter eine Kolonie des Priesterstaates von Meroë seien, bedarf kaum mehr einer Widerlegung, denn die Stiftung dieses Staates durch hamitisch-semitische Einwanderer gehört der jüngsten Geschichte Aegyptens an. Die Grundlagen dieses Staates waren ägyptischen Vorbildern entlehnt, nachdem um den Anfang des elften Jahrhunderts v. Chr. die Pharaonenherrschaft im Lande Kusch gebrochen und aus den Trümmern derselben ein neues Reich unter einheimischen Priesterkönigen kuschitischer Abstammung aufgebaut war. Nachdem diese Zeilen bereits im Satz vollendet waren, erhielt ich R. Virchows werthvolle Abhandlung: “Die Mumien der Könige im Museum von Bulaq” (Sitzungsber. der Akad. d. Wissensch. zu Berlin, 1888 XXXIV.)* Die von dem berümten Anthropologen an den Mumien ägyptischer Könige angestellten Untersuchungen haben ihm erwiesen, “das in der körperlichen Bildung dieser hervorragenden Perönlichkeiten kein einziger Zug hervortritt, der auch nur entfernt an eine Beimischung von Negerblut erinnert.” Er fügt hinzu: “Wüssten wir nicht, mit welchen Persönlichkeiten wir es zu thun haben, so würden wir kaum Bedenken tragen, die Ähnlichkeit dieser Mumienköpfe mit europäischen Köpfen anzuerkennen. Mag die Verzerrung, welche mit der Zusammentrocknung nothwendig verbunden ist, auch in hohem Grade entstellend und noch mehr abschreckend wirken, so liegt doch unverkennbar ein gewisser verwandtschaftlicher Zug in diesen dürren Gesichtern. Man kann zugestehen, dass die Civilisation einen Antheil an der Assimilation der Personen hat. Sie verwischt den Charakter der Wildheit, sie verfeinert die Formen, namentlich der Knochen, und giebt den Zügen einen edleren Ausdruck. Alles das passt auf diese Königsköpfe, aber sicherlich verdanken sie ihr Aussehen nicht allein dem Umstände, dass sie einem gebildeten Volke mit milderen Sitten angehörten; es liegt in ihrer Besonderheit unzweifelhaft ein Rassencharakter. Und wenn man diesen auch nicht direkt einen europäischen, nicht einmal einen arischen nennen will, so kann man doch ungefähr so weit gehen, wie etwa der alte Blumenbacih mit seiner kaukasischen Rasse oder wie manche Neueren mit der Aufstellung der mittelländischen Rasse.” ”

    Mehrere Anmerkungen:

    1.) Ich hatte voellig recht, ha!

    2.) Der Autor war keine Randerscheinung der damaligen Aegyptologie, und es gibt keinen Grund anzunehmen, dass er hier irgendetwas sonderlich abseits vom damaligen Mainstrem geschrieben hat (schon alleine, weil er mit Virchow jemand anderen zitiert, der die Ansicht noch viel klarer vertritt).

    3.) Der Verweis auf Blumenbach ist im Zusammenhang von “degenerierten Negern” und “hervorragenden Perönlichkeiten”, die per Implikation keine Schwarzen sein koennen, seltsam. Blumenbach war in der Geschichte europaeischer Rassenforschung (oder “Rassen”-“Forschung”) einer der raren (relativen) Lichtblicke. Zwar hat auch er in seiner Nomenklatur Rassen und eine Degeneration von einer “kaukasischen” gesehen, aber die Degeneration war eine aesthetische (obwohl auch nicht nett), ohne intellektuelle oder ethische Implikationen.
    Mit Verweis auf Rassismus in der Geschichte wird oft darauf hingewiesen, sozusagen gnaedig zu urteilen: heute wissen wir das alles, damals aber nicht, man muss das im Kontext sehen. Daran stoert mich, dass man so auch den Holocaust rechtfertigen kann: eine angebliche Ahnungslosigkeit rechtfertigt alles, die meisten waren Mitlauefer, im Nachhinein ist es immer leicht…
    In einem Interview, dass zu “Der Untergang” meist gezeigt wird, ist Traudl Junge mit dieser Art von Reinwaschung durch Ahnunglosigkeit (auch an sich selbst) hart ins Gericht gegangen: Sie fand, dass Sophie Scholl ihr Jahrgang war und sie hingerichtet wurde, als Hitler sie eingestellt hat. “Und in dem Moment hab’ ich eigentlich gespuert, dass das keine Entschuldigung ist, dass man jung [Anm.: das war der Grund, mit dem sie ihre Ahnungslosigkeit entschuldigte] ist. Dass man auch haette vielleicht Dinge erfahren koennen.” Man muss ja nicht gleich alle verurteilen, die nicht Sophie Scholl gewesen sind – aber man muss auch nicht nach unten nivellieren, bis jeder Rassist ‘es halt damals nicht besser gewusst hat”. Er haette es wissen koennen – und speziell Wissenschafter haetten es wissen muessen.
    Und hier kommt Blumenbach ins Spiel. Er hat sich offen und klar gegen die Idee geaeussert, dass die “Degeneration” von Rassen irgendetwas mit der Ueberlegenheit der einen, oder der Unterlegenheit von anderen zu tun hat. In anderen Worten: Blumenbach war auch Anfang des 19. Jahrhunderts klar, dass es einen wissenschaftlichen Rassismus gibt, und dass er nicht auf Evidenz beruht. Ich meine, Blumenbach sollte der Massstab sein, an dem man damalige Rassentheorien und -theoretiker misst.** Dass er auch bei der angeblichen aesthetischen Degeneration kein Dogmatiker war, zeigt sich bei seinem Schwaermen, als er “eine zum Verlieben schöne Négresse” getroffen hat, aber das ist eine andere Geschichte…

    4.) Der Autor hat voellig recht: es ist falsch, dass “die Aegypter eine Kolonie des Priesterstaates von Meroë” waren. Vielleicht hat das wirklich jemand gesagt, aber wer? Wer sind “die Alten”? Die griechischen Geschichtsschreiber ueber Aegypten, Manethon, Herodotus etc.? Das waere erstaunlich, da diese Zeitgenossen des Meroe-Reiches waren oder gar davor gelebt haben. Sollten es aeltere europaeische Archaeologen gewesen sein? Zwischen der Konstitution Aegyptens – wenn man Koenig Narmer/Menes hernimmt, der als erster sowohl mit der Krone Ober- als auch Unteraegyptens abgebildet ist, ansonsten noch frueher – und der Konstitution Meroes liegen fast 3000 Jahre. Solche riesen Unterschiede muss man doch auch schon um 1800 festellen haben koennen – ? Und warum soll Meroe ein Priesterstaat gewesen sein? War es nicht. Aber OK, bei all dem ist nicht auszuschliessen, dass das zur Zeit Brugsch’ wirklich Stand der Dinge war. Zusammen mit der Angewohnheit nicht zu sagen, woher man seine Behauptungen hat, offenbar…

    5.) Aber mit der Behauptung, dass Meroe aegyptischen Vorbildern entlehnt aus Kusch entstanden ist, nachdem dort die pharaonische Vorherrschaft gebrochen wurde, beisst sich der Autor selbst in den Arsch. Will heissen, in einer gewissen Hinsicht hat er recht, aber wohl nicht so wie er moechte. Kusch war zwar Teil Aegyptens im Neuen Reich, mit dessen Niedergang auch die Herrschaft ueber Kusch verloren ging (darauf spielt Brugsch an). Aber das ist nicht, woraus Meroe entstanden ist, ausser man ueberspringt mehr als ein halbes Jahrtausend. Was der Autor nicht sagt, oder vielleicht noch nicht wissen konnte: aus den “Truemmern”, die Aegypten angeblich in Kusch hinterlassen hat, nachdem das Neue Reich im Niedergang begriffen war, ist vorher noch die XXV. Dynastie Aegyptens hervorgegangen, die sogenannte “nubische”. In der Zeit waren Aegypten und “Nubien” (also Kusch) wiederum vereint, aber diesmal nicht in Form einer Herrschaft Aegyptens ueber Kusch, sondern weil die Dynastie der Pharaonen aus Kusch kam. Wie aus der Episode um den so genannten Shabaka-Stein klar wird, waren die Dynastie sehr auf ihre Eingliederung in die aegyptische Kultur bedacht – sie waren “authentische” Pharaonen, nicht wie die Marionetten der darauffolgenden Assyrischen Dynastie. Sie waren ausserdem ziemlich sicher so schwarz, wie es sich Brugsch in seinen aergsten Alptraeumen nicht vorstellen konnte. Und erst als diese die Herrschaft ueber Aegypten (gegen die Assyrer) aufgeben mussten, zogen sie sich wieder aufs kuschitische Stammgebiet zurueck, in dem dann in sehr schwer festzumachenden Umstaenden das Meroe-Reich entstanden ist. Das scheint mir doch eine sehr relevante Korrektur.***
    Wiederum: mag sein, dass das damals noch nicht bekannt war (der fuer die fuer die Dynastie XXV wichtige Shabaka-Stein wurde etwa erst 1902 gefunden). Aber es stellt sich die Frage, worauf genau der Autor seine Behauptungen stuetzt (oder glaubt zu stuetzen), wenn er ein halbes Jahrtausend und eine Dynastie schwarzer Pharaonen schlicht nicht kannte – und dennoch zur felsenfesten Ueberzeugung gelangt, dass es sich um eine mehr oder minder weisse Kultur handelt. Voellig evidenzfrei, abgesehen von ein paar phrenologischen Einschaetzungen von Mumien, aus denen wir selbst heute noch keine Information ueber die ethnische Zugehoerigkeit ziehen koennen. Das war auch die Zeit, in der Echnaton der “erste Individualist” war und den Monotheismus eingefuehrt hat, etc.: man wusste einfach nicht viel, und hat – scheinbar voellig unbewusst? – den Rest mit europaeischer Phantasiegeschichte aufgefuellt. Das ist umso erstaunlicher, als sich Brugsch selbst aufregt, dass jedweder “Beweis” fehlt, dass die Alten Aegypter “degenerierte Neger” waren.

    6.) Es ist erstaunlich, wie viel Energie der Autor aufwendet, nur um einen Geankenfehler im Einleitungssatz zu korrigieren. Er schreibt “Afrika ist die Heimat einer schwarzen Urbevoelkerung…” Und dann muss er natuerlich erklaeren, wie die – offensichtlich oder vermeintlich – nicht Schwarzen eingewandert sind. Aber die Praemisse ist Bloedsinn: der Autor haette auch einfach die Situation als gegeben hinnehmen koennen – nachdem es ja keine Evidenz gibt (heute, und damit damals schon gar nicht), dass alle, die nicht schwarz sind in Afrika, “eingewandert” sind, waere das genau der richtige Default. Tatsaechlich ist die heute gaengige Praehistorie der Kulturen am Nil und im Delta, dass schwerwiegende klimatische Veraenderungen das Gebiet (heute Wueste) derartig ausgetrocknet haben, dass sich Jaeger und Sammler entlang des Nils zusammengezogen haben, und dann hat alles seinen Lauf genommen (da gibt es ein paar Modelle, aber nachdem es Prehistorie ist, eben nicht wirklich eine Geschichte). Zwar findet sich der Hinweis noch, dass es frueher Einfluesse aus Mesopotamien gegeben hat (vor allem aus keramischen Funden), aber das zeigt einfach nur einen Kontakt. Dass die Aegypter sozusagen Einwanderer sind, ist einzig der dummen Praemisse geschuldet dass a) Afrika der Kontinent von “degenerierten Negern” ist, und b) “Neger” eben “degeneriert” und zu dieser Kultur nicht imstande sind. Das passt auch super zu der damals so verbreiteten Auffassung, das Europa ueber Kolonien die Zivilisation nach Afrika bringen muss. Welch ein Zufall. Ausserdem: es war auch damals schon ein Problem, dass die San im Sueden Afrikas so offensichtlich nicht “schwarz” sind (bei allen Unschaerfen des Begriffes), dass man da schon Erklaerungsnoete hatte und ebenfalls die Hamiten-Samiten-Theorie in der “sphaerische Kuh”-Tradition zur Erklaerung dieses Umstandes – ueber Umwege – vergewaltigen musste****. Laesst man diese evidenzfreie Praemise raus, gibt es nicht viel zu erklaeren, oder?

    Dank der Macht des Webarchivs gibt es Brugsch’ Buch nun auch online, gratis. Wer sich also auf den Stand der Aegyptologie von 1898 katapuliteren moechte, hat keinerlei Ausreden:

    https://archive.org/details/dieaegyptologie00bruggoog

    * Die Sitzungsberichte sind uebrigens online und leicht zu ergooglen.
    ** Blumenbachs in diesem Zusammenhang wird u.a. in Emmanuel Chukwudi Eze in „Race and the Enlightenment: A Reader“ ausfuehrlich zitiert.
    *** Die Geschichte Meroes ist natuerlich zum Verzweifeln lueckenhaft, vor allem weil die meroitische Sprache nach wie vor nicht entschluesselt ist. Dadurch gibt es vor allem Quellen aus der Zeit davor, als Kusch schwer Aegypten gepraegt war, und in der Scrhift Aegyptisch und in Hieroglyphen verwendet wurden (eine Abwandlung letzterer wurde dann auch fuer meroitische verwendet, allerdings als Alphabet-Schrift). Eine allgemeine Darstellung findet sich in Welsby ” The kingdom of Kush : the Napatan and Meroitic empires”. Die meroitische Sprache ist wohl fuer alle praktischen Belange als Isolat anzusehen (was u.a. die Entschluesselung so unmoeglich macht, obwohl man die Schrift und teilweise die Grammatik verstanden hat!), wenn sie Rilly in “Le méroïtique et sa famille linguistique” auch vorsichtig bei den nilo-saharischen Sprachen ansiedelt… vorsichtig.
    **** Siehe etwa Meinhofs Einteilung der Sprachen in “Die Sprache der Hamiten”.

  41. #41 MJ
    Dezember 14, 2013

    @ ali

    Ich habe jetzt erst Ihren letzten Kommentar gelesen. Wie gesagt, nachdem mir solche elends langen Kommentare vor allem selbst helfen, mir ueber ein paar Dinge klar zu werden und ein Gedanken auszuformulieren, halte ich das fuer keine sehr gute Idee. Der Webbaer und ich, wir sind im Kommentarteil genau richtig zu Hause.

  42. #42 Thilo
    Dezember 22, 2013

    Ich bin hier erst jetzt drauf gestoßen, möchte aber noch auf diesen Artikel verweisen: http://scienceblogs.de/mathlog/2012/03/20/der-mittelpunkt-der-erde/

    Wie ich inzwischen festgestellt habe, sehen Weltkarten hier in Korea immer so aus.

  43. #43 Wilhelm Leonhard Schuster
    Dezember 22, 2013

    @MJ Ich habe eine konkrete Frage :Wie kamen die Kolonialmächte (alle betrachten, hier aber vornehmlich Deutschland) in den Besitz ihrer Ländereien?
    Beispiel :Die Afrikanische Frucht Compagnie,
    die große Ländereien für den Anbau von Bananen am Kamerunberg besaß, die aber,
    nach WI, von den Engländern beschlagnahmt und enteignet worden sind und nach Rückkauf in den 2o ziger Jahren, nach WII, ein zweites Mal enteignet worden sind.
    Gab es hier 3 Mal eine Enteignung, oder ist das Land von einheimischen Häuptlingen, auf welche Art auch immer , “ehrlich” von der Firma, gekauft worden.
    Die Hottentotten Kriege in Deutsch Südwest scheinen tatsächlich wegen “Landraub” entstanden zu sein!
    Eine geschichtlich, die tatsächlichen Ereignisse nüchtern betrachtende Beschreibung,
    ohne einseitige Verteufelung der Deutschen, scheint hier angebracht!
    Ich schreibe dies hier, weil mich ein Doktorand wegen meines Kommentars Nr. 21 angeschrieben hat und ich fürchte, daß, weil opportun,” heutzutage” einseitig auf
    “die Deutschen” eingeschlagen wird.

  44. #44 MJ
    Dezember 28, 2013

    @ Wilhelm Leonhard Schuster

    Zur Afrikanische Frucht Compagnie und ihrer Geschichte kann ich Ihnen genau gar nichts sagen.

    Was sind die “Hottentotten”-Kriege? Mit “Hottentotten” sind normalerweise grob Khoe-Voelker gemeint, spezifisch die Nama. Mit denen hat es zwar Auseinandersetzungen gegeben – die weitaus groesste war aber die mit den Herero, die, glaube ich, nie unter den Begriff “Hottentotten” fielen. Aber vielleicht irre ich mich da.

    Die Frage, wie die Landaneignung in Deutsh-Suedwestafrika passiert ist, ist relativ uninteressant. Interessant ist a) dass sie zu einer Situation fuehrte, die den Herero die Lebensgrundlage entzog* und b) keine unparteiische Schiedsinstanz oder ueberhaupt irgendein klarer rechtlicher Rahmen existierte, um Streitfaelle zu schlichten. Im Endeffekt galt das Recht des Staerkeren – es ist also ziemlich wurscht, wie man “Schutzvertraege”, Landkauf-Vertraege mit Betrunkenen oder rechtlich nicht Unterrichteten, Vertraege mit Maennern in matrilinealen Systemen etc. nun moralisch betrachtet: sobald es drauf angekommen ist, sind Interessen deutscher Siedler militaerisch durchgesetzt worden. Mit Vertraegen (und Allianzen) musste sich Gouverneur Leutwein schon deswegen herumspielen, weil er nicht genug Militaer hatte. Sobald dann – infolge der Aufstaende – welches geschickt wurde, war’s dann ja vorbei mit der Zimperlichkeit. In dem Fall in Form eines Voelkermords seitens Deutschlands, den erhaltenen Exterminationsbefehl auf “deutschem” Boden (also dem Gebiet der Kolonie) habe ich oben zitiert. Das laesst an Eindeutigkeit nicht zu wuenschen uebrig, eine Verteufelung ist kaum noetig.

    *Das ueberraschende ist, wie verzerrt diese alte Sicht nach wie vor ist: dass weisse Siedler irgendwie rechtmaessig an Land gekommen sind und daher ein Anrecht darauf haben. Dass die schwarze Bevoelkerung keine Lebensgrundlage hat ist, naja, Pech – alles andere waere Rassismus gegen Weisse und Rachefeldzuege schwarzer Horden gegen hart arbeitende Weisse (so eine Ur-Furcht von Weissen). Siehe die nicht enden wollenden Eulogien auf Mandela, deren Inhalt sich darauf beschraenkt dass er a) nicht “Mugabe” war, und b) “Mugabe” als Synekdoche fuer einen Schwarzen steht, der Weissen Unrecht zufuegt. Das ist natuerlich das Schlimmste ueberhaupt, und Mugabe entschuldigt den Kolonialismus postwendend, endlich: die einzige Loesung der Landfrage in ehemaligen Siedlerkolonien liegt in den Augen dieser Kommentatoren offenbar in der Mandelas – naemlich im Status quo.

  45. #45 Wilhelm Leonhard Schuster
    Dezember 29, 2013

    @MJ “Völkerwanderungen” sind halt ein schwieriges Thema.(Kolonialismus, war auch Völkerwanderung!)
    Das fängt nicht erst bei den Germanischen Völkerwanderungen an.
    (Modernes Beispiel: Arabische Eroberer des Landes
    Ägypten und die Reste der alten Ägypter, die Kopten,die große Schwierigkeiten haben, in IHREM angestammten Lande überhaupt noch existieren zu dürfen.)
    Die Entdeckung Amerikas, führte nach und bei einer weiteren großen Völkerwanderung( Europas), zur Vernichtung ganzer Völker, gesamter Landnahme, sowie Dezimierung und Entrechtung der noch überlebenden Völkerschaften .
    Nüchtern: Eben “Völkermord” wo man auch nur hinschaut.(Kanaan, als vor antikes grausiges Beispiel! Man braucht da ja nur den Bibelbericht aufmerksam zu lesen,der vielleicht, leider, für manch ANDERE, Beispielgebend gewesen ist!)

    Oder Amerika, wo man die Büffel ausrottete, um den Indianischen Völkern die “Lebensgrundlage” zu entziehen.
    (Da waren mit Sicherheit auch viele “Deutsch- Amerikaner” beteiligt!)
    Und in Bagdad,da haben die Mongolen, angeblich
    (oder tatsächlich?!) 100 000 Köpfe der Einwohner nach Eroberung der Stadt, zu einer Pyramide aufgeschichtet.
    Asien bietet da sicherlich auch unendlich viele Beispiele,man sollte in diesem Falle(Schandtaten) nicht nur auf Europas Sünden verweisen!

    Wie immer: “Weh den Besiegten!”

    Ich möchte mit meinen Ausführungen die “Sünden” der Deutschen,wo auch immer in jüngerer Zeit, nicht entschuldigen, einseitig betrachten sollte man diese ,
    aber auch nicht!
    Zum Status quo in Südafrika: Ich meine, die verantwortlichen Leute, wären gut beraten, DIESEN, für die nächsten 100 Jahre aufrechtzuerhalten.
    (Ich persönlich, fürchtete vor ca 40 Jahren, Südafrika könnte Auslöser, bzw.Grund für den 3.Weltkrieg werden.War hoffentlich, oder tatsächlich, zu pessimistisch gedacht!)

    Es gibt immer noch, irgendwo, Leute, denen ein derartiges Risiko “wurscht” ist.
    Beispiel:Ist zwar schon lange her :
    Mir sagte vor langer Zeit, um 1960, ein junger Serbe:
    “Wir sind ein “Herrenvolk” wie die Deutschen, wir werden uns auch noch die “Slawen” in Österreich heimholen
    und auf dem Balkan bestimmend werden.Wir sind wirtschaftlich souverän, auf niemanden angewiesen, haben alles selber im Lande,Erze, Öl , und was auch immer. Wir werden unsere Interessen durchsetzen ,meinte er auch wenn es zu einem Weltkriege kommen sollte.”

    Ich sagte dem jungen Manne, er solle sich doch ein Beispiel an Deutschland, nehmen “WIR” seien mit ähnlichen “Herren- Menschen -Gedanken” auch gehörig auf die Nase gefallen.
    MJ entschuldigen Sie, daß ich Sie in dieses unendlich schwierige Thema das nun mal nicht emotionslos betrachtet werden kann,gezogen habe.
    Aber Afrika(mit Nah-Ost) wird nun mal ein Jahrhundert – Thema werden und bleiben.

  46. #46 MJ
    Dezember 29, 2013

    @ Wilhelm Leonhard Schuster

    Naja, eine Voelkerwanderung war das nicht: so viel ich weiss, sind die in diesem Sinne “wandernden” Kolonisatoren zum ueberwaeltigenden Teil geblieben, wo sie waren: Belgien hat sich nicht in den Kongo verpflanzt, und die Bevoelkerung im Kongo ist im grossen und ganzen dieselbe wie vor der Kolonialisierung auf dem Gebiet. Das Wort “Kolonialismus”, bei allen Schwierigkeiten, hat schon seinen Sinn. Zum anderen werden in Voelkerwanderungen “indigene” Bevoelkerungen ja nicht unbedingt deplatziert, das kommt schwer auf die Umstaende an. Ich weiss sehr schlecht ueber die arabische Expansion bescheid: Ist die aegyptische Bevoelkerung deplatziert worden? Oder einfach assimiliert – linguistisch, kulturell, religioes? Ich tippe einmal auf letzteres. So oder so, das waren ja zu dem Zeitpunkt nicht mehr die Reste der alten Aegypter, sondern eine ebenfalls bereits durch das Roemische/Byzantinische Reich transformierte Gesellschaft, oder? Und das wiederum war schon eine ganz andere Sache nach persischer Fremdherrschaft, dem Ptolemaeer-Reich etc. als, sagen wir, unter Neferneferuaten. Ich glaube die Idee, die Reste des Alten Aegypten seien unter der arabischen Expansion untergegangen, ist eine Maer, eine dicke, fette. Die Kopten hatten ausser dem linguistischen Erbe nicht unbedingt viel mit dem Alten Aegypten gemein – das macht sie nicht zu den “Resten der Alten Aegypter”, nur zu denen, deren Sprache nicht assimiliert wurde. Aber der Begriff “Kopten” ist etwas unscharf: wenn Sie ihn fuer “christliche Aegypter” hernehmen, sind die Kopten nicht mehr und nicht weniger Zeichen des Niedergangs des Alten Aegypten als seine spaetere Islamisierung. Nur dass uns “Christianisierung” heute und frueher in Europa normalerweise am Allerwertesten vorbeigeht, waehrend es da so eine Weltsicht gibt, nach der “Islamisierung” historisch und aktuell das Abendland und auch den Rest der Welt bedroht (hat).

    All das ist freilich schwer nach heutigen moralischen Massstaeben zu messen. Deutschlands Siedler-Kolonialismus in Deutsch-Suedwestafrika hingegen sehr wohl. Es war eine Expansion deutscher Siedler zu Ungunsten der indigenen Bevoelkerung: als haette die Moeglichkeit einer Assimilation bestanden! Als haetten Herero und Nama die Moeglichkeit gehabt “Deutsche” oder “Deutsch-Suedwestafrikaner” auf einer Stufe mit deutschen Siedlern zu werden. Das war ja eine der vielen perversen Facetten an der Sache (und spaeterer de facto- oder de iure-Apartheid-Regimes): die Moeglichkeit des Status quo wurde ihnen verwehrt, die Moeglichkeit der Integration (freiwillig oder erzwungen) aber ebenso. Dass man Deutschlands Geschichte nicht “einseitig” betrachten soll, ist schon klar. Aber Geschichtsrevisionismus ist nicht die Loesung: der Voelkermord war nun mal eine einseitige Angelegenheit und es ist beschaemend, dass ihn ausgerechnet Deutschland nicht als solchen benennt.

    Ich behaupte nicht irgendwelche Rezepte fuer Suedafrika zu haben, das ist eine Frage politischer Machbarkeit – und sehr gut moeglich, dass Mandela da das bestmoegliche getan hat. Eine andere ist die Frage von Gerechtigkeit: eine weisse Minderheit besitzt etwa den ueberwaeltigenden Teil des Landes (und zwar des besten Landes). Dafuer koennen gegenwaertige Generationen (Weisse und Schwarzer) nichts – aber das macht den Status quo nicht gerechter. Dass der gegenwaertige Diskurs die Sache so darstellt, als ob der Status quo der “gerechte” Ausgangspunkt ist, waehrend eine forcierte Landumverteilung eine Art “Rache fuer Apartheid” waere, zeigt mE erstaunlich wenig Reflexion ueber die Rolle von Kolonialismus, das kolonialistische (und Apartheid-) “Erbe” und die schwierigen Fragen, die all das aufwirft. Und ich denke es ist bedauerlich, dass “Er hat schwarze Horden davor abgehalten, Rache an Weissen zu nehmen, im Gegensatz zu Mugabe” der Grund dafuer ist, warum Mandela (vor allem in konservativen Kreisen) nun so verehrt wird.

  47. #47 Wilhelm Leonhard Schuster
    Dezember 29, 2013

    MJ “Status quo in Südafrika” sehe ich so: Amerika würde die Ausweisung (Tötung der Buren ct.) und Enteignung der Weißen Südafrikas äußerst negativ beurteilen und die westliche, wirtschaftliche, Zusammenarbeit aufkündigen.
    China springt dann (total) in die Bresche.
    Und schon haben wir den Salat!(Ich weiß, China ist schon
    längst in Afrika zugegen, in Maßen wird das allerorten toleriert, wie sich das auf Dauer auswirkt ist offen.)
    Jahre langes Durcheinander in Südafrika, wäre die sichere Folge.Wäre selbiges dem Lande dienlich?
    Ich meine Mandela, der ja auch das Tötungslied für Buren gesungen hat , erkannte dieses und hat entsprechend gehandelt.
    Die Weißen die im Lande, die wahrscheinlich große wirtschaftliche Macht haben,
    werden klug genug sein, unter Schwarzer Führung des Staates,diese, ihre Macht, nicht zu überdehnen.
    Der Rand ist sicherlich: nicht schwarz oder weiß, sondern
    golden!(Bestimmte Minenfirmen könnte man doch vielleicht
    im Laufe der Zeit versuchen durch Verhandlung 49 % tig dem Lande zu übergeben.
    Beispiel :Der Radikalschnitt “Suezkanal”, den Ägypten mehr oder weniger gut verkraftet hat.(Dies alles ungeheuer schwierig,ich weiß, aber alles doch noch besser denn im Chaos zu versinken.
    Südafrika hat schließlich einen ungeheuer großen Markt vor der Haustür,den sich das Land, klugerweise, mit Hilfe der alten weißen Eliten, gut erschließen wird können.
    Meines Erachtens, ist dann die “Landfrage”, so die Bevölkerung gut versorgt wird und Arbeit bekommt,
    sekundär.
    Im übrigen sollten die Leute in einer eigenen Anstrengung, statt in den fürchterlichen Armuts- Vorstädten herum
    zu lungern , angehalten werden, in Gemeinschaftsarbeit zu versuchen aus dem Dreck, der anscheinend dort vorhanden ist , zu entfliehen, in dem man selber mithilft Straßen und Kanäle zu bauen und sauber aufzuräumen.

    Die Frage der Gerechtigkeit, wegen Land und Macht, ist in solchen Fällen, doch immer und überall eine Frage der Vernunft.
    Die Französische Revolution, war doch auch nur eine Folge des dümmlichen Absolutismus und einer gnadenlosen Überheblichkeit.

    Kurz zu den Arabern, die ich nicht verteufeln will
    aber Städte wie Karthago, sind erst durch die islamische Expansion total vernichtet worden und untergegangen.

  48. #48 MJ
    Dezember 30, 2013

    @ Wilhelm Leonhard Schuster

    Nochmals: ich bin da jetzt nicht wahnsinnig informiert was die islamische Expansion angeht. Aber “Stadte wie Karthago” sind auch schon von den Roemern geschliffen worden. Die haben sie wieder aufgebaut. Nach der Zerstoerung im Zuge der islamischen Expansion wurde das Zentrum dann halt ganz verlegt. Ist das sonderlich relevant, dass man eine Stadt nach Zerstoerung wieder am selben Platz aufbaut und gleich nennt? Gibt’s da Plus-Punkte?

    Kurz: Mir ist nicht klar, worauf Sie hinauswollen. Staedte-Schleifen war offenbar durchaus im Kriegs-Toolkit fuer lange Zeit. Oben habe ich arbitraer den Namen Neferneferuaten reingeschmissen (das war fast 2000 Jahre davor), eine Nachfolgerin Echnatons – schauen Sie mal, was die Aegypter da spaeter mit dessen Hauptstadt Akhetaten gemacht haben. Alexander der Grosse soll sich auch nicht immer zurueckgehalten haben in der Hinsicht. Und das faellt mir nur gerade so ein. Sicherlich gibt’s ganze Listen von Staedten, die aus welchen Gruenden auch immer geschliffen wurden, und dann wieder aufgebaut, oder auch nicht. Irgendein Hinweis, dass die islamische Expansion da sonderlich abnormal war (abgesehen von einem zeitlich versetzten europaeischen Trauma diesbezueglich, offenbar)?

    Die Ironie an der Sache: der Archetyp der modernen Staedte-Zerstoerung, Guernica, fand unter deutscher Beteiligung statt. Warum genau unterhalten wir uns ueber Karthago und “die Araber”?

  49. #49 Wilhelm Leonhard Schuster
    Dezember 30, 2013

    @MJ, Tiah, warum unterhalten wir uns über die Araber und Karthago ?Sie haben ja so recht, austilgen von Städten war und ist in alten und neuen Zeiten “überall” große “Mode”.
    Sie führen Guernica an .
    Also im Grunde, den gnadenlosen Kampf ,der (angeblichen oder tatsächlichen) Kommunisten,gegen die Bürgerlichen Faschisten eines General Franco.
    Das Thema sprengt den Blog hier,ist aber Beispiel einer
    internationalen Politik,die einem die Haare zu Berge stehen läßt.–
    Afrika war lediglich Ausgangsbasis für Franco und die Legion “Condor” übernahm (neben Guernica) den Transport von Truppen Francos nach Spanien.
    Hier aber :
    “Karthago und Araber” hat mit Afrika zu tun.
    Und Afrika ist nun mal zum einen Teil muslimisch,
    zum anderen Teil christlich.(Neben den afrikanischen Naturreligionen, die mit Sicherheit, auch nicht ohne Einfluß sind.
    Der (aggresivere!) Islam gegen die (zahmeren?) Christen?
    Und zwischen beiden fließt ein Ölstrom,den beide in ihr Revier leiten wollen.( Es Können auch Minerale sein,oder gar Gold, Silber und Diamanten)
    Das ist primitiv umrissen die Situation in Afrika.
    Frankreich interveniert- und wir sollen “mitmachen”!?

    Und deshalb unterhalten wir uns im Grunde über :

    “AFRIKA IST EIN GROßES LAND”

  50. #50 MJ
    Januar 6, 2014

    1) @ Wilhelm Leonhard Schuster: OK, dann habe ich Sie missverstanden – eigentlich bin ich davon ausgegangen, dass Sie das Thema auf Europa gelenkt haben, von wegen Deutschland nicht verteufeln und so…

    2) Afrika war noch groesser, frueher? Ta-Nehisi Coates hat folgende Passage von Dominique Dufour de Pradt ausgegraben:”C’est une erreur de la géographie que d’avoir attribué l’Espagne à l’Europe; elle appartient à l’Afrique: sang, mœurs, langage, manière de vivre et de combattre; en Espagne tout est africain. Les deux nations ont été mêlées trop longtems, les Carthaginois venus d’Afrique en Espagne, les Vandales passés d’Espagne en Afrique, les Maures séjournant eu Espagne pendant 700 ans, pour qu’une aussi longue cohabitation, pour que ces tranfusions de peuples et de coutumes n’aient pas confondu ensemble les races et les mœurs des deux contrées. Si l’Espagnol était Mahométan, il serait un Africain complet; c’est la religion qui l’a conservé à l’Europe.” Quelle mit englischer Uebersetzung im Kommentarteil hier:

    http://www.theatlantic.com/international/archive/2013/12/the-myth-of-western-civilization/282704/

    3) Weiter oben habe ich extra betont, dass Rilly _vorsichtig_ das Meroitische als Nilosaharische Sprache identifiziert. DANACH habe ich das im Detail nachgelesen, weil vorher ist fuer Feiglinge. Und “vorsichtig” klingt tatsaechlich so:”Les correspondances lexicales, phonétiques, morphématiques avec la famille soudanique orientale nord (SON) [Anm.: das ist Nilosaharisch] sont éclatante et ne laissent guère de place au doute sur l’appartenance du méroïtique à cet ensemble linguistique.” (Quelle wie oben angegeben.) Nachgelesen habe ich das fuer das hier – die wichtigste Einsicht dabei ist, dass Nofretete durch einen Abba- und Kylie Minogue-Filter gesehen erstaunlicherweise Madonna ergibt, “Confessions on a dancefloor”-Phase:

    http://xammi22.tumblr.com/post/72333816953/on-the-origin-of-the-h-breve

  51. #51 Wilhelm Leonhard Schuster
    Januar 11, 2014

    @MJ Ich kann leider geistig nicht folgen, da ich “Dümmling, ” weder franz.noch englisch kann.
    Aber Nofretete :…erstaunlicherweise als Madonna sehen?,Na ja, dann schon eher als eine Madonna!

    Übrigens: Das mit den Übersetzungen, sollte ein moderner Computer , der auf der” Höhe der Zeit” sein möchte,
    denn doch besser hinkriegen.
    Bisher : “Unter aller Sau!”
    Soviel verstanden : Schon seit Vandalen und Wikingern, Mauren und Goten,Spaniern und Franken(Franzosen)und Berbern ,Engländern und Ägyptern
    rege “freundschaftliche” Beziehungen zwischen Afrika und Europa.

  52. #52 MJ
    Januar 12, 2014

    @ Wilhelm Leonhard Schuster

    Weil Sie’s sind:

    a) Der franzoesische Text aus 2) schnell uebersetzt, es ist ja auch wirklich ein gestelztes Franzoesisch, mit ein paar Aenderungen in den Satzzeichen, die unmotiviert scheinen:”Es ist ein Fehler der Geographie Spanien Europa zugeordnet zu haben; es gehoert zu Afrika: Blut, Sitten, Sprache/Sprachfaehigkeit, die Art zu Leben und zu kaempfen; in Spanien ist alles afrikanisch. Die beiden Nationen waren zu lange vermischt – die Karthager von Afrika nach Europa gekommen (seiend), die Vandalen von Spanien nach Afrika ubersetzt (habend), die Mauren 700 Jahre in Spanien verbringend – als dass ein ebensolanges Zusammenleben, als dass diese Uebertragungen von Voelkern und Braeuchen nicht die Menge der Rassen und Sitten der beiden Gegenden ununterscheidbar gemacht haette. Wenn das Spanische Mohammedanisch waere, waere es zur Gaenze afrikanisch; es ist die Religion die fuer Europa erhalten hat.” Warum spanisch einerseits afrikanisch sein soll, andererseits Spanien von Afrika unterscheidet fragen Sie mich mitte nicht. Im grossen und ganzen ist die Passage sehr aehnlich einer beruehmten Szene aus “True Romance”, nur dass es in der Szene um Sizilianer geht:

    http://www.youtube.com/watch?v=S3yon2GyoiM

    b) Die franzoesische Passage aus 3) ebenso: Die lexikalischen, phonetischen und morphem(at)ischen Entsprechungen zur nordost-sudanischen (Sprach)familie sind eklatant und lassen kaum Raum fuer Zweifel an der Zugehoerigkeit des Meroitischen zu diesem Sprach-Ensemble.”

    Im zugehoerigen Blogpost geht’s um nichts, das dazu sonderlich relevant waere, ich habe darin nur ueber den Ursprung einer Graphem-Phonem-Korrespondenz zwischen dem Graphem ḫ und einem stimmlosen dorsalen Frikativ /x/ spekuliert, wie sie auch in der Transliteration des Aegyptischen, Akkadischen (und Sumerischen, Hurritischen, Hethitischen und was auch noch die Wikipedia-Schreiber zu fauel waren nachzuschauen und ich selbst auch nicht naeher kenne) – und eben auch des Meroitischen zu finden ist. Dazu habe ich eben auch diese Passage von Rilly ausgegraben, die eine recht eindeutige Zuordnung des Meroitischen fintet, wo ich weiter oben irrtuemlich meinte, er sei mit der Zuordnung sehr vorsichtig – als ob er da Zweifel haette. Das war falsch, und ich habe mich korrigiert.

  53. #53 MJ
    Januar 12, 2014

    @ Wilhelm Leonhard Schuster nochmal

    Und nein, ich meinte natuerlich Madonna “LIKE a virgin”, nicht die, die das wirklich glaubt. Aber ich bin so schlecht in Christentum: ich musste sogar nachschauen, ob das jetzt die Mutter Gottes ist (bin verwirrt, denn sie hat auch von ihm “unbefleckt” empfangen!!! Hae!?! Pfui?) oder Jesu “Escort”-Girl (aber das war offenbar Maria Magdalena).

    So oder so: entsprechend christlicher Ikonographie ist Madonna “Mutter Jesu” so ziemlich die Definition von “frigide”. Ich meine, nicht einmal fuer die Empfaengnis goennt man ihr einen Orgasmus, alles unbefleckt. Madonna, die Latex-Queen, versteht sich dagegen ja so ziemlich als Antithese dazu. Und meine aufgepeppte Nofretete (siehe das Blingee im verlinkten tumblr) kommt dem hier recht nahe, finde ich:

    http://upload.wikimedia.org/wikipedia/en/6/6e/Confessions_On_A_Dancefloor.jpg

    UND ES IST NICHT NUR DIE DISCO-KUGEL.

    Ich werde das beizeiten, und wenn es das Thema erlaubt, mit einem Blingee-enhanceten Echnaton veranscheulichen, um meine Grund-These zu belegen, dass der Aton-Kult kulturgeschichtlich die erste Disco-Phase war, und die Tempel und Palaeste im Grossen und Ganzen Discos.

    Denn was war der Aton? Richtig: die “sun disc[o]”. Und die Haende, die vor ihm ausgehen zeigen deutlich, wie Discos hauptsaechlich Schauplaetze fuer Grapsch-Orgien sind. Der Gedanke macht einfach zu viel Sinn um ihn zu verwerfen. Oder sehen Sie sich das Bild an:

    http://en.wikipedia.org/wiki/Akhenaton

    Wenn das nicht Echnaton und Nofretete unter der Sonnendisco-Kugel tanzend sind! Und dahinter Merit-Aton (“Von der Disco Geliebte”), und eventuell Anches-en-pa-Aton (“Ihr Leben gehoert der Disco”) und Nefernerferu-Aton (“Die Schoenste in der Disco”) etc., aber das muss ich noch genauer studieren.

  54. #54 Wilhelm Leonhard Schuster
    Januar 12, 2014

    MJ, zur Geographie: Afrika wird das “Anhängsel” Asiens, Europa, früher oder später, wie ich meine irgendwo gelesen zu haben “Unterminieren”.
    (Die afrikanische Platte schiebt sich unter Europa.)
    Da ist halt dann Spanien und Italien zunächst dran und gehört dann zu Afrika.
    Aber selbiges wird doch noch “Weile” haben.
    Zunächst, müssen halt mickrige Boote, schaukelnd auf dem “Mare Nostra”,(so ähnlich heißt das Dingens wohl,)
    die “hervorragenden Beziehungen” zwischen Europa und Afrika, aufrecht erhalten.
    Und irgendwann, wird dann, EINER, Singen:
    “… ein zerhauener Schild,
    ein zerbrochener Speer,
    vom Reiche der Goten,
    blieb nicht mehr.”

  55. #55 MJ
    Januar 12, 2014

    “Die afrikanische Platte schiebt sich unter Europa.”

    Donnerwetter, und ich dachte die Extension Afrikas zu den “Fruehen Hochkulturen” wuerde schon einen beeindruckenden Zeitraum abdecken. Aber gegen die Zeithorizonte, die Sie ins Auge fassen, ist das maximal ein Blinzeln – zumal Sie da in Bezug auf Spanien und Italien Worte wie “zunaechst” finden! Aber irgendwas sagt mir, dass keiner mehr auf Deutsch singt, wenn Europa im Vergleich zu heute als Kontinent nicht mehr zu erkennen ist…

  56. #56 Wilhelm Leonhard Schuster
    Januar 13, 2014

    Ich stelle mir vor, ich sei Echnaton,habe ein großes Reich geerbt .
    Was mich stört ist: daß die dogmatische Priesterschaft
    mir viel zu viel unverschämt dreinreden will.
    Ich habe die Machtbasis Armee, die mir absolut gehorcht.
    Ich bin clever, wie ich meine und bilde mir ein, die Saubande der Priesterschaft, in die Schranken weisen zu können .
    “Gottkönig” bin ich eh schon.
    (Also will ich” Absolut sein “(Ludwig der 14 te)
    Und gründe meine eigene Religion(Franz. Revolution). Diese hat nur EINE Gottheit.
    Ich bin deren einziger Vermittler und Vertreter auf Erden.(Heute der Papst?)
    Und Nofretete, meine kluge intelligente Schöne,
    ist meine Madonna.
    So nennen später die sogenannten Christen später ihre “Heilige Gottes Gebärererin”.
    Und Nofretete bringt meine Gotteskinder zur Welt.
    (Die Madonna heutiger Tage, treibt ihre Kinder ab-
    ein Vergleich ist also nicht statthaft!)
    (Ich weiß allerdings nicht ob die Madonna auch Kinder hat)
    Ich bin nicht Katholik, so daß mich Dinge, wie die dogmatische jungfräuliche Geburt Jesu, wenig scheren.
    (Sie war halt noch Jungfrau, als Jesu gezeugt worden ist,
    von wem auch immer-“irgend ein Geist” und auch Körper der Leben erzeugt, ist bei derartigen Vorgängen immer Zugange.)
    Ich meine mit “Grapsch Orgien ” läßt sich keine gute staatstragende Massen Gesellschaft gründen und aufrechterhalten.Mit Primitivlingen auch nicht.
    Ein Beispiel : Der Mose hat die Leute verworfen, die
    mit dem Munde Wasser aus der Quelle tranken und die erhalten, die dieses mit den Händen taten .
    (Heutzutage haben wir es diesbezüglich mit Witzlsbergern
    zu tun.)
    Ihr Disco Vergleich in Ehren (ein vernünftiger Mensch tanzt auch gerne) eine Gottkönigin wie Nofretete wird allenfalls einen mehr oder weniger wilden Kulttanz mit ihrem Echnaton öffentlich vollführt haben,den die Sonne Ägyptens dann gnädig und wohlwollend als Opfergabe entgegennahm.
    Ich sehe, wir Beide, MJ, unterscheiden uns da, “generations und erziehungshalber halber” doch ein klein wenig in der Beurteilung der guten SCHÖNEN

    NOFRETETE

    und auch der:

    “Gnaden Mutter Maria mit dem Kinde auf dem Arme”

    die doch die Männerwelt, Allerorten, ein klein wenig gezähmt und damit gut Ding bewirkt hat.

  57. #57 MJ
    Januar 13, 2014

    @ Wilhelm Leonhard Schuster

    Ein paar Mal bin ich da ausgestiegen: Was hat Ludwig XIV. genau mit der Franzoesischen Revolution zu tun?

    Egyptische Koenige waren schon vor Echnaton die einzigen Bindeglieder zwischen Disseits und der Goetterwelt. Und den “Monotheismus” Echnatons sollte man nicht ueberstrapazieren – es ist mehr eine extreme Zuspietzung des schon vorher etablierten Henotheismus (siehe das Schlusskapitels von Hornungs “Der Eine und die Vielen”). Das Problem liegt jetzt nicht so sehr darin den Begriff Monotheismus auf den Aton-Kult anzuwenden, sondern in der Versuchung, da religionsgeschichtlich viel reinzuinterpretieren was die “abrahamitischen” Religionen anbelangt. Hat ja eine lange Geschichte, das Thema – ist aber wie so oft weniger in Bezug auf Aegypten als auf moderne europaeische Kulturgeschichte interessant.

    Oder, lassen Sie mich aus Labourys “Akhénaton” zitieren, der selbst Youri Volokhine zum Thema zitiert (Uebersetzung folgt immer, Fehler meine, weil ich abtippe):

    “Que l’on veuille esquiver le problème, en insistant sur le fait qu’Akhénaton n’est pas, à proprement parler, un “monothéiste”, ou qu’au contraire on désire le présenter comme tel, allant parfois jusqu’à se demander quels pourraient être les liens de filiation entre l’Atonisme et le mono-yahwisme des Hébreux, l’une comme l’autre option revient à définir et sourtout à s’interroger sur ce que l’on croit être le “monothéisme”.”

    “Ob man das Problem nun umgehen will, indem man darauf besteht, dass Echnaton kein Monotheist im eigentlichen Sinne ist, oder indem man im Gegenteil wuenscht ihn als solchen darzustellen – wobei man bisweilen so weit geht sich zu fragen, welche die Beziehungen zwischen dem Atonismus und des Mono-Jahwismus der Hebraeer sind – die eine wie die andere Option laeuft darauf hinaus sich zu fragen, was man unter dem “Monotheismus” versteht.”

    Normalerweise werden recht eindeutig erscheinende Hinweise fuer den Monotheismus Echnatons angefuehrt: etwa die Tatsache, dass der die Mehrzahl des Wortes “Gott” (nṯr – in Hieroglyphen waere der Plural drei Flaggenmaeste, die Echnaton in Inschriften auf einen reduzieren liess, fuer Beispiele siehe Hornung) austilgen hat lassen. Oder das der Aton-Hymnus deutlich auf “den einen” Gott anspielt. Aber Laboury weist u.a. darauf hin, dass schon frueher Goetter als “der einzige” angesprochen wurde – insbesondere Amun-Re, also genau der synkretische Gott, von dem sich der Atonismus abgewandt hat. Wie Laboury ausfuehrt:

    “En effet, dans une étude consacrée à ce type de formules [des expressions qui mettent en avant l’unicité du dieu Aton], Michel Malaise a pu montrer que celles-ci s’appliquent aussi à d’autres dieux et déesses de l’Egypte ancienne (…) par-delà les limites chronologiques du règne d’Amenhotep IV – Akhénaton, visant clairement à mettre en évidence le caractère unique d’une divinité démiurgique, plutôt que l’idée d’un dieu qui serait véritablement le seul à exister, en l’absence de tous les autres. Ce genre d’expressions, écrit M. Malaise, « revendique une unicité qui est celle du dieu créateur, avant qu’il ne “se transforme en millions”, à travers un processus de diversification qui est à l’origine du monde. (…) Que ces épiclèses n’aient rien à voir avec le monothéisme, c’est ce que confirme plusieurs documents où il est précisé qu’une divinité jouit de ces privilèges “parmi les dieux” ». C’est donc plus la primauté, chronologique et créatrice, que l’unicité exclusive de la divinité qui est ainsi mise en valeur dans le système de références des anciens Egyptiens.”

    “Tatsachlich hat Michel Malaise in einer Studie zu dieser Art Formeln zeigen koennen, dass diese ebenso auf andere Goetter und Goettinen des alten Aegyptens abseits der chronologischen Grenzen der Regentschaft Echnatons – Amenophis IV angewandt werden, und dabei klar den einzigartigen Charakter ener Schoepfergottheit unterstreichen, eher als die Idee eines Gottes der wahrhaftig der einzig existierende waere, in Absenz aller anderen. Diese Art von Ausdruecken, schreibt, M. Malaise, «beansprucht eine Einzigartigkeit die diejenige des Schoepfergottes ist, bevor er ist “in Millionen transformiert”, mittles einer Diversifikationsprozesses der am Anfang der Welt steht. Das diese Attribute nichts mit Monotheismus zu tun haben ist genau was mehrere Dokumente bekraeftigen, in denen ausgefuehrt wird, dass eine eine Gottheit Privilegien “unter den Goettern” geniesst.” » Es ist daher eher die Vorangstellung, chronologisch und schoepferisch, als die exklusive Einzigartigkeit der Gottheit die so im Bezugssystem der alten Aegypter herausgestellt wird.”

    Die aegyptische Schoepfungsmythologie, auf die hier angespielt wird, kennt einige Versionen (war ja eine lange Geschichte), eine davon ist die Memphitische Theologie, wie sie im Shabaka-Stein dargestellt ist. Eine Ueberseztung ist hier:

    http://www.reshafim.org.il/ad/egypt/texts/shabaka_stone.htm

    Weiters weist Laboury darauf hin, dass Echnaton selbst zumindest in den Anfaengen des Aton-Kultes explizite Anspielungen auf andere Goetter und Goettinnen zugelassen hat. Dann zitiert er Jan Assmann ueber den “Grossen” Aton-Hymnus:

    “non seulement la lumière, mais aussi le temps, sont à comprendre comme des manifestations de l’énergie solaire. Avec cette découverte, tout peut être expliqué comme des produits, des “émanations”, des “manifestations” du soleil. Dans ce système, la significations du concept d’unicité n’est pas théologique, mais bien physique : unique est la source de l’existence cosmique. Il n’y a pas d’autre source en dehors de cet unique, et tout peut être réduit ou relié à lui.”

    “nicht nur das Licht, sondern auch die Zeit, sind als Manifestationen der Sonnenenergie zu verstehen. Mit dieser Erkenntnis kann alles als Produkte, als “Emanationen”, als “Manifestationen” der Sonne erklaert werden. In diesem System ist die Bedeutung des Konzepts von Einzigartigkeit nicht theologisch, sondern vielmehr physisch: einzigartig ist die Quelle der kosmischen Existenz. Es gibt keine andere Quelle ausserhalb dieses Einzigartigen, und alles kann darauf reduziert oder zurueckgefuehrt werden.”

    Wie Laboury im Anhang anmerkt, besteht Assmann darauf, dass dies keine neue Erkenntnis ueber den aegyptische Pantheon ist (fuer eine deutsche Quelle zu dem Thema, wie gesagt, siehe etwa Hornungs Einfuehrung). Aber dennoch, Echnaton ist mit der Zeit immer intoleranter geworden, was sich unter anderem darin zeigt, dass – wo vorhanden – andere Goetter nicht mehr ikonographisch, sondern phonetisch geschrieben werden. So etwa der synkretische Gott Re-Harachte als Sonnenscheibe (fuer Ra, als einziger toleriert, weil eine Manifestation des Aton) gefolgt von “ḥr” (=Horus, der sich in Harachte versteckt), gefolgt von “ȝḫ.tj” (-achte). Warum? Weil:

    “En d’autres termes, le nom de l’ancestrale divinité céleste et royale Horus a été transcrit phonétiquement, afin d’éviter de reproduire son hiéroglyphe, support potentiel d’incarnation de la divinité dans la pensée égyptienne.”

    “Anders gesagt, der Name der althergebrachten himmlischen und koeniglichen Gottheit Horus wurde phonetisch transkribiert, um die Reproduktion seiner Hieroglyphe [Anm.: auch phonetische Zeichen sind im Alten Aegypten Hieroglyphen, der Autor mein vermutlich eine logographische Hieroglyphe] zu vermeiden, eine potentielle Stuetze zur Iknarnation der Gottheit im egyptischen Denken.”

    Und damit, letztendlich, kommen wir bei der Bedeutung von Echnatons Monotheismus an:

    “Ce rejet, presque viscéral, de toutes les autres déités auquel finit par aboutir l’Atonisme justifie donc que l’on qualifie ce dernier de monothéisme, au sens où nous avons défini ce terme plus haut, c’est-à-dire comme une pensée religieuse qui n’admet qu’un seul et unique dieu.”

    “Diese sehr tiefgreifende Zurueckweisung alle anderen Gottheiten, zu der der Atonismus schliesslich fuehrt, rechtfertigt also, dass man diesen als als Monotheismus qualifiziert, in dem Sinne, den wir weiter oben definiert haben, d.h. als religioeses Denken, das nur den einen und einzigartigen Gott zulaesst.”

    Der Aton ist also ein Resultat der Sonnen-Theologie, wie sie schon lange vorhanden war – und trotz des scheinbaren Gegensatzes zum Kult des Amun-Ra Amenhoteps III. eine logische Weiterfuehrung desselben:

    “En conclusion, resitué dans son véritable contexte historique, le dieu Aton apparaît comme un pur produit de la nouvelle théologie solaire, dans la mesure où tous les concepts qui servent à en définir la personnalité théologique, en tant que divinité souveraine et universelle, source de toute forme de vie, sont déjà attestés dans les manifestations de ce mouvement intellectuel, rationaliste, qui anime la réflexion religieuse sous Amenhotep III, autour de la figure omnipotente d’Amon-Rê. Mais, tout aussi clairement, c’est en alternative à ce dernier, le dieu traditionel de la royauté légitime depuis plus d’un demi-millénaire, que le souverain érige sa nouvelle divinité de prédilection. En cela, l’Atonisme se révèle être une récupération politiquement motivée des tendances de la religion pharaonique durant la seconde moitié de la 18e dynastie.”

    “Abschliessend gesagt erscheint der Gott Aton, in seinen wahren historischen Kontext versetzt, als ein reines Produkt der neuen Sonnen-Theologie, insofern, als dass alle Konzepte, die zur Definition der theologischen Persoenlichkeit als souveraene und universelle Gottheit und Quelle aller Lebenformen dienen, bereits in den Manifestationen der intellektuellen, rationalistischen Bewegung zu bezeugen sind, die die religioesen Ueberlegungen Amenhotep III um die allmaechtige Gestalt des Amun-Ra animieren. Aber ebenso deutlich ist es als Alternative zu diesem, dem traditionellen Gott des legitimen Koenigtums seit mehr als einem halben Jahrtausend, dass der Souveraen seine neue bevorzugte Gottheit aufstellt. In dieser Hinsicht stellt sich der Atonismus als politisch motivierte Vereinnahmung der Tendenzen der pharaonischen Religion der zweiten Haelfte der 18. Dynastie dar.”

    Und zuletzt ein gewichtiger Unterschied zu den abrahamitschen Religionen:

    “Et, en définitive, en isntaurant un tel système théocratique (…), le royal zélateur d’Aton, plutôt que de fonder une nouvelle religion, semble avoir été « le premier à trouver une voie qui mène en dehors de la religion », ainsi que le formule Jan Assmann, puisque l’Atonisme réduit la divinité à une sorte de principe de la nature, avec lequel il est impossible de communiquer et d’interagir, sauf pour Pharaon. Comme le suggère J. Assmann et James P. Allen, si la pensée atoniste avait survécu plus longtemps, on peut imaginer qu’elle aurait plutôt engendré un Thalès de Minet qu’un Moïse.”

    “Und, schlussendlich, indem er ein solches theokratisches System installiert hat, erscheint der koenigliche Eiferer des Aton eher als “der erste, der einen Weg findet, der aus der Religion herausfuehrt” wie es Jan Assmann formuliert, weniger als der Gruender einer neuen Religion, weil der Atonismus die Gottheit auf eine Art Naturprinzip reduziert, mit dem es unmoeglich ist zu kommunizieren und zu interagieren, ausser fuer Pharaoh. Wie J. Assmann und James P. Allen vorschlagen, haette das atonistische Denken laenger ueberlebt, man kann sich vorstellen, dass es eher einen Thales von Milet als einen Moses nach sich gezogen haette.”

    Die Episode zeigt mE die diachronische Seite dessen, was der Blogpost als synkronisches Problem identifiziert hat: wo heute Afrika aus europaeischer Sicht als ein kleiner einheitlicher Kontinent erscheint, da wird auch seine Geschichte europaeisch gelesen. Der Atonismus als erster Monotheismus, der vor allem deswegen Interesse weckt, weil man in durch die Brille der abrahamitischen Monotheismen sieht – zusammen mit einem (auch im akademischen Bereich) nur langsamen Durchsickern dass man ihn aus sich heraus verstehen muss.

    Donnerwetter, ich geb’ mir ganz schoen viel Mueher dafuer, dass wir hier nur Bloedsinn schreiben.

    Mehr ueber Nofretete – Disco-Queen! Machen Sie sich nur nichts vor! – wenn mir was einfaellt.

  58. #58 Wilhelm Leonhard Schuster
    Januar 13, 2014

    Anmerkung ,nur Zwischendurch,der absolute
    ” Sonnenkönig ”
    Ludwig, hat in meinen Augen die Franz. Revolution vorbereitet-
    (Der Staat bin ICH- irgendwie gehts doch nicht dümmer.)
    Und dann der angebliche Ausspruch der späteren
    Antoinette:”Sie” haben kein Brot ?Dann sollen SIE doch Kuchen essen!…Ist doch nur bezogen auf den früheren
    14 ten Ludwig erklärbar und möglich.
    Ich Danke für Ihre Ausführungen .Ich bin, “da ” gegen nur ein naiver Betrachter, meine aber, daß wir die Echnaton Sache ähnlich sehen.
    Es liegt in der Natur der Sache, daß Echnaton bei zunehmendem Widerstand gegen seine Aton Bevorzugung
    dem “Sonnenkönig” absolutistisch eins drauf setzte und wahrscheinlich unleidlich geworden ist.
    Es ist doch bekannt, daß die Priesterschaft überall ihre alten Dogmen und Glaubenssätze zäh zu verteidigen weiß.
    Theben,Jerusalem, Mekka oder Rom ist allerorten und
    schwer, wie Wittenberg zeigt, nur mit tragischen Folgen ,
    irgend änderbar.
    Modernes Beispiel ist Stalin:
    “Wie viele Divisionen hat der Papst?!”
    Was die Madonna anlangt – ich kannte die aus Amerika gar nicht, sondern dachte an eine” Schräge Nudel ” aus Deutschland, deren Name mir im Moment gar nicht einfällt.
    Ich meine, die kam aus der DDR.
    Ich erwarte mit Spannung den Bericht über Madonna, die ich zwischenzeitlich ergoogelt habe.

  59. #59 Wilhelm Leonhard Schuster
    Januar 13, 2014

    Mein Fehler:Nina Hagen hatte sich mir als “Madonna” eingeprägt. Dieses zur Klarstellung.
    (Die hat übrigens auch 2 Kinder- Wie man sich täuschen kann!)

  60. #60 MJ
    Januar 27, 2014

    Wenn man sich mit den fruehen Hochkulturen so sehr identifiziert, dass man sie glatt zur Grundlage des modernen Westens erklaert, dann wird man auch recht empfindlich, wenn die Hochkulturen nicht dem Idealbild entsprechen.

    Stellt Mary Horbury* zur Schaetzung, dass die Alphabetisierungsrate im Alten Aegypten wohl kaum mehr als nur 1 % betragen hat, folgendes fest (Fehler meine):

    “Some Egyptologists have taken such low estimates of literacy as an insult to the culture they study. It is worth quoting one of the objections in full, as it demonstrates how deep the ‘civilization competition’ runs in academic waters:’This guess at a literacy rate is misleading at best and at worst appears as an unnecessary and uncalled for patronizing attempt to denigrate the substantial achievement of one of history’s greatest civilizations and for that matter to impugn the importance that most civilized people attributed to literacy.’ Obviously such statements are far more about the person making them than about the subject being studied.”

    Die von Horbury zitierte Passage stammt von Leonard Lesko aus dem Jahre 1990! Ich schaetze nichtsdestotrotz, solcherlei feuchte Traeume von Akademikern darueber, was “Zivilisation” bedeutet, sind ein Fortschritt gegenueber der Unfaehigkeit von noch aelteren Akademikern sich vorzustellen “degenerierte Neger” waeren unter den Eliten einer solchen gewesen.

    aus “Personal Identity and Social Power in New Kingdom and Coptic Egypt,” BAR International Series 2031 (2009)

  61. […] Eintrag Afrika ist ein grosses Land von letztem September hat ein erstaunlich langes Leben. Der vorläufig letzte Kommentar wurde dort […]

  62. #62 MJ
    Juni 17, 2014

    Eine Flusgesellschaft verwecheslt Ghana mit Kenia (so inetwa), korrigiert UND entschuldigt sich:

    http://news.delta.com/index.php?s=20295&item=124511

    Das ist ja, als ob das zwei verschiedene Laender waeren!

    Hier das urspruengliche Photo, das Ghana illustrieren sollte:

    http://www.gettyimages.fr/detail/photo/giraffe-silhoette-image-libre-de-droits/157695070

    Und hier das Verbreitungsgebiet von Giraffen:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Giraffe#mediaviewer/Datei:Giraffa_camelopardalis_subspecies_map_new.png