Letzte Woche habe ich von der Mission der NASA-Raumsonde OSIRIS-REx erzählt. Sie ist auf dem Asteroid Bennu gelandet. Bzw. nicht wirklich “gelandet”. Es war ein “Touch and Go”-Manöver: Die Sonde ist extrem knapp an die Oberfläche des Asteroiden heran geflogen, hat einen ausschwenkbaren Arm ausgeschwenkt (was sonst…) und diesen kurz auf den Boden dort aufgesetzt. Danach hat die Sonde Stickstoffgas ausgestoßen um möglichst viel Material von der Oberfläche aufzuwirbeln das dann in einem speziellen Behälter eingesammelt wird. Danach hat sich die Sonde wieder vom Asteroid entfernt. Das war der Plan und der hat wunderbar funktioniert. Ein klein wenig zu wunderbar sogar vielleicht.

Wer den Live-Stream der NASA zum Manöver verpasst hat, kann das hier nachschauen:

Darin sind aber noch keine Bilder vom relevanten Moment selbst zu sehen. Die wurden erst später zur Erde geschickt. Und sehen tatsächlich sehr spektakulär aus:

Die Oberfläche kommt immer näher, dann kommt der Moment in dem der Arm aufsetzt (mit einer Geschwindigkeit von 10 Zentimeter pro Sekunde) und danach wird alles ein wenig chaotisch. Dass ist das Gas, das den Staub und die Steinchen der Oberfläche aufwirbelt.

In dieser Animation ist der Moment des Aufsetzens noch einmal im Detail zu beobachten:

Es hat ein wenig gedauert, bis sich der Aufruhr den OSIRIS-REx verursacht hat wieder gelegt hat. So sah es aus, als die Sonde sich wieder entfernt hat (übrigens mit 40 Zentimeter pro Sekunde):

Wie viel Material vom Asteroid man aufgesammelt hat, wusste man zu dem Zeitpunkt noch nicht. Auch das konnte erst später geprüft werden. Geplant war eine Menge von 60 Gramm. Das dürfte man geschafft haben – man hat sogar so viel Zeug eingesammelt, dass der Probenbehälter nicht ganz so gut schließt. Die folgende Serie von Bildern wurde am 22. Oktober 2020 gemacht:

Man sieht darin TAGSAM, den “Touch-and-Go Sample Acquisition Mechanism”. Man erkennt darin, dass da tatsächlich Staub und Steinchen drin sind. Und sieht, dass Material aus dem Mechanismus entkommt. Die Polyester-Klappe die eigentlich dicht geschlossen sein sollte, wird ein wenig von größeren Brocken aufgedrückt (man erkennt eine entsprechende Wölbung auf circa 9 Uhr in der Mitte des Bildes). Man muss das Material also so schnell wie möglich sicher im Inneren der Raumsonde verstauen bevor noch mehr ins All hinaus fliegt.

Die Mission von OSIRIS-REx hat einen wichtigen Punkt auf ihrer Liste abgehakt. Aber sie geht natürlich noch weiter. Sollte man wieder Erwarten doch noch zu viel Material verlieren, kann ein zweites Sammelmanöver versucht werden. Ansonsten wird die Sonde den Asteroid im März 2021 verlassen und sich auf den Weg zur Erde dort machen. Dort wird sie am 24. September 2023 ankommen und das Material, das hoffentlich mittlerweile sicher in einer Kapsel verstaut ist, abwerfen. Und dann haben wir endlich eine relevante Menge an Material eines echten Asteroiden, direkt aus dem Weltraum! Dann wird die eigentliche Forschung erst los gehen. Und wir werden Dinge über die Vergangenheit unseres Sonnensystems erfahren, die mindestens so spannend sind wie es dieses Manöver war!

Kommentare (4)

  1. #1 rolak
    26. Oktober 2020

    der Probenbehälter nicht ganz so gut.

    ‘schließt’ oä, nehme ich an?

    ran mit 10 – weg mit 40

    Bisher war meine Vorstellung vom Geschehen mehr so ein ‘beim Überhol(t werd)en auf die Schulter klopfen’. Das passt dazu aber nicht mehr – und der KrümelPuster kann doch nicht die Tonne Leergewicht plus RestTreibstoff derart beschleunigt haben. Was für einen blöden Denkfehler habe ich mir geleistet?

  2. #2 nuvak
    26. Oktober 2020

    @rolak:

    Die Sonde hat sich schlicht etwas Schub gegeben um aus dem Gefahrenbereich zu kommen.

    “Preliminary data show the one-foot-wide (0.3-meter-wide) sampling head touched Bennu’s surface for approximately 6 seconds, after which the spacecraft performed a back-away burn.”

  3. #3 rolak
    26. Oktober 2020

    a back-away burn

    Schönen Dank fürs Finden&Berichten, nuvak – also mehr so ein hit&hurry. Dann dürfte mein Denkfehler darin gelegen haben, die TempoAngaben an den Rändern eines deutlich zu kleinen Zeitintervalls [vor..nach] dem hit zu verorten.

  4. #4 Stephan
    28. Oktober 2020

    Grandiose Leistung, bin hin und weg .