Der nächtliche Winterhimmel ist immer einen Blick wert. Vor allem weil die Nacht viel länger dauert und tendenziell dunkler ist als Sommer – da kann man jede Menge schöne Sterne sehen (sofern das Wetter passt). Aber in diesem Dezember lohnt sich ein Blick noch viel mehr. Denn die beiden Planeten Jupiter und Saturn ziehen eine Show ab, die man in der Form so schnell nicht wieder zu sehen bekommt.

Am 21. Dezember 2020 wird eine sogenannte große Konjunktion stattfinden. Was das ist habe ich hier schon sehr ausführlich erklärt. Die kurze Version: Von der Erde aus gesehen scheint es uns so, als würden Jupiter und Saturn am Himmel direkt nebeneinander stehen. So etwas passiert alle 20 Jahre einmal – aber der Anblick der beiden Planeten am Himmel ist nicht immer identisch.

Es ist nicht exakt definiert, was eine “Konjunktion” genau ist. Es kann sein, dass Jupiter und Saturn einander zwar nahe sind, aber zwischen ihnen zB noch locker für einen Vollmond Platz wäre. Sie können auch noch weiter auseinanderstehen. Oder einander viel näher sein. Man darf ja nicht vergessen, dass die Planeten sich nicht wirklich nahe kommen. Zwischen der Bahn von Jupiter und der Bahn von Saturn ist immer ein Abstand von fast 650 Millionen Kilometern. Es geht um die scheinbare Nähe und die hängt von der Geschwindigkeit der beiden Planeten ab (und auch der Position der Erde). Der sonnennähere Jupiter ist schneller als der entferntere Saturn weswegen der auch immer wieder vom Jupiter auf der Innenbahn überholt wird. Wenn dann auch noch die Erde richtig steht, sieht es so aus, als wären die beiden ganz nahe beieinander. Aber da die Umlaufbahnen keine Kreise sind, die Geschwindigkeiten nicht konstant, und so weiter, sind die Begegnungen unterschiedlich nahe. Vor 20 Jahren, als am 28. Mai 2000 die letzte Konjunktion stattgefunden hat, hätten am Himmel zwischen die beiden Planeten noch zwei Vollmonde gepasst. Am 21. Dezember 2020 ist es aber anders!

Um 19.21 MEZ werden nur noch 6 Bogenminuten zwischen Jupiter und Saturn passen. Anders gesagt: Stellt euch eine 1-Cent-Münze in 10 Meter Entfernung vor. Die Distanz am Himmel zwischen Jupiter und Saturn ist nur ein kleines bisschen größer als euch der Durchmesser der Münze auf diese Distanz erscheint. Nochmal anders gesagt: Wenn ihr ohne optische Hilfsmittel wie Teleskop oder Fernglas zum Himmel schaut und nicht extrem gute Auge habt, dann werdet ihr anstatt zwei heller Punkte nur noch einen hellen Punkt sehen. Jupiter und Saturn sind ja sehr helle Objekte und ihr Strahlen macht es bei dieser geringen Distanz fast unmöglich zu erkennen, dass sie zwei unterschiedliche Objekte sind.

Das muss man natürlich nicht exakt um 19.21 am 21.12.2020 beobachten. Die Planeten tauchen nicht aus dem Nichts auf und sausen danach nicht gleich wieder davon. Sind stehen auch in den Wochen davor schon nahe am Himmel und werden das auch danach noch tun. Aber ihren geringsten scheinbaren Abstand erreichen sie eben am 21.12.2020. Und wenn ihr beobachtet, dann müsst ihr am abendlichen Himmel Richtung Südwesten schauen – Jupiter und Saturn sind aber so eindrucksvolle Objekte, die kann man kaum übersehen. So oder so: Schaut auf jeden Fall Ende Dezember zum Himmel! Die nächste große Konjunktion gibt es erst wieder 2040 und dann wird wieder viel Platz zwischen den Planeten sein. 2060 wird es auch nicht besser; erst am 18. September 2080 werden sie einander wieder so nahe sein wie in diesem Jahr.

Bleibt noch ein Thema zu erklären: In vielen Medien kann man derzeit lesen, dass wir das, was wir jetzt im Dezember am Himmel sehen können auch genau das gleiche Phänomen ist, dass vor ein bisschen mehr als 2000 Jahren als “Stern von Bethlehem” berühmt geworden ist. Selbst Leute die es besser wissen sollten behaupten das und die etwas fundamentaleren Christen greifen solche Vorlagen aus der Wissenschaft dann gerne auf um die “Wahrheit” der Bibel zu beteuern. Ich habe mich hier im Blog ja schon oft mit diesem biblischen Himmelsphänomen beschäftigt. Wer möchte kann das hier nachlesen. Die Kurzversion lautet auf jeden Fall: Es gibt keinen historisch belastbaren Grund davon auszugehen, dass der Stern von Bethlehem ein reales Phänomen war. Ja, im Jahr 7 v. Christus gab es genau so eine enge Konjunktion zwischen Jupiter und Saturn wie in diesem Jahr. Ja, die kann man astrologisch (astrologisch! nicht astronomisch!) als “Geburt eines Königs in Palästina” deuten. Aber astrologische Deutungen sind keine Wissenschaft. Und die Bibel ist keine wissenschaftliche Publikation. Wenn der Stern von Bethlehem ein reales Phänomen war, dann sollte man auch irgendwo anders als in nur einem (von insgesamt vier) Evangelien der Bibel etwas davon lesen. Tut man aber nicht. Was historisch dagegen durchaus belegt ist, ist die Verwendung von himmlischen Symbolen um die Göttlichkeit bestimmter Personen zu demonstrieren. Es ist daher sehr viel wahrscheinlicher, dass der Stern von Bethlehem einfach nur ein später hinzugefügtes “Statussymbol” für Jesus ist, damit es das junge Christentum einfacher hat sich als Religion zu etablieren.

Aber die Interpretation irgendwelcher Bibelstellen sollte niemanden davon abhalten, den Anblick der großen Konjunktion am vorweihnachtlichen Himmel zu genießen! Ob Stern von Bethlehem oder nicht: Es wird ein beeindruckendes Schauspiel sein.

Kommentare (8)

  1. #1 schorsch
    2. Dezember 2020

    Mein Stellarium sagt mir, dass Jupiter und Saturn am 21.12. von Süddeutschland aus bereits vor 19:00 unter dem Horizont verschwinden werden. Wer von der Konjunktion etwas sehen will, muss also früh aufstehen und hoch hinaus. Und einen Standort mit möglichst wenig Lichtverschmutzung nach Südwesten wählen.

  2. #2 Robert aus Wien
    2. Dezember 2020

    Da trifft es sich ja gut, daß ich erst unlängst eine Aufnahme der Planeten von Gustav Holst auf CD bekommen habe. Die kann man sich dann bei der Beobachung gleich anhören. 🙂

    Übrigens hat Holst die in den Jahren 1914 bis 1916 geschrieben. Da war Pluto noch nicht entdeckt, die Suite behandelt daher nur 7 Planeten (ohne die Erde nämlich). Und was Holst auch nicht vorhersehen konnte: Nachdem Pluto zu einem Zwergplaneten degradiert wurde, stimmt’s jetzt wieder! (Holst ist übrigens 1934 gestorben, hat bei der Entdeckung vom Pluto im Jahr 1930 also noch gelebt.)

  3. #3 Herbert
    Linz
    3. Dezember 2020

    “Es ist nicht exakt definiert, was eine “Konjunktion” genau ist”.

    Meinem Verständnis nach ist eine Konjunktion so definiert, dass zum Zeitpunkt derselben zwei Gestirne die gleiche Länge in gewählten Koordinatensystem haben. (Im äquatorialen Koordinatensystem also die selbe Rektaszension, im ekliptikalen die gleiche ekliptikale Länge). Aber das sagt natürlich wenig darüber aus, wie nahe sich die beiden Gestirne am Himmel kommen.

  4. #4 Harald
    3. Dezember 2020

    Ich vermute mal, dass die Konjunktion nicht “gut” genug ist, um irgendwo auf der Erde eine Saturnbedeckung zu verursachen? Kann jemand ausrechnen, wie nahe diese Bedeckung an die Erde heranreicht?

  5. #5 Stephan
    6. Dezember 2020

    Die letzte “Große” Konjunktion der Art wie in diesem Jashr gab es 1623und wurde von Galileo Galilei in seinem Fernglas beobachtet.

  6. #6 HPK
    Oberbayern
    13. Dezember 2020

    Wird bei der Großen Konjunktion das Licht des Saturns durch die Gravitation des Jupiters messbar abgelenkt? Die Betonung liegt auf messbar. Natürlich beugen Schwarze Löcher oder Quasare, wie durch die Relativitätstheorie vorausgesagt, das Licht von dahinter liegenden Objekten; im Idealfall bis zu einem Einsteinring. Aber ist am 21. Dezember 2020 tatsächlich eine meßbare Verschiebung des Saturns zu sehen?

  7. #7 Guido
    17. Dezember 2020

    @Harald: Nein, eine Bedeckung von Saturn wird es nicht geben. Mit optischen Hilfsmitteln kann man die beiden jederzeit trennen. Auch wird kein großer Mond Saturn bedecken, soweit ich weiß. Interessant, aber leider sehr tief am Horizont: Am 21.12. ca. 18:32(Ruhrgebiet) fliegt noch ein recht heller Satellit vor beiden Planeten her.

  8. #8 Helmut-wk
    19. Dezember 2020

    Der Hinweis, dass das nicht der Stern zu Bethlehem sei, ist ein wenig irreführend – siehe meinen Kommentar in dem dazu verlinkten Beitrag.

    Die Angaben bei Matthäus sind so knapp, dass sich daraus nicht ableiten lässt, worum es sich bei diesem “Stern” gehandelt hat. Die antiken Quellen enthalten verschiedene “Kandidaten”, die im damaligen Sprachgebrauch als “Stern” bezeichnet wurden (nicht unbedingt von Fachastronomen/-astrologen, aber eben von Laien wie Matthäus), und die große Konjunktion ist einer dieser Kandidaten, für den mehr spricht als für andere.