Der erste Artikel den ich vor fast genau 13 Jahren in diesem Blog geschrieben habe, handelt vom Asteroid Apophis. Der ungefähr 350 Meter große Felsbrocken wurde 2004 entdeckt und zu dem Zeitpunkt sah es so aus, als könnte er eventuell mit der Erde kollidieren. Die Wahrscheinlichkeit für so einen Zusammenstoß wurde anhand der ersten Bahndaten auf circa 2,7 Prozent berechnet, was zwar wenig ist, aber immer noch mehr als man bisher bei irgendeinem Asteroid gefunden hatte. Mit genaueren Beobachtungen konnte die Bahn genauer bestimmt werden und die Kollisionswahrscheinlichkeit sank. 2005 wusste man dann, dass er im April 2029 definitiv die Erde verfehlen würde. Auch nahe Begegnungen in den Jahren 2036 und 2051 stellen keine Gefahr dar. Offen war dagegen noch, was im Jahr 2068 passieren würde. Trotz aller Beobachtungen und Daten bestand immer noch eine Chance von 1 zu 380.000, dass Apophis am 12. April 2068 auf die Erde treffen würde.

Das ist keine große Chance und nichts, worüber man sich akut Sorgen machen muss. Aber natürlich will man sowas möglichst genau wissen. Zum Glück kommt der Asteroid immer wieder mal in der Nähe der Erde vorbei; das letzte Mal war das am 6. März 2021 der Fall. Der Abstand betrug damals circa 17 Millionen Kilometer – was definitiv ein mehr als ausreichender Sicherheitsabstand ist. Aber noch nah genug, um Apophis mit Radarteleskopen von der Erde aus anzuvisisieren. So etwas ist praktisch: Man schickt Radarstrahlen ins All, lässt sie am Asteroid reflektieren und fängt sie dann wieder mit dem Teleskop auf der Erde auf. So kann man den Abstand zu Apophis enorm exakt bestimmen und damit auch seine Bahn sehr genau berechnen.

Radarbilder von Apophis (Bild: NASA/JPL-Caltech and NSF/AUI/GBO)

Mit den Beobachtungen von Anfang März weiß man nun genug über die Umlaufbahn des Asteroiden, um definitiv ausschließen zu können, dass er uns in diesem Jahrhundert treffen wird. Wir können uns also entspannt zurück lehnen, und auf den 13. April 2029 warten. Dann wird Apophis in einem Abstand von weniger als 35.000 Kilometer an der Erde vorbei fliegen. Er wird damit der erste (soweit wir wissen) Asteroid sein, den man auch mit freiem Auge am Himmel sehen kann. Kurz zumindest, denn so ein Vorbeiflug dauert nicht lange. Auf jeden Fall wird es ein einmaliges astronomisches Ereignis sein, dem wir uns jetzt ohne Angst vor seiner Wiederkehr widmen können. Denn bis zu den aktuellen Beobachtungen bestand immer noch die Möglichkeit, dass die Gravitationskraft der Erde beim Vorbeiflug im April 2029 den Asteroid gerade so ablenkt, dass er 2069 mit uns kollidiert. Nun können wir uns sicher sein, dass das nicht passiert!

Ich bin ja gespannt, was in acht Jahren sein wird. Das wäre ich natürlich auch so gewesen; wer weiß schon, wie die Welt in acht Jahren aussehen wird. Aber ich bin vor allem auch gespannt, ob ich dann immer noch ein Blog schreibe und meine lange Serie an Artikeln über Apophis weiterführen kann. Oder ob ich dann irgendwas komplett anderes mache… Mal schauen.

Kommentare (8)

  1. #1 Sebastian
    29. März 2021

    Weiß man schon, ob irgendwelche Missionen geplant sind? So ein Vorbeiflug eignet sich doch hervorragend um ihm einen Besuch abzustatten und vielleicht sogar, was ich total cool fände, einen Rover auf ihm abzusetzen.

  2. #2 Robert Hinesley
    Schaftlach
    29. März 2021

    Verführerische Idee, aber ich kann mir nicht vorstellen dass bei einem Vorbeiflug mit, sagen wir astronomischer Geschwindigkeit, eine Landung möglich ist. Vielleicht per Swing By am Mond wie in Armageddon?

  3. #3 Panos
    München
    30. März 2021

    Megacool. 😀 Ich werde es auf jeden Fall mitbekommen. 😉

  4. #4 Panos
    München
    30. März 2021

    Megacool.

  5. […] Der Asteroid Apophis ist in diesem Jahrhundert keine Gefahr mehr für uns! […]

  6. #6 NikRkanon
    Schweden
    31. März 2021

    Hi, in dem Artikel hier, weckte das Radarbild von Apophis meine Interesse: Ich habe versucht in dem Blog hier einen Artikel zu finden das etwas mehr zum Technik der “Radarbilder von Apophis” erklärt – vielleicht weiss einer?
    Auf der Suche nach einem Vergleich, fand ich eine externe Artikel aus dem Jahr 2013 (Die Welt, Link), da wird die “Schärfe” mit 0,02 Bogensekunde angegeben, vergleichbar mit Abstand “einer Münze aus hunderte Kilometern”. Äquivalent mit Apophis als Münze wäre der Abstand ca 1000km. Also diese Radarbild oben von “Apophis” eigentlich ein Meisterleistung…

  7. #8 NikRkanon
    Schweden
    1. April 2021

    Hi, Florian!
    Danke sehr fur den Hinweis. Toller und lesenswerter Artikel mit Erklärung wie Radarbilder entstehen.