Heute, am 12. Mai 2022, wird um 15 Uhr MESZ eine Pressekonferenz der Europäischen Südsternwarte stattfinden. Dort wird der Welt der erste Blick auf das schwarze Loch im Zentrum der Milchstraße vorgestellt werden. Ok, ich schreibe diesen Artikel am 11. Mai (morgen bin ich den ganzen Tag unterwegs) und man kann nicht völlig ausschließen dass es vielleich doch um etwas anderes geht. Aber wenn wir ehrlich sind: Was um Himmels Willen soll denn sonst passieren, wenn die Forscherinnen und Forscher des Event Horizon Telescope (EHT) über “bahnbrechende Forschung” reden wollen, die unsere Milchstraße betrifft? Das EHT ist exakt dazu da, um schwarze Löcher zu beobachten. Es hat vor drei Jahren das erste Bild eines schwarzen Lochs überhaupt gemacht. Wir wissen, dass es seit Jahren daran arbeitet, auch das schwarze Loch im Zentrum der Milchstraße abzubilden. Ich traue mich also mit einiger Sicherheit zu behaupten, dass heute der Tag ist, an dem genau diese Resultate vorgestellt werden (und wenn ich mich irre, dürft ihr mir das gerne den Rest meines Lebens vorhalten).

Was hat man beobachtet?

Wie ich schon vor 5 Jahren geschrieben habe: Das Event Horizon Telescope ist kein Teleskop im herkömmlichen Sinn. Und ein schwarzes Loch ein Objekt, das man quasi per Definition nicht sehen kann. Wenn man vom “Bild eines schwarzen Lochs” schreibt, dann ist das also genaugenommen falsch. Das EHT “sieht” Radiostrahlung. Die wird nicht vom schwarzen Loch selbst ausgesandt, denn schwarze Löcher strahlen nicht (die Hawking-Strahlung – siehe unten – ignorieren wir mal), deswegen heißen sie ja auch “schwarz”. Aber in der Umgebung eines schwarzen Lochs kann es jede Menge Material geben. Gas und Staub, das in einer Scheibe um das Loch herum wirbelt bevor es verschluckt wird. Es wird dabei enorm stark aufgeheizt; es bewegt sich durch das Magnetfeld des Lochs und bei all dem gibt es jede Menge Strahlung ab, unter anderem eben auch im Radiowellenbereich. Die können wir sehen und das EHT kann das besonders gut. Es besteht nämlich nicht aus einem einzelnen Teleskop sondern aus überall auf der Welt verteilten Radioteleskopen. Sie beobachten das schwarze Loch gleichzeitig, aber aus leicht unterschiedlichen Positionen. Und wenn man es richtig anstellt – wie das geht habe ich hier erklärt – kann man so ein Teleskop simulieren, das quasi so groß wie die ganze Erde ist. Das sieht natürlich deutlich besser als ein kleines Gerät und deswegen können wir damit fast bist zum Ereignishorizont schauen. Das ist der Bereich um ein schwarzes Loch, wo die Gravitationskraft so stark ist, dass nichts mehr entkommen kann, auch kein Licht. Also: heißes, strahlendes Material und in der Mitte eine Region, die absolut dunkel ist. DAS ist es, was wir zu sehen erwarten und was wir 2019 auch schon beim schwarzen Loch in der Galaxie M87 gesehen haben.

Aufbau eines schwarzen Lochs (Bild: ESO)

Ansonsten empfehle ich noch die Podcastfolge “Remmidemmi am Ereignishorizont” von WRINT, in der meine Kollegin Ruth Grützbauch genau erklärt, wie das mit dem Bild funktioniert.

Warum war das schwarze Loch in der Milchstraße nicht als erstes an der Reihe?

Es klingt ein wenig komisch. Unsere eigene Galaxie besitzt in ihrem Zentrum ein schwarzes Loch mit der viermillionenfachen Masse der Sonne. Es ist “nur” knapp 26.000 Lichtjahre weit weg. Warum man hat “Sagittarius A*” (so die offizielle Bezeichnung) nicht zuerst beobachtet? Warum haben wir 2019 zuerst ein Bild von M87* bekommen, einem schwarzen Loch, das knapp 54 Millionen Lichtjahre weit weg ist? Das liegt daran, dass dieses schwarze Loch zwar tatsächlich viel weiter weg ist. Aber auch eine sehr viel größere Masse (6,5 Milliarden Sonnenmassen) hat als das in unserer eigenen Galaxie. Die Ausdehnung des Ereignishorizonts hängt von der Masse ab; je mehr desto größer. Am Ende sind das kleine, aber nahe schwarze Loch in der Milchstraße und das ferne, große in der Galaxie M87 circa gleicht gut für das EHT zu beobachten. Das war aber nicht der einzige Grund.

Warum kommt das Bild von Sgr A* so spät?

Eigentlich hat Markus Pössel die Sache schon sehr schön erklärt, da muss ich nicht mehr viel sagen. Aber ich fasse es noch einmal kurz zusammen: Das EHT ist kein Fotoapparat, wo man einfach draufhält und abdrückt. Man sammelt jede Menge Radiodaten, aus denen mühsam und langwierig ein Bild rekonstruiert werden muss. Vereinfacht gesagt: Man weiß, wie ein schwarzes Loch mit bestimmten Eigenschaften und mit einer bestimmten Konfiguration von Material rundherum Radiowellen abstrahlen sollte. Und das vergleicht man mit dem, was man tatsächlich sieht. Daraus wird ein Bild berechnet. Dafür muss man aber auch ausreichend viele Daten sammeln. Und jetzt kommt ein weiteres Mal die Masse/Größe ins Spiel. Je ausgedehnter ein Objekt ist, desto weniger schnell können wir dort Veränderungen wahrnehmen. Selbst wenn dort etwas in “einem Augenblick” passiert, dann macht sich das Licht von unterschiedlichen Enden des Objekts auf den Weg zu uns und die können durchaus weit auseinander liegen. Deswegen kommt ein Teil der Signale früher an und ein Teil später. Der Unterschied ist umso größer, je größer das Objekt ist. Oder anders gesagt: Bei einem großen Objekt “verschmieren” Helligkeitsänderungen. Was blöd klingt, aber eigentlich gut für die Beobachtung ist. Denn wenn sich die Beobachtungsdaten schnell ändern, ist es schwieriger daraus ein Bild zu rekonstruieren. Man muss mehr Daten sammeln und das dauert länger. Und deswegen war es einfacher, zuerst ein Bild vom großen Loch in M87 als von dem kleinen in der Milchstraße.

Das schwarze Loch von M87
(Bild: EHT Collaboration)

Dazu kommt: Seit der ersten Veröffentlichung des ersten Bilds im Jahr 2019 hat die Pandemie alles ein wenig durcheinander gebracht und auch die Arbeit am EHT massiv verzögert.

Aber jetzt ist es endlich so weit. Jetzt hat alles geklappt, alle Daten wurden gesammelt und ausgewertet und wir haben das erste Bild unseres eigenen schwarzen Lochs. Oder den ersten Film. Vermutlich sogar zweiteres, aber das werdet ihr genau wissen, wenn ihr um 15 Uhr die Pressekonferenz anschaut.

Wie schaut es denn jetzt aus?

Das kann ich natürlich noch nicht sagen. Ich weiß zwar, DAS es ein Bild/einen Film geben wird, aber da mir niemand vorab gezeigt hat, was es zu sehen gibt, habe ich keine Ahnung. Vermutlich nicht allzu anders als das schwarze Loch bei M87. Aber vielleicht ja doch? Aber ihr müsst einfach nur hier schauen:

Oder ihr schaut auf den Twitter-Account des EHT. Oder auf eine Nachrichten-Seite eurer Wahl. Es ist damit zu rechnen, dass zur Abwechslung und zumindest für (vermutlich sehr) kurze Zeit die Astronomie wieder einmal Schlagzeilen machen und die Dauerbrenner Krieg und Pandemie verdrängen kann.

Was haben wir neues gelernt?

Keine Ahnung! Jede Menge vermutlich. Aber wie gesagt: Ich schreibe das hier alles bevor die Pressekonferenz stattfindet, weil den ganzen 12. Mai über (leider) beschäftigt bin. Es wird auf den Videokanälen von ESO & Co diverse Info-Veranstaltungen geben, wo all das erklärt werden wird. Aber es wäre höchst überraschend, wenn wir nichts gelernt hätten. Zwei von etwas sind immer besser als eines (zumindest wenn es um die Beobachtung von Himmelskörpern geht). Bei nur einem Ding weiß man nicht, ob man etwas außergewöhnliches vor sich hat oder den Normalfall. Das weiß man bei zwei Dingern natürlich immer noch nicht. Aber wenn man etwas ein zweites Mal geschafft hat, dann stehen die Chancen gut, es auch ein drittes, ein viertes, fünftes, etc Mal zu schaffen. Das war so bei den extrasolaren Planeten, die wir 1995 das erste Mal entdeckt haben und mittlerweile stehen wir bei über 5000 bekannten Exoplaneten und es existiert ein komplettes Forschungsfeld das sich um ihre Erforschung kümmert. Das war so beim ersten Nachweis von Gravitationswellen im Jahr 2016 und mittlerweile können wir Kataloge von den Dingern anlegen. Ich hoffe sehr, dass es mit den schwarzen Löcher nicht anders sein wird. Jetzt sind es zwei Bilder. Wer weiß, wie viele wir in 10 Jahren haben werden? Und je mehr wir sehen; je mehr ECHTE Beobachtungsdaten wir haben, desto besser können wir auch unser theoretisches Verständnis auf diese absurden Objekte abstimmen. Und irgendwann vielleicht verstehen, wie ein schwarzes Loch wirklich funktioniert!

Ich will noch mehr wissen!

Ich werde in den nächsten Tagen (hoffentlich!) die Zeit finden, mir alles in Ruhe anzusehen und ausführlicher davon zu berichten. Bis dahin gibt es jetzt noch ein paar Sachen, die ich früher schon mal zu dem Thema geschrieben habe:

Hier sind ein paar Texte zu diversen Eigenschaften schwarzer Löcher:

Ganz besonders intensiv hat sich natürlich Stephen Hawking mit schwarzen Löchern beschäftigt. Was genau er da gemacht hat, könnt ihr in meiner Serie dazu nachlesen oder auch ausführlicher in meinem Buch zum Thema: “Hawking in der Nussschale: Der Kosmos des großen Physikers”*.

Wer lieber hört als liest, kann sich auch ein paar Folgen meines Sternengeschichten-Podcasts über schwarze Löcher anhören:

Kommentare (29)

  1. #1 rolak
    12. Mai 2022

    unterwegs

    Gute Reise (gehabt zu haben)!

    Und mal generell schönen Dank für die regelmäßigen updates – insbesondere, wenn sie so hübsch pragmatisch formuliert sind wie dieses.

  2. #2 stone1
    12. Mai 2022

    Hey, danke für die Info @FF, das geht sich um 15:00 grad noch aus vor der Party hier am Abend.

    Da darf man ja gespannt sein…ich bins jedenfalls, Daumendrück dass sich das ‘groundbreaking’ in

    Press conference at ESO on groundbreaking Milky Way results from the Event Horizon Telescope Collaboration

    nicht als inhaltsarmes werbeBuzzword rausstellt…

  3. #3 noch'n Flo
    Schoggiland
    12. Mai 2022

    @ Stoney:

    Party hier am Abend

    Wohnungseinweihung?

  4. #4 stone1
    12. Mai 2022

    @noch’n Flo

    Wohnungseinweihung?

    /OT
    Wohnanlageneinweihung, wg. sch… C erst jetzt.
    OT/

  5. #5 Spritkopf
    12. Mai 2022

    Hier der Bericht des EHT.

    Florian wird ja sicher noch was dazu schreiben.

  6. #6 Thomas N.
    12. Mai 2022

    In der Pressekonferenz wurde gesagt, dass SagA* so ausgerichtet ist, dass ein potentieller Jet auf uns ausgerichtet wäre. Ich hätte erwartet, dass wir es “edge on” sehen, da wir ja in der galaktischen Ebene sind?

  7. #7 Bullet
    12. Mai 2022

    Wow. Echt mal was gelernt. Ich hab gerade den Anfang der Fragerunde im verlinkten Livestream mitbekommen, und der Antwortende auf die erste Frage sagte, daß das Schwarze Loch im Zentrum der Milchstraße von hier aus “face-on” betrachtet wird und daher ein eventuell wie in M-87 beobachtbarer Jet recht genau in die Richtung unserer Position ausgestoßen würde, was eine direkte Beobachtung des Jets extrem erschweren würde. Ich hab bis jetzt nirgendwo eine Angabe über die Ausrichtung der Rotationsachse von SgrA* gelesen.
    Saugeil. Da bin ich gerade noch rechtzeitig dazugestoßen.

  8. #8 Bullet
    12. Mai 2022

    Fukk. Da war Thomas schneller.

  9. #9 schlappohr
    12. Mai 2022

    Habe ich das richtig verstanden: Das Gas der Akkretionsscheibe nahe des Horizonts bewegt sich mit nahezu Lichtgeschwindigkeit und benötigt 4 Minuten für eine Umrundung?
    Dann komme ich auf 4*60s * 3e+08m/s = 72Mio km für den Umfang der Ereignishorizonts und damit einen Radius von 11.5Mio km, rund 16-mal so viel wie unsere Sonne, aber 4 Million mal deren Masse… und das ist nur ein kleines SL. Welche Bahngeschwindigkeit müsste die Erde haben, um bei gleichem Abstand stabil um ein solches Monstrum zu kreisen?

  10. #10 Thomas N.
    12. Mai 2022

    Dieser Artikel hier:
    https://www.astropage.eu/2013/11/22/existenz-eines-materiejets-von-sagittarius-a-bestaetigt/

    Es steht da: “Die Untersuchung zeigt, dass die Rotationsachse von Sagittarius A* in eine Richtung weist, die parallel zu der Rotationsachse der Milchstraßen-Galaxie liegt. Astronomen schließen daraus, dass während der vergangenen zehn Milliarden Jahre stetig Gas und Staub auf Sagittarius A* zugeströmt sind. Wenn die Milchstraßen-Galaxie in der jüngeren Vergangenheit mit großen Galaxien kollidiert wäre und deren zentralen Schwarzen Löcher mit Sagittarius A* verschmolzen wären, dann könnte der Jet in eine beliebige andere Richtung weisen.”

    Daher die Frage, was heute mit “face on” gemeint ist.

  11. #11 Tscheppe
    12. Mai 2022

    Ah jetzt verstehe ich
    “once you go black, you never go back”

  12. #12 Der Schuft
    Plauen
    12. Mai 2022

    @schlappohr.
    Ich bin erstmal auch deinem Irrtum aufgesessen.
    Ich denke mit einfacher Geometrie kommt man hier nicht zum Ziel.
    Ich denke mal in so direkter Umgebung einer so großen Masse sind die relativistischen Effekte auf Zeit und Entfernung so verschoben dass wie mit unserer Laien-Mathematik da meilenweit daneben liegen.
    Aber deine abschließende frage ist natürlich schon interessant. Würde mich echt auch interessieren.

  13. #14 schlappohr
    13. Mai 2022

    #12
    Wenn man den Schwarzschildradius nach der “offiziellen” Formel r=GM/c² berechnet, erhält man in diesem Fall 11.8e+6 km (wenn mein Python ohne numpy richtig gerechnet hat), also sind die 11.5Mio gar nicht so daneben. Aber die 300000km Unterschied sind vermutlich genau die relativistischen Effekte. Das Gas hat ja auch nur _fast_ Lichtgeschwindigkeit, also ist der Unterschied noch größer.

  14. #15 Thomas N.
    13. Mai 2022

    Zur Frage der Ausrichtung der Rotationsachse verfolge ich auch folgende Diskussion hier:
    https://www.astronews.com/forum/showthread.php?11170-Bild-vom-Schwarzen-Loch-im-Zentrum-unserer-Milchstrasse

    Da wurde der Aspekt Krümmung des Lichts eingebracht, was natürlich auch eine Rolle Spielen kann ob wir die Scheibe um SgtA* edge-on oder face-on sehen.

    Die Frage ist für mich aber noch nicht geklärt. Vieles wird sicher noch zu untersuchen sein. Bin gespannt.

  15. #16 Rob
    Oberland
    13. Mai 2022

    Was mich immer verwirrt: Sobald ein Objekt genug Gravitation entwickelt, um einen Ereignishorizont auszubilden, kann jede weitere Materie diesen ja nicht mehr erreichen. Die gesamte weitere angesaugte Materie bildet also quasi eine Schale, die dem Ereignishorizont nahe kommt ohne ihn zu berühren. Oder wie ist das?

  16. #17 Captain E.
    13. Mai 2022

    @Rob:

    Was mich immer verwirrt: Sobald ein Objekt genug Gravitation entwickelt, um einen Ereignishorizont auszubilden, kann jede weitere Materie diesen ja nicht mehr erreichen. Die gesamte weitere angesaugte Materie bildet also quasi eine Schale, die dem Ereignishorizont nahe kommt ohne ihn zu berühren. Oder wie ist das?

    Vieles wird ja auch zer- und abgestrahlt. Deshalb sind Schwarze Löcher schließlich so hell. Ansonsten ist das eine Frage der Beobachtungsposition. Wenn du direkt vor Ort ist, geht das mit dem Hineinfallen ziemlich schnell.

  17. #18 Bullet
    13. Mai 2022

    @rob:

    kann jede weitere Materie diesen ja nicht mehr erreichen.

    Ähh… wieso?
    also, weil ich immer dachte, wenn sich da genügend Materie ansammelt, wird aufgrund auftretender Reibung kinetische Energie abgebaut und – wie der Käpt’n schon sagt – als Strahlung weggepustet. Und ohne die “Seitwärts-Bewegungsenergie” gibts eben nur noch einen Weg. 🙂

  18. #19 Frank Herbrand
    Bautzen
    14. Mai 2022

    @Florian:
    Du machst uns Hoffnung, von Dir in Bälde etwas mehr über das zu erfahren, was wirklich wesentlich an der “Entdeckung” ist? Die technische Meisterleistung möchte ich nicht schmälern. Das ist schon geil, was die Ingenieure im Auftrag der Wissenschaft da für ein Observatorium geschaffen haben, wenn man das so sagen darf. Jedoch: Präsentiert wird uns ein schönes Bildchen von Sag A*, was sich wenig von M87 in 2019 unterscheidet: Das kann ja nun nicht die tolle Erkenntnis sein. Deshalb: Kannst Du uns aufklären, was man tatsächlich aus den Aufnahmen der Objekte lernen kann bzw. bisher schon konnte? Was machen die Wissenschaftler mit den Daten konkret?
    Gruß Frank

  19. #20 Florian Freistetter
    14. Mai 2022

    @Frank: Gibt jede Menge Wissenschaft: https://iopscience.iop.org/journal/2041-8205/page/Focus_on_First_Sgr_A_Results

    Aber es wird noch ein wenig dauern, bis ich das zusammengefasst habe.

  20. #21 penta
    Sensationsmeldungen
    15. Mai 2022

    von dingen die man nicht sehen kann finde ich schon etwas freakig

  21. #22 schlappohr
    15. Mai 2022

    Ich glaube, was Rob #16 meint, ist die gravitative Zeitdilatation. In einem Graviationsfeld vergeht die Zeit von außen betrachtet langsamer. In der Nähe des Ereignishorizonts bleibt sie für einen entfernten Beobachter stehen und der Übertritt von Materie über den EH erscheint eingefroren. Für einen Beobachter am EH hingegen läuft die Zeit normal schnell ab, die Zeit in größerer Entfernung vom EH erscheint dagegen für diesen Beobachter enorm beschleunigt. Das SL treibt die Relativitätstheorie sozusagen auf die Spitze. Man könnte von dort sehen, wie sich Spiralgalaxien drehen, aber hätte nicht lange Freude daran.

    Nun stellt sich aber die Frage, wenn für einen entfernten Beobachter wie z.B. uns die Zeit in der Nähe des Ereignishorizonts und damit die Bildung des Schwarzen Lochs einfriert, wie kann sich dann innerhalb einer gewissen Zeit ein SL bilden, dessen Gravitation sehr wohl von außen messbar ist, obwohl die dazu notwendige Masse in unserer Realität noch gar nicht über den EH gefallen ist?

  22. #23 Frank Herbrand
    Bautzen
    15. Mai 2022

    @Florian: Danke! Und die Autoren fleißigen sich sogar, Open Access zu veröffentlichen. 🙂

  23. #24 Captain E.
    16. Mai 2022

    @schlappohr´:

    Ich glaube, was Rob #16 meint, ist die gravitative Zeitdilatation. In einem Graviationsfeld vergeht die Zeit von außen betrachtet langsamer. In der Nähe des Ereignishorizonts bleibt sie für einen entfernten Beobachter stehen und der Übertritt von Materie über den EH erscheint eingefroren. Für einen Beobachter am EH hingegen läuft die Zeit normal schnell ab, die Zeit in größerer Entfernung vom EH erscheint dagegen für diesen Beobachter enorm beschleunigt. Das SL treibt die Relativitätstheorie sozusagen auf die Spitze. Man könnte von dort sehen, wie sich Spiralgalaxien drehen, aber hätte nicht lange Freude daran.

    Nun stellt sich aber die Frage, wenn für einen entfernten Beobachter wie z.B. uns die Zeit in der Nähe des Ereignishorizonts und damit die Bildung des Schwarzen Lochs einfriert, wie kann sich dann innerhalb einer gewissen Zeit ein SL bilden, dessen Gravitation sehr wohl von außen messbar ist, obwohl die dazu notwendige Masse in unserer Realität noch gar nicht über den EH gefallen ist?

    Sicherlich hat er das gemeint, und ich kenne jemanden, der das genau so verstehen will. Was die Gravitation angeht, magst du dir das so vorstellen: Massen krümmen den Raum und große Massen auf sehr kleinem Raum verursachen einen Ereignishorizont. Wie immer man den sich auch vorstellen will, so gilt doch eines: Was einmal auf der anderen Seite ist, kann nicht mehr schnell genug werden, um zurück zu kommen – nicht einmal die elektromagnetische Strahlung wie beispielweise das Licht.

    Der Trick ist jetzt aber dieser: Auch wenn die Masse, die ein gewisses Maß an Raumkrümmung hervorgerufen hat, hinter dem Ereignishorizont verschwunden ist, bleibt diese Krümmung erhalten. Masse und Raumkrümmung sind also voneinander entkoppelt!

    Das kann gar nicht anders sein, denn andernfalls dürften nicht einige Sonnenmassen in Form von Gravitationswellen (sprich: Energie) abgestrahlt werden, wenn Schwarze Löcher miteinander verschmelzen. Genau so etwas meinen Astronomen aber mit ihren Gravitationswellendetektoren entdeckt zu haben. Mit anderen Worten: Es ist unerheblich, ob wir die Materie am Ereignishorizont verschwinden sehen oder nicht. Die Raumkrümmung alias Gravitation entsteht schon vorher.

    Und es gilt natürlich: Schwarze Löcher sind keine Staubsauger.

  24. #25 schlappohr
    16. Mai 2022

    @CaptainE

    Das bedeutet also, dass die 4 Millionen Sonnenmassen von SagittariusA* tatsächlich zum Teil außerhalb des Ereignishorizonts liegen, von uns aus gesehen? Dann frage ich mich wiederum, wie kann es inkative SL geben, die also keine Akkretionsscheibe haben? Offensiuchtlich liegt ihre Masse komplett hinter dem EH, aber wie ist sie dort hin gekommen, wenn am EH die Zeit aus unserer Perspektive einfriert?

  25. #26 Herr ɟuǝs
    nah dran
    16. Mai 2022

    … schon mal was von Grenzwerten gehört?
    “entfernt” ist nicht gleich “unendlich” 1,9999 = 2!
    Unser Weltall ist endlich, 13,8 Mrd Jahre, wir können alles sehen.

  26. #27 schlappohr
    17. Mai 2022

    … schon mal was von Grenzwerten gehört

    Ja, ich habe davon gehört, die kann man auch nach unendlich langer Annäherung nicht überschreiten, oder?

    1,9999 = 2!

    Das ist jetzt aber mal bis auf 0.0001 falsch. Aber ich weiß was du meinst.

    Unser Weltall ist endlich, 13,8 Mrd Jahre, wir können alles sehen.

    Da weißt du ja mehr als die ganzen Kosmologen

  27. #28 Herr Senf
    17. Mai 2022

    … dann machen’s wir halt wie Achilles mit seiner Schildkröte
    “Überholen ohne Einzuholen” 😉 wenn 2 SL verschmelzen, endlich
    macht es nur “plupp”, die sind gleich um die Ecke, nicht im Unendlichen.
    Das “Einfrieren der Zeit” ist eine Annahme für das Unendliche.

  28. #29 Captain E.
    18. Mai 2022

    @schlappohr:

    Das bedeutet also, dass die 4 Millionen Sonnenmassen von SagittariusA* tatsächlich zum Teil außerhalb des Ereignishorizonts liegen, von uns aus gesehen? Dann frage ich mich wiederum, wie kann es inkative SL geben, die also keine Akkretionsscheibe haben? Offensiuchtlich liegt ihre Masse komplett hinter dem EH, aber wie ist sie dort hin gekommen, wenn am EH die Zeit aus unserer Perspektive einfriert?

    Womöglich sogar vollständig! Die Masse bzw. Energie hinter dem Ereignishorizont interagiert mit dem Universum auf der anderen Seite ja nicht mehr. Die Raumkrümmung bleibt aber eben erhalten. Der Raum ist biegsam, aber unglaublich steif. Hochfester Stahl ist im Vergleich dazu ein wabbeliges Gummiband. An dieser Raumkrümmung kann sich nach meinem Verständnis nur etwas anders, wenn andere Massen bzw. andere Raumkrümmungen darauf einwirken. Verschmelzen zwei Schwarze Löcher, beeinflussen sich ihre Raumkrümmungen gegenseitig und ordnen sich in Folge energetisch günstiger an. Die dabei freiwerdende Energie kann einige Sonnenmassen betragen, und diese Energie wird in Form von Gravitationswellen abgestrahlt. Da diese aber (höchstwahrscheinlich) auch nur lichtschnell sind, können sie gerade eben nicht aus dem Inneren der Schwarzen Löcher stammen.

    Die Sache mit der Zeitdehnung, die einen weiteren Einfall von Materie vor dem Ende des Universums verhindern müsste, führt bei mir allerdings auch zu Knoten im Gehirn. Allerdings möchte ich noch einmal darauf hinweisen, dass Schwarze Löcher sehr gut darin sind, Materie zu zerstrahlen. Die so behandelte Materie verschwindet somit nicht hinter dem Ereignishorizont, sondern in den Weiten des Universums.