In der Coronakrise haben in manchen Ländern Autokraten die Gelegenheit genutzt, Bürgerrechte weiter einzuschränken, Medien noch mehr zu gängeln oder die Wissenschaft zu diskreditieren. In Deutschland gab es keinen “großen Plan“ zur Entrechtung und Entmündigung der Menschen, wie es ein gängiges Narrativ der Querdenker immer wieder suggeriert, auch wenn unsere Politiker/innen gewiss keine Engel sind.

Ich nehme praktisch allen Politiker/innen ab, selbst der Taskforce horribilis, dass sie im Zusammenhang mit der Pandemie primär ihre Sache gut machen wollten. Dass sie darüber zugleich auch ihre Hahnenkämpfe und Eitelkeiten ausgetragen haben oder ihre alten Lieblingsprojekte weitergetrieben, ist ebenso wahr und das wurde in den Medien auch nicht verschwiegen. Und natürlich wurde die Politik in der Coronakrise von unguten Entwicklungen aus früheren Jahren eingeholt, nicht zuletzt den Folgen neoliberaler Gesundheitspolitik, ebenso wie in der Coronapolitik selbst schwere Fehler gemacht wurden. Auch darüber wurde bereits viel geschrieben und mit Blick auf die Zukunft muss darüber noch viel mehr diskutiert und geschrieben werden. Sich einfach nach der Krise „viel zu verzeihen“, wie es Jens Spahn einmal formulierte, wäre keine gute politische Aufarbeitung der Krise.

Die Querdenker leisten zu alldem keinen hilfreichen Beitrag. Sie spalten die Gesellschaft, schüren unnötige Verunsicherung und stellen coronapolitisch die falschen Fragen. Zur Veranschaulichung dazu – exemplarisch – zwei Listen:

10 Fragen, mit denen man sich weniger beschäftigen könnte:

• Zeigt der PCR-Test aktive Infektionen an oder nur Virenbruchstücke?
• Gäbe es ohne Test keine Coronakrise?
• Wie viele Menschen genau sind mit und an Corona gestorben?
• Ist Corona nur für alte Menschen gefährlich?
• Ist John Ioannidis ein besserer Wissenschaftler als Christian Drosten?
• Hat Karl Lauterbach zu viel gewarnt?
• Verhindert die Politik, dass Coronatote obduziert werden?
• Hat die Regierung in der Krise Intensivbetten abgebaut, um alles schlimmer aussehen zu lassen?
• Verheimlicht die Regierung Nebenwirkungen der Impfung und sterben gar durch die Impfung massenhaft Menschen?
• Will uns die Regierung gemeinsam mit Bill Gates und George Soros versklaven?

10 Fragen, mit denen man sich mehr beschäftigen müsste:

• Welche Weichen wurden in der Vergangenheit in der Pflege falsch gestellt, was folgt daraus?
• Warum ist es nicht gelungen, die Heime besser auf die zweite Welle im Herbst 2020 vorzubereiten?
• Wie hätte man Kitas, Schulen und Hochschulen besser durch die Krise bringen können, wie die Kultur und wie die Gastronomie?
• Wie hätte man den Spagat zwischen unbürokratischer Krisenreaktion und Kontrollverlust bei der Beschaffung von Masken und Tests besser hinkriegen können?
• Wie sollte die Krankenhauslandschaft der Zukunft aussehen, um zu einer möglichst guten Allokation der Ressourcen für unterschiedliche Behandlungsbedarfe zu kommen?
• Muss der Staat als Instanz des Gemeinwohls wieder aktiver im Gesundheitswesen werden, von der Gesamtsteuerung über die Ausstattung der Gesundheitsämter bis hin zur Krankenhausfinanzierung?
• Wie soll die Public Health-Forschung ausgebaut werden, um künftig bessere Evidenz für neue Gesundheitsrisiken zu haben?
• Wie sollte das Infektionsschutzrecht weiterentwickelt werden, auch mit Blick auf die Wahrung demokratischer Mitsprache in den „Zeiten der Exekutive“?
• Wie könnte eine bessere Risikokommunikation im Krisenfall aussehen, wie mehr Risikokompetenz in der Gesellschaft entwickelt werden?
• Wie könnte eine gute Ausbalancierung zwischen Public Health-Zielen auf Bevölkerungsebene (z.B. hohen Impfquoten) und der Förderung einer informierten Entscheidung auf individueller Ebene (z.B. beim Impfen) aussehen?

All diese Fragen sind hochkomplex und nicht einfach mal so zu beantworten. Aber es wäre schon viel gewonnen, wenn sich die öffentliche Aufmerksamkeit mehr in der unteren Liste bewegen würde als im oberen Teil. Die Querdenker wollen die öffentliche Aufmerksamkeit im oberen Teil festhalten. Das ist weder eine gute Strategie für ihre Partei „Die Basis“ noch ist es hilfreich für die Diskussion um Lehren aus Corona. Auch Fehler der Coronapolitik lassen sich damit nicht identifizieren. Die Querdenker lenken von den relevanten Fragen ab und agieren letztlich auch dort, wo die Politik vielleicht wirklich versagt hat, als die nützlichen Idioten derer, die darüber lieber nicht so viel reden wollen.

Kommentare (50)

  1. #1 Joachim
    5. Juni 2021

    Hmm, gerade Politiker halten sich jedoch schon mal mit den ersten 10 Fragen auf. Besonders um dem politischen Gegner einmal eins auszuwischen, ohne genauer begründen zu müssen.

    Der zweite Satz Fragen dagegen kostet Geld, verlangt Kompetenz und Weitsicht, vielleicht sogar eine Sicht über die Wahlperiode hinaus. Mit diesem Satz Fragen tun sich Blender eben schwerer.

    Wer sich nun als Politiker mit diesem schwierigem Teil beschäftigt, der ist sehr viel angreifbarer, als die Populisten. Leider.

  2. #2 rolak
    5. Juni 2021

    Taskforce horribilis

    Ehre, wem Ehre gebührt: Da wurde, ob als demolierendes Duo oder in sauteueren Soloprojekten, doch deutlich mehr geleistet als ein einfaches ‘makaber, schrecklich’.
    Daher: coetus maxime fieri potest horror. (iirc, und das ist keine Jahreszahl)

    Ansonsten: wo bitte kann man diesen Appell dreifach unterschreiben?

  3. #3 Anonym_2021
    5. Juni 2021

    Auch bei den ersten 10 Fragen ist es aus meiner Sicht wichtig, Fake-News mit einem Faktencheck entgegenzutreten.

  4. #4 Volker Birk
    https://blog.fdik.org
    5. Juni 2021

    Die Gesellschaft wird durch diejenigen gespalten, die andere diffamieren bis hin zum Rufmord. So wird der Diskurs behindert, wie man mit der Krise umgehen soll.

    Und es sind nicht die Querdenker, die das gemacht haben und weiter machen.

    • #5 Joseph Kuhn
      5. Juni 2021

      @ Volker Birk:

      Sie meinen, wenn man Bhakdi seine eindeutig falschen Aussagen vorhält, ist das Diffamierung? Wenn er dagegen die Ärzte in Deutschland samt und sonders als “dumm” und “kriminell” bezeichnet, nicht? Wenn sich Querdenker mit den Geschwistern Scholl vergleichen, folglich die Politiker mit den Nazis, auch nicht? Wenn Fuellmich Drosten und Wieler vorwirft, sie hätten “vorsätzlich gelogen”, nur weil sie sagen, asymptomatische Menschen übertragen das Virus ebenfalls, ist das keine Diffamierung? Wenn man Gerüchte in die Welt setzt, Drosten habe gar nicht rechtskonform promoviert, ist das kein Versuch zum Rufmord? Von den Sprüchen Hildmanns und anderer Querstdenker ganz abgesehen.

      Herr Birk, Sie sind in eine Parallelwelt abgedriftet, nicht nur bei Corona, auch bei Putin, Lukaschenko und anderen Themen. Bei solchen Themen sind Sie nicht mehr ernstzunehmen.

  5. #6 hto
    5. Juni 2021

    Nimmt man nur die erste Frage: “Welche Weichen wurden in der Vergangenheit in der Pflege falsch gestellt, was folgt daraus?”

    Dann kann man mit der Antwort entweder bei Christus anfangen, oder bei den Privatisierungen, die eine logische Folge der wettbewerbsbedingten Dummheit sind!

  6. #7 D. Stein
    Köln
    5. Juni 2021

    Ich glaube, es existiert eine Verbindung zwischen unterbezahlten Pflegekräften und Querdenkern.
    Viele Menschen vertrauen der Elite nicht mehr. Menschen, die früher der “Obrigkeit” geglaubt haben, sind heute misstrauisch und stümpern sich dann online selbst eine Meinung zusammen. So entstehen quere Gedanken und wirre Theorien.
    Der Grund ist, daß Politik heute fast nur noch im Sinne internationaler Konzerne gemacht wird. Was im Sinne der Durchschnittsbürger wäre, spielt nur für die speziellen Werbefirmen ein paar Wochen vor der Wahl eine Rolle.
    Viele Menschen merken, daß etliches schief läuft, gegen die Interessen der Normalbürger und wenn man dann offiziellen Verlautbarungen nicht mehr traut, füllen irgend welche Spinner das Vakuum.
    Querdenker und überlastete Krankenhäuser sind Symptome des Krieges der Elite gegen den Rest.
    Das klingt jetzt selbst wie eine Verschwörungstheorie, aber der Gedanke des “Krieges der Reichen gegen die Armen” ist ja nicht von mir, sondern von Warren Buffet.

  7. #9 hwied
    5. Juni 2021

    Hto
    Wettbewerb ist eine ungeignete Form, wenn es um zwischenmenschliche Beziehungen geht.
    Weiter auf der kommunalen Ebene und der staatlichen Ebene ist Wettbewerb ungeeignet, weil dann die „Schwächeren“benachteiligt sind und der Staatsgedanke doch auf Gleichheit, Freiheit,, Brüderlichkeit gründet.
    Woher kommt also der Wettbewerb, der dem Sozialgedanken zuwider läuft. Er kommt aus der Wirtschaft, die nach dem Wettbewerbsprinzip handelt. Kann man das nicht unterbinden ? Kann man nicht, weil Deutschland keine Selbstversorger ist. 80 Millionen Einwohner zu ernähren verlangt Exportüberschüsse, mit denen die importierten Güter bezahlt werden müssen.
    Was passiert, wenn die Exportübershüssse nicht ausreichen, das dat uns die DDR gezeigt.
    Beim nächsten kommentar erzähle ich dir etwas über die staatliche Heilfürsorge in England..
    Dann wirst du aus deinem Traum vom gerechten Staat aufwachen.

  8. #10 dirk
    5. Juni 2021

    @D. Stein, Joseph Kuhn:
    Sorry aber ich bin der Meinung, dass wir(Westeuropa,…) die Reichen, die Elite sind. Es gibt hier in DE (fast) keinen der Not leidet, wie in Afrika oder Indien. Ich denke nicht, dass die sogenannten Querdenker, dadurch irgendwie gerechtfertigt werden können. Die Leute versuchen mMn das lokale Gefüge zu destabilisieren. Somit haben Sie Joseph Kuhn völlig recht mit Ihren Aussagen.

    • #11 Joseph Kuhn
      5. Juni 2021

      @ dirk:

      Im weltweiten Vergleich und im Durchschnitt haben Sie natürlich völlig recht. Aber auch bei uns lenken nicht die kleinen Leute, auch wenn sie verglichen mit den kleinen Leuten in Indien auf (relativ) hohem Niveau jammern können, die Geschicke der Politik. Pflegekräfte machen keine Pflegepolitik, Hartz-IV-Abhängige keine Beschäftigungspolitik und Gastwirte entscheiden nicht darüber, wer wann bei ihnen wieder ohne Test am Tisch sitzen darf – und wenn es keine Münchner Wiesenwirte sind, fühlen sie sich zumeist auch nicht als Elite. Ich denke schon, dass D.Stein in die richtige Richtung zeigt. Dass damit nicht alles erklärt ist, ist auch klar. Danke trotzdem für den wichtigen Hinweis auf die internationale Perspektive.

  9. #12 dirk
    5. Juni 2021

    @Joseph Kuhn:
    Ich stimme Ihnen grundsätzlich zu, aber “kleine Leute” hatten noch nie das Sagen(ich schließe mich da gerne ein), auch nicht vor Corona oder vor 2015. Man darf in unserem Land politisch aktiv sein, aber man sollte dass nicht mit Beleidigungen und Diffamierungen tun. Aber da renne ich bei Ihnen sowieso offene Türen ein.

  10. #13 Kurt Schumacher
    5. Juni 2021

    @Joseph Kuhn

    Völlig richtig. Danke für die Einordnung mit den 10 + 10 Fragen. Den Tippfehler bezüglich Bill Gate(s) vielleicht gelegentlich korrigieren.

    Und die Replik auf Volker Birk trifft es genau. Wenn Sucharit Bhakdi einseitig, falsch oder verzerrt argumentiert, darf man das sagen, auch pointiert. Wer diese Auseinandersetzung und das Einfordern von Standards der wissenschaftlichen Genauigkeit und Vollständigkeit für Diffamierung hält, glaubt auch, dass Zitronenfalter Zitronen falten.

    • #14 Joseph Kuhn
      5. Juni 2021

      … Gates korrigiert, danke.

  11. #15 user unknown
    https://demystifikation.wordpress.com/
    6. Juni 2021

    Wettbewerb war eine der Triebkräfte, die zu vielen, bunten Impfstoffen geführt hat, oder? Wettbewerb hat dafür gesorgt, dass eine FFP2-Maske jetzt nicht mehr nur in der Apotheke für 7 Euro Fuffzich, sondern beim Discounter für 69¢ zu haben ist.
    Wettbewerb erlaubt es mündigen Konsumenten zwischen vielfältigen Angeboten auszuwählen.

    Ich erlaube mir auch selbst auszusuchen, ob ich in meiner Freizeit Leute treffe und welche. Meine Urteils- und Unterscheidungsfähigkeit ermuntert mich, zu unterscheiden, wen ich treffen will und wen nicht.

    Sicher benutzen wir uns in unseren zwischenmenschlichen Beziehungen Wettbewerb. Weder lassen wir uns Beziehungen zulosen, noch wollen wir zugelost werden.

    Ich entscheide auch gerne frei, welche Blogs ich lese und welche ich kommentiere. Ohne Wettbewerb gibt es keine Qualität.

    Seht instinktsicher hat die Speerspitze der Wokeness Qualität als fieses Unterdrückungsinstrument der White Fragility identifiziert, des systematischen Rassismus, und propagiert sehr erfolgreich qualitätsfeindliche Ideologien seit dem.

    Wie stellt man eigentlich fest, ob Pflegekräfte unterbezahlt sind? Wenn die betreffenden Personen mit ihren Fähigkeiten besser bezahlte Stellen finden, dann wandern sie sicher – nicht jeder einzelne, aber statistisch messbare Größen – in diese Alternativen ab. Verglichen mit anderen Berufen – gibt es im Pflegebereich mehr oder weniger offene Stellen? Höhere Löhne müssen auch von jemandem bezahlt werden, der sich täglich zwischen Bio- und Normallebensmitteln entscheiden kann, zwischen Marken- und No-Nameware, zwischen Möbeln und Klamotten, Iphone und Elektroauto.

    Ich könnte natürlich vielen Leuten die Entscheidung abnehmen und ihnen verordnen, welche Produkte und Dienstleistungen sie genießen sollen. Mir ist aber doch lieber, die Menschen rechnen sich ihre Unzufriedenheit mit den Konsequenzen ihrer Entscheidungen selbst zu und nicht mir.

  12. #16 GuteNacht
    6. Juni 2021

    Die seltsame Macht der Welt (nach 16 Jahren Kanzlerschaft)

    Bundeskanzlerin Angela Merkel fordert verstärkte Anstrengungen für den Klimaschutz. Die Klimaschutz-Konferenz in Glasgow Ende des Jahres müsse neue Impulse für konkrete Maßnahmen bringen.

    https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/merkel-entschlossenes-handeln-fuer-klimaschutzziele-17374633.html

    Corona war gestern, ab jetzt wirds wieder ernst. Realsatire oder reale Politik? Wenns wie bei Corona weitergeht, dann gute Nacht. 🙂

  13. #17 hto
    6. Juni 2021

    @user unknown: “Ohne Wettbewerb gibt es keine Qualität.”

    Ohne Wettbewerb gibt es nur noch Qualität, Nachhaltigkeit, zweifelsfrei-eindeutige Werte, wirklich-wahrhaftige Sicherheit, aber vor allem keine Dummheit mehr 🙂

  14. #18 Fjord Springer
    DK
    6. Juni 2021

    @user unknown

    Wie stellt man eigentlich fest, ob Pflegekräfte unterbezahlt sind?

    Das ist eine sehr gute Frage, die man aber nicht beantworten kann, indem man die besser bezahlten Stellen als Maßstab heranzieht, weil es diese Stellen in der Branche wohl eher nur selten gibt. Die Antwort, ob Pflegekräfte unterbezahlt sind, kann man herausfinden, wenn man sich vielleicht ein paar einzelne der vielfältigen Tätigkeiten anschaut, die Pflegerkräfte tagtäglich bis zur Erschöpfung machen müssen.

    Was ist es wert, das Leben etlicher Bewohner auf einer Station zu organisieren und deren Bürokratie und gesundheitliche Versorgung (z.B. der Kampf bei Veränderung um die richtigen Hilfsmittel) auf den Platz zu bringen?

    Was ist es wert, die ganze Zeit im Kopf zu behalten, dass Frau Müller genug trinken muss, Herr Maier um genau 16 Uhr seine Pillen bekommen muss, die (nervige und besserwisserische) Tochter von Herr Schulze noch über die neue Therapie informiert werden muss, der Tisch gedeckt, das Essen vorbereitet und noch drei Beobachtungen ins System eingetragen werden muss?

    Was ist es wert, sich fünf Minuten Zeit zu nehmen (obwohl man zwei Stunden Zeit zu wenig hat), um der neuen Bewohnerin zuzuhören, weil sie es so schwer damit hat nicht mehr ihr Leben in ihrem Haus (welches ihr Mann in den 50ern ganz alleine und mit bloßen Händen gebaut hat) leben zu können und jetzt auf fremde Hilfe angewiesen ist?

    Was ist es wert, mit viel Geduld, Einfühlungs- und Überwindungsvermögen, den dementen Bewohner von seinen Exkrementen zu befreien, nachdem er sie in seinem gesamten Zimmer verteilt hat, darin ausgerutscht ist, sich dabei die Hüfte geprellt hat, vor Schmerzen schreit und nichts von alldem in dieser Situation kognitiv versteht?

    Was ist es wert, einen psychisch Kranken mit allen Aufs und Abs darin zu begleiten, sein Leben vielleicht doch irgendwann (wieder) so selbstbestimmt wie nur möglich führen zu können?

    Was ist es wert, die stark übergewichtige und immobile Patienten (wegen Personalmangels oft genug allein) mehrfach zu drehen, um die Windel zu wechseln und sie zu waschen, damit diese Frau nicht noch kranker wird, als sie ohnehin schon ist?

    Was ist es wert, die verstorbene Bewohnerin ein letztes Mal zu waschen, ihr ihr schönstes Kleid (oder auch den gewünschten rosa Jogginganzug) anzuziehen, die Haare zu ordnen und sie, vielleicht mit einer Blume in der Hand, zu betten, damit die Angehörigen (und oftgenug auch die Pflegekräfte selbst) Abschied nehmen können?

    Was ist es wert, dabei immer wieder und jeden Tag aufs Neue menschlich und professionell zu bleiben?

    Ich vermag nicht zu sagen, was diese Arbeit von Menschen für Menschen wert ist. Ich weiß nur, dass die Bezahlung Stand jetzt, nicht dem Wert dieser Arbeit enstpricht.

  15. #19 Joseph Kuhn
    6. Juni 2021

    @ user unknown:

    Ob man es bei der Impfstoffentwicklung, den Maskenkäufen oder dem Arbeiten in der Pflege wirklich in erster Linie mit Marktprozessen zu tun hat bzw. in welcher Hinsicht, weiß ich nicht. In allen drei Bereichen war der Staat recht aktiv.

    Wettbewerb an sich: Natürlich ist Wettbewerb an sich weder böse (wie das “hto” in seinem christlich-kommunististischen Fundamentalismus so sieht) noch gut (wie das Marktfundamentalisten glauben). Märkte sind Allokationsverfahren und man muss schauen, wo und unter welchen Rahmenbedindungen sie helfen und wo nicht. Aber diese Debatte ist vermutlich jenseits solcher Allgemeinplätze mangels konkretem Diskussionspunkt samt zugehöriger Empirie in einem Blog nicht gut zu führen.

    Falls weitergehendes Interesse an der Grundsatzfrage besteht, empfehle ich die sehr interessanten wirtschaftshistorischen Bücher “Markt und Moral” von Sylvia Nasar (sehr dickes Buch) oder “Der korrumpierte Mensch” von Jonathan Aldred (halb so dick, aber immer noch dick). Beide allgemeinverständlich. Deutlich hermetischer und herausfordernder ist “Wettbewerb als Gerechtigkeitskonzept” von Ulrich Thielemann (klug, dick und schwierig – also das Buch, nicht der Autor).

  16. #20 hwied
    6. Juni 2021

    Was ist die Arbeit wert ?
    Bemerkenswert ist, dass die Berufsgruppe, von der alle leben, gering bezahlt wird, die Landwirte.

  17. #21 hto
    6. Juni 2021

    @Kuhn

    Wenn wir spielen wollen, ist Wettbewerb eine lustige Angelegenheit.
    Wenn wir aber die Realität / den Sinn / die Vernunft als Spiel (Aktien-, Immobilien-/”Werte”markt) in wettbewerbsbedingter Symptomatik bis zur Entmenschlichung ver…, dann wird’s widerlich – Dafür reicht mir in seiner vielschichtigen Deutlichkeit ein Buch / das “Buch der Bücher” (von den Mächtigen in Unwahrheit interpretiert und trotzdem zur Grundfeste von Moral für die “Werteordnung” in “gut & böse” konfusioniert, neuerdings “säkularisiert”).

  18. #22 hto
    6. Juni 2021

    https://web.de/magazine/politik/us-politik/trump-meldet-zurueck-verlangt-billionen-us-dollar-china-35878978

    Das ist die Nutzung eines Idioten für die intriganten Zwecke des “freiheitlichen” Wettbewerb

  19. #23 Nemori
    Sittensen
    6. Juni 2021

    Ich halte Wettbewerb und Konkurrenz für eine gute Möglichkeit zur Effienzsteigerung. Die Rahmenbedingungen sind, meiner Meinung nach, derzeit nur falsch gesetzt. Ich würde es begrüßen, wenn alles einer Gemeinwohlprüfung unterzogen würde. Was Gemeinwohl bedeutet, sollten wir Menschen demokratisch bestimmen. Das könnten z.B. der Schutz von Klima, Wasser, Luft, Boden, Artenvielfalt und Nahrung sein. Siehe #Gemeinwohlökonomie

  20. #24 schorsch
    6. Juni 2021

    Vielleicht mache ich ja auch einen Denkfehler – aber die von Jürgen angeführte (aber wohl aus gutem Grunde nicht zitierte, man will ja nicht allzu offen lügen) 1%-Lancet-Studie dürfte tatsächlich sehr einfach zu erklären sein.

    Wenn in der Phase-III-Studie zu Corminaty acht Covid-Fälle in der Impstoff-, jedoch 162 Fälle in der Kontrollgruppe aufgetreten sind, entspricht das der gerne zitierten Wirksamkeit von 95%.

    Allerdings sind im Rahmen dieser Studie insgesamt mehr als 21.000 Probanden geimpft worden. Von diesen 21.000 wären ohne Impfung lediglich rund 150 Probanden zusätzlich erkrankt.

    Das bedeutet, dass weniger als ein Prozent aller geimpften während des Untersuchungszeitraums einen direkten Nutzen durch die Impfung erfahren haben. Und das dürfte die Zahl sein, auf die sich Jürgen bezieht.

    Dass diese Zahl in keinerlei Widerspruch zu den vorgenannten 95% steht, dürfte auch Jürgen absolut bewusst sein – aber von besseren Wissen hat sich noch kein Lügner abschrecken lassen.

    Darüber hinaus ist durchaus zu vermuten, dass diese Zahl mittlerweile deutlich höher liegt. Aber das geht aus den Ergebnissen der Phase-III-Studie nicht hervor. Ob es darüber hinaus schon Langzeitbeobachtungen gibt, ist mir nicht bekannt.

  21. #25 schorsch
    6. Juni 2021

    Sorry, ich bin mit meinem letzten Beitrag im falschen Thread gelandet – wollte mich zu ‘Einfach, einfacher und einfach falsch…’ äußern. Da habe also auch ich es mir zu einfach gemacht…

  22. #26 user unknown
    https://demystifikation.wordpress.com/
    6. Juni 2021

    Ob man es bei der Impfstoffentwicklung, den Maskenkäufen oder dem Arbeiten in der Pflege wirklich in erster Linie mit Marktprozessen zu tun hat bzw. in welcher Hinsicht, weiß ich nicht. In allen drei Bereichen war der Staat recht aktiv.

    Oh, von **erster** Linie war, glaube ich, bei mir nicht die Rede. “Wettbewerb” lässt sich natürlich schlecht quantifizieren (allerdings habe ich nicht lange drüber nachgedacht, ob nicht doch) und zu konkurrierenden Motiven – shit, da ist ja Wettbewerb auf der Metaebene! – in Relation setzen, also beispielsweise zu Empathie.

    Mehr oder weniger Empathie zu haben ist sicher ein starkes Motiv für so manchen, in der Pflege Beschäftigten. Wer mehr Empathie hat, wird im Schnitt einen besseren Job machen, als jmd. der weniger Empathie hat – wenn auch nicht in 100% der Fälle.

    Mangel an Menschen mit Empathie, die den Job trotz niedriger Bezahlung machen wollen, scheint es nicht zu geben.

    Wenn man jetzt die Löhne erhöht, macht man den Job attraktiver für Leute, denen es mehr auf den Verdienst ankommt. Das wäre wohl eine zynische Argumentation, wenn ich für Löhne im Gesundheitswesen zuständig wäre, aber das bin ich nicht. Was ich denke und fühle ist völlig belanglos für die Löhne im Gesundheitswesen. Ich kann also ganz unbefangen äußern, was ich denke.

    Landwirt oder Pfleger zu werden ist nicht so schwer. Millionen Menschen arbeiten in Landwirtschaft und Gesundheitswesen – ohne die geht nichts, zugegeben, aber in einer hochgradig arbeitsteiligen Gesellschaft trifft das auf fast alle Berufe zu.

    Die Krankenpfleger müssen irgendwo wohnen, also brauchen wir die Baubranche. Sie müssen zur Arbeit kommen, also brauchen wir Verkehr. Sie wollen Möbel und Kleidung, Werkzeuge, Technik und zur Entspannung Unterhaltung, Kultur und Medien.

    @Nemori

    Ich würde es begrüßen, wenn alles einer Gemeinwohlprüfung unterzogen würde. Was Gemeinwohl bedeutet, sollten wir Menschen demokratisch bestimmen.

    Weiche von mir, SATAN!

    Das ist das aller-, aller-, allerletzte was wir wollen. Wir wollen Individualismus und Selbstbestimmung.

    Ich will Fußball – da habe ich’s leicht, weil es Massensport ist. Wenn man für eine Sportart eine Mehrheit organisiert bekäme, dann für Fußball, aber vielleicht ist die Mehrheit doch dagegen.

    Leicht dürfte es sein eine Mehrheit gegen Punk, Rap, HipHop, Beat, Soul, Blues, Funk, volkstümliche Musik und Volksmusik, Klassik (Barock) und Klassik (außer Barok) zu finden.

    Oder gegen Hadball, Basketball, Baseball, Wasserball, Rugby, Eishokey, Formel-1, Boxen und Stierkampf.

    Darf Susi einen Hund haben – ist das im Gemeinwohlinteresse? Wohl kaum – Hunde fressen Fleisch und das ist von der CO2-Bilanz schlecht zu verteidigen. Autos und Flugzeuge müssen weg, während Fahrräder und Busse eine Gnadenfrist bekommen, aber wenn niemand mehr in die Autofabrik muss, dann braucht man auch kaum noch Busse.

    Ein objektives Gemeinwohl gibt es nicht, und faire Verfahren der Bestimmung wohl auch nicht. Es gibt Erfahrungen mit Bürokratien, die das Gemeinwohl qua Planwirtschaft bestimmen wollten.

    Sicher, das waren alles korrupte Idioten. Wären Nemore, hto, hwied und andere Zeitgenossen damals am Drücker gewesen, nicht Stalin, Mao und Ghaddafi, dann hätten wir das Paradies am Werk gesehen, oder zumindest eine attraktive Vorstufe zum Paradies.

    M.E. ist evident, dass die Produktivität da am höchsten ist, wo viel Wettbewerb herrscht. Ja, viel Produktivität bedeutet viel Konsum, viel Müll und viel Umweltverschmutzung wie Ressourcenausbeutung. Die Planwirtschaften sind aber nicht dadurch aufgefallen, die Natur zu schonen. Da war es noch schmutziger und gesundheitsschädlicher.

    Im Endeffekt ist es paradox, das Hohelied auf die nichtmaterialistische Welt zu singen, um mit den sozialen Tugenden höhere Einkommen zu fordern.

    Es ist nicht so, dass sich die Bezahlung von Jobs sich danach richtet, wie tief auf der Bedürfnispyramide die Bedürfnisse angesiedelt sind, die der Job befriedigt.

    Arbeit ist eine Ware, die in dem Maße nachgefragt wird, wie man damit Profit machen kann. Wer mit der Bezahlung unzufrieden ist, muss sich eben was anderes suchen. Wir können auch nominell alle Preise und Einkommen verdoppeln – nur verbessert das die Situation von niemand (Im- und Export mal aus der Betrachtung rausgelassen).

    Ein fetter Richter, dem die Einsicht in seine Fresssucht fehlt, wird unglücklich, wenn man ihm die Marzipankartoffeln wegnimmt. Ob ein unglücklicher Richter für das Gemeinwohl ein größeres Risiko ist, als dessen Adipositas, kann man schlecht wissen.

    Was man durchaus weiß, ist, dass es externe Kosten gibt – Paradebeispiel Umweltverschmutzung – die man auf gesellschaftlicher Ebene regeln muss, weil man sonst Anreize schafft, auf Kosten der Anderen und der kommenden Generationen sich selbst ein besseres Leben zu verschaffen.

    Dafür brauchen wir freie Medien, Wettbewerb zwischen diesen, zwischen Parteien, die Themen auf ihre Agenda setzen und Wege vorschlagen, diese anzugehen.

    Und damit schlage ich den Bogen zurück zum Ausgangsthema: Wir brauchen dringend Querdenker und enfants terrible. Die meisten davon stümpern sich einen Quatsch zusammen, aber wir brauchen dringend die Freiheit, etabliertes Wissen in Frage zu stellen, die Scheu vor großen Namen und Titeln muss immer wieder hinterfragt werden, und wir brauchen dabei eine große Frustrationstoleranz, weil die meisten neuen Ideen Sackgassen sind, oft längst erfolglos beschrittene Sackgassen, wie der Sozialismus mit menschlichem Antlitz oder religiöse Erweckung.

    Ich denke Fehlerkorrektur müsste eine neue Generaltugend werden für eine Gesellschaft, die vieles ausprobieren muss.

    In der Kunst und der Werbewirtschaft hat man es zu fast 100% mit Querdenkern zu tun. Seit Jahrzehnten suchen alle DIE neue Idee, DAS völlig andere. Fast alle scheitern kläglich, einige erreichen Achtungserfolge mit etwas, das vordergründig wie eine Innovation aussieht, dann aber doch als geklaut und abgekupfert oft sich erweist. Vielleicht aber besser umgesetzt oder vermarktet, als beim Original.

    Alle Querdenker über einen Kamm scheren zu wollen, wird der Lage nicht gerecht.

    • #27 Joseph Kuhn
      7. Juni 2021

      @ user unknown:

      “Wir brauchen dringend Querdenker”

      Ja, im alten Wortsinn, Querdenker als Menschen, die alte Denkgewohnheiten aufgeben. Aber nicht die Querdenker aus der faktenignoranten Coronaleugnerfraktion, die das Denken aufgegeben haben. Insofern haben Sie Recht, man soll nicht alle “Querdenker” über einen Kamm scheren, aber das tut auch niemand.

      Möglicherweise steckt darin aber noch ein Dissens: Sie deuten eingangs an, dass auch der Widerstreit von Motiven (und Gedanken?) “Wettbewerb” sei. Falls damit gemeint sein sollte, es ist gut, welche Idee, welche Meinung, sich auch immer im “Wettbewerb” auf einem “Markt” der Ideen durchsetzt, gebe ich zu bedenken, dass das zumindest bei Meinungen mit Wahrheitsanspruch heikel ist. Ganz davon abgesehen, dass es hier gewiss keinen “Markt” im ökonomischen Sinn mit Preisbildung durch Angebot und Nachfrage, vollständiger Transparenz usw. gibt.

      Wie bei den “Querdenkern” sollte man nicht über Äquivokationen argumentieren, also alles, was gleich klingt, “über einen Kamm scheren”.

  23. #28 hto
    7. Juni 2021

    @user unknown: “Die Planwirtschaften sind aber nicht dadurch aufgefallen, die Natur zu schonen.”

    Das ist ein klassisches Beispiel für Quer-/Nichtdenken, das den Stumpf-/Blödsinn / die Gier des “freiheitlichen” Wettbewerb verteidigt und die intriganten Ursachen einfach nicht beachtet, leugnet oder nicht bedenken kann 🙂

    Bei den Chinesen ist das allerdings heftig in die Hose gegangen, bzw. die haben es zu nutzen gewusst – Die nahe Zukunft wird spannend 🙂

  24. […] und Pseudokritik: Querdenker als nützliche Idioten der dunklen Seite der Macht? Gesundheits-Check am 5. Juni […]

  25. #30 Joseph Kuhn
    8. Juni 2021

    Kritik, kein Querdenken

    Der Vorstandssprecher der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene fordert ein Ende der FFP2-Maskenpflicht für Laien: https://www.presseportal.de/pm/58964/4935236

    Das Argument, dass sie von Laien in der Regel nicht sachgerecht angewandt würden und normale OP-Masken daher vielleicht sogar besser sind, ist übrigens nicht neu. Auch um kritisch über die FFP2-Maskenpflichten zu diskutieren, braucht man keine Querdenker. Und wer solche Kritik übt, wird deswegen auch nicht durch die Merkeldiktatur ausgegrenzt oder diffamiert, wie es Querdenker immer behaupten.

  26. #31 Fluffy
    8. Juni 2021

    Der Vorstandssprecher der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene fordert …

    Woran erinnert mich das?
    Des Kaiser neue Kleider?
    Und sie bewegt sich doch?
    Cargocult?

    Ich erinnere mich an den Auftritt des Präsidenten der Bundesärztekammer Prof. Reinhardt bei Markus Lanz am 21.10.2020 ebenfalls zur Maskenfrage.
    Der Gegenwind am nächsten Tag war so groß, dass er tunlichst zurückruderte.
    Was wird dann aus den schönen Videos der “Aerosolexperten” zur Wirksamkeit der Masken?

    wer solche Kritik übt, wird deswegen auch nicht durch die Merkeldiktatur ausgegrenzt oder diffamiert,

    Das sehe ich aber anders. Schließlich gab es Fälle von Beamten, die nach Kritik massive berufliche Schwierigkeiten bekamen (Pürner), Schauspieler, die mit Auftritts- also Berufsverboten belegt werden sollten (Liefers).

  27. #32 Alisier
    8. Juni 2021

    @ Fluffy
    Soso, Liefers sollte also mit Berufsverbot belegt werden…..
    So wie die Quernichtdenker angeblich immer mit Maulkorb herumlaufen müssen, obwohl sie permanent reden?
    Die Behauptung “Man darf ja nichts sagen!” ist nicht nur unlogisch und in sich widersprüchlich, sondern auch falsch und durchsichtiges Opfergehabe.
    Wer sich dieses Narrativs bedient ist nicht ernst zu nehmen.

  28. #33 stone1
    8. Juni 2021

    @Fluffy

    Dass nun ein Ende der FFP2-Maskenpflicht gefordert wird, bedeutet ja nicht, dass das Tragen der Masken nichts gebracht hat.
    Die Leute waren dadurch bestimmt um einiges besser vor einer Ansteckung geschützt, als durch OP- oder selbstgenähte Stoffmasken.
    Da die 7-Tage-Inzidenz mittlerweile stark gesunken ist, und man wieder mehr Zeit im Freien verbringen kann, ist das Ansteckungsrisiko nun geringer.

    Da ist diese Forderung auch sinnvoll, es kommt halt auch auf den richtigen Zeitpunkt an. Wobei es für Un- oder erst Teilgeimpfte sicherlich weiterhin sinnvoll ist, in Innenräumen oder Öffis, wo sich viele Menschen auf kleinem Raum befinden, FFP2-Masken zu tragen.
    Vorsicht ist besser als Nachsicht.

    Nur meine 2 Cent zu diesem Thema.

  29. #34 Fluffy
    8. Juni 2021

    @Alisier #33
    In der Berliner Zeitung vom 23. und 24.04.2021 konnte man lesen

    … der SPD-Politiker und WDR-Rundfunkrat Garrelt Duin forderte sogar, die zuständigen Gremien müssten „die Zusammenarbeit auch aus Solidarität mit denen, die wirklich unter Corona und den Folgen leiden, schnellstens beenden“…

    Auf Grund vieler Proteste hat er seinen Tweet zwar wieder gelöscht, aber es zeigt, dass es Menschen in entscheidungstragenden Positionen gibt, die so etwas in Erwägung ziehen.

    Dein Narrativ zu den Querdenkern ist eher lustig als argumentativ.
    Seine von der gewünschten abweichende Meinung sagen darf man schon, aber man muss es sich auch leisten können. Als Staatsbeamter bist du zu besonderer Loyalität verpflichtet. Als Selbständiger, der von öffentlichen Aufträgen lebt, wirst du dir überlegen, ob du die Hand beißt, die dich füttert.

    • #35 Joseph Kuhn
      8. Juni 2021

      @ Fluffy.

      Wenn ich mal für Alisier antworten darf:

      1. Kannten Sie Herrn Duin vor seinem dummen Spruch? Ich nicht. Er steht nicht für “die Politik” oder “die Gesellschaft”. Leute, die dummes Zeug reden, gibt es überall.

      2. Beamte sind zwar beamtenrechtlich zu besonderer Loyalität verpflichtet, aber nicht zur Kritiklosigkeit. Sie dürfen auch die inhaltliche Position ihres Dienstherrn kritisieren. Öffentlich dürfen sie das allerdings verständlicherweise nicht aus dem Amt heraus, sondern nur als Privatpersonen. Dabei haben sie das Mäßigungsgebot bzw. das “außerdienstliche Wohlverhalten” zu beachten, sprich, ein Beamter sollte auch privat vorgetragene Kritik nicht als üble Beschimpfung oder Beleidigung formulieren. Ansonsten sind die Grenzen weit gesteckt. Könnten Beamte keine abweichende Meinungen sagen, könnten sie parteipolitisch immer nur in der Regierungspartei aktiv sein – was nicht der Fall ist.

      3. Die Hand, die einen füttert, sollte man natürlich nicht beißen. Aber ob sich in der Hinsicht Beamte von anderen abhängig Beschäftigten sehr unterscheiden? Ob z.B. ein Angestellter einer Autofirma gut daran tut, aus dieser Rolle heraus öffentlich die Autos der Konkurrenz zu loben? Auch hier gelten Loyalitätspflichten.

  30. #36 Spritkopf
    8. Juni 2021

    @Fluffy

    Dein Narrativ zu den Querdenkern ist eher lustig als argumentativ.

    Jaulen die Leerdenker etwa nicht laufend darüber, dass sie ihre Meinung nicht sagen dürften? Labern sie nicht ständig über die Diktatur, in der sie leben müssten (u. a. auch Bhakdi)?

    Seine von der gewünschten abweichende Meinung sagen darf man schon, aber man muss es sich auch leisten können.

    Nö, muss man nicht. Man kann seine Meinung auch anonym sagen, wie es hier viele (auch Sie, auch ich) machen. Hätte der Herr Liefers ebenfalls machen können, bloß hätte seine Meinungsäußerung dann halt nicht das Gewicht des bundesweit bekannten Tatort-Kommissars gehabt, sondern lediglich die des weithin unbekannten Otto Normalbürgers. Das hat ihm offenbar nicht gepasst. Seine Entscheidung!

    Weiters hat der Herr Liefers vor allem deswegen seine Prominenz und damit seine öffentliche Reichweite, weil unter anderem sein Sender ihm die verschafft und ihn nebenbei dafür mit einer sechsstelligen Summe pro Tatortfolge fürstlich entschädigt.

    Außerdem macht das auch die von Ihnen verkündete Dummheit des Auftritts- und Berufsverbots für Liefers nicht wahrer. Selbst wenn der WDR sich entscheiden würde, ihn für künftige Tatortfolgen nicht mehr zu verpflichten (wonach es nicht aussieht), dann wäre das die freie Entscheidung des Senders als Kunde von Liefers, genauso wie ich mich morgen entscheiden kann, morgen die Produkte eines bestimmten Herstellers nicht mehr zu kaufen, weil mir irgendwas an seinem öffentlichen Auftreten gegen den Strich geht. Niemand verbietet ihm, als Schauspieler zu arbeiten und niemand hindert den Herrn Liefers, sich von RTL, SAT1, Netflix oder sonstwem anheuern zu lassen.

    Als Staatsbeamter bist du zu besonderer Loyalität verpflichtet.

    Ach, und das kommt für den Herrn Staatsbeamten überraschend? Hat er das nicht bereits beim Ablegen seines Diensteides gewusst und erhält er für seine Loyalität nicht anderweitige Kompensation in Form von Unkündbarkeit und einer satten Pension, die die Ruhestandsgelder von Menschen, die nicht in den Genuß einer staatlichen Verbeamtung kommen, weit übersteigt?

    Als Selbständiger, der von öffentlichen Aufträgen lebt, wirst du dir überlegen, ob du die Hand beißt, die dich füttert.

    Wo ist das bei Selbständigen anders, die keine Aufträge von der öffentlichen Hand bekommen? Wenn ich mich als Zulieferer eines Autoherstellers publikumswirksam äußere, dass mein Kunde die allerletzten Dreckskarren baut und ich in so einem Ding nicht tot überm Lenkrad hängend gefunden werden möchte, dann muss ich mich nicht wundern, wenn der morgen jemand anderes beauftragt.

  31. #37 Fluffy
    8. Juni 2021

    @#35 Alisier featuring Joseph Kuhn

    zu 1. Nein, kannte ich nicht. Aber seine Position als Rundfunkintendant und die damit verbundenen Einfluss und Macht sind mir schon ein Begriff. Wenn Leute in derartigen Positionen “dummes Zeug” reden, kann das auch unangenehm werden. Glücklicherweise gab es sofort scharfen Gegenwind.

    zu 2. Ich stimme völlig zu.
    Natürlich sollte Kritik generell nicht beleidigend oder ehrverletzend vorgetragen werden, aber man siehe auch Jan Böhmermann.
    Es geht mir um berechtigte und sachliche Kritik und nicht um volksverhetzende Äußerungen. Kritik soll ja möglichst intern gehalten werden, damit sie keinen Schaden anrichtet.
    Einige Leser tun hier so, als ob es ganz easy wäre, überall seine Kritik zu äußern. Diese Leute haben vielleicht nichts weiter zu verlieren als ihre Ketten. Whistleblower und Nestbeschmutzer sind auch in Deutschland nicht beliebt und geschützt.
    Natürlich wird Loyalität erwartet und ist auch notwendig. Aber die Grenze zum Gehorsam ist fließend. Und die Pandemiemaßnahmen mit der Erklärung einer pandemischen Notlage sowie der Bundesnotbremse haben nicht nur medizinische Ziele, sondern zielen auf Erziehung zum Gehorsam.

    zu 3. Zustimmung.
    Es geht um sinnvolle Kritik.

  32. #38 Alisier speaking for himself again
    8. Juni 2021

    “……… sondern zielen auf Erziehung zum Gehorsam.”
    Und da ist sie dann auch wirklich, die abgedroschene Diktaturkeule mit Ansage, die sich bereits in den anderen Kommentaren andeutete.
    Einmal, ein einziges Mal würde ich gerne überrascht werden. Ist das denn wirklich zu viel verlangt?

  33. #39 Alisier
    8. Juni 2021

    Es hat übrigens niemand behauptet, es wäre immer “easy” Kritik zu äußern.
    Aber man ist eben auch nicht gleich Sophie Scholl, wenn man sich hinstellt und “Meinungsdiktatur!” oder Ähnliches blökt.
    Da fehlt es manchen leicht ins Verschwörerische Gerutschten offensichtlich erheblich an Fingerspitzengefühl und gesundem Einschätzungsvermögen.

  34. #40 Fluffy
    9. Juni 2021

    @Spritkopf #36

    Jaulen die Leerdenker etwa nicht laufend darüber, dass sie ihre Meinung nicht sagen dürften? Labern sie nicht ständig über die Diktatur, in der sie leben müssten (u. a. auch Bhakdi)?

    Lustig, dass solche Wörter in deiner Polemik nie fehlen dürfen.

    Nö, muss man nicht. Man kann seine Meinung auch anonym sagen, wie es hier viele (auch Sie, auch ich) machen.

    Klar, du kannst ein Loch buddeln, deinen Protest reinschreien, zubuddeln und ein Bäumchen drauf pflanzen. Zehn Jahre später kommt ein Jüngling, schnitzt aus dem Rohr ein Pfeifchen, das die Wahrheit dann in die Welt hinaus flötet.

    Selbst wenn der WDR sich entscheiden würde, ihn für künftige Tatortfolgen nicht mehr zu verpflichten (wonach es nicht aussieht), dann wäre das die freie Entscheidung des Senders als Kunde von Liefers

    Eine interssante Interpretation beider Seiten der Freiheit.
    Kunde Liefers kauft beim WDR …, ja was eigentlich? und bezahlt dafür?
    Einfach, einfacher und einfach …
    ich bin auch Fan von der Blogüberschrift, aber ich glaube nicht, dass der WDR Liefers zu dem guten Schauspieler gemacht hat. Ich mag die modernen Tatorte nicht und schau sie auch nicht, halte aber Liefers für einen exzellenten deutschen Schauspieler.

    Ach, und das kommt für den Herrn Staatsbeamten überraschend? Hat er das nicht bereits beim Ablegen seines Diensteides gewusst und erhält er für seine Loyalität nicht anderweitige Kompensation

    Ja, stimmt, auch Liefers erhält vielleicht für eine loyale Nutzung seiner außerordentlichen Popularität und Reichweite vom Sender eine sehr verlockende Vergütung.
    Aber es geht um den Übergang von Loyalität zum Gehorsam.

  35. #41 stone1
    9. Juni 2021

    @Fluffy

    Ich will mich ja nicht einmischen, aber weil es mir grad aufgefallen ist:

    Eine interssante Interpretation beider Seiten der Freiheit.
    Kunde Liefers kauft beim WDR …, ja was eigentlich? und bezahlt dafür?

    Lies noch mal was Spritkopf geschrieben hat:

    dann wäre das die freie Entscheidung des Senders als Kunde von Liefers

    (Hervorhebung von mir)
    Klar soweit?

  36. #42 Fluffy
    9. Juni 2021

    @stone1 #41

    Ich will mich ja nicht einmischen

    Klar soweit?

    Sag ruhig deine Meinung.

  37. #43 stone1
    9. Juni 2021

    @Fluffy

    Hab eure Diskussion hier nicht im Detail verfolgt, mir ist nur dieses offensichtliche Missverständnis durch einen Lesefehler ins Auge gesprungen, das wollt ich auflösen.
    De nada.

  38. #44 Alisier
    9. Juni 2021

    @ stone 1
    da Neyde würde ich sagen.
    Eine der besten Chilis, die mir je untergekommen ist, und da die Diskussion durchaus etwas Schärfe vertragen könnte…..

  39. #45 stone1
    9. Juni 2021

    @Alisier

    Wenn Du bei diesem Rezept mit dem Sambal Oelek (oder einem vergleichbaren Scharfmacher) nicht sparst, kannst Du ja versuchen, Feuer zu spucken. ; )
    Sorry /OT

  40. #46 user unknown
    https://demystifikation.wordpress.com/
    11. Juni 2021

    Ja, im alten Wortsinn, Querdenker als Menschen, die alte Denkgewohnheiten aufgeben.

    Ich glaube nicht, dass jmd. Denkgewohnheiten aufgeben kann. Man kann nur zusätzlich neue Gedanken ausprobieren.

    Aber nicht die Querdenker aus der faktenignoranten Coronaleugnerfraktion, die das Denken aufgegeben haben.

    Ich begreife viele von denen nicht als einer Fraktion zugehörig, sondern halte die für sehr heterogen. Beispielsweise sind da sowohl rechtsextreme als auch Grüne bei den Impfverweigerern aber Grüne und Braune sind auch unter den Impfgeilen.

    Das ist nicht so schwarz-weiß.

    Insofern haben Sie Recht, man soll nicht alle “Querdenker” über einen Kamm scheren, aber das tut auch niemand.

    Niemand?

    Möglicherweise steckt darin aber noch ein Dissens: Sie deuten eingangs an, dass auch der Widerstreit von Motiven (und Gedanken?) “Wettbewerb” sei. Falls damit gemeint sein sollte, es ist gut, welche Idee, welche Meinung, sich auch immer im “Wettbewerb” auf einem “Markt” der Ideen durchsetzt,

    Noch nie habe ich gemeint, dass eine Sache, die so ist wie sie ist, schon deswegen gut ist. Von Hegel gibt es, soweit ich weiß, einen Argumentationsstunt in diese Richtung. Ich bin weder Alt-, noch Junghegelianer.

    Die Aussage, dass Wettbewerb prävalent ist, soll lediglich nahelegen, dass es wahrscheinlich nicht möglich ist, Wettbewerb auszurotten, wie es ein Kommentator nahelegte, der den Wettbewerb als Grundübel unserer Gesellschaft darstellte.

    Ich schätze das wird ein Kampf gegen Windmühlen.

    gebe ich zu bedenken, dass das zumindest bei Meinungen mit Wahrheitsanspruch heikel ist.

    Tja, in der Demokratie gibt es einen Wettbewerb um Ziele, Methoden und v.a. das Personal, welches die Umsetzung von Meinungen in Verbote und Verordnungen organisiert. Das ist schlecht und anfällig für Manipulationen, für Populismus und faule Kompromisse, aber besser als alles andere, was wir und andere ausprobiert haben.

    3 Querdenker, die mit dem bescheidenen Ansatz How to save the world, in three easy steps angetreten sind wollte ich noch verlinken, Podcast für längere Bahn- oder Autofahrten, vielleicht zu einem EM-Spielort oder einem Impfzentrum, das noch Termine frei hat. 😉

    • #47 Joseph Kuhn
      11. Juni 2021

      @ user unknown:

      “Das ist nicht so schwarz-weiß”

      Deswegen ja der Verweis auf die faktenignorante Fraktion, Modell Bhadki.

      “dass es wahrscheinlich nicht möglich ist, Wettbewerb auszurotten”

      Das wäre auch nicht wünschenswert. Es kommt darauf an, ihn dort einzusetzen, wo er hilfreich ist, und nicht überall.

  41. #48 PDP10
    12. Juni 2021

    @Alisier:

    und da die Diskussion durchaus etwas Schärfe vertragen könnte…..

    Möglich. Aber ich verstehe stone1.

    Am billigen Wetzstein schärft man keine guten Messer.

  42. #49 Alisier
    12. Juni 2021

    @ PDP10
    ……und billige Messer verdienen gar nicht erst gewetzt zu werden.
    Sowie billigste (Beck)Messer auf Dauer ignoriert werden sollten.
    Was macht man z.B. wenn man wiederholt durch unerwünschte Mails belästigt wird? Oder gar bedroht und genötigt wird?
    Sagen wir es so: ich freue mich über jeden fairen Kommentator, der keinen offensichtlichen Schaden hat.
    Und ich wünsche Dir ein schönes Wochenende.
    Halt die Ohren steif.

  43. #50 PDP10
    12. Juni 2021

    @Alisier:

    Ich verstehe von deinen Andeutungen kein Wort.

    Aber ich wünsch’ dir auch ein schönes Wochenende desgleichen.