Im Infektionsschutzgesetz (IfSG) ist festgelegt, dass die im Rahmen der „epidemischen Lage von nationaler Tragweite“ getroffenen Maßnahmen extern bis zum 30.6.2022 evaluiert werden sollen. Der dazu einberufene Sachverständigenausschuss hatte ursprünglich 18 Mitglieder, die eine Hälfte vom Bundestag berufen, die andere Hälfte von der Bundesregierung.

Anders als das Expertengremium, das die Bundesregierung bei den Corona-Maßnahmen beraten soll, hat der Sachverständigenausschuss keine öffentlichen Papiere vorgelegt. Kürzlich ist dieses wenig bekannte Gremium trotzdem wiederholt in den Medien aufgetaucht. So gab es Diskussionen darum, ob eine Evaluation der Maßnahmen bis zum 30.6.2022 wirklich vorliegen wird oder ob eine Verschiebung nötig ist und ob, wie von der WELT und in Querdenkerkreisen spekuliert, Lauterbach auf den Zeitplan Einfluss nehmen wollte. Ein anderes Mal lieferte der Rückzug von Christian Drosten aus dem Sachverständigenausschuss Schlagzeilen. Im Expertengremium, das die Bundesregierung berät, blieb er dagegen. Und zuletzt hat die Süddeutsche Zeitung über ein Entwurfspapier des Evaluationsberichts berichtet, das allerdings öffentlich nicht verfügbar ist.

Der Rückzug von Drosten aus dem Sachverständigenausschuss ist, unabhängig von seinen persönlichen Motiven, von der Sache her sinnvoll, weil es schwierig ist, Maßnahmen zu evaluieren, für die man selbst Empfehlungen in öffentlich exponierter Weise mitformuliert hat. Allerdings wird man beim Thema Corona kaum Fachleute finden, die gänzlich unbefangen sind. Die Konstruktion des Sachverständigenausschusses ist daher auch eher auf die Ausbalancierung von Positionen und eine interdisziplinäre Pluralität angelegt. Ob das gelungen ist, darüber kann man natürlich streiten. Angesichts der heiklen Folgen der Infektionsschutzmaßnahmen für Kinder und für Heimbewohner/innen wäre vermutlich mehr Expertise zu den Themen Kindergesundheit und Pflege nicht verkehrt gewesen.

Auf den ausgeschiedenen Christian Drosten ist nun vor kurzem Klaus Stöhr nachgefolgt, wie Drosten auf dem Ticket der Unionsfraktion. Das ist interessant, weil Klaus Stöhr immer wieder andere Positionen vertrat als Christian Drosten. Drosten wurde unter Minister Spahn zu Zeiten der Großen Koalition berufen, mit Lauterspahn als gesundheitspolitischem Tandem. Jetzt haben wir die Ampel-Koalition, die Union ist in der Opposition und hat nun offensichtlich auch mehr Interesse an Widerspruch zur Regierungspolitik. Schade, dass die Union die Chance nicht genutzt hat, im Gremium fehlende fachliche Expertise auszugleichen, sondern einen Virologen wieder durch einen Virologen ersetzt hat.

Die Zusammensetzung des Ausschusses sieht jetzt wie folgt aus:

Auf Vorschlag der SPD:

• Prof. Dr. Andrea Kießling (stellv. Vorsitzende), Inhaberin der Professur für Öffentliches Recht mit Schwerpunkt Sozialrecht an der Goethe-Universität Frankfurt am Main
• Bis zum 26.1.2022: Dr. Ute Teichert, ehemals Direktorin der Akademie für Öffentliches Gesundheitswesen in Düsseldorf und Vorsitzende des Bundesverbandes der Ärztinnen und Ärzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes e. V. Sie ist ausgeschieden, weil sie als Abteilungsleiterin ins BMG gewechselt ist. Eine Nachfolge wurde bisher nicht berufen.

Auf Vorschlag der Union:

• Prof. Dr. Michael Brenner, Lehrstuhlinhaber für Deutsches und Europäisches Verfassungs- und Verwaltungsrecht an der Friedrich-Schiller-Universität Jena
• Dr. Anne Bunte, Leiterin des Gesundheitsamtes des Kreises Gütersloh
• Klaus Stöhr, Virologe und freier Berater, ehem. Leiter des Global Influenza Programme (GIP) und SARS-Forschungskoordinator bei der WHO

Auf Vorschlag der Grünen:

• Prof. Dr. Thorsten Kingreen, Lehrstuhlinhaber für Öffentliches Recht, Sozialrecht und Gesundheitsrecht an der Fakultät für Rechtswissenschaft der Universität Regensburg

Auf Vorschlag der FPD:

• Prof. Dr. Hendrik Streeck, Direktor des Instituts für Virologie am Universitätsklinikum Bonn

Auf Vorschlag der Linken:

• Prof. Dr. Rolf Rosenbrock, apl. Professor an der Berlin School of Public Health in der Charité Universitätsmedizin Berlin; Vorsitzender des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes – Gesamtverband e.V.

Auf Vorschlag der AfD:

• Prof. Dr. Werner Bergholz, Partner der ISC International Standards Consulting GmbH & Co. KG; ehem. Professor für Electrical Engineering an der Jacobs University Bremen

Auf Vorschlag der (GroKo-)Bundesregierung:

• Prof. Jutta Allmendinger, Ph. D., Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB); Professorin für Bildungssoziologie und Arbeitsmarktforschung an der Humboldt-Universität Berlin
• Prof. Dr. Dr. Katharina Domschke M.A. (USA), Ärztliche Direktorin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Freiburg
• Prof. Dr. Horst Dreier, ehem. Lehrstuhlinhaber für Rechtsphilosophie sowie Staats- und Verwaltungsrecht an der Universität Würzburg
• Prof. Dr. Stefan Huster (Vorsitzender), Lehrstuhlinhaber für Öffentliches Recht, Sozial- und Gesundheitsrecht und Rechtsphilosophie an der Juristischen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum
• Prof. Dr. Heyo K. Kroemer (stellv. Vorsitzender bis 21.12.2021), Vorstandsvorsitzender der Charité-Universitätsmedizin Berlin
• Prof. Dr. Helga Rübsamen-Schaeff (stellv. Vorsitzende ab 21.12.2021), Virologin und Infektiologin, Gründungs-Geschäftsführerin der AiCuris Anti-Infective Cures AG in Wuppertal; Mitglied des Aufsichtsrats der AiCuris AG und der Merck KGaA Darmstadt, Mitglied des Gesellschafterrats der E. Merck KG
• Prof. Dr. Dr. h.c. Christoph M. Schmidt, Präsident des RWI – Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung in Essen; Lehrstuhlinhaber für Wirtschaftspolitik und Angewandte Ökonometrie an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaft der Ruhr-Universität Bochum
• Prof. Dr. Britta Siegmund, Direktorin der Medizinischen Klinik für Gastroenterologie, Infektiologie und Rheumatologie, Charité-Universitätsmedizin Berlin
• Prof. Dr. Jochen Taupitz, Geschäftsführender Direktor des Instituts für Deutsches, Europäisches und Internationales Medizinrecht, Gesundheitsrecht und Bioethik der Universitäten Heidelberg und Mannheim

Nachdem mehrfach bestätigt wurde, dass zumindest eine erste Evaluation zum 30.6.2022 vorliegen wird, darf man gespannt sein. An kritischen Stimmen fehlt es im Sachverständigenausschuss jedenfalls nicht, ein Cheerleader-Papier ist also nicht zu erwarten.

Kommentare (24)

  1. #1 Ludger
    16. Juni 2022

    J.Kuhn: “Schade, dass die Union die Chance nicht genutzt hat, im Gremium fehlende fachliche Expertise auszugleichen, sondern einen Virologen wieder durch einen Virologen ersetzt hat.”

    An welche fehlende fachliche Expertise dachten Sie?

    • #2 Joseph Kuhn
      16. Juni 2022

      @ Ludger:

      “An welche fehlende fachliche Expertise dachten Sie?”

      Siehe oben im Blogbeitrag: “Angesichts der heiklen Folgen der Infektionsschutzmaßnahmen für Kinder und für Heimbewohner/innen wäre vermutlich mehr Expertise zu den Themen Kindergesundheit und Pflege nicht verkehrt gewesen.”

  2. #3 lioninoil
    16. Juni 2022

    Was soll evaluiert (untersucht, geprüft) werden, eine Infektion von nationaler Tragweite.
    Bei allen Prüfungen braucht man Kriterien , hier wahrscheinlich die Auswirkungen der Pandemie auf die Öffentlichkeit.
    Die Zusammensetzung des Gremiums lässt schon mal einen Schluss auf den Schwerpunkt zu.
    Wir haben 7 Juristen, 5 Mediziner, 5 Angehörige von Sozialverbänden und ähnlichen Einrichtungen, 1 Wirtschaftswissenschaftlerin. Wobei Überschneidungen möglich und sogar gewollt sind.
    Die Juristen dominieren, da es ja um ein Bundesgesetz geht und die Länderrechte berücksichtigt werden müssen.
    Was fehlt sind die Arbeitgeberverbände , die Gewerkschaften sind unterpräsentiert, die Kirchen nur indirekt über die Sozialverbände vertreten.
    Es sieht nach Pragmatismus aus, die Wirtschaft soll ja durch eine Pandemie so wenig wie möglich tangiert werden.
    Kleine Anregung: Eine Beauftragte für alleinerziehende Mütter wäre wünschenswert, denn diese Gruppe ist bei einer Pandemie am stärksten belastet.

    • #4 Joseph Kuhn
      16. Juni 2022

      @ lionioil:

      “Was soll evaluiert (untersucht, geprüft) werden”

      Empfehle die Lektüre von § 5 (9) IfSG, da steht es:

      “Das Bundesministerium für Gesundheit beauftragt eine externe Evaluation zu den Auswirkungen der Regelungen in dieser Vorschrift und in den Vorschriften der §§ 5a, 20a, 20b, 28 bis 32, 36 und 56 im Rahmen der Coronavirus-SARS-CoV-2-Pandemie und zu der Frage einer Reformbedürftigkeit. Die Evaluation soll interdisziplinär erfolgen und insbesondere auf Basis epidemiologischer und medizinischer Erkenntnisse die Wirksamkeit der auf Grundlage der in Satz 1 genannten Vorschriften getroffenen Maßnahmen untersuchen.”

      Im Zentrum steht also die Frage der Wirksamkeit der Maßnahmen. Das ist nicht trivial, weil es hier um die Wirksamkeit der Maßnahmen unter realen Bedingungen geht (also nicht etwa um die Frage, was FFP2-Masken im experimentellen Design bewirken), und in Interaktion verschiedener Maßnahmen nach- und miteinander. Empfehle zum Einlesen in die Problematik: “Evaluation komplexer Interventionsprogramme in der Prävention: Lernende Systeme, lehrreiche Systeme?”. Dann können Sie beim nächsten Mal viel besser mitreden und haben auch etwas Zeit bis zum nächsten Kommentar.

      “7 Juristen, 5 Mediziner”

      Zählen im Zahlenraum bis 10 ist nicht immer einfach.

      “5 Angehörige von Sozialverbänden”

      Aha. Vielleicht, wenn man mitzählt, wer alles Mitglied in einem Sozialverband ist, aber das weiß man nicht.

      “Eine Beauftragte für alleinerziehende Mütter wäre wünschenswert, denn diese Gruppe ist bei einer Pandemie am stärksten belastet.”

      Alleinerziehende Mütter und Väter waren sicher hochbelastet. Aber “am stärksten”? Stärker als ihre Kinder? Stärker als pflegende Angehörige? Stärker als die im Lockdown isolierten Menschen in den Heimen? Stärker als die abertausende Menschen aus den Risikogruppen, die schwer erkrankt oder verstorben sind?

      Wie gesagt, nicht immer gleich alles in die Kommentarspalte schütten, was Ihnen durch den Kopf geht. Es schadet nie, vorher etwas nachzudenken. Zur Zeit dazu verhelfe ich Ihnen gerne wieder.

  3. #5 lioninoil
    16. Juni 2022

    Hallo, Herr Kuhn
    Der erste Satz war eine rhetorische Frage, ich habe sogar das Fragezeichen weggelassen.
    Die Aufgliederung des Gremiums, die habe ich in 5 Minuten gemacht, die erhebt auch keinen Anspruch auf Genauigkeit, da hätte man jedes Mitglied genauer untersuchen müssen, was der studiert hat, hat er nur eine Funktionsstelle, ist er überhaupt vom Fach.
    Also, meine Art zu kommunizieren ist, Widerspruch zu provozieren, damit eine Diskussion überhaupt in Gang kommt.
    Geben Sie den Mitkommentatoren auch mal die Möglichkeit etwas Genaueres dazu zu sagen.

    Bei den Gewerkschaften hätte ich mir gewünscht, dass die Polizeigewerkschaft vertreten ist, die GEW, Gewerkschaft der Kindergärtnerinnen und Lehrer.
    Die Deutsche Bahn hätte mit einbezogen gehört, denn die ist bei Einschränkungen gefordert, usw. usw.

    Ungenauigkeit ist bei mir beabsichtigt,

  4. #7 lioninoil
    16. Juni 2022

    XXX

    [Edit: Kommentar gelöscht. Es reicht. JK]

  5. #8 echt?
    16. Juni 2022

    “Ungenauigkeit ist bei mir beabsichtigt,”

    Eine tolle Prämisse. Könnten Sie bitte anderswo hingehen?

  6. #9 wereatheist
    16. Juni 2022

    Immerhin gibt es mit Prof. Jutta Almendinger eine Expertin aus den Sozialwissenschaften, Psychologie ist auch vertreten, Verfassungsrecht sowieso.
    Nur eine Person sticht irgendwie heraus.
    Das erinnert mich daran, dass meine Physik-Fachschaft mal Briefe von einem pensionierten Ingenieur bekam, in denen er die spezielle Relativitätstheorie “widerlegte”.

    • #10 Joseph Kuhn
      16. Juni 2022

      @ wereatheist:

      “Psychologie ist auch vertreten”

      Meinen Sie Frau Domschke? Sie ist Fachärztin für Psychiatrie. Psychiatrie ist etwas anderes als Psychologie, auch wenn beides mit Psychischem zu tun hat.

  7. #11 Staphylococcus rex
    16. Juni 2022

    In der Liste des Sachverständigenausschusses springt mit vor Allem ein Name ins Auge: Prof. Bergholz, der Querdenker im Auftrag der AfD:
    https://scienceblogs.de/gesundheits-check/2021/11/24/wissenschaftliche-abgruende/#comment-114218

  8. #12 PDP10
    17. Juni 2022

    @wereatheist:

    Das erinnert mich daran, dass meine Physik-Fachschaft mal Briefe von einem pensionierten Ingenieur bekam, in denen er die spezielle Relativitätstheorie “widerlegte”.

    Nur Briefe? Habt ihr Glück gehabt. Bei uns sind die immer im Studi-Cafe vorbei gekommen. Ungefähr einer im Jahr. Und manche sind dann auch so schnell nicht wieder gegangen.

    Nun gut. Mit dem pensionierten Elektrotechniker werden sich die restlichen Ausschussmitglieder dann eben auch in Diskutieren und fachlichem Argumentieren üben können. So hab’ ich das jedenfalls damals gesehen. Keine Gegner sondern Training.

  9. #13 PDP10
    17. Juni 2022

    Davon ab fällt mir auch auf, was hier schon angemerkt wurde: Erstaunlich viele Juristen. Mir fehlt unter anderem ein bisschen Verwaltungs- und Managementsachverstand. Wobei ich nicht beurteilen kann ob der eine oder die andere Juristin das nicht auch hat und deswegen dabei ist. Die einzige die da praktisches Wissen beisteuern kann scheint mir diese Leiterin des Gesundheitsamtes des Kreises Gütersloh zu sein.
    Was IMHO auch fehlt sind Informatiker/innen. Sind die ganzen Pleiten bei dem Versuch das Gesundheitssystem zu digitalisieren und das ganze App-Gedöns, dass alles angeblich ganz einfach machen sollte kein Thema mehr?
    Und natürlich das, was oben im Artikel schon angesprochen wurde: Wo sind die Experten/innen für die Auswirkungen der Maßnahmen auf Kinder, Jugendliche und alte Leute? Bei der Frage zum Umgang mit den Schüler/innen oder den Kita-Kindern könnte man ja wirklich über die letzten zwei Jahre den Eindruck bekommen haben, dass der Konsens war und immer noch ist: Ist nicht so wichtig. Und die vorherrschende Strategie lautet: Das wächst sich schon raus.
    Irgendwo habe ich mal für sowas den Begriff “Wohlwollende Vernachlässigung” gelesen …

  10. #14 RPGNo1
    17. Juni 2022

    @wereatheist

    Nur eine Person sticht irgendwie heraus.

    Das ist kein Wunder. Diese Person ist Mitglied in der Pathologie-Konferenz
    und im MWGfD. Ein Querdenker, erwählt von der AfD, spielt “Experte”.

  11. #15 HerrXYZ
    17. Juni 2022

    Wenn ich den Sinn des Ausschusses richtig verstanden habe, dann geht es doch in erster Linie darum zu evaluieren, ob Maßnahmen effektiv/effizient waren und nicht so sehr, ob sie legal waren, oder? Im SZ-Artikel sagt ja auch einer der Beteiligten, dass Paper gelesen und evaluiert werden müssen. Was können Juristen zu dieser Arbeit beitragen?

    • #16 Joseph Kuhn
      17. Juni 2022

      @ HerrXYZ:

      Bekanntlich hilft bei solchen Fragen oft ein Blick ins Gesetz, siehe dazu Kommentar #4.

      Es geht demnach insbesondere um Fragen der Wirksamkeit, aber auch um die Reformbedürftigkeit des IfSG. Spätestens da sind die Juristen am Zug. Des Weiteren wird sich der Ausschuss auch damit befassen müssen, was warum von Gerichten in den letzten zwei Jahren moniert wurde, ebenfalls ein Job für Juristen, ebenso, wenn es darum geht, wo das Regelungswerk ein effizientes Handeln der Behörden eher befördert und wo eher behindert hat, wo es unzureichend rechtssicher war usw. usw. – juristische Expertise dürfte also an vielen Stellen des Evaluationsauftrags gefragt sein.

      Bei der Sichtung epidemiologischer, virologischer oder materialwissenschaftlicher Studien werden die Juristen sicher den anderen den Vortritt lassen.

  12. #17 wereatheist
    Friedrichshain-Kreuzberg
    17. Juni 2022

    @Staph & Alte Rechenmaschine:
    Ich habe nichts gegen Ingenieure. Meine besten Freunde sind Vater ist Ex-Elektroingenieur.
    Die Schrei-Kämpfe, die ich mit 18 nachts mit ihm austrug, endeten damit, dass meine Mutter im Nachthemd erschien und uns ins Bett befahl. Klappte immer.
    Aber mein Alter Herr vertritt keine abstrusen Sondermeinungen.

  13. #18 wereatheist
    17. Juni 2022

    Was auch fehlt, ist eine Expertise in Durchsetzung von Maßnahmen.
    Wenn ich nicht irre, gab es in Italien eine Strafandrohung von bis zu 5 Jahren Gefängnis für Verletzung von Quarantäne-Regeln.
    In Deutschland wurden 50€ Bußgeld für Maskenverweigerung im ÖPNV angedroht.
    Ich habe niemals erlebt, dass jemand diesbezüglich belangt wurde.
    Gefühlt haben sich im Frühsommer ’20 und danach in Berlin die Kontrolleure extra rar gemacht.

  14. #19 HerrXYZ
    18. Juni 2022

    @Joseph Kuhn: OK, sehe ich ein. Allerdings steht im §5(9) IfSG auch: “Die Evaluation soll interdisziplinär erfolgen und insbesondere auf Basis epidemiologischer und medizinischer Erkenntnisse (…)”.
    Unter der Prämisse hätte ich zumindest ein anderes Verhältnis von Medizinern/Epidemiologen/(anderen Natur-) Wissenschaftlern auf der einen und Juristen/Wirtschaftlern auf der anderen Seite erwartet.

  15. #20 Fluffy
    18. Juni 2022

    Sachverständigenausschuss, Expertengremium
    Eins klingt wie die Verfremdwortung des anderen.
    Und schaut man in die Wikipedia, so liest man, dass ein Gremium eine Gruppe von Experten ist, Synonym auch Ausschuss. Also schon mal doppelt gemoppelt, wie weißer Schimmel, kleiner Zwerg usw.
    Und gesten höre ich in den Nachrichten und heute lese ich auf Zeit Online
    Die Bundesregierung plant für den Herbst Maskenpflicht von O bis O, also wie Winterreifen.
    Von der Einbeziehung von Experten oder Gremien war das keine Rede. Man schafft wohl erst mal lieber Tatsachen um sie dann von Sachverständigen begründetn zu lassen.

  16. #21 PDP10
    19. Juni 2022

    @Fluffy:

    Die Bundesregierung plant für den Herbst Maskenpflicht von O bis O, also wie Winterreifen

    Nunja. Es gibt aber gar keine Winterreifenpflicht in Deutschland.

    Der Rest deines Posts ist von der gleichen Qualität, die man von dir inzwischen gewöhnt ist. Irrelevant.

    Wir bedanken uns für Ihre Aufmerksamkeit. Bitte gehen Sie weiter.

  17. #22 Fluffy
    20. Juni 2022

    @pdp10 #21

    Es gibt aber gar keine Winterreifenpflicht in Deutschland

    schlau erkannt
    Aber für jemanden wie dich eine kurze, zusätzliche Erläuterung:
    Es geht um den Slogan. Wer O bis O sagt, braucht keine weiteren Begründungen. Das ist eingängig und assoziativ,
    hat sich ja schließlich schon bei Winterreifen bewährt, bedarf also keiner weiteren Evidenz. Ein klarer psychologischer Effekt. Man geht geht vor, wie bei der Platzierung von Werbebotschaften, kurz, griffig, einprägsam. Eben professionell. Man vergleiche auch mit dem Slogan “Ich bin doch nicht blöd” von Medlamarkt.
    —–
    Der andere Aspekt ist, dass man die Botschaft schon ohne die Verkündung eines Sachverständigenvotums platziert, die übrigens viel umfangreicher und komplexer ausfallen wird.

    Wir bedanken uns für Ihre Aufmerksamkeit. Bitte gehen Sie weiter

    Besteht darin die Relavanz deiner Beiträge?

  18. #23 Joseph Kuhn
    26. Juni 2022

    Chistian Drosten zum Sachverständigenausschuss

    In der aktuellen Aussage 26/2022 des SPIEGEL ist ein interessantes Interview mit Christian Drosten. Er sagt dort u.a.:

    – Es sei ein Fehler gewesen, dass er seinen Posten im Sachverständigenausschuss geräumt hat: “das war falsch”.

    – Dem Ausschuss fehle es für seinen Auftrag an den nötigen Ressourcen: “Einer der Hauptgründe, warum ich gegangen bin, war, dass die Aufgabe mit dem Personenkreis dort nicht zu schaffen war. Wenn man das wissenschaftlich ernsthaft machen will, braucht man Leute, die die Literatursuche übernehmen, beim Schreiben helfen, zusätzliche wissenschaftliche Expertise einbringen. Die Epidemiologie zum Beispiel war gar nicht vertreten. ”

    Ein wichtiger Punkt. Ob der Expertenrat der Bundesregierung, in dem er noch Mitglied ist, über ausreichende Ressourcen verfügt?

    – Er fühle sich “verschaukelt”, weil “nicht namentlich erwähnte externe Experten an dem neuen Text mitgewirkt haben” und weiter: “Meine Kritikpunkte zur Zusammensetzung der Kommission, der Ausstattung und der Arbeitsweise, mit denen ich nicht allein stehe, sind bekannt. Dass jetzt erst auf Nachfrage auch noch bekannt wird, dass an der Genese nicht namentlich bekannte Ghostwriter mitgewirkt haben, ist für mich persönlich inakzeptabel.”

    – Aber: Er habe wohl zu empfindlich reagiert. Und er weist vehement zurück, er sei befangen: “Vielleicht habe ich mich durch diese Medienlegende über meine
    angebliche Befangenheit zu sehr aufs Glatteis führen lassen. Vielleicht hätte ich robuster sein müssen und sagen: Ich weiß ja, dass ich nicht befangen bin, ist doch egal, was einige Zeitungen schreiben – lass sie schreiben.”

    “Ich weiß ja, dass ich nicht befangen bin”, ist allerdings ein merkwürdiges Argument. Vom “bias blind spot” hat Christian Drosten offensichtlich noch nichts gehört.

    – Und am Ende wird es etwas kryptisch: “Wäre ich dringeblieben, dann wäre es vielleicht anders gekommen. Aufgrund der Zusammensetzung der Kommission wäre das aber auch mit größten Beharrungskräften schwierig geworden. Zudem war für mich vollkommen inakzeptabel, dass immer wieder Interna aus den Beratungen durchgestochen wurden.”

    Mit dem “Durchstechen” sind sicher die oben im Blog erwähnten Medienberichte gemeint. Unklar ist, was “anders gekommen” wäre, wäre er noch dabei. Möglicherweise ist er mit den Inhalten des Entwurfs nicht einverstanden.

  19. #24 RPGNo1
    26. Juni 2022

    @Joseph Kuhn

    Danke für den Abriss. Christian Drosten ist mir gleich noch mal sympathischer, auch wegen seiner Fehler (bias blind spot)