Christoph Columbus, Kaspar Hauser, Arthur Conan Doyle und einige andere haben rätselhafte Buchstabenfolgen hinterlassen. Lässt sich herausfinden, was sie bedeuten?

English version (translaed with DeepL)

Was bedeutet die Buchstabenfolge “YOG’TZE”?

Quelle/Source: Schmeh

Diese Frage stellen sich seit 37 Jahren alle, die sich mit dem rätselhaften Tod des Lebensmittel-Technikers Günter Stoll beschäftigt haben. Stoll soll dieses scheinbar bedeutungslose Wort kurz vor seinem Ableben auf einem Zettel notiert haben, den er sofort wieder vernichtete.

Quelle/Source: Schmeh

Ich kannte den YOG’TZE-Fall zwar schon länger, doch mit Kryptologie brachte ich ihn zunächst nicht in Verbindung. Erst als mich Blog-Leser darauf hinwiesen, dass es sich bei YOG’TZE um eine verschlüsselte Nachricht handeln könnte, habe ich diese Geschichte in mein Repertoire aufgenommen. Ein Blog-Artikel, den ich 2015 darüber veröffentlicht habe, wurde zu einem der meistgelesenen und meistkommentierten Beiträge in der Geschichte von Cipherbrain. Im Februar 2021 berichtete ich erneut darüber.

Vermutlich ist “YOG’TZE” kein verschlüsselter Text. Trotzdem kann man diese Buchtabenfolge als Kryptogramm bezeichnen, denn die Bedeutung ist unklar und könnte irgendwann entschlüsselt werden. Ich würde daher von einem “Minikryptogramm” reden.

Es gibt natürlich unzählige weitere Mini-Kryptogramme. Eines davon – es handelt sich um ein Graffito – ließ sich dank des Cipherbrain-Lesers Marcel sogar lösen.

Im Folgenden werde ich fünf weitere Minikryptogramme vorstellen. Ich beschränke mich auf solche, die mit einer bekannten Persönlichkeit oder einem Kriminalfall in Verbindung stehen. Vielleicht kennen meine Leser weitere Beispiele.

 

Kaspar Hauser

Kaspar Hauser tauchte 1828 in Nürnberg auf und gab sich als Junge aus, der in einem Kerker ohne Kontakt zur Außenwelt aufgewachsen ist.

Quelle/Source: Wikimedia Commons

Heutige Experten weisen jedoch darauf hin, dass Hausers Angaben aus medizinischer Sicht völlig unmöglich und in vielerlei Hinsicht gänzlich unplausibel sind. Die Kerkergeschichte war also nicht mehr als ein Ammenmärchen. Der deutsche Wikipedia-Eintrag zu Kaspar Hauser beschreibt all dies sehr anschaulich.

Sogar der Mordanschlag, an dessen Folge Hauser gestorben ist, dürfte insszeniert gewesen sein. Die Verletzung, die das Opfer erlitten hat, kann man sich jedenfalls auch selbst zufügen. Hauser hatte wohl das Pech, dass seine Wunde durch eine Blutvergiftung oder eine sonstige Komplikation zum Tode führte.

Der vermeintliche Bekennerbrief, der stark danach aussieht, dass Hauser ihn selbst verfasst hat, ist mit den Buchstaben “M. L. Ö.” unterzeichnet.

Quelle/Source: Wikimedia Commons

Es ist nicht klar, wofür diese Buchstaben stehen.

 

JonBenét Ramsey

JonBenét Ramsey (1990-1996) war ein Mädchen aus Colorado, das mit Erfolg an einigen Kinder-Schönheitswettbewerben teilnahm. Diese sind in den USA durchaus beliebt, während man sie hierzulande als reichlich geschmacklos empfindet.

Quelle/Source: Wikimedia Commons

JonBenét wurde 1996 in ihrem Elternhaus ermordet aufgefunden. Naturgemäß gerieten die Eltern in Verdacht, doch es ließ sich nie etwas nachweisen. Auf YouTube gibt es mehrere interessante Dokumentationen zu diesem Fall.

JonBenét’s Mutter fand nach eigenen Angaben nach der Tat einen Erpresserbrief mit Lösegeldforderung in ihrem Haus. Es wird spekuliert, dass sie diesen selbst geschrieben hat.

In einem Online-Artikel, den ich allerdings für wenig glaubwürdig halte, ist von angeblichen steganografischen Botschaften im Erpresserbrief die Rede. Darauf will ich nicht näher eingehen. Interessanter ist, dass dieses Schreiben mit “S.B.T.C” unterschrieben ist.

Quelle/Source: Wikimedia Commons

Die Bedeutung dieser Buchstaben ist unbekannt. Teilweise wurde vermutet, dass auch die Höhe des Lösegelds, 180.000 Dollar, eine versteckte Bedeutung hat. Eine schlüssige Erklärung ist mir nicht bekannt.

 

Christoph Columbus

Wie ich 2019 auf meinem Blog berichtete, sind von Christoph Columbus Unterschriften überliefert, die ein Minikryptogramm enthalten.

Quelle/Source: Public Domain

Auch hier ist nicht bekannt, was diese Buchstaben bedeuten.

 

Arthur Conan Doyle

Blog-Leser Tarek Syed hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass Arthur Conan Doyle, der Erfinder von Sherlock Holmes, in seinen Memoiren eine Schatzkarte beschreibt, die ein Minikryptogramm enthält.

Quelle/Source: Memories and Adventures

Wie es aussieht, reiht sich diese Nachricht in die Liste der verschlüsselten Schatzbeschreibungen ein, über die ich schon oft berichtet habe. Die bekanntesten Vertreter sind die Beale-Kryptogramme und die Nachricht von La Buse. Dumm nur, dass noch nie jemand einen dieser Schätze gefunden hat.

Ich wage die Prognose, dass auch die Botschaft von Conan Doyle niemanden zu einem versteckten Schatz führen wird. Dennoch wäre es natürlich interessant zu wissen, was diese Buchstaben und Symbole bedeuten.

 

Alessandro Fiore

Zum Schluss noch ein weiterer (möglicher) Kriminalfall. Im Jahr 2019 starb der Italiener Alessandro Fiore unter ungeklärten Umständen in der Türkei. In der Presse war von einem Herzinfarkt, Selbstmord oder gar von einem Mord als Ursache die Rede.

In einem italienischen Artikel heißt es, Fiore habe vor seinem Tod eine Notiz an einen Taxifahrer übergeben, die man mit “Kein Flughafen bcd kein Bahnhof” übersetzen kann. In diesem Artikel wird spekuliert, ob es sich dabei um eine verschlüsselte Nachricht handelt. Die Nachricht ist eventuell in einem Video zu sehen, das ich aber nicht finden konnte.

Sollte ein Leser hierzu mehr wissen, dann bitte ich um einen Hinweis.


Further reading: An encrypted postcard with only 17 letters

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Kommentare (5)

  1. #1 Karo
    Otterfing
    9. Mai 2021

    Wenn man Günter Hesse glaubt, handelt es sich bei Kaspar Hauser um den Sohn von Pfarrer Wolfgang Hechenberger und MLÖ steht wohl für St. Martin bei Lofer. Hier hat Hechenberger 1822-1826 amtiert. Die Ähnlichkeit kann man schon sehen. Aber ob das alles stimmt…wer weiss

  2. #2 Karo
    Otterfing
    9. Mai 2021

    Das hier bei Google Video Suche eingeben:

    alessandro fiori di soncino mistero del bigliettino

    Dann kann man den Zettel sehen, aber das Video dazu kann -zumindest bei mir nicht- nicht gefunden oder geöffnet werden. Aber man sieht ihn ja auch so.

  3. #3 schorsch
    9. Mai 2021

    Als ich eine Zeitlang in Vietnam gearbeitet habe, habe ich mich bei jeder sich bietenden Gelegenheit von Taxis irgendwo auf’s Land fahren lassen, um dann mittels GPS zurückzulaufen. Da mein vietnamesisch den Taxifahrern oft sehr spanisch vorkam, habe ich meistens – gemeinsam mit dem Fahrer – meine Zielvorstellungen auf den Rücken einer Visitenkarte gekritzelt.

    Das war manchmal ein recht mühsamer Prozess, hat aber letztlich meist funktioniert. Ich schlage vor, einen türkischen Taxifahrer zu Fiores Notizzettel zu befragen. Für diese spezielle Art der Kryptographie sind Taxifahrer die wahren Experten!

  4. #4 Ralf Buelow
    10. Mai 2021

    Die Karte von Arthur Conan Doyle dürfte sich auf die 1782 gesunkene “Grosvenor” beziehen. Ein Teil ihrer Ladung wurde 1999 geborgen, siehe zum Beispiel https://www.thescubashop.co.za/wreck-of-the-grosvenor/

  5. #5 Richard SantaColoma
    https://proto57.wordpress.com/
    11. Mai 2021

    I’ve read quite a bit about the JonBenét Ramsey case, and I do believe it most likely that the mother wrote the ransom note. The significance of the $180,000 figure is that JonBenét’s father had recently gotten a bonus in that amount, but not many people knew about it. There are several other reasons to believe the mother wrote that note.

    BTW, I think the brother killed the girl during rough play. There is evidence they were both awake in the house after the parents went to sleep. The brother probably didn’t mean to kill her, though. This possibility would explain why the mother would write the note, to avoid the possibility the son would come under suspicion.