Seit gestern beherrscht die entsetzliche Flutkatastrophe in Teilen Deutschlands – vor allem in NRW, RLP und Saarland – sowie den angrenzenden Benelux-Staaten die Nachrichten.
Als ich heute morgen in die Nachrichten schaute, war ich geschockt – mittlerweile sind mehr als 100 Menschen in Wasser- und Schlamm-Fluten umgekommen.

Warum warme Luft zu Starkregen führt

Stefan Rahmstorf, Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung,erklärt in diesem Tagesschau-Interview gut, wie es jetzt zu diesem Starkregen-Event kam. Und warum Starkregen und Dürre in verschiedenen Teilen Deutschlands beide Folgen der Klimakrise und seit den 1990-er Jahren genau so vorhergesagt worden sind:

Hier geht es zum Tagesschau-Video.

Kurz gesagt:
Die Erwärmung der Luft über der Arktis führt zum Starkregen. das haben KlimaforscherInnen seit den 1990-er Jahren so prognostiziert, und jetzt zeigen Meßdaten, dass es genau so eintritt.
Warme Luft kann wesentlich mehr Wasser aufnehmen – diese physikalische Gesetzt ist seit dem frühen 19. Jahrhundert bekannt. Pro Grad Erwärmung kann Luft 7% mehr Wasserdampf aufnehmen. Wird sie abgekühlt, gibt sie den Wasserdampf in Form von Regen wieder ab.
Zu diesem physikalischen Vorgang kommen noch dynamische Prozesse in der oberen Atmosphäre dazu, wie Rahmstorf erklärt. Auch wenn die noch nicht vollständig erforscht sind, ist mittlerweile klar, dass sie zu mehr Extremwetterlagen führen. Die Westwinddrift hat sich verlangsamt. Sie wird angetrieben von Temperaturunterschieden. Da die Arktis sich dreimal schneller erwärmt, als der Rest der Welt, und damit das Temperaturgefälle verringert, hat sich dieser “Motor” verlangsamt: Das bedeutet, dass sowohl Hochdruck- als auch Tiefdruckgebiete länger an bzw. über einem Areal verweilen (Rahmstorf hat “trödeln” gesagt). So wir aus ein paar schönen Sommertagen eine Dürreperiode (wie in Mecklenburg-Vorpommern) und aus einem Tiefdruckgebiet ein anhaltender Starkregen (wie in NRW, RLP und andernorts).
Sein Fazit: Die Klimaforschungs-Community hat das seit Jahrzehnten so vorhergesagt aufgrund von Rechenmodellen und es läuft jetzt wirklich genauso ab.

Was jetzt passieren müsste:

  • Erwärmung stoppen und endlich das Pariser Klimaabkommen von 2015 umsetzen
  • Städte, Infrastruktur,… an Klimaänderung anpassen: Parks, grüne Dächer und ähnliche Maßnahmen können Städte fit machen für die schnelle Aufnahme von großen Wassermassen (wird teilweise bereits umgesetzt).

Ausführlicher hat Lars Fischer auf Spektrum über die Flut und ihre Ursachen geschrieben: Die Faktoren hinter den vernichtenden Sturzfluten”. Er hat dabei auch noch sehr gut die spezielle Topographie in der Eifel und anderswo berücksichtigt. Dass ausgerechnet die Eifel so schwer getroffen worden ist, ist nämlich kein Zufall. Da ich einige Fossilien-Exkursionen in diese wilde Gegen unternommen habe, standen mir genau diese Hügel, Felsen und Klüfte mit ihren schnell strömenden Bächen in steinernen  Bach- und Flußbetten deutlich vor Augen. Übelste Ausgangsvoraussetzungen für Flut-Events.
Wenn es um Pandemien und andere Katastrophen geht, ist der @Fischblog jedenfalls einfach unschlagbar.

Stadtplanung zur Milderung der Klimakris

Die Bauingenieurin Prof. Lamia Messari-Becker hat ZDF heute journal ein ausgezeichnetes Interview gegeben, das wir neben dem #Klimaschutz jetzt endlich auch #Klimaanpassungen brauchen.
Dazu nennt sie die Stichworte

  • kritische Infrastruktur schützen
  • städtebauliche Anpassungen
  • Infrastruktur ertüchtigen
  • Bebauung überdenken, ggf. sogar Rückbau
Viele Städte planen übrigens längst ihre Anpassungen gegen zunehmende Hitze und immer stärkere Regenfälle. Diese Planungen laufen seit über 10 Jahren unter dem Schlagwort blau-grüne Infrastruktur.
Über urbane Zentren und ihre besondere Rolle in der Klimakrise hatte ich hier schon einmal ausführlicher geschrieben.

Wirtschaftlichkeit von Extremwetter, False Balance und mehr

Stefan Rahmstorf mahnt, dass PolitikerInnen jetzt endlich den ernst der Klimakrise verstehen und dementsprechend handeln müssten.
Ich sage: PolitikerInnen tun das, wofür sie gewählt werden. Darum ist es an den BürgerInnen, endlich die Politik zu wählen, die zumindest zu einer Abschwächung der Klimakrise führen kann.
Wir sind nämlich längst mitten `drin: Die Arktis taut unwiderruflich ab und der Tropische Regenwald im Amazonas-Becken ist unwiderruflich dahin.
Die Extremwetter dieses Jahres mit den extrem hohen Temperaturen in Nordamerika, Sibirien und Australien, die zu vielen Hitzetoten, verheerenden Bränden gigantischer Ausmaße und schweren Infrastrukturschäden geführt haben, sind eine direkte Folge der Klimakrise.
Dass in Norddeutschland schon wieder eine extreme Dürre herrscht, während im Westen und Süden schwere Unwetter mit Hagel im Juli und der Starkregen mit der folgenden Flut wüten, ist  kein Paradoxon. Ja, auch der Starkregen liegt an der Klimaerwärmung, das haben Stefan Rahmstorf und viele andere sehr schön erklärt.
Wetter ist das regional eingegrenzte Ereignis, während Klima das langfristige globale Geschehen beschreibt.

Ich trauere um die Menschen, die durch die Flut ihr Leben verloren haben oder ihr Hab und Gut.
Gleichzeitig hoffe ich, dass einige Menschen jetzt dem Thema der Klimakrise die Aufmerksamkeit und Relevanz einräumen, die nötig ist.
Dieses Jahr hat die Klimakrise auch in Deutschland voll durchgeschlagen. Nicht in der Arktis, die weit entfernt scheint, oder auf anderen Kontinenten, die noch viel ferner liegen.
Sondern direkt hier, bei uns.
Dass diese Extremwetter erhebliche Kosten verursachen dürften und der Schutz gegen solche in der Zukunft häufiger auftretende Wetterlagen noch wesentlich mehr kosten wird, dürfte beim Anblick dieser Bilder jetzt den meisten Menschen klar geworden sein. Wenn wir nicht schnellstmöglich auch Geld in die Hand nehmen, um die Klimakrise zu mildern und Vorsorge zu treffen, werden die Folgen der ungebremsten Klimakrise immer teurer. Das Argument “Aber die Wirtschaft…” ist also nur ein Totschlagargument, um die benötigten Veränderungen zu verhindern.

Die Forderung nach einer ausgewogenen Berichterstattung für und gegen die Klimakrise ist falsch, denn dabei werden Fakten und Meinungen gegenübergestellt. Die Klimaforscher-Community ist sich einig, dass die Klimakrise läuft, die Vorhersagen der letzten Jahrzehnte treten jetzt ein und sind damit bewiesen. Die Fakten zeigen klar, dass die Klimakrise läuft, wie eben am Extremwetter auch für Laien jetzt deutlich erkennbar ist. Es gibt allerdings eine Minderheitenmeinung, die die von Menschen verursachte Klimaveränderung negiert. Dabei handelt es sich um eine Meinung, nicht um Fakten. Im Politik-Bereich macht die Gegenüberstellung unterschiedlicher Meinungen Sinn, im naturwissenschaftlichen Bereich hingegen ergeben die Gegenüberstellung von Fakten und Meinungen eine falsche Balance.

MeteorologInnen und anderen Menschen, die über die Klimakrise aufklären und JournalistInnen, die darüber berichten, zu unterstellen, sie würden Wahlkampf für die Grünen betreiben, ist ein Scheinargument aus der Klimaleugner-Trickkiste. Beide Berufsgruppen erledigen nämlich einfach ihre Jobs. Nur weil die Fakten manchen Personen nicht gefallen, bedeutet das nicht, dass sie nicht existieren. Solche Unterstellungen zeigen nur, dass jemand nicht in der Lage ist, Fakten als solche zu erkennen und rational danach zu handeln.
Wer solchen Personen Gehör schenkt, entscheidet sich für ein hochgradig irrationales Verhalten, das den vorliegenden Fakten und sogar persönlichen Erfahrungen widerspricht. Evolutiv betrachtet, kann man sich mit so etwas aus dem Genpool mendeln.

Kommentare (23)

    • #2 Bettina Wurche
      16. Juli 2021

      @RPGNo1: Danke für die Ergänzung.

  1. #3 Dirk Freyling
    Erde
    16. Juli 2021

    Versuchen Sie es zur Einschätzung mal mit http://undine.bafg.de/
    [Informationsplattform zu hydrologischen Extremereignissen (Hochwasser, Niedrigwasser)]
    Und schauen Sie sich exemplarisch die Hochwasser-Extremereignisse von 1342, 1784,…, usw., 2021 an.
    Folgen des menschengemachten Klimawandels? Wohl eher zu dicht am Wasser gebaut.
    Übrigens: Der Begriff Klimawandel ist inhaltlich falsch. In was soll sich denn das Klima wandeln? Es sind durchweg Klimaveränderungen, welcher Art auch immer.

    • #4 Bettina Wurche
      17. Juli 2021

      @Dirk Freyling: Haben Sie meinen Beitrag nicht gelesen oder nicht verstanden? Oder beides?
      Natürlich hängt die jetzige Flutkatastrophe mit dem Untergrund zusammen. Das steht explizit im Artikel, im verlinkten Spektrum-Artikel und Frau Prof. Messari-Becker nennt es auch noch einmal. Das ist ja der Grund, warum die kleinen Flüsse betroffen sind. Rhein, Elbe und andere große Flüsse waren ja in den letzten Jahren für die Aufnahme solcher Starkregen-Events angepaßt worden. Darum ist Ihr Beispiel des Marienhochwassers auch falsch.
      Übrigens hatte ich auch den Unterschied von Fakten und Meinung noch einmal erklärt.

      Aber Lesen und Verstehen ist wohl eher nicht so Ihr Ding. Wer angesichts der zunehmenden Flächenbrände und Fluten die Sache mit der Klimakrise immer noch nicht gerafft hat, hat definitiv ein kognitives Problem.

  2. #5 Libertador
    17. Juli 2021

    Danke für den gelungenen Artikel. Ich denke auch, dass man über die Folgen des Klimawandels und die politischen und gesellschaftlichen Reaktionen sprechen muss, wenn es Öffentlichkeit relevant ist. Ich sehe auch nicht, dass dies den Opfern nicht sensibel gegenüber ist. Es ist auch nicht gegenüber Verkehrstoten unsensibel, wenn man nach einem Unfall Hinweisschilder wegen gefährlichem Straßenverlauf aufstellt. Das Unterlassen einer verhindernden Reaktion wäre gleichzusetzen damit, dass einem Opfer dieser Art gleichgültig sind.

    Kleine Anmerkung zu den Begrifflichkeiten:

    “#Klimaanpassungen (Mitigation)”

    Hier sind die Begriffe verwechselt worden. Vielleicht kann man das noch korrigieren.

    Klimaanpassung (Adaptation): Anpassung an die Veränderungen durch den Klimawandel.
    Vermeidung (Motivation): Verhinderung des Klimawandels durch Verringerung/Beenden der Emissionen.

    • #6 Bettina Wurche
      17. Juli 2021

      @Libertador: Danke für die Anmerkung und Ergänzung! Ich habe “Mitigation” `rausgenommen. Es gingt um die Abmilderung der Klimakrisenfolgen durch andere Bebauung und Stadtplanung, es war hier mißverständlich.

  3. #7 knorke
    17. Juli 2021

    Hoffentlich führt diese Katastrophe wenigstens dazu, dass in den Behörden zielstrebig auf besseren Hochwasser- und Katastrophenschutz hingearbeitet wird. Die historische Aufgabe des Klimaschutzes scheint ja für Politik und Gesellschaft schon zu schwierig zu sein, aber vielleicht gibts wenigstens genug politischen Willen, dessen direkte Folgen Abzumildern. So verrückte Ideen wie großzügige Überflutungszonen, geringere Flächenversiegelung sowie mehr bauliche Auflagen und Sicherheitsbestimmungen sollten eigentlich zukünftig selbstverständlicher werden. Ich hoffe, die nächste Bundesregierung wird weniger feige und phlegmatisch agieren beim Thema Klimaschutz. Bisher werden ja bestenfalls Feigenblätter vor sich hergetragen – gerade bei den aktuellen Regierungsparteien.
    Ich sehe aber schon, dass selbst wenn Grün in die Regierung kommen sollte, dass auch dort gekniffen werden wird.

    • #8 Bettina Wurche
      17. Juli 2021

      @knorke: Auf kommunaler Basis passiert da schon ganz viel, die Städte haben längst gemerkt, dass sie aktiv werden müssen. Das Problem ist die Umsetzung. Lamia Messari-Becker spricht es ja konkret an, dass wir Besiedlung und Bebauung überdenken müssen. Aber wie erklärt man jemandem, der ein Haus in einem idyllischen Tal gekauft hat, dass sein Haus nicht versichert wird und er es am besten abreißen soll? Bereits kleine Änderungen sind extrem schwierig durchzusetzen. So brauchen wir in den Städten jeden Quadratmeter Grünfläche als Versickerungsfläche (und zur Kühlung und zum Erhalt der Biodiversität). Leider sind Kies- und Plastikgärten der letzte Schrei. Und wenn man mit einem Eigenheimbesitzer diskutieren möchte, schreit der sofort wegen Enteignung und Einschränkung seiner persönlichen Entfaltung auf. Es ist wirklich schwierig und eine echte Sisyphosarbeit. Lamia Messari-Becker sprach auch direkt an, dass das Neudenken und Anpassen allein der Kanalisation ein Riesenprojekt sei. Die meisten Städte können sich so etwas schon finanziell kaum leisten. Finanzielle Unterstützung gibt es eher NACH einer Katastrophe. Dabei wäre die Veränderung VOR einer Katastrophe preiswerter und eine nachhaltige Investition für das nächste Jahrhundert.

      Ich wünsche mir auch mutige Regierungen auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene.

  4. #9 Gerald Fix
    17. Juli 2021

    Man möge mich bitte nicht für einen Zyniker halten.Disclaimer: Ich bin rückhaltlos für die beschleunigte Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen. Mir geht es nur – rein ökonomisch – um die Wirtschaftlichkeitsfrage.

    Ist die Regenkatastrophe ein bedeutender wirtschaftlicher Schaden? Wenn ein Autofahrer seinen BMW schrottet und ihn danach reparieren lässt, bedeutet das Wirtschaftswachstum. Die Frage Umweltschäden vs. Umweltschutz – ist das nicht weitgehend ein ökonomisches Nullsummenspiel mit dem bedeutenden Punkt, dass jeweils andere Personen zahlen? Umweltschäden zahlen in ganz großem Umfang arme Menschen.

    Oder liege ich falsch?

    • #10 Bettina Wurche
      17. Juli 2021

      @Gerald Fix: Das ist einer der springenden Punkte: Gewinne sind privatisiert und fließen in die Taschen von Privatleuten, Firmen, … Die Schäden hingegen werden verstaatlicht, dafür kommen die SteuerzahlerInnen auf. Das ist das Merkmal eines betriebswirtschaftlich ausgerichteten Managements. Ein volkswirtschaftliches Management hingegen würde Vorsorge treffen, und damit letztendlich für alles sparsamer sein. Wenn ein Staat aber Geld ausgibt, ohne dass dafür gerade die Bude brennt, schreien der Bund der Steuerzahler, die FDP, die CDU und andere betriebswirtschaftlich kalkulierenden Kreise auf, das sei Geldverschwendung. Damit kann man halt keinen großen Wurf machen, wie wir ihn längst bräuchten.

  5. #11 UMa
    17. Juli 2021

    @Gerald Fix
    Sehr langfristig ist es rein ökonomisch klar. Die Verbrennung fossiler Brennstoffe schadet weit mehr als sie nützt. Die Frage ist, ob Schäden in der Zukunft berücksichtigt werden oder durch hohe Diskontierung weg gerechnet werden.

    Mal auf hunderttausend Jahre gerechnet. (Das ist immer noch kürzer als die Zeit, die das CO2 im Klimasystem verbleibt oder Menschen bisher auf der Erde existieren.
    Heute ist der Energieverbrauch bei 600 EJ (Exajoule) pro Jahr. Wenn die Regionen mit geringerem Energieverbrauch nachziehen, steigt er auf 3000 EJ pro Jahr an. Nehmen wir an, das wäre der durchschnittliche Energieverbrauch in den nächsten hunderttausend Jahren. Das sind 300 Millionen EJ insgesamt. Das liese sich problemlos mit Sonnenenergie decken.
    Die fossilen Ressourcen sind etwa 580000 EJ. Das sind 0,19% des zukünftigen Energieverbrauchs. Für die Wirtschaft spielt es langfristig offenbar keine direkte Rolle, ob wir die Verbrennen oder nicht. Fast die gesamte Energie kommt ohnehin aus anderer Quelle, wie Sonne oder Kernfusion.

    Das Verbrennen der fossilen Energieträger hätte aber Folgen für die Erde. Die Meere würden stark versauern. Die globale mittlere Temperatur würde um 10 bis 20 Grad Celsius ansteigen. Die potentielle Verdunstung würde auf das Zwei- bis Vierfache ansteigen. Die mittleren Niederschläge im Jahr aber nur um 10 Prozent, da die tatsächliche Verdunstung des Meeres durch die verfügbare Sonneneinstrahlung limitiert ist. Die Folge ist Dürre. Andererseits kann die warme Luft drei bis acht Mal mehr Wasser aufnehmen und damit bei Starkregen auch drei bis acht Mal mehr Wasser auf einmal abregnen. Es regnet dann also seltener aber wenn dann stärker.
    Die Tropen und Subtropen würden wohl so warm werden, dass die meisten Pflanzen und Tiere einen längeren Aufenthalt im freien zur heißesten Zeit des Jahres nicht überleben würden. Sie werden also unbewohnbar, da Lebewesen die solche Temperaturen wie in der Mitte der Kreidezeit möglicherweise haben aushalten können längst ausgestorben sind.
    Die Eisschilde würden abschmelzen und der Meeresspiegel um 70 Meter steigen. Während sich die durch den Temperaturunterschied zwischen Äquator und Pol angetriebenen stetigen Winde verlangsamen werden sich durch warme Wasser entstehende Winde wie Hurrikane verstärken.
    Das gibt durch Gebietsverluste an Meer und Wüste zusammen mit den Extremwettern einen solchen wirtschaftlichen Schaden, der mit der Verwendung von fossilen Energieträger anstelle anderer Energieträger für nur 0,19% der gesamten Energie nicht zu rechtfertigen ist.

  6. #12 Paul Berberich
    München
    17. Juli 2021

    “Die Erwärmung der Luft über der Arktis führt zum Starkregen. das haben KlimaforscherInnen seit den 1990-er Jahren so prognostiziert, und jetzt zeigen Meßdaten, dass es genau so eintritt.”
    Reanalyse-Daten sind zwar keine Messdaten, sondern ein berechnetes Gesamtbild auf der Grundlage von Messungen.
    Reanalyse-Daten NCEP air 2m für den Monat Juni:
    Differenz Arktis 66..90N – USA 30..49N,125..76W; 1948: 17,5°C; 2021; 20,2°C
    Differenz Arktis 66..90N – Europa 36..67N,10..55E; 1948: 15,4°C; 2021; 17,2°C
    Die Differenz ist erstaunlicherweise größer geworden. Der Monat Juni ist einer der relevanten Sommer-Monate für Stark-Regen-Ereignisse. Im Sommer erwärmt sich die Arktis übrigens wenig, da das Meereis schmilzt.

    • #13 Bettina Wurche
      17. Juli 2021

      @Paul Berberich: Herr Rahmstorf hat im Interview die jetzt gemessenen Daten als Meßdaten bezeichnet, das habe ich zitiert. Sind Reanalyse-Daten eine Extrapolation auf der Basis von Modellrechnungnen?

      Kann schon sein, dass die ausgedehntere Meereisschmelze zum Herbst hin für eine relativ stärkere Erwärmung der Arktis sorgt. In diesem Fall hat es aber auch im Juli schon gereicht, um warme Regenwolken lange genug in einem örtlich recht begrenzten Areal zu halten. Das heißt ja nicht, dass im Herbst nicht noch üblere Starkregen-Events drohen könnten.

  7. #14 Paul Berberich
    München
    18. Juli 2021

    “Kann schon sein, dass die ausgedehntere Meereisschmelze zum Herbst hin für eine relativ stärkere Erwärmung der Arktis sorgt.”
    Sie haben mich falsch verstanden. Es geht um die aktuellen Temperaturen in der Arktis. Nach NCEP air 2m betrug im Juni 2021 die Mittel-Temperatur in der Arktis 65°N..90°N 1,3 °C und war damit niedriger als im Mittel 1948-2021 (2,1°C). Die beobachteten momentanen Stark-Regen-Ereignisse in Deutschland können Sie so nicht erklären.

    • #15 Bettina Wurche
      18. Juli 2021

      @Paul Beberich: Zugegeben, Ihr 1. Kommentar war etwas wirr mit aus dem Kontext gerissenen Zahlen und ohne Schlußfolgerung. Habe ich Sie jetzt korrekt verstanden: Sie nennen einen Einzelwert (Juni 2021) und möchten damit ausdrücken, dass so selbstverständlich die Klimakrise mit dem seit über 50 Jahre dokumentierten Temperaturanstieg in der Arktis, die auch für das Wettergeschehen in Nordeuropa direkt mit verantwortlich ist, keinesfalls die Erklärung für die zunehmenden Extremwetter-Events sein kann?
      Oder habe ich Sie mißverstanden?
      By the way: Ich erkläre gar nichts. Ich zitiere KlimaforscherInnen und MeteorologInnen, deren Analysen und Schlußfolgerungen ich aus meinem Bereich der Zoologie vor allem in den Meeren der Nordhalbkugel nur bestätigen kann. Weil wir bei Pflanzen und Tieren gerade einen Zusammenbruch einiger Nahrungsnetze in der Arktis sehen und eine seit über 20 Jahren dokumentierte Wanderung von Arten nach Norden sehen. Das sind übrigens Fakten aus direkten Beobachtungen, Funden und Proben.

  8. #16 zimtspinne
    18. Juli 2021

    @ Bettina

    Ich finde deinen Artikel super bzw auch dass du dich des Themas annimmst.
    Leider gehen die Hitzetoten, jetzt auch die Unwettertoten sowie Geschädigten im alles beherrschenden Hauptthema Pandemie völlig unter.
    Finde ich nicht angemessen, denn diese Zahlen werden zukünftig steigen. Wahrscheinlich auch exponentiell^^

    Auch, dass du endlich einmal den Aspekt Schutz & Anpassung ansprichst, was sonst auch kaum geschieht, damit man nur damit beschäftigt ist, sich zu beharken, was eher weg muss: die Autos oder die überflüssigen Touri-Flüge (mal überspitzt).

    Was vielleicht nicht ganz korrekt ausgedrückt ist in der Überschrift und da ich seit 2015 im Thema drin bin, fällt mir das auch auf:

    Besser wäre:
    Klima-Veränderungen/Klima-Destabilisationen erhöhen die Wahrscheinlichkeit für Extremwetterereignisse.
    Sie erhöhen die Wahrscheinlichkeit für die Häufung solcher Geschehen.

    Sie können aber nicht als Ursache eines einzelnen Geschehens betrachtet werden, da muss man pingelig sein, denn das ist einfach so eher Wissenschaftspopulismus als Fakten.
    Es gab schon immer mal extreme Dürren (2018 schlug ja fast die monströse Dürre im Jahr 15nochwas), es gab auch Jahrhundertehochwasser, extreme Hitzewellen, Waldbrände, Tornados usw usw.

    Nur die Häufung, Intensität und Anstiege sowie die zügige Pulverisierung gerade erst gesetzter Rekorde (für Hitzespitzen und nun auch für Niederschlagsmassen) können mit der Klimaveränderung in Verbindung gebracht werden.

    Da bin ich ganz bei Kachelmann, der dieses Geschrei bei einer Hitzewelle, Waldbränden oder Unwetterereignis “das ist der Klimawandel!” anprangert.

    Wenn das Leute auf der Straße tun, die sich noch nie mit Klimatologie und Meteorologie befasst haben, ist das eine Sache.
    Wissenschaftskommunikation sollte aber so nicht aussehen.

    Ich habe auch noch einen ganz ketzerischen Gedanken, den ich mir aber mal für später aufhebe.
    Muss dafür auch erstmal ausholen…. 😉

    • #17 Bettina Wurche
      18. Juli 2021

      @Zimtspinne: Ja, der Titel ist reißerischer als der Artikel. Das was Absicht. Ich spreche halt nicht als Stimme eines Instituts, sondern bin hier als Sciencebloggerin unterwegs. Mit einer etwas lauteren Überschrift erreiche ich hoffentlich auch Kreise, die es sonst nicht so mit Wissenschaftskommunikation haben. Außerdem ist es eine klare Ansage. Im Artikel und den verlinkten Quellen wird es dann ja weiter erklärt.
      Ich bin kein Kachelmann-Fan. Auch wenn er wirklich Ahnung hat, geht mir sein Geschrei total auf die Nerven. Er gefällt sich in der Rolle des Rebellen und Outlaws zu gut. Ich finde, dass im Öffentlich-Rechtlichen TV und Rundfunk sehr gute KlimaforscherInnen und MeteorologInnen die sehr komplexen Zusammenhänge gut verständlich erklärt haben.

  9. #18 zimtspinne
    18. Juli 2021

    Verstehe ich zwar, aber das ist ja trotzdem hier nicht dein Privatblog in den Weiten des Netzes, sondern auf einer wissenschaftlichen Plattform…. da finde ich reißerische und ungenaue Titel nicht so gut.
    Ist meine Meinung, kann jeder ne andere haben natürlich 😉
    Außerdem, wenn du genau das tust, was du bei Kachelmann wiederum anschwärzt….hm… ähm.

    Ich finde Kachelmann gut, da er sich nicht darum schert, was andere von ihm denken und sich das auch erlauben kann, da er sein eigener Brötchengeber ist und nicht abhängig von den ÖR zB oder einem Unternehmen der freien Wirtschaft, die dann ihre eigene Meinung eher nicht vertreten dürfen oder zerhackt werden.

    Außerdem hat er die mit Abstand kompetenteste und beste Seite fürs Wetter, stellt vieles kostenlos zur Verfügung, was andere Anbieter sich teuer bezahlen lassen, und verzichtet auf schwachsinnigen Wetter-Event-Stil, den die meisten anderen Portale pflegen mit Überschriften wie “wann kommt endlich der Sommer mit stabilem Hochdruck zurück!?”
    Mitten in der Klimakatastrophe sich stabile Hitzewellen und Trockenheit offiziell marktschreierisch herbei zu wünschen, sowas sollte unter Schandkragentragen bis Teeren und Federn gestellt werden.

    Genau da ist Kachelmann samt Mitarbeiter anders und begrüßt Regen, sonst allerdings werden die Wetteraussichten eher un-wertend und faktenbasiert verkündet, was ich sehr schätze.

    Und sorry, aber für die komplexen Zusammenhänge interessieren sich die Bürger eher nicht so sehr, auch wenn das nicht so schön ist…..
    da hat Kachelmann mit seinen kurzen und auf den Punkt gebrachten Aussagen eine viel größere Reichweite.
    Inzwischen ist es ja schon bei manchem Stammtisch zu Hause angekommen, dass es die größte Mittagshitze genauso wenig gibt wie krankwerden vom “Durchzug” und “Windzug”.
    Leider ist Aberglaube und Bullshit-Allgemein”wissen” so weit ausgeseucht in der Bevölkerung, dass da Aufklärung bitter not tut.
    Wer nicht mal elementares Grundlagenwissen hat, sollte sich mit erweiterten Wissen wie Klimageschehen besser erst gar nciht befassen, sondern erstmal mit den basics.
    Wie der Mittagshitze oder Waldbrandursachenmythos Glas.
    Dass er nebenbei oft gegen Homöopathie und sonstiges weit verbreitetes Geschwurbel unwettert, ist ein netter Nebeneffekt.
    Lange wissenschaftlich aufgebaute Artikel dazu liest kaum einer, kurze und knappe Kommentare dazu schon.
    (ich habe aber auch manchmal abweigende Ansichten, so ist es nicht, dass ich einfach alles nachplappere ;))

    • #19 Bettina Wurche
      18. Juli 2021

      @zimtspinne: Es bleibt Dir ja überlassen, auf Deinem Scienceblog den Deiner Ansicht nach richtigen Tonfall anzuschlagen. Dein Kommentar ist jedenfalls schon ziemlich übergriffig.
      Vergleiche mit Kachelmann verbitte ich mir. Ich bekomme auf Twitter seine Ausfälle manchmal am Rande mit, der wütet herum wie ein Wahnsinniger. Ein völlig indiskutables Auftreten. Nicht mein Stil. Muss jede/r selbst entscheiden, wie sie/er sich äußert und auftritt.

  10. #20 Bert Robel
    20. Juli 2021

    Unter nachfolgender Internetadresse findet sich eine Zusammenstellung aller historisch belegten Hochwässer im Ahr-System von 1348 bis 1980.
    https://www.kreis-ahrweiler.de/kvar/VT/hjb1983/hjb1983.25.htm
    Nach dieser Zusammenstellung dürften insbesondere das Hochwasser vom 21. Juli 1804 sowie (eventuell etwas schwächer) das vom 12./13. Juni 1910 (beides ebenfalls Sommerhochwässer!!) sehr ähnliche Größenordnungen gehabt haben wie das aktuelle (hier kann man sich noch einige alte Ansichtskarten vom Hochwasser 1910 ansehen: https://www.ansichtskartenversand.com/ak/100-Ansichtskarten-AK-Geschichten/210-Ahr-Hochwasser-13-Juni-1910 ) .

    Damit könnten solche Sommer-Hochwässer im Ahr-System eine hydrologische Jährlichkeit (Wiederkehrwahrscheinlichkeit von Naturereignissen, hier Überschwemmungen) von ganz grob etwa einmal alle 100-200 Jahre haben.

    Wie das wiederholte Eintreten solcher Ereignisse im Ahr-System in der auch ferneren Vergangenheit zeigt, braucht es dafür keine menschengemachte Klimaerwärmung; Hochwässer dieser Größenordnung sind im Ahr-System einfach sehr seltene hydrologische Ereignisse, die auf sehr selten auftretenden meteorologischen Bedingungen (Wetter!!!) beruhen. Da sie so selten sind, gibt es natürlich auch keine lebenden Personen mehr, die von den früheren Ereignissen berichten könnten, was für die heute Lebenden das Ereignis noch viel mehr so völlig singulär erscheinen lässt.

    • #21 Bettina Wurche
      20. Juli 2021

      @Bert.Robel: Hätte es in der Vergangenheit so verheerende Hochwasser-Events im Ahr-System gegeben, wären sie garantiert überliefert worden. Schließlich sind auch die sogenannten Marienhochwasser oder die Große Mansdränke überliefert. Solche einschneidenden Erlebnisse sind von Geschichtsschreibern und in Kirchenchroniken aus dem letzten Jahrtausend dokumentiert und durch geologische und geomorphologische Analysen oft noch einmal nachgewiesen.

      Habe ich Sie richtig verstanden, dass Sie entgegen nicht vorhandener Nachweise und mittels einer historischen Postkarte mal eben
      – historische Geschichtsschreibung
      – in Text, Bild, Ton dokumentierte Augenzeugenberichte und Berichte von Menschen, die vom steigenden Meeresspiegel, immer häufigeren Wildfeuern, abschmelzenden Landschaften der Arktis, zunehmender Dürre, etc
      – sowie Hunderttausenden von wissenschaftlichen Arbeiten in Text, Bild, Statistik und Satellitenaufnahmen aus verschiedenen Fachrichtungen aus aller Welt
      mal eben leugnen?

      Das überzeugt mich jetzt nicht so wirklich.
      Wer angesichts der zunehmenden Flächenbrände und Fluten die Sache mit der Klimakrise immer noch nicht gerafft hat, hat definitiv ein kognitives Problem.
      Auf Meertext ist leider kein Platz für Klimaleugner.
      Und ich habe auch kein Herz für ältere Herren, die irgendwann und irgendwo geistig falsch abgebogen sind.

  11. #22 RPGNo1
    26. Juli 2021
    • #23 Bettina Wurche
      27. Juli 2021

      @RPGNo1: Wenig überraschend : ) Quarkdenker und Klimakrisenleugner haben so eine ganz typische Kommunikationsweise. Aus dem Kontext gerissene Fakten angereichert mit Erfundenem, aggressiv und vor allem recht wirr. Das macht den Umgang damit für faktenbasierte Menschen ja so schwierig, weil sie zu oft versuchen, den wirren Sprüngen zu folgen.
      Wenn jemand etwas wissen möchte, erkläre ich ja meist geduldig. Und wenn ich etwas nicht korrekt dargestellt habe, lasse ich mich auch korrigieren. Aber bei Quarkdenkern und Klimakrisenleugnern geht es ja nur um die Verbreitung deren abstrusen Weltbilds, da ist eine Diskussion gar nicht möglich. Und auch nicht sinnvoll.