Eckart von Hirschhausen (der selbst eine Zeit lang als Wissenschaftsjournalist gearbeitet hat) bricht eine Lanze für Wissenschaftsjournalismus, bei dem die Berichterstatter auch davon leben können, wenn sie anderen aus der Welt der Wissenschaft berichten. Leider wird das immer schwieriger:

“Wir brauchen Menschen, die das Handwerk von Verstehen und Verständlich-Machen verstehen, jetzt und erst recht in Zukunft. Wenn wir die großen Fragen beantworten wollen, wie wir auf diesem Planeten leben können, müssen die Menschen, die uns allen bei den Antworten helfen, auch selber davon leben können. So einfach. So wichtig.

Dies ist leider keine Selbstverständlichkeit mehr, überall wird gespart, vor allem an Sinn und Verstand. Immer weniger Köpfe sollen immer mehr „Output“ leisten, und dabei gehen Kompetenz, Relevanz und Humor vor die Hunde. Und das regelt nicht „der Markt“. Deshalb hoffe ich, dass viele Verantwortliche und Entscheider diese Texte beherzigen und Ressourcen für Wissen einplanen.

Als ARD-Moderator bin ich auf die Recherche von guten Wissenschaftsjournalisten angewiesen. Gerade im Bereich Gesundheit braucht es Profis, die zwischen Sinn und Unsinn unterscheiden können. Unabhängige Berichterstattung ist keine Nische, sondern der Kern des öffentlich-rechtlichen Systems, ein Pfeiler unserer Demokratie, die in komplexen Dingen entscheiden muss. Kein Luxus, sondern Notwendigkeit.

Musste mal gesagt werden.”

Nachtrag 20.11.: Den gesamten Artikel kann man jetzt auch beim Medien-Dienst kress nachlesen.
Quelle:

Eckart von Hirschhausen: “Fünf steile Thesen zur Zukunft des Wissenschaftsjournalismus”
Whitepaper der dpa zum Wissenschaftsjournalismus (Download des pdf leider nur gegen Registrierung). Zur Pressemitteilung geht es hier.

Kommentare (6)

  1. #1 Tim
    13. November 2015

    Menschen sind i.d.R. nur dann bereit, für Medieninhalte zu zahlen, wenn sie für sie eine Unterhaltungsfunktion erfüllen. Darum waren Tageszeitungen ja über Jahrzehnte so erfolgreich: Frühstück, Bahnfahrt und Pause am Arbeitsplatz konnten angenehm gefüllt werden.

    Unterhaltung bieten soziale Medien und allerlei Apps heute allerdings viel besser, darum hat es Journalismus heute so schwer.

  2. #2 Marcus Anhäuser
    13. November 2015

    Nur Unterhaltung als Zahlungsmotivation anzugeben, finde ich ein bisschen kurz gesprungen. Stiftung Warentest beweist das Gegenteil. Und der Zeitungskiosk Blendle wird hoffentlich zeigen, dass auch Journalismus per se, bezahlt wird. Aber ich bin aus der Branche, und sehe das vielleicht zu optimistisch. Es ist schwer.

  3. #3 Beobachter
    19. November 2015

    Jeder, der seine Arbeit gut, verantwortungsbewusst und redlich macht, sollte dafür adäquat bezahlt werden – auch und gerade unabhängige Journalisten.
    Guten Journalismus zur Erhöhung der Zahlungsmotivation mit hohem Unterhaltungswert verknüpfen zu wollen/müssen, halte ich für gefährlich (von schlechtem gar nicht zu reden).
    Denn dann werden nur noch “Storys” aufgegriffen, die medienträchtig etwas hermachen, die sich gut verkaufen/vermarkten lassen.
    Auch Skeptizismus wird zum “Boulevard-Skeptizismus” – der “alltägliche Wahnsinn” bleibt außen vor.

    Unabhängiger Wissenschaftsjournalismus ist wichtiger und notwendiger denn je, weil sich im Erkenntnisstand unendlich viel tut, die Zusammenhänge/Hintergründe immer undurchschaubarer werden, der Internet-Dickicht nicht mehr zu überblicken ist.
    Es braucht kompetenten, guten Journalismus, um dem interessierten Laien vieles verständlicher, differenzierbarer zu machen – und ihn auf Entwicklungen aufmerksam zu machen.

    Ich hoffe, dass die Situation für engagierte, kompetente Wissenschaftsjournalisten nicht so schwer ist, dass sie aufgeben.

  4. #4 WolfgangM
    24. November 2015

    Es gibt natürlich auch das Problem, dass sich Journalisten selbst als evidence based Medizinjournalisten bezeichnen und grausamen Unsinn beispielsweise als Impfgegner verzapfen, Bücher schreiben und Filme produzieren. Die leben offenbar auch nicht schlecht. Jetzt ist die Unerzeichnerliste der AIDS-Leugner nicht mehr einsehbar, aber vor einigen Jahren haben aus Österreich 7 Personen die AIDS-Leugner Liste unterschrieben, davon haben sich drei als Journalisten bezeichnet.
    Und der Impfgegner, AIDS-Leugner der gelernte Milchwirt Hans Tolzin bezeichnet sich ja selbst als Journalist und gibt ein sog “unabhängiges Impfjournal” heraus, offenbar ist da auch genug Kohle drinnen, dass er nach Westafrika fahren kann um NACH der Ebola Epidemie, dass das ja keine Virusinfektion gibt. Na ja und den Dr.Lanka gibts ja auch noch, nur mußte der halt wegen seiner Virenleugnerei grad 100.000 € zahlen. Ob er das von der steuer absetzen kann.

    Also ich würd mir wünschen, dass sich motivierte Wissenschaftsjournalisten mal kräftig und öffentlich von diesen schrägen Typen distanzieren.

  5. #5 Beobachter
    24. November 2015

    @ WolfgangM:

    Was haben Herren wie Tolzin und Lanka mit seriösem Journalismus, gar mit Wissenschaftsjournalismus zu tun?

    Da die Berufsbezeichnung “Journalist” rechtlich nicht geschützt ist – kann sich offenbar jeder, der irgendwas schreibt/äußert, das irgendwo gedruckt/veröffentlicht/verbreitet wird, als Journalist/Autor/”Technologie-Scout” u. ä. bezeichnen.

    Dazu gehören auch Leute wie z. B. Harald Kautz-Vella, sozusagen Hans-Dampf-in allen-Gassen:
    https://www.psiram.com/ge/index.php/Harald_Kautz-Vella

    Und der sogar als “Technologie-Scout” in der “Umweltmedizin” mitmischt:
    http://www.fatigatio.de/fileadmin/user_upload/07/docs/FlyerUmwelttagung2013.pdf

    Da muss man als “mündiger Bürger” und besonders als “mündiger Patient” schon selbst unterscheiden können – sonst ist man ausgeliefert.

    Seriöse, kompetente Wissenschaftsjournalisten kämen aus dem gewünschten “öffentlichen Distanzieren von diesen schrägen Typen” gar nicht mehr raus …

  6. #6 Beobachter
    22. Dezember 2015

    @ Marcus Anhäuser:

    Aktuell gibt es bei ScienceBlogs einen Beitrag im Blog “Was geht ?” von Blogbetreiber und Autor Frank Wunderlich-Pfeiffer:

    “Kernkraftwerk Tihange und der Journalismus in der Demokratie”

    mit inzwischen einer recht großen Anzahl von Kommentaren.

    http://scienceblogs.de/wasgeht/2015/12/20/kernkraftwerk-tihange-und-der-journalismus-in-der-demokratie/#comments

    Meiner Meinung nach wird dort ein ganzer Berufsstand (“die Journalisten”/”der Journalismus”) – und insbesondere der “kritische Journalismus” – diffamiert.
    Vielleicht wäre es für den Fortgang der Debatte ganz fruchtbar und hilfreich, wenn sich mehrere professionelle Journalisten dort zur Sache äußern würden.

    So kurz vor Weihnachten wird verständlicherweise kaum jemand noch Zeit und Lust haben, sich einzumischen – es wäre jedoch m. E. schade, wenn so ein wichtiges Thema wieder in der Versenkung verschwinden würde.