Journalisten berichten von den Orten der Katastrophen und des Horrors und graben sich dabei oft bis in die letzten Details eines Ereignisses. Ihr Job ist es aber auch zu versuchen, ein Ereignis wie den Amoklauf von Newtown, Conneticut, in ein Gesamtbild einzuordnen, Abstand zu gewinnen und das große Ganze sichtbar zu machen. Hierfür eignen sich – wie ich finde – Methoden des Datenjournalismus’ , den ich seit einiger Zeit versuche (mehr verzweifelt als erhellt) zu erlernen (oder zumindest ein Gefühl dafür zu entwickeln, was möglich ist).

Eines der Tools, mit dem man sich und seinen Lesern einen Überblick verschaffen kann, nennt sich Google Fusion Tables. Damit lassen sich Punkte auf einer Karte lokalisieren und darstellen. Um den Amoklauf von Newtown in ein Gesamtbild einzuordnen, habe ich mir eine Liste der Amokläufe an Schulen aus der englischen Wikipedia heruntergeladen (mittels eines Tools namens Outwit Hub Pro, mit dem man Daten von Webseiten scrapen kann). Diese Liste habe ich ein wenig bereinigt und umgestellt, mit deutschen Titeln versehen, und dann per Google Docs und Fusion Tables die Orte der Google Map zugeordnet (macht Fusion Tables ganz von allein, wenn es weiß, in welcher Spalte es suchen muss). Um ein wenig mehr Informationen in die Karte zu bringen, habe ich die Marker mit der Anzahl der Todesfälle verbunden (die Legende unten erklärt die Marker).

Am Ende erhält man einen Einbettungscode, den man in die Seite einbauen kann. Man kann – wie von Google Maps gewöhnt – in die Karte rein- und rauszoomen. Wenn man auf einen der Marker klickt, geht ein Infokasten auf, der Angaben zu jedem einzelnen Amoklauf liefert, die in der Wikipedia-Liste enthalten sind, z.B. genaue Zahl der Getöteten, der Verletzten oder die Waffenart.

In den Infoboxen finden sich Angaben zu den Waffenarten, die die Täter verwendeten. Folge Abkürzungen stehen für folgende Waffenarten:

F = Feuerwaffen

M = Blankwaffen (wie Messer, Schwerter, Äxte etc.)

O = jede andere Waffe (wie Bomben, Molotov Cocktails, Autos, Giftgas u.a.) dabei bedeuten andere Buchstaben, dass diese Waffenart alleine verwendet wurde (A=Arsen Brandstiftung; V=Vehikel; E=Explosivstoff; P=giftige, anästhesierende oder tödliche Substanz)

Die vollständige Tabelle, die hinter dieser Weltkarte liegt, findet sich hier.

Die ideal Kombination für eine Darstellung wäre meiner Meinung nach ein Kombination aus Weltkarte und Zeitleiste, auf der man sieht, wann sich welche Amokläufe ereignet haben.

Es gibt dazu Tools (ich glaube Tableau Public könnte das), die ich aber nicht beherrsche. Um dem aber annähernd gerecht zu werden, habe ich in Excel eine Zeitleiste gebastelt, die zwei Informationen liefert:

  • eine zeitliche Verteilung der Amokläufe an Schulen weltweit
  • das Alter der Attentäter zum Zeitpunkt der Tat (allerdings mit zwei Vereinfachungen: in zwei Fällen mit zwei Tätern habe ich das jüngere Alter genommen, der Unterschied betrug ein bzw. zwei Jahre; in sechs Fällen war das Alter nicht bekannt, diese Fälle fehlen)

Um den gesamten Zeitverlauf ab 1900 zu überblicken (und die Altersachse links) das Bild bitte anklicken:

Wobei können diese Grafiken helfen? Sie zeigen zum einen, dass die Tat in Newton, Conneticut, gemessen an den Todesfällen, eine der drei Amokläufe an Schulen war, mit den meisten Toten. Die Weltkarte zeigt mir aber auch, dass in China offenbar vergleichsweise häufig Amokläufe in Schulen vorkommen, diese aber nicht so blutig ablaufen wie etwa in den USA. Ein möglicher Grund: Betrachtet man die Waffenart, kommen in China häufiger Blankwaffen zum Einsatz. Die Weltkarte offenbart auch, dass es insgesamt nur wenige Länder mit Amokläufen an Schulen gibt. In Europa ist Deutschland leider ein Brennpunkt diesbezüglich, während es in Frankreich und (siehe Nachtrag 16.12.) Spanien offenbar niemals solche Attentate in Schulen gab.

Die Zeitleiste erweckt zumindest den Eindruck, dass Amokläufe an Schulen zwar auch schon vor dem zweiten Weltkrieg auftraten, aber eigentlich erst ab den 60er Jahren und dann vor allem ab Ende der 90er Jahre ein zunehmendes Phänomen zu sein scheint.

Schließlich kommen wir noch zu einem grundsätzlichen Problem des Ganzen hier: Pauschale Aussagen lassen sich eigentlich erst machen, wenn man weiß, wie vollständig die Amokläufe der letzten hundert Jahre bei Wikipedia erfasst sind. Wikipedia selbst schreibt nur, dass die Liste unvollständig ist.

Dies wäre jetzt die Herausforderung an einen Datenjournalisten: Das Checken der Quelle durch Vergleich mit anderen Quellen. Wer mögliche Vergleichsquellen kennt, bitte in den Kommentaren melden.

Mir ging es hier aber erst einmal um den Einsatz von Fusion Tables. Das hat funktioniert. ich könnte jetzt noch sämtliche Wikipedia-Listen zu Amokläufen generell scrapen und zu einer großen Tabelle zusammenfassen, die dann entsprechend mit Fusion Tables oder dann Tableau umsetzen. Dazu fehlt jetzt aber erstmal die Zeit. Wer möchte? Bitte schön.

Nachtrag (16.12.): Nicolas Kayser-Bril und Thomas Seymat verwiesen mich per Twitter darauf, dass es im März einen Amoklauf an einer jüdischen Schule in Toulouse gab. Der fehlt in der Wikipedia-Liste, möglicherweise, weil der Täter an den Tagen zuvor bereits Soldaten umgebracht hatte. Es gibt eine eigene englische Wikipedia-Seite dazu, die die Umstände erklärt. Hier ein ZEIT-Artikel, der noch von einer Mordserie spricht. Ich habe den Vorfall an der jüdischen Schule ergänzt.

Nachtrag (17.12.): Einer der Kommentatoren ist der Meinung, dass die Toulouse-Attentate kein Amoklauf waren, und daher nicht auf die Karte gehören, sondern gezielte Morde waren. Interessante Frage. Ich lasse sie erstmal mal drauf.

Nachtrag (17.12.): Michael Moores Dokumentation über den Amoklauf von Columbine, Colorado,  (“Bowling for Columbine”) gibt es bei openculture.com kostenfrei zu sehen. Nicht (wg. GEMA).

Nachtrag (18.12.a): Bei “Mother Jones” gibt es eine datenjournalistische Aufbereitung zum Thema Waffen und Amokläufe: “More Guns, More Mass Shootings—Coincidence?”. Die ZEIT hatte erst Ende November die Zahl der Waffen in einem Land mit der Zahl der Toten/Morde generell in einer Grafik dargestellt: “Der alltägliche Tod”.

Nachtrag (18.12.b): BoingBoing weist auf einen Artikel auf Salon.com hin, der zeigt wie die US-Waffenlobby die missliebige Forschung beeinflusst: “Gun lobby has opposed research on effects of gun ownership/gun laws”. oder direkt bei Salon.com: “The NRA’s war on gun science”.

Kommentare

  1. [...] meinem Blog Plazeboalarm (auf den Scienceblogs) präsentiere ich eine Weltkarte, auf der Amokläufe  an Schulen der letzten hundert Jahre dargestellt sind. Sinn des ganzen war die Einordnung des Amoklaufs in Newton, Conneticut, USA, und zugleich das [...]

  2. #2 Don
    Berlin
    16. Dezember 2012

    Eine interessante Arbeit.
    Allerdings ereignen sich Amokläufe ja nicht nur an Schulen. Z.B. wird so das Massaker von Anders Breivik nicht berücksichtigt und gibt dann doch irgendwie ein unvollständiges Bild!
    Vielleicht könnte man das noch ergänzen?

  3. #3 Marcus Anhäuser
    16. Dezember 2012

    Klar, deswegen betone ich ja, dass es in Schulen ist (außer im Titel). In der Wikipedia gibt es verschiedene Listen mit verschiedenen Lokalitäten, die müsste man alle zu einer Liste zusammenfassen, das möchte ich gern noch machen, braucht aber wieder etwas Zeit.

  4. #4 Markus Lochmann
    Stuttgart
    16. Dezember 2012

    Für Timelines gibt’s ein interessantes Plugin vom MIT: Simile Timeline. http://wordpress.org/extend/plugins/wp-simile-timeline/ auch ohne WP hier http://www.simile-widgets.org/timeline/ Quelle hier http://simile.mit.edu/

  5. #5 Jan W.
    16. Dezember 2012

    Danke für diesen Artikel. Wie Dennis Meadows es erst kürzlich sagte, konzentrieren sich die meisten “Nachrichten” auf punktuelle Ereignisse, aber systematische Zusammenhänge werden eher selten betrachtet.

    Ein Punkt ist mir noch aufgefallen: “China offenbar vergleichsweise häufig Amokläufe in Schulen vorkommen” — die Anzahl der Amokläufe ist etwa gleich. Das relativiert sich natürlich, wenn man bedenkt, dass Chinas Bevölkerung rund 4 mal so groß ist. (Sicherlich unter der Annahme, dass die Liste nicht nur zeitlich einigermaßen vollständig ist – sondern auch über die Länder verteilt.)

  6. #6 Marcus Anhäuser
    16. Dezember 2012

    @Jan W., ja, stimmt, muss man in Relation zur Bevölkerungszahl sehen. ich glaube, ich bin einfach nur überrascht, wie viele das sind, davon bekommt man so wenig mit, entweder, weil es eben China ist oder weil es meist so glimpflich ausging. Ich weiß es nicht. Wenn mich vorher jemand gefragt hätte: “Amokläufe an chinesischen Schulen?”, hätte ich nur Unkenntnis demonstrieren können.

  7. #7 Bob
    16. Dezember 2012

    Schon ein bißchen seltsam wie viele Amokläufe es in Deutschland gab im Vergleich zur Umgebung.
    Ich kann mir da irgendwie keinen Reim drauf machen, aber es ist auf jeden Fall zu signifikant um nur Zufall zu sein.

  8. #8 Jan W.
    16. Dezember 2012

    @Marcus: Im Vergleich zum Bewusstsein / zur Aufmerksamkeit ist es wirklich überraschend viel. Ich kann mich auch an keinen einzigen Fall in China erinnern.

    Interessante Datenpunkte sind auch der Zusammenhang zwischen Waffenbesitz und Tote durch Waffen. Da haben zwei Leute Graphen zu erstellt. Gemeint sind dabei aber Tote insgesamt, also keine Amokläufe im Speziellen – somit ist das noch mal eine eigene Baustelle für sich.

    https://dl.dropbox.com/u/10327616/Hom.V.GunOwnership.2008.pdf
    http://mark.reid.name/iem/gun-deaths-vs-gun-ownership.html

  9. #10 Eso-Policier
    17. Dezember 2012

    Amokläufe können künftig verhindert werden, wenn eine nicht-grüne Ökopolitik etabliert wird. Z. B. sollen der Kapitalismus und der Multikulturalismus beseitigt werden. Zudem ist es sinnvoll, die orthodoxe Wissenschaft durch Naturforschung zu ergänzen. Und der Gottglaube und die Konfessionslosigkeit müssen bekämpft werden. Es ist richtig, die freireligiöse Bewegung zu unterstützen. Mehr dazu auf Esopolice (bitte googeln).

  10. #11 Oliver
    17. Dezember 2012

    Der Tolouse-Anschlag war, wennich das beim Überfliegen des Artikels richtog sah, kein Amoklauf., sondern ein durchgeplanter Amdchlag. Daß der dann nich in der Liste der Schul-Amokläufe auftaucht war dann richtig. Wenn Du den also eingetragen hast beiWikipedia, war das falsch.

    Zu der Darstellung: diese ist redundant.
    Wenn ich die Grafik richtig lese, ist die vetikale Achse für das Alter gedacht., die horizontale für die Zeit.
    Wenn die vetikale das Alter darstellt, ist es redundant, das Alter auch noch an die Punkte ran zu schreiben.
    Redundant —> unsinnige Darstellung.

    Die vertikale Achse braucht eine Beschriftung.
    Dann kann das Alter als Angabe an den Punkten
    entfallen.
    Man könnte dann aber an die Punkte statt des Alters
    die Opferzahlen dran schreiben.
    Oder noch besser genau anders rum: das Alter der Täter bleibt an den Punkten dran stehen, aber die Opferzahl wird vertikal aufgetragen.
    Dann kannst Du auch die Ereignisse mit rein nehmen,
    wo das Ater des Täeters nicht bekannt ist.
    Dann sind diese Pnkte eben unbeschriftet.

    Man könnte auch noch die Waffengattung mit in die Beschriftung nehmen…. gibt viele interessante Darstellungsweisen.

    Die grundsätzliche Idee, diese Daten mal zu analysieren finde ich gut.
    Statt Excel würde ich allerdings R nehmen.

    • #12 Marcus Anhäuser
      17. Dezember 2012

      Hallo Oliver, danke für die Hinweise zur Redundanz. Solche Basics fehlen mir noch, hoffe ich demnächst in Alberto Cairos Online-Kurs zu lernen (wenn ich es denn hinkriege, den über sechs Wochen nebenher durchzuziehen).

      Bei der Wikipedia habe ich Toulouse nicht ergänzt, nur in meiner Tabelle. Richtig sicher bin ich mir noch nicht. Zeigt aber, wie schwierig es sein kann, Ereignisse zuzuordnen.

      Ich habe Excel verwendet, weil ich das hier habe, außerdem ist es ein bisschen schick geworden unter Journalisten darauf zu verweisen, dass man Excel ja nicht beherrsche ;-). Von R hörte ich mal. Welche Vorteile bietet es?

  11. #13 Mike Macke
    Freising
    17. Dezember 2012

    “Zum Glück nur” vier Tote gab es vor zehn Jahren an der Wirtschaftsschule in Freising, was anscheinend in der englischen Wikipedia fehlt:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Amoklauf_von_Eching_und_Freising

    Übrigens: Redundanz ist m.E. nicht per se schlecht. Wenn es genügend Platz gibt, kann man redundante Daten schneller erfassen. Natürlich ist die Idee, mehr Daten (z.B. Anzahl der Toten und Lebensalter) in einem Diagramm durch Beschriften und entlang der Achse darzustellen, dann sinnvoll, wenn Platz fehlt oder wenn zwei sicher nicht korrelierende Daten (“Sternzeichen des Täters und Anzahl der Toten pro Amoklauf”) in der Grafik enthalten sein sollen.

  12. #14 schlappohr
    17. Dezember 2012

    Off Topic. Wer weint eigentlich noch um die Kinder, die jeden Tag in Syrien hingemetzelt werden? Oder um die Frauen, die demnächst wohl in Ägypten gesteinigt werden?
    Oder um die ganzen Unschuldigen, über die schon längst niemand mehr berichtet, weil das Land zu unwichtig oder zu weit weg ist? Gibt es dazu Statistiken, Analysen, werden dazu Professoren im Fernsehen interviewt, gibt es dazu 24h-Berichterstattung auf CNNSAT24RTLxy et. al? Wer legt hier Kränze hin und stellt Kerzen auf? Würde man die ganzen anderen Verbrechen an Kindern in das Diagramm eintragen, dann gingen die Amokläufe im Rauschen unter.
    So schlimm das ist, aber wenn man ein wenig darüber nachdenkt, wirkt das weltweite Entsetzen ein wenig wie Heuchelei. Diese Gedanken kamen mir gestern Abend während der BBC-Reportage.

  13. #15 Jens
    17. Dezember 2012

    Ich finde, dass man die Täter bei so einer Aufstellung nicht namentlich erwähnen sollte. Die Information ist nicht relevant, und mit Namen wirkt es ein bisschen wie eine High-Score Liste.

    • #16 Marcus Anhäuser
      17. Dezember 2012

      Hatte ich auch überlegt, habe die Namen dann aber drin gelassen aus Gründen der Zuordnung, manchmal verbindet man ein Ereignis nur mit dem Namen (neben dem Ort). Da die Namen nicht besonders markiert oder herausgestellt sind, finde ich das in diesem Fall nicht so verkehrt. Eine High-Score Anmutung käme meiner Meinung auf, wenn es eine tabellarische Liste mit der Zahl der Getöteten gäbe. Ganz sicher bin ich mir in dem Punkt aber auch nicht.

  14. #17 threepoints...
    17. Dezember 2012

    Oslo und Breijwik fehlen. Wenn das so sei, weil das ein Attentat mit vorrausgehender Planung war, muß ich Einspruch erheben. Es werden wahrscheinlich all solche Abläufe mehr oder weniger geplant. Schon ein Gedanke daran wäre eine Planung.
    Und der Breijwik ist auf der Insel dann nicht anders durch die Menge gegangen, wie ein Amokläufer und hat gemetzelt. Das sollte als Bedingung für die Liste sein.

  15. #18 Marcus Anhäuser
    17. Dezember 2012

    Oslo und Breijwik fehlen in der Wikipedia-Liste wahrscheinlich, weil es eben keine Schulen waren. Es ist nicht ganz einfach, dass immer zuzuordnen. Diese Tat taucht aber in der Gesamtliste auf (http://en.wikipedia.org/wiki/List_of_rampage_killers#Europe),
    die ich auch nochmal darstellen möchte zu einem späteren Zeitpunkt.

  16. #19 Dr. Webbaer
    17. Dezember 2012

    Was ein wenig fehlte war die Grundlage der erfassten Daten, so sieht’s ein wenig danach aus, dass da wo erfasst wird, also bevorzugt in “westlich” orientierten Staaten, Schul-Amokläufe stattfinden.

    Insgesamt scheint aber eine Enthemmung derartige Amok-Läufe in “westliche” Staaten betreffend vorzuliegen. Was aber nicht überrascht, wenn man den Verlust an Werten oder Anstand berücksichtigt, der vorzuliegen scheint. Perverse Täter wollen nun ganz gezielt für das bestrafen, was die Gesellschaft ihnen angeblich angetan hat.

    MFG
    Dr. W

  17. #20 Lempel
    17. Dezember 2012

    Laut http://de.wikipedia.org/wiki/Gewalt_an_Schulen fehlen neben den österreichischen Vorfällen in D auch noch Memmingen 2012 und Sankt Augustin 2009.

  18. #21 rolak
    17. Dezember 2012

    Von R hörte ich mal. Welche Vorteile bietet es?

    Freie Software, skriptgesteuert, diverse GUI erhältlich, eingebunden in den großen pool von Editoren, Datenbanken und IDE, mannigfaltigste Methoden, …

  19. #22 Eso-Policier
    www.esopolice.wordpress.com
    17. Dezember 2012

    Hat der Amoklauf etwas mit der Zeitenwende am 21.12.2012 zu tun? Mehr dazu auf meinem Blog.

  20. #23 Marcus Anhäuser
    17. Dezember 2012

    Okay, wenn ich mir das zu R bei Wikipedia anschaue, muss ich sagen: Da bleibe ich bei Excel, gehört hier zu den Bordmitteln ich bin auch nur Journalist ;-)

  21. #24 rolak
    17. Dezember 2012

    Bleibt Dir unbenommen, Marcus, Hauptsache, Deine Ergebnisse stellen Dich von Arbeitsaufwand und Erscheinung her zufrieden. Doch Du hattest gefragt… ;-)

  22. #25 FMH
    17. Dezember 2012

    Ich nehme an das “A” steht nicht wie im Text genant für “Arsen” sondern “Arson” also Brandstiftung. Das sollte korrigiert werden.

  23. #26 Marcus Anhäuser
    17. Dezember 2012

    @FMH upps, verdammt, muss ich korrigieren, wie peinlich, danke.

  24. #27 Eso-Policier
    www.esopolice.wordpress.com
    17. Dezember 2012

    @ Marcus Anhäuser
    Der Amoklauf im März in Toulouse war kein typischer Amoklauf, da der Amokläufer sich nach der Tat nicht selbst tötete oder von der Polizei getötet wurde. Sondern der Täter versuchte sich nach der Tat zu verbergen. Sein Haus wurde erst einige Tage später von der Polizei umstellt. Und dann starb der Islamist bei einem Feuergefecht. Es handelte sich eher um islamistischen Terrorismus.

  25. #28 Chris
    Stuttgart
    17. Dezember 2012

    Der Amoklauf aus Coburg fehlt in Deutschland…
    http://en.wikipedia.org/wiki/Coburg_shooting

  26. #29 Spoing
    17. Dezember 2012

    Gibt es eigentlich verlässliche Daten zu Amokläufen in “früherer” Vergangenheit?
    Es kommt einen ja immer so vor, dass dies ein “neuzeitlicher” Trend ist.
    Wenn dem Wirklich so seien sollte, woran liegt es denn?
    Mir fallen da nur drei Gründe ein.
    Hauptgrund: Medien. Die Gewissheit der Darstellung und die extreme mediale Aufmerksamkeit ist es erst was einen Amoklauf interessant macht.
    Zweitens Verfügbarkeit von Waffen: Durch die leichtere Verfügbarkeit stärkerer Waffen, schafft der Irre der früher mit dem Messer auf den Lehrer los ging nun 20 Tote statt einen Verletzten.
    Drittens: Abkehr von individueller Verantwortung. Der perverse Umkehrschluss aus dem Ziel einer verantwortungsvollen Gesellschaft scheint bei vielen dazu zu führen das die Gesellschaft auf einmal Verantwortung für alles zu tragen hat. Alles was falsch läuft ist automatisch schuld der “Gesellschaft”. Wer ein solches Weltbild vertritt und dann durch dreht, der bestraft dann eher die Gesellschaft, anstatt nur Suizid zu begehen. (Wie es Weltbildern nahe liegen würde welche die Verantwortung bei der betroffenen Person suchen würden. Also ganz früher religiöse und danach Radikalliberale Weltbilder)

    Wobei ich als Hauptgrund die Medien sehe.

  27. #30 Aiko
    Ruhrpott
    17. Dezember 2012

    Ich denke mal, dass jeder Fall auch ein Einzelfall ist. Die Verfügbarkeit der Waffen ist sicherlich ein Grund für die Realisierung bestehender Potentiale. Aber auch der Terrorismus bzw. die individuellen Akte, die unter diese Kategorie gezählt werden, machen hier mir jedenfalls klar, dass ein Einzeltäter heute sich ins öffentliche Bewusstsein bomben oder schießen kann – je nach Waffe.
    Die Medien sind hier in einem Dilemma – einerseits sind sie nötig für das öffentliche Bewusstsein – da ist ja ein Problem – andererseits laden sie Nachahmungstäter ein – durch die Aufmerksamkeit.
    M.E. sollte man sehen, dass es keine Seite gibt, die die Verantwortung abgegeben kann – die Gesellschaft und das Individuum sind nur zwei Seiten einer Medaille.
    Die Gesellschaft hat Verantwortung hinsichtlich des allgemeinen Waffenrechts und die Familie hat Verantwortung hinsichtlich der Gewalt in ihrer Familie. Da ist ja die amerikanische Gesellschaft recht gewalttätig.
    Die Medien – als Teil der Gesellschaft – haben Verantwortung hinsichtlich einer vernunftgeleiteten Aufklärung der Sache – was treibt einen jungen Menschen derart in die Enge, dass er seine Mutter erschießt und dann in seiner Grundschule Kinder ( psychologisch also sich selbst) hinrichtet. Die Schuldfrage führt leider zur Verdrängung dieser Aufklärung.

  28. #31 cer
    17. Dezember 2012

    Falls Interesse besteht: Hier gibt es einen Vortrag von Prof. Bannenberg vom 8.2.2011 zum Thema Amok an Schulen.

  29. #32 Ceo
    17. Dezember 2012

    Kann man bitte alles von diesem Eso-Spinner “Eso-Policier” löschen?

    Was er verbreitet ist schlichtweg Unsinn, ausnahmslos.

  30. #33 Eso-Policier
    www.esopolice.wordpress.com
    17. Dezember 2012

    @ Ceo
    Haben Sie auch sachliche Argumente?

  31. #34 Dr. Webbaer
    18. Dezember 2012

    @Spoing

    Abkehr von individueller Verantwortung. Der perverse Umkehrschluss aus dem Ziel einer verantwortungsvollen Gesellschaft scheint bei vielen dazu zu führen das die Gesellschaft auf einmal Verantwortung für alles zu tragen hat. Alles was falsch läuft ist automatisch schuld der “Gesellschaft”. Wer ein solches Weltbild vertritt und dann durch dreht, der bestraft dann eher die Gesellschaft, anstatt nur Suizid zu begehen.

    Solide Einordnung! – Wer mal Betreuern und Helfern des Sozialapparats gelauscht (beispielsweise in den Medien) hat, wenn die sich mit ihren Pfleglingen unterhalten, kann erfahren, dass dort idT oft das Narrativ verbreitet wird, dass Schuld jeweils die Gesellschaft sei.

  32. #35 Spoing
    18. Dezember 2012

    An den Bären:
    Das erste mal ist mir dies extrem in der ADHS-Debatte aufgefallen. Da haben die Kinder, wenn sie Mist gebaut haben und zur Rede gestellt wurden, nur gesagt sie können ja nichts dafür da es ja nur ihre Krankheit wäre. Die Eltern haben, darauf angesprochen, sich darüber beschwert das der Staat oder die Medizin endlich was dagegen tun müsse, da es ja so schwer mit so einem Kind ist.
    Wenn diese Menschen nun anstelle der ADHS-Erkrankung*1 eine soziopathische Störung aufweisen würden, dann wüsste ich nicht was dagegen sprechen sollte das sie Amok laufen. Lebensumstände welche für die Person einen Suizid rechtfertigen natürlich voraus gesetzt.

    *1 Die meisten Fälle davon werden wohl auch nur eine Modediagnose sein und recht wenige wirklich krank seien. Aber das geht am Thema vorbei.

    Mich würde aus dieser Sicht mal interessieren ob jeder der Amokläufer auch der Gesellschaft die Schuld am scheitern seines Lebens gegeben hat. Oder ob es auch welche wie Brevjiek gab (Also als Amoklauf). Die ihre Tat nicht unbedingt als Rache sondern als Dienst an der Gesellschaft gesehen haben. Oder aber als dritte Option sie ausschließlich aufgrund der Aufmerksamkeit verübt haben.
    Gibt es dazu Studien, also zu den Intentionen der Amokläufer? Denn ein Bekennerschreiben wird ja wohl jeder von denen hinterlassen haben. (Auch wenn es zurecht nicht immer öffentlich zugänglich ist)

  33. #36 Dr. Webbaer
    18. Dezember 2012

    Gibt es dazu Studien, also zu den Intentionen der Amokläufer?

    Ihr Kommentatorenfreund möchte diese Frage weitergeben. – Allerdings gibt es “Ihre” Theorie, also dass fehlende Eigenverantwortung bei großer Frustration zu “Strafen an der Gesellschaft” führen kann, häufiger mal zu lesen; sie würde die Zunahme der Fälle in “westlichen” Ländern erklären helfen.

  34. #37 German JaCobi
    Ungefähr hinterm Jupiter
    20. Dezember 2012

    Das Problem der Gewalt in jeder Form liegt doch klar auf der Hand: Außerirdische saugen mit einem Rüssel Nächstenliebe ab. Und schon entsteht Gewalt, wo sie sich hinrüsseln.

    Warum sollte es auch friedlich zugehen in einer Welt mit Vernunftwesen, die sich gegenseitig bei jeder Gelegenheit “Gerechtigkeit” versprechen und ihre Gemeinsamkeiten dann mit unterschiedlichen Interpretationen dazu gestalten?

    Gerechtigkeit ist die Grundlage für Zufriedenheit, und Zufriedenheit das einzige Ziel aller Kreaturen. Das Höhere hinter allem, das viele noch vermuten, hat sich nach der Vielgötterei unserer Vorfahren auf die Hoffnung reduziert, mal nicht als Blechdose wiedergeboren zu werden … Wer was Höheres mixt mit einem gerechten Geben und Nehmen, kann sich auch leisten, 6 Millionen Juden umzubringen und 340.000 Japaner in den Strahlentod zu schicken, und das für gerecht halten …

    Jetzt wollen deutsche Politiker die Waffengesetze verschärfen. Wie wäre es mit einer Abwrackprämie für Rucksäcke? In einem Rucksack läßt sich so viel Benzin in einen Supermarkt transportieren, daß ein flammendes Inferno entsteht und dann durchaus auch mehr als 77 junge Menschen mit ins Paradies dürfen mit einem, dem die Ignoranz und der Egoismus seiner Zeitgenossen so auf den Keks ging, daß ihm sein Leben kein bißchen Zufriedenheit mehr brachte …

  35. #38 Leser
    22. Dezember 2012

    hier ein interessanter Link über einen Aspekt der in der ganzen Diskussion noch gar nicht aufgetaucht ist?
    http://www.youtube.com/watch?v=UhO0Pul_FcE
    erklärt die Steigerung set den 60ern und das sinkende Alter …uvm.

  36. #39 threepoints...
    23. Dezember 2012

    Die Selbstmordtat und vorhergehender Amoklauf sollten nicht als Einheit betrachtet werden.
    Suizidalität ist durchaus mit Psychopharmaka korrelliert. Aber der Amoklauf spielt hier keine bedingende Rolle vor dem jeweiligen Beginn, – der Tod des Mörders ist Folge des Rausches und der eigenen Weltbilder … oder eh vom finalen Rettungsschuß der Polizei.
    Wer einschlägige Berichte von Medikamentierten sichtet, wird feststellen, dass Neuroleptiker eben erheblich hemmende Wirkungen haben, anstatt motivierende. Einzig fraglich wäre, das diese vielleicht eben nur partiel hemmen – aber ein Facharzt würde dann umgehend höher dosieren oder das Präparat wechseln.
    Gemütsaufheller ausgenommen.

  37. #40 threepoints...
    23. Dezember 2012

    “Wie wäre es mit einer Abwrackprämie für Rucksäcke?”

    -> Prima Idee… Aber in Supermärkten sind Löschanlage und Fluchtwege vorgeschrieben.
    Inzwischen wissen wir, dass man mit Zivilflugzeugen auch Wolkenkratzer samt Büros und Menschen zu Staub machen kann.
    Hier wäre eine Abwrackprämie dann wohl Sinnvoller…!?

  38. #41 techniknoergler
    25. Dezember 2012

    > In the wake of the slaughters this summer at a Colorado movie theater and a Sikh temple in Wisconsin, we set out to track mass shootings in the United States over the last 30 years. We identified and analyzed 62 of them, and one striking pattern in the data is this: In not a single case was the killing stopped by a civilian using a gun.

    Und damit hat sich die Mutte von Jones als unglaubwürdige Quelle enttarnt. Ist halt keine wissenschaftliche Quelle.

  39. #42 Dr. W
    29. Dezember 2012

    Vielleicht nachtragend noch ein wichtiger Punkt: Es handelt sich bei sogenannten Amok-Läufen oft nicht um Amok, also um spontane Wut, Waffennahme & Verbrechen, sondern um geplante distinktive Auslöschung anderer, die als Feinde eingeschätzt werden.

    Hier muss man also unterscheiden, auch wenn es um Verbote den Erwerb und das Tragen von Waffen betreffend geht: Der planend vorgehende Täter hat vor seiner Tat immer die Waffen, die er zu benötigen glaubt.

    MFG
    Dr. W (der gerne am Rande noch auf diese Tat hinweist, die sage und schreibe als ‘Workplace Violence’ durchging – man muss also wirklich bestmöglich unterscheiden)

  40. [...] weiter geht’s mit meinen Versuchen neue Technologien für meinen Journalismus zu entdecken und auszuprobieren. [...]

  41. [...] 8. Eine Weltkarte der Amokläufe an Schulen [...]

  42. [...] weiter geht’s mit meinen Versuchen neue Technologien für meinen Journalismus zu entdecken und auszuprobieren. [...]

  43. #46 EsEf
    19. März 2013

    Können Psychopharmaka mit ein Grund für Amokläufe sein? Es gibt Hinweise darauf:

    School-Shootings, Ausraster von Soldaten mit PTBS, Hausfrauen, die völlig unerwartet zu Killern werden …
    http://www.ssristories.com

    http://lawgunsandfreedom.wordpress.com/2013/03/03/konnen-psychopharmaka-ein-grund-fur-amoklaufe-sein/

    3-teilige schwedische Dokumentation:
    http://www.whocaresinsweden.com/en/

    Wenn man sich ansieht, daß Amokläufe erst seit Ende der 90er Jahre in Deutschland häufiger auftreten und in den 50er – 80er Jahren Jugendliche wesentlich leichteren Zugang zu Waffen hatten (keine Aufbewahrungsvorschriften), dann sollte man sich echt fragen, was die Gründe dafür sind?

    Was hat sich in der Gesellschaft seitdem so sehr verändert?

  44. #47 smarti
    4. September 2013

    Erstmal ein Lob an die umfangreiche Sammlung und graphische Darstellungen!
    Allerdings scheint hier nicht klar zu sein, ob es sich um Amok oder school-shooting handelt. Beide sind auseinander zu halten. Amok ist eben Amok, unwillkürliche Gewalt, egal an welchem Ort, unabhängig vom Alter, Geschlecht, Person. School-Shooting hingegen meint zielgerichtetes Töten an Schulen, meist von Schülerinnen/ern verübt. Im Übrigen gibt es kaum Schießereien an Schulen, die von Schülern verübt wurden, die nicht geplant waren. Allein die Beschaffung einer Waffe geht mit der Planung bereits einher.