Wieso wundere ich mich eigentlich? Wieso wundere ich mich eigentlich darüber, einen solch verquarsten, pseudo-coolen-“Ich kenne Stanley Kubricks Dr. Seltsam und wie ich lernte die Bombe zu lieben”-Anti-LHC Text auf der Webseite der linken Zeitung “Junge Welt” zu finden (wo man Banner für die Internationale Rosa Luxemburg Konferenz und ein ironisches Modelabel namens Karl Maxx findet. Dieser Hinweis nur, um zu erklären wie weit links die Zeitung anzusiedeln ist).

Wieso wundere ich mich, dass es gleich zwei Autoren braucht, um einen solchen Text zu fabrizieren, mit so schlauen Sätzen wie:

“Und keiner weiß, was dabei geschieht. Denn kennten sie das Ergebnis, hätten sie sich die drei Milliarden Euro sparen können, die der große Teilchenbeschleuniger LHC gekostet hat.”

Was war noch der Sinn von Wissenschaft?

Oder:

“Es ist nun aber nicht nur statistisch möglich, daß sich bei diesem Experiment Schwarze Löcher bilden. Was, wenn die bisher geltenden Theorien zutreffen, den Zusammensturz unseres Planetensystems bedeuten könnte?”

Besonders bizarr:

“Aber nicht nur beim Kegeln, auch bei den Welten im Zusammenstoß hat der Zufall nur zwei Würfe.”

Wieso wundere ich mich, dass die beiden Autoren Schröder und Kalender die Wissenschaftler des LHC abwechselnd als “Strangeloves”, “Dr. Seltsams von Genf”, “Zauberlehrlinge” oder als “irre Physiker” die “in die Klapsmühle gehören” bezeichnen. Und die in einem Atemzug sämtliche Klischees über Wissenschaftler und Großforschung bedienen, die es so aufzuführen gibt.

(Und die offenbar die Hosen voll haben, weil sie sich davor fürchten, von Schwarzen Löchern verschluckt zu werden.)

Wieso wundere ich mich?

Ich meine, jetzt mal ernsthaft, wieso wundere ich mich, einen solchen Text in einer Zeitung bzw. auf einer Website zu finden wie dieser. In der man in der Rubrik “Für Wissen und Fortschritt” solche Artikel findet:

Junge Welt

Die LHC-Kritik von Schröder und Kalender findet sich natürlich wo? Im Feuilleton.

P.S.: Und wie stieß ich auf diesen Artikel? Offensichtlich können die Mitarbeiter von conCERNed international nicht lesen. Sonst hätte ich nicht erneut einen Newsletter von denen bekommen.

Kommentare (27)

  1. #1 Florian Freistetter
    8. Dezember 2009

    Ach du meine Güte! Aber die Linkspartei scheint wirklich nicht viel von großer Forschung zu halten. Raumfahrt ist ja für die auch Geldverschwendung.

  2. #2 RabenAas
    8. Dezember 2009

    Ich finde die Kritik etwas unfair: immerhin hat sich die jw in den letzten Jahren ja alle Mühe gegeben, wirklich jedem finsteren Diktator dieser Welt ganz tief in den Hintern zu kriechen, da kann man dann ja wohl auch mal Forschung, Fortschritt und Feuilleton ein wenig durcheinanderbringen. Und völlige Unkenntnis war für politische Extremisten noch nie ein Hinderungsgrund, sich ausführlich über eine Sache auszulassen.
    Merke: Detailkenntnis kennzeichnet den Feind!

  3. #3 Christian
    8. Dezember 2009

    Eines der Hausblätter der Linkspartei. Kann man getrost vergessen, die schreiben häufig solchen Käse. In der DDR hatte man von “Wissenschaft” und “Fortschritt” bekanntlich ganz eigene Vorstellungen.

  4. #4 Anstandsdame
    8. Dezember 2009

    In der DDR hatte man von “Wissenschaft” und “Fortschritt” bekanntlich ganz eigene Vorstellungen.

    Dazu hat sicherlich Thilo Küssner eine Menge zu sagen.

  5. #5 paranoid android
    8. Dezember 2009

    Mal abgesehen vom inhaltlichen Schwachfug, die Grammatik der Autoren ist ja wirklich zahnschmerzerregend. Ist das Rebellion gegen die kapitalistische Sprachunterdrückung?

  6. #6 Malte
    8. Dezember 2009

    Kannst du eventuell den Link fixen? Der funktioniert nicht :)

  7. #7 YeRainbow
    8. Dezember 2009

    Ds mit den ganz eigenen Vorstellungen von Wissenschaft und Fortschritt in der ddr versteh ich nicht. Und dabei bin ich dort gewesen – allerdings nicht als Wissenschaftler. Da s ist wahr.

    und, nun ja, Links sein heißt ja nicht zwingend, auch intelligent sein oder wenigstens bissl besser informiert.

    Glaubt hier wer, nur die CDU oder sagen wir FDP hat ein REcht darauf, auch mal das Hirn gänzlich abzuschalten?
    Nee, oder?
    Demokratie heißt Freiheit – für jedes Hirn.

  8. #8 Schmetter-Ling
    8. Dezember 2009

    Die junge welt ist doch seit Jahren schon das Äquivalent der BILD auf der anderen Seite, oder irre ich da?
    @Maite:
    ich hab leider keine Ahnung, wie ein Link eingebunden wird, also copy-and-paste: http://www.jungewelt.de/2009/12-04/016.php?sstr=lhc

  9. #9 rolak
    8. Dezember 2009

    Nimm solange =»den.

  10. #10 Marcus Anhäuser
    8. Dezember 2009

    @Malte
    danke für den Hinweis. Ist gefixt.

  11. #11 Popeye
    8. Dezember 2009

    Und in den Kommentaren wird dann so etwas gepostet: (-;

  12. #12 rolak
    8. Dezember 2009

    och ich fand das Lebenszeichen vom Lehneronen-Entdecker viel schöner :-)

  13. #13 Florian Freistetter
    8. Dezember 2009

    Mein “Leserbrief” ist übrigens nicht veröffentlicht worden ;)

  14. #14 Winfried Sobottka
    26. Januar 2010

    Von mir gegen den Kapitalismus, Rüttgers und Co. geschriebene Kommentare wurden ausnahmslos in der Online-Ausgabe der “Junge Welt” publiziert, schrieb ich etwas gegen Zustände in der Die Linke, wurde es nicht publiziert. Ebenfalls nicht publiziert wurde ein Kommentar, den ich zu dem Dellwo-Interview schrieb (1.000 Anteil an der Junge Welt). In dem Artikel hatte ich artgerechtes (trieberfülltes) Menschenleben als notwendige Voraussetzung für eine stabile sozialistische Gesellschaft bezeichnet.

    Der wichtigste Schritt in eine solche Gesellschaft ist es, die unterschiedlichen Spezialisierungen des weiblichen und des männlichen Hirnes zu akzeptieren und ihnen gerecht zu werden: Zwar sind beide Geschlechter gleichermaßen intelligent, alles andere wäre tragisch, die Natur gestaltet aber perfekt, doch sie denken anders:

    Der Mann denkt stürmisch drauf los, ist damit der bessere Ideenproduzent, die Frau denkt umsichtig und besonnen, ist damit die bessere Ideenprüferin, die bessere Entscheiderin. Bemerkenswert: Vor welchen Hintergründen auch immer, Bodo Ramelow fordert an der Stelle exakt das Selbe wie wir AnarchistINNen, dass eben gerecht und vernünftig eingestellte Frauen in politischen Fragen das letzte Wort haben sollten. Damit kann man nicht einmal sagen, dass es ein anti-linker Inhalt war, der von der Junge Welt unterdrückt wurde, indem sie meinen Kommentar nicht publizierte.

    Weitaus bessere Erfahrungen habe ich mit dem “Neues Deutschland” gemacht. Dort wurde nur einmal ein Kommentar offensichtlich versehentlich gelöscht, ich konnte die Inhalte dann wieder einstellen. Und dort darf ich auch schreiben, dass Frauenhirne evolutionär darauf spezialisiert sind, gerecht und vernünftig zu entscheiden, Männerhirne aber nicht.

    Wir AnarchistINNen sind klar antikapitalistisch orientiert, erkennen den Kapitalismus als menschenfeindlichen Irrtum. Aber wir wollen einen basisdemokratischen und humanen Sozialismus. Dem kommt das “NEUES DEUTSCHLAND” derzeit erstaunlich nahe, die “Junge Welt” hingegen leider nicht.

    Herzliche Grüße

    Winfried Sobottka, United Anarchists

  15. #15 Popeye
    26. Januar 2010

    Zum Glück habe ich den Herrn, nein den Mann (*) Sobottka zuerst gegoogelt, bevor ich etwas zu seinem Geschwurbel geschrieben habe.
    Kann ich nur jedem empfehlen, der ihn noch nicht kennt! (-;

    * “Verzeihen Sie,
    ich bin kein Herr. Für uns Anarchisten gibt es weder Herrinen noch Herren, und auch Sie würden mich, wäre ich weiblich, sicherlich nicht als “Herrin Sobottka” anreden? Wenn Sie mich in jenem Fall als “Frau Sobottka” anreden würden, so sollten Sie der Gerechtigkeit zuliebe “Mann Sobottka” zu mir sagen. Bereits unsere Sprache ist verdorben.”
    http://www.neues-deutschland.de/artikel/161607.die-asche-des-abwasserrebellen.html

  16. #16 Winfried Sobottka
    26. Januar 2010

    Zitat:

    Popeye· 26.01.10 · 11:32 Uhr

    Zum Glück habe ich den Herrn, nein den Mann (*) Sobottka zuerst gegoogelt, bevor ich etwas zu seinem Geschwurbel geschrieben habe.
    Kann ich nur jedem empfehlen, der ihn noch nicht kennt! (-;
    ************************************************************************************************************

    Ah, die Leute vom Staatsschutz haben diesen Ko9mmentar gefunden!

    Ich kann vor allem empfehlen, sich meine Website einmal anzusehen und zu dem zu googeln unter:

    JÜRGEN RÜTTGERS NADINE OSTROWSKI MORD

  17. #17 C. Stutzke
    26. Januar 2010

    Sehr geehrter Herr Anhäuser,

    Haben Sie in diesem Stil schon mal mit Überlebenden von Tschenobyl gesprochen? Ihre “pseudo-coole” Herangehensweise an dieses Thema würde dort sicher nicht so gut ankommen und könnte dazu führen, dass Sie “die Hosen voll haben” – um es in Ihrem Vokabular auszudrücken.
    Ich habe den gesamten Artikel in der jungen welt gelesen, und im Kontext wirken die von Ihnen herausgeschnittenen Sätze etwas anders. Es zeigte sich auch, dass dieser Artikel trotz seines nichtwissenschaftlichen Anspruches – im Feuilleton – sehr informativ ist.

    Da unsere eigene Existenz und die heutige Wissenschaft zum großen Teil auf der Ausbeutung und Zerstörung anderer Länder und Menschen beruht (Beispiel: täglicher Wasserverbrauch in Deutschland 4000 Liter pro Person und Tag), wäre doch die Mindestanforderung für den Sinn von Wissenschaft – denn diese Frage haben Sie aufgeworfen -, dem Menschen zu dienen, und sein Leben nicht noch zusätzlich zu gefährden, wie dies CERN tut.

    Was zum Thema DDR und junge welt geschrieben wurde, spricht von Uninformiertheit. Ich beschränke mich nur auf einen Kommentar zu diesem Thema: so einen primitiven Schrott wie die BILD-Zeitung gab es in der DDR nicht.

    Herrn Anhäuser danke ich für seinen Kommentar, denn Negativwerbung ist auch Werbung für ein Thema, mit dem man nicht so locker umgehen sollte.

    Mit freundlichen Grüßen,
    C. Stutzke

  18. #18 Marcus Anhäuser
    26. Januar 2010

    Hallo Herr Stutzke,
    ich schätze mal, die Tschernobyl-Überlebenden würden gar nicht verstehen, warum ich sie anspreche, denn der LHC hat nicht so viel mit Atomkraft zu tun, wie Sie suggerieren, außer dass vielleicht beides zum Thema Groß-Technologie zählt und wenn Sie wollen mit “Urkräften” oder was auch immer arbeitet.

    An diesem Artikel ist, finde ich, rein gar nichts informativ. Da sollten Sie sich besser hier auf Scienceblogs informieren, denn die Kollegen hier, haben wirklich Ahnung von der Materie und bedienen keine billigen Klischees über Wissenschaftler wie die Kollegen aus dem Feuilleton.

    Glauben Sie wirklich, dass das Cern ihr Leben gefährdet? Schade, denn eigentlich sollten Sie sich auf den Erkenntnisgewinn freuen.

    Wo genau beutet und zerstört die Forschung am Cern andere Länder und Menschen aus?

    Lieber Herr Stutzke, schauen Sie sich doch bitte hier bei Scienceblogs um und informiermn Sie sich über das Cern. Sie werden sehen, Sie brauchen keine Angst zu haben.

    Ich lege Ihnen besonders den Artikel des Kollegen Freistetter nahe:
    Der LHC ist nicht gefährlich-wirklich:
    http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2009/08/der-lhc-ist-nicht-gefahrlich-wirklich.php

    Dort wird man Ihnen auch gerne ihre Fragen zur Wissenschaft beantworten.

  19. #19 Thilo
    26. Januar 2010

    so einen primitiven Schrott wie die BILD-Zeitung gab es in der DDR nicht.

    Es gab übrigens auch keine Zeitungen, die mit Süddeutscher, taz, FAZ, FR, Tagesspiegel etc.pp. vergleichbar wären. Und dieses Fehlen einer freien Presse und überhaupt jeglicher demokratischer Kontrolle war sicherlich eine der Ursachen, die die Tschernobyl-Katastrophe ermöglicht haben. Die von der “Jungen Welt” übrigens konsequent verharmlost wurde. Dafür ist man offenbar jetzt umso “mutiger”, wenn es darum geht, absurde Behauptungen zum LHC zu verbreiten.

  20. #20 YeRainbow
    28. Januar 2010

    jaja, die Frauen sind mal wieder anders als die Männer…
    Pah.
    Die Leibeigenen waren auch anders als die Herrscher.
    Und?

    Dünn, dünner, am dünnsten…
    Nun ja. Seit es nicht mehr eine Quasi-Pflicht ist, lese ich die Junge Welt nicht mehr.
    Punkt.

  21. #21 YeRainbow
    28. Januar 2010

    Bin übrigens auf Sichtweite zum LHC.

    Falls sich da ein schwarzes Loch auftut, geb ich Euch ein Zeichen.
    Momentan tut sich nur der Himmel auf und weiße Flöckchen tanzen. Preisfrage: wieviele Arme haben die Flöckchen hier, wo doch ein Ding wie der LHC hier nahe ist? Na? – Laßt dem Herrn Zeitungsschreiberling auch ne Chance auf die richtige Antwort…)

  22. #22 Winfried Sobottka
    28. Januar 2010

    @ YeRainbow: Sich für Superschlau halten und Stuss zu schreiben, scheint Dein Markenzeichen zu sein. Wenn Frauen nichts anders wären als Männer, würde unsere Art aus Zwitterwesen bestehen. Dass das weibliche Hirn anders aufgebaut ist als männliche, ist nicht zu bestreiten, und das deutet auf Spezialisierung hin.

  23. #23 C. Stutzke
    11. Mai 2010

    Zum Kommentar von “Thilo”, 26.01.2010:
    “Es gab übrigens auch keine Zeitungen, die mit Süddeutscher, taz, FAZ, FR, Tagesspiegel etc.pp. vergleichbar wären.” Das ist richtig, denn sie schrieben/schreiben für andere Interessen.
    “Und dieses Fehlen einer freien Presse und überhaupt jeglicher demokratischer Kontrolle war sicherlich eine der Ursachen, die die Tschernobyl-Katastrophe ermöglicht haben. Die von der “Jungen Welt” übrigens konsequent verharmlost wurde.”
    “Freie Presse” = ist eine Presse frei, wenn alle großen Medien in Deutschland wesentlich das gleiche berichten, auch wenn es nicht wahr ist?
    “Demokratie” = Volksherrschaft. Wenn ein einzelner über so viele Ressourcen verfügt wie 100.000 Menschen zusammen, herrscht dann eher dieser Einzelne oder das Volk?
    Das sind nur einige Anregungen zum Nachdenken.
    Ich habe die Anfänge der Artikel in der “Jungen Welt” zum Thema Tschenobyl überflogen und habe keinen einzigen Hinweis darauf gefunden, dass die Katastrophe von Tschernobyl verharmlost wird. Im Gegenteil scheint dieses Thema sehr ernst genommen zu werden und es wird darauf hingewiesen, dass die Internationale Atomenergiebehörde (IAEO) und das UN-Tschernobyl-Forum systematisch die Folgen der Katastrophe verharmlosen.
    Das sind nur einige Punkte zu e i n e m Forenbeitrag und irgendwie hat das hier wohl wenig mit Wissenschaft zu tun. Trotzdem nutze ich diese Stelle, um ein paar wichtige Punkte betreffend CERN zurück ins Gedächtnis zu rufen:

    “1.: Wissen Sie, dass CERN selbst die Entstehung stabiler bzw. semi-stabiler Mikro-Schwarzer-Löcher durchaus für möglich hält und dass es am CERN ein „Black Holes Institute“ gibt?

    2.: Wissen Sie, dass für den Fall der Entstehung dieser potentiell denkbar gefährlichsten Objekte überhaupt keinerlei Sicherheitsvorkehrungen getroffen wurden und es zwei Jahre lang dauern soll, bis zumindest die erwarteten Ergebnisse ausgewertet sind?

    3.: Wissen Sie, dass sämtliche Sicherheitsargumente bei CERN auf unbewiesenen Hypothesen beruhen und dass insbesondere die vielzitierte, paradoxe „Hawking-Strahlung“, die für den Zerfall der Mikro-Schwarzen-Löcher garantieren soll, noch niemals nachgewiesen werden konnte?

    4.: Wissen Sie, dass die mögliche Entstehung und der mögliche Zerfall Mikro-Schwarzer-Löcher in der Atmosphäre noch nie gemessen wurde und dass somit auch dieser Verweis im CERN-Sicherheitsargument ebenso rein hypothetisch ist?

    5.: Wissen Sie, dass ein solches rein beobachtendes Experiment in der Atmosphäre möglich wäre, zumal von CERN vorgegeben wird, dass sich in der Atmosphäre angeblich nichts anderes als am LHC ereigne, nur viel seltener?”
    (http://www.lhc-concern.info/)

    Im heutigen normalen Physikstudium wird von einem Studenten weder das Studium der Geschichte der Naturwissenschaften und Technik, noch Wissenschaftstheorie, auch nicht die Kenntnis von ethischen Aspekten des Faches/ b.z.w. der wissenschaftlichen Forschung im Allgemeinen abverlangt. Schon dieser Fakt allein sollte nachdenklich stimmen, denn bei der heutigen Verantwortung, die ein Physiker trägt, sollte die Kenntnis dieser Punkte unbedingt gefordert sein.
    Zu Herrn Anhäuser: “Glauben Sie wirklich, dass das Cern ihr Leben gefährdet? Schade, denn eigentlich sollten Sie sich auf den Erkenntnisgewinn freuen.” (26.01.2010) Es kommt immer auch auf den “Preis” an (wenn man das so sagen kann), den man für Erkenntnisgewinn zahlt. Wenn es in diesem Fall zum Erkenntisgewinn gehört, dass man den Tod von Menschen billigend in Kauf nimmt, ist der Sinn von Wissenschaft ad absurdum geführt.

  24. #24 Thilo Kuessner
    11. Mai 2010

    Ich habe die Anfänge der Artikel in der “Jungen Welt” zum Thema Tschenobyl überflogen und habe keinen einzigen Hinweis darauf gefunden, dass die Katastrophe von Tschernobyl verharmlost wird.

    Ähm, wo sind denn die Artikel von 1985 online zu finden?

    ist eine Presse frei, wenn alle großen Medien in Deutschland wesentlich das gleiche berichten?

    ??????

    Im heutigen normalen Physikstudium wird von einem Studenten weder das Studium der Geschichte der Naturwissenschaften und Technik, noch Wissenschaftstheorie, auch nicht die Kenntnis von ethischen Aspekten des Faches/ b.z.w. der wissenschaftlichen Forschung im Allgemeinen abverlangt.

    Wie die Erfahrung zeigt, ist der einzige “Nutzen” solcher Fächer, daß Leute, die von nichts eine Ahnung haben, die Möglichkeit bekommen, ihre Machtphantasien auszuleben und mißliebigen Studenten Schwierigkeiten zu bereiten.
    (Und wie erklären Sie eigentlich, daß die Tschernobyl-Katastrophe von Leuten verursacht wurde, die in ihrem Studium doch wohl mit “Philosophie”, “Ethik” etc.pp. sehr viel Zeit verbracht haben?)

  25. #25 Marcus Anhäuser
    11. Mai 2010

    @C. Stutzke
    “Wenn es in diesem Fall zum Erkenntisgewinn gehört, dass man den Tod von Menschen billigend in Kauf nimmt”

    Da sollten Sie vielleicht die Mitarbeiter vom LHC warnen, die wissen das vielleicht nicht …

    Ansonsten kann ich Ihnen nur den Artikel vom Kollegen Freistetter empfehlen:
    Der LHC ist nicht gefährlich. Wirklich!
    http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2009/08/der-lhc-ist-nicht-gefahrlich-wirklich.php

  26. #26 C. Stutzke
    25. Juni 2011

    Nachtrag:
    “… ich schätze mal, die Tschernobyl-Überlebenden würden gar nicht verstehen, warum ich sie anspreche, denn der LHC hat nicht so viel mit Atomkraft zu tun, wie Sie suggerieren, außer dass vielleicht beides zum Thema Groß-Technologie zählt und wenn Sie wollen mit “Urkräften” oder was auch immer arbeitet.”
    Genau das ist der Punkt. In beiden Fällen handelt es sich um eine nukleartechnische Anlage. Fukushima hat gezeigt, dass Unwägbarkeiten auch in einer Umgebung der Hochtechnologie, sogar mit einer e r p r o b t e n Technologie auftreten können. Schon aus diesem Grund kann man nicht behaupten, dass der LHC sicher ist. Und was bei dieser Technologie der SUPERGAU ist, wissen wir ja noch nicht.

    “Und wie erklären Sie eigentlich, daß die Tschernobyl-Katastrophe von Leuten verursacht wurde, die in ihrem Studium doch wohl mit “Philosophie”, “Ethik” etc.pp. sehr viel Zeit verbracht haben?”
    Genau darum geht es: Menschen können nicht alles wissen, und auch nicht alles beherrschen. Selbst dann nicht, wenn sie eine gute Ausbildung genossen haben. Deswegen muss man nicht zum Wissenschaftsfeind werden, aber bei Forschung mit eventuell hohen Risiken darf man das nicht vergessen.

    “…immerhin hat sich die jw in den letzten Jahren ja alle Mühe gegeben, wirklich jedem finsteren Diktator dieser Welt ganz tief in den Hintern zu kriechen”
    Finsterer Diktator – kann das sein, dass Sie ein ziemlich engstirniges Weltbild haben :-)…

    Ich bitte Sie, Ihre Meinung zu CERN noch einmal zu überdenken, gerade vor dem Hintergrund der Kernkraftkatastrophe in Japan. Kerntechnische Anlagen sind nicht ungefährlich.

  27. #27 klauszwingenberger
    4. Juli 2011

    In beiden Fällen handelt es sich um eine nukleartechnische Anlage.

    Rüchtüch. Haut bei der Gelegenheit auch gleich alle Kernspintomographen zu Klump! Nieder mit der Nuklearmedizin! Für eine Materialprüfung ohne Neutronenstrahlung!

    Schafft die Atome ab!