Gestern lief „Plastic Planet” in den deutschen Kinos an. Regisseur Werner Boote demonstriert uns unsere Abhängigkeit von Kunststoffen, das Ausmaß an Müll, das wir jährlich produzieren und erklärt, warum er in Kunststoffen eine Gesundheitsgefahr sieht. Größte Sorge bereitet ihm offensichtlich das seit Jahren umstrittene Bisphenol A (BPA), Ausgangsstoff von Polycarbonaten und Epoxidharzen. Polycarbonaten ist das Material Alltagsgegenständen von CDs bis zu Essgeschirr und Babyflaschen; Epoxidharze werden beispielsweise in Lacken und Klebstoffen verwendet. Und sie setzen BPA frei. Zumindest einige Milligramm. Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung erklärt uns Werner Boote das Problem.

Boote: “[…] Wenn man dann aber wie ich einen Bluttest macht, findet man heraus, wie viel Plastik man bereits in seinem Körper hat.”

SZ: “Wie viel war es bei Ihnen?”

Boote: “So viel, dass ich laut Arzt Gefahr laufe, unfruchtbar zu werden oder ein Kind mit Fehlbildungen zu zeugen.”

SZ: “Welcher Stoff wurde in Ihrem Blut gefunden?”

Boote: “Bisphenol A. […]”

Sowohl die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) als auch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (European Food Safety Authority, EFSA) kamen unabhängig voneinander zu dem Schluss, BPA sei ungefährlich.

Interessanter noch: Laut einem Gutachten der EFSA passiert mit BPA im menschlichen Körper folgendes: Die Aufnahme des hormonähnlichen Stoffes in den Blutkreislauf erfolgt in der Leber. Dort wird es glucoronidiert, dass bedeutet, bedeutet Glucuronsäure wird mit der Chemikalie verbunden, ein Vorgang den der Körper sich zu nutze macht, um Medikamente zu entgiften und wasserlöslich zu machen. BPA-Glucuronid hat keine hormonähnliche Wirkung mehr. Parallel dazu wird BPA auch in Sulfate überführt, ein weiterer „Entgiftungstrick” des Körpers. Durch die hohe Polarität der Glucuronsäure wie auch des Sulfats wird das umgewandelte BPA stark wasserlöslich und direkt mit dem Urin ausgeschieden. Laut EFSA hat BPA im Körper eine Halbwertszeit von weniger als sechs Stunden. Da frage ich mich doch, wie die großen Mengen BPA in den Bluttest von Herrn Boote gelangt sind?

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Die Süddeutsche kritisiert eben diesen Bericht der EFSA, denn die EFSA unterstreicht, dass die in Rattenkörpern beobachteten hohen Konzentrationen sich nicht ohne weiteres auf den Menschen übertragen ließen – eine Aussage, die viele Kritiker der EFSA und des BPAs bezweifeln. Dabei ist die Erklärung ganz einfach: Genau wie im menschlichen Körper wird das BPA in der Leber der Ratte gluduronidiert. Anstatt nun aber direkt ausgeschieden zu werden, gelangt der Metabolit in den Darm, wo das ursprüngliche BPA zurückgewonnen wird. Daher ist die Halbwertszeit im Rattenkörper maßgeblich erhöht.

Mein Lieblingsbeispiel für einen Toxizitätstest, bei dem Ratten und Mäuse ungeeignete Modellorganismen darstellen, ist die Untersuchung von Alkoholen. Während der LD50 Wert für Methanol am Modellorganismus Ratte bei 5628 mg/kg Körpergewicht liegt, stirbt bereits die Hälfte alle Tiere bei der Verabreichung von 10 mg/kg Körpergewicht Ethanol. Der Mensch hingegen verträgt bekanntermaßen Ethanol wesentlich besser als Methanol. Der Grund: Alkohol wird oxidiert. Ethanol zu über Acetaldehyd zu Essigsäure (a), Methanol über Formaldehyd zu Ameisensäure (b). An letzterer übersäuert der Mensch, während Nager diese einfach weiter zu CO2 oxidieren.

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Kommentare (23)

  1. #1 Silentjay
    Februar 26, 2010

    fazit:
    -bisphenol a ist ungefährlich
    -wir haben ein müll problem
    -filmemacher sind nicht zwangsweise experten für die thematik, die sie verfilmen.
    -die sz denkt wer einen film dreht muss soviel recht haben, das die sz ihm eine plattform für seine theorien gibt.
    -plastik planet haut mal wieder in die typische kerbe von industrie will auf kosten unserer gesundheit reich werden und dem staat ist nicht zu trauen, weil er bestimmt bestochen wurde.

  2. #2 Ilona Baldus
    Februar 26, 2010

    Bis auf “dem staat ist nicht zu trauen” ist Silentjays Fazit genau das, worauf ich hinaus wollte.

  3. #3 walim
    Februar 26, 2010

    Irgendwie scheint da so ein simples Prinzip der Überargumentierung wirksam zu sein: alles, was irgendwie zu meiner Meinung passt, wird vorgebracht, der Wert der Sache bestimmt den Wert des Arguments und aus die Menge der Argumente gibt meiner Meinung ein um so größeres Gewicht. Je bekräftigter die Meinung ist, desto leichter lassen sich auch die Argumente in meine Richtung biegen. Dummerweise vergiften allerdings so leicht zu widerlegende Argumente langfristig meine Aussage. Glücklicherweise ist aber das Feulleton eher kurzatmig damit beschäftigt, schnell mal irgendeine Kuh über die Seiten des Dorfs zu treiben. Kennt man ja alles aus anderen Debatten.
    Wir dürfen damit rechnen, dass die Gefährlichkeit von BPA ein ähnliches Allgemeingut wird, wie die der Handystrahlung.
    Das wir ein enormes Müllproblem haben, sehe ich übrigens auch.
    Und dann wollte ich mich noch für dir dargelegte Chemie bedanken.

  4. #4 S.S.T.
    Februar 26, 2010

    @ka

    fazit?

    Es gibt genügend giftige Stoffe, besser gesagt Dosierungen. Jedoch muss man bei einer Gegfährdungsabschätzung etwas genauer hinschauen, wie der Artikel sehr schön zeigt.

    Vor allem zeigt eben nicht jeder Tierversuch in die richtige Richtung. Sofern ich mich richtig erinnere wurden z.B. Ratten einer Formaldehydkonzentration ausgesetzt, die jenseits der Erträglichkeitsgrenze lag, und, oh Wunder, ihre empfindlichen Nasen entwickelten Krebs (Anmerkung: Formaldehyd ist ein körpereigener Stoff, was nat. jedoch nicht die allgem. Unbedenklichkeit belegt). Vergleichbare Untersuchung wurden auch mit Süßstoffen (ölige Suspension in den Bauchraum) durchgeführt.

    Verbindungen, die bei den einzelnen Säugetierspezies eine sehr unterschiedliche Toxizität aufweisen, sind übrigens nicht selten.

  5. #5 Krakonos
    Februar 26, 2010

    Naja, das machst Du Dir aber ein bisschen zu einfach. Der Wissensstand kann sich ja auch verändern. Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie z.B. weist in einer aktuellen Pressemitteilung darauf hin, dass die Datenlage für BPA so eindeutig nun wirklich nicht ist:
    http://www.innovations-report.de/html/berichte/medizin_gesundheit/einfluss_hormonsystem_krankmachende_stoffe_umwelt_149210.html

    Dabei sind m.E. mehrere Probleme zu berücksichtigen:
    * Die Metabolisierung in der Leber muss nicht vollständig so ablaufen.
    * Die Ausscheidung ist auch nicht sofort und vollständig.
    –> Es können durchaus geringe Mengen BPA in den Körper gelangen
    * BPA wirkt im Körper hormonartig, Hormone wirken im Gegensatz zu z.B. Ethanol schon in extrem geringen Konzentrationen, da sie nur als Signalüberträger dienen
    * Organismen, die sich noch in der Entwicklung befinden, also Embryonen, Föten, Kinder reagieren auf Östrogene (BPA ist ein “Xenoöstrogen”) besonders sensibel
    * Die Auswirkungen sind dann oft lebenslang
    * es gibt eine Reihe von Tumoren, deren Wachstum durch Östrogene gefördert wird. Auch hier ist die Rolle von BPA bestenfalls unklar.
    * inzwischen gibt es aber auch Anzeichen, dass BPA bei der Entwicklung “normaler” Krankheiten, wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen eine Rolle spielt. (siehe z.B. Presseerklärung)

    Als Fazit bleibt: Hormonartig wirkende Substanzen sind immer kritisch, weil sie schon in sehr geringer Dosis wirksam sind und weil sich entweder zeitnah oder später auftretende Effekte nur sehr schwer darauf zurückführen lassen.

  6. #6 Marc Scheloske
    Februar 26, 2010

    @alle und auch @Ilona:

    Prinzipiell teile ich ja die Skepsis, wenn – zumal in einem Kinofilm – bestimmte Mißstände angeprangert werden und eine ziemlich unheimliche Verschwörung von Industrie, Aufsichtsbehörden und Politik behauptet wird, denen die Gesundheit der Bevölkerung egal ist. Allerdings ist die Sache im vorliegenden Fall m.E. nicht so einfach.

    Klar, sicher bastelt sich der Filmemacher Werner Boote seine “Plastikwelt” zurecht. Das ist/war bei Michael Moore nicht anders. Allerdings halte ich es für naiv z.b. für Bisphenol A sofort Entwarnung zurufen, nur weil die EFSA hier keine Probleme sieht. Die EFSA argumentiert ja fast identisch wie ihr: die Fütterungsstudien an Ratten und Mäusen sind weitgehend irrelevant, weil die Nager den Stoff nicht abbauen können.

    Allerdings gibt es – ich habe das auch in meinem Topthema anklingen lassen – viele, viele andere Studien, die andere Rückschlüsse zulassen. Da gibt es eindeutige Belege dafür, daß BPA über die Muttermilch an Säuglinge abgegeben wird und in deren Blut nachweisbar ist. Und da gibt es (nur als Bsp.) ganz aktuelle und saubere Studien, die recht beeindruckend belegen, daß die Konzentration von BPA mit Herz- /Kreislauferkrankungen korreliert.

    –> Melzer D, Rice NE, Lewis C, Henley WE, Galloway TS, 2010 Association of Urinary Bisphenol A Concentration with Heart Disease: Evidence from NHANES 2003/06. PLoS ONE 5(1): e8673. doi:10.1371/journal.pone.0008673

    Zusammenfassend: es gab in der Vergangenheit Fälle in denen die EFSA auf dem Holzweg war und auch BPA könnte in die Kategorie fallen. Tatsache ist, daß Bisphenol A in den Körper gelangt. Was die Substanz dort dann genau macht (und ab welcher Konzentration sie problematisch ist), wissen wir einfach nicht. Ich persönlich könnte mir sehr gut vorstellen, daß in den nächsten Jahren hier auch seitens der EFSA ein Umdenken stattfindet.

  7. #7 Boson
    Februar 26, 2010

    Naja die Problematik von Kunststoffen liegt ja eigentlich nicht in bei ihrer Toxizität für den Menschen sondern bei ihrem, bei unsachgemäßer Entsorgung, hohen Umweltgefährdungspotential vor allem für die Meere. Ich hab den Film nicht gesehen, weiß also nicht ob das auch angesprochen wird. Wenn nicht –> Fail. Ist ja schließlich nicht erst seit gestern bekannt.

  8. #8 Bernd
    Februar 26, 2010

    Ich finde man muss nicht alles wegwerfen, nur weil man nichts gescheites mehr damit anfangen kann oder will. Ob schädlich für die Umwelt oder nicht sollte da auch keine Rolle spielen. Der Mensch verschwendet ohne Not die vorhandenen Recourcen.

  9. #9 Ilona Baldus
    Februar 26, 2010

    Die EFSA beurteilt unsere BPA-Exposition allein aufgrund von BPA-Konzentrationen im Urin. Boote spricht ja von seiner BPA-Konzentration im Blut. Wenn diese allerdings wirklich so hoch ist, wie er angibt (und ich will ihn wirklich nicht der Lüge bezichtigen), so kann das Ergebnis der EFSA (Halbwertzeit=6h) nicht stimmen, denn sechs Stunden ist eine Halbwertzeit die für Medikamente, die man mehrfach täglich nehmen soll, nicht ungewöhnlich ist. Irgendwas passt hier nicht zusammen.
    Was mir jedoch wirklich widerstrebt, ist die Argumentation der SZ, beim Nager sei BPA gefährlich, also auch beim Menschen. Diese Schlussfolgerung stimmt nicht immer. Klar, Ratten sind der gängige (häufigste?) Modellorganismus, an dem Medikamente getestet werden. In mancher Hinsicht funktioniert der menschliche Organismus aber doch anders. Sonst wären klinische Studien ja überflüssig.
    Und eine Studie als fragwürdig hinzustellen, weil sie industriefinanziert sei, finde ich fragwürdig. Mir ist durchaus bekannt, dass die Industrie viele Studien gekauft hat, aber die Industrie ist eben auch ein großer Geldgeber für die Wissenschaft.

    @ Boson: Ich möchte eine mögliche Toxizität von Kunststoffen nicht ausschließen, vielleicht gehen die Studien von EFSA und DGE ja wirklich von falschen Annahmen aus. Der Film beschäftigt sich – auch ich habe nur den Trailer gesehen – auch mit der mangelhaften Entsorgung. Gestern erschien hierzu zwar eine neue Katastrophenmeldung, aber auch die ist nicht die erste.

    Im Film ist Boote zu sehen, wie er im Supermarkt über ein Megaphon vor den Gefahren des Plastiks warnt und keinen interessiert es. Klar interessiert es keinen. Das liegt aber nicht an der Thematik, sondern an seiner Art.

  10. #10 silentjay
    Februar 26, 2010

    @Ilona Baldus

    der letzte punkt war ironisch gemeint.

    ich vermisse oft einfach bei solchen artikeln, wie auch bei den filmen die sachlichkeit und die differenzierung.
    kinofilm hin, kinofilm her.

  11. #11 Brotzeit
    Februar 26, 2010

    Klar gibt es ein Müllproblem. Und bestimmt besteht das (vielleicht neben Schwermetallen) vor allem aus Kunststoffen. Aber das eigentliche Problem liegt doch eher in der Entsorgung und nicht so sehr in der Produktion von Kunststoffen !?

    Ich denke, dass es da eindeutig zwei Seiten der Medaille gibt. Denn wenn man es sich mal genau überlegt haben Kunststoffe auch für die Umwelt durchaus positive Effekte:

    Jedes Barrel Erdöl, das zu Kunststoffen verarbeitet wird, landet (sofern es nicht am Ende in die Müllverbrennung kommt) immerhin nicht so ohne weiteres als Kohlenstoffdioxid in der Atmosphäre…

  12. #12 Alexander
    Februar 26, 2010

    Hallo,
    also ob Plastik(und darin enthaltene Stoffe) nun Giftig sein könnte oder nicht, das ist mir relativ egal. Mich interessiert nur, ob es das IST oder NICHT. Das kann niemand so richtig sagen, insofern finde ich diesen Teil der Filmbotschaft äußerst zweifelhaft. Da wird eine Panik verbreitet, die keine reale Grundlage hat.
    Das wir ein Müllproblem haben, das ist auch nicht neu. Ist Plastik nun schuld? Ich sage: NEIN! Denn: Was sind die Alternativen?!
    1) Glas
    2) Metall
    3) Verbundstoffe zB: Plastik+Papier+Metall = TetraPak

    Probleme mit Glas: Das Gewicht erhöht Transportkosten und Energieverbrauch, es ist unhandlich, zerbricht in Scherben (Glasflaschenverbot beim Kölner Karneval!), …

    Probleme mit Metall: Teuer, möglicherweise Leicht (je nach Verpackung), kommt aufgrund von Reaktionen zwischen Verpackung und Metall im Regelfall auch nicht ohne Plastikbeschichtungen (=Verbundstoff) aus.

    Probleme mit sonstigen Verbundstoffen: Diese kommen nur sehr selten ohne Plastik aus und flächendeckender Einsatz von Plastikfreien verbundstoffen im Bereich des Groß- und Einzelhandels halte ich für unmöglich.

    Also was ist die Botschaft des Filmes? Alles doof? Genau!
    Konstruktive Kritik? Fehlanzeige!
    Verdrehte Halbwahrheiten werden genutzt um halbgare Verschwörungstheorien aufzubauen.

    Wer den Film schaut unterstützt diesen Wahnsinn auch noch!
    Meine Empfehlung an alle Interessenten: Schaut euch den Film nicht an, es sei denn ihr steht auch gezielte Desinformation und Panikmache auf einem Niveau, welches so unglaublich tief angesetzt ist, dass es höchstens zu einer Stolperfalle wird!

  13. #13 Silentjay
    Februar 28, 2010

    hat es eigentlich einen grund, das man den artikel in der timeline unter naturwissenschaften nicht mehr findet, sondern nurnoch unter der suche nach plastik planet, wobei der kleine artikel von herrn scheloske hierzu nun auch irgendwie ‘weg’ ist?

    beste grüße

  14. #14 Ilona Baldus
    Februar 28, 2010

    @ Silentjay: ich hab als erste Kategorie Medizin angegeben, dann erst Naturwissenschaften. Dadurch taucht es in der Medizin Timeline auf. Ansonsten direkt und http://www.scienceblogs.de/chemisch-gesehen

  15. #15 thom
    März 1, 2010

    @Alexander, Du wirst aber so mit Deiner Welt auch nie zufrieden sein … das Leben bleibt bunt bis grau, niemals jedoch schwarz/weiss. Was ich sagen möchte, es gibt für nix eine Idealbesetzung.

    Und zum BPA sei gesagt, hier gilt ähnliches, als explizit schädlich kann es wohl nicht eingestuft werden, als bedenklich hingegen sehr wohl. Was leider auch unter den Tisch fällt, wir reden bei Kunststoffen von einer recht großen Bandbreite von Polymeren verschiedenster Arten, welche dann noch als Gemische mit Alterungsschutzmitteln, Weichmachern und Stabilisatoren, Vernetzern inkl. dem ein oder anderen Katalysator ihren Weg zum Endprodukt nehmen, dann in den Müll (Umwelt) gelangen, und hier Bedingungen ausgesetzt sind, die nicht geplant waren … und wer ein wenig chemisches Vorstellungsvermögen hat, dem schwant das ein oder andere….

  16. #16 fatmike182
    März 2, 2010

    @alle insbes @silentjay
    der Film ist weder reißerisch noch Michael Moore-like, sondern ihm liegt ein dokumentarischer Charakter zugrunde. Weder Panik-Mache noch unnütze Emotionalisierung sind Bestand des Filmes.
    Ich würde es wirklich jedem ans Herz legen, den Film anzusehen. Es geht mitunter darum, dass viele Firmen trotz Auflagen (gg Bisphenol A zB) weiterproduzieren wie davor.

  17. #17 Kathrina
    März 18, 2010

    Es gibt sicherlich keinen Zweifel daran, dass Kunststoffe, wie im übrigen alle Produkte, mindestens 2 Seiten haben.
    Das fragwürdige Image von Kunststoffprodukten ist sehr stark auf die “Müllproblematik” zurück zu führen.
    In der Tat bestehen in dieser Hinsicht Probleme, an denen allerdings mit Nachdruck gearbeitet wird bspw. durch Entwicklung neuer Recyclingverfahren und Logistic Systeme.
    Darüber hinaus hängt dieses Thema sicherlich auch wesentlich mit menschlichem Fehlverhalten zusammen. Wenn Mitbürger Müll aus dem Autofenster entsorgen, kann dies nicht durch Technologie gelöst werden, sondern stellt ein gesellschaftliches Problem dar, das andere Ansätze erfordert.
    Was in vielen Teilen zu kurz kommt (aus welchen Gründen auch immer) ist der Beitrag den Kunststoffe zu weiten Teilen unserer Zivilisation und zu unserem Lebensstandard beitragen.
    Kunststoffe schonen Ressourcen, tragen dazu bei, die Weltbevölkerung zu ernähren, sorgen für sauberes Wasser, tragen zur Erhöhung der Hygienestandards bei und machen das Leben der Hausfrau/des Hausmannes bequemer. Dies sind nur einige Beispiele die endlos zu erweitern sind.
    Ich denke, dass diese Aspekte stärker in die Diskussion einfließen müssen.
    Falls Sie interessiert sind, mailen sie mir doch einfach…
    Wir unterstützen Sie gerne mit weiteren Informationen.

  18. #18 Dieter
    März 30, 2010

    Ich kann Katharina zum Teil recht geben. Die Problematik sind nicht die Kunststoffe, sondern wie der Mensch damit umgeht- speziell mit der “Entsorgung”.

    Zweifellos tragen Kunststoffe zu unserem Lebensstandard bei, werden oft aber auch nur benutzt, weil alternative Materialien teurerer oder unbequem sind.

    Zum Film: Es ist ein Kinofilm. Ein Kinofilm unterliegt gewissen Restriktionen. Ein wissenschaftlich fundierter Dokumentarfilm wird vermutlich nicht im Kino laufen. Es ist zumindest ein Versuch, dieses Thema der Allgemeinheit näher zubringen, was an sich schon lobenswert ist.(klingt naiv…weiß ich)

    @alle
    Anzunehmen, dass Bisphenol A aufgrund zweier Studien ungefährlich sei, finde ich schon gewagt. Ich bin kein Wissenschaftler und arbeite im einem Beruf, in dem es auf Fakten ankommt, nicht auf Thesen und Annahmen, stehe vermutlich auch deshalb Studien immer etwas misstrauisch gegenüber. Ich kenne diese Studien nicht, aber was ich in aus den Kommentaren entnehmen kann, bedeutet für mich: “Es könnte vielleicht unter Umständen ungefährlich sein.” Ist der Beweis erbracht ? Vermutlich nicht.

  19. #19 Ilona Baldus
    April 2, 2010

    @ Dieter: Eine naturwissenschaftliche Studie verfolgt das Ziel und sollte auch so durchgeführt werden, dass sie zur Beweisführung herangezogen werden kann. Das heißt im hier beschriebenen Fall, dass der Metabolismus von Bisphenol A im Körper genau untersucht wurde. Wenn also, wie im Artikel beschrieben, der Stoff in ungiftige Stoffe überführt und somit schnell ausgeschieden werden kann, so ist er ungiftig. Es bleibt jedoch, da in solchen Untersuchungen mit Modellorganismen gearbeitet wird, dennoch die Möglichkeit, dass wichtige Aspekte übersehen werden. Sollten neuere Erkenntnisse zeigen, dass dies der Fall ist, so muss man die Ergebnisse nun mal hinterfragen. Aber grundsätzlich kann man wissenschaftlichen Untersuchungen durchaus trauen, wenn sie mit entsprechender Sorgfalt durchgeführt wurden.

  20. #20 Paul Veron
    November 19, 2010

    BPA ist alles andere als ungefährlich, im Gegenteil der Skandal hat ein viel größeres Ausmaß als damals der Asbestskandal, nur wird es genauso wie bei Asbest ca. 50 Jahre von der Erkenntnis daß es hochgiftig ist, bis zu einem Verbot dauern. Da steht eine Multimillardenindustrie dahinter, wer will sich mit der anlegen?

    http://de.wikipedia.org/wiki/Bisphenol_A#Gesundheitliche_Gefahren

    Zahlreiche Forscher sehen einen Zusammenhang zwischen zunehmender Unfruchtbarkeit bei Männern (gemessen an der Zahl der Spermien im [Ejakulat]) und der im Alltag verwendeten Kunststoffmenge.
    Eine Studie der Universität von Michigan (veröffentlicht 2010) an
    190 Männern mit Fruchtbarkeitsproblemen ergab deutliche Zahlen:[[9]]
    * In 93 Prozent der Urinproben wurde BPA gefunden.
    * Bei Männern, die über hohe BPA Konzentrationen verfügten, konnte man
    unter anderem eine 23 Prozent geringere Samenkonzentration sowie rund
    10 Prozent mehr DNA-Schäden feststellen. Die Werte der Probanden, bei
    denen nur geringe oder keine BPA-Spuren vorhanden waren, waren deutlich
    besser.

    BPA ist mit die Hauptursache dafür, daß es heute wenn man 100 beliebige Männer von der Strasse nimmt und deren Spermien untersucht, maximal 5% überhaupt noch normal geformte Spermien ohne Gendefekte in ausreichender Zahl besitzen.

    Damit man überhaupt noch “gesunde” Männer findet, wurden die Qualitätskriterien der WHO für Spermiogramme in den letzten 30 Jahren fünf mal abgesenkt. Nach den Kriterien von 1980 gäbe es KEINE gesunden Männer mehr.. wenn sich diese Entwicklung fortsetzt sind in 20,30 Jahren die Menschen weitgehend zeugungsunfähig. Aber auch heute schon ist jedes 7. Paar von ungewollter Kinderlosigkeit betroffen.

    Neben BPA gibt es noch ca. 200 weitere hormonähnlich wirkende Substanzen, aber BPA ist aufgrund der schieren Menge die schlimmste.

    http://www.lfu.bayern.de/umweltwissen/doc/uw_25_hormonell_wirksame_umweltchemikalien.pdf

  21. #21 Zarkh
    April 3, 2011

    Die Studie aus Michigan sieht für mich wie ein klassischer Zirkelschluss aus.
    Ich habe sie mir nur summarisch angeschaut (bin Jurist kein Mediziner), aber wo ist denn da die Kontrollgruppe ?
    Vielleicht haben 93% aller Männer (mit oder ohne Fruchtbarkeitsproblemen) BPA-spuren im Blut .
    Ich kann doch aber nicht eine Gruppe von Probanden zusammenstellen, die alle
    dasselbe Problem haben und dann aus einer möglicherweise auch ausserhalb der Gruppe bestehenden ubiquitären Gemeinsamkeit, den Rückschluss ziehen, dass diese Gemeinsamkeit die Ursache des Defektes ist.
    Um es einmal auf die Spitze zu treiben vielleicht ein Beispiel an dem es deutlich wird:
    Ich behaupte, die Ursache für die Unfruchtbarkeit der Probanden ist die Nutzung einer Waschmaschine. Bei der Überprüfung des Haushaltes der Probanden wurde herausgefunden, dass 93% von ihnen eine Waschmaschine besitzen.
    Absurd oder ?
    Erinnert mich irgendwie an die Schlussfolgerungen über die Auswirkungen von Killerspielen nach Amokläufen.

  22. #22 D. Müller
    August 12, 2011

    Über die Unbedenklichkeit von Substanzen und die Holzwege von Behörden

    Ein Exkurs (Quelle: Wiki)
    Am 15. Juli 1900 erhielt der Österreicher Ludwig Hatschek als Besitzer einer Asbestwarenfabrik ein österreichisches Patent für Eternit. Damit begann ein Boom in der Verwendung von Asbest zur Herstellung sehr unterschiedlicher Produkte (zum Beispiel Faserzement für Dachschindeln, Dach-Wellplatten, Fassadenverkleidungen, Rohre, Blumentröge, Knöpfe, Telefon-Gehäuse, Teile für elektrische Geräte und dergleichen).
    Doch mit zunehmendem Asbestverbrauch stiegen auch die Gesundheitsgefahren. Bereits um 1900 wurde die Asbestose als Krankheit entdeckt. 1943 wurde Lungenkrebs als Folge von Asbestbelastungen als Berufskrankheit anerkannt und seit 1970 wird die Asbestfaser offiziell als krebserzeugend bewertet. 1979 wurde das erste Asbestprodukt, Spritzasbest, in Westdeutschland verboten. Zu dieser Zeit wurde Asbest bereits in über 3.000 Produkten eingesetzt. Es folgten weitere Einschränkungen, bis 1990 in der Schweiz und Österreich sowie 1993 in Deutschland die Herstellung und Verwendung von Asbest generell verboten wurden. Seit 2005 gibt es ein EU-weites Verbot, das auch das Verschenken von asbesthaltigen Gegenständen einschließt.

    Dass es über hundert Jahre dauerte, um von der Erkenntnis der Gesundheitsgefährdung durch Asbest bis zum Verbot (siehe GefStoffV) des Materials zu gelangen, ist vor allem offensiver Lobbyarbeit zuzuschreiben. So hat beispielsweise der Schweizer Verein „Arbeitskreis Asbest“ durch engagierte Interessenvertretung im Namen der Zementindustrie die Gift-Klassifizierung von Asbest in der Schweiz um neun Jahre verzögert.

    Kasierliche Gesundheitsamt 1876 bis 1918: keine Bedenken von Asbest
    Reichsgesundheitsamts seit 1918 bis 1952: keine Bedenken von Asbest
    Bundesgesundheitsamt seit 1952 bis 1994: zuerst keine Bedenken, Verbot von Asbest 1993
    Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV) seit 1994
    Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) seit 2002

    Die zuständigen Institutionen agierten konservativ.
    Wissenschaftliche Studien belegten Jahrzehnte zuvor die Gesundheitsrisiken von Asbest-Mineralgemengen.

    Bezugnahme zu gesundheitsbedenklichen Kunststoffen wie BPA
    Boote weist in seinem Dokumentarfilm auf die Mannigfaltigkeit an existierenden
    Studien bzg. der Bedenklichkeit von Kunststoffen auf den menschl. Organismus hin.
    Dass ein Großteil der Studien, aufgrund bedenklicher Metodehnverfahren,
    fragwürdig sind, würde ich bezweifeln. Dennoch, ich habe sie nicht explizit
    gelesen. Weis jemand, ob Boote den Inhalt seines roten Koffers (mit den Studien) mal online gestellt hat. Wäre sicher interessant, die mal durchzustöbern.

  23. #23 jemand-der-anhung-hat-von-chemie
    Mai 4, 2012

    “Größte Sorge bereitet ihm offensichtlich das seit Jahren umstrittene Bisphenol A (BPA), Ausgangsstoff von Polycarbonaten und Epoxidharzen. Polycarbonaten ist das Material Alltagsgegenständen von CDs bis zu Essgeschirr und Babyflaschen; Epoxidharze werden beispielsweise in Lacken und Klebstoffen verwendet. Und sie setzen BPA frei. Zumindest einige Milligramm.”

    Völliger UNSINN!!!!!!!!
    Wenn sich etwas zersetzt dann bildet sich nicht wieder der Ausgangsstoff (in diesem Fall BPA). Und wie schon mal geschrieben wurde BPA ist nicht giftig!