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Martin Chalfie ist einer der drei Nobelpreisgewinner von 2008 für die Entdeckung und Entwicklung des grün fluoreszierenden Proteins GFP. Er hat in seinem Vortrag in Lindau erzählt, wie es dazu kam, dass er in Stockholm geehrt wurde. Ein Drama aus der Wissenschaft in mehreren Akten.

Heute morgen waren die drei Vorträge der Nobelpreisträger für Chemie von 2008 – Osamu Shimomura, Martin Chalfie und Roger Tsien. Ashutosh hat alle drei Talks schon sehr gut in einem Blogpost zusammen gefasst: Shimomura hat über Biolumineszenz in der Natur referiert. Ich wusste nicht, dass auch Pilze leuchten können – siehe Abbildung oben. Roger Tsien hat einen persönlichen historischen Abriss gegeben, warum er mit seiner Forschung bei fluoreszierenden Proteinen gelandet ist. Er hatte schon immer ein Faible für bunte Farben. Martin Chalfie hat erzählt, wie er GFP auch in seiner aktuellen Forschung nutzt. Für Experimente mit sensorischen Nervenzellen im Fadenwurm C. elegans.

Bei der Verleihung des Nobelpreises letztes Jahr am achten Oktober 2008 hatten sich einige gewundert, warum Douglas Prasher leer ausgegangen ist. Prasher hat schon 1992 in einem Paper beschrieben, wie er das Gen für GFP aus der Qualle Aequorea victoria kloniert und sequenziert hat.

Chalfie weiss noch genau, wann er die Idee hatte, GFP als Marker für die Genexpression zu nutzen: Am 25. April 1989 hörte er einen Vortrag von Paul Brehm über die Quallenart mit dem seltsam fluoreszierenden Protein. Er nahm daraufhin Kontakt mit Prasher auf, und bat ihn, ihm die cDNA von dem GFP-Gen zu schicken. Chalfies erste gekritzelte Notizen sind erhalten, ich habe ein Foto davon im Talk gemacht.

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Eine Diplomandin in Chalfies Labor hat daraufhin das Gen in E. coli kloniert, und nur durch den Zufall, dass sie Zugang zu einem besseren Fluoreszenzmikroskop hatte, als das in Chalfies Labor führte dazu, dass die fluoreszierenden Bakterien überhaupt als solche erkannt wurden.

Nach einiger Zeit wollte Chalfie die Ergebnisse publizieren. Er bat mehrere Kooperationspartner um deren Daten für die Veröffentlichung. Die meisten schickten ihm bereitwillig ihre Ergebnisse, nur Tulle Hazelrigg knüpfte Bedingungen an die übergebenen Daten: Chalfie hatte für zwei Monate jeden Samstag Morgen Kaffee zu kochen, er wurde verpflichtet, ein französisches Menü zu kochen, und er musste für einen Monat den Müll runter bringen. Tulle Hazelrigg ist Martin Chalfies Frau. Auch dieser Brief mit den Bedingungen ist erhalten und wurde von mir abfotografiert.

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Als das Manuskript fertig geschrieben war, reichte Chalfie es bei Science ein. Der zuständige Editor war mit dem Titel “Green Fluorescent Protein. A New Marker for Gene Expression” nicht zufrieden. Alles, was in Science publiziert würde, sei neu. Also änderte Chalfie den Titel etwas ab: “The Aequorea victoria Green Fluorescent Protein Needs No Exogenously-Added Component to Produce a Fluorescent Product in Prokaryotic and Eurkaryotic Cells“. Das reichte, um das Paper akzeptiert zu bekommen. Für die eigentliche Publikation 1994 wurde dann doch wieder ein etwas eingängiger Titel gewählt: “Green fluorescent protein as a marker for gene expression

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Dieses Paper hat Chalfie letztendlich den Nobelpreis gebracht, es wurde inzwischen beinahe 500 Mal in anderen Publikationen zitiert. GFP hat für die Biologie eine Bedeutung weit über seinen Nutzen als Genexpressionsmarker hinaus. Dazu mehr im Interview mit Martin Chalfie, dass ich gestern mit ihm geführt habe, und noch für die Veröffentlichung hier aufbereiten muss. Symbolisch für den Nutzen ein letztes Slide aus Chalfies Talk: Verschiedene Tiere und Zelllinien, die alle GFP exprimieren.

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Douglas Prasher, der GFP zuerst klonierte und sequenzierte, ist heute übrigens Busfahrer für einen Autohändler. Er bekam keine weitere Fördergelder für seine Forschung und musste der Wissenschaft den Rücken kehren. Erfolg und Misserfolg liegen in der Wissenschaft manchmal verdammt dicht beieinander.

Oberes Bild Christian Fleming / www.lindau-nobel.de
Andere Bilder von mir.


 » Tobias Maier ist Biochemiker und forscht als Postdoc am CRG in Barcelona.
 » Er führt das Blog WeiterGen auf ScienceBlogs
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