Wer hier regelmäßig mitliest, wird es schon wissen: Tobias Cronert, Strahlenphysiker am Forschungszentrum in Jülich, ist am Samstagmorgen (31.10) an Leukämie gestorben. Dies ist keine Indiskretion meinerseits: Er hat uns in seinem praktisch kontinierlich über den Verlauf dieser Krankheit informiert. In seinem Tagebuch, das er von der ersten Diagnose bis zum schweren Ende mit uns geteilt hat, waren sein Fachwissen, aber ganz besonders und sein nahezu unerschütterlicher Humor unübersehbar – trotz der schwere der Diagnose, trotz der Härten der Behandlung, und trotz der Rückschläge, die er dabei hinnehmen musste.

Die Beisetzung ist für den 7. November geplant; Tobis Frau hat versprochen, ihm alle Kommentare, die zu seinem letzten Beitrag (hier noch einmal der Link: https://scienceblogs.de/nucular/2020/11/02/ich-bin-einem-blog-am-ende-und-werde-jetzt-sterben/) geschrieben werden, mit ins Grab zu legen. Bitte schreibt Eure Gedanken dort auf.

Die Idee dieses Sonderblogs ist, die Erinnerung an Tobi am Leben zu halten. Und dafür habe ich (als ScienceBlogs.de-Redakteur) den ungewöhnlichen – aber auch, aus praktischer sich, nicht unriskanten – Weg gewählt, dieses Blog für alle zu öffnen: Wer seine Erinnerungen an Tobi dort teilen will, muss sich bei der Adresse http://scienceblogs.de/gedenken-an-tobias/wp-admin mit dem Benutzernamen gedenken-an-tobias und dem Passwort Tobias anmelden.

Ich hoffe, dass niemand dieses Angebot missbrauchen wird, sondern dass im Gegenteil alle, die ihn kannten – sei es persönlich, sei es durch den virtuellen Kontakt durch Kommentare zu seinen Beiträgen – sich die Zeit für ein paar würdevolle Erinnerungen und Gedanken nehmen werden. Es ist ein Experiment, das dem Mut – und dem Spaß am Ausprobieren – gerecht werden soll, den Tobias in seinen Beiträgen und wohl auch in seinem “wirklichen” Leben stets gezeigt hat.

Kommentare (7)

  1. #1 rolak
    2. November 2020

    Schöne Idee! Und Daumen gedrückt, daß mit der Öffnung alles glatt geht…

  2. #2 Dennis
    Aachen
    2. November 2020

    Seit Samstag ist die Welt um einen ihrer Besten ärmer geworden. Wie sehr, werden wir erst nach und nach merken, aber eines ist klar: Die Lücke, die Tobi Theißen (geb. Cronert) in unserer Mitte hinterlässt, wird niemand schließen können.

    Ein großartiges Leben verdient wahrhaftig einen großartigen Abschluss. Leider macht uns Corona da momentan einen Strich durch die Rechnung, so dass wir nicht so zahlreich anwesend sein können, wie wir das im Normalfall sicher getan hätten. Wir möchten darum mit einem Nachruf und einem Gesteck mit unseren Grüßen „Farewell“ sagen und würden uns freuen, wenn Ihr Euch daran beteiligt. Zu diesem Zweck haben wir bei PayPal unter dem Link

    paypal.me/pools/c/8tYSxqjwEP

    einen Moneypool angelegt.

    Die Summe, die über die Unkosten hinaus gespendet wird, werde ich komplett an die DKMS weiterleiten.

    Wir haben uns außerdem mit der DKMS in Verbindung gesetzt, die auch einen eigenen Spendenpool für Tobi eingerichtet hat. Unter der Angabe des Stichwortes “Tobias Cronert” könnt Ihr auf das folgende DKMS-Spendenkonto einzahlen:

    IBAN DE27 6407 0085 0179 0005 02
    BIC DEUTDESS640
    Deutsche Bank Reutlingen

    Ach Tobi. Mach’s gut, lieber Freund. Was für ein Glück, Dich gekannt zu haben! Möge Dein Himmel weit und Deine Freiheit unendlich sein. Unsere Wünsche sind bei Dir.

  3. #3 Karl-Heinz
    Graz
    2. November 2020
  4. #4 Aginor
    3. November 2020

    Danke für den Beitrag!
    Tobi war einer meiner Lieblingsblogger, ich finde es schön dass er so gewürdigt wird.

    Gruß
    Aginor

  5. #6 Christian
    Overath
    4. November 2020

    Habe mich gewundert keinen neuen Beitrag mehr von ihm zu lesen…
    Schade um einen Menschen wie ihn.
    Sein Blog hatte mich dazu motiviert mich bei der DKMS registrieren zu lassen…

    Nun gibt es keinen Grund mehr SB zu besuchen.
    Aldermarin bei heise.
    Tobi im Himmel…

  6. #7 sino
    Heidelberg
    6. November 2020

    Von Tausend Origami-Kranichen, einem Gedicht und einer russischen Ballade…

    In seinem Artikel über Kraniche, den Tobias Cronert am 6. August anlässlich des 75. Jahrestags des Atombombenabwurfes auf Hiroshima veröffentlichte, schrieb er, dass die Geschichte der damals 2½ Jahre alten Sadako Sasaki, die zehn Jahre später an Leukämie verstarb, im Zusammenhang mit der alten japanischen Erzählung über One thousand origami cranes „so viele Menschen bewegt“ hat und, „dass sich während ihrer letzten Lebenstage und darüber hinaus viele Menschen für sie engagiert haben und sie so zu einem Sinnbild für die Schrecken und Hoffnungen des Atomaren Zeitalters geworden ist.“

    Daran anknüpfend möchte ich an eine hierzulande weniger bekannte aber nicht weniger rührende Geschichte auf ein von diesen Papierkranichen inspiriertes Gedicht und eine Ballade hinweisen.

    Einer der „bewegten Menschen“ war der aus Dagestan stammende awarische Dichter Rasul Gamzatov¹. Nach einem Besuch des Friedensparks Hiroshima war er derart ergriffen, dass ihm noch Monate danach die Erinnerungen an die Papierkraniche im Children's Peace Monument² nachgingen und ihn zu einem Gedicht inspirierten: „Kraniche“ wurde von Naum Grebnev im Jahr 1968 ins Russische übersetzt und in der Literaturzeitschrift Nowy Mir publiziert.

    Dort wiederum fiel es dem Schauspieler und Sänger Mark Bernes auf. Er überarbeitete den Text und bat den befreundeten Komponisten Jan Frenkel um eine musikalische Bearbeitung. So entstand eines der weltweit bekanntesten russischen Balladen über den zweiten Weltkrieg: Zhuravli (dt. „Kraniche")

    Als Frenkel ihm das Lied vorspielte, war der an Lungenkrebs erkrankte Bernes zu Tränen gerührt, weil er eine Strophe auf seine eigene Krankheitsgeschichte bezog.

    Am 9. Juli 1969 wurde das Lied erstmals aufgezeichnet.
    Fünf Wochen später erlag Bernes seiner Krankheit und die Aufnahme wurde bei seiner Beerdigung gespielt. Frenkel zufolge war „Kraniche“ die letzte Aufnahme von Bernes – sein „Schwanengesang“.

    Dies nur als "appetizer" – es lohnt sich, den ganzen Wikipedia-Artikel zu lesen.

    Während meiner Recherche habe ich viele Aufnahmen auf youtube gehört.
    Hier ein paar (rein persönliche) Empfehlungen:

    Zunächst die oft auf youtube zu findende „klassische“ Aufnahme mit Mark Bernes und dann ein Ausschnitt aus einem Konzert aus dem Jahr 1982 mit dem Komponisten Jan Frenkel (Vocal & Piano).

    Und hier eine Auswahl von Interpretationen jüngerer Generationen (alle nach 2000):

    Darbietung der Girlgroup Serebro aus 2008 (bekannt aus ESC 2007 in Helsinki).

    Darbietung einer jungen Sängerin aus "The Voice Russia" aus 2013 (bei uns läuft sowas als „DSDS“)

    Die Interpretation (engl. UT) des russisch-britischen Opernsängers Dmitri Hvorostovsky aus dem Jahr 2016. Er erlag ein Jahr später einem Hirntumor,
    einem Kommentar zufolge wurde bei seiner Beerdigung „Kraniche“ gespielt…

    Diese Aufnahmen zeigen, wie lebendig und populär die Ballade in Russland ist.

     
    Im „Westen“ hingegen ist sie kaum bekannt (was ich sehr Schade finde). Im Netz (youtube) habe ich insgesamt drei Künstler aus den Niederlanden und England gefunden.

    Hier die recht frühe Adaption von Herman Van Veen: Kraanvogels (1982)

    Der britische Sänger und Songwriter Marc Almond adaptierte in seinem Album Heart on Snow (2003) mehrere russische Balladen. Hier seine Adaption: The Storks (Cranes).

    Der zweite niederländische Künstler ist Ernst Daniël Smid mit Zwanen (2005).

     
    Ich hatte seinen Blog wie bereits erwähnt sehr gerne – stets mit Gewinn an Erkenntnis gelesen und wollte etwas beitragen, was ebenfalls den Horizont erweitert.

    Es gäbe noch viel mehr zu schreiben, aber das würde den Rahmen vollends sprengen. Daher beende ich meinen Kommentar an dieser Stelle mit einem der schönsten Versionen der Ballade: Herman Van Veen singt auf deutsch(!): Kraniche (1982) und geht mit Stimme und Text einfühlsam auf „Abschied nehmen“ ein:

    Hier der Text:

    Die Dämmerung beginnt sich auszubreiten
    am Himmel ziehen Vögel einen Strich,
    ich seh den leeren Platz in ihren Reihen
    ist dieser Fleck da reserviert für mich.

    Wenn ich mit ihnen in den Süden zöge,
    der Wind, den Wolkenberg zur Seite schiebt
    und ich sah' euch, wenn ich vorüberfiöge,
    ich würd' euch rufen, die ihr unten bliebt.

    Ich frag mich manchmal,
    sind all die Soldaten
    die irgendwo im Krieg gefallen sind
    nur unter weiße Kreuze dann geraten
    ob sie nicht Kraniche geworden sind.

    ______________________________
    1 Der englischsprachige Artikel ist ausführlicher als der dtspr. über Rassul Gamsatow. Zahlreiche Werke und Auszeichnungen sind aufgeführt, darunter auch Zhuravli (worüber es keinen dtspr. WP-Artikel gibt).

    2 leider ohne deutschsprachige Entsprechung auf Wikipedia. Dafür gibt es den Beitrag Friedensdenkmal der Kinder von Hiroshima (für den es wiederum keine Entsprechung auf englisch gibt).