Chris Froome ist in der komfortablen Situation, das Gesamtklassement mit über vier Minuten anzuführen. Er könnte sich also “bequem” an die Hinterräder seiner direkten Widersacher klemmen und die Tour ohne weitere Schau seiner Leistungsfähigkeit zu Ende fahren und so möglicherweise weniger nervige Fragen zu Doping von den Journalisten bekommen.

Ich hingegen hoffe, er greift weiter an.

Die Seite The Science in Sport bietet exzellente Analysen und Kommentare zur Tour und anderen Sportveranstaltungen. Veloclinic bietet detaillierte Analysen zum Radsport.
Die Fahrtzeiten für die Tabelle stammen von hier und hier.
Bild oben aus dem Forum vom Tour-Magazin. Bild in der Mitte zeigt einige der Athleten am gestrigen Ruhetag. Ganz rechts ist Marcel Kittel (via @marcelkittel).

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Kommentare (25)

  1. #1 roel
    *****
    16. Juli 2013

    @Tobias Maier Ich hoffe auch, dass Froome sich nicht nur im Windschatten ausruht.

    “Das einzigartige Training im Team Sky erklärt den Unterschied zu anderen Fahrern”.

    Was ist das Einzigartige an dem Training?

    “Das Team Sky hat verbindliche Anti-Doping Klauseln in ihren Verträgen mit Fahrern und anderen Angestellten.”

    Ähnliche Klauseln sind aus den Rennställen bekannt, in denen gedopt wurde.

    Das Lance Armstrong in 2099 noch eine 49er Zeit auf den Mont Ventoux schafft wird definitv nicht mit normalen Mitteln möglich sein.

  2. #2 Tobias Maier
    16. Juli 2013

    roel,
    ich habe leider auch keine weiteren Informationen zu den Trainingsplänen von Sky, ich lese jedoch, dass Sky sehr genau vorab plant wie die Berge (möglichst ressourcenschonend) hoch zu fahren sind. Die Art wie trainiert wird (beispielsweise keine Rennen vor der Tour zu fahren) hat sich geändert, und ich denke, dass da Verbesserungspotential liegt. Ich schau mal, vielleicht schaffe ich dazu auch noch einen Blogpost.
    Die Tabelle habe ich aktualisiert. 🙂

  3. #3 peer
    16. Juli 2013

    Wenn ein Fahrer besser ist als die anderen Profis, ist das normal. Wenn er aber so viel besser ist, dass er selbst ohne Mannschaft und Hilfe so viele Minuten gegenüber anderen herausfährt – das ist in meinen Augen sehr verdächtig. Zumal Froome ja erstmal Helfer war.
    Das erinnert schon sehr an Armstrongs Fabeletappen oder Floys Landis Hatz alleine gegen die Spitzengruppe 2006.

  4. #4 roel
    *****
    16. Juli 2013

    @peer “Zumal Froome ja erstmal Helfer war.” Hm, Teamleader fallen nicht vom Himmel sondern müssen sich ihren Platz erarbeiten. Jeder fängt mal als Wasserträger an.

  5. #5 roel
    *****
    16. Juli 2013

    @Tobias Maier ” Ich schau mal, vielleicht schaffe ich dazu auch noch einen Blogpost.”

    Das wäre toll.

  6. #6 Tobias Maier
    16. Juli 2013

    peer,
    ja, Froomes Aufstieg ist schon fabelhaft. Siehe dazu auch hier: https://www.cyclefiesta.com/multimedia/articles/rise-of-chris-froome.htm

  7. #7 JOGO
    16. Juli 2013

    Besonders verdächtig bei Froome finde ich seine Leistungsentwicklung im schon fortgeschrittenen Alter. Er ist immerhin schon 28. Seinen ersten großen Erfolg hatte er 2011 mit schon 26 Jahren und das war gleich der 2. Platz bei einer 3-wöchigen Rundfahrt, der Vuelta. Er hat vorher keine kleinere Rundfahrt gewonnen oder zumindest ganz vorne beendet, noch ist er sonst irgendwo mit besonderer Leistung aufgefallen – nicht mal 2011 in den Monaten vor der Vuelta. Vom unbekannten Fahrer auf hinteren Plätzen ist er seit Herbst 2011 der beste Bergfahrer der Welt und nebenbei auch noch einer der besten Zeitfahrer. Mit welchen Training soll das möglich sein?
    Man vergleiche die Entwicklung von Froome mal mit zum Beispiel Toni Martin oder auch Contador, die beide von den Junioren über die U23 bis zu den Profis immer vorne dabei waren und eine nachvollziehbare Leistungssteigerung gezeigt haben. Toni Martin ist seit der Juniorenzeit ein hervorragender und erfolgreicher Zeitfahrer. Er tüftelt seit vielen Jahren an der Verbesserung seiner Zeitfahrqualität – Sitzposition, Material, Training… – und plötzlich ist Froome aus dem nichts heraus nahezu gleich gut. Wie soll das gehen?
    Die Geschichte vom besonders wissenschaftlichen und gewissenhaften Training ist auch schon alt. Vor allem Armstrong hat das immer erzählt. Damit werden alle anderen ein bisschen für dumm verkauft. Mittlerweile arbeiten doch alle Teams mit Trainingswissenschaftlern zusammen, haben Leistungsmesskurbeln am Rad und analysieren alles was man analysieren kann. Ich glaube nicht, dass man in der Trainingswissenschaft die Welt so neu erfinden kann, dass innerhalb von ein paar Monaten eine Leistungsexplosion wie bei Froome 2011 möglich ist.

  8. #8 peer
    16. Juli 2013

    @roel
    Ja, ist klar, aber hier haben wir es nicht mit einem Edelhelfer oder einem ehemailigen Jungtalent zu tun, sondern mit jemanden, der sonst immer unter “Ferner Liefen” mitfuhr und jetzt aus dem nix eine Leistungsexplosion zeigt (siehe auch Jogos Kommentar). Das ist schon verdächtig und kann nicht mit “besonderem Training” erklärt werden.

  9. #9 Sepp
    16. Juli 2013

    “Aus dem Nichts” kam die Leistungssteigerung nun wirklich nicht. Natürlich ging es relativ schnell, aber Froome ist nun auch schon ein paar Jahre dabei und schrittweise besser geworden. Auch sollte man vorsichtig mit der Aussage sein, dass so eine Steigerung mit dem “hohen” Alter von 28 Jahren nicht mehr möglich ist. Gerade bei Ausdauersportarten ist der Zenit deutlich nach hinten verschoben, altersmäßig hat er die beste Zeit noch vor sich.

    Ob Froome dopt oder nicht, das wird sich früher oder später so oder so rausstellen. Momentan sehen die Leistungen aber nicht so dramatisch gut aus, dass sie unrealistisch sind. Zeit konnte er nur beim Zeitfahren und am Mont Ventoux gewinnen, wobei er letzten halb hochgeschleppt wurde. Auf einer vorangegangenen Etappe musste er sogar mal abreißen lassen.

  10. #10 Stefan W.
    17. Juli 2013

    Besonders verdächtig bei Froome finde ich seine Leistungsentwicklung im schon fortgeschrittenen Alter.

    In den letzten 10, 15 Jahren gab es auch Dopingmittel. Wieso sollte er erst heute dopen?
    @peer:

    Wenn er aber so viel besser ist, dass er selbst ohne Mannschaft und Hilfe so viele Minuten gegenüber anderen herausfährt – das ist in meinen Augen sehr verdächtig.

    Weil die anderen nicht dopen? Das Argument verstehe ich noch weniger. Schlägt Doping immer bei dem am besten an, der ohnehin am besten ist?

    @roel: 2x ++, aber was soll das:

    Das Lance Armstrong in 2099 noch eine 49er Zeit auf den Mont Ventoux schafft wird definitv nicht mit normalen Mitteln möglich sein.

    2099 würde Armstrong rund 120 sein – wieso interessiert uns das?

  11. #11 roel
    *****
    17. Juli 2013

    @Stefan W. “aber was soll das” In die Tabelle hatte sich bei Armstrong das Jahr 2099 anstatt 2009 eingeschlichen. Also nur ein Wink mit dem Zaunpfahl.

  12. #12 Thanus
    17. Juli 2013

    Sehr guter neutral gehaltener Artikel, der beide Seiten beleuchtet.

    Ich verfolge die Tour seit langem und kann mich am Ventoux zum Einen an keinen so günstigen Wind erinnern und zum Anderen an keinen solchen Rennverlauf, bei dem von unten weg auf Druck gefahren und noch richtig Klassement gemacht wurde. (Pantani fuhr den Ventoux im Übrigen 1994 in 46:00 hoch)

    Man wird in Alpe d’Huez sehen, dass die Fahrer aktuell weit (mehr als 2min) hinter den Bestzeiten der Armstrong und Pantani-Ära zurückliegen und die hysterischen Aufschreie der Jounalisten weitestgehend unbegründet sind, jedenfalls nicht begründeter als vor der EPO-Ära.

  13. #13 peer
    17. Juli 2013

    @Stefan W:
    Ich weiß nicht ob die anderen Dopen, aber es gibt sicherlich unterschiedliche Grade des Doping. Nicht nur “an” oder “aus”. Armstrong z.B. hat sehr viel systematischer gedopt als seine Mitstreiter.

  14. #14 Dr. Webbaer
    17. Juli 2013

    Besonders verdächtig bei Froome finde ich seine Leistungsentwicklung im schon fortgeschrittenen Alter. (Artikeltext)

    In den letzten 10, 15 Jahren gab es auch Dopingmittel. Wieso sollte er erst heute dopen?

    Weil Doping, also die drogenbasierte Feinabstimmung des Körpers für die Zwecke des Sports, eine Kunst ist, die Kenntnis, Übung & Kontakte verlangt? Weil Fahradrennfahrer ab einem bestimmten Lebensalter die Konsequenzen weniger fürchten, weil die Alternative “mitzufahren” auch nicht so töfte scheint?

    Nett die im Artikel vorgenommene Unterscheidung zwischen Optimisten und Pessimisten!

    MFG
    Dr. W

  15. #15 JOGO
    17. Juli 2013

    @Sepp: Froome ist tatsächlich schon ein paar Jahre dabei, aber eine schrittweise Verbesserung kann ich nicht erkennen. Ich habe kein vorderes Ergebnis vor seinem Fastsieg in Spanien 2011 gefunden.
    Es stimmt, dass in Ausdauersportarten der Leistungszenit in höherem Alter liegt. Das liegt unter anderem daran, dass dazu sehr umfangreiche körperliche Anpassungen (Herz- Kreislaufsystem, Lunge, Stoffwechsel….) erforderlich sind und das auf natürlichem Wege viele Jahre dauert. Es reicht nicht, auf die Schnelle ein paar Muskeln anzutrainieren. Deswegen sind auch große Leistungssprünge im Ausdauersport ungewöhnlich.

  16. #16 Tobias Maier
    17. Juli 2013
  17. #17 roel
    *****
    17. Juli 2013

    @Tobias Maier,

    interessanter Artikel in der Zeit. Ich bin gespannt, was von den diesjährigen Helden bleibt.

    Vielen Dank für den Nachtrag.

  18. #18 Tobias Maier
    18. Juli 2013

    Heute die Königsetappe mit 2x Alpe d’Huez. Wechselhaftes Wetter ist vorhergesagt, womit Contador besser zurecht kommt. Spannend wird das auf jeden Fall.

    Tips auf den Etappenverlauf/ Etappensieger irgendjemand?

  19. […] schliesslich zählt Weitergen mal auf, welche Argumente es für und gegen einen Dopingverdacht des derzeit Führenden in der Tour […]

  20. […] Sie mich fragen, ob die Leistungen von Wiggins und Froome sauber sind, würde ich das bejahen. Zwischen 1990 und 2010 gab es hinsichtlich des Wissens über […]

  21. #21 Tobias Maier
    21. Juli 2013

    Froomes Worte bei der Siegerehrung:

    this is one yellow jersey that will stand the test of time.

  22. […] werden könnten und konkret um die Frage ob der Gewinner der diesjährigen Tour de France, Chris Froome, gedopt war. In einem Gastartikel wurde die Frage untersucht, ob es überhaupt möglich ist, die Tour ohne […]

  23. […] science blog, Scienceblogs.de, then wrote on the matter. First drawing climb times from another […]

  24. #25 Georg
    19. Juli 2015

    Der Radsport wird sich so lange nicht rehabilitieren, wie sich die wahren Schuldigen nicht zu ihren Fehlern bekennen. Ich erkenne keinem der gedopten Fahrern seine Leistung ab und es ist Unsinn einen solchen Fahrer, der unter dem Druck der wahren Schuldigen gedopt hat, sein Leben lang zu sperren. Vielmehr sollten die Teammanager und auch die Teams gesperrt werde. Aber hoppla … stimmt! Das sind ja die Sponsoren, die Geldgeber. Das sind diejenigen für die ja auch der Erfolg eingefahren werden musste, mit welchen Mitteln auch immer. Nein, die will man sich ja nicht vergraulen. Der Rubel muss ja rollen. Und so hat sich im Prinzip nichts geändert im Radsport. Und ohne Änderung keine Rehabilitierung.